GDP Tagung in Berlin

BLOG: Uhura Uraniae

Ko(s)mische Streifzüge durch Zeit und Raum
Uhura Uraniae

Vom Samstag, 29. April bis Montag, 01. Mai fand in Berlin die Tagung der Gesellschaft deutschsprachiger Planetarien statt. Berlin hat drei – eigentlich im Augenblick sogar vier – Planetarien, zwei große, ein kleines und jüngst ein aufblasbares. Alle diese Kuppeln waren Tagungsorte. Die drei Standorte waren an den drei Tagen abwechselnd der Tagungsort. Am Samstag begann es in der Archenhold-Sternwarte mit ihrem Kleinplanetarium (ZKP II), ging dann per Schiff zum Großplanetarium der Wilhelm-Foerster-Sternwarte, wo ein opulentes Abendkulturprogramm gezeigt wurde.

In den folgenden Tagen wurden in den beiden Zeiss-Großplanetarien am Insulaner und an der Prenzlauer Allee (ja, in Berlin ham’wa allet doppelt) viele interessante Vorträge und Workshops zu aktueller Planetariumstechnik, Moderations- und Produktionstechniken und vieles mehr angeboten. Zudem präsentierten sich diverse Firmen mit Präsentationen und Infomaterial und die Kolleginnen und Kollegen tauschten sich über ihre Praxiserfahrungen aus.

Zeiss-Großplanetarium (ZGP) Berlin an der Prenzlauer Allee

Alles in allem eine wunderbare Tagung und mit dem erstaunlich häufigen Standortwechsel sicher eine sehr ungewöhnliche Tagung. Normalerweise sagt man, dass man in Berlin immer von A nach B eine Stunde braucht – für Gäste immer wieder eine Überraschung, aber auch ein Erlebnis, weil man unterwegs nett schnacken kann. Sehr angenehm bei einer Tagung!

Insbesondere das ZGP, das nach zweijähriger Sanierung letztes Jahr wieder eröffnet wurde, erstrahlte mit hochmoderner Technik und begeisterte mit brillanter Projektion. Wir gratulieren dem Leiter Tim Florian Horn und seinem Team (nochmals, nachträglich) zur pünktlichen Fertigstellung.

Archenhold-Sternwarte in Treptow
Planetarium am Insulaner in Schöneberg
Mobile Kuppel-Team.
Mobile Kuppel von Stiftung Planetarium Berlin in einer Turnhalle.

Nur einer so großen Einrichtung wie die Stiftung Planetarium Berlin – mit zwei Großplanetarien, zwei Kleinplanetarien, zwei großen Sternwarten – und um die 30 Mitarbeitenden kann sich eine eigene Hausband formieren: Sensationell war die Überraschungsperformance am Sonntag Abend, die nicht im Programm stand: Monika Staesche, Jürgen Rienow und Helge Perplies traten als “Die S-P-Bs” auf und haben unter Standing Ovations der internationalen Tagungsgäste eine eindrucksvolle Darbietung geliefert… sowas geht nur im modernen Planetarium! (wenn ich mal groß bin, gehöre ich auch zu so einem großartigen Unternehmen mit so tollen Menschen…)

Überraschungsperformance von drei Mitarbeitenden der gastgebenden Einrichtung.
Foto von Stiftung Planetarium Berlin, veröffentlicht bei flickr; nachgetragen am 15.5. 2017

Die Vorträge kamen von deutschsprachigen Planetariern, aber auch von anderen, internationalen Beitragenden und machten somit dem weltoffenen Ruf der Hauptstadt alle Ehre.

Beitrag am 1. Mai in der großen Kuppel

Alles in allem war es ein grandioses Erlebnis für alle Beteiligten: Ich wollte eigentlich nur am Morgen rasch zwei, drei Präsentationen hören, aber dann war ich doch erst am Abend zuhause, weil ich von den überaus liebenswürdigen Kolleginnen und Kollegen immer wieder in Gespräche verwickelt, irgendwohin mitgenommen oder vom Gehen abgehalten wurde. Ich fühle mich dadurch besonders angenommen und zuhause in dieser Gemeinschaft: Beim allem Herzblut, das man gewöhnlich in die tägliche Arbeit an dieser einzigartigen Kombination von Wissensvermittlung und Unterhaltung steckt, den vielen unbezahlten Überstunden, die man mit Eifer beim Forschen, Programmieren, Visualisieren, Sonifizieren und Übersetzen in sinnlich Zugängliches investiert und all der Ruhe und Abgeschiedenheit, die man hin und wieder auch dafür braucht: Es ist schön, nicht allein zu sein!

Diese Menschen sind großartig.
Ich freue mich, auch ohne eigenes Planetarium zu dieser Gemeinschaft gehören zu dürfen und bin daher ja schon seit kurz nach der Gründung dabei.

Herzlichen Dank an die Organisierenden dieser Tagung, den Vorstand der GDP, die drei Standortleiter der Berliner Sternenhäuser sowie das Lokale Organisationsteam.

Gruppenfoto am ZGP

 

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"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" Dr. Dr. Susanne M Hoffmann ist seit 1998 als Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik und Wissenschaftsgeschichte (zwei Diplome), Informatik und Fachdidaktik (neue Medien/ Medienwissenschaft) als Weiterqualifikationen. Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde. Jobbedingt hat sie 2001-2006 in Potsdam gelebt, 2005-2008 saisonal in Mauretanien (winters) und Portugal (sommers), 2008-2009 und 2013-'15 in Berlin, 2010 in Hamburg, 2010-2012 in Hildesheim, 2015/6 in Wald/Österreich, 2017 in Semarang (Indonesien), seit 2017 in Jena, mit Gastaufenthalten im Rahmen von Forschungskollaborationen in Kairo+Luxor (Ägypten), Jerusalem+Tel Aviv (Israel), Hefei (China)... . Die einleitenden Verse beschreiben eine Grundstruktur in ihrem Denken und Agieren: Physik ist eine Grundlagenwissenschaft, die datenbasiert und mit dem Erkenntnisapparat der Logik ein Verständnis der Natur zu erlangen bestrebt ist. Es gibt allerdings auch Fragen der Welt, die sich der Physik entziehen (z.B. wie wir Menschen auf diesem Planeten friedlich, synergetisch und benevolent zusammenleben können) - darum ist Physik nicht die einzige Liebe der Bloggerin. Sie liebt die Weisheit und hinterfragt die Welt. Das Wort "Philosophie" ist ihr aber zu groß und das populärwissenschaftliche Verständnis davon zu schwammig, als dass sie sich damit identifizieren würde: hier geht's faktenbasiert zu. Ihr fachliches Spezialgebiet sind Himmelskarten und Himmelsgloben; konkret deren Mathematik, Kartographie, Messverfahren = Astrometrie, ihre historische Entwicklung, Sternbilder als Kulturkalender und Koordinatensystem, Anomalien der Sternkarte - also fehlende und zusätzliche Sterne, Sternnamen... und die Schaustellung von alle dem in Projektionsplanetarien. Sie versteht dieses Blog als "Kommentar an die Welt", als Kolumne, als Informationsdienst, da sie der Gesellschaft, die ihr das viele studieren und forschen ermöglichte, etwas zurückgeben möchte (in der Hoffnung, dass ihr die Gesellschaft auch weiterhin die Forschung finanziert).

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