Quo vadis Planetarium?

Ein Artikel von Hans-Ullrich Keller und ein Leserbrief in SuW 5/2017 von Manfred Holl heizen gerade auf Twitter und Facebook die Gemüter der Planetarier auf. Ich möchte hier, auf der Plattform des Verlags der Planetarier-Öffentlichkeit und den Autoren dieser Beiträge, die Möglichkeit zur Diskussion geben.

Ausgangssitation: Früher wurden Planetarien überall (vor allem, als Extremfall in der DDR, wo es das Unterrichtsfach Astronomie obligatorisch für alle gab) als erweitertes Klassenzimmer genutzt. Kleinplanetarien gibt es deshalb so zahlreich im Osten, weil sie mitunter sogar in Schulen selbst errichtet für den Unterricht – so nötig waren wie ein OH-Projektor/Polylux und eine Kreidetafel. Denken wir bspw an die Vermittlung von sphärischer Trigonometrie oder auch nur Kugelkoordinatensystemen, wenn doch manche Mathe-Schüler schon mit der Cavalierperspektive Probleme haben… da ist so eine Kuppel ein prima Medium gewesen. Hinzu kommt der emotionale Aspekt, wenn man zusätzlich zu mathematischen Koordinaten (Zahlentupeln) auch Sternbildersagen und historische Geschichten erzählen kann.

Dieses Nutzungskonzept ist durch die Geschichte überholt, weil es das Fach Astronomie nicht mehr obligatorisch gibt und weil sie die moderne Medientechnik andererseits mit IMAX und Omnimax in eine Richtung entwickelt, die es erlaubt, Kuppeln auch anders zu nutzen. Nämlich so, wie es schon die barokke Kirchenmalerei tat als Projektionsfläche für alle möglichen Themen (Phantasie, Gesellschaft- und Naturdarstellung). Früher wurde es in secco oder fresko einmal draufgemalt und fertig – heute können wir lebendige Bilder projizieren. Sensationell! Lasst es uns nutzen und weiter entwickeln!

Das sind die beiden Extreme: reine Show/ Unterhaltung einerseits, reine Lehre andererseits. Die Planetarien stehen dazwischen, möchten beides und stehen vor der Frage, wie man das schafft und in welchem Maße mehr das eine oder mehr das andere.

Die Geister scheiden sich nun aber an dem Maß der Akzeptanz verschiedener Inhalte: Wieviel Astronomie neben anderen Wissenschaften, wieviel Unterhaltung muss und darf sein? Wird Astronomie zur Randerscheinung in Planetarien? Dürfen/ Sollten wir reine Musikshows zeigen oder entziehen wir uns damit die Lizenz zum Lehren und werden zu reinen Showtempeln? … Fragen über Fragen, die ich gerne hier zu diskutieren einlade!!!

Meine bescheidenen Gedanken zum Thema:
Was wir im Planetarium doch eigentlich wollen (sollten) ist Wissen vermitteln über Naturwissenschaften bzw. die Beschaffenheit unserer schönen, erhaltenswerten Welt. Astronomie als Thema ist dazu eines der besten Zugangstore – aber nicht das einzige. Die Entwicklung immersiver Medien im Bereich Home-TV, Internet, Kino, Theater … darf an uns Planetariern nicht vorbei gehen! Wir sollten und müssen zwecks Geld verdienens auf Unterhaltsamkeit (der Lehre im Allgemeinen, aber vor allem im Planetarium) großen Wert legen. Das Problem der Planetarien fängt m.E. dort an, wo man sich zu sehr auf nicht zertifizierte Hobbyastronomen als Lehrende versteift: wir brauchen unbedingt exzellente Planetariumsdidaktiken (also Konzepte) und in den Kuppeln sehr gute Pädagogen, die diese umsetzen – andernfalls zelebrieren wir gefährliches Halbwissen an ein sehr breites Publikum und das auch noch enttäuschend gründlich (und hier trifft der Leserbrief mit der Abnahme des Astro-Allgemeinwissens m.E. leider einen Nerv!).
Durch Beachtung von Details können wir in Planetarien neue Maßstäbe setzen: z.B. (als kurzes Brainstorming):
  • Auch in Musikshows die „beiläufige“ Wissenschaft spärlich, aber eben korrekt – bis ins kleinste Detail 1001prozentig korrekt, aber eben nur wenige dieser Details, weil’s in erster LInie Unterhaltung ist – darstellen. Beispiel aus einem anderen Genre: Es gibt das großartige Musical „Elisabeth“ über das Leben der Sissi. Es ist eine gefeierte künstlerische Interpretation, aber sie ist im Detail korrekt: Man muss darauf achten, dass eine blonde Hauptdarstellerin eine brünette Perücke trägt und dass die Anzahl der Kinder der Kaiserin korrekt ist etc. (Gegenbeispiel: in dem Film „Vermessung der Welt“ ist die Anzahl der Kinder von Hr. Gauß nicht korrekt dargestellt: was kostet es denn, das richtig zu machen? oder den Sternhimmel beim Untergang des Schiffs in einem sündhaft teuren Hollywood-Film „Titanic“ korrekt darzustellen? …) Solche Details in unseren „reinen“ Kultur-/ Unterhaltungsprogrammen zu beachten, ist m.E. der Garant für ein kluges neues Planetariumskonzept
  • Je mehr wir live moderieren, desto besser können wir auf aktuelles Tagesgeschehen und auf Kundenwünsche eingehen. Wir bleiben auch mit den Menschen unmittelbar in Kontakt und nicht in einer abgehobenen Hollywood-Welt.
  • Vielleicht brauchen wir über Dachverbände (GDP, GÖP) organisierte Absprachen, Schulungen (z.B. von Schauspielenden in Astronomie sowie von AstronomInnen/ Astrolehrkräfte in Schauspielerei und Gesang …). Ich weiß es nicht, das sind nur Ideen, Denkanstöße…
  • Es ist wichtig beim Lehren, dass man die Lernenden menschlich berührt und persönlich für sie da ist, dass man kompetent auf Fragen eingeht und nicht nur herumkaspert. Insofern ist es wichtig, dass die Moderatoren zwar auch, aber eben nicht nur reine Unterhalter sind – nicht nur Schauspielende, die einen Text lernen, denn dann könnte man die Show auch gleich produzieren anstatt live zu moderieren – sondern eine solide Grundbildung haben in dem, was sie lehren. Wir dürfen neben aller nötigen und erwünschten Show den Lehrauftag auch nicht vergessen! Es ist nur ein Detail und ich weiß nicht, wie man es lösen kann: Die Balance zwischen Show-nach-strenger-Regie (durch Schauspielende gesprochen, sei es live oder produziert) und dem anschließenden Dasein-für-Fragen ist eine Grätsche, die uns noch zu wenig gelingt und die in der Tat derzeit leider am Abnehmen ist.

Wenn ich länger nachdenken würde, fällt mir bestimmt noch mehr dazu ein. Ich hoffe und wünsche mir, dass die Diskussionen von verschiedenen anderen medialen Kanälen, die oft nur Teilgruppen und sicher nicht die beiden SuW-Autoren erreichen, sich hierher umlenken lassen und diese eine konstruktive Diskussion gibt!

Nachtrag, 13. April 2017

Hier ein Beitrag von Arte, in dem ab der 32sten Minute mustergültige Zusammenarbeit fürs Planetarium gezeigt wird: Indem nämlich die Produktionsleitung quasi eine Moderationsrolle zwischen Kunst (verkörpert durch einen 3D-Grafiker) und Wissenschaft (verkörpert durch einen Neutrinoforscher) übernimmt.

http://www.arte.tv/de/videos/053954-000-A/neutrinos

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"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" Die Autorin studierte im Doppelstudium Physik und Wissenschaftsgeschichte (beide Diplomarbeiten in Astronomie), promovierte in Wissenschaftsgeschichte sowie Medienwissenschaften, Physikdidaktik. Sie ist seit 1998 als Astronomin tätig (manchmal an Universitäten, manchmal in Planetarien und öffentlichen Sternwarten). Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde.

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Eine kleine Korrektur: Der Artikel von Hans-Ulrich Keller stand schon in SuW 8/2012 und steht hier kostenfrei zum Download bereit: http://www.spektrum.de/magazin/quo-vadis-planetarium/1156559

    In SuW 1/2017 widmete sich die von Christoph Leinert geschriebene Kolumne „Vor 50 Jahren“ dem Thema „Wie funktioniert ein Planetarium?“: http://www.spektrum.de/magazin/wie-funktioniert-ein-planetarium/1431345
    Diese Kolumne haben wir freigeschaltet, um die Diskussion des Themas zu erleichtern.
    Viele Grüße
    Uwe Reichert

  2. Liebe Planetarier,
    liebe Kolleginnen & Kollegen,

    ob man Herrn Holl nun inhaltlich zustimmt oder nicht. Es ist doch grundsätzlich gut, dass hin und wieder solche „Gretchenfragen“ gestellt werden. Wie hältst du’s mit der Astronomie?
    Frau Hoffmann will und muss ich aber in zwei Punkten entschieden widersprechen, Zitat: „Das Problem der Planetarien fängt m.E. dort an, wo man sich zu sehr auf nicht zertifizierte Hobbyastronomen als Lehrende versteift“
    Es gibt meiner Meinung nach hervorragende Beispiele dafür, dass dies nicht zutrifft bzw. der umgekehrte Fall richtig ist. Ist wüsste auch nicht, woher wir diese „zertifizierten astronomisch ausgebildeten Didaktiker mit dramaturgischer Schauspielerausbildung und Lust am Erklären“ rekrutieren sollen.

    Entscheidend für die Entstehung einer guten Show ist doch Teamarbeit. Dazu gehört ganz bestimmt der fundierte wissenschaftliche Part. Dazu gehört aber auch der Blick von Menschen, die Ahnung von Didaktik, Dramaturgie und Visualisierung haben und dabei das Zielpublikum nicht aus den Augen verlieren. Das ist aber auf auch ehrenamtlicher Basis wunderbar zu leisten und wird geleistet! Sicher, man wächst mit den Erfahrungen und dem Kontakt zum Publikum…

    Ich kann die Kritik an vorproduzierten Shows auch nicht nachvollziehen. Diese haben ganz bestimmt Nachteile, die auch genannt wurden und eine gut gemachte Livemoderation ist ein tolles Erlebnis. Nicht vergessen sollte man aber die Vorteile einer Show. Hier wurde sehr viel Zeit in einen didaktisch guten und spannenden Aufbau sowie in eine gute Visualisierung oftmals komplexer Sachverhalte gesteckt. Alleine in einem guten Skript stecken sehr viele Arbeitsstunden. Das ist für eine wechselnde Livemoderation so nicht zu leisten! Wenn es um komplexere astrophysikalischere Zusammenhänge geht, die über die Projektionsmöglichkeiten eines Sternenprojektors hinausgehen, sehe ich solche Shows ganz klar im Vorteil! Die Bezeichnung „abgehobene Hollywood-Welt“ (Zitat oben) im eindeutigen Zusammenhang mit vorproduzierten Shows finde um ehrlich zu sein weder fair noch sachlich nachvollziehbar. Ich kann die Diskussion „Livemoderation oder Show“ eigentlich auch nicht nachvollziehen.

    Zuletzt zurück zum aktuellen Artikel in der SuW. Vielleicht sollte man unterscheiden zwischen „Feststellung“ und „Bewertung“: Zunächst die Feststellung, dass in den Kuppeln zunehmend nicht-astronomische Inhalte präsentiert werden. Das entspricht zwar grundsätzlich auch meinem Eindruck. Ein erster oberflächlicher Blick auf einige Spielpläne zeigt aber nicht, dass diese Inhalte im Vordergrund stehen.
    Bei der Bewertung könnte man noch unterscheiden, ob denn wenigstens naturwissenschaftliche Inhalte präsentiert werden oder ob es sich „nur“ um Musik- und Lasershows handelt. Auf jeden Fall aber könnte man ja darüber nachdenken, ob solche Shows vielleicht ein ganz neues Zielpublikum erschließen, die daraufhin auch mal eine „normale“ astronomische Kuppelshow genießen und ohne alternative Inhalte den Weg in ein Planetarium niemals gefundne hätten.

  3. 1986 habe ich in Budapest im Planetarium eine Lasershow mit Musik von Pink Floyd gesehen von der ich sehr begeistert war und lange gezehrt habe. Das war damals auch etwas besonderes.
    Ich war schon immer begeistert von Astronomie und gehe auch gerne in Planetarium. Ebenso mag ich Musik.
    Musik und Lasershow im Planetarium kann in zwei Richtungen helfen: Menschen an die Astronomie und an die Musik heranzuführen. Das zweite wird immer als so selbstverständlich angesehen, ist es aber imho nicht.

  4. @ Rolf Stökler: Anm: „zertifizierten astronomisch ausgebildeten Didaktiker mit dramaturgischer Schauspielerausbildung und Lust am Erklären“ habe ich nicht geschrieben. Im Hinterkopf hatte ich einen Eindruck von der GDP-Tagung letztes Wochenende, wo ein professioneller Schauspieler einen Workshop anbot, der von den Planetariern dankbar aufgenommen wurde. Daher war mein Gedanke „brauchen wir vllt. mehr davon?“
    Ebenso gjbt es bereits seit einigen Jahren innerhalb der GDP einen Arbeitskreis Planetariumsdidaktik. Gleiche Frage im Hinterkopf: „brauchen wir mehr davon“ und vllt. auch „müssen wir dies anders aufziehen/ popularisieren unter den Planetariern“

    Und damit sind wir d’accord – nehme ich jedenfalls an, nachdem, was Sie oben schreiben – denn ich bin ein großer Verfechter von Teamarbeit, wenn es darum geht, dass SpezialistInnen zusammenarbeiten! In Expertenteams ist nach meiner Erfahrung immer die große Schwierigkeit am Anfang, eine gemeinsame Sprache zu finden – aber wenn man das geschafft hat, erhält man die großartigsten Ergebnisse und revolutionär-innovative Ergebnisse; viel großartiger als wenn man die eierlegende Wollmilchsau suchen würde.
    Mir war das leider bisher nicht in jedem meiner Projekte vergönnt, aber da, wo es möglich war, hat die Arbeit besonders großen Spaß gemacht. Ich hoffe noch auf viele produktive Teamarbeiten – gerne auch mit Planetarier-KollegInnen.

  5. Gestern war ich in der Premiere der auf neuestem Bild- und Datenmaterial (u. a. von Cassini, Mars Express, MRO, MSL Curiosity, Cassini, New Horizons ) basierenden Show „Planeten – Expedition ins Sonnensystem“ in der 20 m Kuppel des Planetariums Münster: ein tolles Programm – faszinierende Bilder und Filme, didaktisch außerordentlich klug aufgebaut, wissenschaftlich auf höchstaktuellem Stand und darüber hinaus superspannend. Produziert wurde das Programm am Planetarium Münster, aber nicht allein, sondern in Kooperation und Teamarbeit mit 19 weiteren deutschsprachigen Planetarien.
    Nach den Programmen „Zeitreise vom Urknall bis zum Menschen“ und „Ferne Welten – fremdes Leben“ ist „Planeten“ nunmehr bereits die dritte auf diese Weise entstandene Produktion. Federführung und Regie lagen jeweils in den Händen des Münsteraner Planetariumsleiters Dr. Björn Voss. Wer möchte, kann Details der „Planeten“- Show in der ergänzenden Bildausstellung im Planetariumsfoyer noch vertiefen.
    Regelmäßig organisiert Dr. Voss – nicht selten bezogen auf aktuelle Anlässe bzw. Ereignisse – astronomische Vorträge im Planetarium (z. B. zur Curiosity-Mission, zu Rosetta – Philae, Dawn und New Horizons, 25 Jahre Hubble, 45 Jahre Mondlandung). Hierzu werden oftmals Missionsbeteiligte Wissenschaftler eingeladen, die aus erster Hand berichten können, so z. B. Andreas Nathues vom MPI Sonnensystem, Göttingen (Dawn-Mission), Dr. Kathrin Altwegg, Uni Bern, (Massenspektrometer Rosetta), Dr. Frank Postberg (Cosmic-Dust Analylizer on Cassini; Enceladus-Ozean).
    Ergänzt wird die Arbeit des Planetariums von den Sternfreunden Münster, die mit ihren über 150 Mitgliedern, einer Astrokids- und einer Astro-Youngsters-Gruppe, zu den größten Astronomievereinen Deutschlands zählen dürften. Die Sternfreunde bieten allmonatlich weitere vornehmlich von Vereinsmitgliedern gehaltene astronomische Vorträge sowie regelmäßige öffentliche Himmelsbeobachtungen. Besondere Anlässe wie Sonnen- u. Mondfinsternisse oder der Merkurtransit im Mai vorigen Jahres erleben jeweils einen wahren Besucheransturm, sogar das Regionalfernsehen hat sich schon mehrfach mit einem Bericht beteiligt und darüber hinaus wie auch die Lokalpresse im Vorfeld auf diese Veranstaltungen hingewiesen. Last not least gibt es zwischen dem Planetarium und den Sternfreunden Münster auch eine enge Zusammenarbeit mit dem Planetologischen Institut der Universität.

    Die vielfältigen Planetariumsprogramme und Vorträge finden regen Zuspruch bei
    Besuchern/Innen aller Alterklassen. Jüngstes zumeist bereits im Vorverkauf ausgebuchtes Highlight ist „Keplers Somnium“ als Theater im Planetarium, umgesetzt vom Theater „Freyunde + Gäsdte“. Nach diesem großen Erfolg denkt man schon über Folgeprogramme nach.

    Natürlich gibt es auch im Münsteraner Planetarium hin und wieder Laser- und Musikshows, darunter aber auch solche wie „Chaos and Order – a Mathematic Symphonie“ mit astronomischen Bezügen. Von „Sternentheater mit hoher Beliebigkeit und geringem Wissensanspruch“, wie Manfred Holl in SuW, 5/2017, S. 7) befürchtet, kann aber weder im Planetarium Münster noch bei den Kooperationspartnern vorgenannter Neuproduktionen die Rede sein. Ganz im Gegenteil: hier wird aktuelle Wissenschaft didaktisch und inhaltlich in faszinierender zudem hochspannender Weise vermittelt. Dabei wird besonderer Wert auch darauf gelegt, Kinder und Jugendliche sowohl in speziellen Kinderprogrammen wie z. B. „Felix im Planetarium“ (meine 4-jährige Enkelin war begeistert: Hase Felix am Nordpol bei den Polarlichtern, am Äquator und auf dem Mond…) als auch in Schulprogrammen.
    Die meisten allgemeinen Planetariumprogramme sind wie die drei hier besonders genannten Neuproduktionen sind im Übrigen so konzipiert, dass ihnen bereits Kinder ab 8 Jahren folgen können.
    Anstatt wie in der aktuellen SuW-Diskussion kritisch zu fragen „Quo vadis Planetarium?“, kann ich für das münstersche Planetarium und dessen tolles Team nur sagen: Weiter so. Genau so! Besser geht’s nicht!

    • Vielen Dank für die ausführliche Darstellung aus Besucher-Sicht! Also, dann trage ich vllt. doch noch etwas Eigenes nach:
      Ja, mit den Münsteraner Kollegen habe ich auch exzellente Erfahrungen gemacht – und die „neue Mode“ (seit vllt. etwa zehn Jahren) der Kollaborationsproduktionen statt des früheren Eigenbrödlertums sehe ich – als leider-nicht-an-Produktionen-beteiligte, aber an solchen sehr interessierte Person – auch als ganz entzückende, herzerfrischende und enorm viel leistende Chance zum „alles richtig machen“. oben angedeutetes Verfahren der Expertenbefragung und gemeinsame Erarbeitung von Visualisierungen durch „Professionelle“ (für jeweils Inhalt wie hübsches Aussehen, Wissenschaftler, Graphiker) ist ein sehr guter Weg; Kooperation von mehr als nur zwei Experten dieser Art ist natürlich noch ein Schritt besser.

      Egal, wie gut man etwas macht: Es geht natürlich in jedem Fall immer etwas zu verbessern!
      Bsp.: Letztes Jahr hatte ich bspw. auch das Glück, (durch meine wissenschaftliche Arbeit, in einem Detail) an einer Münsteraner Produktion beteiligt zu sein. Man hatte mich als Detail-Expertin aufgrund meiner Forschung konsultiert und ich habe die Infos, bevor ich sie zum Visualisieren weitergab auch mit mehreren Wissenschaftler-KollegInnen international diskutiert gehabt. Planetarium Münster hat eine exzellente Visualisierung aus meinen Infos gemacht. Und dennoch – das war mir allerdings fast schon vorher klar – kaum dass die Show fertig war, fiel mir auf, was man an meinem beigtragenen Detail noch diesunddas ändern könnte/ sollte… ich glaube, das ist einfach so: neue wissenschaftliche Erkenntnis, neue Sichtweise und schon fängt man an zu überarbeiten. So funktionieren wir Menschen einfach; sonst wären wir mausetot, sonst gäb’s keine Entwicklung und das wäre doof!
      Für mein Detail: Das darf ich gerade seit einigen Monaten ehrenamtlich (aus geographischen Gründen naheliegender) in Berlin nacharbeiten und im September auf einer Fachtagung präsentieren – aber erstens kann es sein, dass ich dann wiederum von KollegInnen frischen Input kriege und zweitens: ob es jemals verbessert produziert wird: naja, das könnte man mal in den (Planetariums)Sternen nachgucken, aber das ist nicht meine Expertise. 😉

      Für den Gesamtkontext des Planetariums: Ich denke auch, dass es natürlich nicht so schwarz-weiß-gemalt ist wie ich die zwei Extreme oben darstellte.

      Was Herr Holl, der mir in privater Kommunikation schrieb, dass er sich hier eigentlich noch äußern wolle, genau meinte und welche lokalen Besonderheiten ihn möglicherweise in Hamburg zu anderen Sichtweisen brachten, sollte er m.E. besser selbst darstellen. Analog der langjährige, inzwischen im Ruhestand befindliche Stuttgarter Planetariumsleiter H.-U. Keller.

      Ich finde es nur wichtig, dass wir mit diesen Medien – sei es SuW als Zeitschrift oder eben hier der Blog – die Diskussionen eröffnen, katalysieren und schwelenden Groll, der irgendwo schlummert, bekämpfen. Wir können vllt nicht alle derselben Meinung sein, aber wenn wir den anderen kennen, können wir besser beurteilen, was die Wünsche und Anforderungen sind, sie diskutieren und die Ungerechtigkeiten unterbinden!

  6. Mein Kommentar erfolgte keineswegs nur aus der Sicht eines Planetariumsbesuchers. Als seit der Jugendzeit begeisterter Amateurastronom engagiere mich seit vielen Jahren bei den eng mit dem Planetarium und dessen Team zusammenarbeitenden Sternfreunden Münster (www.sternfreunde-muenster.de) sowie im Rahmen eines dt.-niederländischen Sternwartenprojekts (www.campussternwarte.de). Darüber hinaus blicke ich – seit einigen Jahren pensioniert – mittlerweile auf fast 10 Jahre amateurastronomischen Engagements (Vorträge, Astronomiekurse in Theorie u. Praxis etc.) in Schulen, Volkshochschulen u. sonstigen Bildungseinrichtungen zurück. Dabei mache ich immer wieder die Erfahrung, dass es mit geschickter Didaktik, verbunden mit der Gabe, wissenschaftliche Zusammenhänge allgemeinverständlich darzustellen (nicht zuletzt abgeleitet aus der eigenen „Begeisterung“) gar nicht so schwer ist, Menschen aller Altersgruppen (vom Kindergarten bis zum Seniorenheim) durchaus auch tiefer gehend, d. h. mit einem grundlegenden wissenschaftlichen Anspruch, in die Astronomie einzuführen.

    Ich verfolge die Entwicklung des Münsteraner Planetariums seit seiner Gründung 1981 und habe dabei dessen kontinuierliche technische Aufrüstung (1998: Zeiss-Projektor Universarium Modell VIII, 2010: ergänzt durch das Sky-Skan-Fulldome-Projektionssystem) miterlebt. Anknüpfend an den Artikel von Hans-Ulrich Keller (SuW 8/2012), der nicht nur eine dezidierte Analyse der Planetariumssituation im Jahre 2012 beinhaltet, sondern weit darüber hinaus viele konstruktive Anregungen für einen sinnvollen und didaktisch wie wissenschaftlich effizienten Einsatz auch der digitalen Technik enthält. Herr Keller zeigt neben den Vorteilen der Full-Dome-Videotechnik (z. B. bis dato nicht mögliche Visualisierung komplexer astrophysikalischer Zusammenhänge, virtuelle interstellare Reisen) auch deren Schwächen auf (z. B. bei der Projektion des Sternenhimmels). Aus eigener Anschauung kann ich bestätigen, dass ein moderner Glasfasernnutzender Zeiss-Planetariumsprojektor selbst den höchstauflösenden Beamern bei der realistischen Darstellung des Sternenhimmels noch immer weit überlegen ist. Genau aus diesem Grund kombiniert das Münsteraner Planetariumsteam in seinen Programmen immer wieder beide Systeme miteinander. Auch Herrn Kellers Tipps zur Fehlervermeidung bei der Erstellung von Full-Dome-„Shows“ (z. B. Vermeidung langer gerader Linien wegen deren Verzerrung in der Kuppel), werden in den Münsteraner Produktionen weitgehend beherzigt (was mir nach erneuter Lektüre des wirklich fundamentalen Aufsatzes von Herrn Keller erst heute wirklich bewusst geworden ist). Auch ist mir dabei deutlicher als je zuvor geworden, wie gut und richtig das Münsteraner Planetariumsteam unter Leitung von Dr. Björn Voss die „technische Revolution“ gesteuert hat und die neue Technik in Kombination mit dem Zeiss-Projektor im absolut positiven Sinne für die astronomische Wissenschaftsvermittlung einsetzt. Immer wieder erlebe ich faszinierte in höchstem Maße begeisterte Besucher/Innen aller Generationen.

    Das Münsteraner Planetarium ist zu keiner Zeit zum „Showtheater“ mutiert, sondern ist nach wie vor eine deutschlandweit anerkannte wissenschaftliche Institution, deren Erfolg u. a. auch auf die enge Zusammenarbeit mit den Planetologen der Universität, aber auch mit dem örtlichen Astronomieverein, den Sternfreunden Münster, beruht. (Auch Herr Keller hält die Zusammenarbeit mit der regionalen Amateurastronomen- und Sternfreundeszene für unerlässlich.)

    Die Full-Dome-Projektion ist hier gemäß Herrn Keller nicht Fluch, sondern Segen. Die Astronomie ist in Münster niemals „Randerscheinung“, sondern immer oberstes Anliegen. Hier wird Edutainment äußerst erfolgreich praktiziert. Nicht von ungefähr zählt unser Planetarium zu den besucherstärksten Deutschlands. Unter Münsteraner Federführung sind erfolgreiche deutschlandweite Planetariums-Kooperationen entstanden (s. meinen obigen Kommentar). Deren Beschreibung als „neue Mode“ mit den Attributen „ganz entzückend, herzerfrischend“, wie Frau Hoffmann es ausdrückt, erscheint mir allerdings wenig zutreffend. „Chance“ für einen „guten Weg“ trifft’s besser, aber auch nur sehr partiell.
    Wenn Sie, sehr geehrte Frau Hoffmann, im Einleitungsstatement des Blogs feststellen, dass „das Problem der Planetarien … dort anfängt, wo man sich zu sehr auf nicht zertifizierte Hobbyastronomen als Lehrende versteift“, so möchte ich dem energisch widersprechen und insoweit auf die auch aus meiner Sicht absolut zutreffenden Ausführungen von Herrn Rolf Stöckler verweisen. Auch die Kritik an vorproduzierten Shows kann ich nicht teilen. Gewissen nicht zu leugnenden Nachteilen im Vergleich zu einer Livemoderation stehen erhebliche Vorteile gegenüber, die insbesondere aus der Teamarbeit und der Kooperation (seit den Anfängen vor etwa 8 Jahren) zwischen immer mehr Planetarien resultieren.
    Dass lebendige Wissenschaft und Gedankenaustausch zu immer neuen Erkenntnissen führen und eine vorproduzierte Show einer gelegentlichen Anpassung bedarf, ist ein völlig normaler selbstverständlicher Vorgang, aber ganz gewiss kein Nachteil. Frau Hoffmann, sie beziehen sich auf Ihre Mitarbeit an dem mir einschl. Ihres Begleitvortrages bekannten Programm „Weltreise – der Sternenhimmel rund um die Welt“, übrigens auch schon in einer Kooperation von 10 Planetarien entstanden. Kaum fertig, hat man schon wieder Ideen, was man vielleicht noch besser hätte machen können. Das ist aber doch nicht schlimm. Bedenken Sie bitte, dass es sich bei den nachträglich wünschenswerten Verbesserungen zumeist um Feinheiten handelt, die den meisten Planetariumsbesuchern eh verborgen blieben. Hier gilt es – und auch das praktiziert Münster – die Planetariumsprogramme durch astronomische Live-Vorträge zu ergänzen und zu vertiefen. Die neueste Planetariumsshow „Planeten“ (s. mein Erstkommentar weiter oben) endet übrigens in Münster von Beginn an mit einer Livemoderation zum bevorstehenden Finale der Cassini-Mission und wird zudem von einer Bildausstellung im Planetariumsfoyer begleitet.
    Um die Zukunft der Planetarien, von denen sich eine immer größere Zahl zu Kooperationen zusammenschließt, ist mir nicht bange. Man kann sicher über das ein oder andere diskutieren, durchaus auch verschiedene Wege gehen. Aber gerade diese stetig gewachsenen Kooperationen sind hierfür ein ideales Instrument. Der Erfolg ist deutlich sichtbar: Die beteiligten Planetarien haben den „Königsweg“ zwischen Show und Lehre längst gefunden und werden ihn ganz gewiss auch gemeinsam weitergehen, zumal sich hieraus wissenschaftliche Gestaltungs- und Finanzierungsmöglichkeiten ergeben, wie sie ein einzelnes Planetarium niemals leisten könnte. Gemeinsam hat man hier eine positive Antwort auf Herrn Kellers Frage nach der Zukunft der Planetarien gefunden. Weiter so!

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