Einführung in die Cybernetics einer 2020 Cybernation. Teil I

Cybersyntegration- rechnende Räume in Science und Science Fiction

“Cybernetics”, “Kybernetik” bedeutet aus der griechischen Sprache heraus übersetzt so viel wie “Lotsenkunde” und “Steuermannskunst”. Dabei ist die Kybernetik weder eine heilige Kreativ-Erscheinung, noch eine Mainstream-Management-Modeerscheinung.

Vielmehr ist die Kybernetik ein Systembegriff, der alle Bedeutungen von Informationen, Prozessen, Systemen und der Regelung und Steuerung in seine übergeordnete Beziehung setzt. Es geht also um die Regelung und Steuerung komplexer dynamischer Systeme, deren Subsysteme, Teilsysteme und Einzelkomponenten. Damit ergänzt die Kybernetik die Informationstheorie (Shannon), die Kommunikationstheorie (Bühler), Maschinentheorie (Schultz), Chaostheorie (Thom), neuronale Netze (Kandel), Spieltheorie (Nash) und Systemtheorie (Luhmann).

Auch und gerade weil die Disziplin der Kybernetik so tiefgehend, weitreichend wie auch umfassend ist, haben sich immer viele bekannte Organisationen wie Staaten, Regierungen, aber auch Geheimbünde, Sekten und Geheimdienste stark dafür interessiert. So erweckte Norbert Wiener “als Vater der Kybernetik” mit seinem Erstwerk: “Cybernetics or Control and Communication in the Animal and the Machine” bereits große Aufmerksamkeit. Aber eigentlich erst jetzt und nicht Mitte des letzten Jahrhunderts tritt diese junge Disziplin auch operativ in Kraft. Warum das so, ist erzähle ich hier in zwei Teilen.

Dabei bedeutet die Kybernetik abseits von Trends und Moden eher eine Existenzbasis von Menschen und Maschinen, weil es in einem immer stärker werdenden rechnerisch-dynamischen Universum auch um eine Mensch-Maschine-Matrix-Welt geht. Nehmen Sie als Beispiel den World Wide Computer, der sich als Netz mit weltweiter Wirkung um den Erdball erstreckt und Menschen und Maschinen in einer Gleichung so stark wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte vernetzt. Hätte man einmal vor wenigen Dekaden gedacht, das jeder Mensch in den entwickelten Ländern der Erde gleich mehrere Computer besitzt, ob nun Taschencomputer (Smart Phone, Smart Tablet) oder Armband direkt am Körper auf dem Kopf (Smart Watch, Smart Glasses) oder zukünftig im Kopf (Stichwort: BCI Brain Computer Interface)? Man hätte die Leute die, das behaupten als unseriös bezeichnet. Und das wir seit wenigen Jahren damit ganz selbstverständlich jeden Tag umgehen, als ob wir einen Kaffee morgens zu uns nehmen, und die Kommunikation wie Konsum dabei im realen Leben, online und virtuell neu definiert haben, ist auch erst ein ganz winziger Punkt in einer langen Linie menschlicher Ereignisse der Menschheitsgeschichte.

Kybernetisch zu denken, kybernetisch zu lernen und die Kybernetik mit Handlungen auch verantwortungsvoll anzuwenden, bedeutet hierbei einen universalen Kosmos zu erschaffen, der die gegenwärtigen und zukünftigen Dimensionen einer immer stärker werdenden menschlichen sozio-kulturellen Dimension und einer maschinellen-mechatronisch, technischen Dimension dreidimensional mit Netzwerkeigenschaften einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung unserer Erde und ihrer Erd-Bewohner erstmals langfristig und ganzheitlich tatsächlich zu verbinden weiß. Dabei ist dieser Ansatz vielen Führungskräften in den sozialen Systemen noch unbekannt.

Und wenn wir so kybernetisch ähnlich einem Architekten denken und wie ein Künstler fühlen, dann sehen wir in Richtung globaler Antizipation und in Hinblick auf Europa, dass viele Prozesse seitens Regierungen und auch den Unternehmen der Wirtschaft und Wissenschaft derzeit bruchstückhaft im Gange sind. Und bruchstückhafte Ansätze führen bekanntermaßen zu fragmentierten Systemen. Was folgt? Es fehlen die Zusammenhänge und Verbindungen, es entsteht ein Nexus auf zwei Seiten. Ein sowohl emotionaler als auch rationaler Nexus zwischen den Menschen und später auch den Maschinen. Aber Zusammenhänge sind heute mehr denn je das A und O einer Komplexitäts- und Netzwerkgesellschaft; einerseits um zu verstehen und zu erkennen, andererseits Sinn als Ressource für das Denken, Lernen und sinnvolle Handlungen auch menschlich zu gewinnen. Auch und gerade um die losen Fäden, ähnlich eines Sherington Webstuhls zu organisieren und zu einem Organismus und Gesamtgewebe zu verbinden, der höchst lebendig ist und sich kontinuierlich evolutionär weiterentwickelt

Definition der wissenschaftlichen und gesellschaftliche Bedeutung der Kybernetik

Und hierzu bietet gerade die Kybernetik viele Ansätze für neue Ideen und auch Innovationen mit den dazugehörigen Rahmenbedingungen. Sie bietet vor allem eine wissenschaftliche, objektive interdisziplinäre Analyse, ähnlich der Metadisziplinen der Mathematik und auch der Philosophie. Und dies auf einem Hybridlevel der Prozesse und ihren Relationen in Systemen, Subsystemen und Komponenten und deren Komplexitäts- und Informationsverarbeitung, Mustererkennung, Regelung und Steuerung bis in die Netzwerkbildung von Menschen und Maschinen hinein. Und diese Regelung und Steuerung und manchmal auch Neubildung werden immer stärker erforderlich, nicht in der Verteilung, sondern der Vernetzung. Da immer komplexer werdende soziale Systeme der Sub -Operationen und der Ko-Operationen von Menschen, wie beispielsweise Konsortien, Kollaboration, Kooperationen und Communities of Practice, als auch technische Systeme, wie z.B. Cloud, Grid, Virtualisierung etc. komplexe Netzwerkprozessstrukturen und somit auch zuverlässige Regelungs- und Steuerungsmechanismen benötigen, die nur intelligent systemisch funktional vernetzt mit den Mind- Machine- Matrix auch konsistent und kohärent einhergehen können. 

Dabei geht es weniger um Kontrolle, sondern um die relevante Frage einer “Ermöglichung” am Anfang einer Reise in Richtung und Innovation mit einer Kybernetik. Die Frage lautet dann: “Wie können wir dies und das und jenes ermöglichen?” müsste es heißen. Und nicht “das ist unmöglich”. “Oder zu teuer, zu zeitintensiv” etc. Und wenn man nicht von selbst drauf kommt, finden wir Hinweise in den Superstrukturen und Supersystemen der Funktionsweise einer Kybernetik.

Und wo finden wir diese Supersysteme?

Na bei uns: Im Menschen selbst! So zum Beispiel beim Menschen im Gehirn, wie auch im Körper des vegetativen Nervensystems und des Generierungssystems. Nehmen wir als  Beispiel das soziale menschliche Gehirn mit selbstorganisierten, biochemisch neuronal ordnungsbildenden Nerven-Netzen, oder einem selbstregulierenden System der Blutzirkulation und Blutkreislaufes. All diese geben uns eine hochgradige Orientierung im komplexen Dickicht eines Komplexitätsdschungels. So ist das menschliche Gehirn einerseits überragend komplex und auch andererseits überragend geordnet strukturiert. Eben nicht zentral oder dezentral, sondern viel besser: einerseits mit hierarchischen Ebenen versehen, andererseits hochgradig distributiv arbeitend. Und dies in beide Richtungen. Das ist kein Gegensatz, sondern es bilden sich zwei Zustände in einem einzigen System. Eine fantastische Eigenschaft und ein Hinweis auf die Organisation von morgen.

Vom Technik-System zur Organismus-System

Schauen wir einmal auf die Technik der letzten Jahrzehnte, so wurden gerade Krisen, wie auch menschliche Krisen und  bei den Organisation technische Krisen auch durch eine unzureichende Technik auslöst. So beispielsweise im Schnittstellenmanagement, in der Inkompatibilität, in der Kompliziertheit und auch in der Kommunikationstechnik (indem Kontrahenten und Feinde durch Kommunikationstechnik näher gebracht wurden). So ist jetzt ein Aufbruch Phase in der Kybernetik gegeben und Organismus Modelle sind stärker als je im Gegensatz zu Technikmodellen dringend notwendig. Die allzu komplizierte Informationstechnik stört Menschen öfter als dass sie deren Produktivität freisetzt. Und vor allem ist sie keine Wettbewerbsvorteil mehr, wenn alle Menschen und Unternehmen Hardware, Software und Middleware besitzen (siehe dazu auch N. Carr, “Does IT matter?” & The Big Switch). Deshalb ist ein anderer Blick und eine andere Brille, was die Informationstechnik angeht, vonnöten. Der Schwerpunkt bei dem Wort “Informations (prozess) technik”, liegt also nicht auf dem Wort “Technik”, sondern zuallererst auf “Information”. Und dann zweitens auf dem Prozess dorthin und zwar als Verb im Sinne von der Frage: “wer informiert wann, wen? Leider wird dies allzu oft verkehrt und es entsteht unnötiges Chaos, anstatt Ordnungsbildung, weil man zu oft auf Maschinen anstatt auf Menschen setzt, und diese Fragen auch erst gar nicht stellt.

Gehen wir auf den Bereich der Information und dann den Prozess, so kann man als einen der ersten Grundsätze der Kybernetik -ähnlich wie in der Chemie bei “kommunizierenden Gefäßen” – von einer starken Interdisziplinarität als verbindenden Charakter, und als Schlüsselrolle von Interaktivität, sozusagen als intelligentes Interface dazwischen, sprechen. So war es Wiener auch, der in seinem Werk “Kybernetik” dies zu verbinden wusste. So beispielsweise bei verschiedenen Disziplinen und der Arbeitsaufteilung im Bereich von Organisation. So schrieb er: “Alle sollten und müssen gewohnt sein zusammenzuarbeiten, die geistigen Gewohnheiten des anderen zu (er)kennen und die Bedeutung eines neuen Vorschlags eines Kollegen zu untersuchen, bevor er vollkommen final formuliert ist. (Wiener, Norbert: Kybernetik Düsseldorf Wien Econ -Verlag 1963 (S. 27)

Norbert Wiener und Alan Turing definierten “Intelligenz” nicht als Verhalten, sondern schoben dies stärker in Richtung “Vorhersage”

So wie Alan Turing  in Richtung der Decodierung des Enigma-Kodes und dessen Dechiffrierung vorging, der den Krieg zwischen England und Deutschland tatsächlich beendete, auch und weil keine geheimen Informationen mehr fließen konnten und geheime Kriegsaktionen, wie das Verrücken und Verlegen von kriegerischen Flottenverbänden und Manövern nicht mehr möglich waren, so geht Norbert Wiener damit ebenfalls mit der Kybernetik in Richtung Vorhersage-Theorie. Eines der ersten Beispiele hierfür waren die Abwehr feindlicher Flugzeuge der damaligen kontinuierlichen Bedrohung durch England durch die äußerst starke deutsche Luftwaffe mit ihren blitzartigen Bomben. So ging es bei der Anfangsentwicklung der Kybernetik um Codepositionen und Flugabwehr. Bei Codes ging es um die Chiffrierung und Dechiffrierung mittels kluger nicht algorithmischer und algorithmischer Verfahren. Beim Flugzeug ging es um die Position des feindlichen Flugzeugs zu finden, um die zukünftige Position zu eruieren und vorherzusagen. Aufgrund der hohen Geschwindigkeit musste ein Geschoss entwickelt werden, was sich damals mit dem Ziel (Flugzeug) an einem Punkt traf und so zeitlich-räumlich in einem Vektorpunkt am Himmel verschmolz.

21. Jahrhundert Kybernetik

Heute gibt es andere Ziele und Absichten als die Weltkriege in der Kybernetik. John von Neumann war es, der einst dahingehend mit einem Zitat Furore machte: Er sagte”  ich baue etwas Besseres und Effizienteres als Bomben, ich baue Computer.”

Und sind wir nicht längst in einem Computerzeitalter mit Millionen von PCs und Minicomputern angekommen? Leben wir nicht seit Jahren mit bemannten Raketen, Satelliten und Drohnen, die Stealth Jets ersetzen in einer völlig anderen Welt als noch vor 40 Jahren. Sind wir nicht auch mittlerweile bei der privaten Raumfahrt angekommen (Stichwort : von der NASA zu Space X und Virgin Orbit), die niemand früher vorhergedacht und vorhergesehen hat? Der Wettlauf um den Mond und den Mars haben sich hierbei ebenfalls tektonisch verändert: waren es früher die UDSSR, Russland und die USA, so drängen heute China, die Vereinigten Emirate und Europa mit Raketen und Satelliten weiter in den Weltenraum vor. Und weiter geht es heute auf der Erde auch um die Schnelligkeit am Markt via Supercomputing und Ultracomputing. Es geht auch um die Erschaffung einer “Feynman-Maschine”, die den “von Neumann Replikator” ablöst. Es geht um  Quantencomputer und Quantenverschlüsselung, weil Informationen und Kommunikationen immer öfter belauscht, gestört, abgehört und ausgespäht werden. Sei es vom Staat, der ganze Behörden die letzten Jahre dazu aufgebaut hat, oder um die organisierte Kriminalität, deren Felle und alten Geschäftsmodelle in Corona Zeiten (wie Prostitution, Drogenhandel, Menschenhandel etc.) wegschwimmen. Es geht weiter um die Finanzmärkte, Devisenmärkte und diese mit Supercomputing in Millisekunden (Stichwort Charles Schwab e-Trading Modell aus dem Ende der 1990er Jahre) herausgehend im Millisekunden Takt und potenziellen Vervielfachung von Transaktionen zu bearbeiten. Es geht auch nicht zuletzt um “Smart Data”, aber allzu oft werden Daten entweder falsch gesammelt,  nicht in relevanten Beziehungsstrukturen gesetzt und auch noch falsch decodiert und interpretiert. Dabei könnte man dies kybernetisch klüger und weitsichtiger lösen mit Netzwerkprozessmodellen als Informationsprozessverarbeitung.   

Was leistet denn die Kybernetik? Und in welchem Umfang

In meinen Präsentationen , die derzeit auch leiden müssen, habe ich hierzu immer eine breitbandige und spektrale Bedeutung der Kybernetik angegeben. Und weil die Kybernetik -wie in der Subline dieses Artikels angedeutet- eine synthetisierende und integrierende Disziplin darstellt (Stichwort: Cybersyntegration, Fredmund Malik nennt dies “Supersyntegration”), ist die Frage was integriert und synthesiert sich da transpektiv und innospectiv? Nun verschiedene weite Flächen von Topologien und Ebenen. Zum Beispiel wird die Kybernetik nicht nur verbunden mit der Regelungs- und Steuerungstheorie komplexer Systeme, sondern wie oben erwähnt von den renommierten Menschen wie Shannon, Nash, von Neumann, Luhmann und Hawking auch weiter in die Maschinentheorie, der Theorie der Automaten, der Theorie neuronaler Nervennetze, der Informationsübertragung und -verarbeitung, der Signal- und Kommunikationstheorie, der Rechentechnik- und Algorithmen-Theorie; der Programmierung, Automatisierung, Mechatronik von ITK (= Informationstelekommunikations-) Systemen, der mathematischen Ökonomie, der Bionik, Biokybernetik, Management- und Organisationskybernetik, kybernetischer Linguistik, und der “Organisationskybernetik” bis in die Richtung “intelligenter Systeme”, wie ich das einmal 2020 nennen würde.   

Was können wir tun?

Wenn wir uns einmal komplexe Systeme in Energiemärkten, Finanzmärkten, Migrationsmärkten, Versorgungsmärkten, etc. anschauen, dann beschreibt die Kybernetik diese komplex organisierten Systeme mit den dazugehörigen Kriterien und Variablen. Und was wir dann als erstes benötigen, sind dann keine kurzsichtigen Gesetze,  sondern wir bedürfen erst das volle und tiefe, umfassende Verständnis und Erkennen der Funktionen in diesen Systemen, Subsystemen und Komponenten. Und dies fehlt meist, weil sowohl die Personen (in ihrem beruflichen unterschiedlichen Spektrum der Primärdisziplinen) als auch die kybernetischen Prozesse (dass die Intelligenz und Kompetenz dort eingespeist wird, wo sie sitzt und auch am meisten gebraucht wird, ähnlich des Ohm`schen Gesetzes: die Last muss dorthin wo die Leistung sitzt). Oftmals fehlen diese Potenziale von Wissen und Werkzeugen und diese in einen ganzheitlichen Wertschöpfungsring strategisch-operativ passend einzuleiten, deshalb auch plädiere ich für andere Organisationsmuster, die diese Gleichung verändern auf langfristiger Basis.

Viel zu oft gehen Menschen, Vorgesetzte und Führungskräfte in die Aktion und Handlung, ohne zu verstehen, was und wie passiert und was durch ihr Eingreifen nun als nächstes passiert. (ich berichtete im Artikel 30er-Zone “Gefährliche Geschwindigkeit” auf Tensornetz hierzu). Denn es ist immer zu bedenken, dass erst ein volles Verständnis es gestattet, das Gesamtsystem zu erkennen, es zu deuten und auch zuverlässig zu regeln und zu steuern. So passieren immer mehr Explosionen, durch kurzsichtige Gesetze und Regeln, anstatt kluger weitsichtiger Lösungen. Bei Maschinen ist diese Verständnis dann schon fast banal, denn während man jede Schraube, jeden Prozessor, Lüfter, Mainboard , Grafikkarte, Schnittstellen und Steckplätze an einer Maschine wie dem Computer kennt, sind die großen komplexen Systeme der Biologie und Neurowissenschaften, wie das menschliche Gehirn größtenteils noch ungelernt und unverstanden. Daher sollten wir da reinschauen, was noch unerforscht ist, um zu  verstehen, was da vor sich geht und vor allem “wie” und “warum”?

Intelligenz im System

Intelligenz in Systemen, geht beispielsweise in der Biologie und den neuronalen Netzen mit Rückkopplungen, Feedbackprozessen und Resonanzen einher. Und nachher auch mit deren Resonanzmustern. Und es geht sowohl mit Beschränkungen als auch mit hohen Freiheitsgraden einher (ich berichtete erst vor wenigen Tagen bei der menschlichen Hand im Vergleich zu einer Roboter-Hand über Freiheitsgrade beim Artikel “der achten Tag!” auf LinkedIn). Bei lebendigen Systemen geht diese mit den unterschiedlichen Zuständen einher. Und zwar ähnlich wie in der klugen Führung nicht nur mit Hierarchie, sondern auch Heterachie und Holarchie in verschiedene Richtungen an Menschen und Kontexte angepasst. Ein System, welches sich dann “intelligent” verhält, egal ob molekular, morphogenetisch, neuronal, sozial, kulturell oder technisch ist dann intelligent, wenn es in allen Situationen passend agieren und reagieren kann!

Freiheitsgrade, Feedbacksysteme und Selbstorganisation in Systemen

Und so wird die Kybernetik auch als Wissenschaft von selbstregulierenden dynamischen Systemen gesehen (die Erfindung des Thermostats ist ein einfaches Beispiel). Die Kybernetik geht jedoch über die Komplexität von technischen Geräten weit hinaus, es geht immer stärker um hochkomplexe,  biologische, neuronale, soziale wie gesellschaftliche Systeme, mit denen wir es zu tun haben und die es zu beschreiben gilt. Und um Erich Jantsch einmal zu zitieren, so schrieb er: “Dabei verwirklicht das System seine ihm eigene Struktur und Funktion in desto ausgeprägtere Weise, je mehr Freiheitsgrade es besitzt. Die natürliche Dynamik dissipativer Strukturen lehrt uns mithin auf ganz natürliche Weise jenes optimistische Prinzip, an dem wir im komplexeren menschlichen Betrieb immer wieder verzweifeln: Je mehr Freiheit in Selbstorganisation, desto mehr Ordnung!” (Jantsch, E. in: Die Selbstorganisation des Universums S. 75)  

Organismus versus Technik

Schauen wir einmal auf die biologischen Systeme und die Natur wie einen Raubvogel, der fliegt, hinabsteigt einen Fisch fängt, aufsteigt, weiterfliegt, Geschwindigkeiten  und Bewegungen permanent anpasst und dann im Gegensatz dazu ein Flugzeug. So erscheinen die technischen Systeme ein wenig als stümperhafte Imitationen in Relation zu einem lebenden Organismus. Schauen Sie sich dazu einmal ein Video eines Kolibris an, den man leider hierzulande nicht antrifft. Es ist einfach fantastisch auf der positiven Seite zu sehen, was ein Kolibri an Spektrum der Flugleistung in allen Dimensionen mit seinem Flügelschlag verarbeitet. In Flugbewegungen wie auch im “Standflug”! Weiterhin sind auf der negativen Seite die technische Systeme oft viel störanfälliger als biologische Systeme. Technische Systeme sind verhältnismäßig starr und steif, wenig adaptiv und versagen oft wenn sich die Umfeldbedingungen verändern, während eine Organismus im Gegensatz zur Technik sich anpasst und seine Umwelt sogar verändert. Schauen Sie in ein einfaches Biologiebuch unter “Pilzen” nach, oder gehen selbst einmal wieder in den Wald, um den größten verzweigten Netzwerk-Organismus zu verstehen, der als großes symbiotisches Versorgungssystem mit der Erde, den Pflanzen und Bäumen und als Nahrung intersystemisch kybernetisch agierend, zu verstehen ist.

Die Grenzen der Menschen und Maschinen sind erreicht – der Rubikon der Modelle überschritten   

Als Konsequenz sollten wir stärker von der Technik weggehen, anstatt sie als Gott zu preisen. Wir sollten uns vielmehr mit der Natur, Menschen, der Evolution, Involution und der Emergenz beschäftigen. Wir sollten in Hinblick auf die “Organismuskybernetik” von technischen auf biologische und sozio-kulturellen Systemen und mehr auf die Entwicklung gesellschaftlicher Produktivität mit sozialen Innovationen fokussieren, wie es Hans Peter Dürr, der alternative Nobelpreisträger der Quantenphysik einst aussprach. Es geht sozusagen um einen radikalen Wechsel und einen Aufbruch in eine neues Äon der Architektur von Arbeit mit mehr menschlichen Unternehmen und menschlich höherer Produktivität und Sinn als Ressource. Ja die Anforderungen der Vergangenheit in der Komplexität haben technische Lösungen verlangt (Automatisierung, Robotik), und haben teilweise auch ausgereicht, aber dieser Rubikon wurde seit Jahren überschritten, sodass die konventionelle Maschinenwelt dem Ansteigen der Komplexität nicht mehr gewachsen ist. Die Leistungsfähigkeit in den Systemen fehlt. Und zwar sowohl der Technik, aber viel bedeutsamer: den Menschen in den Organisationen, und da kommen wir mit einfacher Technik und komplizierter EDV eben nicht mehr weiter, im Gegenteil sie stört und zerstört, den Zusammenhalt. Wir sollten uns daher unbedingt wieder den menschlichen Beziehungen widmen, die Lebensqualität definieren und mehr in Beziehungsstrukturen und Netzwerkprozessen von Menschen anstatt in Geschäftsmodellen der Materie denken und lernen. Am Ende kommen dann auch die Maschinen dazu.      

Anpassung- und Lernfähigkeit: is there a Ghost in the Machine?

Vor allem geht es um Zuverlässigkeit, Anpassungsfähigkeit und Lernfähigkeit. Und hier sollten wir das weiter in die nicht-technische, algorithmisches, sondern menschlich-soziale Seite (ich würde das echte, “natürliche Intelligenz” (NI) nennen wollen ) schieben. Somit befindet sich die Kybernetik heute, wie damals in einer stürmischen Entwicklungsphase. Heute einfach weil sie dringend gebraucht wird in einer globalisierten vernetzen kybernetischen Welt als Gegengewicht zur Komplexität. Und zweitens weil sie gleichfalls Potenziale des Umdenkens in sich trägt. Umdenken für eine andere Art der Intelligenz der Menschheit! Und die echte natürliche Intelligenz (NI) mit der künstlichen Intelligenz (KI) (da wo sie in ganz wenigen Bereichen angebracht scheint) mit moderneren Organisationsmustern der Organisationsformen  -als den bisherigen des 19. und 20.Jahrhunderts- diese zu ergänzen und morphogenetisch vernetzt zu erweitern. 

Robotermärchen

Dabei geht es nicht um ein Vordenken und eine Art göttlichen Konstrukteur, wie beispielsweise beim Film “Prometheus” oder einen Mars Roboter, bei dem man alles vorgeplant wird. Auch haben Roboter kein eigenes Bewusstsein. Natürlich ist Vorbereitung wichtig keine Frage, aber wir dürfen die Planung auch nicht aus unserem Land heraus übertreiben (Stichwort Deutschland und die Erfindung der strategischen Planung. Die innovativsten Firmen der Welt kennen solch ein Position nicht). Es geht bei solchen teuren Projekten wie die eines Mars Rovers  immer auch um Interaktion mit der Situation. Und die lässt sich nun Mal nicht immer planen. Das ist kein C3Po oder R2D2 aus Star Wars, die in Echtzeit reagieren und ein Bewuststein haben. Aber es besteht Hoffnung: diese individuelle Interaktion mit der Situation lässt sich ja teilweise heute auch besser als früher mit interagierenden Sensoren interaktiv lösen. Auch und gerade wenn ein Rover-Roboter alleine ohne physischen Menschen -entweder auf dem Mond oder auf dem Mars- alleine auf sich gestellt “herum cruist”, so wurde ich das salopp mal nennen. Das hat natürlich viel mit Lernen und hartem Training zu tun, jede ausgeführte Bewegung. Und vor allem mit menschlicher Fantasie, das Unmögliche in Betracht zu ziehen und es wenn es benötigt wird, auch möglich zu machen.  

Und wir haben es nicht nur auf dem Mars oder Mond mit Ungewissheiten zu tun. Auch auf der Erde haben wir es immer häufiger mit einer nichtlinearen Komplexität und einer Dynamik zu tun, die nicht nur sehr groß, sondern auch breitbandig, spektral verläuft. Was heißt das? Wie eben beschrieben, verändern sich Situationen und Kontexte. Unschärfen in Situationen entstehen. Kontexte wechseln. Neue Situationen entstehen, die man vorher so nicht kannte und der Umgang schwierig ist. Und das womit die Psychologie gestartet ist mit dem Individuum im Zentrum, läuft damit auch entsprechend aus dem Ruder.

Update in der Psychologie hinter den Menschen, Maschinen und Matrix- Märkten

Es geht heute nicht mehr alleinig um das Individuum, sondern wie beim Rover eben beschrieben, stärker vom Individuum und der Situation und deren Interaktion in einen Kontext hinein, der sich deutlich durch die Vernetzung verändert hat. Und dies auch noch mit anderen Menschen und nun auch Maschinen. Das verlangt andere Organisationsmuster und auch Führung. Und dieses Bewusstsein dazu und die dazugehörigen Kompetenzen sind eben oft nicht menschlich über die Jahre gelernt worden.

Dies wird sowohl für das einzelnen Menschen, seinem Gehirn, als auch Gruppen wie auch noch für ganze Gesellschaften viel Bedeutung erhalten und höchst relevant werden. Noch ist das wenig angekommen. Die Kybernetik wird somit ihre Einfaltung als auch große Entfaltung und Auswirkung auf die sozialen und technischen Systeme der Zukunft noch viel stärker zeigen als bisher. Warum? Weil die eigentliche Wechsel-Wirkung und auch deren Reichweite auf eine derzeit noch technische, wirtschaftliche, rechtliche, wissenschaftliche und gesamtgesellschaftliche vernetze “Cybernation” erst noch bevorsteht. Sich auf diese Art von “Singularität” oder besser “Interferenz” vorzubereiten, wird daher ganz entscheidend für die Menschheit werden. Oder? 

Dominic Blitz bietet Vorträge zum Thema "Gehirne und Computer", von Übergang der Technik-, Maschinenkybernetik zur Organismuskybernetik - und den Bereich von Rahmenbedingungen der echten, natürlichen Intelligenz (NI) und menschlicher Netzwerkbildung der Musterbeobachtung und Mustererkennung auf einer Metaebene von Innovation in Arbeit und Gesellschaft. Zu diesen Themen ist er unter: www.innospective.de erreichbar.

4 Kommentare

  1. Kybernetisches Denken gibt es heute bei einigen Silicon-Valley Firmen und es gibt es auch hier, nicht nur im Silicon Valley. . Es heisst nur anders, nämlich etwa ecosystem thinking oder Business Ecosystems.

    Nun, eigentlich hat es dieses Denken in Ökosystemen, in Systemen von interdependenten Dingen und Akteuren, die im Zusammenwirken Mehrwert schaffen, in der Wirtschaftswelt immer schon gegeben. Doch jetzt, in der Ära der smarten Prozesse, jetzt liegt oft der eigentliche Wert einer Firma im Ökosystem, das sie schafft und unterhält. Apple, Amazon, Google und viele weitere Firmen binden Kunden und Mitarbeiter über ein Netz von Beziehungen und ein wesentlicher Teil der Firmenstrategie und -intelligenz liegt im selbst geschaffenen Ökosystem.

    Der Wikipedia-Eintrag für Kybernetik offenbart übrigens an einigen Stellen die Verwandtschaft mit dem Denken in Ökosystemen. So liest man dort etwa:

    Ein auch philosophisches Interesse an der Kybernetik geht darauf zurück, dass diese die Möglichkeit eröffnet, den Begriff „Zweck“ rekursiv zu begreifen: Der Zweck eines komplexen Systems, etwa eines Lebewesens oder eines Arbeits- und Handlungssystems, ist so betrachtet es selbst. Ein Zweck bräuchte keine vom System getrennte Instanz mehr, die ihn setzt.

    Wenn man im eben zitierten Abschnitt Kybernetik durch Ökosystemdenken ersetzt, erhält man in etwa die gleiche Aussage.

    • Hallo lieber Herr Holzherr. Ja genau erstens das Denken in (Eco)Systemen in einer Netzwerk-Systemwelt ist entscheidend. Und auch mehr das Denken in Kompetenzen und Plattformen und weniger in Produkten und Technik. Oft wird die Frage in den Organisationen gar nicht gestellt, beispielsweise welche Personen mit welchen Kompetenzen haben wir, was macht uns als Firma einzigartig? und welche Kompetenzen benötgien wir , die wir noch gar nicht haben? und welche Systeme benötigen wir? die dann wiederum die Mitarbeiter unterstützen.
      All zu oft höre ich auch noch Strategie. Menschen. Operations, anstatt Mitarbeiter zuerst Kunden danach. Denn ohne zufriedenen Mitarbeiter keine zufriedenen Kunden…
      Wie sehen Sie das?

      • @Dominic Blitz (Zitat):

        Menschen. Operations, anstatt Mitarbeiter zuerst Kunden danach. Denn ohne zufriedenen Mitarbeiter keine zufriedenen Kunden…

        Sicher, zufriedene Mitarbeiter sind wichtig. Allerdings, stellt sich die Frage ob Mitarbeiter zufrieden sein können, wenn die Firma kein überzeugendes Geschäftsmodell hat, wenn die Firma niemand wirklich überzeugt, weder die Kunden noch die Mitarbeiter. Die grösste Motivation für die Mitarbeiter ist wohl, dass sie an den Sinn ihrer Arbeit glauben und dass der Sinn mehr ist, als den Lohn einzustreichen..

        • Das ist klar und völlig richtig, was Sie da sagen. Mit-arbeiter stellen sich immer häufiger die Frage und auch immer mehr junge Leute, die sich bewerben: “ist das persönlich in meinem eigenen individuellen Kontext attraktiv und sinnvoll?” Macht das Unternehmen xy etwas sinnvolles für die Umwelt/Menschheit, etc. Deshalb ist es ja so entscheidend, dass das übergeordnete Ziel sichtbar ist und kommuniziert wird, beispielsweise “der beste Lernort der Welt”, einen 24h Kundenservice, den schnellste Rechner, Weltraumschrott im Weltenraum zu entsorgen für Sicherheit der Astronauten (TrueSAt), ein Krebsmittel zu finden, Blindheit zu lösen…etc Es geht darum gemeinsam an einem einzigartigen Ziel zu arbeiten, was die Leute aktiviert, mobilisiert und motiviert.

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