MoFi am Sonntag – Beobachtungsaufruf

Am Sonntag Abend, 7. September, veranstalten die Astronomen wieder mal eine Mondfinsternis (MoFi). Für uns in Mitteleuropa geht der Mond dann verfinstert auf – als “Blutmond”, d.h. in rötlicher Farbe. Der Mond ist dann also doppelt gerötet: einerseits, weil er am Horizont steht und andererseits, weil er im Erdschatten ist.
Die genauen Daten der Mondfinsternis können Sie – wie immer – für Ihren Standort von TimeAndDate.com erfragen.
Was heute in der Presse als “Blutmond” gern blumig umschrieben wird, rührt physikalisch ganz schnöde daher, dass das helle Sonnenlicht bei einer Mondfinsternis den Mond nicht direkt erreicht: Es wird von der Erde blockiert und beleuchtet ihn nicht, obwohl er eigentlich ein Vollmond wäre. Warum ist der Mond dann nicht einfach am Himmel “weg” (also dunkel, unsichtbar)? Nun, weil die Erde eine Atmosphäre hat: in der Erdatmosphäre wird das Licht gebrochen (wie ein Lichtstrahl im Wasserglas) und Brechung erfolgt wellenlängenabhängig (also farb-abhängig).
In der Erdatmosphäre passiert das gleiche, wie im Band-Logo von Pink Floyd: blaues Licht wird stärker gebrochen und daher wird es quasi aus dem Erdschatten herausgelenkt. Das rote Licht (große Wellenlängen) wird weniger stark gebrochen und daher gelangt ein kleiner Anteil von ihm innerhalb des Erdschattens zum Mond. Wenn der Mond noch teilweise von der Sonne beschienen wird, also in der partiellen Phase der Finsternis, sehen wir nicht, dass auf der dunklen Seite im Erdschatten noch immer ein bisschen Licht ist: zu groß der Unterschied – unser Auge nimmt den Schatten nur “dunkel” wahr.
Wenn der Mond aber vollständig im Schatten der Erde steht und kein Sonnenlicht mehr direkt erhält, erscheint er für uns rot am Himmel, weil nur das bisschen Rotanteil auf der grillkohlefarbenen Oberfläche ankommt und zu uns reflektiert wird.

MoFi im Alten Babylon
So weit so physikalisch.
Historisch wurde aber die rote Farbe tatsächlich oft und in zahlreichen Kulturen als Blut (mythologisch/ religiös) gedeutet.
Die rote Farbe könnte z.B. dadurch erklärt werden, dass ein Gott auf dem Mond ein Tier schlachtet (Jeremias 1913, May 2023, Fincke 2023): So ist es z.B. auf der Tontafel VAT 7851 des Vorderasiatischen Museums Berlin dargestellte, die ich Ihnen kürzlich hier zeigte.
Der Gott kann Nabû, Marduk, Nergal oder Tishpak sein und das Tier ein Löwe oder die Bashmu-Schlange. Jedenfalls wird mit einer Zeremoniensichel geschlachtet.

Auf dieser Tafel ist der Mond in der Mitte der Ritzzeichnung in seinem astrologisch wirkmächtigsten Punkt (griechisch: Hyposoma) gezeichnet. Allerdings findet auf ihm eben auch gerade eine Schlachtung statt und auf der Rückseite der Tafel steht in Keilschrift ein Omen zu einer Mondfinsternis. Anhand der angegebenen angegebenen Planetenpositionen in diesem Omen könnte man deuten, dass diese Tontafel anlässlich der Totalen Mondfinsternis am 15. Nov. 157 v.Chr. geschrieben wurde. Das passt zumindest zu der Datierung von einigen Assyriologen ins “frühe zweite Jahrhundert”; nicht aber zu der im Museum angegebenen ins dritte Jahrhundert.

Kontaktzeiten bitte!
Wenn Sie mir einen Gefallen tun möchten, stoppen Sie bitte die visuell beobachtete Kontaktzeit, d.h. den Moment (auf die Minute genau oder wie man es eben sieht), wenn der Erdschatten den Mond verlässt.
Im Sommer 2017 hatte ich schon einmal um so etwas gebeten und tatsächlich Rückmeldung von einer Leserin erhalten. Mein Student in Indonesien hatte damals sehr erfolgreich in seiner Bachelor-Arbeit den Unterschied in geografischer Länge bestimmt. Die Methode, wie das geht, steht schon bei Ptolemäus, wurde aber vermutlich erst im 10. Jahrhundert von arabischen Gelehrten durchgeführt. Es könnte aber auch sein, dass babylonische und griechische Gelehrte das bereits probierten.
Das möchte ich jetzt mit meiner indonesischen Pre-Doc Studentin nochmals probieren.
Bitte teilen Sie uns ggf. Ihre visuell beobachtete Kontaktzeit und den Ort (bzw. geografischen Koordinaten) mit!
Literatur
- Akyas, M., Izzuddin, H. A. and Hoffmann, S.M. (2022). Al-Biruni’s Observation Repeated, in Hoffmann and Wolfschmidt (eds.). Astronomy in Culture – Cultures of Astronomy, tredition Hamburg/ OpenScienceTechnology Berlin: 268-275
- Fincke, J. C. (2023): The Man in the Moon Revisited: The bašmu in the Sun, the Lion in the Moon and the lumašu, Kaskal 20, pp. 183-214.
- Hoffmann (2025). Image Analysis of VAT 7851, Archiv für Orientforschung (AfO) 56, 45-53
- Jeremias A. (1913): Handbuch der altorientalischen Geisteskultur. J. C. Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig.
- Natalie N. May (2023). Towards the History of Representation of the Zodiacal Constellations in Mesopotamia: The Babylonian Man in the Moon and other Matters. (PDF at Univ. Barcelona)



Gern. Hatte eh geplant, die Mondfinsternis zu fotografieren. Gut, werde ich nochmal die Uhrzeit in den Kameras auf Richtigkeit checken und darauf achten, Fotos genau im besagten Moment zu machen.
Hier in Kiel laut EXIF-Daten genau um 22:00 Uhr. Die Kamerauhr ging gegenüber der Braunschweiger Atomuhr um 4 Sekunden nach, gestern abend geprüft.
Herzlichen Dank! … da geh ich mit, das war auch mein Eindruck.
Die 4 Sekunden sind geschenkt: so genau kriegt das kein freiäugiger Beobachter hin – unsere Fehlerbalken sind eher im Bereich von Minuten.
Wenn ich schreibe “genau um 22:00 Uhr”, dann ist das auch nicht sekundengenau gemeint. Die 4 Sekunden hatte ich auch nur erwähnt, um zu zeigen, dass die Kamerauhr genau ging. Zur fraglichen Zeit habe ich Bilder grob im Abstand von 15 Sekunden gemacht.
Dazu kommt, dass ich die Belichtung so gewählt habe, dass die Details auf dem Mond möglichst gut erkannt werden können. Hat aber den Nachteil, dass der Erdschatten weniger gut erkannt werden kann, weil der im Gegensatz zur Darstellung in Stellarium keine scharfe Grenze hat, sondern viel eher eine breite und weiche Übergangszone. Welches der Bilder das Verlassen des Erdschattens zeigt, habe ich auch erst durch starkes Nachbearbeiten (z. B. Hochziehen des Kontrasts) bestimmen können. Und selbst da ist es von einem Bild zum anderen nicht hunderprozentig eindeutig.
Eine bessere Bestimmbarkeit hätte man möglicherweise hinbekommen, wenn man die Bilder stark überbelichtet hätte, da dann die Trennung zwischen Erdschatten und beleuchteter Mondoberfläche deutlich sichtbarer ist. Allerdings wird die beleuchtete Fläche durch die Überstrahlung größer dargestellt und drängt somit den Erdschatten zurück, also ganz genau ist auch dieses Verfahren nicht.
Ich werde aber später die Bilder noch hochladen und in Ihrem MoFi-Beitrag einen Kommentar mit den Links posten, so dass Sie sich selber ein Bild machen können (pun intended).
Guten Abend, @Susanne M. Hoffmann,
ein interessanter Beitrag!
Ich möchte gerne von meiner Beobachtung berichten.
Ich befand mich in Norditalien in Anfo bei Brescia und habe an folgendem Standpunkt fotografiert: 45.764623, 10.490667 (Anfo,25070 Brescia, Italien)
Folgendes Foto habe ich am 07.09.2025 um 20:55:42 Uhr Ortszeit aufgenommen. Man sieht, dass die totale Phase gerade zu Ende geht:
https://www.silberspur.de/topics/astro/mofi2025-00.jpg
In folgendem Zeitraffer kann man verfolgen, wie sich dann langsam wieder die „Mondsichel“ ausbildet:
https://www.silberspur.de/topics/astro/timelapse-mofi.mp4
(Den Fotostandpunkt habe ich mit https://photoephemeris.com und OpenStreetmap-Karten geplant. Meine Absicht war, dass ich den Mond beobachten kann, wie er genau hinter der kleinen Baumgruppe (auf einem Berg am gegenüberliegenden Seeufer ungefähr 3 km Luftlinie entfernt) aufgeht, was ganz gut auch ohne App gelungen ist.)
Für den dann wieder vollen Mond habe ich kein Foto gemacht, aber die Zeit 21:59 Uhr abgelesen.
Ich hoffe, ich konnte weiterhelfen.
Herzlichen Dank auch Ihnen erstmal. Über Ergebnisse werde ich später ggf berichten.