Linke Sprache – rechte Sprache? Erkennungszeichen beim Reden mit Linken und Rechten

„Wie die Sprache, so die Denkungsart“ schrieb ich zum Blog-Einstieg der „Semantischen Wettkämpfe“. Wenn das stimmt, dann müsste man ja auch rechten und linken Sprachgebrauch unterscheiden können. Sind Sätze wie Der Staat ist auf die Leistungsbereitschaft seiner Bürger angewiesen oder Der Staat muss die gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen eher links oder rechts? Gibt es eine sprachliche Erkennungsstrategie für politisches Denken?

Was ist eigentlich politisch links?

Im Mittelpunkt linker Politikideale steht – holzschnittartig pointiert – die größtmögliche Gleichheit der Menschen in Bezug auf Rechte, Chancen, Lebensstandard usw. Insofern gehört die Aufhebung von Ungleichheit und von Unterdrückung zu den zentralen Forderungen der politischen Linken. Sozial- und Wirtschaftsstrukturen sollen zugunsten der wirtschaftlich oder gesellschaftlich Benachteiligten verändert werden.

Was bedeutet dies für die Sprache?

Mit der Sprache wird Politik gemacht – so zum Beispiel mit dem Asterisk (Sternchen) * in Politiker*innen oder dem Ausdruck Geflüchtete anstelle von Flüchtling oder gar mit dem zum Unwort gekürten Stigmawort Herdprämie. Im Sprachgebrauch sollen möglichst viele verschiedene Individuen und spezifische Personengruppen (etwa bezogen auf Geschlecht) explizit sichtbar gemacht werden und nicht in größeren Gruppenbezeichnungen verschwinden. Außerdem gelte es sprachstigmatisierende Abwertungen von Minderheiten zu vermeiden. Verbal scharf geschossen wird auch gegen eine traditionelle Rollenaufteilung in Familien wie z.B. im Kontext des Betreuungsgeldes. Diversität oder Verschiedenheit soll nicht nur an der Sprachoberfläche deutlich gemacht werden, sondern wird programmatisch zur Leitmaxime eines politisch reflektierten Sprachgebrauchs erhoben: Daher werden Ausdrücke mit den Wortbausteinen „inter-“, „trans-“ oder „multi-“ gerne positiv gebraucht. Darstellungen von wirtschaftlichen oder ähnlichen Leistungen, welche die Individuen fokussieren, werden als verdächtig wahrgenommen.

Was ist politisch rechts?

Zur Beantwortung dieser Frage schaue ich bei Wikipedia vorbei: „Als politische Rechte wird ein Teil des politischen Spektrums bezeichnet. Sie geht von einer Verschiedenheit der Menschen aus und befürwortet oder akzeptiert daher eine gesellschaftliche Hierarchie. Ungleichheit [ob durch Erbfolge oder im wirtschaftlichen Wettbewerb erworben/Anm. E.F.] wird deshalb von der politischen Rechten als unausweichlich, natürlich, normal und wünschenswert betrachtet. […] Rechte Politik kann sich sowohl auf die gesellschaftspolitische als auch auf die wirtschaftspolitische Ebene beziehen.“ (Wikipedia „Politische Rechte“)

Was bedeutet dies für die Sprache?

Charakteristisch sind Ausdrücke (wie z.B. Leistungsgesellschaft), Mehrwortverbindungen („Zunächst einmal gehört das Christentum zu Deutschland.“) und Metaphern (z.B. Flüchtlingsflut) mit gesellschaftlichen und rollenspezifischen Einordnungen, bekennenden (auch religiösen) Traditionsbezügen und deutlich regionalem Bezug; dazu zählen auch Formulierungsweisen, welche die individuellen Leistungen von Menschen betonen (gemäß dem Motto „Jeder ist seines Glückes Schmied!“).

Erkennungszeichen der Rechts-Links-Spezifizierung

Müsste man sich – zur Profilierung der Debatte und unter Nichtberücksichtigung von Feinheiten – auf ein zentrales Kennzeichen zur Unterscheidung von politisch rechts oder links festlegen, so würde ich mich für das Gegensatzpaar heterogen versus homogen oder Vielheit versus Einheit entscheiden. Oder zugespitzt formuliert: Die einen träumen von der inspirierenden Heterogenität, die anderen von der verlorengeglaubten Homogenität.

Einheit versus Vielheit als Konzept-Code

Vor diesem Hintergrund und in diesem Denkmodell werden Homogenität und Heterogenität zu handlungsleitenden Konzepten gesellschaftlicher Selbstfindungsdiskurse überhöht. Entsprechende Ausdrücke dienen als Leitvokabeln und Erkennungszeichen politischer Gruppierungen. Für die politische Rechte bedeutet dies: Empirisch feststellbare und leicht beobachtbare Heterogenität wird in das Narrativ des homogenen Nationalstaates unter ethnischen Gesichtspunkten projiziert und als Problem etikettiert. Gleichzeitig wird die Gruppenabgrenzung als Lösung eingeflüstert. Für die politische Linke hingegen ist die ethnische Zusammengehörigkeit irrelevant oder zumindest zweitrangig – begründet durch die kaum zu klärende Frage, inwiefern der vielschichtige Cocktail aus familiärer Vorgeschichte, sozio-kultureller Herkunft oder zufälliger Staatszugehörigkeit die Identität eines einzelnen Menschen bestimmt.

Darüber hinaus sind Konzepte von Heterogenität bei der Linken positiv konnotiert (im Sinne von Vielheit als Bereicherung), bei der Rechten als (gegebenenfalls problematisches) Unterscheidungsmerkmal hervorgehoben (Gegensatz zwischen dem „Volk“ und „anderen Völkern“). Und entsprechend wird die Konzeptualisierung von Homogenität bei der Linken als tendenziell fremdenfeindlich und bei der Rechten als identitätsstiftend stark gemacht. In der Folge wird politisch rechts die Homogenisierung in Bezug auf ethnische (kulturabgrenzende) Gruppen („Wir“ sind x, und die anderen sind nicht-x) markant hervorgetan. Bei der politischen Linke wird dahingegen Heterogenität gruppenidentitätsstiftend in Bezug auf „unterprivilegierte“ oder subkulturelle (nicht angepasste) Gruppen hervorgehoben („Wir“ sind y, und die anderen haben die ökonomische oder politische Macht).

Langer Rede kurzer Sinn

Linker und rechter Sprachgebrauch bedienen sich gleicher Prinzipien (= Variablen) bei unterschiedlicher Füllung. Doch es bleibt dabei: Sprache ist nie neutral – genauer gesagt – Sprecher entscheiden sich bei der Wahl einer Ausdrucksweise (beim Sprachgebrauch) automatisch für bestimmte Konzeptualisierungen und damit Perspektiven. Und mit einer Entscheidung für eine Formulierung geht eine Entscheidung gegen eine nicht gewählte Formulierung einher, ohne dass wir Sprecher auf der Metaebene immer erklären könnten, welche Motive der gewählten Formulierungsvariante zugrunde liegen und welche Gründe zum Nicht-Realisieren möglicher alternativer Formulierungen geführt haben.

 

Veröffentlicht von

Ekkehard Felder ist Professor für Germanistische Linguistik an der Universität Heidelberg. Er initiierte 2005 die Gründung des internationalen und interdisziplinären Forschungsnetzwerks Sprache und Wissen. Diese Forschungsgruppe untersucht diskurs- und gesellschaftskritisch die sprachliche Zugriffsweise auf Fachinhalte in zwölf gesellschaftlichen Handlungsfeldern – sog. Wissensdomänen (z.B. Recht, Wirtschaft, Medizin, Politik, Naturwissenschaft und Technik). Da Fachinhalte durch die Wahl der Worte geprägt werden und widerstreitende Positionen eine andere Wortwahl präferieren, ist ein Streit um die Sache auch ein Streit um Worte bzw. ein semantischer Kampf um die richtige Sichtweise. Deshalb heißt sein Blog bei SciLogs „Semantische Wettkämpfe – Wie die Sprache, so die Denkungsart“. Seine Forschungen beschäftigen sich mit der Fachkommunikation, der sozio-pragmatischen Diskursanalyse und der Untersuchung von Sprache als Indikator für Identität, Mentalität und Authentizität. 2010 gründete er mit den Kollegen Ludwig M. Eichinger und Jörg Riecke das Europäische Zentrum für Sprachwissenschaften (EZS). Als Fellow des Institute for Advanced Studies in Heidelberg (2008) und STIAS in Stellenbosch / Südafrika (2009) widmete er sich dem diskursiven Wettkampf um erkenntnisleitende Konzepte („agonale Zentren“). Felder ist Autor von fünf Monografien und (Mit-)Herausgeber diverser Sammelbände. Besonders bekannt ist die von ihm herausgegebene Reihe „Sprache und Wissen“ (SuW) bei de Gruyter und die dort mit Andreas Gardt herausgegebenen „Handbücher Sprachwissen“ (HSW).

41 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Mich hat der Asterix immer ein wenig irritiert. Denn das Sternchen ist ja auch gleichzeitig ein Zeichen, das auf Fußnoten hinweisen soll. Das kann Texte zusätzlich schwer lesbar machen.

  2. Begriffe können der Ausdruck einer Weltanschauung sein, müssen aber nicht. Nicht jeder Bürger macht eine Begriffsanalyse, bevor er spricht. Wenn ich einen Mohrenkopf esse, dann bin ich deswegen kein Rassist.
    Sprache transportiert ja die gesamte Breite des politischen Denkens.
    Überhaupt sind die Begriffe links und rechts nicht mehr eindeutig. Und wenn ich mir überlege, dass etwa 30 % der Bewohner von Innenstädten schon einen Migrationshintergrund haben, dann wird die Einteilung erst schwierig.
    Es gibt Gewerkschaftssekretäre, die sind katholisch , die Ehefrau ist Muslimin und der Gewerkschaftssekretär wählt die AfD. Was nun Herr Felder?
    Man könnte auch an einem Texterkennungssystem arbeiten, das mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit herausfindet, von welcher Tageszeitung der Text stammt.
    Meine Meinung zu diesem Projekt: Alle Vorhaben, die Menschen klassifizieren und hinterher in Schubladen stecken, sind abzulehnen.

    • Sie haben es jetzt aber reflektiert. Wenn Sie den Ausdruck jetzt weiter verwenden, dann sind Sie ein Rassist.
      (Dabei ist klar, dass unterschiedliche Grade von Rassismus gibt. Zum Beispiel danach ob man Gewalt akzeptiert. Nach solchen Graden ist der “Mohrenkopf” sicherlich ein niedriger Grad)

  3. “Rechts” und “Links” meinen direkt Sitzordnungen in Parlamenten, metaphorisch meint “Links” Kollektivisten mit internationalem, auch : internationalistischem Anspruch, und “Rechts” entweder politisch Konservative oder Kollektivisten mit nationalem, auch : nationalistischem Anspruch.

    Es gibt zudem keine Kontinuität der Art “konservativ(rechts)->konservativer(rechter)->Nationalsozialist(rechtsradikal)”. [1]

    Diese ganze Metaphorik hinkt insofern und Liberale unterscheiden zuvörderst zwischen den beiden grundsätzlich möglichen politischen Richtungen “liberal” und “kollektivistisch”.

    MFG + Frohes Neues!
    Dr. Webbaer (der sich bestimmter positiver Sichtweise auf unsere politisch linken Freunde insofern nicht anschließen kann)

    [1]
    Die Konservativen hatten schlicht Pech, dass die Nationalsozialisten rechts im Parlament nehmen ihnen zu sitzen kamen, aus rein praktischen Gründen : weil sie sich ansonsten, eben im Parlament, mit den Kollektivisten vom anderen Ufer geprügelt hätten – wobei die so gewählte Sitzordnung dem bestmöglich vorbeugen suchte.

  4. Bonuskommentar hierzu :

    Linker und rechter Sprachgebrauch bedienen sich gleicher Prinzipien (= Variablen) bei unterschiedlicher Füllung.

    Dies mag teilweise so sein, allerdings sind es nur die politisch “Linke” und die “rechten” Nationalsozialisten (diese “kleine”, aber notwendige Unterscheidung zwischen Konservativen und Nationalsozialisten fehlte übrigens im dankenswerterweise bereit gestellten Aufsatz), die der Sprache besonderen Wert beimessen und über die Sprache sozusagen zu herrschen suchen.
    (Anatol Stefanowitsch, der bei den scilogs.de seinerzeit nicht dankenswerterweise bereit stand, wie einige finden, ist, wie einige finden, ein schönes Beispiel dafür, ein sozusagen personifiziertes, wie es einige “Linke” nach Macht über die Sprache lechzt.)

  5. Sprachlich und ideologisch gesehen gibt es einen weiteren oben nicht erwähnten Unterschied zwischen Links und Rechts: Linkes gesellschaftliches Denken geht von bestehender Ungerechtigkeit/Ungleichheit aus und will diese beseitigen/überwinden wobei sie von einer Vision einer besseren, humaneren Welt ausgeht und gleichzeitig die Wahrnehmung für Rassismus/Ungerechtigkeit/Ungleichheit schärfen will: deshalb die Tendenz zur (inneren) Sprachpolizei und zu (aufklärerischen) Neologismen. Beispiel: Im Zusammenhang mit den Übergriffen auf Frauen in der Kölner Sylvesternacht durch junge Migranten vorwiegend aus Nordafrika prägten linke/feministische Kreise den neuen Begriff „sexualisierte Gewalt“ anstatt den bereits vorhandenen Begriff „Gewalt gegen Frauen“ zu verwenden. Damit verfolgten diese SprachneuererInnen mehrere Ziele: 1) Macht „sexualisierte Gewalt“ die jungen Männer zu geschlechtslosen Gewalttätern (sexualisierte Gewalt vermeidet die Nennung des Geschlechts). Damit wird ein Gewaltakt, den die Rechten der Kultur der Migranten zuschreiben anthropologisiert (allen Menschen zugeschrieben)
    2) legt der Begriff „sexualisierte Gewalt“ für das Verhalten von jungen männlichen Migranten den Gedanken nahe, dass die Gewalt zuerst komme und sich dann einen sexuellen Ausdruck suche, wobei die Gewalt vielleicht ein Ausdruck der prekären Situation ist, in der die Migranten leben.
    Die Linken wollen die Ereignisse also so interpretieren, dass sie zu ihrer Sichtweise passen und sie schaffen dafür auch neue sprachliche Begriffe mit dem Ziel das gesellschaftliche Denken neu zu orientieren.

    • Ergänzung: Richtig (auch politisch korrekt) zu sprechen ist für Linke wichtiger als für Rechte, weil dezidiert Linke die Welt verbessern wollen und die Verbesserung mit der richtigen Sicht beginnt. Das gilt allerdings vorwiegend für die neue Linke, die nicht mehr den Arbeiter befreien und ermächtigen will, sondern die sich nun aller (auch etwa sexueller, ethnischer) Minderheiten und Randgruppen annimmt. Wer sich zu dieser neuen Linken zählt kann mit einem klassischen Arbeiter wenig anfangen und umgekehrt können klassische Arbeiter (Industrie, einfache Dienstleistungen) wenig mit den meist akademischen gebildeten Vertretern dieser neuen Linken anfangen, weswegen heute solch klassische Arbeiter meist rechts wählen. Die neue Linke betreibt nicht mehr vorwiegend klassische Sozialkritik, es geht ihr nicht mehr um die soziale Frage , sondern um Identitätspolitik, also darum, (Rand-)Gruppen anzuerkennen, die ein kollektives Bewusstsein entwickelt haben wie etwa (Zitat Wikipedia) Feministinnen, schwule und lesbische Gruppen, amerikanische Ureinwohner, Amerikanischer asiatischen und hispanischer Herkunft, Alte, Obdachlose, Ex-Psychiatriepatienten, Behinderte . Identitätspolitik neigt dazu die von ihr verteidigten (Rand-)Gruppen als mehr oder wenig homogenes Kollektiv darzustellen und sie zudem in eine Opferrolle hineinzuschieben. Das ist wahrscheinlich der Grund warum Linke heute muslimische Islamkritiker gerne ausgrenzen und ihnen sogar Kollaboration mit der Rechten unterstellen, denn in den Augen dieser neuen, identitätspolitisch denkenden Linken bilden alle Muslime ein Kollektiv und wer Kritik an gewissen Phänomenen innerhalb der Muslimgemeinschaft äusserst kritisiert damit das ganze Kollektiv.
      Hier sehe ich eine Differenz zur Darstellung von Ekkehard Felder, welcher meint, Linke stehen für inspirierenden Heterogenität, Rechte dagegen für verlorengeglaubte Homogenität. Ja Linke stehen für Heterogenität, aber nur innerhalb eines kollektivistischen Menschen- und Gruppenbildes in dem alle Äusserungen entweder der Gruppe dienen oder aber der Gruppe schaden.

      • Nur mal nebenbei der Kommentar eines Besserwissers:
        Die “Rechten” wollen die Welt natürlich auch verbessern. Allerdings nur für sich und auf Kosten der Anderen. (-:

    • Zitat: “Beispiel: Im Zusammenhang mit den Übergriffen auf Frauen in der Kölner Sylvesternacht durch junge Migranten vorwiegend aus Nordafrika prägten linke/feministische Kreise den neuen Begriff „sexualisierte Gewalt“… ”
      Der Begriff ist viel älter und kommt von der Arbeit mit Opfern von sexuellem Missbrauch. Die (manche von ihnen) wehren sich dagegen, missbraucht worden zu sein, weil das impliziere, dass es auch einen Gebrauch, ein richtiges Benutzen geben könne.

    • Zitat: “Beispiel: Im Zusammenhang mit den Übergriffen auf Frauen in der Kölner Sylvesternacht durch junge Migranten vorwiegend aus Nordafrika prägten linke/feministische Kreise den neuen Begriff „sexualisierte Gewalt“… ”
      Der Begriff ist viel älter und kommt von der Arbeit mit Opfern von sexuellem Missbrauch. Die (manche von ihnen) wehren sich dagegen, missbraucht worden zu sein, weil das impliziere, dass es auch einen Gebrauch, ein richtiges Benutzen geben könne.

  6. “Sozial- und Wirtschaftsstrukturen sollen zugunsten der wirtschaftlich oder gesellschaftlich Benachteiligten verändert werden.”

    Klassenkampf? – Das ist NICHT LINKS, das ist das leicht assimilierbare Dogma der ebenfalls zu systemrationaler Suppenkaspermentalität gebildeten Wohlstands- und Gewohnheitsmenschen.
    ECHT LINKS, will keinen “demokratischen” Parlamentarismus zur Verwaltung von Symptomatik in “Wer soll das bezahlen?” und “Arbeit macht frei”, keine faulen Kompromisse, es geht um eine GLEICHERMAßEN befriedete Menschheit!

    “politisch rechts – Sie geht von einer Verschiedenheit der Menschen aus und befürwortet oder akzeptiert …”

    Imperialismus vs. “Antiimperialismus” – Da ist doch quasi kein Unterschied zu deinem POPULISTISCHEN Verständnis von links!

  7. Wenn sich z.B. ein Gregor Gysi wie ein Wirtschaftsexperte hinstellt und mit diversen faulen Kompromissen erklärt wie DIE LINKE das wettbewerbsbedingte Wirtschafts- und “Sozial”-System besser / “vernünftiger” regieren würde, dann ist das genau so absurd und menschenverachtend, wie die Rechte den nun “freiheitlichen” Wettbewerb mit noch schärferen Maßnahmen glaubt verteidigen zu müssen / sollen – Faschismus bleibt Faschismus, auch wenn “Links” meint mit einer VERSCHWIEGENEN Light-Version die Macht erschleichen zu können / müssen!!!

  8. hto,
    Sie fordern die ideale Gesellschaft. Das geht nur Schritt für Schritt. Und wenn uns die Menschen dazu fehlen, geht es gar nicht. Im Augenblick müssen wir sogar schon glücklich sein, wenn die Entwicklung nicht rückwärts verläuft.

  9. Wenn ich Formulierungen wie “Globalisierung der Dienstleistungsgesellschaft” höre / lese, dann denke ich nicht an die merkwürdige Schuld- und Sündenbocksuche in links oder rechts, sondern an den leichtfertigen, ignorant-arroganten und zynischen Sprachgebrauch der mehr oder weniger manipuliert-GEBILDETEN Mehrheit dieser Welt- und “Werteordnung” im geistigen Stillstand des TITTYTAINMENT (neues Wort für Brot und Spiele).
    Diese Welt ist durch und durch beherrscht von Überproduktion an KOMMUNIKATIONSMÜLL, was in keinster Weise dem Zeitgeist entsprechend reformiert gehört, sondern von der Ursache allen offensichtlichlichen Übels möglichst zweifelsfrei eindeutig neu / einzig menschenwürdig neu geordnet gehört!

  10. @ Herr Felder und:
    “…und mit einer Entscheidung für eine Formulierung geht eine Entscheidung gegen eine nicht gewählte Formulierung einher, ohne dass wir Sprecher auf der Metaebene immer erklären könnten, welche Motive der gewählten Formulierungsvariante zugrunde liegen und welche Gründe zum Nicht-Realisieren möglicher alternativer Formulierungen geführt haben…” (Ende des Felder- Zitats)
    1.
    Das eben, liebe Gemeinde ist der Grund, weswegen (intellektuell) redliche Diskutanten in vernünftigen Diskussionen (aus denen man etwas lernen kann) eben nicht auf die
    “gewitterten” Motive der Diskusionsteilnehmer rekursieren sollten, sondern in erster Linie darauf, inwieweit Behauptungen wirklich auf Fakten beruhen und die Argumentation in sich einigermaßen widerspruchsfrei ist. Argumente “ad hominem”
    sind ” prapagandaverdächtig” . Allerdings kommt es immer wieder vor,dass Diskutanten (infantil oder raffiniert sublim) im ethischen Doppelstandardmodus diskutieren. (Was ich darf, darfst du noch lange nicht. Oder: Er MUSS recht haben, weil ICH behaupte, dass er (der beste) ein Fachmann ist.)

    2. Nach Herrn Felders (wiki-) Definition darf man nur diejenigen als”Rechte” bezeichnen, die sozialdarwinistisch, d.h. biologisch rassistisch argumentieren. Kulturalistisch – folkloralistischer Nationalismus oder ökonomische Argumente bezüglich eventuelle Vorteile von auf die eigene Staatlichkeit begrenzten Agierens dürften also NICHT als “Rechts” bezeichnet werden.
    Das hielte ich für gar nicht so schlecht. Nur hält sich im Propagandakampf kaum jemand daran.

  11. Ja, da hat L. Schaber zwei wichtige Beobachtungen gemacht:
    1) die sprachbewusste / sprachmanipulierende Linke und Rechte, die Felder meint, steht politisch an den Polen, es ist weder die klassische SPD-, noch CDU-Wählerschaft, sondern es sind bei den Linken eher die linken Gruppierungen innerhalb der SPD, den Grünen und der Linken (gemeint ist die Partei) und bei den Rechten ist es die AfD und sind es gewisse Teile der FDP.
    2) Wo Sprache links, bezugsweise rechts geprägt und adjustiert wird, stellt sich sofort die Frage nach den dahinterstehenden Fakten, also danach ob rechte bezugsweise linke Sprechweise ein Zerrbild aufbaut oder gar lügt.

    Dazu möchte ich noch einmal die Reaktionen der Linken auf die Vorfälle der Kölner Sylvesternacht vor ein paar Jahren heranziehen. Einige stellten die Vorfälle auf die gleiche Stufe wie das, was jedes Jahr am Münchner Oktoberfest passiert. Meine eigenen Recherchen ergaben aber, dass es wenn schon einen Bezug zu dem gibt, was Frauen gemäss UNO-Berichten in Ländern wie Ägypten jeden Tag widerfährt. Dort liest man etwa (übersetzt von DeepL): Trotz der Vielfalt der Möglichkeiten, die das urbane Leben in Ägypten bietet, erleben Frauen und Mädchen, die in städtischen Zentren leben, fast täglich ein höheres Risiko, verschiedenen Formen von Gewalt ausgesetzt zu sein, einschließlich sexueller Belästigung und Vergewaltigung.
    Solche Dinge mögen auch am Oktoberfest passieren, doch man kann es dennoch nicht gleichsetzen mit dem was Frauen in Ägypten und andern nordafrikanischen Staaten jeden Tag erdulden und wo sogar die Polizei auf Seiten der Männer steht. Die Darstellung gewisser linker Stimmen zielte offensichtlich auf eine Relativierung ab und wollte Probleme verwedeln/vertuschen.

  12. Zu:
    “… Die Darstellung gewisser linker Stimmen…”
    Ich lege Wert auf die Differenzierung: GEWISSERR (angeblich) linker Stimmen. Denn es waren durchaus nicht alle.

  13. @Martin Holzherr
    Ganz wichtiger Punkt. Teile der heutigen Linken haben sich von der im Artikel beschriebenen heterogenen Denkweise verabschiedet und denken homogen, wenn es um Frauen und Minderheiten geht
    Man könnte da durchaus von rechtem Denken sprechen, denn es kommt bei diesem nicht darauf an, für welche Gruppen ich eintrete, sondern auf welche Weise ich es tue.
    Deshalb greift der Artikel auch zu kurz, Dr.Webbaer hats angedeutet, es gibt noch zwei andere Linien- die zwischen progressivem und reaktionärem Denken, aber auch die zwischen individuellem und kollektivistischen.
    Beide Linien durchziehen nicht nur die Linke, sondern auch alle anderen politischen Strömungen.

    • @ Kommentatorenkollege ‘DH’ :

      Deshalb greift der Artikel auch zu kurz, Dr.Webbaer hats angedeutet, es gibt noch zwei andere Linien- die zwischen progressivem und reaktionärem Denken, aber auch die zwischen individuellem und kollektivistischen.

      Die Granularität (das Fachwort und hier das Politische meinend), die Feinkörnigkeit in der politischen Betrachtung, in der Betrachtung des demokratisch [1] allgemein als zulässig erachteten Meinungsspektrums, ist im dankenswerterweise bereit gestellten WebLog-Eintrag womöglich “ein wenig” zu kurz gekommen.

      Es ist aus Sicht von Dr. Webbaer so, dass nur die Ränder dieses Spektrums versuchen Sprache politisch klar zu besetzen und so Hegemonien zu errichten.
      Es ist nicht so, dass dies allgemein demokratisch [1] üblich ist.

      MFG
      Dr. Webbaer

      [1]
      Gemeint war hier mit ‘Demokratie’ nicht eine wie immer denkbare und somit mögliche Herrschaftsform, sondern dediziert diejenige, die aufklärerische Gesellschaftssysteme aufsetzend, im Sinne des Sapere Aude, in der Lage war sozusagen die Schwarmintelligenz zu lösen.

      Sportsfreund Mazyek liegt mit anderem Demokratie-Verständnis, dies nur beispielhaft angeführt, mit derartiger Aussage nicht direkt falsch :
      -> https://www.welt.de/politik/deutschland/article12692090/Scharia-und-Demokratie-sind-vereinbar.html

      • “dass nur die Ränder dieses Spektrums versuchen Sprache politisch klar zu besetzen und so Hegemonien zu errichten.”
        Ja und nein. Zwar stimmt das, aber Ränder hängen nicht in der Luft, sie haben immer einen fließenden Übergang in Teile der sogenannten Mitte, meist in Gestalt einer breiten Minderheit. Die extremen Denkweisen schwächen sich dabei ab, bleiben aber nicht ohne Einfluss. So hat die islamistische Denkweise Einfluss auf Teile der muslimischen Mitte. Dort werden Gewalt und extremer inhalt dann zwar abgelehnt, aber es bleibt die Grundhaltung einer gewissen Überlegenheit des eigenen Kulturkreises, die auf Herkunftsdenken beruht und einen Teil des Humus für Extremisten bildet.

  14. „Wer sein Gastrecht missbraucht, der hat sein Gastrecht eben verwirkt.“ sagte gemäss Die Sprache der Linken Sahra Wagenknecht und erhielt von der AfD Applaus für diesen Satz. Ja, einen solchen Satz verortet man üblicherweise auf der Rechten Seite und klar sagt Sahra Wagenknecht diesen Satz auch darum, weil sie damit den (grossen) Teil der Wählerschaft der Linken erreichen will, der ohne Weiteres von der Linken zur Afd abwandern kann und es teilweise auch getan hat (vor allem in Ostdeutschland).
    Andererseits muss man sich fragen, warum ein solcher Satz “rechte Sprache” sein soll. Es gibt einen Grund, der auch im Text von Ekkehard Felder implizit erwähnt wird: Die Linke bezugsweise Rechte, welche sich sprachbewusst äussert, kennt viele “verbotene” Sprechweisen. Sogar ein objektiver Sachverhalt, ein Faktum, wenn man so sagen will, kann von sprachbewussten Linken oder Rechten eventuell nicht geäussert werden, weil das Faktum gegen das Programm verstösst, weil es dagegen verstösst wie die Wirklichkeit sein soll. Und für sprachbewusste Rechte und Linke ist die Wirklichkeitssicht wichtiger als die Wirklichkeit selber. So gesehen ist auch Donald Trump ein sprachbewusster Rechter, dem die Wirklichkeitssicht wichtiger ist als die Wirklichkeit selbst. Wenn Donald Trumps Helfer Alternative Fakten für sich in Anspruch nehmen, dann meinen sie damit, dass ihre eigene Sicht wichtiger ist, als es die Fakten sind. Von einer höheren Ebene aus betrachtet hat linkes und rechtes Sprechen also viel gemeinsam, wobei die wichtigste Gemeinsamkeit die ist, dass explizit Linke und explizit Rechte die Welt auf ihre Weise sehen wollen und sie sich nicht mit der Wirklichkeit beschmutzen wollen.

  15. Man sollte hier nicht verschleiernd von verscheiedenen Arten von (vorgegebenem ) “Sprachbewusstsein” reden, sondern von zum Zwecke der (politischen) Manipulation von Interessengruppen vorgegebenen Denkrahmen inklusive der Tabus, diese zu überschreiten.
    Solches gibt es sowohl links, als auch rechts. Ganz besonders aber in der (selbsternannten) “Mitte”.

    • @L.Schaber (Zitat): Man sollte hier nicht verschleiernd von verscheiedenen Arten von (vorgegebenem ) “Sprachbewusstsein” reden. Politisch bewusst sprechen nur wenige. Sogar viele Politiker taten das bis vor kurzem nicht. Wer politisch bewusst spricht, der stellt auch die Sprache in den Dienst der Politik. Heute kommt das häufiger als noch vor kurzem vor, wohl auch weil das öffentliche Bewusstsein dafür gestiegen ist und nun auch Formulierungen (und nicht nur Inhalte) darauf getrimmt werden, “richtig” rüberzukommen.

  16. MH,
    die Krux mit den Linken und den Rechten ist, dass sie ein Glaubensbekenntnis mit praktischer Politik verwechseln.
    Da werden immer und immer die gleiche Phrasen gedroschen und sie merken nicht, dass die Wirklichkeit viel zu komplex ist, als dass sie mit Bekenntnissen geändert werden könnte.
    und sie merken auch nicht, dass der Spielraum der Politik sehr eng geworden ist. Alle längerfristigen Ziele sind durch internationale Abkommen festgelegt, die Verteilung der Steurgelder ist durch die Lobby festgelegt, die jeder Abgeordnete bedienen muss. Dann wird nur noch in die Welt posaunt, dass ein Hartz IV Empfänger jetzt 6 € mehr bekommt.
    Und dafür haben wir 16 Landesregierungen + eine Bundesregierung.

  17. @ hmann und:
    “..Alle längerfristigen Ziele sind durch internationale Abkommen festgelegt, die Verteilung der Steurgelder ist durch die Lobby festgelegt, die jeder Abgeordnete bedienen muss….”

    Neoliberale und die meisten Linksliberalen finden das gut so, weil sie es ja selbst so festgelegt haben. Humanistische Linke stellen auch die ängerfristigen Ziele und besonders die Art der Festlegung bzw. Setzung dieser “Ziele” (z. B. durch Finanzlobbys) in Frage, da sie nicht hinnehmen wollen, dass über das Finanzsystem und die ungleiche Kapitalverteilung eine kleine Minderheit die Politik für ALLE in ihrem Sinne festlegen kann.
    Naive Beobachter lassen sich verunsichern, wenn die Finanzlobby versucht, Kritik an ihrer Übermacht dadurch zu neutralisieren, dass sie behauptet , diese Kritik könne nur antisemitisch motiviert sein., weil die Kritik ja (auch) reiche Finanzkreise mit jüdischer “Prägung” trifft.
    Die Welt ist ja sowas von kompliziert. Wenn man im Nebel unterwegs ist. (-:

    • Zitat L.Schaber: Naive Beobachter lassen sich verunsichern, wenn die Finanzlobby versucht, Kritik an ihrer Übermacht dadurch zu neutralisieren, dass sie behauptet , diese Kritik könne nur antisemitisch motiviert sein., weil die Kritik ja (auch) reiche Finanzkreise mit jüdischer “Prägung” trifft.
      Frage: Ist das ein Beispiel aus Deutschland? Gibt es denn in Deutschland (noch) bedeutende (Zitat) reiche Finanzkreise mit jüdischer “Prägung”? Beziehen sie sich bei ihrer Aussage auf Artikel wie den folgenden?: Wie die Bundesregierung der Finanzlobby nach dem Mund redet! ?

      • @ Martin Holzherr
        Es geht um den (fast) glogalisierten Neoliberalismus als dogmatisierte Weltanschauung.
        Nur weil zum Teil auch deutsche biologische Antismiten und Rassisten oder deren faschistische ” Ahnherren im Geiste” eine faktische globale Oligopolmacht der “oberen paar Pozent” der Finanz und Kapitalelite kritisieren (bzw. kritisiert haben), muss diese Kritik weder zwangsläufig falsch, noch zwangsläufig unmoralisch sein.

        Zumal ist überdeutlich, dass die Machtoligopole, versuchen ihren globalen und oft ausbeuterischen Neoliberalismus Lieschen Müller als friedlich humanistischen Internationalismus zu verkaufen. Oder auch als ” Vereintes Europa”- Euphorie.
        Wobei Lieschen Müller dann aber kaum eine Möglichkeit findet, diejenigen Politiker abzuwählen, die ihr (nur zum Beispiel) ungeliebte EU- Normen (alternativlos) eingebrockt haben. Oder hat man Sie vorher gefragt, ob Sie mit den vergangenen gewaltigen EU- Erweiterungen einverstanden sind bzw. waren? Deren Auswirkungen Sie aber vielleicht bis an Ihr Lebensende mittragen müssen.

  18. Warum die Welt nach rechts rückt: Die Identitäts-/Minderheitenpolitik der (neuen) Linken erreicht zuwenig Leute und die Rechte will erfolgreich die (nationale) Kontrolle zurück
    Hillary Clinton war um vieles wählbarer, kompetenter als Donald Trump und verlor trotzdem die US-Präsidentenwahl 2016. Lag das an ihren Themen?: (Zitat Wikipedia, übersetzt mit DeepL) Ausbau von Rassen-, LGBT- und Frauenrechten, Anhebung der Löhne und Gewährleistung gleicher Bezahlung für Frauen sowie Verbesserung der Gesundheitsversorgung Oder lag es an den mehr Wähler erreichenden Themen von Donald Trump? (Zitat Wikipedia, übersetzt mit DeepL):Verachtung für politische Korrektheit, Immigration und Grenzsicherheit, Deportation aller illegalen Einwanderer, Bau einer substantiellen Mauer an der mexikanischen Grenze auf mexikanische Kosten, seine Charakterisierung vieler mexikanischer Einwanderer als “Kriminelle, Drogenhändler, Vergewaltiger usw.”,[28][29][30][30][31] und ein vorübergehendes Verbot für ausländische Muslime, die in die USA einreisen.

    Auf alle Fälle hätte Hillary Clinton die Wahlen gewonnen, wenn die Industriegürtelstaaten Michigan, Pennsylvania und Wisconsin Hillary und nicht Trump gewählt hätten. Dort – in Michigan,Pennsylvania und Wisconsin – gingen deutlich mehr Weisse zu den Wahlen als 2012 und deutlich weniger Schwarze und Latinos gingen 2016 zur Wahl als 2012. Die Weissen- vor allem die Ungebildeten – wählten dabei bevorzugt Trump, die Schwarzen bevorzugt Hillary (doch es gingen weniger Schwarze zu den Wahlen).
    Hillary hätte mit ihrer Minderheitenpolitik ( Rassen-, LGBT- und Frauenrechte) sogar gewinnen können, wenn sie es nur erweitert hätte um die Minderheiten “White Trash” (ausrangierte Industriearbeiter) und Opioid-Süchtige (auch meist ausrangierte Industriearbeiter).
    Ähnliches ist auch in Europa zu beobachten: Linke setzen sich für Flüchtende (anstatt Flüchtlinge) und für sexuelle und ethnische Minderheiten ein, haben aber keinen Rückhalt mehr bei Arbeitern und dem einfachen Volk. Diese stimmen jetzt mehrheitlich rechts. Gut zu beobachten in Frankreich, wo der Front national ein eigentlich national soziales Programm vertritt. In den ehemaligen Ostblock-Nationen Ungarn und Rumänien wiederum stehen die führenden Politiker für pro-kirchliche und pro-familiäre Werte, Autoritarismus und Nationalismus – wohl (auch) als Reaktion auf die neugewonnene nationale Souveränität nach dem Fall der Sowjetunion.

    • Ergänzung: In Warum die Arbeiterklasse nach rechts rückt macht der aus dem Arbeitermilieu stammende Soziologe Didier Eribon klar, warum die französiche Arbeiterklasse nach rechts rückt: weil die linke Elite (Zitat) versucht hätten, “die Notion von Klassen abzuschaffen, das Vokabular abzuschaffen. .. Früher, während seiner eigenen Kindheit, stand der Begriff “wir Arbeiter” für die gemeinsame Opposition gegen kapitalistisch-bourgoise Fabrikbesitzer. “Wenn heute in meiner Familie von ‚wir Arbeiter‘ gesprochen wird, dann richtet sich das gegen Einwanderer und gegen politische Eliten”, sagt der Soziologe. Die Folge: Bei den letzten Regionalwahlen hätten 51 Prozent der Arbeit Front National gewählt.
      Im übrigen habe er (Didier Eribon) schon in der Jugend erfahren, dass aus der Arbeiterklasse auch (Zitat) Rassismus, Homophobie und Sexismus kamen. Und ja, das passt nun wirklich nicht zur Hinwendung der Linken zu den Minderheiten. Die Arbeiter bilden zwar heute auch eine Minderheit – aber keine mit der die Linke etwas zu tun haben will, denn der Rassismus, die Homophobie und der Sexismus die es in diesem Milieu gibt, passt nicht zur heutigen Linken.

    • Zu:
      “….Linke setzen sich für Flüchtende (anstatt Flüchtlinge) und für sexuelle und ethnische Minderheiten ein, haben aber keinen Rückhalt mehr bei Arbeitern und dem einfachen Volk. …”

      Das sind keine humanistischen Linken sondern überwiegend sozialdemokratische Linksliberale und gelbgewendete Grüne .Beide aber eigentlich Neoliberale und ein Großteil (vor allem auf dem flachen Lande) unter dem Einfluss der EKD.
      Man gibt sich linksreformistisch, ist vor allem aber bestrebt, die großen Rahmen von absoluter Natotreue und Agenda 2010 nicht zu überschreiten.

      Ähnlich sieht es über dem Teich mit Clinton aus. Die Art und Weise, wie Sanders ausgebotet wurde, sagt doch alles. Und der hat danach fast noch dazu geklatscht.
      Verschwörungstheoretiker wie ich argwöhnen, dass es vor allem um die ganz große Agenda geht, den Strom des Protestpotential der Neoliberalismusopfer in die “richtigen” Bahnen zu lenken. Wenn Mitte nicht so gut geht, dann halt mehr nach rechts. Vor allem aber weg von echtem “Links”, welches von Machtoligopolen immer noch als größte Bedrohung betrachtet wird. Eventuell zu recht.
      Wobei das “Lenken” natürlich immer subtiler wird. Mit dem Finger (ob berechtigt oder nicht) auf die Russen zeigen, aber zu Hause die Chiphersteller hinten rum zwingen, in der Hardware Hintertürchen offen zu lassen, die dann von “Diensten” usw. mit genug ökonomischem /personellen Potential “genutzt” werden können. Bin zwar nicht vom Fach, weiß aber, dass “intern” darüber schon seit Jahrzehnten spekuliert wird. Ist aber halt Verschwörungstheorie und deshalb üüüüüüberhaupt nicht ernst zu nehmen.

  19. @Martin Holzherr
    Mit den Rassisten in der Arbeiterklasse, die, stimme zu, es schon immer gegeben hat, hatte auch die “alte” Linke ein Problem.
    Der Unterschied aber war, daß die echte Linke (genauso wie echte Liberale) nicht pauschalisiert hat. Das Arbeiterrecht, nicht der Arbeiter an sich stand im Fokus. Arbeiter und Arbeitnehmer, die den eigenen Interessen in den Rücken fielen, bekamen Probleme und wurden schon mal von den eigenen Kollegen vom Hof geprügelt.
    Auch die “alte” Linke hatte nichts gegen Minderheiten und Frauen, aber sie hat sie auch nicht überhöht wie Teile der heutigen.
    Es ist ein Mythos, daß die politisch korrekte Haltung durchwegs links oder liberal sei.
    Zwar wird das gerne von rechts behauptet, bei näherer Prüfung aber ist der aktuelle Feminismus durch und durch elitär und faschistoid, genauso wie der pauschale Migrantenkult, der ebenfalls als links gilt, tatsächlich aber sehenden Auges Phänomene wie den Islamfaschismus fördert, um nur ein Beispiel zu nennen.
    Es sei denn, man betrachtet links nur unter dem Aspekt des Kollektivismus, was allerdings eine unzulässige Verkürzung darstellt.
    Mit linkskollektivistischen Vorstelllungen ist die Korrektheit tatsächlich ziemlich gut vereinbar, der linke Kollektivismus könnte sogar die Quelle der Korrektheit sein.

    • @DH
      Gebe Ihnen zum großen Teil recht. Aber die echten(humanistischen) Linken warenur selten kollektivistisch, weil sie die “Freiheit des Individuums” immer als Grundvorausetzung auch notwendigen kollektiven Handelns betrachtet haben. Deswegen auch die oft nervenden, aber notwendigen Diskussionen.

      Das war/ist oft ein (strategischer) Nachteil im (Meinungs- ) Kampf mit den traditionell und vom Prinzip (Starker Staaat/Führerkult) eher dem Kollektivismus zugeneigten oder diesen explizit fordernden Rechtsnationalen oder gar Ethno- Faschistoiden. (Du bist nichts – der Staat ist alles)
      Die ständige (notwendige !) linke Selbstinfragestellung lässt sich von Leuten, die liberalen Grundprinzipien skeptisch oder ablehnend gegenüberstehen, hervorragend als Einfallstor zur Sprengung eines eh schon lockeren (linken) politischen Kollektivs nutzen. Um es damit relativ einfach bei oberflächliche Politbeobachtern (propagandistisch) zu diskreditieren. Wenn man dazu noch die Leiden der Holocaustopfer zu infamer polizischer Propaganda missbraucht, funktioniert das oft hervorragend. Zumindest hierzulande.Das funktioniert dann so, dass man Kritik an (ungerechten) Machtverhältnissen aufgrund unfairer ökonomischer “Verhältnisse” als antisemitisch oder wenigstens “antiamerikanisch” brandmarkt.
      Eine zumindest hierzulande ziemlich erfolgreich Stategie, um den “Neoliberalismus” gegen fundamentalere Kritik zu immunisieren.

  20. Links und Rechts unterscheidet Ekkehard Felder hier anstand eines linken und rechten Gesellschaftsmodells bei dem der Staat eine wichtige aber für Linke und Rechte ganz unterschiedliche Rolle spielt, wobei Linke für grösstmögliche Gleichheit (klassenlose Gesellschaft), Rechte dagegen für klare hierarchische Strukturen stehen, in der es Führer und Geführte gibt (Russland hat Putin, Ungarn Orban, die USA hat vorübergehend Trump, Syrien hat Assad, Iran hat Ali Khamenei und Saudi Arabien hat die Sauds in Kooperation mit den wahhabitischen Religionsführern).
    Nicht recht einordnen lässt sich in dieses Schema der Liberalismus (Anstreben der Freiheit des Individuums vornehmlich gegenüber staatlicher Gewalt, er richtet sich gegen Staatsgläubigkeit, Kollektivismus, Willkür und den Missbrauch von Macht bzw. Herrschaft). Liberale wären nach Ekkehard Felder weder Rechte noch Linke, denn sie wollen ja tendenziell einen eher schwachen Staat, einen Staat, der dem Individuum viel Freiheit lässt und der weder rechten Autoritarismus gutheisst noch das linke Streben nach einer klassenlosen Gesellschaft teilt. Gewaltenteilung, Privateigentum, Vertragsfreiheit, Freihandel und freie Marktwirtschaft sind das, was Liberale verteidigen. Tatsächlich zeigt sich die Schwierigkeit der Einordnung ins Links-/Rechtsschema durch die Tatsache, dass es sowohl Linksliberale als auch Rechtsliberale gibt, wobei die linksliberalen einen kapitalistischen Wohlfahrtsstaat mit Vollbeschäftigung anstreben und dem Individuum die Verwirklichung seiner Träume durch seine eigenen Anstrengungen (In den USA finanzieren die Studenten ihr Studium über Kredite) versprechen (eine Form von Chancengleichheit), während der Rechtsliberalismus oder Nationalliberalismus nicht nur Bürgerrechte, sondern auch einen gegenüber der Aussenwelt souveränen Nationalstaat anstrebt.
    Unter dem Überbegriff Liberalismus gibt es aber auch Phänomene wie den Thatcherismus (“es gibt keinen Staat, es gibt nur Indviduen) und den Neoliberalismus ( „marktradikalen“, „libertären“ Minimalstaatskonzeptionen, Marktfundamentalismus )

    Die meisten Linken würden den Liberalismus rechts ansiedeln und heute wird ja gerne das Gespenst des Neoliberalismus, wo wieder das Gesetz des (wirtschaftlich) Stärkeren gilt, an die Wand geworfen.

    • Rechtsliberale ( und die meisten “Neoliberalen”) sind Egoliberale mit meist sozialdarwinister Grundethik, die eine Art von Mafia- Freiheitsbegriff (ziemlich scheinheilig ) fordern . Nämlich Freiheit zur möglichst unbehinderten Ausbeutung der Schwächeren. Das ist dann moralisch, weil das Wohl und die Zukunft der Menscheit ja nur davon abhängt, dass der Genpool der “Starken” wächst. Als besten Weg zu mehr Reichtum haben sie schon lange erkannt, dass man intern den Kollektivismus zur Disziplinierung der abhängig Beschäftigten installieren muss, nach außen aber die “Freiheit” ( also einen schwachen Staat) zur Abwehr von gemeinschaftlichen Pflichten zu fordern hat.
      Linksliberale sind nach meiner Ansicht überwiegend Illusionisten. Entweder aus strategischen Gründen oder aus (oft unverschuldeter ) Verblendung in Bezug auf makroökonomische Zusammenhänge. Ich kann das beurteilen, denn ich hielt mich auch mal eine Zeit lang für irgendwie linksliberal.

      • @ Herr Schaber :

        Rechtsliberale ( und die meisten “Neoliberalen”) sind Egoliberale mit meist sozialdarwinist[isch]er Grundethik, die eine Art von Mafia- Freiheitsbegriff (ziemlich scheinheilig ) fordern . Nämlich Freiheit zur möglichst unbehinderten Ausbeutung der Schwächeren. Das ist dann moralisch, weil das Wohl und die Zukunft der Mensch[h]eit ja nur davon abhängt, dass der Genpool der “Starken” wächst.

        Der Schreiber dieser Zeilen ist Ordo-Liberaler, lehnt den ihm zuordnungsfähigen Begriff ‘neoliberal’ ab, auch wenn nicht falsch, hauptsächlich wegen der Präfix, und sieht Sie auch nicht ansatzweise erkennen, wie Ordoliberale über die Soziale Marktwirtschaft und anderes sich darin bemühen, dass es auch denjenigen gut geht, deren Leistung am Markt weniger gefragt ist oder die sich dem Markt gar verweigern.

        Diese Sache mit dem ‘Genpool’ kam hier übrigens deutlich suboptimal an, die anzustrebende Freiheit meint die Menge und nicht irgendwelche Besonderheit, wie bspw. Herkunft.

        MFG
        Dr. Webbaer (der sich nun bei Ihnen : “Klemmie” notiert hat)

  21. @L.Schaber
    Die individuelle Sichtweise der humanistischen Linken würde ich gar nicht so sehr als strategisch unterlegen betrachten. Im Gegenteil, wird sie wirklich vertreten, können Kollektivisten von rechts und links nur wenig dagegen tun.
    Das aktuelle Problem ist eher, daß die individuelle Sichtweise heute stark verdrängt wurde von eher kollektivistischen Sichtweisen wie der Idenditätspolitik (politische Korrektheit).
    Und von einem besonders heißen Eisen, daß Sie zurecht ansprechen. Ausgerechnet diejenigen, die sich in infamer Weise des Holocaust bedienen, um egoistische Interessen durchzusetzen, haben sich erfolgreich zu Hütern der Moral aufgeschwungen. Schlimm, daß so etwas heute als linksliberal gilt.

    @Martin Holzherr
    Zwischen einem starken Staat und dem freien Individuum besteht kein Gegensatz, im Gegenteil. Frühere Liberale haben das auch unumwunden anerkannt und selber einen starken Staat gefordert, sogar im wirtschaftsliberalen Bereich, Stichwort Ordoliberalismus.
    Skepsis gegenüber staatlichem Handeln ist da kein Widerspruch und trägt sogar zur Stärke des Staates bei, kommt natürlich darauf an, wie man Stärke definiert- qualitativ oder, wie heute üblich, rein quantitativ.

    “Freiheit darf niemals vom Geldbeutel abhängen”

    Das ist ein liberaler Kern-und Gründungssatz aus dem 19.Jhd., er bezog sich damals auf die ersten Gehversuche des Wahlrechts, das auch auf Bürger ausgedehnt wurde, aber nur auf gut situierte.
    Natürlich muß dieser liberale Grundsatz immer wieder auf aktuelle Verhältnisse übersetzt werden und genau hier scheint mir das große Problem des Liberalismus zu stecken, er hat sowas wie eine Entwicklungsstörung.
    Nicht der Staat, sondern die Wirtschaft ist heute die größte Gefahrenquelle gegen die Freiheit, die meisten Liberalen haben das noch immer nicht begriffen.
    Das Establishment versucht erkennbar, die Begriffe des Sozial-und Linksliberalismus für sich zu besetzen. Das Spielchen sollte man nicht mitmachen und sich die Deutungshoheit über diese Begriffe zurückerobern.

  22. @ DH und zu:
    “…Das Spielchen sollte man nicht mitmachen und sich die Deutungshoheit über diese Begriffe zurückerobern…”

    Leider läuft “das Spielchen” schon seit spätestens Ende der 1960er Jahre. Der erfogreichste Coup war eventuell das “Wenden” der “Ökologisten” von Rotgrün zu Grüngelb in den Achtzigern und Neunzigern. Und später natürlich “die Agenda”.

    • Und aktuell die immer wiederkehrende Behauptung, Macron wäre ein Linksliberaler, wobei es da schon langsam aberwitzig wird.

  23. Das mit der Homogenität vs. Heterogenität ist meiner Meinung nach wesentlich komplizierter: Der Mensch muss sich in der Regel sowohl durch Gruppenzugehörigkeit als auch durch Abgrenzung definieren und beide großen politischen Strömungen reflektieren das. Linke Heterogenität findet sich immer dort, wo es vor allem um ein “anders” statt um ein “besser/schlechter” geht. Deshalb wird z. B. die Heterogenität der Sexualität stark betont, während Rechte gerne von der Heterogenität der Leistungsfähigkeit verschiedener Menschen sprechen. Sofern Linke diese Unterschiede überhaupt zugeben (bei einer offiziellen Veranstaltung einer Schülervertretung auf Länderebene lag nicht nur Gewalt rechtfertigendes Antifaporpagandamaterial aus, sondern es wurde von “Behinderten” auch nur als “besonderen Menschen” gesprochen und es wurde behauptet, dass deren Leiden nur durch gesellschaftliche Benachteiligungen verursacht wäre), werden sie gerne heruntergespielt und als wenig bedeutsam für den individuellen Erfolg dargestellt. Demzufolge sind Reiche auch nicht erfolgreich, sondern grundsätzlich “privilegiert”.

    • Das mit der Homogenität vs. Heterogenität ist meiner Meinung nach wesentlich komplizierter: Der Mensch muss sich in der Regel sowohl durch Gruppenzugehörigkeit als auch durch Abgrenzung definieren und beide großen politischen Strömungen reflektieren das.

      Das eine meint das andere, Gruppenzugehörigkeit funktioniert über den Ausschluss anderer.

      Linke Heterogenität findet sich immer dort, wo es vor allem um ein “anders” statt um ein “besser/schlechter” geht.

      Politisch Linke bewerben bestimmte Gruppenzugehörigkeit, mehr ist nicht los, sie nennen dies dann agitatorisch bspw. ‘weltoffen’ oder ‘heterogen’, treffen den Punkt aber nicht und wollen ihn auch nicht treffen, wie hier eingeschätzt wird.


      Zudem ist die Primär-Unterscheidung zwischen “Politisch Links” und “Politisch Rechts” weitgehend untauglich und etwas für die anderen.

      Gerade im sogenannten politisch rechten Lager wird dies klar, wenn dort mal Einzelne heraus gebeten werden, um ihre Position en dé­tail zu erklären, da kommt dann in der Regel nichts, denn der Konservativismus ist sozusagen schwammig, kann auf keine stabilen Konzepte verweisen und stellt sich wie ein gedachter reiner Progressivismus vor allem relativ, im Sinne von : Wir bleiben gerne beim Gewohnten.

      MFG + schönes Wochenende,
      Dr. Webbaer

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