Schneechaos im Wörterbuch

Sprachlog

Wenn Sie wegen Anja Wässerbachs Artikel „Inuit und der Schnee von gestern” in den Stuttgarter Nachrichten oder im Schwarzwälder Bote hier gelandet sind und nun mehr über Schnee und Eskimos wissen möchten, empfehle ich Ihnen die folgenden Artikel aus meinem alten Blog, dem „Bremer Sprachblog“):

Außerdem hoffe ich, dass Sie sich auch hier in meinem neuen Blog umsehen und empfehle Schneefreunden folgende Beiträge:

  • Schneeschleudern (in dem es um Wintermode und noch mehr Eskimowörter für Schnee geht),
  • Ein Traum in Weiß (in dem der Nachfolgemythos aufgegriffen wird, dass die Eskimos aber doch wenigstens ein Dutzend Wörter für die Farbe Weiß haben).

Damit der Beitrag nicht nur aus Verknüpfungen besteht, hier noch die Wörter für „Regen“, deren Existenz ich im Artikel ohne großes Nachdenken behauptet hatte:

gießen, schiffen, tropfen, nieseln, pladdern, plätschern, prasseln, rieseln, schauern, tröpfeln, fisseln, drippeln, rasseln, peitschen, schütten

Wem fallen noch mehr ein?

Anatol Stefanowitsch

Nach Umwegen über Politologie und Volkswirtschaftslehre habe ich Englische Sprachwissenschaft und Sprachlehrforschung an der Universität Hamburg studiert und danach an der Rice University in Houston, Texas in Allgemeiner Sprachwissenschaft promoviert. Von 2002 bis 2010 war ich Professor für Englische Sprachwissenschaft an der Universität Bremen, im August 2010 habe ich einen Ruf auf eine Professur für anglistische Sprachwissenschaft an der Universität Hamburg angenommen. Mein wichtigstes Forschungsgebiet ist die korpuslinguistische Untersuchung der Grammatik des Englischen und Deutschen aus der Perspektive der Konstruktionsgrammatik.

23 Kommentare

  1. drippeln

    … hab ich ja ewig nicht mehr gehört. Dachte immer, dass das ein Dialektwort wäre.

  2. pissen

    … und im Wörterbuch stehen noch über ein halbes Dutzend mehr (allerdings meist regionalsprachlich). Die tippe ich jetzt nicht ab, das wäre ja wie spicken.

  3. dröppeln…

    … ist im norddeutschen Raum auch recht verbreitet, meiner Erfahrung nach. “Es kübelt” habe ich auch schon mal gehört, aber nur ein mal.

  4. zum regen

    sagte mein opa gerne mal “es prscht”; von tschechisch “prší” (es regnet).

  5. plörren, sprühen, bitzeln.

    Letzteres könnte auch dialektal abgeleiteter Familiensprech sein (von ‘ein bisschen/ä bitzel’, meist bei Niesel in Abgrenzung zum Regen: “Nein, es bitzelt nur.”).

    kübeln nutze ich, äh, sehr oft.

    [Eine schnelle Googlesuche ergibt für bitzeln nur die Bedeutungen „kribbeln, prickeln, jucken“. — A.S.]

  6. Mich würde mal interessieren, wie viele Wörter für Nebel es im Londoner Dialekt gibt… *duck*and*cover*

    Zum Thema:
    Mir ho frier fei „drebbln“ odr “drahschn” gesoht.

    ok, weniger dialektal sollte wohl pieseln sein, eine Variante, die sogar meine Eltern benutzt haben.

  7. pissen

    Insbesondere, wenn man sich beim Regen draußen befindet und man deswegen aufgebracht ist, ist auch “pissen” ein mögliches Wort.

  8. Inuit?

    So weit, so gut.
    Gleichzeitig kolportiert Frau Wässerbach eine weitere Legende, von der ich dachte, dass sie überholt sei, nämlich dass der Inuit nicht Eskimo genannt werden möchte. Ich dachte das Wort “Eskimo” ist inzwischen nach neueren Erkenntnissen vom “Rohfleischesser” zum “Schneeschuhbauer” geadelt worden und deshalb politisch korrekt, wohingegen die Eskimos, die keine Inuit sind, eben nicht Inuit genannt werden wollen.
    Wäre dies vielleicht auch ein Thema für den Sprachlogger?

    [Wäre es. Ich habe das Frau Wässerbach gegenüber sogar erwähnt, aber ich kann nachvollziehen, dass sie (oder der zuständige Textchef) trotzdem lieber das Wort Inuit verwendet haben. Das Problem ist hier, dass viele Leute glauben, dass die Angehörigen aller Eskimostämme „Inuit“ genannt werden möchten; wenn man bei „Eskimo“ bleibt, bekommt man viele böse Briefe. Außerdem gibt es ja tatsächlich einige Stämme, die nicht „Eskimo“ genannt werden wollen, eine allgemein akzeptable Gesamtbezeichnung existiert also nicht. Noch nicht einmal „Ureinwohner (des Nordpolarkreises)“ träfe die Sache, weil die Eskimos nicht überall plausiblerweise als Ureinwohner bezeichnet werden können (in Grönland sind sie z.B. wohl erst nach den Wikingern, oder zumindest ungefähr gleichzeitig angekommen). Im linguistischen Zusammenhang bietet sich die Bezeichnung Eskimo an, weil die Sprachfamilie Eskimo-Aleut heißt. — A.S.]

  9. Wie, keine Anglizismen?

    Im Zuge der Verdenglischichung (ja, das Wort habe ich mir glaube ich gerade ausgedacht) der Deutschen Sprache hatte ich da eigentlich ein paar Englische Anleihen erwartet. Wie waere es mit:

    Es raint gerade total heavy.

    oder:

    Es chuckt es gerade runter.

    😉

  10. schiffen, und wascheln (damit das Ostmittelbairische nicht ganz zu kurz kommt.)

    Vermutlich würden die Eskimos auch erheiternd finden, dass der Winter auf Zeitungsdeutsch nicht “Winter” heißt, sondern “Schneewalze”.

  11. tullern

    kenne ich von meinen Eltern, sowohl im Sinne von “Regnen” als auch von “pinkeln”

  12. “Pieseln”

    benutze ich häufig. Eine etwas zahmere Version von “pissen”, möglicherweise in Anlehnung an “nieseln”.

    “Mist, das pieselt ja schon wieder!”

    Die Vorlesung heute (Varieties) war übrigens großartig, sehr spannend. Ich freue mich schon auf nächste Woche.

  13. Allgäu

    Ich kenn da noch “saiche”, was wie so viele Worte für “regnen” auch für urinieren verwendet werden kann…

    Mir scheint es beim Urinieren zwei Gruppen zu geben: Worte, die man auch für Regen nehmen kann (z.B. pissen, schiffen oder o.g. saiche), und solche, bei denen das nicht geht (z.B. pinkeln, brunzen). Hat das irgendein unerschrockener Sprachwissenschaftler schon untersucht? Lecker Thema, ich weiß. 😉

  14. Schnee nochmal

    Im Post “Schneeschmelze” kann man leider nicht mehr kommentieren. Als weitere deutsche Wörter für Schnee stehen da Firn, Harsch und Sulz.

    Fehlt da nicht noch Mulf? Oder ist das nur ein regionaler Begriff?

  15. regnen?

    Da gibt es noch “gatschen” – ist mir zwischen Harz und Heide begegnet.

  16. stippern

    … sagt eine Freundin, die aus dem Sauerland kommt, zu (leichtem) Regen.