SpaceCamp Tagesausflug I

Vormittag

Das Astrophysikalische Institut Potsdam (AIP) ist ein Stück Wissenschaftsgeschichte made in Germany. Das Institut, das 1992 diesen Namen trägt, sieht sich in Tradition zweier Linien: erstens die Linie der Berliner Sternwarte von 1700. Diese war lange weltberühmt für ihre guten Beobachter! Daher wurde hier durch den Astronomie-Assistenten Galle 1846 der Planet Neptun nach seiner Vorausberechnung durch Leverrier zum ersten Mal im Teleskop gesehen. Die zweite historische Linie des AIP ist das Astrophysikalische Observatoriums (AOP), das als erstes Astro-Institut weltweit die Physik im Namen hatte.

Madleen Köppen, eine Medienwissenschaftlerin von der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit des AIP führte uns über den Telegrafenberg und zeigte die prächtig dekorierten Gebäude des AOP, das Sonnenobservatorium Einsteinturm sowie den großen Refraktor, der mit seiner 80-cm-Linse unter den TopTen der Welt an vierter Stelle steht (nach Yerkes, Lick/ Mt. Hamilton und Meudon).

Ich bin sehr stolz, dass ich selbst am Einsteinturm und am Sonnenteleskop in der Kuppel des alten Observatoriums bereits wissenschaftlich beobachtet habe: Am Teleskop habe ich "nur" Sonnenflecken gezählt; am Einsteinturm Magnetfelder in Sonnenflecken gemessen (früher mal, als Studentin der Astrophysik). Der Einsteinturm wurde zwar zum Nachweis der Vorhersagen der Allgemeinen Relativitätstheorie (Lichtablenkung am Sonnenrand, Gravitationsrotverschiebung) gebaut, doch ist das mit diesem Instrument nie gelungen. Andere Gruppen kamen der Fertigstellung des Turms zuvor und wahrscheinlich wäre er auch nicht genau genug dafür gewesen, da man hier mehr auf ansprechendes Design als auf wissenschaftliche Usibility geachtet hat. 

In meinem Studium der Medienwissenschaften begegnete mir der Einsteinturm nämlich später wieder, denn die U-Boot-Optik der Architektur von Mendelsohn ist seinerzeit eine Innovation gewesen und die Betonverkleidung sollte ihn wie aus einem Guß erscheinen lassen.

Nachmittag 

Anschließend fuhren wir nach Berlin, wo uns in meinem Heimat-Planetarium am Insulaner (hier traf ich als Teen selbst meine ersten astronomischen Freunde und habe auch mal ein Schülerpraktikum absolviert) ein Sternenspaziergang erwartete: Monika Staesche, die Leiterin des Hauses, nahm sich persönlich für uns Zeit. Sie trug den aktuellen Abendhimmel vor, zeigte Sternbilder, Planeten, deren Monde und zum Schluss einen 3D-Flug ins All. Zum Schluss gab es dann auch noch für jeden ein ESA-Poster geschenkt und die Teenis waren happy.

In ihrer superherzlichen russischen Art fiel eine Teilnehmerin mir um den Hals, weil sie es so genossen hat: Auch in Nowosibirsk gibt es ein Planetarium, aber nur ein kleines (ZKP 1), weshalb unsere star-trekige hightech Flugleiterin mit DeepSpace9-Abzeichen hier natürlich Eindruck schinden konnte. 

Live long and prosper, Monika!  Wink

Das Planetarium am Insulaner gehört zur Wilhelm-Foerster-Sternwarte, die nach dem 2. Weltkrieg auf diesem Trümmerberg angesiedelt wurde. Sie wird von einem großen Trägerverein von Hobby-Astronomen betrieben und ist somit die größte Volkssternwarte Berlins. (Die Archenhold-Sternwarte wohnt zwar in größeren Gebäuden, ist aber eine Museumssternwarte und gehört zur Stiftung Dt. Technikmuseum Berlin. Über sie werde ich morgen berichten. Die Bruno-H-Bürgel-Sternwarte in Spandau ist deutlich kleiner und die Sternfreunde im FEZ kämpfen sogar derzeit noch um ihre eigene Kinder- und Jugend-Sternwarte.)

Auf einen Besuch beim Bamberg-Refraktor haben wir diesmal verzichtet: Obgleich der Vereinsvorsitzende, Herr Preuschmann, noch rasch zur Sternwarte telefonierte, war so viel Programm an einem Tag hinreichend; jetzt wollte man bummeln gehen. 

Abend

Um den Tag abzurunden, wollten die russischen Gäste noch zum Spätshoppen in die Stadt fahren. So klang der Tag, der in Potsdam begonnen hatte, mit einem Besuch am Potsdamer Platz in Berlin aus. Unsere zwei Schülerinnen, die seit Tagen alle deutschen Vorträgen und Ansagen ins Russische übersetzen, lud ich in Berlins Edeleisdiele zu einem extra-guten Eisbecher ein.

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"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" Die Autorin ist seit 1998 als Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik, Wissenschaftsgeschichte und Fachdidaktik (neue Medien). Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde.

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