Stern von Bethlehem | Messianic Star

Dass Sie den Stern von Bethlehem besser in den Kirchen lassen sollten und dass er mit Astronomie nichts zu tun hat, habe ich in den vergangenen Jahren oft erörtert. 

Das Gerücht von der Dreifachkonjunktion (Jupiter und Saturn im Sternbild Fische) geht auf Kepler zurück, lässt sich aber mit dem Wissen des 20. Jahrhunderts leicht widerlegen:

  • Kepler hat eine Supernova gesehen und wir wissen seit den 1930er Jahren, dass diese nicht durch Planetenkonjunktionen verursacht werden. 
  • Planetenkonjunktionen sind weder besonders selten noch überraschend (alles vorher berechenbar, auch in augusteischer Zeit und erst Recht von babylonischen, “morgenländischen”, Astronomen). 
  • Das Sternbild “Fische” gab es babylonisch gar nicht. 
  • Es gab keinen “Planet der Juden”, sondern die Assoziation von Juden und Saturn stammt aus Keplers Zeit, weil der jüddische Sabbat (Feiertag) an dem Wochentag gefeiert wird, der seit dem 2. Jh. n.Chr. (!) dem Saturn zugeordnet wird: “Satur(n)day”. 
  • in der Antike hat niemand den Stern aus dem Evangelium als reales Himmelsereignis verstanden, sondern man verstand es als Metapher und göttliches Zeichen. 
  • die Kometen-Gemälde sind eine Darstellungsform in der Kunst, um die Besonderheit des Objekts hervorzuheben. Die reale Vorlage war für den Renaissance-Maler Giotto di Bondone eine Halley-Sichtung durch den Maler, aber das sagt nichts über die Situation bei Jesu Geburt aus. 
  • auf ähnliche Weise – so argumentiere ich seit 2012 – könnte der Evangelist Matthäus (und seine Zuhörer) von einer scheinbaren Planet-Verschmelzung durch Jupiter und Venus in den Jahren 2 oder 3 v.Chr. inspiriert worden sein. Auch das sagt nichts über die reale Situation bei Jesu Geburt aus, sondern nur über Assoziationen der Menschen, die eine Geschichte hören. 
  • auch die hartnäckigen Leute, die unter chinesischen “Gaststernen” einen oder zwei Kandidaten für echte Aufleucht-Phänomene (Novae, Supernovae) gefunden haben wollen, wurden bereits seit langem (und rezent wieder mit neuen Daten) mit einem Befund von null plausiblen Kandidaten konfrontiert. 

Ein neues Buch ist gerade erschienen, in dem ein amerikanischer Autor genau das beschreibt:

Martin Wells, The Messianic Star – New Light on the Star of Bethlehem

Es gab kürzlich eine Buchvorstellung, bei der der Autor im Dialog mit dem Kultur-Astronomen Prof. Dr. Nick Campion (Director of the Sophia Center for the Study of Cosmology in Culture, University of Wales).

Hier finden Sie sie zum Nachhören (ca. 1 Stunde).  

https://vimeo.com/781202522/9872f541b0

Wenn Sie also in den nächsten Tagen wieder die Weihnachtsgeschichte hören, versuchen Sie bitte, sie einfach in der Epoche ihrer Entstehung zu verstehen. Sie ist eine Geschichte von der erfolgreichen Geburt eines überlebensfähigen Kindes unter widrigen Umständen: Das war damals und ist in vielen Ländern bis heute keine Selbstverständlichkeit! Ein kleines Wunder an sich.

Bei dem Fest geht es also um Liebe und Neubeginn, um Romantik, um den Triumph des Guten (Sol Invictus ist auch ein Gott der Gerechtigkeit, der die Bösen zu bestrafen hilft) und die Bestrafung + Vertreibung von Schlechtem und Bösem. Es geht um den Beginn einer neuen und vor allem besseren Welt. 

That you would be better off leaving the Star of Bethlehem in the churches and that it has nothing to do with astronomy is something I have often discussed in recent years. 

The rumour of the triple conjunction (Jupiter and Saturn in the constellation of Pisces) goes back to Kepler, but can easily be refuted with the knowledge of the 20th century:

  • Kepler saw a supernova and we have known since the 1930s that these are not caused by planetary conjunctions.
  • Planetary conjunctions are neither particularly rare nor surprising (everything can be calculated beforehand, even in Augustan times and even more so by Babylonian, “Oriental”, astronomers).
  • The constellation “Pisces” did not exist in Babylon.
  • There was no “planet of the Jews”, but the association of Jews and Saturn comes from Kepler’s time, because the Jewish Sabbath (holiday) is celebrated on the day of the week that has been assigned to Saturn since the 2nd century AD (!): “Satur(n)day”.
  • in antiquity, no one understood the star from the Gospel as a real celestial event, but it was understood as a metaphor and divine sign.
  • the comet paintings are a form of representation in art to emphasise the special nature of the object. The real-life model for the Renaissance painter Giotto di Bondone was a Halley sighting by the painter, but that says nothing about the situation at Jesus’ birth.
  • similarly (as I argue since 2012), the evangelist Matthew (and his audience) may have been inspired by an apparent planetary merger by Jupiter and Venus in 2 or 3 BC. Again, this says nothing about the real situation at Jesus’ birth, but only about associations of people hearing a story.
  • also the persistent people who want to have found one or two candidates for real illumination phenomena (novae, supernovae) among Chinese “guest stars” have long been confronted (and recently again with new data) with a finding of zero plausible candidates.

A new book has just been published in which an American author describes just that:

Martin Wells, The Messianic Star – New Light on the Star of Bethlehem.

There was a book launch recently where the author was in dialogue with cultural astronomer Prof. Dr. Nick Campion (Director of the Sophia Center for the Study of Cosmology in Culture, University of Wales).

You can listen to it here (approx. 1 hour).

So when you hear the Christmas story again in the next few days, please try to understand it simply in the epoch of its creation. It is a story of the successful birth of a child capable of survival under adverse circumstances: That was not a matter of course then and is still not a matter of course in many countries today! A little miracle itself.

The festival is about love and new beginnings, romance, the triumph of good (Sol Invictus is also a god of justice who helps punish the wicked) and the punishment + expulsion of bad and evil. It is about the beginning of a new and above all better world.

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"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" Dr. Dr. Susanne M Hoffmann ist seit 1998 als Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik und Wissenschaftsgeschichte (zwei Diplome), Informatik und Fachdidaktik (neue Medien/ Medienwissenschaft) als Weiterqualifikationen. Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde. Jobbedingt hat sie 2001-2006 in Potsdam gelebt, 2005-2008 saisonal in Mauretanien (winters) und Portugal (sommers), 2008-2009 und 2013-'15 in Berlin, 2010 in Hamburg, 2010-2012 in Hildesheim, 2015/6 in Wald/Österreich, 2017 in Semarang (Indonesien), seit 2017 in Jena, mit Gastaufenthalten im Rahmen von Forschungskollaborationen in Kairo+Luxor (Ägypten), Jerusalem+Tel Aviv (Israel), ... . Ihr fachliches Spezialgebiet sind Himmelskarten und Himmelsgloben; konkret deren Mathematik, Kartographie, Messverfahren = Astrometrie, ihre historische Entwicklung, Sternbilder als Kulturkalender und Koordinatensystem, Anomalien der Sternkarte - also fehlende und zusätzliche Sterne, Sternnamen... und die Schaustellung von alle dem in Projektionsplanetarien. Sie versteht dieses Blog als "Kommentar an die Welt", als Kolumne, als Informationsdienst, da sie der Gesellschaft, die ihr das viele studieren und forschen ermöglichte, etwas zurückgeben möchte (in der Hoffnung, dass ihr die Gesellschaft auch weiterhin die Forschung finanziert).

1 Kommentar

  1. Die Prophezeiung der Geburt Christi durch eine Jungfrau aufgrund einer Planetenkonjunktion von Saturn und Jupiter steht auch in einer pseudo-ovidischen Dichtung des 13. Jh., “De Vetula”.
    Die Einleitung gibt das Gedicht als letztes Werk von Ovid aus, gefunden in seinem Grab in einem Elfenbeinbehälter. Zum Schluss prophezeit Ovid anlässlich der Planetenkonjunktion im 24. Jahr der Herrschaft des Augustus die Geburt eines Propheten sechs Jahren später.

    Die Dichtung wurde im 16. Jh. als Druck publiziert und nochmals 1610 (in diese Ausgabe habe ich mal reingeschaut, gibt es als scan im Internet.) Im Mittelalter wurde sie oft noch, aber nicht immer, als authentisch betrachtet.

    Ob Kepler diese Schrift kannte?

    Das ist natürlich mehr eine kulturhistorische Bemerkung und nicht als Auffrischung der Konjunktions-These gedacht.

    https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=De_vetula&oldid=225962466

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