(Dunkel)Wolken-Sternbilder

Unser deutsches Wort „Sternbild“ suggeriert bereits den Gegenstand (Sterne), aus dem wir uns Bilder denken. Das englische Worte „Constellation“ (nicht gleichbedeutend mit deutsch „Konstellation“!) beinhaltet nicht unbedingt „Stern“e, sondern lässt andere Objekte zu. Sternbilder sind für uns Muster oder Figuren, die man sich mit hellen Pünktchen auf dunklem Grund vorstellt. Das ist aber in vielen indigenen Kulturen anders: wenn man unter einem dunklen, natürlichen Himmel steht und nach oben schaut, sieht man keineswegs nur die Lichtpünktchen (Sternle), sondern auch eine Vielzahl von „nebligen Flecken“. Das können Nachbargalaxien sein, offene Sternhaufen, Kugelsternhaufen, interstellare Gaswolken in unserer Milchstraße … oder so genannte „Milchstraßenwolken“.
Das sind Filamente der Milchstraße, die dadurch entstehen, dass in der Richtung des Alls, in die wir dort schauen, sehr viele Sterne sind (hintereinander). Es ist wie bei einem Bildschirm, wo jedes einzelne Pixel leuchtet und daher der Eindruck eines Flächenleuchtens entsteht.
Es gibt helle und dunkle Milchstraßenwolken: die hellen lösen sich in zahllose Sterne auf, die dunklen sind interstellare Gas- oder Staubwolken, die die dahinterliegenden Sterne verdecken und sich neben benachbarten Sternfeldern(„Sternwolken“) abzeichnen.
Kulturastronomie in Aktion
Am Montag war ich auf der Kuffner-Sternwarte in Wien, um einen Vortrag über Kulturastronomie zu halten. Es ging mir darum, dass man mit Sternbildern und Sternnamen einen siderischen Kalender hat, mit dem sich Jahreszeiten und ihre Wetter“singularitäten“ vorhersagen lassen.
Wir kennen dabei z.B. von den Inka in Amerika eine Prozession von Tieren am Himmel – allerdings nicht mit hellen Punkten (Sternen) auf dunklem Grund, sondern mit dunklen Milchstraßenwolken in hellen.

Gerade am Sonntag/ Montag hatte die IAU den neuen Sternnamen „Yaqana“ auf ihren Social Media Kanälen gepostet: Der Name wurde an den Stern Epsilon Normae vergeben, der am Rand der Dunkelwolke liegt, die das Sternbild der Llama-Mutter bildet: der Rand des Mutterllamas ist auch der Rand ihres Baby-Llamas, das sie säugt.

Europäische Dunkelwolkensternbilder
Die meisten Astronomen werden jetzt sagen: „schön, aber was geht uns das an – in Europa gibt’s keine Dunkelwolkensternbilder“. Das ist eine typische Fehleinschätzung. Es gibt mindestens ein antikes Sternbild, bei dem die Dunkelwolken in der Milchstraße eine Rolle spielen – und zwar genau jene Dunkelwolken, die für die Inkas Teile ihres Llamas bilden: Das Sternbild Ara, Rauchaltar. Es ist aus den alten Texten (z.B. Arat) klar, dass der Rauch des Rauchaltars in den dunklen Milchstraßenwolken zu sehen ist.
Zwar steht es schon über 2000 Jahren geschrieben, aber ich habe es auch in einer Fachpublikation erwähnt, die zwar schon 2022/3 geschrieben wurde, aber erst dieses Jahr öffentlich gestellt wurde:
Hoffmann, S.M. (2022-2025). “The Rhetoric on Clouds in the Ancient Star Catalogue”. Rhetoric & Science Vol. II, Centre for the Study of the Ancient World (CSAW), Ionian University, p. 78-98
Das Wiener Sternbild – Sternbild für Wien
Vor der Kulisse der Wiener Sternwarte – oder besser gesagt: vom Catwalk der Kuppel der Kuffner-Sternwarte mit Sicht auf die Universitätssternwarte in der Innenstadt – kommt einem aber noch ein weiteres Sternbild in den Sinn, das die Europäer erst im 17. Jh. ersonnen haben: Das Sternbild Scutum, der Schild. Die polnischen Astronomen Elisabeta und Jan Hevelius haben es in ihrem Atlas (mit Sternkatalog) zu Ehren ihres Königs erfunden und die persönliche Widmung lässt man heute weg. Gewidmet haben sie es ihm übrigens nicht aus ökonomischen Gründen, sondern aus militärischen.
Der Schild, Scutum, steht für den Sieg der katholischen Liga über das osmanische Heer in Wien 1683 und ist damit ganz unmittelbar mit der Stadt verknüpft (siehe Schlacht vom Kahlenberg in der Wikipedia).
Die Schild-Wolke, also der Milchstraßenabschnitt im Sternbild Scutum, ist besonders eindrucksvoll silbrig: ein recht heller Abschnitt. Der flächige Silberschein erinnert wohl auch an etwas Metallisches – so wie das Schwertgehänge des Orion oder der Säbel des Perseus durch silbrige Milchstraßenwolken visuell modelliert werden.

Grundlagen der Astrologie?
Es gibt immer wieder Leute, die der Meinung sind, dass Sternbilder „nur“ Astrologie seien oder reine Fantasie. Diese Leute haben einige wichtige Fundamente nicht verstanden – z.B. insbes. die Prozession mit Yaqana, die oben erwähnt ist. Wie Sie wissen, betrachte ich Astrologie als Religion (Glaubenssystem) – als eine von vielen. Religionen bestehen aus zwei Ebenen: einerseits der Ebene des Wissens, konkret meist phänomenologische Naturkunde. Andererseits der Ebene des sich daraus ableitenden Verhaltenskodex. So wird in manchen Religionen den Menschen geraten sich zu verschleiern, wenn sie in trockenen & heißen Gegenden leben (was sinnvoll ist, damit man die Atemwege schützt), oder Herren geraten, stets eine Kopfbedeckung zu tragen (weil es bei Herren häufiger als bei Damen vorkommt, dass die natürliche Kopfbedeckung=Haar fehlt). Es gibt aber auch Regeln, die mit dem Zählen von Tagen zusammenhängen: die Tage von einem Jahreshauptpunkt zum nächsten, was zu Kalendern führt, mit regelmäßigen Feiertagen (alle 40 Tage oder so) und anderen Ritualen.
Wahr ist, dass die Wissenschaft (das, was Wissen schafft) in früheren Jahrtausenden zunächst rein phänomenologisch ablief. Es ist bis heute so, dass man zuerst eine solide Datensammlung macht und dann versucht, Zusammenhänge herauszufinden. Je weiter man in der Zeit zurückgeht, sieht man aber, dass die Forschenden früher nun einmal nicht die Ursachen verstanden: die frühesten Kalender waren rein phänomenologisch, d.h. rein beobachtungsbasiert. Die Frage nach Ursache und Wirkung wurde teilweise gar nicht erst gestellt.
Fehlt aber das Kausalprinzip, d.h. versteht man nicht, was die Ursachen für eine Koinzidenz von Ereignissen „am Himmel und auf der Erde“ ist, dann kann man sich auch vorstellen, dass ein aufgehender Stern die Flut bringt, obwohl nur beides gleichzeitig auftritt, weil es am Sonnenstand über der Erde hängt, also mit der Bahn der Erde um die Sonne und ihrer dabei stabilen Achsrichtung. Selbstredend ist dies die Wurzel von beidem, religiösen (inkl. astrologischen) Vorstellungen und auch naturwissenschaftlichen Betrachtungen.
Man kann die Sachen also durch göttliche Mächte erklären, aber auch realistisch, mit dem Verstand der modernen Naturwissenschaft betrachten. Die Naturwissenschaft kennt viele der Ursache-Wirkung-Paare und kann inzwischen vieles von dem erklären, was im Altertum nur staunend als stets gleichzeitig auftretend beobachtet wurde. Bei manchem kennen wir Ursachen vllt. „noch“ nicht, ist der Zusammenhang nichtlinear und mithin schwer berechenbar (Wettervorhersage!) oder ist unser Datensatz immer noch unvollständig… aber manchem wissen wir auch inzwischen sicher, dass keinen Zusammenhang gibt (Astrologie).
Wenn wir die Grundlagen der Astronomie untersuchen, kommen wir unweigerlich zu sehr alten Datensätzen, mit denen das Kausalitätsverständnis, das wir heute haben, erst entwickelt wurde. Diese Datensätze waren natürlich auch dieselben, die die Grundlage für Religion (Regelwerk) und Esoterik (Deutungen ohne Kausalzusammenhang) bilden.
So wie ich aber als Wissenschaftlerin auch nicht dafür verantwortlich bin, was andere aus meinen Publikationen zitieren, sind auch die Schreiber der babylonischen astronomischen Tagebücher nicht dafür verantwortlich, was andere Leute in ihre Datensätze hineininterpretieren. Sie waren Wissenschaftler, genauso wie heutige Historiker und die dürfen sich auf die Spuren des Entstehens unserer Kenntnisse begeben. (Damit sind sie übrigens nicht weit von der Fachdidaktik entfernt, d.h. Wissenschaft, deren Ziel es ist das Entstehen von Kenntnis nicht nur zu verstehen, sondern gezielt zu entwickeln und zu beschleunigen.)





Meine Lieblingsbeispiele für aus dem Kontext gerissene Religionspraktiken sind zum Beispiel, dass im Islam die Frau hinterm Mann zu gehen hat – in den engen, mit Menschen vollgestopften Gassen einer altertümlichen orientalischen Stadt hat das die gleiche Bedeutung, wie dass ein Schiff in der Arktis hinterm Eisbrecher herzufahren hat. In Ländern ohne funktionierende Polizei haben strenge Gesetze, die Frauen auf das Zuhause und streng überwachte Bahnen beschränken die gleiche Funktion, wie sie bei uns Frauen freiwillig einführen, indem sie dunkle Gassen meiden und auf Kameras und Licht in der Tiefgarage Wert legen. Wir haben die Wildnis in die Schatten zurückgedrängt, doch es gibt noch Orte, wo ihr das Tageslicht gehört, und sich die Zivilisation im Schatten verstecken muss.
Es macht genauso wenig Sinn, in Afghanistan europäische Rechte einzuführen, wie in Europa, die afghanischen Traditionen fortzuführen (allerdings sehr viel Sinn für die Afghanen, lieber die Wildnis in die Schatten zu verbannen als ihr mit Absicht das Tageslicht zu opfern, damit die Traditionen sich selber durch natürliche Auslese bewahren). Sie bleiben als Rituale erhalten, die besondere Willensanstrengung, gar Gewalt erfordern, um durchgesetzt zu werden, denn sie führen Krieg gegen die neue Umwelt, und die Umwelt ist es, die 90 Prozent aller Arbeit für uns erledigt – wenn wir nicht auf der Welle surfen, sondern gegen sie ankämpfen, verschlingt sie uns.
Nationen und Religionen verhalten sich wie Menschen – sie versuchen stets, die Welt wiederherzustellen, die sie schon kennen, ganz egal, wie grausam die war, und ganz egal, wie viel besser die Alternativen sind. Die Deutschen sind effiziente Geizhälse geworden, weil sie im Hinterhof des Kolonialismus lebten und mit weniger Ressourcen auskommen mussten, sie begannen mit der Kolonialisierung Osteuropas, das Amerika, Afrika, Indien nicht das Wasser reichen kann. In der EU, die alle Häfen des Westens und Südens hat mit neuen Häfen im Norden, erzwangen sie die gleiche Geiz-ist-geil-Politik, die künstlich die gleiche Ressourcenknappheit herbeiführte, die Kaiser Willy und Hitler zum Raubzug trieb. Die Ukrainer wissen nicht, wie Staat geht, sie überleben, indem sie sich von einer Übermacht erobern lassen und dann ihre Kultur durch Rachsucht, ohnmächtige Wut und Ammenmärchen von heldenhaftem Widerstand aufrechterhalten, während sie munter von den Ressourcen der Eroberer zehren – sich erst durch lieb tun einen Kerl angeln, ihm dann durch Xanthippen-Allüren Taschengeld abringen, die Nummer hat ganz Osteuropa mit der EU abgezogen, jetzt wollen AfD und andere Rechte des Westens aufholen. Von Emanzipation keine Spur in der Playboy Mansion, nur ist aus Hefner Epstein geworden, der genauso tickt wie seine Häschen, sodass sich beides gegenseitig befeuert und eskaliert bis zum Krieg. Ist halt so, wenn ethnische Gangs den Slum regieren.
Und die gleiche Story, bei der sich ein Inuit, den es in die Tropen verschlagen hat, erst mal ein Iglu aus Schlamm baut, können Sie quer durch die Welt verfolgen. Religionen, Kulturen, sind schlicht und einfach DNA, die immer den gleichen Organismus zu schaffen versuchen, den erst die Epigenetik und der Überlebenskampf an eine konkrete Umwelt anpassen. Die DNA selbst mutiert deutlich langsamer, ganz besonders, wenn sie von fehleranfälligem Kopieren über mündliche Tradition von Generation zu Generation auf solidere Datenspeicher zurückgreifen kann, wie Schrift, Stein, Buchdruck, die dann per Schulen und Erziehung verbreitet werden und aus Menschen Klonkrieger machen – Zellen desselben Organismus, eine richtige Familie, denn Meme erzeugen genauso Verwandtschaft wie Gene, sie pflanzen sich frei nach Darwin fort und kämpfen ums Überleben.
Anders gesagt, wir müssen anfangen, bei Information über die Datenträger hinwegzusehen. Ob sie in Desoxyribonukleinsäure gespeichert ist, in Überlieferungen und Gewohnheiten, ob sie sich Knoten ins Taschentuch macht, Kathedralen baut oder die Sterne als Erinnerungshilfe nützt, ob sie einen Datenträger nützt oder verschiedene kombiniert – ist alles die gleiche Chose.
Erst mal versucht man, was man schon kennt, dann lässt man sich von der Umwelt in eine neue Form klopfen. Erst hält der Regentropfen als Kugel zusammen, wie es seinen Molekülen gefällt, dann trifft er auf einen Boden, der ihm sagt, wie er weiter fließen soll.
Und so fällt kulturelle Vielfalt mit der Artenvielfalt zusammen, und kulturelle Engstirnigkeit mit Inzucht. Durch Inzucht können Sie bestimmte Merkmale sehr schnell ins Extrem treiben, wir nützen das gezielt in Laboren, zur Spezialisierung auf bestimmte Berufe, so wird aus dem Faustkeil Mensch ein Werkzeugkasten aus Präzisionswerkzeugen. Doch dadurch steigt auch unsere Abhängigkeit voneinander, die Notwendigkeit, sich einen möglichst breiten Werkzeugkasten zu erhalten, Potenzial auch dann zu bewahren, wenn man es momentan nicht braucht. Alles künstlich zu erhalten, was man gerade nicht braucht, ist zu kräftezehrend, alles zu vernichten, was man gerade nicht braucht, ist Überspezialisierung, man verdammt sich zu einer bestimmten Umwelt, ist perfekt, solange die Umwelt perfekt ist, doch kippt tot um, wenn ein Kaninchen einmal zu oft furzt. Deswegen gibt’s Radikale und Geizhälse nicht ohne Paranoia, denn auf sie haben Kaninchen-Überfurze die gleiche Wirkung wie Atombomben.
Schon die Pharaonen schalteten ihre Kultur auf Standby, bewahrten sie in Samen, damit sie irgendwann hervorgeholt wurde. Ohne die Pyramiden wäre der Anteil an Ägypten am modernen Leben, der modernen Kultur, Denken, Fühlen, Handeln, deutlich geringer.
Alte Kulturen sind wie Sterne. Hatten selbst nichts miteinander zu tun. Aber bei uns kommt ihre Information alle gleichzeitig an und erzeugen neue Sternbilder. Oder Erbgut-Konstellationen, oder wie man das Malen nach Zahlen auch nennen will.
Und die Quantenphysik zumindest verharrt auf dem Niveau der alten Astrologen, die gleichzeitige Wirkung mit gleichzeitiger Ursache gleichsetzen. Im Kleinsten sind die Entfernungen in der Zeit genauso groß wie die Entfernungen im Raum in der Astronomie, und alles, was uns von dort erreicht, hat Millionen Jahre Reise hinter sich, die für uns nur Sekundenbruchteile waren. Da kommen auch nur Nebel und Verzerrungen und Überlappungen bei uns an, von denen schon eine gewaltige Menge zusammenkommen muss, damit wir überhaupt auf sie reagieren – wie viele Menschen braucht man, um eine Galaxie so sehr anzustupsen, dass ein Astronom am anderen Ende des Universums es bemerkt? Und für den Quantenraum sind all unsere Teilchen Sterne und Galaxien, es braucht sehr viel Kumulation, bevor sie reagieren.
Nach den mir bekannten Daten ist das zumindest sehr viel wahrscheinlicher, als dass es anders ist.
Und schon morgen werden wir auf uns zurückschauen und über die Naivität und das magische Denken unserer primitiven Vorfahren schmunzeln.