Was für ein atomarer Wahnsinn

BLOG: Sustain O'Brain

Nachhaltig nachdenken in psychologischen Tiefen
Sustain O'Brain

Seit Jahrzehnten nutzen wir eine Energie, die gefährlich genug ist, um Tausende von Menschen zu töten und Landstriche auf Jahrzehnte zu verwüsten. Wir dachten, wir könnten sie beherrschen – welche Anmaßung, wo wir doch nicht einmal die grundlegenden Dinge wie den Umgang mit dem Müll geklärt haben. Wir dachten, wir könnten Naturgewalten mit unserer tollen Technik etwas entgegensetzen. Nun werden wir eines Besseren belehrt – live, in Echtzeit und Farbe. Die ganze Welt schaut zu, wie japanische Arbeiter in einem schwer beschädigten AKW versuchen, die Menschen in ihrem Land zu retten.

Letzte Nacht gab es die dritte Explosion in vier Tagen. Die Meldungen überschlagen sich: Löcher in den Reaktorwänden, vermutlich kochendes Kühlwasser und ein schweres Nachbeben der Stärke 6,3 (Meldungen der FAZ vom 15.03.2011 ) Was das alles langfristig für Folgen haben wird, kann momentan niemand abschätzen. Aber eins ist sicher: Sie werden verheerend sein.

Welcher Wahn-Sinn treibt Menschen dazu, immer wieder Entscheidungen mit verheerenden Ausmaßen zu treffen und die damit verbundenen Risiken einfach auszublenden? Dabei gibt es Beispiele genug, die zeigen, wie schlecht Menschen darin sind, die Folgen ihres Handelns abzuschätzen, im Großen wie im Kleinen. Angefangen mit der Atomgeschichte selbst: So rechneten die Amerikaner, als sie die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki warfen, zwar mit Explosionsdruck und Hitze, nicht aber mit Strahlungsschäden, die noch heute zu einer erhöhten Anzahl der Krebserkrankungen bei den Überlebenden führen (gefunden hier). Ziemlich bezeichnendes Vorgehen: Wir wissen nicht, was es macht, wir wissen nicht, wie lange es das macht, also probieren wir es aus!

Und der realitätsverdrängende Wahnsinn geht weiter: Dieses Land, was die Folgen einer atomaren Katastrophe buchstäblich am eigenen Leib erfahren hat, betreibt mehr als 50 Atomkraftwerke und das auf stark erdbebengefährdetem Gebiet. Der große Nachbar China zeigt sich zwar beeindruckt von den Geschehnissen in Japan, hält aber am Ausbau seiner Atomkraftwerke fest: "Bis 2015 soll damit begonnen werden, Atomreaktoren mit einer Kapazität von 40 Gigawatt zu bauen. Heute sind 13 Atomreaktoren mit 10,8 Gigawatt in Betrieb. Bis 2020 sollen diese Kapazitäten auf 86 Gigawatt verachtfacht werden. 25 Kernreaktoren sind gegenwärtig im Bau, weitere 50 in konkreter Planung. Darüber hinaus gibt es Vorschläge für 70 weitere Reaktoren. " (Badische Zeitung vom 15.03.2011) Zur Beruhigung sei angemerkt: China will – ganz im Sinne der Nachhaltigkeit – sein Wirtschaftswachstum auf jährlich 7 % drosseln (ebd.). Immerhin.

Die japanische Regierung bat die amerikanische gestern, also am 14.03.2011, um Unterstützung: in Anbetracht der gemeinsamen Geschichte beider Länder ein nachdenkenswertes Detail. Aber à propos Atom-Wahnsinn in Amerika: Da stehen auch an die hundert Atomkraftwerke und einige in Kalifornien gefährlich nah an der San-Andreas-Spalte. Geologen schätzen die Wahrscheinlichkeit eines "sehr zerstörerischen Erdbebens" bis zum Jahr 2032 auf 99,7 Prozent (Der Spiegel vom 15.03.2011) Weil das nicht genug des Wahnsinns ist, erklären Seismologen und Risikoforscher, wie wenig die Vereinigten Staaten im Vergleich zu Japan auf solche Ereignisse vorbereitet sind, eine Meisterleistung in Verdrängung. Wenn das, was in Japan gerade passiert, das Ergebnis einer guten Vorbereitung ist, wie sieht das Ganze dann in den USA aus??? Doch auch hier gibt es beruhigende Nachrichten: Die Behörden geben wohlgemeinte Ratschläge und fordern die Bewohner von Los Angeles auf, sich eine "Erdbeben-Ausrüstung" zuzulegen – "Wasser, Lebensmittel, Bargeld". (Der Spiegel, ebd.) Das erinnert an Volksverdummung.

Womit wir bei dem Wahnsinn der innerdeutschen Politik wären. Nun sollen also alle AKWs, die vor 1980 gebaut wurden, abgeschaltet werden (Die Zeit online vom 15.03.2011) Oh nein, Abschalten ist das falsche Wort, ein Moratorium für drei Monate soll es sein und natürlich ist es reiner Zufall, dass in diesen drei Monaten fünf (!) Wahlen anstehen. Eine davon wird in Baden-Württemberg stattfinden, wo sich zufälligerweise das zweitälteste AKW Deutschlands befindet und die Landesregierung schon seit einiger Zeit mit aufmüpfigen Bahnhofsgegnern zu kämpfen hat. Vor einem halben Jahr waren diese alten Meiler noch so weit in Ordnung, dass man ziemlich ungeprüft ihre Laufzeit um mindestens acht Jahre verlängern konnte. 

Dann kauft der Ministerpräsident von Baden-Württemberg die Anteile an EnBW zurück, was durchaus sein eigenes Geschmäckle hat. Und nun ist plötzlich alles ganz anders und wird flugs genau umgedreht gemacht. Wer soll denn da noch irgendetwas glauben von dem, was diese Leute erzählen?

Mir stellt sich noch eine andere Frage: Auch wenn ich die Laufzeitverlängerung als eine absolute Frechheit gesehen habe, kann ich mir nicht vorstellen, dass es vertragsrechtlich jetzt ohne Schwierigkeiten möglich sein soll, die Laufzeiten mal eben wieder umzudrehen und damit der Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg so einfach über die Bühne geht. Immerhin gilt in unserem Land auch noch so etwas wie Rechtssicherheit. Das ist doch Kokolores. Falls jemand Genaueres zur Rechtslage weiß, wäre ich für Aufklärung dankbar.

Ansonsten halte ich es jetzt mit Stephane Hessel, dessen kleines aber feines Büchlein gerade auf meinem Schreibtisch liegt:

EMPÖRT EUCH!

Veröffentlicht von

Simone D. Wiedenhöft - Diplom-Psychologin, Beraterin für Kommunikation in nachhaltiger Form und bald auch Doktorandin zum Thema - interessiert sich gemeinhin für das, was Menschen umtreibt und dazu und vor allem für das, was Menschen wachsen lässt. Hier denkt sie nachhaltig nach über alles, was im Entferntesten mit Nachhaltigkeit zu tun hat, und findet die Psychologie der kleinen und großen Dinge viel zu spannend, um sie dabei links liegen lassen zu können. Kontakt: sustain.o.brain (at) lern.ag

79 Kommentare

  1. Eine kleine Nachfrage

    Sehr geehrte Frau Wiedenhöft,

    ich respektiere Ihre Meinung zu dem unkalkulierbaren Risiken bezüglich der Atomkraft und geben Ihnen zumindest zum Teil recht. Denn wo bleibt Ihre Empörung zu den unabsehrbaren Folgen des Verbrauchs von fossilen Energien in unserem Land? Immerhin über 50% entfallen auf Kohle und Gas. Welche Auswirkungen wird das langfristig auf unser Klima haben? Wo bleibt Ihre Empörung wenn absehbar ist, dass es in ein paar Jahrzehnten bestimmte Staaten nicht mehr gibt, weil sie schlicht und ergreifend abgesoffen sind? Eine schleichende Katastrophe halt.
    Wo bleiben Ihre Alternativen um diesen beiden Energieformen (Fossil und Kernspaltung) effektiv zu ersetzen? (und nein, Wind und Sonne können die *Grundlast* nicht abdecken) Sind bereit ad hoc auf ca 75% Ihres jetzigen Energiestandards zu verzichten? Damit meine ich nicht nur, dass Sie Energiesparlampen bei sich einbauen, sondern ebenso bei industriellen und landwirtschaftlichen Produkten Verzicht üben, die ja wohl den größten Teil der Energieverbrauchs darstellen. Ist die Gesellschaft, sind Sie bereit, sich auf einen Lebensstandard zurück zu schrauben, der dem vor 80-100 Jahren entspricht?
    Solange Sie Ihr Leben nicht auf 25% Ihres jetzigen Standards reduzieren, wirkt Ihre Empörung eher heuchlerisch.
    Ihre Angst und Ihre Meinung akzeptiere und respektiere ich, aber nicht Empörung.
    Mit freundlichen Grüßen

  2. Japan ohne AKW und ohne Öl, Gas, Kohle

    Empörung ist für energiehungrige Länder keine Lösung.
    Japan hat bewusst auf AKW’s gesetzt um der als bedrohlich empfundenen Abhängigkeit von zu 100% importierten fossilen Rohstoffen zu entkommen.

    Wenn Japan sich von der Atomenergie verabschiedet werden fast sicher wieder mehr importiertes Öl, mehr importierte Kohle und mehr importieres Gas zum Einsatz kommen.

    Die Alternativen wie Wind und Sonne sind für Japan nicht sehr attraktiv. Das Windpotential in Japan ist klein – jedenfalls viel kleiner als in China, das sich mit Windenergie allein versorgen könnte. Strom vor allem aus Solarpanels zu gewinnen kommt für Japan’s exportorientierte Industrie auch nicht in Frage, denn die Kosten wären zu hoch um konkurrenzfähig zu bleiben.

    Und Japan ist nicht das einzige Land mit ähnlichen Problemen.

  3. “Seit Jahrzehnten nutzen wir eine Energie, die gefährlich genug ist, um Tausende von Menschen zu töten und Landstriche auf Jahrzehnte zu verwüsten. Wir dachten, wir könnten sie beherrschen – welche Anmaßung,…”

    Da fällt mir doch glatt die Wasserkraft ein.
    Nicht nur wegen Tsunamis, aber die passen auch super auf das Zitat.

    http://www.zeit.de/online/2009/34/russland-tote-bei-unfall-in-wasserkraftwerk

    Hier gibts Bilder:
    http://rian.ru/photolents/20090817/181250571.html

    Die Umweltauswirkungen konnte man beim Assuan-Staudamm “bewundern”. Auch der Drei-Schluchten-Damm hat quasi Vorbildfunktion. Umsiedlungen und Kulturgutszerstörung inklusive.

    Was passiert, falls Daemme aufgrund eines Erdbeben brechen? (“Unwahrscheinlich, aber unter bestimmten Bedingungen möglich”, siehe http://www.brainlogs.de/blogs/blog/nette-an-steve/2011-03-15/der-soziale-super-gau)

    Kommt dann diese Frage auch:
    “Welcher Wahn-Sinn treibt Menschen dazu, immer wieder Entscheidungen mit verheerenden Ausmaßen zu treffen und die damit verbundenen Risiken einfach auszublenden?”

    Das alles ist Teil einer Riskoabwaegung. Wobei genau das das grausame daran ist.

    Gleiches gilt für Kernkraft. Und je nachdem was einem wichtiger ist, wird das ein oder andere eben vorgezogen.

    Ich weiß, es ist schon irgendwie polemisch… dummerweise mit einem serh wahren Kern. Man muss es sich goennen, mal darüber nachzudenken.

  4. @benny

    Warum sollte man den Lebensstandard senken, um die Umwelt zu schützen?
    Wir sind hier in einem Scienceblog, oder etwa nicht?
    http://www.pianosolo.net/de/eco-disco-%E2%80%93-clean-energy-in-the-discotheque/
    Man stelle sich das mal Großflächig vor, in Großstädten oder gar Autobahnen..
    Algen sind jetzt schon Bioproduzenten, und wenn sie noch effektiver werden, kann man das CO² von den Algen, oder anderen Cyanobakterien in viele verschiedene Produkte umwandeln.
    Biogas, Biosprit, anderen Kohlenwasserstopfe..
    CO² kann uns helfen, unabhängiger vom Öl zu werden..
    Biosolarerfolge, “Biopetrochemie” usw usf
    Anstelle an einer Technik festzuhalten, sollten man nach Alternativen Forschen..
    Bps:
    http://www.energie-experimente.de/experiment05.html

  5. Windkraft @Martin Holzherr

    “Die Alternativen wie Wind und Sonne sind für Japan nicht sehr attraktiv. Das Windpotential in Japan ist klein…”

    Dazu schreibt die “ZEIT-ONLINE”: “Mika Ohbayashi von der Internationalen erneuerbaren-Energieagentur (Irena) weist jedoch auf das große Potenzial für die Windkraft hin. Einer Studie des Energiekonzerns Tokyo Electric Power Company (Tepco) und der Universität Tokio zufolge könnte Japan 30 Prozent seines Strombedarfs mit Windkraft decken. “Die Diskussion über die Windkraft ist eine politische Diskussion, keine technische”, sagt Ohbayashi.”

    Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/2011-03/alternative-energien-japan

  6. @Mona zur Windkraft

    Japan hat ein grosses offshore-Windpotential. Offshore: das ist dort wo die Tsunamis wüten.
    Der Global Wind Energy Council (siehe http://www.gwec.net/index.php?id=123 ) schreibt dazu:
    “Firstly, severe weather conditions are constraining growth of the Japanese wind market. The country has a history of severe weather, including typhoons blowing down turbines, lightning incidents, strong gusts and high turbulence. A number of turbines were severely damaged in 2004 and in 2007. Therefore, a safety standard designed for Japanese meteorological and geographical conditions is being developed to provide technical measures against typhoons and lightning strikes and to help future wind turbine development”

  7. Beschädigte Windanlagen @Martin Holzherr

    Naja, dafür wurden jetzt die Kernkraftwerke schwer beschädigt. Ist das besser?

  8. Windkraft

    Ich sehe kein Problem darin, wenn Japan sein Offshore-Potential voll ausbaut. Jede küstennahe Infrastruktur ist irgendwie tsunamigefährdet. Aber anders als Raffinerien oder AKWs hinterlassen kaputte Windkrafträder nur… ein paar Trümmer.

    Mal davon abgesehen, wäre es interessant, wie tsunamigefährdet Windräder sind, die in ausreichender Wassertiefe vor der Küste verankert werden. Denn auf hoher See sind Tsunamiwellen ja relativ harmlos.

  9. Wasser und die Grundlast

    Die Kommentatoren Benny und Kamland haben meine wichtigsten Argumente schon vorweg genommen, dennoch auch meinen Senf dazu.

    In den letzten 50 Jahren starben mehr als 100.000 Menschen durch Unfälle in Anlagen zur Stromerzeugung aus Wasserkraft. Dass hingegen die Kernkraft sehr wohl beherrschbar ist, zeigt die Tatsache, dass aktuell keine größeren Opfer zu beklagen sind und auch der Unfall “lediglich” eine INES 4 Stufe hat. Hierzu empfehle ich mal den Artikel “Risiken der Technik” auf meinem Blog, da hab ich vor allem die beiden Formen (Wasser und Kernkraft) mal gegenübergestellt.

    Des Weiteren ist es natürlich einfach zu fordern, dass die Kraftwerke abgeschaltet werden müssen, aber eine Alternative um diese zu ersetzen und die wichtige Grundlast zu decken, die haben dann solche Menschen nicht. Auch hier ein Lesetipp: “Brauchen wir wirklich noch die Kernkraft?” Ebenfalls auf meinem Blog zu finden.

    Last but not least: ich arbeite als Physiker schon länger in der Endlagerforschung und kann Ihnen versichern, sie ist rein technisch machbar wird aber leider durch ewiges Diskutieren und Polemisieren verschoben. Auch hierzu habe ich da was geschrieben. Vielleicht mögen Sie sich ja mal schlau machen wollen.

    Beste Grüße,
    der Jan

  10. Brain ohne Logos

    Sehr geehrte Frau Wiedenhöft,

    danke für diesen Beitrag. Leider durchaus ungewöhnlich auf den brainlogs – das zeigt auch mancher Kommentar der Leser, die hier anderes gewohnt sind.

    Solange Wissenschaftler kein “ethisches Moment” (Klugheit) umtreibt, wird die Wissenschaft selbst zu einem Spielplatz, auf dem (durchaus) Minderbegabte mit akademischen Titeln sich am großen Spiel der Schöpfung auf Teufel, komm raus!, vulgo Büchse, öffne Dich! beteiligen dürfen.

  11. INES 4 ist INES 6!

    “Das Geschehen sei mit Stufe 6 von 7 zu bewerten, teilte der Präsident der Behörde, André-Claude Lacoste, in Paris mit.”
    http://blog.zeit.de/newsblog/2011/03/15/tag-5-nach-dem-beben/

    Aber, der Jan, wahrscheinlich hat der Mann keine Ahnung. Und also in Wirklichkeit, angesichts der “rein technischen Machbarkeit”, ist das Problem in Japan erst durch das dumme ewige “Diskutieren und Polemisieren” entstanden. Solche logischen Konstrukte lobe ich mir.

  12. neugier versus angst

    simone,
    die neugier des menschen ist wohl ein wesentliches agens des forschers.
    und ich denke, neugier ist eine evolutive konsequenz unserer mentalen verfasstheit: wir können gar nicht nicht-neugierig und nicht-experimentell sein.

    das soll falsche entscheidungen nicht rechtfertigen, sie bleiben falsch – und die klügeren geschöpfe der spezies homo sapiens werden aus schaden durchaus klüger.

    ich persönlich wusste bislang noch nicht, dass ein akw bei totalstromausfall unsteuerbar wird. das ist natürlich ein konstruktionstechnisches unding – wo es doch sonst genügt, “den stecker zu ziehen”. noch verfügen die kraftwerke nicht über roboterpersonal, die direkt (und damit “manuell”) eingreifen könnten … so dass aktuell die verantwortlichen eben die biege machen, wenn es brenzlig wird.
    mir sagt das – ohne irgendwelche eingehendere bildung in sachen kerntechnik zu haben – eigentlich nur, dass diese kraftwerke falsch organisiert und eventuell auch “zu groß” sind. nicht die technologie an sich ist unsicher, sondern ihre art der anwendung.
    wenn man sich als mensch seiner “hände” beraubt … dann bleibt im krisenfall fast nur noch die rolle des zuschauers.

    das, was nun schon vergangen ist oder gerade unaufhaltsam geschieht, kann uns nur lehre sein für die zukunft – aber das sollte es auch.
    auch in anderen technischen disziplinen.

    zu tschernobyl-zeiten sprach man von “warnkatastrophen”.
    es ist wichtig, courage zu zeigen und fragen zu stellen, wenn man etwas nicht versteht oder unlogisch findet.

    im übrigen:
    25% strom kann deutschland und jeder einzelne sicherlich sparen. und er wird es auch tun, wenn seine “angst” nur groß genug wird.
    und: angst ist nichts negatives, nicht nur etwas für “weicheier” … auch sie ist, beinahe als antagonist der neugier, ein teil unserer evolutionären grundausstattung. es ist hin und wieder gar nicht so verkehrt, auch auf deren argumente zu hören 😉

    liebe grüße ins rund
    t.

  13. Grundlast

    Die Grundlast läßt sich locker über Kohle, Gas, Wasserkraft und Geothermie abdecken..
    CO² ist nur für die ein Problem, die von Chemie, und/oder Biochemie keine Ahnung haben.
    CO² ist der Grundbaustein der Photosynthese, sowie der kompletten Modernen Zivilisation.
    Öl ist nichts weiter, als ein hochkomplexe Verbindung aus Kohlenwasserstoffen, die dann aufgespalten wird, und dann als Grundstock für die Chemische Industrie dient.
    Also anstelle Öl zu nutzen, kann man das CO² aus Kohlekraftwerken direkten Grundstock für die Chemische Industrie nutzen.
    Ansätze sind Weiße Biotechnologie, oder auch die Biopetrochemie.
    in den 30iger hat man sogar über Kohleverflüssigung aus Kohle Treibstoff hergestellt.
    Ölembargo macht halt erfinderisch..
    So läßt sich über solche Dinge auch ein eigner CO²-kreislauf herstellen, ohne das viel in die Atmosphere gelangt..
    Von der “Grundlastproblematik” mal abgesehen, wofür es absolut keine Kernkraft brauch..

  14. Scilogs live

    Ich weiß im Moment wirklich nicht, was ich an den Blogs aus den Laberfächern, äh, ich meinte natürlich dem geisteswissenschaftlichen Umfeld, ärgerlicher finde.

    Die einen tun so, als fände nicht gerade eine Katastrophe statt, die Tausende Menschen das Leben und Hunderttausende die Existenz gekostet hat, und plappern munter weiter vom Beitrag der Philosophen für die Wissenschaft, vom Dialog zwischen Islam und Christentum auf Augenhöhe, vom Menschen als Ebenbild Gottes und von anderen momentan furchtbar relevanten Dingen (Gut Leute, ihr habt eure Prioritäten, ich habe andere, und ich maße mir gewiss nicht an, eure verstehen zu wollen).

    Und nun dieses Gestammel hier, wo wirklich gar nicht steht außer Platitüden und altbekannten Sachen, wie man sie schon seit Tagen überall hört und liest und in dem offenbar auslotet werden soll, wie oft man das Wort “Wahnsinn” wiederholen kann, bevor es langweilt. Oder steckte etwas anderes dahinter?

    Es muss doch einen gesunden Mittelweg geben gegenüber komplettem Ignorieren und zwanghaften Betroffenheitsfloskeln. Etwas, das weiter bringt.

    So bringt man keinen dazu, sich zu empören.

  15. Neugier

    Tolya,
    die Neugier des Menschen ist sicher DAS wesentliche Agens des Forschers. Es macht große Freude, die Dinge zu entdecken, und es ist aufregend, unbekannte Wege zu gehen. Neuland entdecken.

    In der sog. Wissenschaft geht es dabei zunehmend um Quadratmillimeter, und der Aufwand wächst umgekehrt proportional, s.a. LHC; die Spezialisierung der einzelnen Disziplinen führt dabei zu einem Verlust der Einordnung in das Ganze: wie sind, außerhalb möglicher, singulärer technologischer Nutzbarkeit, meine Forschungsergebnisse einzuordnen – in einen Erkenntnisprozeß?

    Oder sollte es vielleicht den meisten “Wissenschaftlern” schon längst nicht mehr um Erkenntnis gehen? Diese Frage ist schon in der Aufklärung kritisch gestellt worden, und das ist jetzt 250 Jahre her, ohne, daß wir heute einen Reifeprozeß feststellen können.

    “… es ist wichtig, courage zu zeigen und fragen zu stellen, wenn man etwas nicht versteht oder unlogisch findet.”

    Courage ist leider keine wissenschaftliche Diziplin.

  16. @mathias

    Wenn ich Fr. Wiedenhöft richtig verstanden habe, ist das ein Appell: “jetzt und sofort raus” aus der Energiegewinnung durch Atomspaltung. Ich stellte zur Diskussion, dass dann aus den gleichen Gründen der Ausstieg aus der fossilen Energiegewinnung auch sofort durchführen sollte.
    Wenn also die verfügbare Energie ad hoc um ca. 75% reduziert wird, wodurch soll das dann AD HOC aufgefangen werden? Das war und ist meine entscheidende Frage gewesen, nicht mehr nicht weniger.
    Und mit Verlaub, ich will nicht zynisch werden, aber wir werden das Problem nicht lösen, in dem wir jetzt alle in die Disco gehen…
    Alle von Ihnen genannten Verfahren sind in der Entwicklung, im Versuchsstadium und noch nicht ausgereift.
    Es steht ausser Frage, dass die Forschung uns weiter bringen muss, dass wir von Kernspaltung und fossilen Energien unabhängig werden. Etwas gegenteiligen habe ich nie behauptet. Aber die Zeit ist noch nicht reif dafür. Und bis dahin mathias?

    Sind die von Ihnen genannten Verfahren denn auch in ökologisch und gesellschaftlicher Hinsicht durchdacht? Kann es nicht sein, dass wir hier vielleicht den Teufel mit dem Belzebub austreiben und uns von einer Technologie abhängig machen könnten, die uns in Jahrezehnten dann das Genick bricht, wie die die “Atomkraft” im Moment Japan?
    Wie sieht denn die z.B. die “Ökobilanz” von Photovoltaik-Anlagen aus? Enthalten die nicht jede Menge Schwermetalle und müssen auswendig entsorgt werden?

  17. @herr khan,

    gell, Sie meinen das “nur konstruktiv” mit klassifikationen wie gestammel und den ‘platitüden’ … (letztere das nächste mal bitte mit doppel-t, bitte,
    danke sehr 😉

  18. @tolya:
    AUF 25% nicht UM 25%. Und es geht nicht um Angst, sondern um die “Empörung”.

    @mathias’s “Grundlast”:
    Hä? Also wir haben hier kein CO2 Problem, sondern nur doofe Wissenschaftler, die von “Weißer Biotechnologie” etc. keine Ahnung haben? Und die Algen wandeln sich energiefrei in Öl um? mathia’s, Sie haben endlich das Perpetuum Mobile erfunden. Auweia.

  19. Endlager, Abschaltung und Windkraft

    Es gibt keinen Grund, ausfaellig zu werden.

    Welche INES Stufe die Vorkommnisse haben, ist momentan vollkommen irrelevant und kann erst irgendwann spaeter vernuenftig entschieden werden.
    Trotzdem bin auch ich der Ansicht, dass 4 zu tief gegriffen sein wird.

    Was die Erforschung von Endlagern betrifft:
    Selbst wenn wir, wenn es die aktuelle Politik beschlossen haette, alle Reaktoren abschalten wuerden, das Endlagerproblem bleibt. Vergangene Generation haben uns dazu gezwungen dass wir uns damit beschaeftigen muessen und dann sollten wir es auch mit aller gebotener Sachlichkeit tun.
    Leider haben wir in Deutschland bewiesen, dass wir im politischen Diskurs nicht reif genug sind, die Auswahl von Gorleben war ja sehr zweifelhaft und aller Wahrscheinlichkeit nach unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten nicht sinnvoll.

    Da wir das Problem nun aber schon haben, muessen wir forschen und koennen es uns nicht leisten, da Gelder zu kuerzen.
    Auch wenn es weh tut, wir als Gesamtgesellschaft muessen da durch. Von allein loesen wird sich das Problem nicht.

    Abgesehen davon:
    Eine komplette Abschaltung aller kerntechnischen Anlagen wuerde z.B. schwer den Krebspatienten zu erklaeren sein, die kurzlebige Radionuklide fuer Diagnose (PET) und Therapie benoetigen. Oder wollen wir diese uebergehen?
    Auch fuer schwach- und mittelradioaktiven Abfall aus Medizinzentren, egal ob Radionuklide oder Beschleuniger, braucht man Endlager. Vor diesem Aspekt sollte auch niemand die Augen verschliessen.

    Was Studien zur Energieversorgung angeht:
    Ideologiefreie Zahlen zu bekommen scheint quasi unmoeglich. Dummerweise wuerden wir genau das brauchen, um wirklich eine zukunftsfaehige Entscheidung treffen zu koennen.
    Auch gehen Umweltschuetzer gegen Offshore-Windanlagen vor, auch nicht ohne Grund.

    Wir alle muessen uns die Frage beantworten, was wir wollen und zu welchem Preis.
    Mal wieder eine Abwaegung… Risiko, Lebensraum, Kosten (wir wollen ja alle Energie moeglichst billig, nicht wahr!?) u.v.a.m.

  20. @Benny

    Der CO² Kreislauf ist perse schon ein natürliches, und Dynamisches System…

    http://www.bio-pro.de/magazin/thema/05073/index.html?lang=de
    http://www.freitag.de/wissen/1110-von-der-plage-zum-retter
    http://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fe_Biotechnologie
    http://www.bmbf.de/pub/weisse_biotechnologie.pdf
    http://www.basf.com/group/corporate/de/innovations/research-verbund/growth-clusters/white-biotechnology
    http://www.umwelt.nrw.de/umwelt/bio_gentechnik/indust_bio/index.php
    und wir sind da erst voll am Anfang, unserer Möglichkeiten…
    Viel von dem, was die Natur seid Jahrmillionen tut, haben wir noch garnicht erforscht. Kommt dann noch Gentechnik hinzu, will man über die Möglichkeiten nicht mal nachdenken..

  21. Khan beim ZDF

    Bald gibt es beim ZDF die Sendung “Herr Khan erklärt die Welt”. In einer solchen Wissenschaftslehrstunde wird nicht “gelabert”, denn Ingenieure labern nicht. Herr Khan ist immer wohlinformiert, weiß alles besser, er kann alles erklären. Emotionen sind Ingenieuren wie ihm fremd. Igitt, Emotionen, so was Unberechenbares!

  22. @mathias

    Gern wiederhole ich mich:
    Es geht um das JETZT und HIER, welches die Autorin anspricht und geändert haben möchte.
    Sie sprechen vom “Anfang der Möglichkeiten” und Zukunt. Erklären Sie doch bitte den hier Anwesenden wie Sie JETZT die 75% der Energie herzaubern können wenn AKW’s und fossile Kraftwerke vom Netz gehen. Das ist doch der Punkt.

  23. @benny

    In Amerika, und brasilien wird im Hier und Jetzt schon aus den Abgasen von Kohlekraftwerken mit hilfe von Algen in größeren massstab Biosprit hergestellt..
    Testanlage läuft übrigens schon auch in hamburg.
    Mit Investionen lassen sich da ziemliche viele Kohle und Gaskraftwerke umrüsten..weitere Forschungsergebnisse
    aus Singapur von 2009…
    http://www.wissenschaft-aktuell.de/artikel/CO2_zu_Biosprit__direkte_Umwandlung_bei_Raumtemperatur1771015585945.html
    Also was wollen sie hier eigentlich nun die ganze Zeit..
    Das solche Kreislaufsysteme besser sind, als AKWs, dürfte einleuchten, und die Schritte, mit dennen man da voran kommt, sind beachtlich…
    AKWs sind ein Auslaufmodel..

  24. Eponentielles Wachstum

    @Benny, obwohl nicht angesprochen, möchte ich zu folgendem Punkt etwas ausführen:

    “Erklären Sie doch bitte den hier Anwesenden wie Sie JETZT die 75% der Energie herzaubern können wenn AKW’s und fossile Kraftwerke vom Netz gehen. Das ist doch der Punkt.”

    Wenn das der Punkt ist, bedeutet das aus Ihrer Sicht, daß, wider besseres Wissen, ein geradezu absurder point of no return herbeigeführt worden ist, der es gewissermaßen ausschließt, daß Energie”erzeugung” auch ohne die immanente Gefahr der dauerhaften Zerstörung der eigentlichen Lebensgrundlagen stattfinden kann? Daß wir quasi verurteilt sind, so weiterzumachen, mit allen folgerichtigen Konsequenzen, weil es sonst nicht “weiter” ginge?

    Aber wohin wollen wir denn eigentlich? Wohin soll dauerhaftes Wachstum führen? Wie soll ein endliches System das überhaupt theoretisch verkraften?

  25. Logik

    @Tolya

    “… aber logik schon!”

    Das sagen Sie so. Und eigentlich stimmt es auch.

    Jedoch gilt auch für Logik ein Lokalitätsprinzip. “Pure Logik” ist nicht global anwendbar auf Systeme, die zwar in ihrer Zusamensetzung prinzipiell logisch funktionieren (deterministisch sind), aber mit wachsender Größe ihre eigene Logik entwickeln, die schließlich zur Phänomenolgie (sei sie auch explosiv) wird und nicht mehr allein aus logischen nuclei hergeleitet werden kann. Komplexe Systeme sind ja keine linearen Superpositionen der Beteiligten.

    Und so ist statt Wissen vielmehr Intelligenz gefragt. Davon gibt es offenbar zuwenig, und gäbe es auch 1 Mrd. promovierter Physiker. Btw., auch Fr. Merkel ist promovierte Physikerin. Wenn das nicht Bände spricht.

  26. @eoff:
    Ja genau, so sieht es leider aus. Die Frage ist mit welchen Konsequenzen wir leben wollen. Dem Riskio, das wir im Moment in Japan erleben oder wollen wir wir uns – überspitzt gesagt in die “Steinzeit” zurückschießen. Ich sehe die Vernunft ehrlich gesagt weder bei den Industrieländern, noch bei den Schwellenländer oder Entwicklungsländern, dass “man” sich herunterfährt (und die AKW’s). Wir wollen unseren Komfort nicht aufgeben, die anderen Nationen wollen unseren Komfortstandard erreichen.

    @mathias:
    Was ich will? Das Sie hier deutlich machen, dass es marktreife Produkte gibt, die den Energiehunger der Welt soweit stillen, dass wir auf AKW’s und fossile Energiegewinnung verzichten können. Ich darf sie hier zitieren:

    “in größeren massstab…”
    “Testanlage”…
    “Forschungsergebnisse
    aus Singapur von 2009…”

    Also das war noch nichts… Wenn wir auf diese Energieerzeugung verichten wollen (und in baldiger Zukunft auch müssen), dann müssen wir forschen. Nur bis dahin geht es nicht ohne. Sind wir uns wenigstens in diesem Punkt einig mathias?

  27. @Heide Noll

    Liebe Frau Noll,

    Vielen Dank, dass Sie mir bestätigen, dass meine Artikel sich inhaltlich und formal von diesem unterscheiden. Offenbar mache ich doch etwas richtig.

  28. Endlagerung

    Kamland hatte es schon gut auf den Punkt gebracht: der Müll ist da und um den müssen wir uns kümmern. Bleiben wir noch bei der Kernkraft bis wir eines Tages den Umstieg geschafft haben, so wird der Berg etwas größer, die Endlagerung bleibt aber machbar. Daran ändern auch polemische Kommentare nichts.

  29. Benny, ihre Verqiekung von AKWs, und anderen herkömmlichen Kraftwerken, ist doch wohl langsam ein Witz, oder?
    Was hat ein AKW freies Deutschland, was jederzeit möglich wäre, mit den anderen Kraftwerksformen zu tun, und das wir uns in die Steinzeit zurück bringen, wenn wir auf AKWs verzichten?
    Hören sie doch mit dem Blödsinn dieser Verqiekung auf.
    Alle anderen kraftwerkstypen kann man jeder Zeit herunterfahren, ausschalten, oder eben umrüsten..
    AKWs fliegen uns im Wahrsten Sinn des Wörtes um die Ohren, und stellen grade mal 25 % unseres Energiemix dar.
    Für eine Grundlast ist sie ebenfalls nicht nötig..

  30. Grundlast

    @mathias

    Die Grundlast in Deutschland wird zu 49% aus der Kohle, zu 6% aus Laufwasser und zu 45% aus der Kernkraft bereitgestellt. Das heisst dass rund 18 GW Strom rund um die Uhr aus den kerntechnischen Anlagen kommt. Stellt man die ab müssen diese 18 GW irgendwie ersetzt werden. Ansonsten wird es duster in Deutschland. Und das ist eben der Punkt. Hierzu empfehle ich den Artikel unter http://www.kerngedanken.de/?p=120

  31. @JanG

    “Die Endlagerung bleibt aber machbar. Daran ändern auch polemische Kommentare nichts.”

    Wie bitte? Polemik? Sichere, jahrtausende währende End-Lagerung ist eine Fiktion, unseriös und in keiner Weise machbar. Asse II also auch nur eine Randerscheinung?

    Gut, die Bedingungen, unter denen Endlagerung machbar ist, die gibt es, zweifellos. Sie sind aber abstrakt und rein theoretischer Natur.

    Tatsächlich aber ist “sichere Endlagerung” ein, ganz unpolemisch, unwissenschaftliches, geradezu dummdreistes Gedankenexperiment, mehr nicht.

  32. nochmal zur Endlagerung

    In den Salzstöcken wurden Wassereinschlüsse gefunden die bis zu 230 Mio Jahre lang von der Biosphäre abgeschlossen waren (obwohl in der Zwischenzeit Pangäa entstand und verging, ein dutzend Eiszeiten über diese Stöcke rollte und die Alpen entstanden). Die Chance, eine solche Blase künstlich zu schaffen ist auf jeden Fall machbar.

    Und bitte nicht immer mit der Asse kommen. Diese ist ein ehem. Bergwerk und wurde bis an die Nebengebirge abgebaut. Nach den Kriterien des AkEnd aber muss ein Endlager min. 100 Meter Abstand zum Nebengebirge haben. Die Asse erfüllt damit die Bedingungen nicht.

    Leider ist das Kommentarfeld hier begrenzt, ich möchte daher auf zwei Texte verweisen wo ich diese Sachverhalte ausführlicher beschreiben konnte:

    zur Endlagerung: http://www.kerngedanken.de/?p=18

    zur Asse: http://www.kerngedanken.de/?p=225

  33. @mathias:
    Ein sinnvolles *jetzt* anwendbares Konzept können Sie anscheinend nicht vorbringen. Es steht Ihnen frei die oben erwähnten 18 GW auf Blockkraftwerke umzulegen.

    Und nö Witze mach ich eigentlich nicht, denn Sie werden der erste sein, der menschenkettend bildend vor der nächsten Kamera heulen wird, dass er nicht mehr auf den Malediven urlauben kann, weil der CO2 Ausstoß die Erderwärmung ein wenig zu sehr befeuert hat.
    Aber ernsthaft: Wir haben ein Energieproblem – weltweit; viele Optionen bleiben uns nicht. In diese Überlegungen muss der Verzicht auf AKW’s genauso fallen wie der Verzicht auf fossile Energieträger, daher ist die Verquickung durchaus gerechtfertigt.
    Ich muss Sie vielmehr fragen, warum Sie die CO2 Betrachtung und fossilen Energieträger so gnadenlos zu ignorieren versuchen? Achja, die Algen…

  34. In anbetracht der Tatsache, dass unsere Mutti grade, 8 der 18 GW mal kurz vom Netz genommen hat, muss mal die Frage gestattet sein, ob die 8 AKW überhaupt für die Grundlast braucht wurden..den was man 3 Monate nicht brauch, dass brauch man auch so nicht..
    Aber solche Nebensächlichkeiten fallen dann auch schon nicht mehr ins Gewicht 😉

  35. @Benny:

    Sie werden es nicht glauben wie schnell man entsprechende Kapazitäten aufbauen kann.
    Mein landkreis hat jetzt schon 50% seines Energiebedarfs aus EE, und das innerhalb von nur 4 Jahren geschafft.
    Land Brandenburg hat 2009 laut ihrem Portal
    http://www.mugv.brandenburg.de/cms/detail.php/170959
    “Bis zum Jahr 2020 soll der Anteil erneuerbarer Energien am Primärenergiebedarf 20 Prozent (Ziel: 120 PJ bzw. 33,3 TWh) betragen. Bereits 2009 wurden im Land ca. 11,7 TWh Strom aus Erneuerbaren Energieträgern erzeugt, wobei große Strommengen (ca. 2 TWh) auch durch die Mitverbrennung von Biomassen in konventionellen Anlagen entstehen. Zum Vergleich: Im Jahr 2009 wurden krisenbedingt nur 13,8 TWh Strom im Land Brandenburg verbraucht. Im Mittel der letzten fünf Jahre liegt der Stromverbrauch von Industrie, Gewerbe, Dienstleistung und den Haushalten bei 14,5 TWh.”
    Wenn Brandenburg nur seinen Eigenen Strom erzeugen wollte, wäre es jetzt schon möglich fast nur aus EE zu nutzen, aber Brandenburg war immer ein Energieexpoteur..
    Und dann soll es für Deutschland nicht möglich sein?

  36. Ok und auf die letzte Frage zu antworten:

    Deutschland: Vielleicht, denn das Fraunhofer Institut hält es lt. Studie für möglich die Grundlast in Deutschland bis 2020 zu 50% durch EE zu decken.

    Weltweit: Nein

    Sie antworten auch nur worauf und wie Sie lustig sind, da ist keine vernünftige Diskussion möglich, von daher und tschüss..

  37. Energiebedarf

    @mathias:

    “Bis zum Jahr 2020 soll der Anteil erneuerbarer Energien am Primärenergiebedarf 20 Prozent (Ziel: 120 PJ bzw. 33,3 TWh) betragen.”

    In 2009 betrug der durch die Kernkraft erzeugte Strom 134 TWh. Abzüglich der 14 TWh exportierten Stroms immer noch eine Lücke von 120 TWh die geschlossen werden wollen.

  38. Dynamik nicht unterschätzen..
    http://www.schleswig-holstein.de/cae/servlet/contentblob/985606/poster/Anteil_EE.jpg
    http://www.schleswig-holstein.de/UmweltLandwirtschaft/DE/ImmissionKlima/05_Erneuerbare_Energien/02_Entwicklung_EEG/ein_node.html
    http://www.mvseven.de/schluesselbranchen/erneuerbare_energien/
    Der Norden wächst rasant, während der Süden nicht in die Gänge kommt..
    Da fehlt einfach der Druck, bzw der Anreiz, dass sie gegensteuern, da Brb, McP, und SH zeigen, dass es anders geht..

  39. @eoff – aufklärung im hierundjetzt

    eoff,

    das mag stimmen, “pure logik” ist in komplexen fragestellungen wohl nurmehr, deterministischem chaos ähnelnd, in wahrscheinlichkeiten zu “fixieren”.

    daher auch die schwierigkeiten bei der risikoabschätzung.

    hier mal ein kleines, vielleicht albern erscheinendes gedankenexperiment: wie hätte sich wohl die welt entwickelt, wenn man z.b. nach hiroshima generell die kernforschung eingestellt hätte? niemals überhaupt akws gebaut hätte?
    (nabokov hat übrigens einen grotesken roman über eine vergleichbare alternativwelt geschrieben: ADA. er schilderte eine welt ohne strom …)
    man mag solch ein gedankenexperiment als die grille eines hybriden fantasten abtun, aber solche gedankenspiele können m.e. durchaus helfen, besser zu reflektieren, was eigentlich geschieht, und ob es tatsächlich “alternativlos” ist.

    eine welt ohne atomkraft – wäre heute eventuell der klimakatastrophe näher (sofern diese nicht ihrerseits ein irrtümlicher zwischenbefund ist) … dafür ein bisschen geringer von der hintergrundstrahlung?
    wäre die “historie” insgesamt langsamer abgelaufen? weil der atomstrom auch andere branchen beschleunigt wachsen ließ? weil energie eben notwendig ist, dass gesellschaften weiter produzieren etc..?
    lebten wir also heute – in einer welt ohne atomkraft – technologisch auf dem stand des jahres 2000?

    meine these: wir hätten längst andere energiegewinnungstechnologien entwickelt, und der unterschied würde weniger stark ausfallen, als man meint …

    in meinen augen macht die deutsche politik einen fehler, wenn sie heute sagt: jaaa, aber die russen und chinesen steigen auch nicht aus, und dann haben sie mit der vergleichsweise günstigen atomenergie einen “marktvorteil”, produzieren günstiger. wenn ich immer nur das mache, was jetzt aktuell die größten marktvorteile hat, dann gerate ich schnell unter druck, was die langfristige zweckmäßigkeit angeht. die konkurrenz der nationalstaaten (oder wirtschaftsstandorten) untereinander führt auf diese weise politisch zu einem bevorzugen der momentan effektivsten, “billigsten” technologie, aber nicht der längerfristig sinnvollen.
    und das erinnert einerseits an das wettrüsten (was in einer globalisierten wirtschaftswelt eigentlich absurd sein sollte), und andererseits an das verhalten von drogensüchtigen: hauptsache, hier und jetzt habe ich den optimalen rausch … hier und jetzt muss mein stoff so billig und so effektiv wie möglich sein, nur dann habe ich auch die optimale dröhnung. tomorrow doesn´t matter tonight …

    “pure logik”: das leben als mathematikaufgabe zu betrachten, so weit gehe selbst ich nicht, obwohl es manchmal verführerisch wäre 😉 dennoch ist sie hilfreich, und sei es nur im nachhinein. hier ein winziger versuch:

    -am 11.3.2011 hätte an dieser stelle nicht dieses akw stehen dürfen.
    –warum aber stand es dort?
    —weil es ein einkalkuliertes risiko war? (das wäre aber ein wenig zynisch)
    —-also: weil die risikoabschätzung falsch war?

    wenn ich die logik als inpraktikabel in fragen jenseits der mathematik bezeichne, weil sie sich ab einer gewissen komplexität in wahrscheinlichkeiten auflöst, welche wiederum so vielfältig sind, dass man sie untereinander nicht mehr vergleichen kann … dann gelange ich zum anything goes.
    und das verführt dazu, gar nicht mehr zu denken. da ist die aufklärung dann auch beendet, oder irre ich mich?

    ich behaupte: die wahrscheinlichkeiten sind abwägbar.
    die evolution mag merkwürdige und manchmal gar absurd erscheinende strukturen hervorgebracht haben (mensch, schnabeltier, usw. 😉 … aber wenn man die welt deterministisch denkt, dann gewinnen auf lange sicht die “wahrscheinlicheren wahrscheinlichkeiten” (that means: selektion).
    ein geistbegabtes geschöpf wie der mensch kann nun abschätzungen vornehmen (die man gerne auch risikoabschätzungen nennen mag) – niemand garantiert einem menschen, dass er, obwohl er IMMER die richtige entscheidung trifft, länger und besser lebt als einer, der nur per zufallsprinzip herumdilettiert. im gros aber “gewinnen” dann doch die mit den besseren abschätzungen.

    & noch kurz zu ihrem interessanten gedankenanstoß: will forschung erkenntnis?
    ich beobachte das ja, abgesehen von ein paar statistischen steckenpferdchen, die ich reite, eher von außen, daher schreibe ich dies unter vorbehalt.
    in meinen augen hat sich die forschung heute in weiten bereichen (auch an den universitäten) dem oben geschilderten dogma des “augenblicklich effektiven” unterworfen.
    das, was ich unter erkenntnis verstehe, schließt aber auch weitsichtigkeit ein.

    hinzu kommt – was sie auch schrieben: die spezialisierung. die einordnung ins große und ganze wird, sofern kein übergreifendes paradigma vorhanden ist (die postmoderne als vorläufig letzte ‘metatheorie’ huldigte ja geradezu dem fröhlich-diffusen nebeneinander diverser alternativen), nahezu unmöglich, und eigentlich auch für irrelevant erklärt. was eigentlich auch das deterministische chaos, würde man es zum lebensprinzip oder paradigma erklären, nahelegte: alles viel zu komplex für ein modell, an dem sich der einzelne orientieren könnte.
    der einzelne bleibt damit vereinzelt.
    er ist ein fachmann im ich-selbst-sein, und als forscher ist er ein experte im mein-fachgebiet-beforschen.

    ich will hier aber ganz und gar nicht anklagen, auch wenn das mitunter so klingen mag. es gibt gewiss viele gründe, warum unsere zeit so sehr den augenblick betont. dies möchte ich aber hier erstmal nicht weiter erörtern 😉

    beste grüße
    t.

  40. Endlager

    Nun ja, interessant zum Thema Endlager ist zum Beispiel das hier:

    http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/mente-et-malleo/lagerstatten/2011-03-14/der-natuerliche-reaktor-von-oklo

    Die naechste Frage ist auch, ob wirklich alles auf nimmerwiedersehen endgelagert werden muss.
    Was gestern Muell war, kann uebermorgen Rohstoff sein.

    Ich habe in Finnland sowie in der Schweiz gute Endlagerkonzepte gesehen. Allerdings muss man dazusagen, dass zumindest in Finnland die Endlagerproblematik schon frueh erkannt wurde, gewissenhaft angegangen und auch schon im Preis fuer den Strom aus KKWs Niederschlag gefunden hat, schliesslich muss man die riesigen Kupfer- sowie Stahlbehaelter auch bezahlen, die dann ebenfalls in der Erde verschwinden.

    Wir haben hier in Deutschland das Problem, dass wir historisch nicht vernuenftig mit dem gesamten Problem umgegangen sind und nun den Salat haben.

    Wollen wir es wenigstens jetzt, also eigentlich viel zu spaet, anpacken oder uns weiter in politischen Grabenkaempfen aufreiben?

  41. Keine größeren Opfer?

    “Dass hingegen die Kernkraft sehr wohl beherrschbar ist, zeigt die Tatsache, dass aktuell keine größeren Opfer zu beklagen sind und auch der Unfall “lediglich” eine INES 4 Stufe hat. “

    @JanG:
    Zugegeben, technisch werden Sie mehr Ahnung haben als ich. Aber diese o.a. Aussage ist lächerlich. Keine Opfer? Vielleicht sterben sie nicht sofort, aber die Spätfolgen werden sich zeigen. Frankreich stuft dieses Ereignis mittlerweile übrigens auf Stufe 6-7 ein, von daher scheint offenbar keine Einigkeit zu herrschen.

    Und es ist geradzu grotesk, die Opferzahlen gegeneinander aufzuwiegen. Was ist mit Fehlgeburten und Behinderungen? Was ist mit Hungersnöten die entstehen, wenn konterminiertes Land nicht mehr bestellt werden kann?

    Ich will gar nicht darüber diskutieren, ob und wann es möglich sein wird, komplett auf Kernkraft verzichten zu können, aber mit solchen peinlichen Vergleichen ist keinem geholfen.

  42. Eines jeden einziges Leben

    Ich lebe in Südbayern und wir wurden vom Fallout aus Tschernobyl besonders stark betroffen. Wildbrett, Waldbeeren und Pilze sind noch immer stark kontaminiert. Die Krebsrate liegt über dem Durchschnitt und die Fehlbildungsrate bei Neugeborenen war ein Jahr nach der Katastrophe fast doppelt so hoch, wie im weniger betroffenen Nordbayern.

    Quelle: http://umweltinstitut.org/radioaktivitat/tschernobyl-folgen/niedrigstrahlung/fehlbildungen-nach-tschernobyl-1-79.html

    Hier findet sich auch eine Karte der betroffenen Region: http://www.umweltinstitut.org/download/umweltinstitut_pilze_und_wild.pdf

  43. @ Tolya Glaukos

    mit Dank an mathias und eoff

    Sie werfen eine Menge interessanter Fragen auf, auf einige möchte ich hier kurz eingehen.

    Sie schreiben:
    “meine these: wir hätten längst andere energiegewinnungstechnologien entwickelt, und der unterschied würde weniger stark ausfallen, als man meint … “
    Da greifen Sie einen Punkt auf, den ich ausgesprochen wichtig finde. Die Anzahl der Alternativen, die wir sehen, hängt von unseren Grundnannahmen ab. Ein Beispielgedanke: Gehen wir zum Beispiel davon aus, dass Stromerzeugung eine zentral gesteuerte Aufgabe ist, werden wir bei weiterhin bei “großen” Lösungen verharren. Stellen wir diese Grundannahme in Frage , frei nach dem Motto “Kleinvieh macht auch Mist”, werden ganz andere Dinge möglich, zum Beispiel die Energiegewinnung aus stampfenden Füßen (an dieser Stelle Dank an mathias für die Erinnerung). Es gibt immer mehr als eine Alternative, die Frage ist nur, ob wir sie entdecken. Oder uns überhaupt trauen, danach zu suchen. Und wenn wir sie noch nicht gefunden haben, heißt es nicht, dass es sie nicht gibt. Es heißt zunächst einmal nur, dass wir noch nicht richtig gesucht haben. Richtig meint in diesem Zusammenhang mindestens zweierlei: einmal im Sinne von “gründlich suchen”, also nicht nur an den offensichtlichen Orten, sondern auch in den hintersten Ecken. Richtig suchen kann aber auch verstanden werden als “auf die richtige Art und Weise” suchen, was die Frage nach den eingesetzten Methoden stellt. Sind die Methoden, die wir verwenden, um neue Energieformen zu finden, die richtigen? Oder braucht es nicht vielleicht auch andere? Und wer entscheidet es überhaupt, welche Methoden eingesetzt werden? Ich glaube einfach nicht, dass wir mit naturwissenschaftlichen Methoden allein hier weiterkommen. Was wir brauchen, ist Kreativität, also die Bereitschaft, sich auf Neues und Anderes einzulassen und daraus wiederum Neues entstehen zu lassen. Kreativität im wissenschaftlichen Kontext entsteht unter Anderem durch Inspiration und den – wie heißt es so schön? – inter- und transdisziplinären Austausch.

    Leider ist auch Kreativität in den meisten Fällen kein Schulfach und in den eng getakteten Bachelor-Studien auch nur sehr selten zu finden.

    Sie schreiben:
    “die wahrscheinlichkeiten sind abwägbar”
    Das stimmt und Menschen müssen lernen, mit Ihnen umzugehen, sie entsprechend einzuschätzen und zu nutzen. Gerade in einer komplexen Welt, wo Menschen mit Logik, wie Sie so schön ausgeführt haben, nicht mehr weiterkommen, braucht es so etwas wie Wahrscheinlichkeitskompetenz. Einen Hinweis darauf, dass dies durchaus keine leichte Aufgabe ist, gibt das recht bekannte Ziegenproblem, hier zu finden: http://www.zeit.de/2004/48/N-Ziegenproblem

    Und dann fragen Sie in Anlehnung an den Beitrag von eoff, ob Forschung Erkenntnis will. (An dieser Stelle ein Dankeschön an eoff für diesen Einwurf) Ich halte die Vorstellung vom tapfer dem Erkenntnisgewinn zustrebenden Forscherlein für einen Mythos. In der Forschung geht es um weit mehr als um Erkenntnis: Es geht um die Sicherung der Lebensgrundlage, es geht aber auch um Macht, um Einfluss, um die vehemente Verteidigung von Ansichten und Schulen, um Status und wahrscheinlich noch vielem Anderen mehr. Das ist menschlich, solte aber nicht vergessen werden. Zwar mag der Anteil an neugierigen Menschen unter Forschern vielleicht größer sein als in anderen Gesellschaftsbereichen, und bei den Menschen, die in meinem Umfeld forschen, sehe ich durchaus diesen “Forschertrieb”. Doch wie weit es um die Neugier und dem Erkenntniswunsch tatsächlich bestellt ist, sehen sie unter anderem daran, wie viele der hier vorgetragenen Kommentare wirklich von dem Wunsch geprägt sind, die Gedanken Anderer zumindest nachvollziehen zu wollen, kritisch – aber sachlich – zu hinterfragen oder weiterzuentwickeln, sich zumindest ein kleines Stück auf andere Denk- und Wissenschaftsansätze einzulassen.

    Sie schreiben, Erkenntnis schließt Weitsicht mit ein. Ich ergänze (Selbst-)Reflektion.

    Mit besten Grüßen

  44. Angenommen,… @Tolya

    “meine these: wir hätten längst andere energiegewinnungstechnologien entwickelt…”

    So würde es wohl sein. Natürlich.

    Hinzu kommt, daß ein immenser Anteil der so dringend benötigten Energie “für dummes Zeug”, um es lax zu formulieren, benötigt wird. Thema ist das selbstverständlich nicht. Tabu. Stattdessen wird volksverdummende Kosmetik mit sog. Energiesparlampen betrieben, damit z.B. das Kind im SUV ohne schlechtes Gewissen in die Kita gebracht werden kann.

    Besinnungslosigkeit einer Gesellschaft, die es besser weiß, aber wie trunken vor Selbstsucht durch den Nebel ihrer eigenen Destruktivität laviert – Erkenntnis ohne Weitsichtigkeit, um also auf diesen Gedanken einzugehen, dürfte wohl Paradebeispiel eines Oxymorons sein.

    Was die Betonung des Augenblicks betrifft – da mußte ich kurz an den Faust denken, dann aber fiel mir auf, daß da was nicht stimmen kann. Und eben – das zu erörtern führt wohl etwas zu weit.

  45. @JanG nochmal zur Endlagerung

    “In den Salzstöcken wurden Wassereinschlüsse gefunden die bis zu 230 Mio Jahre lang von der Biosphäre abgeschlossen waren…”

    Mit Verlaub, Ihre Folgerung ist ausgesprochen naiv. Wenn sich nach Millionen Jahren zeigt, daß sich bestimmte geologische Verhältnisse als außerordentlich stabil erwiesen haben, bedeutet das im Umkehrschluß, daß das auch vor Millionen Jahren 100 Prozent sicher vorhersehbar war? Rechnen Sie doch mal rückwärts, und beschreiben Sie die Geschichte des Salzstocks; das geht nicht, wir können nur Vermutungen anstellen. Und dafür ist Kernkraft mit all ihren Paraphernalia schlicht zu gefährlich. Vergessen wir dabei nicht kulturelle Unabwägbarkeiten, Profitgier, Irrtümer, Kriege, etc. etc.

  46. … übersehen wir da etwas?

    Hallo …

    Nachdem ich die Texte oben gelesen habe, wurde mir wieder einmal bewusst, was wir (Men-schen) wohl immer wieder „vergessen“ …

    Es mag den Anschein haben, „oberschlau“ und mit erhobenem Zeigefinger daherzureden, darauf zu bestehen, dass jede, wirklich jede Entscheidung und Handlung seine Konsequenzen hat! Sicher wird dies jedem ebenso völlig logisch klingen. Und, da bin ich mir sicher, jeder wird diesen Hinweis in erzieherischer Weise von seinen Eltern mindestens einmal in seinem Leben gehört haben. Es muss also jedem bekannt sein … und so lästig diese einfache Logik auch in unseren Ohren klingen mag, … ich finde es als die natürlichste Sache der Welt, das, egal was getan wird, auch zumindest irgendeinen Effekt haben muss. Und, Konsequenzen gibt es immer, mehr als uns vielleicht lieb ist. Solche die wir beabsichtigen und solche, die wir vielleicht doch lieber vermieden hätten (… können?)! Dennoch, wie ernst nehmen wir das wirklich, was wir alltäglich tun (… mit allen Konsequenzen … eine einfach wie provokante Frage)? Der Fortgang der Evolution liegt wohl kaum darin, zukünftige Entwicklungen vermeiden zu „wollen“, als vielmehr eintretende Gegebenheiten meistern zu können … und zu überleben!

    Ich bin dafür, anstelle der Kernkraft andere Möglichkeiten der Energiegewinnung zu nutzen. Und dennoch, wenn es darum geht, z. B. zukünftig Solar- oder Windenergie oder Geothermie zu „benutzen“ wird auch das ganz sicher seine Konsequenzen haben. Vielleicht auch solche, mit denen heute niemand rechnet und die uns wiederum vor große Probleme stellen wird. Denn niemand kann ernsthaft in die Zukunft hinein alle Eventualitäten so kalkulieren, dass sie zu brauchbaren Entscheidungsgrundlagen führen würden. Ein immer mehr an „Wissen“ (über Einflussgrößen etc.) sorgt bestenfalls dazu, vielleicht am Ende gar keine oder garantiert die falsche Entscheidung zu treffen. Darüber hinaus bedeutet ganz allgemein die Floskel „nicht voraussehbar“ ja genau, dass niemand im Moment „wissen“ kann, was es an Konsequenzen geben könnte … oder geben wird! Also ist jede Diskussion darüber, was „nicht voraussehbar“ bedeuten kann, reine Spekulation!

    Wir Menschen haben ein „seltsames“ Verhältnis zu Wahrscheinlichkeiten. Einerseits werden sie teils zu Tatsachen oder „Gesetzmäßigkeiten“ stilisiert (… besser instrumentalisiert!), ande-rerseits werden sie alibihaft, ja oft genug förmlich religiös beschwörend dazu verwendet, Ar-gumente zu eliminieren oder zu negieren (auszuschließen) oder auch als bereits gegeben durchzusetzen (herauf zu beschwören … wiederum im wahrsten Sinne des Wortes!). Das hat mit wissenschaftlichen Handeln und Verständnis wenig zu tun, es gehört ganz generell zum „Denken“ lernen, mit Wahrscheinlichkeiten umgehen zu können und Erfahrungen machen zu müssen! Wahrscheinlichkeiten sind immer Möglichkeiten, basierend auf unserem momentanen Wissen und Erfahrung. Und Erfahrungen sollten uns eigentlich dazu bringen, besser mit Wahrscheinlichkeiten umzugehen, z. B: auch, dass es im Sinne eines Beipackzetteljargon, wie „in Einzelfällen kann es …“ ja auch bedeutet, dass damit (wahrscheinlich) „zu rechnen“ ist! Ein lächerlich klingendes Beispiel ist die verschwindend geringe Wahrscheinlichkeit im Lotto einen „Sechser“ zu gewinnen oder gar den Jackpot zu knacken (was immer wieder warnend propagiert wird). Jeder mag sich selbst schlau machen, wie viele es Monat für Monat „trifft“ … viele macht es sogar süchtig, es darauf anzulegen, scheinbar gegen jede Vernunft oder barem Wissen! Dennoch wird es „getan“ und „geschieht“, so unwahrscheinlich es auch ist … immer wieder! Warum denken wir bei Unfällen oder Katastrophen mit deutlich größerer Wahrscheinlichkeit anders?

    Der Mensch verfällt immer wieder im Angesicht seiner grenzenlosen Überheblichkeit (gepaart mit kaum zu überbietender Arroganz) der „Natur“ gegenüber in den Wahn, seine „Welt“ zu beherrschen … die Dinge nach seinen Vorstellungen zu „formen“. So wird z. B. jede Anstrengung zur Vermeidung oder gar Minderung des CO2 Ausstoßes zur Farce, sollte z. B. in Zukunft die vulkanische Aktivität weltweit auch nur (wie es im Jargon heißt) „vernachlässigbar“ geringen Bereich zunehmen … was in der Vergangenheit immer wieder vorgekommen ist … eben im Rahmen der natürlich Schwankungsbreite. Vulkane sind maßgeblich an allen möglichen Auswirkungen hinsichtlich unserer Atmosphäre beteiligt. Genauso wie z. B. Sonneneruptionen … und auch, das wir Menschen immer mehr dazu beitragen mag (fast) niemand mehr ernsthaft bezweifeln. Ich bezweifle eher und genauso ernsthaft, dass ausschließlich und gerade das „tun“ der Menschen es sein wird, dies grundsätzlich und nachhaltig in den Griff zu bekommen! Dennoch halte ich es für extrem Wichtig, hier und jetzt daran zu arbeiten, unserer Atmosphäre und schließlich uns selbst etwas Gutes antun zu „wollen“ … auch wenn wir damit rechnen müssen, dass es bei dem Versuch bleiben könnte, sollte es heute noch unbekannte Effekte geben, die uns unsere gut gemeinten Anstrengungen vermasseln könnten. Ich stehe also mit voller Überzeugung dazu, heute noch ein Apfelbäumchen zu pflanzen!

    Ich bin auch überzeugt, dass die Vokabel „vernachlässigbar“ in der Natur völlig absurd ist. Das ist das Dilemma, wenn wir wie jetzt wieder einmal vor einem menschlichen Drama stehen und Angesicht des Elends und Leidens völlig überfordert sind! Wenn wir mit Wahrscheinlichkeiten umgehen, dann stellt sich immer die Frage, wann es passiert, … niemals ob es passiert und wer davon betroffen sein wird. Solche Katastrophen betreffen jeden von uns! Es ist also Dummheit, gepaart mit peinlicher Selbstüberschätzung, es darauf anzulegen, Risiken aller Art grundsätzlich zu verdrängen oder gar als unmöglich aus der Welt zu schaffen … genauso, wie es sich immer wieder lohnt, Entscheidungen zu treffen, die Hoffnung machen, auch wenn die Wahrscheinlichkeit eines Erfolg als „vernachlässigbar“ gering vorhergesehen wird.

    mfG

  47. @Siegbert Müller

    “Ich bin dafür, anstelle der Kernkraft andere Möglichkeiten der Energiegewinnung zu nutzen. […] Vielleicht auch solche, mit denen heute niemand rechnet und die uns wiederum vor große Probleme stellen werden.”

    Dem stimme ich zu. Denn es ist schließlich der krankhafte, absurd große Hunger nach Energie, der die Probleme schafft.

    Die Erde scheint vielen eine Selbstverständlichkeit zu sein, die nicht weiter hinterfragt werden muß. In der abendländischen Kultur ist der Gedanke, sich die Erde Untertan zu machen paradigmatisch.

    Wir sollten hingegen sparsamer, bescheidener sein, mit Empathie an Mutter Erde und folgende Generationen denken – aber das würde als Stagnation und Schwäche ausgelegt, ist nicht profitabel, und die “führenden” Nationen wetteifern lieber in hysterischen Wachtumszahlen, die nur wenigen zugute kommt, wobei hinten runterfallen darf, wer nicht mitkommt.

  48. Interessante ist auch die Unwissenheit

    Wir reden hier über Kernkraft..
    Nur Kernkraft, oder Primär Energie, ist ja nur ein Teil der ganzen Problematik..
    Wer weiß den schon, dass selbst im PC, Öl drin steckt?
    Seh ich auf meine Tastatur, seh ich primör Kunststoff, und damit eine Kohlenwasserstoffverbindung.
    Öl wird immer teuerer, wie so ziemlich jede Resource, und wenn Öl teuerer wird, dann steigt entsprechend der Druck, da alle auf Ölbasierten Stoffe/Teile teurer werden.
    Hat den Witzigen Vorteil, dass auch entsprechend Alternativen reizvoller werden.
    Ab einer Teuerung von 100 Dollar/Barrel, lohnt sich Kohleverflüssigung, nur als bsp.
    Ebenso auch Biokunststoffe.
    Solche Dinge kann man dann wiederrum Regional herstellen.
    Für Bioraffinieren brauch man nur entsprechend Platz, und Biomasse..
    Ähnlich ist es mit Uran.
    Uran ist endlich, Kohle natürlich auch, aber das kommt häufiger vor, und ist auch breiter Verteilt.
    Nutzen viele Kernkraft, ist es für das Land am besten, dass schon frühzeitig umgestiegen ist, während die Staaten, die Stark von Uran und Atomstrom abhängig sind, Probleme bekommen.
    Da entsprechend früh gegenzusteuern, ist ein Vorteil, den man auch berücksichtigen sollte.
    Ebenso ist ein System, dass Dezentral ist, auch weniger Anfällig.
    Regionale, dezentrale Stromversorgung hat viele Vorteile, nicht nur das dadurch mehr Arbeitsplätze entstehen, ist ein solche System auch weniger Störungsanfällig. Kurze Regionale probleme, kann man über Netztranfer von anderen regionen kurz kompensieren.
    Sie sind auch sicherer.
    Ein Großkraft lohnt sich als Ziel für Anschläge, was bei einem Dezentralen System absolut keinen Sinn machen würde…
    Man sieht, dass es auch rationale Gründe hat, warum man sich nicht zu sehr, abhängig von einer Energiequelle/Träger abhängig machen sollte..

  49. mal ein paar kreative

    Ideen..
    Strohballenbau – ein alter Baustoff wiederentdeckt
    http://www.youtube.com/watch?v=oaH7DpLByAw
    http://www.regionalentwicklung.de/regionales-wirtschaften/technologien-rohstoffe/hanf-als-nachwachsender-rohstoff/
    Vorallem interessant:
    Hanf als Rohstoff für die chemische und pharmazeutische Industrie
    Hanf als Baustoff & Energiepflanze (näheres im Link)
    Statt Massenproduktion, Individualproduktion über 3 D Drucktechnik
    http://www.fastcompany.com/blog/jamais-cascio/open-future/material-issue
    http://www.youtube.com/watch?v=BtK-Hqd6Q2I
    http://www.neunetz.com/2011/02/16/3d-printing-druck-mir-eine-stradivari/
    http://money.cnn.com/2011/01/24/technology/3D_food_printer/index.htm
    Was da für Ideen, Kreativität und Inspiration uns in den nächsten Jahren noch bevorsteht.. Herrlich..
    Es sind immer die Geeks und Nerds, die die Welt verändern..

  50. AKWs San-Andreas-Verwerfung

    Das ist ein interessanter Punkt. Um hier eine Riesikobewertung aufzustellen wäre eine Expertenmeinung und Detailkenntnissnen über die dortigen AKWs erforderlich.
    Die Experten sind allerdings auf den Nachbarblogs beschäftigt. Demnach hat in Fukushima der Tsunami die Notstromaggregate ausser Gefecht gesetzt hat, nicht das Erdbeben.

  51. Kernkompetenz

    Liebe Frau Wiedenhöft,
    haben Sie bemerkt was sich auf Ihrem Blog qualitativ abspielt, im Vergleich zu Nachbarblogs?

    Wenn Ihre Kernkompetenz Psychologie ist,
    fände ich ein Statement zu folgenden Fragestellungen interessant:

    Warum gibt es gerade in Deutschland so große Ängste gegenüger der Kernkraft, verglichen mit fast allen anderen Ländern?

    In wieweit beinflusst Angst eine objektive Risikoeinschätzung?

    Ihre persönliche Risikoeinschätzug scheint klar. Sie halten den Einsatz von Kernenergie für Wahnsinn. Sie sind sich ‘aus dem Bauch heraus’ ganz sicher, daß der Verzicht von Ländern wie China Indien Brasilien auf Kernkraft machbar, realistisch und vernünftig ist, und daß Sie nicht stattdessen die reichlich vorhandene Kohle in die Athmosphäre jagen würden. Uns falls doch, so ist der daraufhin beschleunigte Klimawandel auf jeden fall harmlos verglichen mit dem Szenario des Einsatzes von Kernkraft. Dann ist ja alles gut.

  52. @Mona: Statistikmissbrauch

    Sorry, aber die Quelle ist unseriös:
    “Quelle: http://umweltinstitut.org/radioaktivitat/tschernobyl-folgen/niedrigstrahlung/fehlbildungen-nach-tschernobyl-1-79.html

    Hier werden einfach ein paar Extremwerte in einer Datenreihe herausgepickt, indem sie schwarz markiert werden. Statistisch signifikant sind sie nicht. Vergleichbar hohe Werte gibt es 1985 und 1989.

    Dieses Umweltinstitut scheint mir keine gute Quelle für wissenschaftliche Information zu sein.

  53. Schwarz-Weiß-Malerei @RD

    “Die Experten sind allerdings auf den Nachbarblogs beschäftigt…”

    Leider gibt es auf den Scilogs fast nur “Experten” für Kernenergie und nicht auch für Erneuerbare Energien, die ja die Ära nach der Atomenergie bestimmen sollen.

    “Warum gibt es gerade in Deutschland so große Ängste gegenüger der Kernkraft, verglichen mit fast allen anderen Ländern?”

    Dass kommt uns nur so vor, weil wir als Deutsche die deutschen Befindlichkeiten am besten kennen. Lesen Sie doch einmal ausländische Zeitungen, dann werden Sie bemerken, dass es auch in anderen Ländern Bedenken gegen die Kernkraft gibt, zumindest da, wo es eine freie Presse gibt. Weltweit geht der Atomstromanteil doch eher zurück, da Anteil der Erneuerbaren rasant wächst. in den USA z.B. sind die Erneuerbaren in den Netzzugängen von zwei auf 55 Prozent hochgeschnellt. Auch Japan setzte nicht nur auf Kernenergie. “Rund ein Drittel des gesamten Strombedarfs wird als erneuerbare Energie produziert – also in etwa ebenso viel, wie aus AKWs kommt. Zum Vergleich: In der EU stammen lediglich knapp 18 Prozent der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen. Der Löwenanteil der Erneuerbaren entfällt in Japan mit rund drei Viertel auf die Wasserkraft. Rund drei Prozent sind Windenergie.

    Gleichzeitig sind die Japaner aber auch Energiesparmeister – seit Ende der 90er-Jahre läuft das weltweit beste Programm zur Steigerung der Energieeffizienz von Elektrogeräten. Dabei ist das Prinzip des “Top-Runner-Programms” relativ einfach: Zu einem Stichtag werden die am Markt angebotenen Geräte verglichen – und dann werden die effizientesten als Standard für die gesamte Branche vorgeschrieben, der in einer bestimmten Frist erreicht werden muss.

    Dieses Gesetz soll derart wirksam gewesen sein, dass es laut einer Hochrechnung eine Reduktion von rund 16 Prozent der Treibhausgase nach dem Kioto-Protokoll brachte, wie der Berliner Energieexperte Matthias Brake in einer Analyse erläutert.”

    Quelle: http://derstandard.at/1297820616200/Strom-Mix-Atomstrom-ist-nicht-alles-in-Japan

  54. @Mona: Experten

    “Leider gibt es auf den Scilogs fast nur “Experten” für Kernenergie und nicht auch für Erneuerbare Energien,”

    Warum sollten denn Experten zu erneuerbaren Energien besser geeignet sein, die Folgen von Fukushima abzuschätzen, als Kernenergieexperten?

  55. Einspaarpotentiale @Mona

    Da rennen Sie bei mir offene Türen ein. Die Einspaarpotentiale sind riesig, dahingehende Strukturveränderungen und weitgehende Paradigmenwechsel in der Gesellschaft sind überfällig.
    Wie fast jeder andere auch würde ich eine CO2-freisetzungsneutrale und kernergiefreie Welt vorziehen. Aber das ist nicht so einfach.

    Ich empfehle wirklich Jedem der sich über dahin führende Szenarios ein realistisches Bild machen möchte, sich sich MacKays leicht verständliche Zusammenfassung durchzulesen.

    http://www.withouthotair.com/

  56. Atomkraft als Auslaufmodell

    @Joachim

    “Warum sollten denn Experten zu erneuerbaren Energien besser geeignet sein, die Folgen von Fukushima abzuschätzen, als Kernenergieexperten?”

    Es ging nicht um die Einschätzung bezüglich Fukushima, sondern mehr um den allgemeinen Trend hier.

    @RD

    Danke für den Link!

  57. @mona:
    Debatten im Auslan:
    Chinaobserver
    http://www.china-observer.de/?x=entry:entry110316-155704
    Belgien
    VRT/BRF
    http://www.deredactie.be/cm/vrtnieuws.deutsch/mediatheek_de/1.981697
    http://brf.be/nachrichten/national/190142/
    http://brf.be/nachrichten/national/192714/
    Prekäre.. der erste bericht des BRF, war vom 10.3.11, und hatte da schon eine Debatte vor dem Erdbeben ausgelöst..
    Nachdem Erdbeben, war man hier plötzlich so in der Deffensive, dass ein Rückwärtsrudern begann, und sogar N-VA, und Open VLD nicht mehr von AKW Neubauten reden..
    http://brf.be/nachrichten/national/192205/
    Spanien
    http://www.heise.de/tp/blogs/2/149466

  58. und wieder: die Endlagerung

    @eoff:

    Traurig dass Sie meine Ansichten als naiv abtun. Offensichtlich haben Sie mehr Ahnung von geologischen, paläontologischen und hydrologischen Vorgängen als ich (der in dieser Branche arbeitet) Nun, das muss ich dann wohl akzeptieren.

    Aber dann gestatten Sie mir bitte die Frage: wie sollen wir denn dann das Problem des Abfalls lösen. Bitte, ich meine diese Frage wirklich ernst und bitte Sie auch um eine Antwort.

    Ganz allgemein noch eine Anmerkung: wenn mit einem Computer was nicht stimmt, gehen wir zu einem Computerfachmann und glauben dem was er sagt. Wenn wir krank sind gehen wir zum Arzt und glauben dem was er sagt. Wenn es aber um Fragen zur Kernkraft geht, dann glauben wir einem Journalisten oder zum Beispiel einem Psychologen mehr als einem seit Jahren auf diesem Gebiet arbeitenden Fachmann. Das empfinde ich als sehr ärgerlich.

  59. @JanG:

    Das kann ja vieleicht auch was mit den Statements zu Störfällen zu tun haben, die von der Branche immer herrunter gespielt, Vertuscht werden.
    gebe es da soviel Transparenz, wie in anderen Branchen auch, gebe es vieleicht auch mehr Vertrauen.
    Einfach mal drüber nachdenken..
    Ist aber in anderen Bereichen auch nichts anders.
    Kernkraft und zbsp Chemie haben beide keinen Tollen Ruf, was transparenz angeht, und dementsprechend Skeptisch, steht man da verlautbarungen gegenüber..

  60. Transparenz

    @mathias

    Es herrscht schon Transparenz. Auf der Seite des BfS können Sie sämtliche meldepflichtigen Ereignisse in kerntechnischen Anlagen verfolgen. Manchmal denke ich sogar, einige Journalisten haben diese Meldungen abboniert und warten nur darauf, da wieder ne Story draus zu machen (siehe auch diese wunderschöne Karikatur unter http://www.wiedenroth-karikatur.de/02_PolitKari080711_Kernenergie_Ringhals_Brand.html)

    Aber was soll den die Lösung sein? Ab jetzt den Fachleuten nicht mehr trauen? Immerhin erfordert die Handhabung dieser Dinge ein gewisses Fachwissen, hier kann ich nicht jemand x-beliebigen hinstellen. Aber wenn ich den entsprechend ausgebildeten Wissenschaftlern nicht mehr traue, was soll denn dann passieren?

    Ich arbeite schon seit einiger Zeit in dieser Branche, es macht mir Spass, die Arbeit ist sehr interessant und zudem glaube ich, dass wir diese Problematik dringend angehen müssen. Aber irgendwie bin ich es eben auch leid dass einem Journalisten (möge er in seinem Job auch noch so gut sein) mehr geglaubt wird als mir. Und dass mir Fehler vorgeworfen werden die vor über 40 Jahren zum Beispiel in der Asse gemacht wurden.

  61. Angst & Neugier sind beide wichtig

    Wenn ich lese: “Angst ist kein guter Ratgeber”, dann möchte ich das nicht unkommentiert lassen. Gewiss ist die Angst gleichsam dogmatisch, aber einer ihrer Antagonisten, die Neugier, ist nicht minder dogmatisch.
    Während erstere den Organismus vor dem vermeintlichen Abgrund instinktiv (automatisch!) zurückschrecken lässt, treibt zweitere den Organismus auf das Verheißungsvolle hin (das nicht selten wie ein “Free Lunch” erscheint).
    Risikoabwägung kann nur dann stattfinden, wenn man sowohl die Angst als auch die Neugier oder die Erwartungen (die oft kaum mehr als bloße Wünsche, Hoffnungen sind) in seine Abwägung mit einbezieht.

    Eine Risikoabwägung ohne Angst kann überhaupt nicht stattfinden.
    Die Angst ist ein unverzichtbares Detail im Risikoabwägungsprozess. Über die Angst zu spotten oder als “übertrieben emotional” zu beschreiben, ist wenig hilfreich – denn die Neugier, die Hoffnung, das Zutrauen (in z.B. eine Technik) ist von seiner Urmotivierung her ebenso “emotional” und auch “triebhaft”.
    Die Abwägung und die Ratio zeichnet gerade aus, dass sowohl Ängste als auch Hoffnungen zu möglichen Alternativen gebündelt und in Gedankenspielen miteinander verglichen werden, um die bestmögliche Variante auszuwählen. In diesem Prozess unterscheiden sich Gesellschaften mit ihren medialen Diskursen zur kollektiven Zukunftsgestaltung nur wenig von intrapersonellen “Selbstgesprächen”.

    (im Übrigen haben ja auch die Atomkraftfreunde eine große Angst, die sie motiviert, Atomkraft zu befürworten: Sie ängstigen sich davor, im Dunkeln zu sitzen, nur weil ihre Reaktoren nicht mehr arbeiten 😉

    Wogegen man sich durchaus verwehren sollte: Übertriebene Angst, die in Hysterie ausartet. Gerade die Natur- (und auch Technik-)Katastrophe in Japan zeigt sehr gut auf, wie die Regierung bemüht ist, Panik zu verhindern. Panik mag in der Tat ein schlechter Ratgeber sein, für Gesellschaften wie für Individuen. (Und wenn ich mir bislang die Japaner ansehe, dann denke ich, ein Unglück wie bei der LoveParade wäre in Japan nicht passiert …!) Angst zu bekämpfen, ist hingegen nur sinnvoll, wenn die Angst unbegründet ist.
    Ebenso muss aber auch eine Neugier gebremst werden, die in Wahnwitz oder gar, wie hier angeschnitten, “Wahnsinn” ausarten kann.

    Apropos Angst:
    Aus aktuellem Anlass füge ich hier mal einen Link zu meinem noch in Entwicklung befindlichen Tool zur Messung der medialen Stimmung in deutschsprachigen Onlinemedien hinzu. Unter folgendem Link kann man die mittels Echtzeit-Datamining gewonnene Konnotation des Begriffs ANGST herauslesen. Der Punkt “Beliebtheit” misst den Kontext, in dem das Wort Angst steht, und wie positiv oder negativ diese Kontextworte sind.
    Wohl aussagekräftiger ist der Chart mit der Häufigkeit: Im aktuellen Fall erkennt man, dass die “Angst” als Wort in den Medien wieder seltener verwendet wird …

    http://www.glückswetter.de/seiten/beliebt.php?insert=angst

    Zugleich steigt der ganz allgemeine Glücksquotient-Wert in deutschen Onlinemedien langsam wieder an:

    http://glückswetter.de/index-nw.php

    Ein Hinweis, da hier wohl überwiegend “strikte” Wissenschaftler schreiben und lesen: Es handelt sich bei Glückswetter.de um “Scientainment”. Die ermittelten Werte sind aber dennoch real 😉

  62. @Simone @all: Ist Kompetenz beweisbar?

    Wenn ich lese: “Angst ist kein guter Ratgeber”, dann möchte ich das nicht unkommentiert lassen. Gewiss ist die Angst gleichsam dogmatisch, aber einer ihrer Antagonisten, die Neugier, ist nicht minder dogmatisch.
    Während erstere den Organismus vor dem vermeintlichen Abgrund instinktiv (automatisch!) zurückschrecken lässt, treibt zweitere den Organismus auf das Verheißungsvolle hin (das nicht selten wie ein “Free Lunch” erscheint).
    Risikoabwägung kann nur dann stattfinden, wenn man sowohl die Angst als auch die Neugier oder die Erwartungen (die oft kaum mehr als bloße Wünsche, Hoffnungen sind) in seine Abwägung mit einbezieht.

    Eine Risikoabwägung ohne Angst kann überhaupt nicht stattfinden.
    Die Angst ist ein unverzichtbares Detail im Risikoabwägungsprozess. Über die Angst zu spotten oder als “übertrieben emotional” zu beschreiben, ist wenig hilfreich – denn die Neugier, die Hoffnung, das Zutrauen (in z.B. eine Technik) ist von seiner Urmotivierung her ebenso “emotional” und auch “triebhaft”.
    Die Abwägung und die Ratio zeichnet gerade aus, dass sowohl Ängste als auch Hoffnungen zu möglichen Alternativen gebündelt und in Gedankenspielen miteinander verglichen werden, um die bestmögliche Variante auszuwählen. In diesem Prozess unterscheiden sich Gesellschaften mit ihren medialen Diskursen zur kollektiven Zukunftsgestaltung nur wenig von intrapersonellen “Selbstgesprächen”.

    (im Übrigen haben ja auch die Atomkraftfreunde eine große Angst, die sie motiviert, Atomkraft zu befürworten: Sie ängstigen sich davor, im Dunkeln zu sitzen, nur weil ihre Reaktoren nicht mehr arbeiten 😉

    Wogegen man sich durchaus verwehren sollte: Übertriebene Angst, die in Hysterie ausartet. Gerade die Natur- (und auch Technik-)Katastrophe in Japan zeigt sehr gut auf, wie die Regierung bemüht ist, Panik zu verhindern. Panik mag in der Tat ein schlechter Ratgeber sein, für Gesellschaften wie für Individuen. (Und wenn ich mir bislang die Japaner ansehe, dann denke ich, ein Unglück wie bei der LoveParade wäre in Japan nicht passiert …!) Angst zu bekämpfen, ist hingegen nur sinnvoll, wenn die Angst unbegründet ist.
    Ebenso muss aber auch eine Neugier gebremst werden, die in Wahnwitz oder gar, wie hier angeschnitten, “Wahnsinn” ausarten kann.

    Apropos Angst:
    Aus aktuellem Anlass füge ich hier mal einen Link zu meinem noch in Entwicklung befindlichen Tool zur Messung der medialen Stimmung in deutschsprachigen Onlinemedien hinzu. Unter folgendem Link kann man die mittels Echtzeit-Datamining gewonnene Konnotation des Begriffs ANGST herauslesen. Der Punkt “Beliebtheit” misst den Kontext, in dem das Wort Angst steht, und wie positiv oder negativ diese Worte im Umfeld sind.
    Wohl aussagekräftiger ist der Chart mit der Häufigkeit: Im aktuellen Fall erkennt man, dass die “Angst” als Wort in den Medien wieder seltener verwendet wird …

    http://www.glückswetter.de/seiten/beliebt.php?insert=angst

    Zugleich steigt der ganz allgemeine Glücksquotient-Wert in deutschen Onlinemedien langsam wieder an:

    http://glückswetter.de/index-nw.php

    Ein Hinweis, da hier wohl überwiegend “strikte” Wissenschaftler schreiben und lesen: Es handelt sich bei Glückswetter.de um “Scientainment”. Die ermittelten Werte sind aber dennoch real 😉

    @Simone,
    ja, das Ziegenproblem … das macht mir ähnlich graue Haare, wie wohl Schrödingers Katze dem Herrn Hawking graue Haare wachsen lässt – der soll mal gesagt haben: “Immer, wenn ich von Schrödingers Katze höre, möchte ich zum Revolver greifen.”

    Aktuell denke ich darüber nach, wie man ein effektives Prognoseinstrument entwickeln könnte, das die “Schwarmintelligenz” nutzt – und zwar nicht auf demokratischen Durchschnittsannahmen basierend wie Votings etc., sondern wonach diejenigen, die die richtigen Prognosen stellen, in Zukunft als “kompetenter” bewertet werden. Es sind vorläufig kaum mehr als “Gedankenspiele”, aber es wäre sehr hilfreich, wenn man, wie hier auf den Seiten oft angeschnitten, die Experten nicht nur auf ihren weltanschaulichen Background scannen könnte (nach dem Motto: ich vertraue nur denen, die eh so denken wie ich) – sondern denen vertrauen könnte, deren Aussagen sich als richtig erwiesen haben. (Gilt natürlich auch für Journalisten, Politiker, etc.)

    Ich selbst wünschte mir in allen leitenden Positionen der Gesellschaft Menschen, die jene von mir flapsig als “wahrscheinlichere Wahrscheinlichkeiten” bezeichneten Alternativen am besten ermitteln können.
    (wobei es bei Langzeitprognosen hierbei naturgemäß schwierig wird … es bliebe zu hoffen, dass ein Experte in Kurzzeitprognosen auch gute Langzeitprognosen stellen kann …)

    Erkenntnis: Ich bin kein Berufswissenschaftler, vielleicht unterstelle ich deshalb den Wissenschaftlern jenen Wunsch nach Erkenntnis, der weit über dem Wunsch nach Versorgung oder Egoschmeichelung steht. Gewiss haben Sie Recht, die wenigsten sind Getriebene wie Albert Einstein, die meisten unterscheiden sich hierin auch nicht von den Psychologen, Künstlern, Handwerkern … thats life & thats homo sapiens?! 😉

  63. Zur Transparenz

    Ein Beispiel: Das Kernraftwerk “Isar 1” gehört zu den ältesten in Deutschland und steht in Grenznähe zu Österreich, deshalb war von der österreichischen Bundesregierung eine Studie in Auftrag gegeben worden, die eklatante Mängel feststellte. Die Anlage sei nur eingeschränkt gegen Flugzeugabstürze geschützt und auch einer Explosion des Druckbehälters könne die Sicherheitshülle des Kernkraftwerks nicht standhalten. Außerdem könne bei einem so alten Reaktor von einer Materialermüdung der Schweißnähte ausgegangen werden. Die bayerische Staatsregierung bezeichnete das Papier als “absoluten Unsinn” und erklärte das Gutachten zur “Geheimsache”. Auch eine bereinigte Kurzfassung der Studie wollte man nicht herausgeben. Der Grund für die Geheimhaltung sollen Angaben zufolge Betriebsgeheimnisse sein. Allerdings liegt die Vermutung nahe, dass die bayerische Atomaufsicht und der Betreiber E.on kein Interesse daran hatten den Sicherheitszustand des Kernkraftwerks zu veröffentlichen. Nach der Katastrophe in Fukushima beschloss die Regierung “Isar 1” abzuschalten.

  64. @JanG Abfallproblem

    Zunächst, ich habe lediglich hinreichend wissenschaftliche Erfährung mit dynamisch komplexen Systemen, um es, ja, für naiv zu halten, aus der Tatsache, daß es Millionen Jahre währende stabile Hohlräume sehr wohl gibt, zu folgern, dies hätte man bei “t0” mit der nötigen Sicherheit auch vorhersagen können.

    “Aber dann gestatten Sie mir bitte die Frage: wie sollen wir denn dann das Problem des Abfalls lösen.”

    Wir können es nicht lösen. Wir können nur versuchen, es zu lösen.

    Fachleute wie Sie werden dabei gebraucht, zweifellos. Und gerade diese Fachleute sollten die ersten sein, die in aller wissenschaftlichen Klarheit erkennen, daß sie, bei aller Mühe und intellektuellem Einsatz, schließlich long range weather forecasting betreiben. Ich sage das ganz ohne Ironie.

    Die Unsicherheit wächt mit der Menge des dauerhaft zu lagernden Mülls (Anzahl notwendiger “perfekter” Endlager mit begrenzter Kapazität). Die Folgerung daraus dürfte klar sein, es sei denn, Sie widersprächen dem.

  65. immer noch: der Abfall

    @eoff

    auch wenn Ihnen das naiv oder unwahrscheinlich oder wie auch immer vorkommen mag, in geologischen Zeiträumen ist eine Mio Jahre recht gut beschreibbar. Die Kontinente werden sich in einer bestimmten Richtung mit gerichteter Kraft bewegen und aus dieser Bewegung lässt sich über einen längeren Zeitraum recht gut vorhersagen, wie das geht.

    Natürlich haben Sie auch Recht: eine absolute, 100%ige Sicherheit – die gibt es nicht. Aber von allen Szenarien die analysiert wurden, ist die Endlagerung im Salz die aussichtsreichste. Und OK, dann lassen Sie mich meine Aussage eben relativieren: Die Endlagerung von radioaktiven Abfall ist nicht absolut gelöst, aber wir haben gute Chancen es auf einen bestimmten Weg zu versuchen und damit auch Erfolg zu haben.

    Btw: was die Mengen angeht, da möchte ich mal in Richtung der Chemieindustrie weisen. Dort werden richtig gefährliche Abfälle für die Ewigkeit endgelagert. Und das in Dimensionen die tausendmal größer sind. Alleine in den Endlagern Herfa-Neurode und Zielitz lagern mehrere Mio Kubikmeter chemisch-toxischer Abfall. Und die Kapazität ist dort noch längst nicht erschöpft. Im Vergleich dazu reden wir beim radioaktiven Abfall von rund 33.000 Kubikmeter (wenn wir die Laufzeitverlängerung durchziehen). Hierzu möchte ich auf einen Text verweisen in welchem ich mich mit dieser Problematik befasst habe:
    http://www.kerngedanken.de/?p=169

    Ich will hier nichts verharmlosen, die Problematik radioaktiver Abfall ist ein schwieriges Problem welches dringend und fachgerecht gelöst werden muss, aber es gibt eben auch in anderen Bereichen solche Probleme.

  66. “… aber es gibt eben auch in anderen Bereichen solche Probleme.”

    Hierhin gehört eine Replik mit der alten Volksweisheit: Der Vergleich ist die törichste aller Tröstungen.

    Aber: “solche” Probleme, mit Verlaub, existieren in “anderen Bereichen” eben gar nicht – wenn die Bereiche denn schon “anders” sein sollen.

    Kernkraft ist (und ~bleibt) ein brute-force-Prinzip; welcher Dämon soll da konsekutiv – den so dringend notwendigen – Überblick behalten?

  67. Chemiemüll vs Radwaste

    OK, dann lassen Sie mich bitte die Frage anders stellen:

    auf der einen Seite wird seit Jahren an vier verschiedenen Stellen in Deutschland Gift in den Boden gepumpt. Wir reden hier von mittlerweile mehreren Mio Kubikmetern Abfall. Abfall der bis in alle Ewigkeit gefährlich bleibt. Die Kapazität für weiteren Müll liegt hier bei weiteren rund fünf Mio Kubikmetern.

    Auf der anderen Seite wird schon bezweifelt, dass rund 30.000 Kubikmeter radioaktiver Abfall sicher für eine Mio Jahre gelagert werden kann (danach hat er zumindest sein radiotoxisches Potenzial verloren).

    Nun meine Frage: warum wird hier mit zweierlei Maß gemessen?

    Anders als Sie es mir unterstellen, will ich mich mit dem Vergleich nicht trösten. Ich frage mich nur, warum in Bezug auf die Kernkraft mit zweierlei Maß gemessen wird: diese muss absolut sicher sein (was natürlich nie realisierbar ist), darf keinen Schaden anrichten und der Müll darf schon gleich gar nicht unter die Erde.

    In anderen Bereichen hingegen werden die zahlreichen Toten genauso ignoriert wie die Schäden an der Natur. Und der Müll? Klar, verbuddelt ihn in der Erde. Macht nix wenn das mehr als tausendmal mehr ist der bis auf ewig schädlich ist, hauptsache nicht diese pöhse eklige Radioaktivität (entschuldigen Sie meinen Sarkasmus).

    Also noch einmal meine Frage: warum werden bei (ohne Frage hochriskanten) Technologien diese unterschiedlichen Maßstäbe angelegt?

  68. @Tolya Glaukos Zur Ziege

    Verraten Sie mir, was Ihnen an der Ziegengescheichte graue Haare wachsen lässt? 🙂

  69. ziegen

    hallo simone,
    die ziegen kränkten meine intuitive logische lösung – denn die war leider verkehrt. also, in der spielshow hätte ich (vielleicht auch aus gründen von konservativität??) an meinem türchen festgehalten.
    eisern.
    wenn man die einzelfälle durchsimuliert, hat man ja schnell die lösung …

    wie kommt es, dass so viele wie ich die falsche lösung annehmen? ich sehe darin eine art logische “optische täuschung”.
    und Sie?

    p.s.: mit schrödingers katze ist es natürlich nur bedingt zu vergleichen. wiewohl ja ziegen wie katze hinter black boxen versteckt waren, wenn ich die spielanordnung richtig erinnere 😉

  70. @JanG To whom it may concern

    “Nun meine Frage: warum wird hier mit zweierlei Maß gemessen?”

    Ich stimme Ihnen zu: wer das tut, ist ein Ignorant. Als je klüger der Mensch sich erweist, desto weniger wird er geneigt sein, seine Lebensgrundlagen einem aggressiven, immerwährenden Stresstest zu unterziehen. Mit welcher Motivation und – mit welchem Ausgang? Wir wissen es nicht. Aber die folgenden Generationen werden es schon herausfinden (Was sie noch nie über Sex wissen wollten, aber gezwungen waren zu erfahren).

    Ist es Eitelkeit, das Handicap unserer Sterblichkeit, oder was hindert die Welteneroberer unter uns, behutsamer, besonnener, also intelligenter zu sein?

  71. Strahlenschutz

    Ich bin Physiker. Im kalten Krieg habe ich ehrenamtlich ein Strahlenschutzlabor aufgebaut, nach der Wende habe ich mit Projekten zu Erneuerbaren Energien beschäftigt. Damals war ich froh, dass der Ernstfall nie auftrat. Heute kenne ich Potentiale, die mit EE erschließbar sind.
    Nach meinen Abschätzungen ist mit Biomasse nur 5 MW aus dem Umland (50 km) vorteilhaft betreibbar. Geothermie hat riesige Potentiale, nur ist die Energiedichte sehr gering und solange fossile Rohstoffe den Faktor 10^4 mehr Energie mit gleicher Technik aus der Erde holen, sind für Geothermie die Bohrkosten unbezahlbar.
    Wind, Wind das himmliche Kind! Damit läßt sich Energieversorgung nur machen, wenn gleichzeitig die 3 fache fossiler Kraftwerksleistung in warmer Reserve gehalten wird. Soviel zum CO2-freinen Windstrom.
    Speicher sind in Deutschland ja auch verpönt.
    Die Verbindung CO2 hat das niedrigste Energieniveau einer C-Verbindung. Die Photosynthese mit Algen braucht ebenfalls riesige Flächen wegen des geringen wirkungsgrades der Energiewandlung. …
    Ich will hier keinesfalls sagen, dass hier nicht mit Nachdruck weiter an Lösungen gearbeitet werden soll und muss, nur wir sollten nicht von einer Vision in die andere taumeln.
    Nun und noch mal zum Strahlenschutz. Die StrlSchV spricht von radioaktiven Stoffen und ionisierender Strahlung, Sie kennen nur den Begriff “Verstrahlt”. Da können sie sehen von welchem Holz die Experten sind, die in den Medien präsentiert werden. Die in den Medien als lächerlich dargestellten Aktionen wie Waschungen mit Seife haben durchaus eine Wirkung bei einer akuten Kontamination. Sie verhindert Inkorporation und Kontaminierung Dritter.
    Und noch ein kleiner Geck. Da wird immer von Energieerzeugung geredet. Besonders gerne von Grünen bei EE. Nur Energie wird nur in Kernprozessen durch den Massedefekt nach E = m*c^2 (Einstein) erzeugt.
    Wenn mich meine Mutter Experte genannt hat, war immer etwas faul!

  72. @Tolya logisch-optische Täuschung

    Es reizt mich, dazu etwas zu schreiben, denn ich glaube, es kommt auf die Heuristik an.

    Was tut nämlich der Moderator? Er öffnet bis auf eine alle anderen falschen Türen, so daß nun entweder meine oder die verbleibende Tür die richtige ist: sieht aus wie generisch 50:50. Wären vorher aber, sagen wir, 1000 Türen möglich gewesen, und der Moderator hätte 998 Türen schließen müssen, leuchtet intuitiv ein, daß ein Wechsel eine gute Idee ist, war doch meine Chance auf einen Treffer bei der ersten Wahl offensichtlich hinreichend gering, um meine Wahl angesichts der neuen Umstände zu überdenken. Bei drei Türen fällt das der Intuition kaum auf, weil er nur eine Tür öffnet.

  73. @Tolya Interessanter Punkt

    Oh, interessante Frage. Ich würde gern zur “logischen Täuschung” einen eigenen Post schreiben. Das Thema ist zu spannend, um es hier als Nummer 78 zu verstecken 🙂

  74. @alle Danke 🙂

    Mal so zwischendurch nach heißen Diskussionen und knapp 80 Kommentaren einen herzlichen Dank an alle, die sich hier mit viel Engagement dafür eingesetzt haben, Licht in das atombezogene Dunkel zu bringen. Für die horizonterweiternden Anmerkungen, Ergänzungen, Vertiefungen und Kontroversen danke, danke 🙂

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