Qixi / Tanabata – Mondkalender
Bereits am siebten Tag des siebten Monats nach dem weltweit üblichen Kalender (7. Juli) habe ich über dieses romantische Sternfest geschrieben, das für Liebespaare in Ostasien (China & Japan) ein besonderer Tag ist. Wer es damals versäumte, hat jetzt eine zweite Chance (oder dritte, nach dem Valentinstag). Der ursprüngliche chinesische Kalender ist bekanntlich ein Mondkalender und daher fallen traditionelle Feiertage wie das chinesische Neujahrsfest oder eben das Liebesfest nicht immer aufs gleiche Datum – 2026 ist der siebte Tag des siebten Monats im Mondkalender der 19. August.
Die Liebe ist natürlich etwas Wunderschönes und sollte von allen gefeiert werden. Dem modernen Menschen mag es egal sein, ob es ein Mädchen und ein Junge sind, die einander lieben, oder zwei Leute von irgendwelchen der zwanzig anderen Geschlechter, die wir inzwischen in Pässe eintragen lassen können. Wichtig finde ich an diesem Feiertag – wie auch beim CSD, LoveParade und Ähnlichem – doch die Liebe.
Es ist die romantische Liebe, die wir hier feiern, weil die meisten von uns sich so etwas nun mal sehnlichst wünschen. Doch Liebe kommt in so vielen Facetten – die Mutterliebe zu ihren Kindern (denn verhaltensgestörte Kinder sind die Kinder gestörter Verhältnisse), die fürsorgliche Liebe einer großen Schwester zu den Jüngeren, die Liebe zwischen Freunden (und ich meine echte Freunde: Menschen zu denen man tiefe emotionale Bindung fühlt, nicht Facebook“freunde“/ Fans)…
Heute haben Sie also noch einmal die Chance, das Sommerdreieck aus den Sternen Wega (Mädchen), Atair (Junge) und Deneb (hellster Stern in der Fähre) mit Ihrer geliebtesten Person/ Ihrem Lieblingsmenschen am Sternhimmel zu beobachten.
Dr. Dr. Susanne M Hoffmann ist seit 1998 als Kultur-Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik und Wissenschaftsgeschichte (zwei Diplome), Informatik und Fachdidaktik (neue Medien/ Medienwissenschaft) als Weiterqualifikationen. Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde. Studienbedingt hat sie 2001-2006 in Potsdam gelebt, jobbedingt 2005-2008 saisonal in Mauretanien (winters) und Portugal (sommers), 2008-2009 und 2013-'15 in Berlin, 2010 in Hamburg, 2010-2012 in Hildesheim, 2015/6 in Wald/Österreich, seit 2017 in Jena, mit Gastaufenthalten im Rahmen von Forschungskollaborationen in Kairo+Luxor (Ägypten 2022), Jerusalem+Tel Aviv (Israel 2023), Hefei (China 2024), Semarang (Indonesien 2017, 2024), USA (2024, 2025)... . Die einleitenden Verse beschreiben eine Grundstruktur in ihrem Denken und Agieren: Physik ist eine Grundlagenwissenschaft, die datenbasiert und mit dem Erkenntnisapparat der Logik ein Verständnis der Natur zu erlangen bestrebt ist. Es gibt allerdings auch Fragen der Welt, die sich der Physik entziehen (z.B. wie wir Menschen auf diesem Planeten friedlich, synergetisch und benevolent zusammenleben können) - darum ist Physik nicht die einzige Liebe der Bloggerin. Sie liebt die Weisheit und hinterfragt die Welt. Das Wort "Philosophie" ist ihr aber zu groß und das populärwissenschaftliche Verständnis davon zu schwammig, als dass sie sich damit identifizieren würde: hier geht's faktenbasiert zu. Ihr fachliches Spezialgebiet sind Himmelskarten und Himmelsgloben; konkret deren Mathematik, Kartographie, Messverfahren = Astrometrie, ihre historische Entwicklung, Sternbilder als Kulturkalender und Koordinatensystem, Anomalien der Sternkarte(n) - also fehlende und zusätzliche Sterne, Sternnamen... und die Schaustellung von alle dem in Projektionsplanetarien. Sie versteht dieses Blog als "Kommentar an die Welt", als Kolumne, als Informationsdienst, da sie der Gesellschaft, die ihr das viele studieren und forschen ermöglicht, etwas zurückgeben möchte (in der Hoffnung, dass ihr die Gesellschaft auch weiterhin die Forschung finanziert).
Markierte Gegenstände, die als Mondkalender gedeutet werden, gibt’s schon seit zigtausend Jahren. Der älteste gefundene Mondkalender ist allerdings deutlich älter: Der Himmel mit dem Mond drauf. Vollmondnächte und Gezeiten haben das Leben mit erschaffen.
Es scheint einen Missing Link in der Kulturgeschichte der Menschheit zu geben: Gesellschaften, die ein Gleichgewicht mit ihrer Umwelt erreicht hatten, stagnierten auf einem Entwicklungsstadium und brachten nur noch diese eine Stufe zur Perfektion. Gesellschaften, die unter Druck gerieten, sich weiterzuentwickeln, taten das auch, und verschlangen dabei ihre Vorgänger, deren Erbe und deren Lebensräume. Als wären ein paar Kinder im Kindergarten geblieben, andere in der Grundschule, der Rest hätte Abitur gemacht, doch vorher nach jedem Schuljahr Hefte und Schulbücher zermahlen, um Recycling-Papier für Hefte und Schulbücher der nächsten Klasse zu haben.
Und die Kindergärten müssen logischerweise isolierter gewesen sein als die Welt des Fortschritts – der Kulturaustausch fand auf einem kleineren Raum statt. Während Menschen samt Genen gern lange Zeit dort bleiben, wo sie sind, können Waren, Wissen, Kultur, Legenden, mit Händlern und einzelnen Heimatlosen sehr, sehr weit reisen. Und so ist es schwer zu sagen, welche Ähnlichkeiten zwischen uralten Kulturen darauf beruhen, dass sie ein gemeinsames Erbe teilten, über große Entfernungen Informationen austauschten, oder einfach nur auf gleiche Ideen kamen, weil die Umwelt gleich war und nur eine Idee erlaubte. Jeder, der auf einer Ebene lebt, wird lernen, das Hügel Leben und Schutz spenden, weil man sich von oben leichter verteidigen kann, und wenn er dann Lehmziegel erfindet, erzwingt die Physik die Stufenpyramide. Ob man die zu Tempel oder Burg oder Stadt entwickelt, ob man auf Vierkantpyramide umschult, darin Pharaonen begräbt, oben drauf Heilige Hochzeit feiert oder Leuten die Herzen herausschneidet, ist dann Kultur.
Uralte Triebe sagen uns, da oben ist etwas Heiliges. Da oben ist Leben. Da oben ist, wo wir uns hinwenden müssen. Auf Bäumen ist Obst, auf Bäumen ist Sicherheit, dorthin verziehen wir uns mit der Beute, damit der Anführer sie verteilen kann. Aber wir ernten unser Essen auf Feldern, für Sicherheit sorgen Armeen und Mauern draußen, also was fangen wir mit dem Heiligen Hügel an? Irgendwas Überwältigendes, irgendwas mit Tod, Grauen, Sex, etwas mit Emotionen, die uns kapern, zu willenlosen Marionetten machen, zum Spielzeug der Götter, sodass wir ihre Anwesenheit spüren. Etwas, das uns das Gefühl gibt, von Individuen zu Drohnen zu werden, von Menschen zu Automaten, Werkzeugen im Dienste eines höheren Willens.
Konvergente Evolution, Physik, die das Verschmelzen von Teilchen zu Netzwerken erzwingt, ist so alt wie das Universum.
Mond erzwingt halt Mondkalender. Der Mensch nützt dann seinen physikalischen Spielraum, um Kultur drum herum zu machen, doch der Keim von allem ist praktischer Nutzen.
Solche Ideen-Bottlenecks gibt’s überall. Wenn sich Leute lange genug mit Steinen die Köpfe einschlagen, kommen sie irgendwann auf die Idee, es zu lassen. Nur liegen überall Steine herum, der Andere hat immer etwas, das er nicht freiwillig herausrückt und schaut auch immer wieder in eine andere Richtung, also ist auch hier ein Bottleneck der menschlichen Kreativität. Weil das Zeitalter des Menschen aber bereits mit dem Ackerbau geendet hat, weil wir seitdem stagnieren oder degenerieren, während sich nur noch Kultur und Technologie weiterentwickeln, und Technologie die Steine so mächtig macht, dass Menschen einen Krieg nicht mehr überleben können, entwickeln sich irgendwann die Steine ohne uns weiter, denn Kain und Kain können der täglichen Versuchung nicht widerstehen und erodieren fleißig alle Kultur und Zivilisation, die sie daran hindert, einander mit den größten und mächtigsten Steinen zu erschlagen, die ihnen die Technologie geben kann. Wer aber so stinkfaul ist, dass er lieber den Nachbarn ausraubt als Dinge selbst zu machen, der überlässt den Steinen auch das Denken und Erschlagen, um nicht ins Schwitzen zu kommen.
Die Biomasse ist eine Familie, die sich gegenseitig auffressen muss. Gestörte Verhältnisse treiben die Evolution voran. Gesundheit ist nur die Variante des improvisierten Kaputtseins, die Sie gerade am Leben hält, doch auch für diese Macke müssen Sie Ihr Leben lang mit Seelenschmerz und Neurosen bezahlen. Ist wie eine Kreuzung aus MacGyver und McDonald’s, Improvisation vom Verbrauchsgut am Fließband.
Wenn das Leben mich nicht ernst nimmt, muss ich es auch nicht ernst nehmen. Für mich ein Grund, mehr im Jetzt zu leben und Dinge, die den Menschen wichtig sind, wichtig zu nehmen, nicht das große Ganze, für das ich nicht mehr bin, als ein Blubberbläschen im Hexenkessel. Der Hexenkessel ist stärker, ich muss ihn im Auge behalten, zusehen, dass ich auf Trends surfe, statt von ihnen begraben zu werden, mich seinem „Willen“, sprich Druck, fügen. Doch am Ende geht es nur darum, stabile Nischen zu schaffen, größere Blubberbläschen, in denen Menschen so kleine, flüchtige Dinge wichtig nehmen können wie die Liebe.
Auch wenn sie mich nur zum Automaten macht im Dienste eines höheren Willens, der mir an sich am Arsch vorbei geht. Ich bin ein Sklave und kassiere meinen Lohn. Wie mein Gott und sein Gott und der Gott über ihm und all die Dinge unter mir, von denen manche viele Götter kennen und manche keinen außer mir.
Könnten Sie bitte damit aufhören, Ihren Sermon an „Freies Assoziieren ohne Sinnzusammenhang zum Thema“ als Kommentare unter meine Posts zu ergießen?! Melden Sie sich doch für ein Philosophiestudium an – dann zahlen Sie eine Imma-Gebühr, die eine Uni unterstützt, was wenigstens was Nützliches ist. Idealerweise lernen Sie dort ordentlich zu philosophieren (viele Studis dort fangen auch so an), aber wenn nicht, haben Sie wenigstens die betreffende Uni unterstützt.
Danke.