Lebenswichtiger Mond

Die Sonne ist lebenswichtig; das sehen wir draußen gerade eindrucksvoll: kaum erblaute der Himmel, strecken sich die ersten Schneeglöckchen, Winterlinge und Krokusse aus dem dörren Gras.
Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick;
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur;
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
(Goethe)
Mond
Der Mond ist aber ebenso wichtig für das Leben auf der Erde.
Chronobiologen erforschen die zeitliche Ordnung und Perioden physiologischer Funktionen. Das Buch von Endres & Schad “Die Biologie des Mondes” handelt von biologischen Rhythmen, die mit denen des Mondes in Zusammenhang gebracht werden können. Es gibt Blumen, die nur bei Vollmond blühen, Fische, die die mit Voll- und Neumond verbundene Springflut zum Laichen benötigen, und als Wüstenwandererin (bis 2008) weiß ich, dass das Licht des Mondes auch menschliche Aktivitäten bestimmt: Vollmondnächte sind hell genug, dass man zu Fuß weiterreisen kann, während das in mondlosen Nächten zu gefährlich ist.
Forschungen zeigen zudem seit langem, dass unser Mond nicht unerheblich zur Erhaltung der konstanten Bedingungen auf der Erde beiträgt. Der Trabant stabilisiert durch seinen Umlauf die Rotationsachse unseres Planeten (Ward and Browlee 2000). Anders gesagt: nur weil der Mond um die Erde läuft, kippt die Erde im All nicht um und wird immer gleichmäßig von der Sonne beleuchtet (bis auf das leichte Präzessionstaumeln), so dass das Klima über Jahrmillionen stabil genug bleibt, damit sich Lebensformen von Einzellern zu komplexeren Wesen entwickeln konnten.
Zu den poetischen Seiten des Mondes hatte ich bereits früher geschrieben, z.B.:
- Mond – Bilderpoesie (2019)
- Fotos einer kompletten Lunation (2019)
- verschiedene Bilder, die in Kulturen in den Flecken gesehen werden (2025)
- Klaus-Peter Endres und Wolfgang Schad (1997). Biologie des Mondes. Mondperiodik und Lebensrythmen: Mondperiodik und Lebensrhythmen, S. Hirzel, Stuttgart/Leipzig
- Peter D. Ward and Donald Browlee, editors (2000). Rare Earth: Why Complex Life is Uncommon in the Universe. Copernicus Books, New York.









Ich frage mich manchmal, wie es wäre, wenn der Mond nicht aus Schokolade wäre, sondern aus Vanille – wenn er also nicht von dunklem Kakao-Staub bedeckt wäre, sondern von Eis. Das würde dann das Sonnenlicht so stark reflektieren, dass manche Mondnächte vielleicht taghell wären.
Wie hätte das die Evolution auf Erden beeinflusst, oder die Astronomie der Viecher, die sie statt uns ausgespuckt hätte? Mehr Lichtverschmutzung geht ja kaum.
Der Mond hält uns stabil, mit mehreren Monden wäre das schwierig, sieht aber cool aus, also suche ich gern Schlupflöcher für die Sci-Fi. Zum Beispiel kann jede beliebige Kombination von Sternen, Monden, Planeten, eine Nische erzeugen, die nur kurzzeitig stabil ist. Nur wenige zigtausend Jahre. Genug für Astronauten für Terraforming und mehrere Zivilisationen.
Natürlich entwickelt sich Leben nicht auf Planeten, sondern unter Steinen. Irgendwo ist immer eine Pfütze, wo es passieren kann, egal wo Sie sich im Universum befinden. Wir hatten einen ganzen Urozean voller Würfel, auf dem Pluto gibt’s höchstens ein paar Tropfen in drei Ritzen, aber im Universum gibt’s einen Urozean solcher Tropfen. In Lotto entscheidet ja auch nicht die Anzahl der Kugeln, sondern die Anzahl der Lottoscheine, dass immer wieder einer gewinnt.
Und wenn das Leben erst mal Nährstoffe findet und Fuß fasst – dann gibt es keinen Planeten, auf dem es nicht aufblühen könnte. Wenn’s mit Geothermie läuft, freut es sich, dass die Oberfläche des Mondes oder Mini-Planeten so kalt ist, dass die Luft gefriert und nicht entkommen kann. Wenn es auf einem Planeten existiert, an dessen Innenleben viele Monde zehren, dann kann gerade diese Reibung es sein, die ihm die nötige Wärme liefert, um sich dann zur Oberfläche zu graben. Und wenn’s Eismonde sind, die das Licht eines fernen Sterns reflektieren, dann kann es auch Photosynthese entwickeln und eine Sauerstoffatmosphäre schaffen, wo lebende Ballons von steten Vulkanausbrüchen und Erdbeben herumgewirbelt werden und auf die härtste aller Touren lernen müssen, sehr schnell und intelligent durch den Flipper zu navigieren. Vielleicht reicht es ja, um ein paar Bakterien zu den Monden zu schießen, und vielleicht finden sie auf einem sogar günstigere Lebensbedingungen. Oder das ganze System existiert gerade so lange, dass Leben entstehen kann, dann zerfetzt es sich selbst und verstreut Brocken gefrorenen Schleims in der Gegend, auch Richtung Sonne, wo schon drei ruhige potenzielle Erden darauf warten.
Das All ist groß genug, dass alles Mögliche passieren kann, doch lokal gibt es immer zu wenige Würfel und zu viele Widrigkeiten, dass viel davon im selben Sonnensystem passiert. Da oben achtet einer auf Chancengleichheit. Falls ein Küken, dann nur eins pro Ei.
Zum Thema Mond fällt mir gerade was Lustiges ein, ein wohl uralter Witz:
Frägt einer den anderen: “Was ist wichtiger, die Sonne oder der Mond?”. Darauf die Antwort: “Natürlich ist der Mond viel wichtiger, denn der scheint wenn es dunkel ist während die Sonne scheint wenn es sowieso hell ist”.
Mit meinem Teleskop vom Typ Meade LX90 habe ich früher nicht nur nach Nebeln, Galaxien und den Planeten geschaut, sondern auch oft mit verschiedenen Vergrößerungen den Mond betrachtet. Die Formationen auf dem Mond waren für mich immer wieder interessant. Doch weil ich wegen meiner schlechter gewordenen Durchblutung viel mehr friere habe ich das nächtliche Schauen durchs Teleskop aufgegeben, denn da friere ich zu schnell und zu sehr.
Zwei ebenso uralte Binsenweisheiten: “es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung” und, wie es im Film Casablanca heißt, sollten wir Temperaturen von -40 bis +40°C aushalten. Letzteres kann schon gefährlich werden: ununterbrochene Bewegung ist angemessen.
Ich war noch nie ein großer Teleskopgucker, obwohl das mitunter zu Jobbeschreibung gehörte (aber da war ich stets emotionslos). Für mich war und ist Astronomie ein wichtiger Teil vom Verständnis von Natur und der Welt – und ein Weltbild kann man naturgemäß nicht erhalten, wenn man das Gesichtsfeld durch eine Röhre einschränkt.
Gute Nacht!
Die Mundorgel – Nr. 20
1. Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen am
Himmel hell und klar. Der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar.
2. Wie ist die Welt so stille und in der Dämmrung Hülle so traulich
und so hold als eine stille Kammer, wo ihr des Tages Jammer verschlafen
und vergessen sollt.
3. Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehenund ist doch
rund und schön: so sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen,
weil unsere Augen sie nicht sehn.
4. Wir stolzen Menschenkinder sind eitel arme Sünder und wissen gar
nicht viel. Wir spinnen Luftgespinste und suchen viele Künste und kommen
weiter von dem Ziel.
5. So legt euch denn, ihr Brüder, in Gottes Name nieder, kalt ist der
Abendhauch. Verschon uns, Gott, mit Strafen und laß uns ruhig schlafen
und unseren kranken Nachbarn auch. Matthias Claudius