Der „Faktencheck“ als Ersatzwahrheit? Von Daten und Fakten auf der Suche nach Objektivität

„Das können wir hier in der Sendung nicht klären, schauen Sie doch morgen in unserem Faktencheck nach“, heißt es sinngemäß zum Beispiel in der ARD-Sendung hart aber fair. Dieses Vertrösten – nicht auf den Messias – aber auf Objektivität und Wahrheit macht neugierig. Und wer neugierig den versprochenen Pfad der Tugend und Wahrheit nachgeht, kommt zu dem Schluss: Der „Faktencheck“ trägt zur Durchleuchtung, nicht aber zur Lösung einer Streitfrage bei.

Facetten der Faktizitätsüberprüfung

Die Faktizitätsherstellung aus unstrittigen Daten birgt viele Probleme und erklärt, warum um die Relevanz von Fakten gestritten wird – auch nach dem „Faktencheck“. Dazu seien drei kurze Exempel zur Illustrierung angeführt. (Die Beispiele verdanke ich Sven Bloching, der diese 2018 in der Bachelorarbeit „Fakten als Garant für Wahrheit? Faktizitätsherstellung in Texten am Beispiel des Faktenchecks“ dargelegt hat.)

(1) Ein Problem besteht in der Kontextualisierung von unstrittigen Daten: Das Anerkennen der gemeinsamen Datenbasis (z.B. Flüchtlingszahlen in einem bestimmten Jahr) kann die unterschiedliche Faktizitätsherstellung und Kontextualisierung nicht lösen. Aber es kann gezeigt werden, wie Diskursakteure aus Daten bestimmte Fakten als Interpretationsangebote erzeugen. Diskurse werden so für die Rezipienten transparenter. Und eines ist klar: Daten für sich können im Diskurs nur dann etwas bewirken, wenn sie in plausiblen (aber nicht ALLES erklärenden) Fakten eingebunden werden.

(2) Nicht minder schwierig ist es, wenn ein Diskursakteur behauptet, es sei Fakt, dass eine politische Maßnahme in Form einer Gesetzesinitiative „umgesetzt“ sei (z.B. Umsetzung eines Zehn-Punkte-Planes gegen Steueroasen). Dass ein Gesetz verabschiedet wurde (das in dem diskutierten Zusammenhang steht), wird zwar als unstrittiges Datum von den Diskursakteuren in der Regel akzeptiert; bezweifelt wird aber die meist positiv intendierte Zuschreibung „Umsetzung eines angekündigten Planes“. Die ist vor allem dann der Fall, wenn unterschiedliche Experten beteiligt sind. Das identische Datum – nämlich das der Gesetzesverabschiedung – wird zur Herstellung unterschiedlicher Fakten genutzt.

(3) Und abschließend sei darauf verwiesen, dass komplexe Sachverhalte (seien sie in ihrer Existenz unstrittig) nie in ihrer Ganzheit, sondern immer nur partiell und fokussiert im Diskurs zur Faktizitätsherstellung verarbeitet werden können. Ausschnitthaftes Referieren auf komplexe Sachverhalte trägt selbstredend den Vorwurf der Komplexitätsreduktion ein. Doch wie viel Kontext muss man berücksichtigen? Wenig Kontext profiliert die Aussage, viel Kontext weicht sie auf. Eine intersubjektiv akzeptierte Faktizitätsherstellung ist hierbei nicht der Regelfall.

Was bleibt? Ein Disput muss zwischen unstrittigen Daten und plausibel gemachten Fakten unterscheiden

Wenn wir im Diskurs nach objektiviertem Wissen trachten, so lassen sich – aus theoretischer Sicht – die diskutierten Wissensbestände in intersubjektiv unstrittig Vorgegebenes (Daten) und in durch Deutung gewonnene Fakten (lat. facere ›machen‹) unterteilen. Der Anspruch der „Faktizitätsüberprüfung“ ist komplex und sollte von allen Objektivitätsinteressierten mit Bedacht genossen werden. Diese Unterscheidung bei gesellschaftlich heiklen Themen wie Wirtschaftspolitik, Bildung, Sicherheit usw. anzuwenden ist zwar mühsam, versachlicht aber die Debatte – falls von den Diskutanten überhaupt gewünscht.

Veröffentlicht von

Ekkehard Felder ist Professor für Germanistische Linguistik an der Universität Heidelberg. Er initiierte 2005 die Gründung des internationalen und interdisziplinären Forschungsnetzwerks Sprache und Wissen. Diese Forschungsgruppe untersucht diskurs- und gesellschaftskritisch die sprachliche Zugriffsweise auf Fachinhalte in zwölf gesellschaftlichen Handlungsfeldern – sog. Wissensdomänen (z.B. Recht, Wirtschaft, Medizin, Politik, Naturwissenschaft und Technik). Da Fachinhalte durch die Wahl der Worte geprägt werden und widerstreitende Positionen eine andere Wortwahl präferieren, ist ein Streit um die Sache auch ein Streit um Worte bzw. ein semantischer Kampf um die richtige Sichtweise. Deshalb heißt sein Blog bei SciLogs „Semantische Wettkämpfe – Wie die Sprache, so die Denkungsart“. Seine Forschungen beschäftigen sich mit der Fachkommunikation, der sozio-pragmatischen Diskursanalyse und der Untersuchung von Sprache als Indikator für Identität, Mentalität und Authentizität. 2010 gründete er mit den Kollegen Ludwig M. Eichinger und Jörg Riecke das Europäische Zentrum für Sprachwissenschaften (EZS). Als Fellow des Institute for Advanced Studies in Heidelberg (2008) und STIAS in Stellenbosch / Südafrika (2009) widmete er sich dem diskursiven Wettkampf um erkenntnisleitende Konzepte („agonale Zentren“). Felder ist Autor von fünf Monografien und (Mit-)Herausgeber diverser Sammelbände. Besonders bekannt ist die von ihm herausgegebene Reihe „Sprache und Wissen“ (SuW) bei de Gruyter und die dort mit Andreas Gardt herausgegebenen „Handbücher Sprachwissen“ (HSW).

33 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Völlige Wahrheit gibt es nie.
    Nur was ARD und ZDF vertbreiten (oder CNN) ist nur noch Fake News.
    Gestellte Fotos, gestellte Videos, etc.

  2. Zur Begriffsbestimmung womöglich beihelfend :

    Und eines ist klar: Daten für sich können im Diskurs nur dann etwas bewirken, wenn sie in plausiblen (aber nicht ALLES erklärenden) Fakten eingebunden werden.

    1.) Daten (wörtlich : Gegebenes) sind Erfasstes, sie werden über Apparatur indirekt oder Sinnesorgane direkt von erkennenden Subjekten festgestellt.

    2.) Fakten sind dann Gemachtes (wörtlich), sie beschreiben eine Sicht auf Daten, der Sinn sozusagen entzogen wird, eben von erkennenden Subjekten.

    3.) Die Plausibilität ist dann da, was die Menge aus dem Erfassten (“Data”) und dem Gemachten (“Fakten”) daraus macht bzw. wie das Erfasste und das Gemachte bei ihr angekommen ist.
    Nicht derart erzeugte allgemeine Sicht, wenn sie gar nur einzelne Erkennende meint, kann nicht sinnhaft im allgemeinen Diskurs Verwendung finden.


    Hier bspw. – ‘Diese Unterscheidung [RR : hoffentlich war’s so gemeint, wie weiter oben skizziert, Dr. Webbaer] bei gesellschaftlich heiklen Themen wie Wirtschaftspolitik, Bildung, Sicherheit usw. anzuwenden ist zwar mühsam, versachlicht aber die Debatte – falls von den Diskutanten überhaupt gewünscht.’ – kann es insofern nur Pluspunkte setzen, wobei im dankenswerterweise bereit gestellten WebLog-Artikel bereits bedacht worden ist, ‘dass komplexe Sachverhalte […] nie in ihrer Ganzheit, sondern immer nur partiell und fokussiert im Diskurs zur Faktizitätsherstellung verarbeitet werden können’.

    Wobei Dr. Webbaer gerne noch ergänzt, dass die Suche nach Erkenntnis, hier : immer letztlich Data meinend (es gibt auch andere Suche nach Erkenntnis, nämlich : metaphysische), ausschnittsartig, näherungsweise und an die Interessen (!) der Erkennenden gebunden erfolgt.

    Es kann also auch Alternative Fakten geben. [1]

    MFG + schönes Oster- oder Hasenfest oder zumindest schönes Wochenende!
    Dr. Webbaer

    [1]
    Wie auch jeder Naturwissenschaftler weiß, wenn er (erhobene) Daten im Versuch zu bestätigen sucht, wie auch jeder weiß, der in der Wirtschaft (vs. Kneipe, lol) tätig ist oder war, und wie auch jeder Richter weiß, wenn er Zeugenaussagen zu einem Tathergang einzuschätzen hat.

  3. PS und mal ganz plump exemplarisch beigebracht :

    1.) Das Gerät zur Temperaturfeststellung zeigt steigende Temperatur (“Daten”) an.

    2.) Dies bedeutet dann für erkennende Subjekte bedarfsweise, also, wenn es sie interessiert (viele Veränderungen von Datenlagen interessieren, dezent formuliert, keine Sau), ein Faktum, das Faktum, dass es wärmer wird.

    3.) Wird bei dieser Beobachtung, die Menge meinend, sozusagen beigeklatscht, auch weil diese Beobachtung eine politische Bedeutung hat, wird dieses dann Faktum oft idF einem gesellschaftlichen Diskurs unterworfen, mögliche Fragestellungen :
    A) Ist diese Entwicklung gut? B) Müssen wir gegensteuern? C) Wie können wir gegensteuern? D) Wer soll das bezahlen? (LOL)
    [1]


    Nicht gemeint war hier die terrestrische Erwärmung, nicht direkt, und weiter oben sollte es ‘Die Plausibilität ist dann da[s], was die Menge’ heißen.

  4. PPS:
    Achso, die Fußnote [1] fehlte noch, also gemeint war -bildlich gesprochen- die gesellschaftliche Schlussfolgerung oder gesellschaftliche Schlussfolgerungen, die sich in einem Diskurs anzubieten hätten – wenn die Sache (der Sachverhalt) eben allgemein
    als relevant eingeschätzt wird.
    Der “Heinemann tritt hier ungerne voran”.

  5. Formatierungszeichen auf Youtube

    fett: Dein Kommentar muss mit einem * (Stern) umschlossen werden. Beispiel: *fetter Text*
    kursiv: Dein Kommentar muss mit _ (Unterstrich) beginnen und schließen. Beispiel: _kursiver Kommentar
    durchgestrichen: Der Kommentar mus mit – (Minus) beginnen und enden. Beispiel: -durchgestrichener Text-

  6. Bonuskommentar hierzu (und auch Kommentatorenkollege und Physiker Frank Wappler geschuldet) angemerkt :

    Wenn wir im Diskurs nach objektiviertem Wissen trachten, so lassen sich – aus theoretischer Sicht – die diskutierten Wissensbestände in intersubjektiv unstrittig Vorgegebenes (Daten) und in durch Deutung gewonnene Fakten (lat. facere ›machen‹) unterteilen.

    Dr. W geht natürlich, sofern hier korrekt und wie intendiert verstanden worden ist, weitgehend konform, hat aber zu nagen am Wesen von Daten.
    Daten sind Erfasstes (und noch nicht sozusagen Gemachtes (“Fakten” – sehr schön herausgearbeitet diese Trennung)), sie sind ‘intersubjektiv unstrittig’ derart unstreitig, als dass sie nun einmal erhoben oder gemessen worden sind, über Daten lässt sich schlecht streiten (manche meinen auch : über Fakten nicht, die derart meinenden liegen aber falsch), sie könnten aber auch anders erfasst oder gemessen werden.

    Am Rande notiert : Kommentatorenkollege Frank Wappler arbeitet, gar rappelt sich hier einen ab, und er liegt nicht falsch, wenn er die Wichtigkeit der Messtheorie ständig betont.

    Die Sache, also der sich anbietende (natur-)wissenschaftliche Diskurs, der notwendige gesellschaftliche, ist also dreifach “vertrackt” :

    Bei der Erfassung (von Daten) beginnend, bei der Interpretation (von Fakten) sich fortsetzend und im dann Gesellschaftlichen, die Plausibilität bleibt gemeint, fortgesetzt.
    Es kann also (zu einer Sache oder zu einem Sachverhalt) unterschiedliche Daten, unterschiedliche Fakten und unterschiedliche Akzeptanz dieser Fakten geben.
    Die zuletzt politisch angeleierte Diskussion über Fakten, die nicht zu hinterfragen seien, wie einige meinen, die auch meinen, dass sozusagen ein postfaktisches Zeitalter ansteht, ist in vielerlei Hinsicht notleidend.


    Dass die szientifische Methode funktioniert, auch Anwendungen erlaubt, und nur diese Methode tut dies zuverlässig (vs. zufällig), ist insofern ein Wunder.
    Österlich angemerkt, “trocken” angemerkt : die Notwendigkeit des Seins.

    MFG
    Dr. Webbaer

  7. Am Rande notiert : Kommentatorenkollege Frank Wappler arbeitet, gar rappelt sich hier einen ab, und er liegt nicht falsch, wenn er die Wichtigkeit der Messtheorie ständig betont.

    Eigentlich OT, aber da Sie nun Herrn Wappler in Spiel brachten. Sind Sie etwa auch seiner Meinung, dass die Relativitätstheorie nur aus Messdefinitionen besteht und daher nicht falsifizierbar ist? Darum ging es doch seit mindestens 4 Wochen im Blog von Herrn Päs (Einstein-Mafioso-Challenge). Dabei vertrat er damit dieselbe Meinung wie einige Kritiker der RT.

    Was das Thema Fakten/Tatsachen angeht nun noch meine Meinung:

    Sicher kann man zwischen Daten und den daraus geschlossenen Fakten unterscheiden. Nun wird aber in knapp 2 Wochen wieder der “Marsch for Science” stattfinden. Ein Motto davon heisst immer noch “Es gibt keine Alternativen zu Fakten”. In der Umgangssprache werden aber Daten und Fakten synonym verwendet. Nach Aussen ist es daher sinnvoll, Fakten als etwas nicht bestreitbares anzusehen. Denn sonst wäre dieser Spruch von dieser Veranstaltung nicht richtig.

    • @ Herr Rudi Knoth :

      Wenn welche auf der Straße herum rennen und nicht, wie von Ihnen dankenswerterweise angenommen, präzis sind, bleibt es aus diesseitiger Sicht zweifelhaft, derartige Demonstration.
      Cool wäre es, wenn hier kein politischer US-demokratischer Impetus (die Partei der US-Demokraten bleibt gemeint) vorläge, sondern die Leutz einfach “nur so” für die Erkenntnis demonstrieren würden.


      Herr Frank Wappler, von dem hier längere Zeit angenommen worden ist, dass er als Kunstfigur fungiert, ist halt “so eine Sache”, (naturwissenschaftliche) Theorien sind meist falsifizierbar und hier gegenzureden würde Relativismus bedeuten, von der szientifizischen Methode weggehend, also “etwas für die anderen”, bei der RT könnte die Sache gänzlich klar sein.

      MFG
      Dr. Webbaer (stets (natur-)wissenschafts-treu)

  8. @ Dr. Webbaer

    Wenn welche auf der Straße herum rennen und nicht, wie von Ihnen dankenswerterweise angenommen, präzis sind, bleibt es aus diesseitiger Sicht zweifelhaft, derartige Demonstration.

    Nun es ist eine Botschaft an die Öffentlichkeit. Da denke ich mal, dass man dies sicher nicht so präzise formulieren muss. Ich war letztes Jahr auch dabei. Man kann höchstens zweifeln, ob Wissenschaft “nur” Klimawissenschaft” ist.

    Cool wäre es, wenn hier kein politischer US-demokratischer Impetus (die Partei der US-Demokraten bleibt gemeint) vorläge, sondern die Leutz einfach “nur so” für die Erkenntnis demonstrieren würden.

    Ich habe angenommen, dass es wirklich für Erkenntnis und Freiheit der Wissenschaft geht. Sicher waren letztes Jahr Trump und auch Orban die wissenschaftspolitischen Themen. Dies Jahr ist wohl die Türkei mit dabei. Mir ist allerdings nicht bekannt, dass in den USA diese Demonstration von den Demokraten initiiert wurde. Ich dachte, dass es eine spontane Demonstration der dortigen Wissenschaftler wegen siner Ansichten über den Klimawandel war.

    • Die d-sprachige Wikipedia weiß wie folgt zu schreiben :
      -> https://de.wikipedia.org/wiki/March_for_Science

      US-amerikanische Medien, die zuvörderst den US-Demokraten folgen, wissen halt zu thematisieren bis zu skandalisieren, wobei die europäische Presse, Nachrichtenagenturen folgend, hier weitgehend mitgeht.

      Bestimmte Themata werden dann hochgespielt, bspw. angebliche Kooperation des Trump-Wahlkampfteams mit Russland oder angebliche Wissenschaftsuntreue desselben. Manchmal entsteht fast der Eindruck, dass wenn Donald J. Trump etwas sagt oder tut, medial nur das Gegenteil richtig sein kann.
      Weiter oben ist dann auch nur ein ‘Impetus’ behauptet worden, auch um präzise zu sein.

      MFG
      Dr. Webbaer (der nichts dagegen hätte, wenn die Schaltfläche mit der Beschriftung ‘Antworten’ bedient wird, um dem Diskurs Ordnung zu geben)

  9. Zitat Dr. Webbaer: “Daten sind Erfasstes (und noch nicht sozusagen Gemachtes (“Fakten” – sehr schön herausgearbeitet diese Trennung)), sie sind ‘intersubjektiv unstrittig’ derart unstreitig, als dass sie nun einmal erhoben oder gemessen worden sind, über Daten lässt sich schlecht streiten (manche meinen auch : über Fakten nicht, die derart meinenden liegen aber falsch), sie könnten aber auch anders erfasst oder gemessen werden. Am Rande notiert : Kommentatorenkollege Frank Wappler arbeitet, gar rappelt sich hier einen ab, und er liegt nicht falsch, wenn er die Wichtigkeit der Messtheorie ständig betont.

    In der Tat sehr schön herausgearbeitet, Herr Dr. Webbaer. 🙂

    Dieses Missverhältnis gilt im höchsten Maße für die Naturwissenschaften als messende Wissenschaften, wobei eben die messenden Wissenschaften für Fehlmessungen, undeutliche Messungen oder gar widersprüchliche Messungen sehr anfällig sind bzw. sich scharf an der Grenze des technisch Unmessbares bewegen. Es wäre also verfehlt, selbst Daten als Fakten anzusehen.

    Wobei selbst Daten auch deshalb nicht unstreitig sein können, weil sie eben „auch anders erfasst oder gemessen werden“.

    Wobei allerdings selbst Daten in manchen Fällen nicht einmal transparent erfasst wurden, siehe zum Beispiel 4 Fragen aus der Öffentlichkeit über die Erhebung der Daten bei der Entdeckung der Gravitationswellen mit dem LIGO-Experiment, die die Experimentatoren sich hartnäckig weigern zu beantworten und die im Blog von Herrn Päs oder Herrn Pössel systematisch zensiert und gelöscht werden.

    Das Motto „Es gibt keine Alternative zu Fakten“ ist also in der Wissenschaft grundsätzlich verfehlt. Dies erweckt natürlich ein starkes Gefühl des Misstrauens und der Unglaubwürdigkeit in der interessierten Öffentlichkeit: Die Wissenschaftler, die proklamieren „Es gibt keine Alternative zu Fakten“ können nur Wissenschaftler sein, die ihre eigenen wissenschaftlichen Ansichten bzw. “Steckenpferde” verteidigen wollen, denn die wissenschaftliche Forschung hat grundsätzlich ergebnisoffen zu sein. Wobei diese Ansichten und Steckenpferde erst einmal aus politisch/wirtschaftlichen Motivationen von Regierungen als “Fakten” bereits erhoben wurden.

    Hier schließe ich mir Ihren Überlegungen an: „Die zuletzt politisch angeleierte Diskussion über Fakten, die nicht zu hinterfragen seien, wie einige meinen, die auch meinen, dass sozusagen ein postfaktisches Zeitalter ansteht, ist in vielerlei Hinsicht notleidend.“

    • Ja, klar, das war von Dr. Webbaer, dem hiesigen werten Inhaltegeber folgend, im Feedback ‘sehr schön herausgearbeitet’, allerdings ist Dr. Webbaer auch streng gegen den Relativismus und der szientifischen Methode [1] folgend.

      Ansonsten, Frau Jocelyne Lopez, nimmt Ihr Kommentatoren-Frenemy an, dass Sie hier Honig saugen wollen für Kritik an der Relativitätstheorie, und dafür ist Dr. W, jedenfalls so wie in “Ihrem Biotop” bedient, nicht zu haben, gar nicht zu haben.
      Naturwissenschaftliches Bemühen bleibt schwierig, der Linguist (der immer auch “ein wenig” Philosoph zu sein hat) kann hier eher lachen bis aufgrunzen, wenn er aufmerksam ist, allerdings geht es aus Sicht von Dr. Webbaer hier ganz klar in die richtige Richtung, richtigerweise.

      MFG
      Dr. Webbaer

      [1]
      Vgl. :
      -> https://en.wikipedia.org/wiki/Scientific_method (Dr. W muss immer noch ein wenig schmunzeln, dass bei der bekannten Online-Enzyklopädie kein d-sprachiger Text zV steht, womöglich, weil Deutsche eher in Wissenschaft und Wissen machen, statt in Erkenntnis)

      • Zitat Dr. Webbaer: “Ansonsten, Frau Jocelyne Lopez, nimmt Ihr Kommentatoren-Frenemy an, dass Sie hier Honig saugen wollen für Kritik an der Relativitätstheorie, und dafür ist Dr. W, jedenfalls so wie in “Ihrem Biotop” bedient, nicht zu haben, gar nicht zu haben.”

        Das passt sehr gut, denn ich bin für den “Biotop” des anonymen Herrn Dr. Webbaer gar nicht zu haben, aber wirklich nicht zu haben, siehe in den SciLogs-Blogs von Michael Blume…

        • ‘Biotop’ ist in der deutschen Sprache Neutrum und meint das Leben, wie den Ort, den Lebensort sozusagen, der auch das Web meinen kann, also insofern sind Sie womöglich doch erreich- bis verfügbar, insbesondere auch für bissige Kritik.
          Sie sind da in einen “Haufen” hineingeraten, der weder Ihrer Ausbildung noch Ihrer Freundlichkeit entspricht.

          • Ihre ad hominem Anspielungen sind keinesfalls “neutral”, Herr Dr. Webbaer, vor allem angesichts Ihres ad hominem Verhaltens mir gegenüber in anderen Diskussionen bei SciLogs. Noch einmal, anonymer Herr Dr. Webbaer, nehmen Sie bitte Abstand davon, mich zu einem “Biotop” oder zu einem “Haufen” zuzuordnen. Ich habe es von Ihnen schon in den SciLogs-Diskussion von Michael Blume aufgefordert, halten Sie sich bitte daran. Okay?

          • Haufen‘ ist wertneutral, wie ‘Biotop’.

            Sie, Frau Jocelyne Lopez, versuchen über andere zu herrschen, indem Sie unzulässige Beleidigung feststellen, ist Ihnen dies klar?

            MFG
            Dr. Webbaer (der sich nun ausklinken wird, im Abgang abär gerne betont, dass Kritik an der Relativitätstheorie anders ausfallen muss, als wie oben genannt geübt)

            PS:
            Schön war’s nicht, abär Dr. W denkt auch oft an früher zurück, an die Sechziger und so, Flower-Power etc., nur eine Reminiszenz.

  10. Zitat Rudi Knoth: „Sicher kann man zwischen Daten und den daraus geschlossenen Fakten unterscheiden. Nun wird aber in knapp 2 Wochen wieder der “Marsch for Science” stattfinden. Ein Motto davon heisst immer noch “Es gibt keine Alternativen zu Fakten”. In der Umgangssprache werden aber Daten und Fakten synonym verwendet. Nach Aussen ist es daher sinnvoll, Fakten als etwas nicht bestreitbares anzusehen. Denn sonst wäre dieser Spruch von dieser Veranstaltung nicht richtig.“

    Allein dieses Motto verrät, dass der „Marsch for Science“ einzig eine Veranstaltung der Naturwissenschaften ist, es ist eine Veranstaltung der Wissenschaften, die einzig durch das Messen bzw. das Sammeln von Daten existieren. Das betrifft alle anderer Wissenschaften als die Naturwissenschaften nicht. Könnte zum Beispiel ein Sprachwissenschaftler wie unser Gastgeber Ekkehard Felder für seine Wissenschaft an diese Veranstaltung unter dem Motto „Es gibt keine Alternativen zu Fakten“ teilnehmen? Das würde keinen Sinn ergeben: Welche „Fakten“ gibt es in der Sprachwissenschaft? Der Fakt, dass es Sprachen gibt? Was für Alternativen gibt es dazu? Dass es viele verschiedenen Sprachen gibt? Was für einen Sinn würde diese Kampagne für einen Psychologen, einen Arzt, einen Ökonom, einen Philosophen, einen Archäologen, einen Soziologen, einen Verhaltensforscher, für alle anderen Wissenschaftler ergeben? Diese Kampagne „Marsch for Science“ ist einzig eine Kampagne für Naturwissenschaftler, für alle anderen Wissenschaftler macht sie überhaupt keinen Sinn.

    Und diese Kampagne zeigt, dass die Naturwissenschaften, nachdem sie traditionell – und auch öfter mal mit Überheblichkeit – die Oberhand als „exakte”, “starke” Wissenschaften, sowie als „gesichertes Wissen“ übernommen haben, in der Krise sind. Eine Vertrauens- und Glaubwürdigkeitskrise, denn es wird immer deutlicher, dass das Messen, das Sammeln von Daten und das Reduzieren der Erkenntnis auf das Meßbare zur Erklärung der Welt unzuverlässig, unsicher bis unzulänglich sind. Die Natur ist nämlich nicht da, um sich von uns messen zu lassen, das steht fest. Was wir in der Natur überhaupt messen können ist äußerst gering, das allermeisten ist überhaupt nicht messbar. Und das Wenige, was wir überhaupt messen können, ist eben nicht zuverlässig, es ist zu reduktionistisch, das ist dünnes Eis des Wissens. Die messenden Wissenschaften sind in der Krise, so sehe ich das.

    • Allein dieses Motto verrät, dass der „Marsch for Science“ einzig eine Veranstaltung der Naturwissenschaften ist, es ist eine Veranstaltung der Wissenschaften, die einzig durch das Messen bzw. das Sammeln von Daten existieren.

      Das mag insofern richtig sein, weil im Amerikanischen eher diese Wissenschaften gemeint sind.

      Könnte zum Beispiel ein Sprachwissenschaftler wie unser Gastgeber Ekkehard Felder für seine Wissenschaft an diese Veranstaltung unter dem Motto „Es gibt keine Alternativen zu Fakten“ teilnehmen?

      Ja es kann hier in München jeder teilnehmen. Auch Nicht-Wissenschaftler.

      Was für einen Sinn würde diese Kampagne für einen Psychologen, einen Arzt, einen Ökonom, einen Philosophen, einen Archäologen, einen Soziologen, einen Verhaltensforscher, für alle anderen Wissenschaftler ergeben?

      Auch Homöopathie ist ein Thema beim letzten Marsch gewesen.

      Und diese Kampagne zeigt, dass die Naturwissenschaften, nachdem sie traditionell – und auch öfter mal mit Überheblichkeit – die Oberhand als „exakte”, “starke” Wissenschaften, sowie als „gesichertes Wissen“ übernommen haben, in der Krise sind.

      Nun das Thema ist eher, dass Politiker, die die Freiheit der Wissenschaften (nicht nur der Naturwissenschaften) beschränken wollen. Siehe etwa letztes Jahr die CEU in Ungarn.

    • Die Natur ist nämlich nicht da, um sich von uns messen zu lassen, das steht fest.

      Aber Erkenntnissubjekte sind dafür da, die Natur zu messen, vgl. :

      Measure what is measurable, and make measurable what is not so! [möglicherweise : Galileo Galilei]

      Zudem gilt, vgl. :

      Mathematics is the gate and key of the sciences. [Roger Bacon]


      Was Sie vielleicht meinen, werte Frau Jocelyne Lopez, ist dass die Mathematik, die Fähigkeitslehre, zusammen mit ihren Erkenntnissubjekten hier auf “hartes Brot” treffen, nicht immer richtig liegen müssen und auch schon mal irren dürfen.
      Auch wenn’s so vielleicht ein wenig relativistisch klingt, ist im relativistischen Sinne, womöglich gar im von Ihnen gemeintem Sinne, um das Sie wie ein Huhn um sein Ei zu kreisen scheinen, hier nicht günstig auszubauen.

      SCNR
      Dr. Webbaer

  11. Zitat Dr. Webbaer: “Was Sie vielleicht meinen, werte Frau Jocelyne Lopez, ist dass die Mathematik, […]

    Nein, Herr Dr. Webbaer, ich meinte nicht die Mathematik, denn die Mathematik ist keine Wissenschaft, sie ist eine Sprache. Ich bin auch nicht deshalb Wissenschaftlerin, weil ich zum Beispiel Französisch und Deutsch kann, oder? 😉

    Ich meinte, was auch der Experimentalphysiker Frank Wappler, den Sie wohlbemerkt selbst hier erwähnt haben (Sie kreisen wohl wie ein Huhn um Ihr Ei herum) hervorgehoben hat: Es reicht lange nicht, eine wissenschaftliche Theorie aufzustellen (und sie ggfs. mathematisch zu beschreiben, ist aber nicht zwingend), um “Fakten” bzw. Erkenntnis zu produzieren: Erst einmal müssen Meßdaten gesammelt werden (das ist auch keine Mathematik).

    Erst einmal müssen also die Meßanordnungen bzw. die Meßbedingungen genau untersucht werden, bevor man überhaupt die Daten analysieren und deuten kann. Das gilt für alle messende Wissenschaften, in erster Linie eben für die Naturwissenschaften, denn alle Experimente sind ein erbärmlicher Abklatsch der Natur – das sollte man nicht vergessen, auch wenn Galileo Galilei es vergessen hat.

    • Herr Dr. Wappler liegt richtig, wenn er die Messtheorie als wichtig bis zentral herausstellt, um Daten zu gewinnen, die Mathematik, die Fähigkeitslehre, meint die Sprachlichkeit oder Logik, sie gilt als Formalwissenschaft.
      Daten werden der Natur sozusagen entnommen, indem ausschnittsartig, näherungsweise und an Interessen (!) gebunden erfasst wird, schon richtig, auch wenn Sie es – ‘alle Experimente sind ein erbärmlicher Abklatsch der Natur’ – pejorativ zu beschreiben wissen.
      Erkenntnis (vs. Wissen) zu gewinnen bleibt mühsam – und ein Huhn (vs. Henne) kreist um sein Ei herum.

      Sie sind ja sehr nett, Frau Jocelyne Lopez, auch Wissenschaftler, wenn Sie dies so angeben, allerdings, allerdings sind auch oft größere Hasen unterwegs; Sie scheinen in Ihrem “Haufen” nicht gut aufgehoben, wie sich Dr. Webbaer erlaubt anmerken zu dürfen.

      MFG
      Dr. Webbaer

      • Herr Dr. Webbaer, können Sie keinen einzigen Austausch mit mir ohne ad hominem zu werden? Was soll das? Noch einmal, unterlassen Sie es bitte und kommen Sie mir bitte nicht zu nah. Es ist unangenehm. Ich habe selbst Null Interesse an Ihre Person, praktizieren Sie es bitte auch mir gegenüber und bleiben Sie bei den Themen ohne ad hominem Äußerungen. Okay?

        • Dann aber gerne auch auf Ich-Bezüge verzichten.
          Versuchen Sie es gerne, werte Frau Jocelyne Lopez, bspw. mit Er-Bezügen oder mit Passiv-Konstruktionen.
          Ihnen ist schon klar, dass die Polemik eine gewisse Berechtigung hat, auch weil Erkenntnis in “n:m”-Beziehungen gepflegt wird, so dass ohne Person Erkenntnis sozusagen nichts ist?

          • Ich werde mir ganz bestimmt nicht von Ihnen belehren lassen, wie man sich in der deutschen Sprache verständigen soll… Ich behalte mein Schreibstil, mit Verlaub. Und Sie unterlassen bitte ad hominem Äußerungen. Wenn Ihnen weder meinen Schreibstil noch meine Meinungen gefallen, bleiben Sie eben fern von Austauschen mit mir, so einfach ist das.

          • Kollego Frau Jocelyne Lopez,
            es geht doch gar nicht um den alten, kleinen und dicken (abär nicht mehr so wie früher!) Webbaer, sondern darum, warum Sie in kommentarischen Einheiten des wissenschaftsnahen WebLog-Wesens oft so anecken, dass Sie die Moderation erwischt.
            Weil Dr. W Sie schon “ganz töfte” findet, vor vielleicht 50 Jahren hätte man sich womöglich besser kennengelernt, rät er Ihnen an sich angemessen zu verhalten, kommentatorisch, keine Viktimisierung anzustreben und auch keine besonderen Vorträge zu halten, pseudo-wissenschaftlicher Art.

            Diese Kritik, also Diese Ihrige Kritik an der Relativitätstheorie ist falsch, wobei Kritik willkommen bleibt.

            MFG
            Dr. Webbaer (der jetzt aber wirklich wegmuss, “Fressie” wartet”)

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