Sternbild Dreieck

Info Karte der IAU

Das Sternbild Dreieck (Triangulum) ist seit Alters her – d.h. seit ca. 2000 Jahren – durch vier Sterne definiert. Warum? Tja, leider können wir die Autoren nicht mehr fragen, aber wir lesen in den Texten, dass es so ist. Ptolemäus von Alexandria schrieb im 2. Jahrhundert n.Chr. jedenfalls selbstbewusst “4 Sterne, 3 von dritter Magnitude, 1 von vierter”.

Alle vier Sterne im Dreieck haben nun offizielle IAU-Namen: 

Der Hauptstern (alpha Trianguli) hat einen arabischen Namen, der Übersetzung aus dem Griechischen ist (Spitze des Dreiecks). 

Der zweithellste (beta Trianguli) hat einen indigen arabischen Namen aus der Zeit vor der Übernahme griechischer Sternbilder: Damals hatten die Beduinen ein Sternbild “Widder”, das größer war als der griechische Widder und außerdem umgekehrt: die Kniegelenke dieses indigen arabischen Beduinen-Widders wurden durch die Sterne alpha und beta Trianguli markiert, woran dieser Name erinnert. 

Im Alten Ägypten kannte man weder das Sternbild “Widder” noch “Dreieck”, sondern betrachtete diese Himmelsgegend als Teil eines großen Sternbilds “Vogel”. Die heutige ägyptologische Forschung weiß nicht, um was für einen Vogel es sich hier handelt (Falke oder Gans/ Ente), aber ramessidische Sternuhren aus der Zeit von ca. 1100 v.Chr. überliefern einige Sternnamen in dieser Figur, so dass wir sicher wissen, dass sie sich zwischen Perseus, Pegasus und Cetus erstreckte. Der Stern gamma Trianguli bekam daher diesen Namen. 

Astronominnen lieben Wortspiele. Daher wurde der altgriechische Name des Sternbilds “Deltoton” für den Stern delta Trianguli standardisiert. Das “Dreieck” am Himmel ist nämlich keineswegs ein Geodreieck, das ein schlampiger Schüler dort liegen ließ, sondern es ist der griechische Buchstabe “Delta” (Δ) – in Monumentalschrift (Großbuchstaben) ein Dreieck Δ. Es ist der Anfangsbuchstabe des griechischen Wortes für den höchsten Gott: Dios. Ihm gehört das Himmelszelt und das Sternbild “Triangulum” (eigentlich “Deltoton”) gibt diese göttliche Widmung der Sterne an. 

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"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" Dr. Dr. Susanne M Hoffmann ist seit 1998 als Kultur-Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik und Wissenschaftsgeschichte (zwei Diplome), Informatik und Fachdidaktik (neue Medien/ Medienwissenschaft) als Weiterqualifikationen. Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde. Studienbedingt hat sie 2001-2006 in Potsdam gelebt, jobbedingt 2005-2008 saisonal in Mauretanien (winters) und Portugal (sommers), 2008-2009 und 2013-'15 in Berlin, 2010 in Hamburg, 2010-2012 in Hildesheim, 2015/6 in Wald/Österreich, seit 2017 in Jena, mit Gastaufenthalten im Rahmen von Forschungskollaborationen in Kairo+Luxor (Ägypten 2022), Jerusalem+Tel Aviv (Israel 2023), Hefei (China 2024), Semarang (Indonesien 2017, 2024), USA (2024, 2025)... . Die einleitenden Verse beschreiben eine Grundstruktur in ihrem Denken und Agieren: Physik ist eine Grundlagenwissenschaft, die datenbasiert und mit dem Erkenntnisapparat der Logik ein Verständnis der Natur zu erlangen bestrebt ist. Es gibt allerdings auch Fragen der Welt, die sich der Physik entziehen (z.B. wie wir Menschen auf diesem Planeten friedlich, synergetisch und benevolent zusammenleben können) - darum ist Physik nicht die einzige Liebe der Bloggerin. Sie liebt die Weisheit und hinterfragt die Welt. Das Wort "Philosophie" ist ihr aber zu groß und das populärwissenschaftliche Verständnis davon zu schwammig, als dass sie sich damit identifizieren würde: hier geht's faktenbasiert zu. Ihr fachliches Spezialgebiet sind Himmelskarten und Himmelsgloben; konkret deren Mathematik, Kartographie, Messverfahren = Astrometrie, ihre historische Entwicklung, Sternbilder als Kulturkalender und Koordinatensystem, Anomalien der Sternkarte(n) - also fehlende und zusätzliche Sterne, Sternnamen... und die Schaustellung von alle dem in Projektionsplanetarien. Sie versteht dieses Blog als "Kommentar an die Welt", als Kolumne, als Informationsdienst, da sie der Gesellschaft, die ihr das viele studieren und forschen ermöglicht, etwas zurückgeben möchte (in der Hoffnung, dass ihr die Gesellschaft auch weiterhin die Forschung finanziert).

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