Der “Abendstern” ist Jupiter

Schon in der Dämmerung sieht man abends ein helles Lichtpünktchen am Himmel – und zwar, wenn der Himmel sogar noch blau ist. 

Die Himmelsrichtung ist allerdings Nordosten. Wenn es der üblicherweise “Abendstern” genannte Planet wäre, müsste das Lichtpünktchen in westlichen Richtungen stehen. Während ich das obige Foto nach Nordosten aufnahm, sah der südliche Himmel noch rosa aus: 

Man sieht also klar, dass das obige Objekt zwar ein Planet ist, aber nicht Venus – sondern Jupiter: der Königsplanet. Der stand nämlich gestern (am 10. Januar: APOD) in Opposition zur Sonne. 

Venus steht gerade (zusammen mit Mars) direkt neben der Sonne am Taghimmel und entzieht sich daher menschlicher Blicke. Sie wird ab Ende Februar wieder als Abendstern am Himmel glänzen.

Für Philosophen

Gottlob Freges berühmte Schrift über “Sinn und Bedeutung” gilt als eine der Grundlagen der modernen Logik und Sprachphilosophie. Frege war Professor für Mathematik hier in Jena und starb in dem Glauben, dass er nichts besonders geschafft hätte – gilt aber heute als hauptsächlichster Wegbereiter der analytischen Philosophie. 

Mich hatte die “analytische Philosophie” stets sehr interessiert – vor allem aber in ihren Anwendungen in Semantik und Linguistik – und ich bin auch ein großer Fan von Freges Werk. ABER als Astronomin habe ich wegen der Aussage im Titel des Posts das Gefühl, dass sein Beispiel vom “Abend- und Morgenstern” sehr unglücklich ist. Hier gibt es in der Tat eine sprachliche Verwirrung, die er – so lernte ich zumindest im Philosophie-Studium – wohl so nicht gemeint hat. Da die (astro-naiven) Philosophen sich einig zu sein scheinen in ihrer Deutung von Freges Text, kann ich damit leben, dass ich als Astronomin das Bildnis anders verstehend ein Außenseiter bin: Auch wenn ich recht habe, ändert das nichts an der fundamentalen Rolle, die Freges sprachphilosophische Grundlagen für die moderne Linguistik legen. Anders gesagt: nur weil das Beispiel ungeschickt oder falsch sein kann, ist die unter ihm liegende Erkenntnis fundamental. 

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"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" Dr. Dr. Susanne M Hoffmann ist seit 1998 als Kultur-Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik und Wissenschaftsgeschichte (zwei Diplome), Informatik und Fachdidaktik (neue Medien/ Medienwissenschaft) als Weiterqualifikationen. Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde. Studienbedingt hat sie 2001-2006 in Potsdam gelebt, jobbedingt 2005-2008 saisonal in Mauretanien (winters) und Portugal (sommers), 2008-2009 und 2013-'15 in Berlin, 2010 in Hamburg, 2010-2012 in Hildesheim, 2015/6 in Wald/Österreich, seit 2017 in Jena, mit Gastaufenthalten im Rahmen von Forschungskollaborationen in Kairo+Luxor (Ägypten 2022), Jerusalem+Tel Aviv (Israel 2023), Hefei (China 2024), Semarang (Indonesien 2017, 2024), USA (2024, 2025)... . Die einleitenden Verse beschreiben eine Grundstruktur in ihrem Denken und Agieren: Physik ist eine Grundlagenwissenschaft, die datenbasiert und mit dem Erkenntnisapparat der Logik ein Verständnis der Natur zu erlangen bestrebt ist. Es gibt allerdings auch Fragen der Welt, die sich der Physik entziehen (z.B. wie wir Menschen auf diesem Planeten friedlich, synergetisch und benevolent zusammenleben können) - darum ist Physik nicht die einzige Liebe der Bloggerin. Sie liebt die Weisheit und hinterfragt die Welt. Das Wort "Philosophie" ist ihr aber zu groß und das populärwissenschaftliche Verständnis davon zu schwammig, als dass sie sich damit identifizieren würde: hier geht's faktenbasiert zu. Ihr fachliches Spezialgebiet sind Himmelskarten und Himmelsgloben; konkret deren Mathematik, Kartographie, Messverfahren = Astrometrie, ihre historische Entwicklung, Sternbilder als Kulturkalender und Koordinatensystem, Anomalien der Sternkarte(n) - also fehlende und zusätzliche Sterne, Sternnamen... und die Schaustellung von alle dem in Projektionsplanetarien. Sie versteht dieses Blog als "Kommentar an die Welt", als Kolumne, als Informationsdienst, da sie der Gesellschaft, die ihr das viele studieren und forschen ermöglicht, etwas zurückgeben möchte (in der Hoffnung, dass ihr die Gesellschaft auch weiterhin die Forschung finanziert).

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