In Berlin ist Freedom-Week, denn wir feiern 35 Jahre Wiedervereinigung. Rein zufällige Koinzidenz ist, dass die IAU diese Woche auch einen neuen Sternnamen “Himmlische Quadriga” (Tiansi) gemacht hat. Der Name “Tiansi” bezeichnet in China seit über 2000 Jahren den von vier Pferden gezogenen Wagen eines legendären Generals namens Wangliang. Sein Sternbild besteht aus einigen – aber nicht ganz allen – Sterne des Himmels-Ws.
Was man sich hierzulande als eitle Königin Cassiopeia vorstellt, die auf einem Thron sitzt, ist also in China ein hoher Militär in einem Wagen mit vier Pferden (siehe meine All Skies Encyclopaedia (ASE)). Der General steht unter einem Baldachin und schwingt als Wagenlenker natürlich eine Peitsche.
Die vier Pferde sind gamma, eta, alpha und zeta Cassiopeiae; der General selbst ist beta Cassiopeiae, seine Peitsche wird traditionell in dem Stern kappa Cas gesehen.
Quadriga auf dem Brandenburger Tor in Berlin.
Tiansi in Wangliang
Die freie Planetariumssoftware Stellarium erlaubt die Darstellung solcher historischer Sternbilder von vielen Kulturen. Sie können Stellarium im Großplanetarium, im Kleinplanetarium und im Klassenraum einer Schule benutzen. Im Gegensatz zu ZEISS-Software ist Stellarium in der Desktop Version kostenlos und wird von Wissenschaftlern entwickelt und kuratiert. Wir möchten das gern erhalten – sind aber auf Spenden angewiesen, denn auch Wissenschaftler sind Menschen und wollen leben.
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"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" Dr. Dr. Susanne M Hoffmann ist seit 1998 als Kultur-Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik und Wissenschaftsgeschichte (zwei Diplome), Informatik und Fachdidaktik (neue Medien/ Medienwissenschaft) als Weiterqualifikationen. Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde. Studienbedingt hat sie 2001-2006 in Potsdam gelebt, jobbedingt 2005-2008 saisonal in Mauretanien (winters) und Portugal (sommers), 2008-2009 und 2013-'15 in Berlin, 2010 in Hamburg, 2010-2012 in Hildesheim, 2015/6 in Wald/Österreich, seit 2017 in Jena, mit Gastaufenthalten im Rahmen von Forschungskollaborationen in Kairo+Luxor (Ägypten 2022), Jerusalem+Tel Aviv (Israel 2023), Hefei (China 2024), Semarang (Indonesien 2017, 2024), USA (2024, 2025)... . Die einleitenden Verse beschreiben eine Grundstruktur in ihrem Denken und Agieren: Physik ist eine Grundlagenwissenschaft, die datenbasiert und mit dem Erkenntnisapparat der Logik ein Verständnis der Natur zu erlangen bestrebt ist. Es gibt allerdings auch Fragen der Welt, die sich der Physik entziehen (z.B. wie wir Menschen auf diesem Planeten friedlich, synergetisch und benevolent zusammenleben können) - darum ist Physik nicht die einzige Liebe der Bloggerin. Sie liebt die Weisheit und hinterfragt die Welt. Das Wort "Philosophie" ist ihr aber zu groß und das populärwissenschaftliche Verständnis davon zu schwammig, als dass sie sich damit identifizieren würde: hier geht's faktenbasiert zu. Ihr fachliches Spezialgebiet sind Himmelskarten und Himmelsgloben; konkret deren Mathematik, Kartographie, Messverfahren = Astrometrie, ihre historische Entwicklung, Sternbilder als Kulturkalender und Koordinatensystem, Anomalien der Sternkarte(n) - also fehlende und zusätzliche Sterne, Sternnamen... und die Schaustellung von alle dem in Projektionsplanetarien. Sie versteht dieses Blog als "Kommentar an die Welt", als Kolumne, als Informationsdienst, da sie der Gesellschaft, die ihr das viele studieren und forschen ermöglicht, etwas zurückgeben möchte (in der Hoffnung, dass ihr die Gesellschaft auch weiterhin die Forschung finanziert).