Die astronomischste BUGA ever :-)

Blumenprachten, Idylle und ein Riesenteleskop – also auf zur BUGA nach Rathenow! Die Bundesgartenschau ist gewiss in erster Linie für ihre Pflanzenfülle und farbenprächtigen Gärten berühmt. Dieses Jahr findet sie in fünf Städten im Havelland statt – aber die Blumenpracht ist nicht nur romantisch, sondern auch die Technik- und Astronomiefreaks kommen auf ihre Kosten: Im Rathenower Optikpark steht schließlich das weltgrößte Brachymedialfernrohr!

"mein" Rathenower Teleskop, ein kurzes, Riesen-Wunderwerk!

“mein” Rathenower Teleskop, ein kurzes, Riesen-Wunderwerk!

Brachymedial heißt “verkürztes Medial”fernrohr, denn trotz einer Brennweite von 20.6 m ist der Tubus nur 10.15 m lang – eine Materialersparnis, die insbesondere bei der Konstruktion des Rathenower Instruments kurz nach dem 2. Weltkrieg von Bedeutung war. Das Instrument, das heute unter Denkmalschutz steht, ist die Konstruktion eines Rathenower Ingenieurs und Hobbyastronomen, die er aus eigenem Antrieb, unbezahlt und zu Studienzwecken baute.

Hier ein Auszug einer Videos von ihm aus seinem Nachlass:

Medialfernrohre wurden 1899 zur Korrektur optischer Fehler in den früheren Linsen- und Spiegelteleskopen erfunden. International sind sie eher unter dem Begriff Schupmann-Teleskope bekannt, weil sie von dem Aachener Ingenieur Ludwig Schupmann erfunden worden sind. Dieser aber nannte sie “Medial~” von “medium”, Mittler, weil sie quasi einen Mittelweg bzw. eine Kombination von Spiegel- und Linsenoptiken darstellen. Sie sind nicht ein reines Linsenteleskop, nicht ein reines Spiegelteleskop und auch nicht – wie später die Schmidt-Platte – nur eine Korrektur von Spiegelfehlern durch eine Linse. Es handelt sich wirklich eigentlich um eine Kombi von einem Achromaten und einem Spiegel.

Durch die vielen optischen Elemente entstehen freilich große Lichtverluste (ca. 28%) und daher ist es mit Gewissheit vor allem das beste Mondfernrohr der Welt. Leider nur selten führt man in Rathenow öffentliche Beobachtungen durch, denn die Bedienung ist schwierig. Aber eine Baracke neben dem Instrument informiert (wohl) über die Funktion des Geräts.

Meine Monographie zu diesem Teleskop ist gerade in Vorbereitung und können Sie (hoffentlich) bald im Buchhandel erwerben. Bis dahin darf ich Sie mit dem vertrösten, was ich 2008 hier bei Kosmologs im Web schrieb:

Rathenow ist schon seit Jahrhunderten eine Optikstadt – neben Jena eigentlich die zwar weniger berühmte, aber zweitbedeutenste Optikstadt unseres Landes. Gleich am Bahnhof wird man von einem Prunkdenkmal an Pater Duncker begrüßt, den man als Begründer der lokalen Optiktradition versteht:

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Auch heute noch kommen zahlreiche hochwertige Qualitätsbrillengläser aus Rathenow: jeder Optiker, bei dem ich bisher Kundin war, erzählte mir schwärmend (und unwissend über meine starke Verbindung zu dieser Stadt) von den hochwertigen Gläsern der Rathenower Optischen Werke.

Im Kulturhaus am Markt befindet sich das Rathenower Optik- und Industriemuseum, in dem eine Ausstellung über die Geschichte der Optik und insbesondere die Rathenower Optikgeschichte informiert. Das ist zweifelsohne auch für astro-interessierte BUGA-Besucherlinge lohnend.

BUGA-Info im Netz

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Ansonsten empfiehlt es sich aber vor allem, in den idyllischen Rathenower Gärten zu flanieren: Ich habe bereits 2009 darüber berichtet und dieses Jahr ist man mit einem BUGA-Ticket für 20 bzw 18 Euro dabei – das Ticket berechtigt aber auch zum Eintritt in die BUGA-Gärten der anderen vier Städte: Mit dem Rad sind es nur ca. 10 km (halbe Stunde Radfahrt) bis zum nächsten BUGA-Gelände in Premnitz und Brandenburg an der Havel ist auch nicht weiter.

Weniger sportlich, aber nicht minder idyllisch ist eine Dampferfahrt über die Havel.

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MS Sonnenschein, der Haveldampfer.

Leider habe ich es dieses Jahr noch nicht zur BUGA geschafft, aber sobald mein Büchlein fertig ist, fahre ich ganz sicher mal dort hin: Für meinen Geschmack ist Rathenow gewiss die großartigste Kombination von beidem, Blumenpracht sowie Astronomie- und Technikgeschichte.

Verhungern wird man auch nicht in Rathenow: Abgesehen von der üppigen Volksfest-Versorgung auf dem BUGA-Gelände gibt es auch draußen zahlreiche Gaststätten. Dass es kein McDonalds gibt, ist wahrscheinlich kein Verlust – unter den zahlreichen kleinen lokalen Wirten gibt’s z.B. gleich am Dampfer-Kai ein süßes kleines Rock’n’Roll spielendes, USA-dekoriertes Café im Stil der 50er/ 60er und daneben ein rustikaleres Restaurant hiesiger Tradition. Auch außerhalb der Innenstadt warten die Ausflugsziele mit entsprechendem Angebot auf.

Also, im Havelland gibt’s nicht “nur” Birnen, wie bereits Fontane von Ribbeck besung! 🙂 Aber bald bestimmt wieder auch solche. Bis dahin bleibt unser Fazit, dass diese BUGA ist was für alle ist: für Jungs und für Mädchen, für Damen und Herren, für Romantiker und für Technikfreaks…

Ergänzung für Astrofreaks: Hinweis auf den Sternpark Havelland.

Nachtrag vom 22.6. 2015 (Meldung des Verlags):

mein Buch ist nun erschienen: Das Riesen-Schupmannteleskop von Rathenow, 2015


GIMMICK

Es grünt so grün, wenn Rathenows Blüten blühen 🙂

Lieblingsfarbe Grün :-)

Lieblingsfarbe Grün 🙂

Wozu in die Ferne schweifen,
Denn das Gute liegt so nah,
Lerne nur das Glück ergreifen,
Denn das Glück ist immer da.

Veröffentlicht von

"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" Die Autorin ist seit 1998 als Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik, Wissenschaftsgeschichte und Fachdidaktik (neue Medien). Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde.

Kommentare Schreibe einen Kommentar

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  2. ja das ist ein tolles Ziel.
    Waren schon oft in dieser Richtung unterwegs. Der OPTIKPARK alleine ist schon die Reise wert.
    Fahren Sie zu solchen Zielen mit dem Drahtesel ?.
    Bin ja auch fast nur mit dem Rad unterwegs.Werden wahrscheinlich am Wochenende die BUGA
    besuchen. Danke für die Anregung.
    sT. noch

  3. Das Rad ist (neben Laptop und Brille) meine wichtigstes lebens-Utensil. Ich besitze kein Auto (obwohl ich auch gern manchmal mit einem solchen fahre), denn ich bewege mich ausschließlich mit dem Rad durch Berlin, fahre täglich mindestens 20, manchmal 50 km: das trainiert ein bißchen. O:-)

    Manchmal muss ich einen oder mehrere computerfreie Tage machen und wenn ich nicht verreisen kann, dann bieten sich also auch lange Radtouren an.

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