Total Eclipse of …

Gerade war eine totale Sonnenfinsternis in Spanien und übermorgen früh (28.08.) wird sich eine fast totale (93%) Mondfinsternis ereignen (Finsternisse treten stets paarweise auf: hier die Daten). Bei einer MoFi verschwindet der Mond nicht, sondern erscheint gerötet: alte Völker haben sich vorgestellt, dass sich dabei Blut über den Mond ergießt – daher auch Blutmond genannt.

Diese MoFi zwischen 3:23 und 6:17 ist lohnend für alle Frühaufsteher.

blutige Schlachtung auf dem Mond; publiziert in Archiv für Orientforschung (AfO) 56, 45-53. Die Tontafel mit diesem Bild liegt derzeit in Berlin in der ZODIAC Ausstellung.

Bei der totalen Mondfinsternis letztes Jahr im September hatte ich hier zur Beobachtung aufgerufen und um Daten für meine Studentin gebeten; ähnliches hatte ich mit einem anderen Studenten bereits 2017 unternommen.

Unser fachdidaktisch-kulturastronomischer Artikel ist hier gerade – pünktlich zum Schulstart – erschienen: Vielen Dank! 

Bei einer partiellen Mondfinsternis (oder der partiellen Phase einer totalen) können Sie buchstäblich sehen, dass die Erde eine Kugel ist. Genauer gesagt, nicht mit einer einzelnen MoFi-Beobachtung, sondern mit Beobachtung derselben MoFi von Europa und Amerika gleichzeitig, oder mit verschiedenen MoFi – immer wird der Erdschatten ein Kreisbogensegment abschneiden. Dies war schon ein Argument bei Aristoteles und er zitiert es von früheren Gelehrten – datiert also in die Mitte des ersten Jahrtausends vor Beginn unserer Zeitrechnung und lässt sich heute gut in Klassenzimmern mit eigenen Beobachtungen nachvollziehen.

1. Total Eclipse of the SUN: Sonnenfinsternis

Ich selbst war gerade gesundheitlich nicht fit genug, aber zwei meiner Stellarium-Kollegen haben Fotos von der Totalität geschickt. Da das Bild der Sonnenkorona in Stellarium nunmehr einen Saroszyklus alt ist, besteht nun Aussicht auf Update in einer künftigen Version – Stellarium hat vier Releases pro Jahr: zu allen Sonnenwenden und Äquinoktien. Vor allem auch die Farben der eindrucksvollen Protuberanzen haben das Team beeindruckt und sollten in der Software künftig verbessert werden. 

Picture by Ruslan Kabatsayev

2. Total Eclipse of the MOON: Mondfinsternis 

Während eine Sonnenfinsternis nur in einem schmalen Streifen auf der Erde total wahrgenommen werden kann, wird bei einer Mondfinsternis der Mond (im All) verfinstert, indem er in den Erdschatten eintritt: es handelt sich also nicht (wie bei SoFi) um eine rein mechanische Verdeckung mit Parallaxe, sondern um ein Ereignis auf dem Mond, denn es erreicht seine Oberfläche tatsächlich weniger Sonnenlicht. Das Ereignis findet „absolut“ im All statt und etwaige Unterschiede in der Beobachtungszeit liegen ggf. daran, dass sich die Beobachter auf der Erde an verschiedenen Orten befinden – genauer gesagt, auf verschiedenen Längengraden. 

Darum wurde bereits in der Antike vorgeschlagen, totale Mondfinsternisse zur Erdvermessung (Geographie) zu nutzen. Diese Längengrad-Messung wurde im Altertum aber nicht systematisch umgesetzt, sondern galt als Schulproblem, das man nur berechnen und „theoretisch“ verstehen kann, sich aber in der Praxis nicht bewährt. Umgesetzt wurde es allerdings von islamischen Gelehrten ab dem 10. Jahrhundert, weil es für die Bestimmung von Festtagen nach dem Mondkalender und natürlich für Gebete aus Anlass von Mondfinsternissen wichtig wurde. Vor allem im muslimischen – aber natürlich auch europäischen – Schulen könnte dies also ein interessantes „Experiment“ sein, bei dem die Schülerinnen und Schüler historische Beobachtungsmethoden wiederholen und dabei durch internationale Kollaboration (mit Gleichaltrigen auf anderen Kontinenten, was heute qua Internet eben schon im schulischen Bereich möglich ist) zur Zusammenarbeit mit Menschen aus anderen Kulturkreisen animiert werden: sie müssen schließlich in geographischer Länge möglichst weit entfernt sein, damit die Sache – trotz Fehlerbalken – gut funktioniert. 

Es würde die Bestimmung des Erdumfangs nach Eratosthenes gut ergänzen, das als „Schulversuch“ bereits seit längerem gern in Büchern beworben wird. 

Hier ein paar Exzerpte aus dem Beitrag im aktuellen CAPjournal

3. Total Eclipse of the HEART: Popkultur

Bonny Tylor is kürzlich leider verstorben, aber ihre kraftvolle feminin-tiefe Stimme wird uns dank moderner Medien erhalten bleiben. Die Liebe, die sie in diesem Lied besingt, mag schmerzhaft sein, denn es ist ein Vampirlied (für Musicals genutzt). Es geht um den verzweifelten Wunsch, dass ein geliebter Mensch zurückkehrt, um die eigene emotionale Finsternis zu erhellen. Naja, viele Menschen sehen in Astronomie stark ramontische Komponenten. 

Ob nun mit Astronomie oder einfach zwischenmenschlich: Liebe lohnt sich! 

Was die Rückkehr der Liebe angeht, könnten alle Sehnsüchtigen (Romantiker:innen) dieses Jahr Glück haben. Ich habe am Valentinstag und an beiden Terminen des chinesischen/ japanischen Sternfest, Qixi / Tanabata astronomische Hinweise geschrieben. Ich fühle mit Ihnen, denn Liebe in allen Facetten von Mitgefühl über Romantik bis Freundschaft ist das zentrale Element unserer europäischen (im Christentum verwurzelten) Kultur! … aber nehmen wir gern an jedem Tag und nicht nur am siebten Tag des siebten Monats nach irgendeinem Kalender oder anderen lustigen Regeln. 😉

Jedenfalls werde ich mit meinem internationalen, multireligiösen Team weiter versuchen, mit Astronomie, Romantik und Liebe das Leben von Menschen ein bisschen schöner zu machen, denn Kultur ist nicht alles, aber ohne Kultur ist alles nichts – ein Arzt kann Leben retten, aber Kultur wie Kunst und Wissenschaft machen ein Leben lebenswert.

PS: 

Die zahlreichen Schreibfehler in der erste Version bitte ich geflissentlich zu vergessen – der Beitrag war Anfang August mit Fokus auf SoFi vorbereitet, musste aber mehrfach verschoben werden und konnte erst jetzt erscheinen und ich bin gerade durch meine Haupttätigkeiten so okupiert, dass ich ihn vorm Freischalten schlecht reviewt hatte. Sie wissen – SciLogs ist ein Ehrenamt.

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Dr. Dr. Susanne M Hoffmann ist seit 1998 als Kultur-Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik und Wissenschaftsgeschichte (zwei Diplome), Informatik und Fachdidaktik (neue Medien/ Medienwissenschaft) als Weiterqualifikationen. Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde. Studienbedingt hat sie 2001-2006 in Potsdam gelebt, jobbedingt 2005-2008 saisonal in Mauretanien (winters) und Portugal (sommers), 2008-2009 und 2013-'15 in Berlin, 2010 in Hamburg, 2010-2012 in Hildesheim, 2015/6 in Wald/Österreich, seit 2017 in Jena, mit Gastaufenthalten im Rahmen von Forschungskollaborationen in Kairo+Luxor (Ägypten 2022), Jerusalem+Tel Aviv (Israel 2023), Hefei (China 2024), Semarang (Indonesien 2017, 2024), USA (2024, 2025)... . Die einleitenden Verse beschreiben eine Grundstruktur in ihrem Denken und Agieren: Physik ist eine Grundlagenwissenschaft, die datenbasiert und mit dem Erkenntnisapparat der Logik ein Verständnis der Natur zu erlangen bestrebt ist. Es gibt allerdings auch Fragen der Welt, die sich der Physik entziehen (z.B. wie wir Menschen auf diesem Planeten friedlich, synergetisch und benevolent zusammenleben können) - darum ist Physik nicht die einzige Liebe der Bloggerin. Sie liebt die Weisheit und hinterfragt die Welt. Das Wort "Philosophie" ist ihr aber zu groß und das populärwissenschaftliche Verständnis davon zu schwammig, als dass sie sich damit identifizieren würde: hier geht's faktenbasiert zu. Ihr fachliches Spezialgebiet sind Himmelskarten und Himmelsgloben; konkret deren Mathematik, Kartographie, Messverfahren = Astrometrie, ihre historische Entwicklung, Sternbilder als Kulturkalender und Koordinatensystem, Anomalien der Sternkarte(n) - also fehlende und zusätzliche Sterne, Sternnamen... und die Schaustellung von alle dem in Projektionsplanetarien. Sie versteht dieses Blog als "Kommentar an die Welt", als Kolumne, als Informationsdienst, da sie der Gesellschaft, die ihr das viele studieren und forschen ermöglicht, etwas zurückgeben möchte (in der Hoffnung, dass ihr die Gesellschaft auch weiterhin die Forschung finanziert).

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