„Frauen in der Physik sichtbar machen“

akademia

Gerade wurde der Newsletter des Physik Journals ausgeschickt und preist eine Aktion: „Physikerin der Woche“. Ich frage mich bei sowas immer „was soll das?“ und „ist das nicht sexistisch“? Wer soll das lesen und wem hilft’s? Junge Frauen, die sich für Physik interessieren (ok, ich spreche nur für mich selbst) interessiert das nicht, weil sie sich eben für Physik interessieren und nicht für andere Frauen. Umgekehrt dürfte die Klientel des Journals mehrheitlich eher männlich sein und die wollen vllt. Frauen anschauen (menschlich!), aber ob die Physik im Journal nun von Frauen oder Männern gemacht wird, dürfte ihnen relativ egal sein. Die Chance steht daher gut, dass so eine Aktion im Wesentlichen das schlechte Gewissen der Redakteure befriedigt und mehr von Männern „geliked“ wird als von Frauen. 

„Um die Frauen in der Physik sichtbarer zu machen, … Auf dass mehr junge Frauen ihre Talente in der Physik entfalten!“

Warum evtl sexistisch? 

  1. cherry-picking der wenigen Beispiele, die nicht behindert wurden: Sofort fällt einem bei den o.g. Beispielen Mileva Marić-Einstein ein, deren (geschiedener) Ehemann genannt wird, während sie selbst unterschlagen wird – obwohl sie di klügere von beiden war, ihm durchs Studium geholfen hat und danach eine Promotionsstelle bekam (er nicht), das gesamte Preisgeld des Nobelpreises für den Photoeffekt bekommen hat: niemand weiß, ob das nur für die Kinder war, als moralische Reparation dafür, dass sie ihre Karriere zu seinen Gunsten aufgab, oder die interne Regulierung für ihre unbezahlte Arbeit, für die sie ihre Co-Autorschaft 1905 hatte zurückziehen müssen. 
  2. Wer liest das Physik-Journal: Physiker. Also 80-90% Männer. Das Journal will also seine (überwiegend männliche) Klientel mit ein paar Bildern von Frauen ansprechen. Menschlich, dass Männer das wohl mögen.
  3. Warum müssen Frauen, die sich für Physik interessieren, dauernd zur Schau gestellt werden? (a) Ist es ein Zoo oder ein Medium für Physik? (b) Das Zur-Schau-Stellen von Menschen bei Weltausstellungen des 19. Jahrhunderts gilt inzwischen als rassistisch. (c) Moralisch: Ich hätte zwar kein Problem damit, in der Öffentlichkeit aufzutreten und von anderen angeschaut zu werden (Blickscheue ist eine Neurose, die wohl die Kaiserin Sissi gehabt hat), aber ich will, dass man meine Leistungen, beruflichen Erfolge und supererogatorisches Engagement sieht und nicht mein Geschlecht – so wie bei Männern!
    1. Seit meinem Studium kriege ich dauernd zu hören „Sie haben Physik studiert? als Frau?“… tjanun, keines meiner Geschlechtsorgane war dafür vonnöten. 
    2. Kann sich irgendwer im Journalismus vorstellen einen Mann zu fragen „Sie haben Physik studiert? als Mann?“ … Machen Sie einfach immer diese Probe: wenn sich so eine Frage lächerlich anhört, stellen Sie sie am besten auch Frauen nicht! 
  4. Verfehlte Problemsicht:

Das Problem ist nicht, dass sich Frauen weniger für Physik interessieren (in meinen astronomischen Sommerlagern 2000 bis 2006 für junge Menschen zwischen 15 und 25 lag der Frauenanteil bei 40 bis 50%) 1, sondern dass sie systematisch aus dem System gemobbt werden – entweder schon in der Schule (wie mir Lehrerinnen berichten oder am Anfang des Films „Legally Blonde“ (2001) zeigt: mit Sprüchen wie „du bist hübsch, du musst nicht studieren [um einen Mann zu kriegen – als ob das das einzige Lebensziel wäre: gerade bei klugen Frauen ist es eher eines von vielen]“ oder gar „Mädchen können Physik nicht“) oder – wenn man Schule und Studium erfolgreich übersteht, dann eben anschließend als Dok/PostDoc (wie bei Mileva Maric, wie unterhaltsamer dargestellt in dem Film „On the Basis of Sex“, 2018, deutsch: „Die Berufung“, hier gezeigt für Jura-Studium, aber historisch korrekt und das Problem ist in der Physik das gleiche). Motto „Wenn ich mit einem Physikdiplom jahrelang keinen Job kriege, mach‘ ich halt was anderes…“. Bitte dies nicht als autobiografisch interpretieren: Für mich selbst war die Situation anders (verschärft das Problem, ist hier nicht Thema).

Dass es für Frauen eine Herausforderung ist, nach dem Studium einen Job zu bekommen oder in jeglichem Job zu bleiben, habe ich bereits früher dargestellt und ist ein „offenes Geheimnis“. Die Gründe sind dabei hochgradig divers: sozial, wirtschaftlich, biologisch, z.B.:

  • Publikationsverbote qua Dienstanweisung oder Publikation von Konferenzbeiträgen nur auf Deutsch, wenn jegliche Fachkonversation auf Englisch stattfindet… und andere Unverschämtheiten von Professoren, Wichtigtuern oder gar in der Wissenschaft dienstlich vorgesetzten Personen (ich thematisierte das hier 2019 zum Thema „Sine laude – Sexismus an der Hochschule“ von 1994, ebenfalls 2019 zur öffentlichen Debatte um Respekt und Toleranz an Hochschulen, ausgelöst von einer PM der ETH Zürich, und nochmals 2020 mit zahlreichen Referenzen auf Blogposts von anderen SciLoggern damals)
  • In vielen Ländern (Indonesien), aber auch in Süddeutschland, ist es leider immer noch üblich, dass ein Mann als „Looser“ gesehen wird, wenn seine Frau arbeiten „gehen muss“. Die Leute behaupten dann, die Frau müsse arbeiten, weil der Mann nicht genug Geld verdiene. Es ist für viele Frauen der Wohlstandsgesellschaft leider nicht normal, dass Frauen für Geld arbeiten „gehen“ anstatt sich nur um „Haus und Hof“ zu kümmern.
    • Ich verstehe, dass vielen Menschen die gute soziale Verankerung und Ansehen wichtig sind: Wenn es meinem Mann negativ angelastet würde, wenn ich meinem Beruf nachgehe, würde ich es mir vllt wirklich überlegen. 
    • Was ich nicht verstehe, sind „die Leute“, die so einen Schwachsinn verbreiten: Erstens war die Mehrheit der Frauen (sog. Arbeiter“klasse“) zu jeder historischen Zeit berufstätig. Das „Früher“, in dem Frauen sich nur um die Kinder gekümmert haben und den Haushalt, war also bestenfalls ein paar Jahrzehnte um 1900 und auch nur das aufstrebende Bürgertum betreffend. Zweitens, als diese Frauen sich um den Haushalt kümmerten, war der Haushalt schwere körperliche Arbeit (vor der Erfindung von Waschmaschinen, Spülmaschinen, modernen Reinigungschemikalien, Staubsaugern … und all den anderen Helferlingen) und hat wesentlich mehr Zeit und Kraft in Anspruch genommen als für die Damen heute, die Angst haben, sich die Fingernägel kaputt zu machen. 
    • Das Problem hier ist also die Gesellschaft und das niveaulose Geschwätz „der Leute“. Wer darüber steht, auf soziale Anker keinen Wert legt und trotzdem eigene Wege verfolgt, der gilt leicht als überheblich, sonderbar oder „rühmliche Ausnahme“ (dieselbe Person das alles gleichzeitig bei unterschiedlichen Schwätzern: Bsp: Marie Curie). 
  • In West-Deutschland vor der Wiedervereinigung war es noch in der Generation meiner Eltern üblich, dass eine Frau zum Vorstellungsgespräch ihren Ehemann mitbringen musste oder später wenigstens dessen Genehmigung einholen musste, dass sie arbeiten darf. Das haben mir Frauen aus dem Hamburger und Stuttgarter Raum erzählt, während ich studierte und als Reiseleiterin arbeitete. In so einer Gesellschaft würde ich auf keinen Fall heiraten (und dieses Verhalten sehen wir ja bei zahlreichen Hochgebildeten dieser Generation im damaligen Westen) – oder eben nicht arbeiten „gehen“. 
  • Auch wenn es nicht mehr Gesetz ist, ist der Denkstil noch in manchen (männlichen) Hirnen: Es gibt bei manchen Personalverantwortlichen (Direktoren/ Professoren: männlich!) eine Selektion auf der Basis von Ehe mit gelegentlich negativen Ausschlägen; z.B. dass manchmal eine Frau nicht eingestellt wird, weil ihr Mann gut verdient.  
  • Dann gibt’s verhaltenspsychologische Gründe (Männer wie Frauen), wie dass klugen Leuten die Machtspiele des Managements zu dumm sind, man sich gern aufs Wesentliche konzentriert und aus dem Gehabe herausnimmt, oder dass man seine Lebenszeit nicht mit dem Kindergarten-Verhalten von Kollegen verschwenden will, wenn man auch Kinder zu Hause hat. Dann ist die Diagnose schnell und voreilig „kein Teamplayer“. Das ist so nicht ganz korrekt, denn eigentlich sollte es heißen „besonders fähige Person, die vieles alleine kann“, aber so weit denkt der neidische Mob nicht, der sowas daherschwatzt.  
  • Hinzu kommen die bekannten biologischen Gründe:
    • schwangerschaftsbedingte Abwesenheit vom Job
    • Komplikationen bei der Schwangerschaft, die die Dauer der Abwesenheit vom Arbeitsplatz verlängern
    • Fehltage wegen „Kind krank“ zusätzlich zum eigenen „krank“
    • Fehlen von ortsansässigen Großeltern und professioneller Kinderbetreuung, die eine Berufstätigkeit beider Eltern überhaupt ermöglichen – wo allerdings die Politik und viele Arbeitgebende stark nachbessern. 

Warum ich nicht in der Physik arbeite

Einer der Aspekte ist sicher, dass ich mich so viel mit Feminismus und „Frauen in der Physik“-Themen beschäftigen musste, dass ich für Physik selbst kaum noch Zeit hatte. In meinem anderen Hauptfach, Naturwissenschaftsgeschichte, ist das deutlich entspannter: da kann ich mich seelenruhig mit Astronomie in all ihren Facetten beschäftigen: mit der Astro-Physik, die es erst sein 1874 gibt, der AstroMetrie (Positionsastronomie), mathematischen Astronomie, der Astronomie-Geschichte und allen modernen Methoden von Digital Humanities und Astro-Informatik.

Trotz meiner Liebe zur Physik habe ich meine zwei Dissertationen nicht in der Physik selbst, sondern in anderen (benachbarten) Fächern gemacht, die sich gut für Arbeit als PostDoc in der Forschung kombinieren lassen.
Apropos „Talent entfalten„: Ich wollte stets in erster Linie Wissenschaftlerin sein und nicht Lehrerin (obwohl ich gern auch mal lehre, aber nicht als Hauptbestimmung und vor allem nicht in der Schule) und ich dachte, die Chance auf Jobs in der Forschung ist höher, je höher man qualifiziert ist. (Ich zweifle allmählich daran, denn Deutschland hat kein faires System, gute Leute in der Wissenschaft zu halten: es gibt fast keine unbefristeten Stellen für langfristige Forschung (so dass man auf den befristeten Stellen eher Gastwissenschaftler aus dem Ausland sieht, weil befristete Auslandserfahrung und später die Rente aus Deutschland für sie ein Gewinn sind – Einheimische und vor allem Familiengründer würden langfristig feste Stellen haben wollen), arbeitsrechtlich unzulässige Befristung mit der Scheinbegründung von Weiterqualifikation (von Leuten die höher qualifiziert sind als diejenigen, die sie weiterqualifizieren sollen – aber Unis u.a. Institute achten peinlich genau darauf, dass niemand länger als drei Jahre irgendwo beschäftigt ist oder gar lange genug, dass man sich einklagen könnte, weil sie einfach keine festen Stellen haben, die sie im Fall eines verlorenen Rechtsstreits vorm Arbeitsgericht geben könnten), sondern nur HochschulLEHRER (Professoren) sind unbefristet und auch die sind rar, und es gibt keine „Checkliste“, was man tun muss, um erfolgreich zu sein und kein Karriere-Entwicklungsprogramm, um gute Leistungen zu belohnen und gute Leute zu fördern. Firmen befördern gute Leute, Wissenschaftler werden gebeten, sich wegzubewerben. Alle anderen Länder der Welt setzen entweder gute Leute auf „tenure track“-Positionen, also vorläufig befristete Professuren, die nach einigen Jahren entfristet werden, oder man entwickelt sich von einer Rolle zur nächsten wie in Firmen, oder man bewirbt sich einfach und wird bei fachlicher Eignung genommen, oder man konkurriert mit anderen nach messbaren Kriterien wie Anzahl der Publikationen, Patente oder was auch immer für Erfolgen/Leistungen… – jedenfalls weiß man, woran der Erfolg gemessen wird.

Das ist in .de alles nicht der Fall, nach meiner Erfahrung: man weiß nicht, welche Kriterien zur erfolgreichen Entfristung, Berufung oder Aufnahme in ein MPI … oder sonstwie gearteten Anstellung führen. Bei uns werden Leute ohne jegliche fachliche Qualifikation auf Professuren gesetzt (obwohl qualifizierte Alternativen gegeben waren: zweimal erlebt an einer Physikfakultät, an der ich früher arbeitete – aber auch anderswo in meinem Fach) und andere Ungerechtigkeiten. Neben der jahrzehntelangen Praxis, unqualifizierte Leute zu berufen, Peter-Prinzip (Leute zur Unfähigkeit zu befördern) und Matthäus-Prinzip („wer hat, dem wird gegeben“), das den Nachwuchs ausbremst, gab uns die Hippie-Bewegung dann auch noch die Vorstellung, dass es auf Richtigkeit und Genauigkeit nicht ankomme, sondern eh nur um Meinungen gehe (gerade in der Physik höherer Quatsch, aber als Physiker wird man dann von vielen Geisteswissenschaftlern geschnitten). Zudem wird es mit einem Gewirr von ungeschriebenen Gesetzen, Hausberufungsverbot, Habilitation (aber natürlich nur für Deutsche; alle anderen kriegen in .de auch Professuren ohne dies, weil das Konzept von „Habil“ in den meisten Ländern gar nicht existiert),… und anderen Sinnlosigkeiten unnötig kompliziert gemacht und durch Geheimniskrämerei und Gemauschel mystifiziert. Alle meine internationalen Kollegen schütteln darüber den Kopf und von vielen deutschen Physiker-Kollegen hörte ich jahrzehntelang „in die USA gegangen wegen besserer Bedingungen“. Die Frage jetzt ist natürlich: wenn der Rest der Welt aber nun rassistisch und MAGA-like agiert: wohin soll man dann noch gehen, wenn .de (das noch nicht extremistisch ist und wo man leben möchte) einem nichts bietet?

Was die Welt braucht, um interessierte und talentierte junge und alte Frauen zur Entfaltung von Talent (in Physik oder sonstwo) zu motivieren, sind echte, realistische Berufsperspektiven, Lohn für gute Arbeit und Anreize (Prämien, Beförderung, Entfristung!) bei Extra-Leistungen. Wenn man hinterher nur die Option hat, Gymnasiallehrer/in zu werden (als Quereinsteiger mit erheblichem Aufwand des Referendariats: an Hochschulen darf jeder Depp lehren, weil’s angeblich eh nur um Meinungen geht, aber die dringend nötigen Lehrkräfte in Schulen werden ausgebrannt: das sehe ich bei meinem großartigen Lehramt-Studis und dafür,, dass sie sich ausbrennen lassen in Ref plus Job kriegen sie als Gehalt das gleiche wie jemand bei Kaufland an der Kasse – nach 5+ Jahren Studium) oder die mathematische Grundausbildung in einem Versicherungsunternehmen anzuwenden, ist jegliches Studieren nach dem ersten oder zweiten Semester verschenkte Lebenszeit, die man auch sozial- und rentenversicherungspflichtig arbeiten könnte. Das gilt natürlich für jedes Studium und nicht nur Physik.

Sexistisch oder nicht: Jedenfalls sinnlos!

  1. Wer das Physik-Journal schon liest, muss nicht mehr für Physik interessiert werden: die weiblichen Leser werden also einfach drüber hinwegblättern. 
  2. Für die männlichen Leser mag es unterhaltsam sein – insbesondere, wenn die Frauen, über die geschrieben wird, auch im Bild gezeigt werden – aber wie sollte das den Frauenanteil im Fach erhöhen? 

Das Leseverständnis bei der Mehrheit der Physiker:innen ist allerdings eher dürftig: das Gehirn arbeitet so. Man wird in diesem Beruf darauf trainiert, mit Zahlen und Technik umzugehen, Diagramme zu erstellen und zu „lesen“, aber nicht Text (sonst wär’s Philosophie). Professionelles Schreiben und Lesen bringt man entweder von anderswoher mit oder kann es eben nicht. Es erscheint mir daher fragwürdig, ob die Lesenden des Physik Journals überhaupt die Botschaft verstehen. 

Fußnoten

  1. Ich weiß, dass ich Statistiken dazu zwischen 2005 und 2008 in der Fachzeitschrift „Astronomie + Raumfahrt im Unterricht“ publiziert hatte, habe mir das aber nicht aufgeschrieben und daher vergessen. ↩︎

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Dr. Dr. Susanne M Hoffmann ist seit 1998 als Kultur-Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik und Wissenschaftsgeschichte (zwei Diplome), Informatik und Fachdidaktik (neue Medien/ Medienwissenschaft) als Weiterqualifikationen. Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde. Studienbedingt hat sie 2001-2006 in Potsdam gelebt, jobbedingt 2005-2008 saisonal in Mauretanien (winters) und Portugal (sommers), 2008-2009 und 2013-'15 in Berlin, 2010 in Hamburg, 2010-2012 in Hildesheim, 2015/6 in Wald/Österreich, seit 2017 in Jena, mit Gastaufenthalten im Rahmen von Forschungskollaborationen in Kairo+Luxor (Ägypten 2022), Jerusalem+Tel Aviv (Israel 2023), Hefei (China 2024), Semarang (Indonesien 2017, 2024), USA (2024, 2025)... . Die einleitenden Verse beschreiben eine Grundstruktur in ihrem Denken und Agieren: Physik ist eine Grundlagenwissenschaft, die datenbasiert und mit dem Erkenntnisapparat der Logik ein Verständnis der Natur zu erlangen bestrebt ist. Es gibt allerdings auch Fragen der Welt, die sich der Physik entziehen (z.B. wie wir Menschen auf diesem Planeten friedlich, synergetisch und benevolent zusammenleben können) - darum ist Physik nicht die einzige Liebe der Bloggerin. Sie liebt die Weisheit und hinterfragt die Welt. Das Wort "Philosophie" ist ihr aber zu groß und das populärwissenschaftliche Verständnis davon zu schwammig, als dass sie sich damit identifizieren würde: hier geht's faktenbasiert zu. Ihr fachliches Spezialgebiet sind Himmelskarten und Himmelsgloben; konkret deren Mathematik, Kartographie, Messverfahren = Astrometrie, ihre historische Entwicklung, Sternbilder als Kulturkalender und Koordinatensystem, Anomalien der Sternkarte(n) - also fehlende und zusätzliche Sterne, Sternnamen... und die Schaustellung von alle dem in Projektionsplanetarien. Sie versteht dieses Blog als "Kommentar an die Welt", als Kolumne, als Informationsdienst, da sie der Gesellschaft, die ihr das viele studieren und forschen ermöglicht, etwas zurückgeben möchte (in der Hoffnung, dass ihr die Gesellschaft auch weiterhin die Forschung finanziert).

4 Kommentare

  1. Es ist auch keine besonders gute Idee, Diskriminierung im Bereich Karriere mit entgegengesetzter Diskriminierung im Bereich medialer Berichterstattung kontern zu wollen. Das sorgt nur für Frust auf allen Seiten und steigert die Wahrscheinlichkeit, dass zukünftige Generationen von (männlichen) Wissenschaftlern selbst diskriminierend tätig sein werden.

    • wo bitte sehen Sie hier irgendeine Diskriminierung??? Das war ganz sicher nicht meine Absicht! Würde ich niemals tut, denn mein Herz weigert sich dagegen. Ich las eine Ankündigung von etwas, das ich für sinnlos halte und schreibe, dass ich es für nicht zielführend halte, auf dass die entsprechenden Medien die angekündigte Sache sein lassen. Ich sehe eine Symmetrie: Medienleute, die anonyme andere zur Physik bringen möchten („auf dass sie Talent entfalten“) versus eine Wissenschaftlerin, die das Ziel zwar teilt, aber die Methode für ungeeignet hält. Das ist keine Diskriminierung, sondern Meinungsaustausch.

  2. @ Hoffman

    Ihre Haltung hat eine erotische Komponente, die auch das Maskuline betrifft.
    Es heraushalten zu wollen ist indigen!

    • 1) „sex sells“ – hab ich in den Medienwwissenschaften / Journalismus-Ausbildung gelernt, Medien arbeiten so / sind darauf trainiert so zu arbeiten

      2) mein persönlicher Stil ist das nicht – das weise ich zurück – zumindest nicht aufreizend, sondern bewusst sehr zurückhalten (teilweise geradezu übervorsichtig, sagt das Feedback), passend zu meinem Agieren auf internationalen Terrain.

      3) Alle, die mich kennen, wissen: Eines meiner wissenschafts- und blog-unrelevanten Interessen ist Mode. Ich lege viel Wert auf meine Kleidung und habe sie mir auch früher gern selbst genäht, aber nicht selbst entworfen, sondern nur sehr bewusst selektiert. Auch Mode-Industrie arbeitet nach obigem Prinzip, aber es muss nicht alles gleich aufreizend sein, um (erotisch oder klassisch) schön zu sein.

      4) die Werbung arbeitet auch so: wenn Sie es plump dargestellt haben wollen, nehmen Sie die aktuelle Werbung der Spardabank oder den Text der Ärzte über die BILD „denn die besteht nunmal, wer wüsste das nicht …“ – wenn Sie es gehobener haben wollen, besuchen Sie die Antikensammlung eines Museums in Italien, Berlin oder München.

      5) Schauen Sie sich mal die Fotos von Firmenvorständen an: alles glückliche Menschen mit Lächeln wie aus der Zahnpastawerbung – und meistens (weil sie gestylt sind von Modeindustrie und Profifotografen = Profikünsterlern) auch „eine erotische Komponente“.

      WARUM machen Mode, Journalismus, Werbung und die Kunst aller Epochen das so? Weil es funktioniert, weil Menschen nunmal so sind. Wir interessieren uns für gutes Essen und für Erotik. Das hat die Natur so eingerichtet.

      Ehrlich gesagt: auch ich bin ein Mensch, d.h. natürlich schaue ich mir gern Schönes an – als Frau schaue ich mir auch gern schöne Männer an (die schönen Körper von Athleten im Friedrichstadtpalast Berlin oder den David von Michelangelo…), aber „Schönheit“ stöpselt bei Männern und Frauen unterschiedliche Synapsen, lehrt die Psychologie: bei Männern führt das gleich zu erotischer Spannung: „Sie ist ein Model und sie sieht gut aus, ich nähm sie gern mit zu mir nach Haus“ sang Kraftwerk bereits vor fast 50 Jahren (menschl… – na: männlich). Bei Frauen sind dafür eher andere Eigenschaften relevant – wie so oft, sind wir komplizierter. Einstein wäre ganz sicher nicht mein Beuteschema! Heisenberg und Planck – naja, emotionslos …

      Hier mal eine sexistische Aussage: die _schönen_ Männer muss man in der Physik wohl eher mit der Lupe suchen – Männer gibt’s genug, ohne Frage, aber „schön“ … naja, wie gesagt: mir kam es immer eher auf andere Werte an, um Menschen wertzuschätzen.

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