Antike im Nordsudan – Königsstadt in Berlin

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Ko(s)mische Streifzüge durch Zeit und Raum
Uhura Uraniae

Berlin, Kulturforum – August 2011 … derzeit gibt es eine interessante und sehr gut gemachte Ausstellung über eine Hochkultur im Nordsudan. Die Königsstadt Naga ist ein Grabungsort deutscher Archäologen, der in den 15 Jahren Grabungszeit zahlreiche gut erhaltene Funde zum Vorschein brachte. Diese Funde sind derzeit in Berlin in einer wunderbaren Ausstellung arrangiert (Besprechung der Details über das Königreich von Meroë, das hier thematisiert ist).

Der Nordsudan liegt – wie gesagt – südlich von Ägypten, d.h. dort hat man noch ein Stück Nil als Handelsroute, aber eben auch schon schwarzafrikanische Einflüsse.

Im Nordsudan, südlich von Ägypten, gab es eine Hochkultur, die ungefähr zur gleichen Zeit blühte, wie die Römer am Mittelmeer. Die genialen wissenschaftlichen Erkenntnisse der Griechen waren am Mittelmeer bereits dabei, sich zu profanisieren, d.h. man hat bereits angefangen, wissenschaftliche Gegenstände – wie z.B. Sonnenuhren – in den Gärten der reicheren Bevölkerung aufzustellen, ohne dass sie notwendigerweise auch voll funktional sein mussten.

Um so erstaunlicher ist, dass im Nordsudan … also fernab des römischen Reiches, am Rande der äußersten Provinzen – ebenfalls das hellenistische Detailwissen zum Bau von Sonnenuhren angewandt wurde. Die spannende Frage könnte sein, ob die Sudanesen selbst unabhängig die Konstruktionsprinzipien einer Sonnenuhr fanden oder ob sie es bei ihren Handelsbeziehungen von den Römern gelernt haben. Jedenfalls scheint die Abhängigkeit der Sonnenuhr von der geographische Breite des Beobachterstandortes bekannt gewesen zu sein, denn die Sonnenuhren in Nagar sind so gebaut, dass sie die korrekte geografische Breite der Stadt benutzen.

Überhaupt erscheint diese Kultur sehr interessant, da sie in Kunst und Kultur sehr eigenständig ist und quasi eine Synthese aus römischen Einflüssen von Norden und schwarz-afrikanischen Einflüssen von Süden. Der Sudan ist schließlich (arab. Übersetzung) das Land “der Schwarzen”.

Derzeit läuft in Berlin eine wunderbare Ausstellung über die antike Kultur in dieser Gegend. Ein paar Snapshots zeigen archäologische Funde, die teils an ägyptische Skulpturen erinnern … und doch im Detail sehr von diesen verschieden sind … oder eben auch diese griechisch anmutende Skaphe:

Ein riesiges Panorama-Bild der Szene veranschaulicht dem Besucher die Wüstenstadt und vermittelt das Gefühl an diesem Ort, das die heutigen Archäologen wohl mit den einstigen Bewohnern gemein haben. Doch was die heutigen Menschen dort unterscheidet, ist ihr Tagesgeschäft. Die heutigen Menschen sammeln Steine und rekonstruieren dann, wie die damaligen Menschen lebten. Ein riesiges Puzzle an einer Quer-Wand, die als Raumteiler der Ausstellung dient, veranschaulicht dies auf beeindruckende Weise:

Hier sind zwei riesige Figuren gezeichnet und es liegt ein Puzzle aus Stein-Fragmenten darüber: Manche Puzzle-Steine fehlen einfach (noch). Die gefundenen aber sagen bereits genug, um mit Kenntnis der Kultur und ihres Zeitgeistes die Figur in toto zu skizzieren. Wenn man sich diese Wand so anschaut, sieht man, dass die Archäologen durchaus sehr fleißig waren … sie haben schon ganz schön viele Steine gefunden. 🙂

Die Ausstellung im Berliner Kulturforum an der Budapester Straße ist noch bis 18.12. dieses Jahr zu sehen.

Ein Besuch lohnt sich!

Eingang vom Kulturforum der Berliner Volksbank:


Danke an M. Staesche für die Einladung zur Ausstellungseröffnung! Wunderbar!

 

 


 

Nachtrag … für alle, die’s verpasst haben: ein sehr guter Film bei You Tube 

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Susanne M. Hoffmann

Veröffentlicht von

"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" Die Autorin ist seit 1998 als Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik, Wissenschaftsgeschichte und Fachdidaktik (neue Medien). Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde.

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