Einführung in die neue Cybernetics einer 2020 Cybernation. Teil 2

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Das Gehirn und der Computer – Mensch und Maschine
Tensornetz

 

Das Kernthema welches sich durch die Beiträge von Spektrum Tensornetz zieht, ist mit einem anderen Brillenglas auf die Organisation von Strukturen und Systemen und deren Informationsverarbeitung zu schauen. Ob Sie nun an Ko-Operation, Kollaboration, kollaborative Marktplätze oder Communities denken. An die Prozesse und Strukturen der Organisation der Biologie, beispielsweise in der Natur  und Evolution mit den Prozessen in Zellen und Organismen. Oder eben in die Königsklasse der Komplexität vordringen, in unser menschliches Gehirn mit dessen neuronalen Nerven-Netzen und Netzwerkprozessen. Der gemeinsame Nenner und Nukleus ist eine Komplexitäts- und Informationsverarbeitung, die Musterbeobachtung, Mustererkennung und die dazugehörige Musterbildung in Netzwerkprozessen selbst-ntegrierend und selbst-strukturierend notwendig macht.

Diesem grundlegenden Thema der Organisation von Strukturen und Systemen und deren Informationsverarbeitung habe ich mich gewidmet. Auch und gerade weil ich bereits früher entdeckte,  dass weder sozio-kulturellen Strukturen und deren Organisationsformen, noch die technischen Systeme, diese Herausforderung optimal leisten. Dabei stellt dies tatsächlich die größte Herausforderung unserer Zeit und in der Menschheitsgeschichte dar: die Verarbeitung von Komplexität!

Nun gilt es die K-Frage zu stellen, also zu fragen, wie wir die zunehmende hohe Anforderung, die Verarbeitung von Komplexität in der Menschheit jetzt und in “der Organisation von morgen”, so nenne ich das einmal, auch tatsächlich funktionell gemeinsam meistern können? 

Was das Thema so anregend, spannend, wie auch anspruchsvoll gestaltet, ist die Relationen, Zusammenhänge und auch Übereinstimmungen der unterschiedlichen acht Primärdisziplinen, für die ich einen kybernetisch-Netzwerkprozesssystem-Kompetenz-Kreis entwickelt habe, zu suchen, zu erkennen und auch zu finden, um sie entsprechend musterhaft einzuordnen. Jeder dieser Prozessschritte hat dabei viele Jahre meines Lebens gekostet. Und das macht dann diese Art von Texten zu Lesen, zu Dekodieren und auch zu Dechiffrieren nicht ganz einfach. Denn es ist nicht nur das aufmerksame Mitlesen, sondern auch das Mitdenken erforderlich. 

Um in neue Gebiete vorzudringen und in neue Welten vorzustoßen, verhält es sich ähnlich wie bei einer Bergbesteigung: So wird das Erklimmen und Erklettern steiler Gipfel nur denjenigen Menschen gelingen, die nicht nur den Mut zum Aufbruch, Geduld und Ausdauer, sondern auch hohe Ideale, Optimismus und die Realität vor Augen haben, der Kälte und Ermüdung dieser langen Wanderung zu trotzen, und die Hürden und Hindernisse gleichsam zu überwinden. Aber wenn sich auf den Gipfeln der Welt der Schleier des Nebeldunstes einmal gelegt hat, hat man freie Sicht ins Licht.

Neues Terrain eines sensorischen Expansionsraums betreten

Mut, Disziplin und harte Anstrengung bedeutet in diesem Kontext sich nicht nur in bekanntes Terrain, sondern auch in ungewisses und unbekanntes Terrain vorzuwagen. Ähnlich wie dies einst Church in der Algorithmik, Planck und Einstein in der Quantenphysik und Gödel in der Logik taten. Und auch die Grenze vom Verfügungs-Wissen zu verlassen, so wie es Hans Peter Dürr einmal sagte und zu mehr Kontext-Wissen zu gelangen -genau auf diesen Gipfeln. Warum ist das so? Weil sich Kontexte durch globale Vernetzungseffekte ändern können und das Verfügungs-Wissen dann nicht mehr wie früher, in die Zeitstruktur passt (Stichwort Musterstrukturwechsel) . Ich hatte früher schon das Beispiel der Erfindung und Erprobung der Eisen-Bahn erwähnt. Hier wussten die entwickelnden Menschen tatsächlich nicht,  ob die Eisen-Bahn auf Eisen auch funktionieren, also auch auf den Eisen tatsächlich fahren würde. Es ist ein so simples, wie anschauliches Beispiel, dass wir immer wieder an die Grenzen des eigenen Wissens kommen. Daher sollten wir, ja wir müssen, weniger alleine am Training arbeiten, das ist eigentlich der zweite Schritt, sondern echtes Lernen leben und Lernen gemeinsam erleben!

Das heißt dann konsequenterweise auch mehr ausprobieren, testen und experimentieren, um einen echten Phasensprung zu erhalten. Der erste Schritt hierzu ist nicht ein neues Buch zu lesen, sondern die Grundlage dazu ist die Bereitschaft, für das neue Buch, den Kopf und Geist dazu zu öffnen und auch verstehen zu wollen und auch alte Glaubenssätze und Vorurteile, die sich manifestiert haben gegebenenfalls über Bord zu werfen. Ähnlich wie dies Frank Herbert einst formulierte, indem er sagte: “wir sollten erst etwas nicht verstehen, um es dann zu verstehen”. Also unscharf auf Themen, menschliche Individuen, Situationen und deren Interaktionen zu schauen, nicht gleich zu bewerten, sondern neben Signalen sich erst die Signalmuster und deren dahinterliegende Signaturen als Kräfte anzuschauen. Und zweitens auch andere Perspektiven, Kritik von anderen Menschen hereinzuholen, und auch sich der Selbstkritik unterwerfen, bevor man urteilt. Warum sollte man dies tun?

Grundlage und Reichweite von Entscheidungen

Nun es scheint doch so, dass die Grundlage von Entscheidungen, die letzten Jahre etwas abgeschmolzen scheinen. Also der Prozess wie Entscheidungen mit Personen und Prozessen optimal zustande kommen. Auf der anderen Seite sehen wir, dass die Reichweite von Entscheidungen massiv zugenommen hat. Auch und gerade durch die Inter-Netzwetze mit weltweiter Wirkung. Und das einmal gefällte Entscheidungsurteil heute dann auch eine enorme Reichweite durch Netze sich global expansiv entwickelt hat. Es geht also darum auf die Grundlagen und Kriterien einer Entscheidung stärker zu achten. Eine Frage dazu könnte sein. Haben wir dazu wirklich alles bedacht und auch jeden gehört? So haben es die erfolgreichsten Führungspersönlichkeiten in der Wirtschaft wie ein Alfred P. Sloan, der GM zum erfolgreichsten Unternehmen der Welt machte, oder auch in der Politik wie die Präsidenten Franklin Roosevelt und Harry Truman, gehalten. Dabei ist es ähnlich wie beim komplexen Thema des “Pricings“. Es geht nicht allein darum festzulegen wie hoch ein Preis eines Produktes ist, das ist einfach. Schwieriger ist es, ob auch alle Kriterien bedacht worden sind, die einen konkreten Preis definieren.    

Visionäre Vorausschau visualisieren

Nun zu unserer Situation und den Kontexten einer hochgradig vernetzen Welt. Wenn wir tatsächlich eine hohe geistige Schöpfungskraft und auch echten Schöpfungsakt mit dazugehörigen Spitzenleistungen erhalten wollen und wir nicht mehr weiterkommen, sind Experimente und Versuch und Irrtum äußerst wichtig, ja höchst entscheidend. Und auch insbesondere Verfahren von Versuch und Irrtum, die ein frisches Mindset des Lernens, Verhaltens und auch der Vorhersage in Systemen und Strukturen mit Personen, Prozessen und Plattformen verbinden. In der Zukunft müssen wir dazu stärker Lernbereiche und Lernfelder schaffen. Und wir sollten dazu die anstehenden Aufgaben, Ziele und Wertekerne öfter kommunizieren, erklären und auch visualisieren. Und zwar im Kleinen, im ganz Großen, im Konkreten und auch abstrakt zugleich. Das heißt dann auch mehr Metapher und Analogien auf der Reise in die Zukunft dies zu übersetzen, und weniger in Zahlen, die neuronal weder im Gehirn gemerkt, noch erlebniserhaltend vom Gedächtnis gespeichert abgerufen werden können. Elon Musks Space X Website ist dazu strategisch-operativ wie visuell mit einer passenden Vorausschau elegant gelöst. So beschreibt er visuell auf der Space X Career -Website den Weg der Reise in die Zukunft über Planetenfarben und Terraforming. Schauen Sie sich das bitte auch einmal selbst an. Es geht ja auch immer um die Übergänge von Zeit und Zukunftsstruktur, und sichtbar zu machen, was es bis dato noch nicht gibt: Also Übergange von Welten zu beschreiben  -eben zwischen Science zu Science Fiction.

 Wie von A nach B zu kommen

Um von A nach B zu gelangen, hatte ich in der Vergangenheit ja schon berichtet, dass es weder die Algorithmik ist, noch die B-Mathematik ist, sondern es bedarf vielmehr einer passenden Abfolge und Anordnung von Begegnungen und Beziehungen – und zwar von Menschen. Nehmen wir beispielsweise eines der Themen meine Vorträgen “das Gehirn und der Computer”, so dürfen wir nicht vergessen, dass es genau diese Abfolge-Beziehung war, die uns Menschen, unsere Arbeit und Umwelt und die Gesellschaft in der Menschheitsgeschichte entwickelt haben. Warum ist das so? Nun, reden wir hier über Strukturen der Organisation, so war es bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts so, dass es nur alleinig das menschliche Gehirn zur Informationsverarbeitung gab. Die Cybernation und Cybergesellschaft war noch gar nicht geboren.

Technologische Revolution ohne organisatorische Revolution

Natürlich gab es auch Hilfsmittel, man denke nur an den frühen Abakus in der Menschheitsgeschichte und später erste  mechanische Elektronen-Hirne. Aber das menschliche Gehirn war es, welches im Zentrum stand und welches bis Mitte des 20. Jahrhunderts die anstehenden Aufgaben und Probleme gelöst und umgesetzt hat. Rechenmaschinen und Computer hatten untergeordnete Aufgaben und der Mensch hatte die Aufgabe und die Verantwortung die Organisation der Berechnungen, der Verarbeitungen und der Abläufe, so beispielsweise auch bei der NASA, in Form von Flugberechnungen der 1960er Jahre dafür in der korrekten Anordnungsbeziehung zu übernehmen. Natürlich kann man dies auch heute mit Rechnern überprüfen, aber John von Neumann war es selbst, der sagte, dass die wichtigen Berechnungen analog stattfinden.

Mit dem Einzug von Mainframes, Minicomputern und später PCs in den Büros der Städte, veränderte sich die Struktur der Organisation und Arbeit noch einmal grundlegend, wie auch nach der Einführung Edisons Erfindung (Und auch Scientific Management von Frederic W. Taylor) und der einhergehenden Elektrizität. Mit Strom und Licht wurde die Architektur der Arbeit und die Arbeitsprozesse, verändert und nun in regelmäßigeren Arbeitsschritten und Arbeitszeiten durchgeführt. Das ist Geschichte und nun schon lange her, rund 120 Jahre. Bestimmender für uns mit den Maschinen wurden dann jede Dekade der 1970er, 80er, 90er, 2000er, 2010… Jahre und ging mit weiteren Phasensprüngen und immer stärkerer Vernetzungskopplung der Weltvernetzungsdichte und den darin lebenden Menschen und Maschinen, wie auch dem World Wide Computer, einher. Nach der Dekade der Suchmaschinen, folgte zuletzt die Dekade der sozialen Netzwerke und machte die Verbindung einer vernetzten Disziplin und Wissenschaft stärker erforderlich. Die Revolution der Organisation dazu blieb aber aus.

Updates, Patches, Upgrades in sozialen Technologien und Mensch-Maschine Matrix erforderlich

So sehen wir heute, dass die Informationsprozessverarbeitung noch längst nicht so gut gelöst ist, wie manche glauben. So ist sie bis dato kaum ein geeignetes, effektives verlustfreies Informationsverarbeitungssystem sichtbar, welches auch ganzheitlich musterhaft funktioniert. Im Gegenteil. Es gibt zwar spezielle Programme, aber die All-in-One Lösung ist nicht in Sicht. Es gibt weder Computer, die in sich vernetze Cockpitprogramme so vereinen, die einerseits leicht zugänglich und kinderleicht bedienbar, und auf der anderen Seite überragend vernetzt sind, ähnlich wie ein soziales Gehirn. Also einerseits eine enorme Komplexität mit enormer Ordnungsbildung einhergeht, beispielsweise in der Relation Einfachheit im Frontend und Komplexität im Backend. Zwar schafft das Google in der Suche, aber das ist ja nur ein Arbeitsschritt einer Arbeitsarchitektur.

Und die Cockpitentwicklung wie bei der Flugzeugentwicklung und deren Bedienung, die von hunderten von Bedienelementen mittlerweile auf eine überschaubare Anzahl sich entwickelt hat, ist im Computerbereich nie so optimiert angekommen. Es gibt zwar immer stärkere “Bim“-Entwicklungen (Business Information Modelling) und die boomen, besonders im Bau. Und zwar als eine Art der Komplexitätsverarbeitung, aber oft ist die Schwachstelle der Synthetisierung und Integration der Mensch, so beispielsweise, wenn dieser etwas vergisst, erscheint es auch nicht im Softwareprogramm. Dazu gibt es auch noch immer kein Bewusstsein in der Maschine und auch keine kybernetisch arbeitenden Computer, die so ähnlich, wie in meinem Traum arbeiten, wie ein soziales Gehirn. Es gibt zwar technische Entwicklungen, aber diese sind meist inkrementell und auch schnittstellenhaft, Legacy-artig fragmentiert und mehr evolutionär als revolutionär. 

Zweitens und das ist noch entscheidender: es gibt noch immer keine Organisationsform, die sich aus den Organisationsformen des 19. Jahrhunderts, der Stabsorganisation, (die aus dem Militärbereich stammt) wie der 20. Jahrhundert klassischen Matrixorganisationsform, völlig herausgelöst haben. Es gibt Updates im Projektmanagement der 1960er Jahre und in Hinblick iterativ testender Agilität vor rund drei Dekaden. Ja. Es gibt operative Exzellenz. Es gibt Management-Innovationen. Ja. Und es gibt auch Management-Moden. Aber bisher gibt es keine Organisationsform, die es uns ermöglicht die massive Komplexität, die auf uns jeden Tag mit Informationsimpulsen einströmt, nahezu verlustfrei zu verarbeiten, noch die Menschen in Systemen später mit den Maschinen so agieren, dass ein Prozess entsteht der energetisch von der ersten Idee zur Invention bis zur Innovation und deren Exekution ein ganzes Unternehmen überlebt!

Und das ist eine wahrlich soziale wie auch wirtschaftliche Katastrophe. Dasjenige Land, dass dies als erstes leisten wird, Menschen wahrlich in eine neue Art und Weise produktiv, motiviert und höchst intelligent strukturiert und organisiert, und diese Potenziale in den -ich nenne das einmal Wertschöpfungsring (anstatt (Wertschöpfungsketten)- fließen lässt, und zwar selbstverständlich wie  Strom aus der Steckdose und dazu zweitens externe Informationen passend internalisiert, dass sie wie ein Gehirn und Gedächtnis eben auch ordnungsbildend musterhaft abrufbar sind und auch funktionieren,  wird als Gewinner aus genau dieser Gleichung der Länder der Erde hervorgehen. 

Erste Orte der Informationsprozesse und einer kollektiven Informationsverarbeitung

Historisch gesehen ist es noch gar nicht so lange her, da herrschte hohe Komplexität nur in Städten. Heute haben wir sie fast überall. Wenn wir einmal ganz weit in die Geschichte der Zeit zurückgehen und die Uhr zurückdrehen, um uns die ersten Informationsprozesssysteme anzusehen, die Menschen in Netzwerktätigkeiten teilten und verbanden, was meinen Sie was das für Tätigkeiten waren (abgesehen von der Landwirtschaft und Viehzucht)? Und wenn wir in die Richtung der kollektiven Informationsaufnahme, Informationsverarbeitung, Informationsspeicherung und der Informationsverwaltung denken, was meinen Sie, an welchem Ort und Institution das geschah?

Um das einmal aufzulösen, herrschte diese Art menschlicher Ko-Operation und soziale Kompetenz nur an ganz wenigen ausgewählten Orten der Welt, um das Wissen der Welt zu teilen, dies hochfrequent umlaufen zu lassen und zwar erneut wie im Gehirn, hierarchisch und distributiv zugleich. Die Antwort also lautet. Die informationsverarbeitenden Systeme und Ur-Formen von Wissensbeständen gab es in den Universalbibliotheken. In den Bibliotheken, wobei das gesammelten, dokumentierte und gespeicherte Wissen von Menschen erst in Form von Schriftrollen und später auch in Büchern vorhanden war. Die Bibliotheken von Alexandria (im 3. Jahrhundert vor Christus) und die Bibliothek von Pergamon (200 v. Chr.) waren die wohl ersten datierten Orte der Kooperation und Kollaboration ihrer Art. Auch später in Rom entstanden Bibliotheken. Aus gutem Grund, so waren Bibliotheken auch immer das Zentrum von Forschungsstätten gelehrter und gebildeter Menschen. Und nicht selten haben Könige selbst gerne die Leitung dazu übernehmen wollen, um an den Quellen des Wissens zu stehen und davon als Erster zu profitieren. So gab es als Quellen hunderttausende von Schriftrollen und die ersten Ordnungssysteme dieser Informationen und Schriften, waren die Katalogisierung der Schriftrollen zwischen den Personen und ihren Prozessen: der Bestandsaufnahme, Bestandsspeicherung und Bestandsverwaltung.   

Klöster als Orte der Komplexitätsverarbeitung

Und auch die Klöster mit ihren Mönchen sind dafür frühe, anschauliche Beispiele. Umberto Eco hat ja mit dem Namen der Rose und dem Labyrinth der Buchbibliothek hierzu ein Zeichen und Denkmal gesetzt. Auch im Spannungsverhältnis zwischen Hierarchie und Denk- und Handlungsfreiheit. Mit Johannes Gutenberg, dem Man of the Millennium unserer Stadt Mainz, hat sich das ebenfalls mit dem Buchdruck beschleunigt, wie auch später in Richtung Turing-Universum millionenweiser Computer, die sich um den Globus verbinden. Eigentlich ist die Bibliothek einer Stadt ein ganz wichtiger und entscheidender Treffpunkt und auch Kulturort, auch der Reputation einer Stadt. Je nachdem, wie das hochgehalten und Kultur und Wissen gepflegt wird, so gibt es in New York herrlich optische Bibliotheken mit den größten Beständen der Welt, während St. Gallen mehr auf Tradition, und Geschichte auch von Klöstern setzt. Heute finden wir Bibliotheken in jeder Stadt. Und informationsverarbeitende Systeme und Strukturen, die Menschen und Maschinen verbinden, finden wir heute nahezu überall auf der Erde.

Komplexitätsdickicht

Und so sehen und bemerken wir auch, dass wie uns heute in einem Komplexitätsdschungel und Komplexitätsdickicht befinden, den wir selbst als Menschen mit den Maschinen und hochgradiger Vernetzungs- und Verkopplungsdichte den Inter-Netzen die letzten Dekaden selbst um uns herum erschaffen haben. Und wie nie zuvor haben die Probleme vor der die Wissenschaft und die menschliche Gesellschaft steht, eine derart beträchtliche Komplexität und Kompliziertheit erreicht. Nie zuvor war es so dringend und relevant nicht nur die Organisation von Märkten, sondern die Organisation von Menschen stärker zu betrachten und auch zu aktiv zu entwickeln. Und die Organisationssysteme von Menschen auf eine innovative effektive und morphogenetische Informationsverarbeitung entsprechend zu erhöhen. Und nur wenigen entwickelten Staaten der Erde wird dies mit Kapital und Kapazität und vor allem Kopf-Kapital vorbehalten sein, damit passend umzugehen und diesen Informationsnexus, den wir in den sozialen Systemen und Gesellschaften erleben, auch entsprechend klug und weitsichtig zu lösen. Waren es früher die USA, Europa und die damalige UDSSR und (auch erstaunlicherweise die DDR, welches auch mit der KPDSU Partei, die Kybernetik neben der Mathematik als oberste Disziplin in ihren Parteiprogrammen für diese Länder und das Wissen hierin benannt wurden, so hat sich das mittlerweile sukzessive auch in weitere Kontinente erweitert.

Kommunismus versus Kapitalismus

Vor allem Repräsentanten der Kybernetik im Sozialismus und des Kommunismus und der damalig angehörigen Sowjetunion und der DDR glaubten daran, technische, soziale und gesellschaftliche Systeme gemeinsam gesamtheitlich zu steuern und zu regeln. Der Kapitalismus war auf der anderen, westlichen Seite zu finden und stand diesem Gedanken eher skeptisch gegenüber. Auch und gerade, weil man wusste, dass Subsysteme und Sub-Operationen von den Gesamtsystemen abgekoppelt waren (also nicht in Staatshand) und damit auch nicht zugänglich und steuerbar waren. Und so hatte nach und nach eher die VWL, die BWL, die Informatik und die EDV anstatt der Kybernetik und der Evolution dazu beigetragen die gesellschaftlichen Systeme zu bearbeiten. Dabei hatten verschiedene Vertreter der Kybernetik eben auch unterschiedlich einstellende Haltungen, was die Steuerung und Regelung von den sozialen Systemen und ihrer Grenzen gehabt. Und vor allem, wie weit das gehen darf. So dachte Stafford Beer, sehr wohl daran ein ganzes Land kybernetisch zu regeln. Und er unterstütze Präsident Allende in einem kommunistischen Land dabei, diese mit dem alten damaligen Cybersyn (=Cybersyntegration) -Verfahren auch zu tun. Dabei sah diese Cybersyn-Zentrale wie das Cockpit eines Science Fiction Raumschiffs a la Star Trek aus. (Bilder dazu im Internet).

Schauen wir auf einen anderen Vertreter der Kybernetik, Norbert Wiener, so stand er der Steuerung und Regelung von ganzen Ländern und Gesellschaften eher skeptisch gegenüber und lehnte dies auch vehement ab. Heute wissen wir, dass beide Systeme nicht die Lösung aller Probleme darstellen, weder der Kommunismus, noch der Kapitalismus, so wie es einst Martin Luther King beschrieb. King schrieb dazu: “Das Lesen von Marx überzeugte mich davon, das weder die Wahrheit im Marxismus, noch im traditionellen Kapitalismus zu finden ist. Beide repräsentieren eine Teilwahrheit. Historisch gesehen übersah der Kapitalismus die Wahrheit gemeinschaftlicher Unternehmen und der Marxismus erkannte nicht die Wahrheit individueller Unternehmen. Der Kapitalismus des 19. Jahrhunderts beachtete die sozialen Aspekte des Lebens nicht und der Marxismus übersah und übersieht, dass das Leben individuell und persönlich ist. Das Königreich Gottes ist weder die These von individuellen Unternehmungen, noch die Antithese von kollektiven Unternehmungen, sondern stellt eine Synthese dar, welche die Wahrheiten beider vereinigt”.

Integration und Synthese als Modell für eine organische Zukunft

Die Frage, die sich dann nach dem Lesen von Martin Luther Kings Text und diesem Abgleich der beiden Gesellschaftsmodelle stellt, ist doch dann auch, wie können wir das vereinigen? Wir können wir das organisch ganzheitlicher fusionieren?

Und dies führt dann neben der K-Frage, also der Komplexitätsfrage zur nächsten hochrelevanten K-Frage, nämlich:

  • erstens wie lösen wir die größte Herausforderung der Menschheit, die Komplexitätsverarbeitung, passend auf?
  • und zweitens welches Gesellschaftsmodell kommt nach dem Kapitalismus?

Nun die Antwort finden Sie tatsächlich in der “Organisation von morgen” den Beiträgen hier, meinen Vorträgen und ich werde in meinem neuen Buch ebenfalls darüber berichten. Ich gebe Ihnen aber gerne einen Tipp: da es ja um Informationsverarbeitung, Mustererkennung und Netzwerkbildung geht, ist die Antwort hier bereits implizit.

Und die Frage ist, wie bekommen wir das zusammen gedacht und nachher auch umgesetzt? Es ist für große entwickelte Gesellschaften ganz normal, dass menschliche und organisatorische Kompetenzen, den Zeiten hinterherlaufen. Nur sollten wir uns jetzt anstrengen und jetzt aufstehen und nach vorne gehen. Zugleich sollten wir Verantwortung für unserer Entscheidungen übernehmen und uns gleichzeitig etwas mehr zurückzuhalten, was das Moralisieren und Belehren anderer Menschen, Länder und Staaten um uns herum angeht. Wir sind auch zu streng mit uns selbst ins Gericht gegangen, und haben vor lauter Geschichte, unsere Zukunft ein wenig aus den Augen verloren. Natürlich ist Geschichte und das Bewusstsein dazu wichtig, aber wir dürfen es mit der Geschichte auch nicht übertreiben, vielmehr gilt Attraktivität und Sinn in Tätigkeiten und Zielen zu gewinnen und auch voranzukommen -gemeinsam in eine lebenswerte Zukunft.

Erich Jantsch schreibt in seinem im Kapitel Evolution and Regulation: “In an time in which mankind is conscious of this power on earth by way of interfering with natural systems and touching forces of life which he now recognize as vital to himself, the need for a sense of purpose and direction is felt more urgently. This need arises in a phase of mutation in which the religious faith underlying most of the existing cultures to not provide consistency. History is no reliable guide across such a mutation-it pertains to the acting out of the belief held by a specific culture. Mankind needs a new conviction for himself, a new faith in his own future and in the validity of what he is doing with so much power.” (Jantsch Erich in: “Design for Evolution”; George Braziler Inc., New York, 1975, S. 33)

Überlegen Sie selbst einmal, wieviel Zeit Sie die Woche investieren, um einerseits Intensität, Attraktivität und Sinn für sich und andere zu gewinnen. Und auf der anderen Seite nach Innovation zu streben. Der amerikanische Philosoph Ralph Waldo Emerson sagte in einer seiner Vorlesungen im 19. Jahrhundert: “Erziele Einmaligkeit; entwickle eine spezielle Kompetenz; schaffe Wettbewerbsvorteil!“ Was tun Sie persönlich jeden Tag, jede Woche und jeden Monat, um in der Zukunft anzukommen und die Zukunft von morgen bereits heute mit neuen Impulsen, Ideen und Innovationen zu verändern? Wie häufig gehen Sie aus dem Haus zu anderen und neuen Themen. Dies kann eine Kunstausstellung, ein neuer Club, eine Raketenbasis einen Formel 1 Rennstall, ein Plasmalabor sein. Wieviel testen Sie aus, wie häufig experimentieren Sie oder machen Prototyping?

Es gilt die Zukunft heute zu erschaffen und mit viel Optimismus und Pioniergeist in die Zukunft zu starten. Daher gilt es hier und heute eine Fackel entzünden, die Licht spendet und die ganze Welt zugleich in ein innovatives Fackelmeer hüllt.

 

 

 

Dominic Blitz erforscht seit Jahren interdisziplinär und intersystemisch den spannenden und spektralen Bereich der Netzwerkprozesse, Netzwerksysteme und Netzwerkstrukturen. Dabei geht es in der Komplexitäts- und Informationsverarbeitung um eine übergreifende Musterbeobachtung, Mustererkennung und Musterbildung mit unterschiedlichen Netzwerksystemen. Er bietet hierzu Vorträge, Workshops und Mandate zum Thema Gehirne und Computer, Biologie, Informatik und der Sozio-Ökonomie an. So sind das Thema Netzwerkprozesssysteme das Thema Nr. 1 für ihn in Richtung Innovation, Evolution, Involution und Emergenz von Menschen und Organisationen in der Arbeit und Gesellschaft. Zu diesen Themen ist er unter: www.innospective.de erreichbar.

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