Astronaut in der Schule

BLOG: Uhura Uraniae

Ko(s)mische Streifzüge durch Zeit und Raum
Uhura Uraniae

Eigentlich wollte der Lion’s Club nur einen Astronauten zum Clubabend einladen. Als die Leitung des Schuldorfes Seeheim das erfuhr, war jedoch schnell beschlossen, dass auch die SchülerInnen etwas von diesem Groß-Event haben sollten und durch das Engagement des Astronomielehrers Christian Wolff wurde daraus schnell eine große Tagung, die 1. Bergsträßer Weltraumtage.

In einer Ausstellung stellten sich die lokalen Volkssternwarten und Vereine aus Darmstadt, Frankfurt und Heppenheim vor. So konnte natürlich auch der größte deutsche Astronmie-Verein, die VdS nicht fehlen: der Vorsitzende, Otto Guthier, baute persönlich den Stand auf. Neben den großen Raumfahrt-Vertretern aus der Region wie ESOC, Eumetsat und der Mainzer Physik-Arbeitsgruppe für Mars-Forschung stellten sich auch diedie Astronomieschule von Oliver Debus vor. Er lud nicht nur mit einem Stand zum Plaudern ein, sondern auch zu einem Workshop als Lehrerfortbildung am Freitag Vormittag.

Auch die Schülerinnen und Schüler dieser ersten deutschen Gesamtschule hier in Seeheim stellten sich vor: Die Schule ist in den 1950er Jahren gegründet worden, erzählt Christian Wolff. Das damals völlig neuartige Konzept umfasst auf einem riesigen Komplex – eben enem richtigen kleinen Dorf – eine Kita, eine Grundschule, eine Real- und eine Hauptschule sowie ein Gymnasium. Der neueste Clou ist eine internationale Schule mit zweisprachigem Unterricht in Englisch. Bisher ist es nur eine Grundschule, aber sie soll die Lernenden weiterführen. Wenn er zwischen zwei Unterrichtsstunden das Gebäude auf dem weitläufigen Gelände wechseln muss, komme ihm sein dynamischer Charakter sehr zugute, sagt der sportlich gebaute Lehrer für Englisch und Geographie. Trotzdem hat er noch genug Energie übrig, dienstags nachmittags eine Astronomie-AG anzubieten. "Es ist echt toll," schwärmt eine Schülerin, "dass man da das in Physik gelernte gleich anwenden kann. Manchmal ist es aber auch umgekehrt: manchmal sitzen wir in Physik und denken ‘das hatten wir doch neulich in Astro’." Den Teilnehmenden der fakultativen schultypübergreifenden AG und ihrem Lehrer ist gemein, dass sie von diesem Fach begeistert sind.

Den Spaß und Erfolg, den sie haben, gönnt der junge Lehrer auch allen anderen Menschen und so tritt Christian Wolff auch vehement dafür ein, dass die Astronomie als Schulfach eingeführt werden soll. Dazu plant er die Gründung einer "Deutschen Gesellschaft für Schulastronomie (DGSA)" – ganz nach der Devise Diesterwegs:"Die Astronomie ist eine herrlich erhabene, weil erhebende Wissenschaft. Deshalb sollte sie keinem, auch nicht einem vorenthalten werden." Diese Organisation soll in die Fußstapfen der proAstro-Bewegung treten, die seit vielen Jahren in Sachsen gegen die Abschaffung des Schulfaches protestierte.

Als Debut-Highlight des Weltraumjprogramms war also ein Astronaut angekündigt. Da es Missionsverzögerungen gab, konnte der eingeplante Gerhard Thiele leider nicht erscheinen. Er hatte sich aber persönlich um eine Vertretung bemüht: So kamen wir zu dem Erlebnis von Dr. Reinhold Ewald, einem Physiker, der durch sein ausgeprägtes närrisches "R" seine rheinische Herkunft und kölnische Prägung wirklich nicht verhehlen kann.Wink Unterhaltsam plauderte er aus seinem Astronauten-Nähkästchen, wie es eben nur Physiker tun können: Physiker erkennt man im Weltraum z.B. daran, dass sie sofort mit verschmitztem Lächeln an Impulserhaltung denken, wenn sie durch einen Tastendruck auf dem PC allmählich durch die Raumstation treiben. So ein Missionsspezialist wie Ewald, der 40jährig 1997 mit den Russen zur MIR flog, ist jedoch ein richtiger Allround-Experimentierknecht. Insbesondere musste er noch medizinische und biologische Experimente durchführen und konstatierte mit breitem Grinsen in Erinnerungen schwelgend: "Sie glauben ja gar nicht, wie anstrengend es ist, sich die ganze Zeit gesund zu ernähren – aber das musste ich für ein medizinisches Experiment."

Schülerinnen und Schüler aller Klassenstufen und aller Schultypen hatten in den letzten Monaten an einem Astro-Malwettbewerb teilgenommen. Heute Abend sollten die Preisträger gekürt werden. Nachdem die Kids ihre Preise aus der Hand des Schulleiters in Empfang genommen haben, wurden sie zum Gruppenfoto mit Astronaut gebeten – ein wahrer Höhepunkt des Abends!

Ewald, der kein Bild gemalt hat, mit den Preisträgern des Malwettbewerbs

Susanne M. Hoffmann

Veröffentlicht von

"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" Die Autorin ist seit 1998 als Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik, Wissenschaftsgeschichte und Fachdidaktik (neue Medien). Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde.

1 Kommentar

  1. Astronomie-Blogs und ein Blog-Karneval

    Hallo!

    Ich würde gerne eine deutsche Version des Carnival of Space organisieren. Dadurch könnten wir die Vernetzung der einzelnen deutschsprachigen Astronomie/Raumfahrt-Blogs steigern und uns auch ein bisschen besser kennenlernen (und auch unseren jeweiligen Lesern die anderen Blogs vorstellen). Details dazu findet ihr in diesem Beitrag in meinem Blog. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir gemeinsam so eine Veranstaltunge auf die Beine stellen könnten.

    MfG Florian

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