Sonnenfleck mit Smartphone

vor einigen Jahren konnte ich solche Fotos nur mit der Spiegelreflexkamera aufnehmen. Heute früh gab es wieder Romantiker-Szenen vor meinem Fenster: Der Morgentau glitzerte im Sonnenschein, während ein leichtes Lüftchen mit den Ästchen eines Baumes spielt. Davor zieht eine leichte Schwade des Morgennebels vorüber, die sich wie ein hauchdünner Brautschleier in den verspielt tanzenden Ästlein verfängt und den Tau abermals zum Glitzern bringt.

Man kann solche Szenen kaum mit Kameras dokumentieren, weil ein Abbild des Ausschnitts nicht die gleiche Wirkung entfaltet wie die Gesamtszene, wenn man sich in ihr befindet. Als ich aber den Blick nach oben schweifen ließ, wurde ich am Himmel eines kreisrunden Lichtflecks gewahr, der aus dem dort dichteren Morgennebel herausstach: die Form der Sonne war deutlich erkennbar. In ihrem bläulichen Hof erahnte man schon das Himmelblau des anbrechenden Vormittags. 

Sonne im Nebel – Smartphone-Foto durchs Fenster

Schnell zoomte ich hinein und nahm die Sonne mit 100facher Vergrößerung auf (auch Smartphone). Bei dieser starken Vergrößerung kann man nur schwer das Bild ruhig halten, muss den Bildstabilisator einschalten. Zuerst habe ich das Bild mit “medium”-Stufe der Optimierung aufgenommen, aber dann wirkt es etwas pixelig. Die “maximum”-Stufe der nachbearbeiteten Bildoptimierung macht seltsame Farbschattierungeffekte auf der Sonnenscheibe – aber die (freiäugig sichtbaren) Sonnenflecken sind dafür klar herausgearbeitet: siehe Bilder unten.

Sonne mit mittlerer und maximaler Auto-Optimierung

Noch nicht optimal, diese “Optimierung”, aber interessant, was die AI inzwischen so hinkriegt. 

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"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" Dr. Dr. Susanne M Hoffmann ist seit 1998 als (Kultur)Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik und Wissenschaftsgeschichte (zwei Diplome), Informatik und Fachdidaktik (neue Medien/ Medienwissenschaft) als Weiterqualifikationen. Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde. Jobbedingt hat sie 2001-2006 in Potsdam gelebt, 2005-2008 saisonal in Mauretanien (winters) und Portugal (sommers), 2008-2009 und 2013-'15 in Berlin, 2010 in Hamburg, 2010-2012 in Hildesheim, 2015/6 in Wald/Österreich, 2017 in Semarang (Indonesien), seit 2017 in Jena, mit Gastaufenthalten im Rahmen von Forschungskollaborationen in Kairo+Luxor (Ägypten), Jerusalem+Tel Aviv (Israel), Hefei (China)... . Die einleitenden Verse beschreiben eine Grundstruktur in ihrem Denken und Agieren: Physik ist eine Grundlagenwissenschaft, die datenbasiert und mit dem Erkenntnisapparat der Logik ein Verständnis der Natur zu erlangen bestrebt ist. Es gibt allerdings auch Fragen der Welt, die sich der Physik entziehen (z.B. wie wir Menschen auf diesem Planeten friedlich, synergetisch und benevolent zusammenleben können) - darum ist Physik nicht die einzige Liebe der Bloggerin. Sie liebt die Weisheit und hinterfragt die Welt. Das Wort "Philosophie" ist ihr aber zu groß und das populärwissenschaftliche Verständnis davon zu schwammig, als dass sie sich damit identifizieren würde: hier geht's faktenbasiert zu. Ihr fachliches Spezialgebiet sind Himmelskarten und Himmelsgloben; konkret deren Mathematik, Kartographie, Messverfahren = Astrometrie, ihre historische Entwicklung, Sternbilder als Kulturkalender und Koordinatensystem, Anomalien der Sternkarte - also fehlende und zusätzliche Sterne, Sternnamen... und die Schaustellung von alle dem in Projektionsplanetarien. Sie versteht dieses Blog als "Kommentar an die Welt", als Kolumne, als Informationsdienst, da sie der Gesellschaft, die ihr das viele studieren und forschen ermöglichte, etwas zurückgeben möchte (in der Hoffnung, dass ihr die Gesellschaft auch weiterhin die Forschung finanziert).

5 Kommentare

  1. Was für ein Photo. Wenn man annimmt, dass die Erde die Größe eines Sonnenfleckes hat, dann sieht man wie groß die Erde in 150 Millionen km Entfernung aussieht.

    Allen Größenwahnsinnigen dieser Erde sollte man ihr Photo zeigen !

    • naja, “gesehen” habe ich tatsächlich freiäugig ungefähr das, was die Weichware “reingemalt” hat! Schöner Ausdruck: hätte von mir sein können. 🙂 Eine KI ist halt ein 15jähriges Menschlein (halbreif), das alle Bücher in allen Bibliotheken der Welt ge”lesen” hat (von vollends verstanden kann nicht die Rede sein). Aber Sie haben Recht: der optische Eindruck war eben nur _ungefähr_ so wie das.

      Neulich habe ich das bei einem Mondbild noch krasser gesehen: der Mond war schon deutlich über “halb” und das hatte auch das Foto zuerst gezeigt. Die KI war dann aber der Meinung, sie müsse ein bisschen mehr hinterm Terminator wegnehmen als ich das mit GIMP gemacht hätte. Leider hatte ich damals nicht auf die Schnelle gefunden, wie ich die KI abschalten kann – sonst hätte ich gern hier auch dieses Vergleichsbild gepostet; war aber ein wolkiger Abend und Mond schneller weg als ich das Phone bedient hatte (als passionierte FotoGräfin experimentiere ich nunmal gern mit sowas.)

    • Peter Köhler
      “Drei Flecken sind „herausgearbeitet“, also von der Software reingemalt worden, drei andere hat sie weggeputzt. ”

      Und woher weißt du, ob nicht deine Netzhaut schwarze Flecken zeigt ? (kleiner Spaß)

      Übrigens unterscheiden sich die teuren Digitalkameras von den preisgünsigeren, indem die teuren die Photos so wenig sie möglich bearbeiten. Es gibt auch ein Aufnahmeformat RAW, wo die Photos gar nicht bearbeitet werden.

  2. “reingemalt” … Schöner Ausdruck: hätte von mir sein können. 🙂

    Zumindest im Englischen gibt es den Begriff Inpainting, schon seit der Zeit, als investigative Sternengucker ihre Beobachtungen noch von Hand malen mussten.

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