“ät” Zimtschnecke

Das “ät”-Zeichen, @, ist eigentlich ein sehr altes, mindestens tausend Jahre altes, Schriftzeichen. Es lässt sich seit dem Mittelalter belegen und wurde damals im kaufmännischen Kontext genutzt. Das Symbol stand für ein Hohlraummaß, d.h. es wurde zur Angabe von Volumina genutzt (statt heute “Liter”).  

ein starkes Eselchen in Petra, Jordanien, das zwei Menschen tragen kann

Arroba

Von dieser Historie zeugt der englische Name “commercial at”, während die iberischen Sprachen (auf Spanisch, Portugiesisch, Katalanisch) das Wort “arroba” nutzen, das sich von Arabisch “ar-rub'”, ein Viertel, ableitet: ein Viertel von dem, was ein Esel tragen kann. Nun ist das, was ein Esel tragen ein Gewicht und es hängt von der Dichte des Transportguts ab, wie viel Volumen dies einnimmt. Öl, Wein und Honig (oder gar Zucker, Mehl…) haben z.B. unterschiedliche Dichten und daher entspricht ein Volumen-Arroba unterschiedlich vielen Kilogramm. Allerdings wurde und wird die Einheit “Arroba” später (und in Lateinamerika bis heute) als Gewichtsmaß verwendet. Aufgrund der unterschiedlichen Dichten der gehandelten Güter, gibt es historisch unterschiedliche Angaben, wie viel Kilogramm nun eigentlich ein Arroba ist: irgendwas zwischen fast 10 und 16 kg – je nachdem, in welcher Gegend. 

Arroba” ist jedenfalls das Wort, das mit “A” beginnt und von dem sich das Zeichen “@” ableitet, das wir inzwischen “At-Zeichen” nennen, weil es im Zeitalter von E-Mail in Adressen die wohl häufigste Anwendung findet. Noch vor ca. 25 Jahren (einem viertel Jahrhundert) nannte man es auf Deutsch mitunter umgangssprachlich “Klammeraffe” und die mittelalterliche Maßeinheit (eine viertel Esel-Last) war bereits vergessen. 

In anderen Sprachen hat das lustige Zeichen aber andere Namen: im Schwedischen wird es zwar offiziell “Rüssel-A” (snabel-a) genannt, aber umgangssprachlich mitunter als “kanebulle“, Zimtschnecke, bezeichnet (behauptet zumindest die englische wikipedia), womit es zur aktuellen Jahreszeit hervorragend passt.

Zimtschnecke

Zeichen

Mit Blick auf den Jahreswechsel wird derzeit ja häufig über “Zeichen” geredet: Vorzeichen, Orakel, Sternzeichen etc. Während die Sonne gerade im neunten Zeichen (Schütze, Sagittarius) steht und mit der Wintersonnenwende um 16:03 ins zehnte Zeichen (Steinbock, Capricornus) wechselt, steht sie innerhalb der Grenzen des IAU-Sternbilds Sagittarius. Sie hat es erst vor wenigen Tagen betreten und stand zuvor im Ophiuchus, Schlangenträger (dem dreizehnten Zeichen).  

@

“Arroba”, das “At-Zeichen”, ist das vierundsechzigste ASCII-Zeichen, also im ursprünglichen Basissatz von 128 (27, zwei hoch sieben) Schriftzeichen, die mit Nullen und Einsen (binär) dargestellt werden konnten, ist es enthalten. Es wird also binär “0100 0000” geschrieben: von rechts nach links gelesen (wie alle Zahlen unseres Positionssystems): null mal 20 =1, null mal 21 =2, null mal 22 =4, null mal 8, null mal 24 =16, null mal 25 =32, ein mal 26 =64, null mal 27 =128.

0 1 0 0 0 0 0 0
27 26 25 24 23 22 21 20
128 64 32 16 8 4 2 1

Also: 0+64+0+0 +0+0+0+0 = 64.

In Unicode heißt die Zimtschnecke “U+0040”, denn Unicode wird mit vier Ziffern zur Basis 16 geschrieben (hexadezimal).  

0 0 4 0
163 162 161 160
4096 256 16 1

Also 0+0+4*16+0 = 64.

Für weitere Darstellungen siehe UTF8-Kodierungstabelle, z.B. diese hier.

Code der Zimtschnecke

Wenn Sie also zum Bäcker gehen und “U+0040” bestellen, kann dies auf zweierlei Weise interpretiert werden: entweder ein Arroba (irgendwas zwischen 10 und 15 kg) von Irgendwas oder – wenn’s ein schwedischer Bäcker ist – eine Zimtschnecke. 🙂

Frohe Wintersonnenwende!

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"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" Dr. Dr. Susanne M Hoffmann ist seit 1998 als Kultur-Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik und Wissenschaftsgeschichte (zwei Diplome), Informatik und Fachdidaktik (neue Medien/ Medienwissenschaft) als Weiterqualifikationen. Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde. Studienbedingt hat sie 2001-2006 in Potsdam gelebt, jobbedingt 2005-2008 saisonal in Mauretanien (winters) und Portugal (sommers), 2008-2009 und 2013-'15 in Berlin, 2010 in Hamburg, 2010-2012 in Hildesheim, 2015/6 in Wald/Österreich, seit 2017 in Jena, mit Gastaufenthalten im Rahmen von Forschungskollaborationen in Kairo+Luxor (Ägypten 2022), Jerusalem+Tel Aviv (Israel 2023), Hefei (China 2024), Semarang (Indonesien 2017, 2024), USA (2024, 2025)... . Die einleitenden Verse beschreiben eine Grundstruktur in ihrem Denken und Agieren: Physik ist eine Grundlagenwissenschaft, die datenbasiert und mit dem Erkenntnisapparat der Logik ein Verständnis der Natur zu erlangen bestrebt ist. Es gibt allerdings auch Fragen der Welt, die sich der Physik entziehen (z.B. wie wir Menschen auf diesem Planeten friedlich, synergetisch und benevolent zusammenleben können) - darum ist Physik nicht die einzige Liebe der Bloggerin. Sie liebt die Weisheit und hinterfragt die Welt. Das Wort "Philosophie" ist ihr aber zu groß und das populärwissenschaftliche Verständnis davon zu schwammig, als dass sie sich damit identifizieren würde: hier geht's faktenbasiert zu. Ihr fachliches Spezialgebiet sind Himmelskarten und Himmelsgloben; konkret deren Mathematik, Kartographie, Messverfahren = Astrometrie, ihre historische Entwicklung, Sternbilder als Kulturkalender und Koordinatensystem, Anomalien der Sternkarte(n) - also fehlende und zusätzliche Sterne, Sternnamen... und die Schaustellung von alle dem in Projektionsplanetarien. Sie versteht dieses Blog als "Kommentar an die Welt", als Kolumne, als Informationsdienst, da sie der Gesellschaft, die ihr das viele studieren und forschen ermöglicht, etwas zurückgeben möchte (in der Hoffnung, dass ihr die Gesellschaft auch weiterhin die Forschung finanziert).

3 Kommentare

  1. nach google soll es mehr linksdrehende Spiralnebel geben. Die meisten Zimtschnecken sollen auch linksdrehend sein. Und das @ ist auch linksdrehend.
    Wenn das kein Zufall ist ?
    Frohe Weihnachten !

  2. Sehr interessant – und unterhaltsam. Danke!

    Hier in den Niederlanden heißt @ übrigens “apenstaartje”, also Affenschwänzchen. NL-@ sucht DE-Klammeraffe, zum Umklammern und Umschlingen.

    Schöne Feiertage!

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