Netzwerke der Mustererkennung und Ordnungsbildung

Helix Nebel oder Auge Gottes?

Evolution is chance caught on the wing, Jaques Monod

Beim letzten Beitrag habe ich die Frage “Was ist Wissenschaft?“ in den Raum gestellt. Dabei habe ich versucht die Begrifflichkeit einerseits zu erklären und andererseits auch zu erweitern. Im Zentrum der Erweiterung nannte ich hierbei, dass geistige Ideen zu materialisierten Innovationen werden können, wenn sie durch Prozesse und Systeme eingebettet werden können. Mein zweiter Punkt war, dass Wissen durch Kommunikation mit sich, privates und geschäftliches Wissen mit anderen Menschen und der Umwelt einhergeht.

Weiter führte ich aus, dass es hierbei einer starken Emotionalität wie auch Rationalität bedarf, weil die Energie, die sie zum Denken, Kommunizieren, Lesen und zum Schreiben benötigen nur dann  kohärent im Gesamtsystem Mensch verlaufen kann, wenn diese Funktionen in einer Gesamtgleichung mit emotionaler und rationaler Energie auch hinreichend erfüllt sind. Diese kognitiven Prozesse funktionieren nun mal nicht ohne menschliche Emotionen. Sie also von sich und der eigenen Gefühle und Menschlichkeit selbst zu entlinearisieren wird zukünftig umso mehr infrage gestellt werden, je besser die Maschinen im Schreiben und Texten von Beiträgen werden. Was das für die Wissenschaft der Zukunft bedeutet, kann sich jede Person mit ein wenig Fantasie und Vorstellungskraft ausmalen.

Ich werde in letzter Zeit nun öfter gefragt, was denn die Netzwerksysteme für mich persönlich bedeuten. “Netzwerksysteme“ so wie ich sie sehe, kommen meiner Meinung nach aus der Biologie und Biochemie. Eben diejenigen Netzwerksysteme, die uns seit Äonen von Jahren tragen und entwickeln, stellen die Symbole und Ikonen einer neuen modernen Kybernetik, Kinetik und Kinematik dar. Also der Regelung und Steuerung von Systemen. So eben beispielsweise Neuronen in Nervennetzen oder Körperzellen und deren Metabolismus im menschlichen Körper.

So besitzt z.B. eine echte Zellnetzwerkarchitektur bei Pflanzen, Tieren und Menschen echtes Leben. So stellt das Netzwerk der Zellen ein System dar, welches sich selbst und auch neue Zellen ständig erzeugt, mobilisiert, strukturiert und organisiert. Ziel hierbei ist zu überleben und dem Tode zu entkommen. In der Fachsprache nennt man diese Ausgleichsprozesse mit Wechselwirkungen auf andere Strukturen wie Gehirn, Nerven-, Immun-/Generierungssysteme nicht Gleichgewicht, sondern Fließgleichgewicht (Ludwig von Bertalanffy), Order from Noise (Heinz von Förster) und Ordnung durch Fluktuation (Ilya Priogine).

Dabei ist eine Ordnungsbildung über die Organisation von Netzwerksystemen der Natur, neuronalen Nervensystemen, also Gehirnen über Gruppen und Gesellschaften bis hinauf zu den Galaxien nicht ganz einfach geistig zugänglich. Im Gegenteil, die Thematik ist anspruchsvoll.

Netzwerkdenken

Dabei ist das Netzwerkdenken, wie ich es einmal bezeichnen möchte, ein Denken über die unterschiedlichen Disziplinen hinweg. Diese Versuche wurden bereits durch eine interdisziplinäre, antidisziplinäre und multidisziplinäre Biokybernetik (Vesters) und Bionik (Steeles) eingesetzt, um beispielsweise das Leben als ganzheitlichen Kosmos zu verstehen. Oder einfach nur von der Biologie in die Physik und Technologie im Bereich des Militärs und der Medizin zu gelangen. Auch die Erkundung der neuronalen Netze hinsichtlich dem Verständnis, Erkennung und der operativen Exekution künstlich neuronaler Netze von Computern diente hierbei Disziplinen-übergreifend.

Start und Kosten von Industrien

Bleiben wir hier beim Gehirn und dem Computer, so ist die Computerindustrie ähnlich dem Verlauf der Entwicklung der Cybernetics (Kybernetik) gefolgt. Anfangs ging es hier um den Bereich der Ballistik.  Im Zentrum der Entwicklung des ENIAC stand die Ballistik. Was dabei den meisten Menschen gar nicht bekannt ist, die heute StartUps anmelden ist die Tatsache, dass es sehr langer Zeiten bedarf, von der Idee in die Invention und die operative Innovation großer bedeutsamer Erfindungen zu kommen. Bei den großen, übergeordneten und außergewöhnlichen weltweiten Erfindungen, die die Welt veränderten, wie das Antibiotikum, das Auto, Computer, Herzschrittmacher dauerte das meist mehrere Dekaden! Nehmen Sie einmal die Autos von der Firma Toyota, die auf der Straße nach wenigen Metern zusammenbrachen und später Weltmarktführer in der Qualität mit dem Toyota Production System (TPS) wurden.

Nehmen wir beispielsweise einmal die Computerindustrie, welche ich ja bereits beschrieb, so waren deren Ziele anfangs recht klar. Was war das nochmal?  Die Ballistik. Und die Computerindustrie benötigte ganze drei Dekaden, um nach schweren Verlusten überhaupt eine Gewinnschwelle zu erreichen. Das war Anfang der 1970-er Jahre im vorigen Jahrhundert. Bevor daraus eine fünf Billionen Dollar Industrie wurde. Das wissen viele Menschen gar nicht. Warum dauert das so lange? Nun es müssen erst einmal etliche Systeme verstanden geistig gelernt, verstanden und kapazitativ absorbiert in einer Gemeinschaft miteinander verbunden werden. Das ist selten der Fall. So gehen Systemerfindungen nicht nur einem großen Verständnis von Netzwerksystemen voraus, sondern auch etliche Erfindungen zig modularer Modifikationen.  Das ist vielen Menschen gar nicht bewusst.

Menschen sind keine Maschinen

Aber Computer sind nun mal keine Menschen und Menschen sind eben keine Computer oder Maschinen. Diese Analogie Gehirne und Computer und Computer und Gehirne kam am Anfang der euphorischen Computerisierung und Kybernetik mit dem Nebeneffekt der Künstlichen Intelligenz auf. So war es der Vergleich insbesondere hauptsächlich erst einmal der Telefonie und der Computer an denen sich Menschen bei der Vorstellung von Gehirnen orientieren sollten. Und manche Vordenker und Genies, insbesondere die Mathematiker wollten dazu eine Art Generalformel schreiben. Und die strategische Intention war hierbei,  dass diese Matrizen, Integrale und Gleichungen in den verschiedensten Disziplinen auch mathematisch untergebracht werden. So eben genauso in der Ballistik von Bomben zur Kriegsführung des Militärs, wie in der Physik und der (mathematischen) Biologie bis zur Medizin und hin zur Netzwerksystemmedizin, wie ich das einmal heute bezeichnen möchte.  

Und schauen wir einmal auf die Biologie und deren Zellen im Kopf (Neuronen) und Körper (Muskel- und Fettzellen) so geht es stets nicht nur um Entwicklung und Fortschritt wie in der Wirtschaft, sondern einer Lebendigkeit und dem Leben. Es geht um das Leben in einer Gemeinschaft und im Zusammenhang um einen Gesamtplan. Die Zellen stehen hierzu in einer Selbstorganisation von (Netzwerk) Systemen miteinander in Verbindung und kohäsiver strukturierter Vernetzung und “wissen” alle um diesen Gesamtplan. Das Hauptziel hierbei ist: Leben erhalten und dem Tode entrinnen. Durch Ungleichgewicht, wie oben genannt das Fließgleichgewicht.

Was bedeutet das?

Unser Leben beginnt mit der Gemeinsamkeit und entwickelt sich im menschlichen Zusammenhang. Einerseits im Mutterbauch, andererseits mit der Natur und Umwelt -netzwerkartig. Das zeigt uns, dass das Leben nicht in getrennten, verteilten Disziplinen stattfindet und auch nicht digital, binär quantisiert in 0 und 1 abläuft, sondern erst einmal miteinander verbunden, vernetzt und analog in “kontinuierlicher“ Form und Ausprägung. Einerseits linear in Abstufungen 1.2.3.4.5.6.7.8.; stufenweise bei zellulärer Teilung 2, 4, 8, 16, 32, 64, 128, 256… und auch nicht-linear, wie z.B. bei den Fibonacci-Folgen 0, 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13 …

Abstufungen der Fuzzy Logic, Quantencomputer und informationsverarbeitende Galaxien als Analogie für das Menschsein

Die feinen Abstufungen und deren Bedeutungen für ein wirklichkeitsnahes und intensives Leben des Menschen bleibt von zentraler Bedeutung je stärker die Weltkomplexität zunimmt. Das Wort anlog steht dabei für diesen kontinuierlichen Stoffstrom. Im Zentrum stehen also nicht immer nur zwei binäre Zustände, wie 0 und 1, woher ja auch das Sprichwort kommt “Nicht bis drei zählen zu können”. Heute geht es eher um ganz unterschiedliche lockere, coole, starke, heftige oder intensive Zustände, die unser Leben definieren.

Die Megatrends wie Demokratisierung, Computerisierung, Cyberspace, Cybernetics, künstliche Intelligenz, Metaverse, parallel verarbeitete Informationsprozesse und unser Thema die Netzwerksysteme, die all das verbinden, sind hierzu ein anschauliches Beispiel. Dass z.B. der Trend auf analoge Quantencomputer nun auch bei den Investoren und nicht nur der Forschung und den Wirtschaftssystemen geht, ist dabei kein Wunder, so kann die Welt doch wunderbar über Stufen geregelt und dadurch präziser vermessen und abgebildet werden. Eben ähnlich wie das unser Gehirn beim Alpha-Analogprozessor-Scanning nachts Komplexität für uns verarbeitet.

Es geht heute daher auch darum die Zwischenzustände genauer wahrzunehmen und darzustellen. Sei es in der Führung und der Organisationsentwicklung, im Management und der Maschinenentwicklung oder auch in der Politik bei Prozessen von Personen bei Abstimmungen, die oft abtrennend, digital wirken und somit zerstörerisch, weil sie die Zwischenzustände und -stimmungen zwischen Ja, Nein, ich weiß es nicht, gerade nicht feingliedrig wie eine Art Fuzzy Logic, konventionell angewendet in Videorecordern, Waschmaschinen und Aufzügen darstellen können. Ein echtes Problem, weil Streitigkeiten oben in den Machtzentralen bis tief hinein in Wirtschafts-, Wissenschafts-, Recht-, Bildung- und Zivilgesellschaftssysteme hineinreichen.

Turing und Kant im Komplexitätsnebel der Zeit

Ähnlich wie einst Alan Mathison Turing für seine erste dissipative Struktur bekannt war, so war dies Immanuel Kant im dem Bereich der Selbstorganisation von (Netzwerk)Systemen. Kant beschrieb das früh in seinem Werk Kritik der Urteilskraft. Dabei wurde er von Thomas Wrights An Original Theory and New Hypothesis of The Universe inspiriert. Kant arbeitete hierauf an seiner Allgemeinen Naturgeschichte und Theorie des Himmels. Darin schussfolgerte er, dass die Nähe von Nebeln, wie die der Orion- und Andromedanebel zu den Milchstraßen-Galaxien eine analoge Organisationsmusterform von Strukturen und Systemen in der Gesamtgestaltung des Universums darstellen. Wir können von Turing und Kant lernen, dass es diese Verbindungen wirklich gibt.  

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Dominic Blitz vom Blitz-Institut erforscht seit Jahren multidisziplinär den Bereich der Netzwerksysteme und deren Netzwerkprozessorganisation. Hierbei geht es darum, wie Komplexitäts- und Informationsverarbeitung in den unterschiedlichen Netzwerksystemen biologisch (Gehirne), künstlich (KI-Computer) und organisatorisch (Communities) mit Kommunikation, Feedback, Fluktuation und Resonanzprozessen vonstatten geht. Er bietet zum Thema Informationsverarbeitung mit Mustererkennung durch Netzwerkbildung Vorträge, Workshops und Beratungen an. Herr Blitz hat hierzu eigene Systeme entwickelt die für Innovation und hohe Produktivität in Wirtschaft und Wissenschaft anwendbar sind. Dominic Blitz ist unter https://blitz-institut.de; E-Mail: db@blitz-institut.de erreichbar.

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