275 Unterschriften für “Astronomie in die Schulen”

275 exponierte Personen – teilweise Vertretungen großer Gruppen – wenden sich heute in einem offenen Brief an die Kultusbehörden und Parlamente: Download: Offener_Brief_an_Bund_und_Laender.pdf Die Initiatoren proklamieren dies als einen Höhepunkt der augenblicklichen Woche der Schulastronomie (9. bis 15. November, siehe: www.astronomie2009.de).

Das Anliegen: Astronomie in die Curricula der Schulen!

Andreas Müller hatte kürzlich schon eine Diskussion zum Thema hier in den kosmologs angestoßen, insbes. als im Physik-Journal verschiedene Meinungen print-schriftlich vorgestellt wurden. Er steht auch als Ansprechpartner für Fragen zu diesem Brief zur Verfügung.

Ich selbst habe mich ebenfalls schon wiederholt zu dem Thema geäußert, dass Astronomie m.E. nicht "nur" ein Teilgebiet der Physik ist, sondern es auch eine Astronomie jenseits der Astrophysik gibt (genauso wie es eine Physik jenseits der Astronomie gibt) – z.B. sehr vieles, das Hobbyforschende leisten, manches, das in der Geschichts- und Kulturforschung usw. erforscht wird. Astronomie ist also m.E. weit mehr Unterrichtszeit Wert, als "nur" einige Stunden im Physikunterricht. Während dieser würde sich dann bloß die Physiklehrkraft ärgern, dass die Zeit für Quantentheorie oder Halbleitertechnik fehlt, wenn man mit drehbaren Sternkarten hantieren sollte.

Warum? Die ontologischen Fragen der Jugendlichen, die zur Einordnung des Selbst in ein modernes naturwissenschaftliches Weltbild führen, könnten sicher viel besser in einem separaten Fach besprochen werden. Auch könnten dabei fachübergreifend Inhalte diskutiert werden, die jungen Leuten ermöglichten, den besseren Umgang mit modernsten Medien zu erlernen.

Die Astronomie verknüpft exakte Geschichtsforschung, viele Kulturen, strikte Mathematik bis hin zu Laborphysik. Sie kommt zur Geltung in der Archäologie, in der Technikgeschichte, in den Mythen, Träumen, Visionen der Menschheit und folglich in ihren Kulturen. 

Nicht zuletzt wohl deshalb ist die Liste der Unterzeichnenden des Briefes so facettenreich: 

  • 8 große internationale und dt Gesellschaften
  • alle 9 dt Raumfahrer
  • bekannte Medienvertreter (Harald Lesch, Ranga Yogeshwar)
  • Schülervertretungen höchster dt. Gremien
  • Spitzenforscherinnen und -forscher aus den Bereichen vieler Natur- und Geisteswissenschaften (von Ägyptologie über Lebenswissenschaften, Mathematik bis hin zur Physik)
  • u.v.a.m.

Die Forderung: eine astronomische Grundbildung für alle Schülerinnen und Schüler. Beginnend mit Vorbereitungen in der Grundschule will man vor allem im letzten Schuljahr der Mittelstufe in ein eigenständiges Pflichtfach Astronomie mit zwei Jahreswochenstunden münden. "Letzteres", so die Meinung des Initiators, des sächsischen Lehrers Lutz Clausnitzer, "bietet nicht nur astronomische Bildung an sich, sondern auch eine Plattform für interdisziplinäres Lernen, wie es sich Bildungspolitiker schon lange wünschen."

Ein Interview mit dem Initiator, Lutz Clausnitzer, veröffentlichte Spektrum heute.

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"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" Die Autorin ist seit 1998 als Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik, Wissenschaftsgeschichte und Fachdidaktik (neue Medien). Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde.

12 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Na ja, sinnvoller als Religion wäre das schon, aber zur Lebensbewältigung trägt die Astronomie doch wenig bei. Wichtiger wären da doch andere Fächer im Bereich Wirtschaft/Finanzen/Kredite/Versicherungen wo Defizite doch richtig teuer sein können.

  2. Wer den Brief *nicht* unterschrieb

    Beim Betrachten der illustren Liste der unterzeichnenden Organisationen (wie auch immer diese “Unterschriften” im Einzelnen zustande kamen; beim Rat deutscher Planetarien z.B. soll es nur eine knappe Mehrheit gegeben haben) fällt vor allem auf, wer da nicht steht: die beiden wichtigsten astronomischen Organisationen des Landes, die Astronomische Gesellschaft und der Rat deutscher Sternwarten!

    Auf Nachfrage erklärte mir ein Vorstandsmitglied der ersteren, man halte die Forderungen des Offenen Briefes unisono für völlig utopisch und sogar für schädlich, da die Einführung eines zusätzlichen Schulfaches v.a. in den alten Ländern absolut unmöglich sei. Stattdessen setzen AG und RdS auf subtilere Wege, wie einer gemeinsamen Erklärung von diesem Januar zu entnehmen ist.

  3. Astronomie in der Schule

    Wenn man betrachtet, welche Unkenntnis in breiten Teilen der Öffentlichkeit über einfachste Tatsachen der Astronomie herrscht und wie leicht es ist, Aberglauben und Pseudowissenschaft unter dem Deckmantel “Astrologie” zu verkaufen, dann ist die Einführung eines Astronomieunterrichts in den Schulen längst überfällig.
    Ich unterstütze daher Initiativen dazu voll und ganz.

  4. @adenosine

    Traurig, dass man solche Vorschläge lesen muss. Soll denn in den Schulen der reine “homo oeconomicus” herangebildet werden?

    Und selbst wenn, würde das etwas ändern? Hochschulen, die MBAs und WiWis ausbilden, schießen wie Pilze aus dem Boden. Gab es jemals mehr von den Absolventen dieser Fächer? Und hat das die aktuelle Wirtschaftskrise verhindert?

    Was wir brauchen, sind nicht so sehr Kenntnisse der ökonomischen Theorie. Diese wird ohnehin eher überbewertet.

    Viel dringender brauchen wir gesunden Menschenverstand und fundamentale Kenntnis von Zusammenhängen, sowie die Fähigkeit, mit Zahlen und Fakten umzugehen und sie in einen folgerichtigen Sinnzusammenhang zu setzen. Das ist typischerweise etwas, was Naturwissenschaften, darunter die Astronomie leisten.

    Geld, das man richtig oder falsch investiert, muss man erst einmal erwirtschaftet haben. Die Basis dazu sind fundierte naturwissenschaftliche Kenntnisse. Eine Gesellschaft, in der die naturwissenschaftliche Basis wegbricht, wird auch wirtschaftlich höchstens zweitrangig sein.

    Sollten jemand wirklich der Meinung sein, naturwissenschaftliche Defizite kämen uns nicht teuer zu stehen, dann irrt dieser. Diese Art von Defiziten führen uns nicht nur in eine vorübergehende Krise.

    Sie führen uns direkt weg vom Fenster, und zwar bleibend.

  5. @Michael Khan: Na ja, ich denke eher mehr an Grundfertigkeit wie: Warum sind viele Prozente bei Gehaltserhöhungen gut, bei Krediten schlecht? Um wie viel wird ein Produkt teuerer, wenn es über einen Ratentenkredit oder einen Dispo finanziert wird? Gegen welche Risiken ist eine Versicherung sinnvoll? Warum werden Vermögensberater schneller reich, als die Leute deren Geld sie verwalten? Wieviel Monatsgehälter sind eine Lebenversicherung von 100000 in 40 Jahren?

  6. @adenosine: Das geht auch besser

    Anstatt zu versuchen, Leuten mit elementaren Bildungsluecken nun mit Gewalt spezifisches Detailwissen einzutrichtern, sollte der Ansatz in der Schulbildung lieber ein anderer sein:

    1.) Sie sollen lernen, solche Dinge ueberhaupt erst einmal zu hinterfragen
    2.) Sie sollen lernen, wie man solche Dinge hinterfragt und nachrechnet.

    Wer die Prozentrechnung einmal begriffen hat, braucht keine gesonderten Schulfaecher mehr, um sie noch einmal zu lernen. Dafuer ist bereits die Mathematik da.

    Und wenn diese elementaren Dinge im Mathematikunternicht nicht gelernt oder nicht verstanden wurden, dann ist der Mathematikunterricht einer kritischen Wuerdigung zu unterziehen und gegebenenfalls zu verbessern. Einfuehrung eines neuen Fachs hilft da gar nichts.

    Jemand mit einer soliden Grundlage in den Naturwissenschaften ist schon einmal wesentlich besser gegen die Tricks der Finanzjongleure gefeit, weil so jemand naemlich beispielsweise nicht schon abschnallt, wenn es mal um Zahlen, gar um grosse Zahlen geht.

    Grundproblem sind doch die vielen Leute, die sagen: “Das ist mir eh zu hoch, das wird schon stimmen, was da in dem Vertrag steht, aber ich pruefe das gar nicht nach.”. Darauf verlassen sich die windigen Anbieter.

    Wir muessen davon weg und hin zu der Denke: “Moment mal! Das muss man doch nachrechnen koennen. Und wenn nicht im Detail, dann ueberschlaegig, damit muesste man zumindest dicht an die exakte Loesung herankommen.”

    Wenn erst einmal genug Leute ueberhaupt erst einmal den zweiten Ansatz versuchen, statt sich gleich in den ersten dreinzuschicken, dann werden schon mal die richtigen, naemlich die bohrenden und unangenehmen Fragen gestellt.

    Gerade hier hilft die Astronomie weiter. da geht es zwar nicht so sehr um Geld, aber:

    1.) Man entwickelt schnell ein Gefuehl fuer Zahlen, ob gross oder klein
    2.) Man merkt sehr schnell, dass viele komplizierte Sachen auch “zu Fuss”, d.h., mit minimalem Handwerkszeug recht exakt nachgerechnet werden koennen. Beispiel:
    http://www.kosmologs.de/…mein/2007-12-14/daumen1
    3.) Man lernt, in grossen Zusammenhaengen zu denken und logische Strukturen, aber auch logische Brueche zu erkennen.

    Mag sein, dass damit die naechste Krise nicht abgewendet werden kann. das ist aber auch gar nicht so schlimm. In ein paar Jahren ist die aktuelle Krise eh Geschichte.

    das viel bohrendere problem, das wir haben, naemlich eine zunehmend naturwissenschaftsferne Bevoelkerung, wird uns aber dann immer noch begleiten. Zumindest daran kann man etwas tun.

  7. Lehrerfortbildung

    Ohne engagierte und qualifizierte Lehrer geht das natürlich nicht.

    Nur wenige Lehrer haben wirklich Ahnung von Astronomie. Deshalb müssen erst einmal die Lehrer lernen.

    Auf der Sterkenburg-Sternwarte e.V. (www.starkenburg-sternwarte.de) fand Samstag (14.11.) eine Lehrerfortbildung in Sachen Astronomie statt. Veranstaltet wurde diese Fortbildung von der Deutschen Gesellschaft für Schulastronomie e.V.(www.dgsa-astro.de)

    Wer die DGSA e.V. bei ihrer Arbeit unterstützen will darf gerne bei ihr Mitglied werden.

    Sorry, wenn ich das so sage – aber nur schwätzen bringt nichts ;-). Ist nicht bös gemeint, aber ändern kann man nur was durch Taten.

    LG
    Albert

  8. Von der Theorie zu Taten

    Ich kann der Argumentation von Michael Khan nur zustimmen. Astronomie bringt so viel mehr als nur Spezialwissen für Himmelskunde; sie formt mündige Persönlichkeiten – wer das begreift, versteht auch die Forderung nach dem Schulfach Astronomie.

    Herr Heller hat auch Recht: Ohne engagierte und in Astronomie ausgebildete Lehrer geht das nicht. Wir benötigen deshalb mehr Fortbildungen wie diejenige auf der Starkenburg. Daran beteiligen wir uns auch in München, siehe http://www.universe-cluster.de/…-mit-dem-TUMLab/

    Außerdem schicken wir Wissenschaftler direkt in die Schulen.

    Was zusätzlich helfen würde: Wenn mehr Lehrer solche Weiterbildungen fordern und nutzen, wird das Angebot entsprechend ausgebaut werden.

    Beste Grüße,
    Andreas

  9. Historische Wissenschaft

    Astronomie in die Schulen – da kann ich mich nur anschließen! Sie ist eine der ältesten Wissenschaften und wir werden täglich damit konfrontiert. Aber was wissen wir wirklich?
    @ adenosine – Hier sind natürlich auch die anderen Fächer gefragt. In der Mathematik kann man viele Beispiele unter bringen – man muss es nur machen. Hier wäre natürlich auch die Lehrerausbildung gefragt, wie sie Herr Heller benennt. Und – Andreas – taten müssen folgen! Dabei sollten wir bedenken, dass es sich um “ausgefahrene Gleise” handelt.
    Religion – ja, nur Christenlehre oder Islam… – nein; das ist ihre eigene Angelegenheit!
    Voll möchte ich hier die Gedanken von Michael Khan unterstützen. Gut finde ich: “Wir muessen davon weg und hin zu der Denke: “Moment mal! Das muss man doch nachrechnen koennen. Und wenn nicht im Detail, dann ueberschlaegig, damit muesste man zumindest dicht an die exakte Loesung herankommen.” Wie oft habe ich festgestellt, dass Studenten bei einfachsten Aufgaben aus Routine einfach zum Taschenrechner greifen – oder sich “verrechnen”. Wenn eine Turbopumpe sich mit 500 Hz dreht – waren dass zu oft nur 3.000 statt 30.000 U/min, obwohl sie wussten, wie sie rechnen mussten.
    Eine Frage die ich mir immer wieder stelle: Warum werden meistens im Sonnensystem die Entfernungen in km statt mit astronomischen Einheiten (AE) angegeben? Das sieht so aus, als ob man die Menschen mit großen Zahlen abschrecken will!?
    Nicht unerwähnt sollte hier auch das Material von Spektrum der Wissenschaft bleiben: “Wissenschaft in die Schulen …”, das auch astronomische Themen enthält: http://www.wissenschaft-online.de/astronomie.
    Lehrerausbildung ist eine Seite, angebotenes Material nutzen – gehört dazu. Und ein Internet gibt es schließlich auch noch. Und Interesse dafür – ist notwendig.

  10. Rundumschlag

    Sorry, dass ich erst jetzt reagieren kann: da war ich mal zwei Wochen “weg” und plötzlich explodierte hier die Diskussion. Schön, dass sich so viele zu Wort meldeten! 🙂

    Ich möchte ebenfalls die Darstellungen von Michael Khan und Andreas unterschreiben. Auch Klaus Deistungs Beitrag stimme ich hier im wesentlichen zu – nur, dass ich es nicht schlimm finde, wenn man einen Taschenrechner benutzt, denn wichtig ist an den math-nat-Wissenschaften die Art des Denkens, also, dass man weiß, wie es geht, und nicht das Kopfrechnen (wobei sicher auch Übung hilft). Hervorragende Ingenieure können zwar gut Kopfrechnen, aber ich denke nicht, dass dieses “Talent” eine Notwendigkeit ist, um faustisch “zu verstehen, was die Welt im Innersten zusammenhält”. m.E. liegt das Fach Physik aber im Wissenschaftskanon irgendwo zwischen einer mathematischen Naturbeschreibung und ihrer Anwendung in den Ing-Wissenschaften. (Das ist es ja gerade, was Physikern i.d.R. so viele Berufsperspektiven gibt.)

    Wirtschaft

    Nach meiner Erfahrung (und ich bin – leider? – als homo oeconomicus aufgewachsen und habe jünst viel mit WiWi zusammengearbeitet), wäre es in der Tat wünschenswert, in der Schule wirtschaftliche Themen mehr zum Gegenstand zu machen. Sowohl in Mathe als auch in Informatik lässt sich das mühelos unterbringen und vielleicht sollte man darüber nachdenken, auch in Fächern wie Sozialkunde – wo es eine Unmenge an Unterrichtsstunden gibt – sowas zu machen, statt sämtliche Verträge der Weimarer Republik auswendig abzuprüfen. Das Problem wäre hier wohl m.E. in den Lehrkräften zu suchen: Oft genug habe ich an der Uni gehört, man habe sich für Studienfächer wie Geschichte eingeschrieben, damit man nicht mehr Mathe machen müsse. Das halte ich für einen gesellschaftlichen Trend – aber wer mit dieser Einstellung studiert, wird nach meiner Erfahrung i.d.R. nicht zum Akademiker.

    Ich persönlich habe immer genau an dieser Schnittstelle zu arbeiten versucht, also mir eben Profs und ihre Assistenten gesucht, die eben genau diesen Dialog mehrerer Wissenscahften suchen (anders hätte ich wohl kaum solche – darüber stöhnenden – Studis getroffen).

    Das Problem sehe ich persönlich tatsächlich eher in der höheren Ausbildung (post-Abi, siehe Bologna-Diskussion) und die Ablehnung naturwissenschaftlichen Denkens eher bei den konkreten Personen, nicht im Schulsystem.

    Ich kann leider nicht glauben, lieber Michael Khan, dass automatisch ein Studium (einer Nat-Wiss oder welcher auch immer) das kritische Hinterfragen fördert. In erster Linie befriedigt es nur den Wissensdrang und nach Bologna animiert es zum Sammeln von Punkten: Das kann auch ein PayBack-System im Supermarkt oder sonstige Spiele… Ich glaube, das ist in der Tat der herbeste Verlust der Studienreform: Man verliert die Freiheit zum Nachdenken.

    Dennoch halte ich das Schulfach “Astronomie” eben wegen seiner Universaltät sehr wichtig: Man lernt hier ein globales Denken. Man lernt, die Erde als Ganzes ins Weltgefüge einzuordnen und als lebensspendendes Juwel im lebensfeindlichen Kosmos wertzuschätzen. Man lernt Demut. Man lernt Respekt vor und Kritik an Forschungen (Weltbilderdiskussionen). Man lernt mathematisch-präzises Beschreiben und nat.-wiss.-analytische Methoden. … Und man lernt im Diskurs von populärer Astronomie und Astrologie – wie mehrfach gesagt wurde – das kritische Hinterfragen von Klatsch und Tratsch,, man lernt Meinungsbildung. Das formt Persönlichkeiten. (wie Michael Khan schreibt)

    @Daniel Fischer
    Natürlich ist im Augenblick das Schulfach As fast “u-topisch”, also an einem Un-Ort, denn es gibt ja (fast) keinen Ort mehr, an dem es unterrichtet wird.

    Ich persönlich glaube, dass es bei dem hier vorliegenden Offenen Brief nicht in erster Linie darauf ankommt, dass die Forderungen quasi-morgen in die Tat umgesetzt werden. Das erste, das dieser Brief erreichen sollte, ist, das Bewusstsein für dieses Anliegen zu wecken und den öffentlichen Diskurs anzuregen. Das ist ihm offenbar schon gelungen.

    Ich halte es aber für falsch, einen solchen Brief nicht zu unterzeichnen, bloß, weil er nicht sofort realisiert wird.

    “Nicht, weil die Dinge schwierig sind, wagen wir sie nicht, sondern, weil wir sie nicht wagen, sind sie schwierig.” (Seneca)

    Für völlig absurd und undurchführbar halte ich die Idee nicht: Ich bin für das Schulfach Astronomie und ich denke aus den oben genannten Gründen, dass es in der Tat mehr leisten würde, als eine Ergänzung oder Vertiefung zum Physik-Unterricht zu sein!

    Es birgt hingegen gigantisches Potenzial zu fachübergreifendem Unterricht (globales, interdisziplinäres oder sogar transdisziplinäres Denken) – und das halte ich für einen gigantischen Gewinn.

    Viele Grüße
    SMH

    PS: Gerade für die Planetarien könnte m.E. das Schulfach As auch ökonomisch sehr fruchtbar sein. Hier sehe ich persönlich gerade eine unmittelbare Verknüpfung und würde andererseits Befangenheit unterstellen, wenn der RdP dies abgelehnt hätte.

  11. @Susanne Hoffmann

    > Ich kann leider nicht glauben, lieber
    > Michael Khan, dass automatisch ein
    > Studium (einer Nat-Wiss oder welcher
    > auch immer) das kritische Hinterfragen
    > fördert.

    Automatisch funktioniert leider gar nichts.

    Und dass gar automatisch ein Studium, egal welchen Fachs, das kritische Hinterfragen fördert, habe ich nun gar nicht gesagt.

    Ein naturwissenschaftliches Studium gibt dem Absolventen zumindest das Handwerkszeug in die Hand, kritisch hinterfragen und nachrechnen zu *können*, weil ein solcher Absolvent typischerweise zumindest die Grundlagen der Mathematik beherrschen sollte.

    Das ist von einem Absolventen geisteswissenschaftlicher oder gar weitgehend überflüssiger Studiengänge wie der Betriebswirtschaftslehre nicht von vorneherein zu erwarten, wie mir meine langjährige Berufserfahrung gezeigt hat.

    Überhaupt erst einmal etwas nachrechnen zu *können*, das ist die condicio sine qua non. Dann muss man es noch nachrechnen wollen, d.h., einen kritischen Geist mitbringen. Der onbliegt aber auch ein Stück weit jedem Einzelnen selbst.

  12. @Michael Khan

    Danke für die Herausstellung des Missverständnisses; wahrscheinlich haben wir beide ungenau formuliert – denn dann sind wir uns ja einig: Schulung muss das Können lehren, aber kann niemals das Wollen lehren. Und: Mathe-Bildung ist wichtig. Meine Meinung: Mathe-Anwendung in vielen Fächern wäre gewiss ein Gewinn (nicht nur für den Physikunterricht).

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