“Natur schlägt zurück” ->?

Nein, ich bin nicht Esoteriker geworden; ich sehe nur eine Kette von Ereignissen und Warnungen: Bekanntlich drängt die afrikanische Kontinentalplatte drängt nach Norden, die Alpen empor und sorgt eben auch für Erdbeben und Vulkanismus im Süden Europas. Trotzdem ist das Internet voll von “Prophezeiungen” und Orakeln: ja, die Vulkane sind nicht schuld am Klimawandel – aber sie beeinflussen eben doch das (jahreszeitliche) Klima, wie man an Eisbohrkernen der Jahrhunderte wunderbar ablesen kann. Die sachliche Basis ist eine Kette von Naturschauspielen, die uns Menschen sicher mehr betreffen als astronomische Phänomene (ferne Supernovae, nähere Kometen oder sonstiges Zeug im Himmel bzw. der “translunaren Welt”). 

Vor zwei Wochen bebte sogar in Deutschland die Erde spürbar: Nachdem am 27. Juni sogar in der Nordschweiz/ Südbadenwürttemberg das stärkste Erdbeben seit 15 Jahren registriert wurde (4,2 auf der Richterskala im Kreis Lörrach), überschlagen sich die Meldungen aus dem Mittelmeerraum.  

Am 2. Juli begann erhöhte Aktivität des Ätna auf Sizilien und letzten Donnerstag, dem 05. Juli, brachen der Ätna (dessen Magma-Kammer nur einige Kilometer tief liegt) und der Stromboli (eine eigene Insel mit einige zehn Kilometer tiefer Magmakammer) gleichzeitig aus. Spektakuläre Bilder gehen gerade um die Welt. Der Stromboli spuckt quasi immer Lava und ist damit namensgebend (prototypisch) für eine bestimmte Vulkanart, aber diesmal besteht Grund zur Sorge vor einem größeren Ausbruch. Die gefürchteten pyroklastischen Ströme, wenn heiße Lava auf kaltes Meer trifft, können Tsunamis auslösen. Urlaubsreisende werden gewarnt. Dieser Beitrag ist etwas reißerisch aufgemacht, zeigt aber spektakuläre Aufnahmen: noch ist der Vulkan nicht bedrohlich: man sollte ihm einfach nicht zu nah kommen. Man sieht auch mitunter schöne Wolkenringe über dem Ätna.

Am 7. Juli erschüttere ein Erdbeben der Stärke 4,8 Griechenland, dessen Ägäis-Inseln ja ebenfalls einen Vulkanring bilden. Man fragt sich, was als nächstes kommt. 

Die Phlegräischen Felder (Campi Flegrei) und der Vesuv stehen laut Vulkanologen ebenfalls vor einem Ausbruch: Es gibt nicht genug historische Daten (z.B. der Ausbruch 1198), denn der letzte Ausbruch fand im Jahr 1538 statt (Wikipedia Monte Nuovo Eruption). Im 16. Jahrhundert hatte man bei weitem nicht Messmethoden, um die Bodenerhebungen etc. zu messen und heutzutage sind auch nicht mehr alle Messungen möglich, die die Geologen im Prinzip hätten: für Bohrungen im Gelände ist es derzeit zu gefährlich. Geologen warnen seit einigen Jahren vor einem erneuten Ausbruch (irgendwann in den nächsten ca 20 Jahren), aber in den vergangenen Monaten ist die Aktivität deutlich gestiegen (MDR Mai 2024). 

Eins ist gewiss: die Vulkanaktivitäten haben einen unmittelbaren Einfluss auf das Wetter in Mitteleuropa

In der Vergangenheit wurden immer wieder “Jahre ohne Sommer” (oder schlimmer: Missernten und Hungersnöte) beobachtet, wenn Vulkane sehr aktiv waren bzw. umso mehr, wenn Supervulkane ausbrachen. Das Phänomene ließ sich in Asien wie in Europa beobachten, durch Messungen von Eisbohrkernen weit in die Geschichte zurück verfolgen. 

Jahr ohne Sommer?

Nun zumindest erleben wir derzeit ziemlich viele Wetter-Eskapaden: Schwere Unwetter in Mitteleuropa und Juli-Morgen, die sich wie November anfühlen (nur bisserl wärmer). Die folgenden Bilder vom 11. Juli wurden freihändig mit dem Smartphone gewonnen:

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"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" Dr. Dr. Susanne M Hoffmann ist seit 1998 als (Kultur)Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik und Wissenschaftsgeschichte (zwei Diplome), Informatik und Fachdidaktik (neue Medien/ Medienwissenschaft) als Weiterqualifikationen. Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde. Jobbedingt hat sie 2001-2006 in Potsdam gelebt, 2005-2008 saisonal in Mauretanien (winters) und Portugal (sommers), 2008-2009 und 2013-'15 in Berlin, 2010 in Hamburg, 2010-2012 in Hildesheim, 2015/6 in Wald/Österreich, 2017 in Semarang (Indonesien), seit 2017 in Jena, mit Gastaufenthalten im Rahmen von Forschungskollaborationen in Kairo+Luxor (Ägypten), Jerusalem+Tel Aviv (Israel), Hefei (China)... . Die einleitenden Verse beschreiben eine Grundstruktur in ihrem Denken und Agieren: Physik ist eine Grundlagenwissenschaft, die datenbasiert und mit dem Erkenntnisapparat der Logik ein Verständnis der Natur zu erlangen bestrebt ist. Es gibt allerdings auch Fragen der Welt, die sich der Physik entziehen (z.B. wie wir Menschen auf diesem Planeten friedlich, synergetisch und benevolent zusammenleben können) - darum ist Physik nicht die einzige Liebe der Bloggerin. Sie liebt die Weisheit und hinterfragt die Welt. Das Wort "Philosophie" ist ihr aber zu groß und das populärwissenschaftliche Verständnis davon zu schwammig, als dass sie sich damit identifizieren würde: hier geht's faktenbasiert zu. Ihr fachliches Spezialgebiet sind Himmelskarten und Himmelsgloben; konkret deren Mathematik, Kartographie, Messverfahren = Astrometrie, ihre historische Entwicklung, Sternbilder als Kulturkalender und Koordinatensystem, Anomalien der Sternkarte - also fehlende und zusätzliche Sterne, Sternnamen... und die Schaustellung von alle dem in Projektionsplanetarien. Sie versteht dieses Blog als "Kommentar an die Welt", als Kolumne, als Informationsdienst, da sie der Gesellschaft, die ihr das viele studieren und forschen ermöglichte, etwas zurückgeben möchte (in der Hoffnung, dass ihr die Gesellschaft auch weiterhin die Forschung finanziert).

8 Kommentare

  1. Das dort ein Supervulkan aktiv ist wissen Interessierte, bleibt jetzt nur zu wünschen, daß die derzeitigen Aktivitäten nur eine Ventilfunktion darstellen.

  2. Dass Esoteriker aktiver werden, wenn Vulkane aktiver werden, sagt mir vor allem, dass Esoteriker aktiver werden, wenn Vulkane aktiver werden. Ich muss dabei an Tiere denken, die Vulkanausbrüche schon kommen spüren, bevor die Menschen sie bemerken.

    Und das führt mich wieder mal zu der Frage, wie eng Mensch und Natur verknüpft sind. Wir werden ja auch durch den Tag-Nacht-Zyklus, Jahreszeiten, Wetter oder andere Großereignisse auf eine bestimmte Stimmung geeicht – genauer gesagt, sie wirken wie Hormone, die Reaktion hängt vom Individuum ab, auf das sie treffen, aber wir reagieren alle. Auf Vollmond reagieren wir zumindest, wenn wir wissen, dass Vollmond ist, Astrologie mag Quatsch sein, doch sie sagt mir, dass ein paar Kleckse am Himmel eine enorme Wirkung auf die menschliche Psyche, Verhalten, gar Weltgeschichte haben können, nicht weil die Kleckse es wollen, sondern weil wir sie in unser Verhalten integrieren. Welche Wirkung haben dann Phänomene auf uns, die wir nicht bewusst bemerken? Direkt auf Hirn und Körper oder mittelbar über die Reaktionen der Natur? Sonneneruptionen, Vibrationen der Tektonik, Veränderungen des Erdmagnetfeldes?

    Als der Erdkern anhielt, wirkte es auf mich irgendwo, als würden sich auch die Menschen im Kreis drehen, weil sie keine Richtung kannten. „Wirkte so“ ist natürlich kein Beweis. Nur etwas, was man im Hinterkopf abspeichert, vielleicht kommen ja Daten dazu, die den Gedanken irgendwann wieder hervorholen.

    Die Klimaveränderung ist im Grunde eine Nebenwirkung der globalen Erwärmung – was sich hier aufheizt, ist die Menschheit: Hitze heißt, Dinge bewegen sich schneller, es bewegen sich mehr Dinge, und um das für uns zu bewerkstelligen, haben wir Energie gebraucht und durch Verbrennung gewonnen. In der scheinbaren Abstraktion der Weltwirtschaft und der Weltpolitik ist sie auch schon viel weiter als beim Klima – da scheint die Erde bereits zur Sahara vertrocknet zu sein, die Menschen fliehen in Oasen wie USA oder Europa, die Russen haben schon vollends auf Ali Putin und die Wüstenräuber geschaltet, und auch bei uns ist der Trend unverkennbar. In den Köpfen spuckt der Übergang auf Subsistenzwirtschaft, die kaum Fortschritt kennt, sondern sich um Sparsamkeit und Genügsamkeit dreht, als würden die Felder vertrocknen und wir müssten Milchkühe gegen ein paar Ziegen eintauschen, die von Disteln leben können. Und es scheint eine Manie ausgebrochen zu sein, die Zahl der Menschen durch Kriege massiv zu reduzieren, um sie den knappen Ressourcen anzupassen.

    Die Grundlage ist einfache Thermodynamik: Wie im Kochtopf, schließen wir uns in Heile-Welt-Blasen ein, die uns vor dem Chaos draußen schützen sollen, verlernen, zu kooperieren und zu kommunizieren, dadurch verlieren wir vollends die Kontrolle über das Chaos, die Blasen werden zu Geschossen, die umhergewirbelt werden und einander zerschmettern – wir können nur noch um Ressourcen konkurrieren, die wir nicht mehr durch gemeinsame Arbeit erneuern können.

    Ich nenne das die Zombie-Apokalypse: Jede Blase, jede Zombie-Gang hält sich für die letzten Überlebenden, jede mit einem Adolf Grimes als Anführer, die Zombies tötet, weil alle Zombies versuchen, sie zu töten. Es ist ein psychologisches Phänomen – wir werden „blind“ für die Seelen der anderen Gangs, weil es uns mehr nützt, miteinander wie Soziopathen umzugehen.

    In der Realität ist natürlich (noch) keine Wüste da, sondern die Ressourcen, die da sind. Hightech, um sich bequem anzupassen, noch genug Felder, um unzählige Menschen durchzufüttern, Kooperation würde auch heute mehr nützen als Kampf. Aber… wir hatten eine Zombie-Welle in Hollywood, wir haben Schwarze Nullen, Schuldenbremsen, eine Wirtschaft, die in vorauseilendem Gehorsam die Welt auf Wüste zusammen spart, so eine VR-Wüste erzeugt, in der wir bereits alle Fertigkeiten einüben, die wir brauchen würden, falls die Erde je tatsächlich zur Sahara würde.

    Es wirkt wie die instinktive Reaktion von Tieren, die weder Verstand noch die Ressourcen moderner Menschheit hatten. Dass der ganze Planet zur Wüste wird, ist unwahrscheinlich, aber ein Tier lebt nicht auf dem ganzen Planeten, seine Welt ist eine kleine Region, wo eventuelle Klimaveränderungen überall die gleiche Wirkung haben. Es kann nicht sprechen, es kann nicht denken, es kann kaum lernen oder große Netzwerke und Organisationen aufbauen. Also muss es den Universal-Arzt der Natur bemühen: Doktor Tod. Es beschleunigt die Evolution, den Überlebenskampf, das übliche Gemetzel wird extremer, damit nur die Stärksten, Gesündesten, Angepasstesten übrig bleiben – diejenigen, die die größte Überlebenschance haben. Der Rest wird Dünger und Futter, oder steht wenigstens nicht im Weg, sodass die Sieger sich die knapper werdenden Ressourcen teilen können.

    Es scheint, wir reagieren so hochsensibel auf alles in der Natur, in der Welt um uns herum, dass wir uns nie und nimmer als Sonderfall betrachten können. Wir sind Teil davon, Zahnräder desselben Uhrwerks, und wenn sich irgendwo ein Rad schneller dreht, drehen sich auch alle anderen schneller – ob dieses Rad ein Mensch ist oder ein Vulkan oder die Sterne am Himmel, spielt für die Maschine keine Rolle.

    Ist nix mit Krone der Schöpfung, auch nix mit sich über die Natur erheben. Wir integrieren alles um uns herum, alles, was wir tun, wird von allem um uns herum in unzählige Abläufe integriert. Dass wir überhaupt so abgehoben sind, hängt wohl mit der Energie zusammen, wir haben einen Luftsprung gemacht und dachten, wir könnten fliegen. Im Moment landen wir Zähne voran auf dem Boden der Tatsachen und merken, dass wir immer noch nicht frei wie die Vögel sind, sondern uns wieder ins System einmontieren müssen, und zwar so, dass wir dem System dienen, denn es kann uns grausam belohnen und fürstlich bestrafen und wenn wir uns zu wichtig machen, legt es uns um. Zeitdilatation kann echt nervig sein, große Systeme wie die Weltgeschichte entwickeln sich so langsam, dass eine große Ära des Menschen ein kleiner Hüpferl für die Menschheit sein kann. Das Nervige ist, dass man immer irgendwo mittendrin geboren wird und tot ist, Jahrzehnte, Jahrhunderte, Jahrmillionen, bevor man weiß, wie das Ganze ausgeht.

    Die Götter der Antike sind zurück. Heute nennen wir sie selbstorganisierende Systeme und wissen, dass wir sie nicht damit langweilen müssen, Schafe auf Altären zu verbrennen, sie wollen andere Opfer. Doch dass wir nur überleben, wenn wir uns ihrem Willen unterwerfen und ihnen dienen – das bleibt. Doch wir dienen ihnen immer, auch wenn wir ihre Strafen auf uns ziehen: Ihr Ambrosia ist unser Schweiß oder unser Blut, und wir können uns nur aussuchen, was wir ihnen einschenken.

    Wieso jetzt? Wieso sind wir so perfekt synchronisiert mit der Welt, dass die Tektonik und das Klima und die Wirtschaft und die Technologie so harmonisch zusammenspielen, um eine Apokalypse zu verursachen – Tod einer Welt, Geburt einer neuen, mit so viel Schmerz oder Freude, wie wir uns aussuchen? Da gibt’s wohl noch viel zu orakeln und Zeichen zu deuten für unsere Schamanen und Priester. Seitdem sie gut sind in ihrem Job, heißen sie Wissenschaftler. Doch wenn sie so anders wirken als Bischöfe, liegt das wohl daran, dass Bischöfe zwischendurch schlechter in dem Job geworden sind, als die Schamanen vor ihnen.

    Esoterik. So nennt man Wissenschaft, wenn sie sich keine Mühe geben will.

  3. oha….
    ich bin fein raus
    an mir geht das ganze Spektakel vorbei

    warum?
    ich hab bald ne Wärmepumpe
    ich hab bald n Solardach
    ich kaufe mir dann n e Auto
    ich werde dann Veganer
    werde Urin und Kacke trennen

    und dann…
    und dann kann mir diese doofe Natur mit ihren Verschiebungen der Kontinente nix mehr anhaben
    das geht an mir schadlos vorbei

    ach Leute…
    damals , man nannte es Erdkundeuntericht..
    schon damals sagte uns so’n alter echt beklopper Lehrer
    ” jedes Jahr wird es bei uns 2 Meter wärmer. wo heute in Spanien Tomaten angebaut werden ist bald Wüste und deshalb kauft Grundstücke in Siebenbürgen…das wird die Fruchtbarkeitszone””
    warum hatten unsere Politiker nie Erdkundeuntericht?
    oder ne Ausbildung???

    • wolle,
      die lehrer sind eine berufsgruppe, die sowohl die psyche der menschen kennen, als auch die gesetze der natur.
      und als ein solcher sage ich dir, hipp hopp und trallala beherrschen europa, money beherrscht nordamerika, die drogen beherrschen südamerika, die trockenheit beherrscht australien und asien wird von china zur sandwüste gemacht.

      mutter natur meldet sich gelegentlich mit erdbeben zu wort und erinnert uns daran wie vergänglich doch alles ist.
      der engländer meint dazu: it could be worse.

  4. “Jahr ohne Sommer?”

    Nee nee, es verschieben/durchmischen sich derzeit mal wieder nur die “Jahreszeiten” gegen unsere stumpf-, blöd- und wahnsinnigen Gewohnheiten.
    👋😇
    Vielleicht ist es ein programmiertes Zeichen???

  5. Jetzt mal was Sachliches. Die Drift der Kontinentalschollen wird ja von der Erddrehung verursacht.
    Schiebt sich jetzt die afrikanische Scholle unter die europäische oder umgekehrt.?

    Ich habe einmal gelesen, dass z.B. sich Skandinavien gerade hebt, weil die Gletscher in Norwegen abschmelzen. Afrika müsste dagegen leichter werden, weil die ständigen Westwinde den Saharastaub bis nach Südamerika transportieren.

    Wenn man also die afrikanische Scholle stoppen möchte, dann sollte man die Gebiete der Sahare fluten, die unter dem Meeresspiegel liegen. Dann wird Nordafrika wieder schwerer.

    Als Nichtgeologe darf man solche Gedanken noch pflegen .

  6. @Paul S. 11.07. 14:04

    „Dass wir überhaupt so abgehoben sind, hängt wohl mit der Energie zusammen, wir haben einen Luftsprung gemacht und dachten, wir könnten fliegen. Im Moment landen wir Zähne voran auf dem Boden der Tatsachen…“

    Perfekt. Nur Fliegen ist schöner heißt es. Das erklärt die Begeisterung und die Widerstände, die Wirklichkeiten zu erkennen und die Konsequenzen zu ziehen.

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