Kollektives Versagen

BLOG: ScienceZest

Forschung lecker zubereitet
ScienceZest

Oft denke ich, es wäre völlig egal, ob wir an den Klimawandel glauben oder nicht. Ich weiß, ich sollte das nicht sagen.

Ich bin Umweltwissenschaftlerin, seit Jahren glaube ich an die menschen-gemachte Klimazerstörung und trotzdem weiß ich nicht, wie ich meine jährliche CO2-Emission auf die geforderten 2.5 Tonnen reduzieren kann.

Vor einigen Wochen saß ich in einem Raum mit knapp zwanzig Umweltwissenschaftlern, allesamt mit Doktortitel ausgestattet, die meisten davon Arbeitsgruppenleiter; allesamt in der angewandten Forschung tätig und viele davon Technologie-orientiert. Probleme zu knacken ist unser täglich Brot.

Trotzdem wusste keiner der Anwesenden, wie die 2.5 Tonnen erreichbar sind. Niemand der Anwesenden kannte den deutschen Durchschnitt der jährlichen Pro-Kopf CO2 Emission, noch seinen/ihren CO2-Fussabdruck. Ich wusste das ja auch nur, weil ich kurz zuvor nachgeschaut hatte. Immer habe ich geglaubt, ich sei umweltfreundlich. Doch die Wahrheit sieht so aus:

Screenshot 2014-06-10 09.11.42

Unser Stromverbrauch ist sehr niedrig, wir heizen per Wärmepumpe und nutzen nur Greenpeace Strom (darum wurde Strom und Heizung in dieser Auswertung unter dem Punkt „Heizung“ zusammen berechnet). Wir essen fast ausschließlich regional und saisonal und Geld für Kleider und Technikkram haben wir eh zu selten. Wir fahren sehr viel Auto – das ist Mist und soll sich ändern. Aber selbst wenn wir gar nicht mehr fahren würden, schaffen wir die 2.5 Tonnen nicht. Anleitungen zum Erreichen dieser 2.5 Tonnen gibt es nirgends. Eigenartig, wenn man die Dringlichkeit des Problems betrachtet.

Darum hab ich mir – völlig naiv – ein neues Forschungsprojekt überlegt: „Wie schafft es eine 4-köpfige Familie, den pro-Kopf CO2 Fußabdruck auf 2.5 Tonnen/Jahr zu senken?“ Das dieses Projekt nur privat durchgeführt und finanziert werden kann, war mir klar.

Ich stellte diese Idee der Gruppe an Umweltwissenschaftlern vor. Der Konsens war folgender:

1.)  Das ist sehr interessant und wichtig, aber

2.)  das hat nichts mit Forschung zu tun.

3.)  Ich weiß nicht, wie man das erreichen kann und eigentlich

4.)  glaube ich gar nicht, dass man das erreichen kann, weil

5.)  ich will ja nicht im Wald oder in der Höhle wohnen, aber

6.)  neue Technologien können uns helfen.

 

Den Hoffnungsschimmer Technologien wollte ich genauer beleuchten. Also stellte ich die Frage, welche Biotechnologien (denn in dem Bereich sind wir Experten) unsere CO2 Emissionen innerhalb der nächsten 10 Jahre auf das verträgliche Niveau senken können.

Uns fiel nicht viel ein.

Kofi Anann sagte in seinem Artikel in der Süddeutschen Zeitung: “Wir wissen, was nötig ist, um diese Katastrophe zu verhindern.” Mit Katastrophe meinte er den kritischen Punkt, an dem es völlig egal ist, ob wir in den Wald oder die Höhle ziehen, um unsere Emissionen zu verringern – der kritische Punkt, an dem die Klimazerstörung unumkehrbar ist.

Ich schäme mich. Ich bin Umweltwissenschaftlerin. Mein Berufszweig – man nennt uns Experten – weiß seit Jahren, dass Klimawandel real und menschen-gemacht ist. Mein Berufszweig hat es versäumt, das wissenschaftlich angehäufte Wissen an sich selbst anzuwenden.

Ich schäme mich, weil wir Experten uns benehmen, als ob das größte Problem der Menschheit insignifikant klein wäre. Wir sind und bleiben uns selbst die Nächsten, obwohl viele von uns Kinder haben und – aller Wahrscheinlichkeit nach zu urteilen – in etwa 10 bis 30 Jahren den Wunsch nach Enkeln hegen werden.

Ich schäme mich, weil wir Umweltexperten sein wollen ohne gleichzeitig sagen zu müssen „Ich bin mir meiner Verantwortung bewusst und ich handle entsprechend.“ Auch wir, Teil der internationalen Bildungselite, gehen den gemütlichen Weg der bewussten Ignoranz. Wie jeder Deutsche, kaufen auch wir unser Essen selten regional und saisonal. Auf Reis, Bananen und Orangen zu verzichten fällt schwer. Wie die meisten gehen auch wir selten in den Bioladen, weil uns unser Geld zu lieb ist. Obwohl uns völlig klar ist, wie hoch der weltweite Einsatz von Pestiziden ist und das Bienensterben damit korreliert wird, dass Pestizide das Grundwasser und andere wichtige Ökosysteme belasten.

Wie jeder Deutsche essen wir fast täglich konventionelles Fleisch weil Bio teuer ist. Doch uns ist klar, dass der hohe Antibiotikaverbrauch bei der industriellen Tierproduktion zu Antibiotikakontamination des Grundwasser, der Böden, Flüsse und Seen beitragen. Das Problem mit den zunehmenden Antibiotikaresistenzen pathogener Keime ist uns auch bekannt.

Zwischenzeitlich hoffen wir auf rettende Technologien oder politische Entscheidungen, die uns den täglichen Luxus nicht nehmen.

Ich schäme mich, weil ich Öko-Freak als Freak dastehe, als realitätsferne Komposttoiletten-Betreiberin und ökonomie-schädigende Halb-Selbstversorgerin und ich deshalb lieber die Klappe halte, um nicht noch mehr aufzufallen. Ich baue lieber leise mein eigenes Gemüse an und kehre dem Expertentum meinen Rücken. Eine gute Lösung ist das leider auch nicht.

______________________________________________

Für diesen Artikel sind die Kommentare freigeschaltet. Wenn ich einen Vorschlag machen darf: Sagt wie es geht, denn wie es nicht geht wissen wir ja schon. Teilt eure Erfahrungen – was ihr selbst tut, um eure CO2 Emissionen zu senken, wie eurer CO2 Fußabdruck aussieht (bitte nur den vom UBA nehmen damit alle vergleichbar sind) und was ihr in Zukunft ändern wollt.

Annelie Wendeberg

Annelie Wendeberg ist eigentlich Umweltmikrobiologin. Doch eines schönen Wintermorgens klappte sie die Augen auf und dachte sich "ich schreib mal was". Seither versucht sie ihre Leidenschaft Forschung leicht verständlich und spannend in kurzen Blogartikeln zu vermitteln. Meistens schreibt sie über alles Mögliche was irgendwie mit Forschern, Biologie, Umwelt, Ökologie und vor allem Mikrobiologie zu tun hat. Des Nachts bringt Annelie Wendeberg Leute um. Auf dem Papier. Für den KiWi Verlag.

69 Kommentare

  1. Der Pro-Kopf-CO2-Ausstoss in Bangladesh im Jahre 2009 ist 0.39 Tonnen CO2 pro Jahr. Also sehr wenig. Mehr als 50 Länder haben einen Pro-Kopf-CO2-Ausstoss von weniger als 1 Tonne pro Jahr. Diese 50 Länder gehören zugleich zu den ärmsten Ländern. Offensichtlich ist unsere Technologie bis jetzt einfach stark auf Kohle, Erdöl und Erdgas ausgerichtet. Es gibt nur eine technologische Lösung für dieses Problem. Schliesslich wollen wir ja nicht auf Transport, fachgerechte Behandlung bei Krankheit und vieles mehr verzichten.

    Eines steht schon einmal fest: Man kann Strom sehr CO2-arm erzeugen. Man denke an die Wasserkraft oder die Nuklearenergie. Beide Energieformen gibt es schon mehr als 50 Jahre. Auch mit erneuerbaren Energien könnte man CO2-armen Strom erzeugen. Es bräuchte nur ein weltumspannendes Supergrid um Produktionsschwankungen auszugleichen. Wenn man allen Strom CO2-arm erzeugt und alle Energie, die man benötigt mit diesem Strom bereitstellt ist man insgesamt CO2-arm. So einfach ist das.

    Warum ist das weltumspannende Supergrid keine praktikable Lösung? Weil diese Leitungen zerstört würden in den Konflikten und Kriegen die es jedes Jahr gibt. Man müsste also nur die Kriege und Konflikte reduzieren oder zum Verschwinden bringen.

    Man sieht: Ganz einfach.

  2. Der CO2-Rechner ist eine echte Überraschung… da habe ich etwas 70.000 € in Haus und Autos zusätzlich investiert. Aber nur ca. 2t weniger als der Durchschnitt. Ich bin enttäuscht von mir. – Am besten man bleibt zuhause, wohnt klein, duscht kalt und hat keine Geräte, die mehr als Handarbeit benötigen. Und selbst dann… das ist mehr als deprimieren.

  3. Hm. Der minimal erreichbare Wert nur für Konsum (Kaufverhalten: sparsam, Kaufkriterien: Langlebigkeit, Hotelübernachtungen: keine), ohne irgendwas anderes ist schon 2.18. Mit öffentlichen Emissionen also 3.26. Der Rechner macht 2.5 t unmöglich. (Was nicht heißt, dass er nicht realistisch sei. Das weiß ich nicht. Ich befürchte, das Bundes-Umweltamt weiß, wovon es redet.)

    Bedrückend.

  4. Bekanntlich hat David MacKay schon vor Jahren einige Szenarien nachvollziehbar durchgerechnet.
    http://www.withouthotair.com/

    Nimmt man sich ein wenig Zeit dafür, wird zugleich klar, dass großräumig und global gedacht werden muss. Leider. Das wollen viele nicht hören, es klingt gar nicht idyllisch. Viele kleine Maßnahmen helfen beim Klimawandel nicht entscheidend weiter.
    Ohne Kernenergie wird es schwierig, ohne Großprojekte wie Deserttec scheint es unmöglich.

    Da die Folgen des gegenwärtig von ca 30% der Menschheit gepflegten (und vom Rest angestrebten) Lebensstils, hauptsächlich spätere Generationen, bzw. zuerst klimasensible Regionen betrifft, sehe ich kaum eine Chance zum rechtzeitigen Umdenken.
    Natürlich kann (und will) der Einzelne wenig bewirken, solange es keinen globalen Paradigmenwechsel gibt. Allmende allenthalben.

    Ein Durchbruch bei der Kernfusion, welcher den Energiepreis unter den der fossilen Rohstoffe drücken könnte wäre eine wage Hoffnung.
    Es ginge natürlich auch anders , aber ich fürchte, dafür wird es nicht schnell genug einen Konsens geben.

    • Ja, das ist so. Durch individuelles Konsumverhalten erreicht man wenig, weil es kaum etwas zu kaufen gibt was CO2-frei ist. Es geht um eine völlige Umstellung des Energiesystems und zwar global. Neue Technologien haben das grösste Potenzial, wenn sie sich global durchsetzen können und andere Technologien verdrängen, also obsolet machen.
      Leider gibt es heute noch keine nichtfossile Energietechnologie, die genügend schnell Kohle, Öl und Erdgas ersetzen könnte um das 2-Grad-Ziel erreichen zu können. Nicht einmal die Nukleartechnologie kann das, denn den nötigen Zubau von weltweit 1 Gigawatt nichtfossiler Energie jeden Tag, der noch folgt für die nächsten 20 Jahre schafft man auch damit nicht.
      Das 2-Grad-Ziel ist nicht mehr zu erreichen, aber vielleicht das 3-Grad-Ziel, wenn noch unverhofft ein Durchbruch geschieht.

      • “Durch individuelles Konsumverhalten erreicht man wenig, weil es kaum etwas zu kaufen gibt was CO2-frei ist.”
        Es gibt genug Leute, die können sich nur 2nd Hand Kleidung und Technik leisten. Diese sind quasi CO2 frei, wenn man davon ausgehen würde, dass der Normalverbraucher so Zeugs bei Nichtgefallen wegwirft.
        Weniger kaufen, vor allem beim Essen, und dann nicht wegwerfen müssen ist ein Beitrag, genauso wie gebraucht kaufen.
        Sich die Etiketten am Obst und Gemüse genauer ansehen und auf Sachen verzichten, die eingeflogen wurden oder generell von anderen Kontinenten stammen, ist ebenfalls ein Beitrag.
        Natürlich gibt es nichts CO2-freies. Das heisst doch aber nicht, dass man sich täglich Mango aus Südamerika einfliegen lassen darf. Konsumverhalten trägt zu CO2 Emissionen bei, und dazu gehört die Wahl des Transportmittels (Flugzeug vs Bahn), die Wahl der Nahrungsmittel und die Wahl welche Recycling bzw Abwasseraufbereitungssysteme und welche Energiequellen man nutzt.

  5. Ich war bei ca. 5t (war auch der vom UBA), weil ich ohne Auto auskomme. Wie schon bei “zerology” hervorgeht, kann man wahrscheinlich kaum unter 4t kommen, ohne sich komplett aus der Gesellschaft zu verabschieden.

    Entscheidend ist bei dem derzeit kaum vermeidbaren Rest meiner Meinung nach: Druck machen auf Hersteller und Politik, damit die CO2-Bilanz von schwer vermeidbaren Konsumgütern und öffentlichen Gütern runtergeht. Nachhaken bei den Firmen, sich informieren über CO2-Bilanzen, zu Produkten und Firmen mit besserer Bilanz wechseln und darüber reden. Vorübergehend und zusätzlich kann man seine unvermeidbaren Emissionen noch ausgleichen, zum Beispiel Bäume im Garten pflanzen oder über atmosfair, thecompensators.org .

  6. Ich fürchte, daß es mit diesem Gesellschaftssystem gar nicht geht.
    Es lebt ja von der Schaffung neuer Bedürfnisse und deren Befriedigung.
    Menschen, die über diese Probleme überhaupt nachdenken sind schon eine winzige Minderheit. Menschen, die bereit sind dafür etwas zu tun und zu verzichten, noch mehr.
    Ich bin da extrem pessimistisch.
    Ein weltweit hohes Bildungsniveau wäre wohl Voraussetzung, es wird wohl schon daran scheitern.
    Trotzdem weitermachen, soll hinterher keiner sagen, wir hätten es nicht versucht…

  7. Mimimi! Hört auf rumzuheulen und euch was vorzumachen, ihr könnt soviel investieren wie ihr wollt,die sozialökologische Krise läst sich nur kulturel lösen, neue Technik bringt nix wenn der Benefit wieder nur in mehr des selben fliest. Eine Kultur der Bescheidenheit würde uns als Mensch gut zu gesichte stehen und unsern Kindern ein gutes Vorbild sein denn die werden die Suppe auslöffeln müssen. Denn nur Bescheidenheit gibt uns die Zeit und Muse über unser handeln gewar zu werden. Und ich hoffe für uns das die vollends aufgeklärte Welt im lichte triumphalen Unheils erstrahlt. Wenn nicht sind wir es nie wert gewesen.

    Einen schönen Tag.

  8. Der ganze Beitrag, das sich schämen und eventuelle Konsequenzen im persönlichen Verhalten sind sinnlos. Ein billiger Aktionismus, mehr nicht.
    Denn die wichtigste Einflussgröße auf unsere Umwelt ist die Anzahl der Menschen auf der Erde – aber ausgerechnet diese Thema wird nicht diskutiert.

    • solche grundsätzlichen Überlegungen finde ich sehr interessant, wenngleich Verteilung und Lagerung bei knappen Ressourcen meist das Hauptproblem sind..

      “Am einfachsten ist es, Wasserstoff zu speichern, der durch Elektrolyse
      erzeugt wird, und der in Brennstoffzellen wieder in elektrische Energie
      zurück verwandelt wird.”
      Wie speichert man Wasserstoff am effizientesten?

    • @KRichard
      “Denn die wichtigste Einflussgröße auf unsere Umwelt ist die Anzahl der Menschen auf der Erde – aber ausgerechnet diese Thema wird nicht diskutiert.”
      Das mag daran liegen, dass die ca 30% der Menschheit, welche für den Großteil des CO2 Anstiegs bisher verantwortlich sind, nicht daran denken deswegen Ihre Existenz einzustellen.

      • Mir geht es nicht darum, einem bestimmten Teil der Erdbevölkerung eine spezielle Schuld zuzuweisen. Sondern mein Hinweis bezieht sich darauf dass manche Diskussionen selbsternannter Umweltexperten sinnlos sind – wenn die Hauptursache eines Problems systematisch ignoriert wird.
        Eine einfache Rechnung: derzeit gibt es 7 Mrd. Menschen, in 30-35 Jahren werden es ca. 9 Mrd. sein. Wenn wir nur den derzeitigen Rohstoff-/Bodenverbrauch beibehalten wollen, dann müssten diese Ressourcen (7/9=0,777) pro Person real um 22,3 % verringert werden. Sie werden in Industrieländern niemand finden, der dazu bereit ist – und in unterentwickelten Verbrauch würde eine Reduzierung den Tod durch verhungern bzw. verdursten bedeuten.

        • Tut mir leid, aber da liegen sie falsch. Es geht nicht um 23 oder 33%, sondern in Bezug auf die CO2-Emissionen zuerst einmal um global eine Halbierung bis 2050 ( relativ zu 1990) und ein Absenken auf beinahe Null bis 2100.
          Von den anderen – positiven Ressourcen – Boden, Nahrung, Metalle -, hat es noch genug und zudem kann durch Umstellung auf eine Kreislaufwirtschaft der Neuverbrauch auf sehr niedrige Werte gesenkt werden.
          Ich denke das Problem der vom Menschen ausgestossenen Treibhausgase kann man nicht gleichsetzen mit den übrigen Ressourcenprobleme. Wobei ein echter Ressourcenmangel – beispielsweise kein Phosphor mehr für die Landwitschaft- noch viel schlimmer wäre als das Klimaproblem. Doch wie gesagt, echte Ressourcenknappheit erwarte ich in den nächsten 50 Jahren keine.

  9. Der Wirkungsgrad zwischen der Photosynthese und der Verbrennung der
    Biomasse beträgt bei mehrzelligen Landpflanzen ungefähr 1 bis 2 Prozent.

    Bei einzelligen Algen oder Cyanobakterien kann dieser Wirkungsgrad bis
    ungefähr 8 Prozent gesteigert werden.

    Der Wirkungsgrad von serienmässigen Solarzellen beträgt ungefähr 25 Prozent.

    Ausserdem beliefert die Photosynthese normalerweise einen Verbrennungsmotor
    mit weniger als 50 Prozent Wirkungsgrad.

    Dagegen beliefern die Solarzellen Elektromotoren mit mehr als 90 Prozent
    Wirkungsgrad.

    Deshalb sind die Biokraftstoffe nicht sehr überzeugend.

    Wenn man ohne Supergrid auskommen will, dann benötigt man Energiespeicher.

    Die effizientesten Energiespeicher sind die chemischen Energiespeicher.

    Am einfachsten ist es, Wasserstoff zu speichern, der durch Elektrolyse
    erzeugt wird, und der in Brennstoffzellen wieder in elektrische Energie
    zurück verwandelt wird.

    Ausserdem kann Wasserstoff in Verbrennungsmotoren und in Heizungen
    verwendet werden.

    Bei einer mittleren Strahlungsleistung der Sonne von 400 Watt pro
    Quadratmeter (im Weltraum sind es 1367 Watt pro Quadratmeter),
    liefern die Solarzellen daher 100 Watt pro Quadratmeter ( 400 * 0,25 ).

    Wenn man permanent 10000 Watt (10 kW) verbrauchen will, dann benötigt man
    100 Quadratmeter Solarzellen, die ein Quadrat von 10 Metern Kantenlänge
    bilden würden.

    Deutschland hat 226 Einwohner pro Quadratkilometer oder 226 Einwohner
    pro eine Million Quadratmeter ( 1000000 / 226 = 4425 ).

    Jedem Menschen in Deutschland stehen also 4425 Quadratmeter zur
    Verfügung, und nach Abzug der 100 Quadratmeter Solarzellen immer
    noch 4325 Quadratmeter.

  10. Frau Wendeberg,

    Sie sollten versuchen, Ihren Beitrag in einer überregionalen Zeitung unterzubringen, um mehr Menschen damit zu erreichen. Die Klimawandeldebatte ist in der Öffentlichkeit ziemlich eingeschlafen.

    • Hallo Herr Stefan,
      das ehrt mich sehr, danke! Ich glaube aber nicht das der Artikel (A) gut genug geschrieben ist und (B) wegen besagter Einschlafung auch nirgends angenommen wird. Ich könnte mir vorstellen, dass es hilfreicher wäre mein 4-Personen Haushalt CO2 Projekt als Blog einzurichten mitsamt CO2 Budget, Finanzbudget, Ideen wie man’s woanders besser machen könnte. Das wird allerdings ein Riesen Haufen Arbeit (wg. Budgetierung) Aber vielleicht gibt es ja jemanden, der dies unterstützen könnte?

  11. Die deutsche Energiewende als Signal an die Welt
    Deutschland sieht sich immer wieder als Role Model, als Vorbild für die Welt. Deutschlands Energiewende als Modell für die Welt ist mit Sicherheit eine Überschrift eines Zeitungs-/Zeitschriftenartikels. Angeblich soll die Energiewende die Abkehr von den fossilen Energien einleiten. Doch das ist wohl nur das schöne Antlitz das man der Welt anbietet. In Form von Windfarmen und blauen Dächern voller Solarpanel. Im Herz dieser Energiewende aber verbirgt sich etwas anderes. Wenn es dunkel wird und niemand mehr hinschaut und die blauen Dächer keine Energie mehr liefern, dann vernimmt man die beruhigend langen und tiefen Atemgeräusche der Braunkohlekraftwerke, von denen immer mehr gebaut werden und kann erahnen wie Wolken von “heimeligem” Russ und CO2 den Himmel erfüllen. Noch nie gab es soviele Braunkohlekraftwerke, wurde so viel Energie in Deutschland über die Verbrennung von Kohle gewonnen seit der Wiedervereinigung wie gerade jetzt.
    Das kann als Reaktion auf Energieunsicherheit gesehen werden. Kohle gehört zur DNA von Deutschland wie Wodka zur DNA von Russland gehört. Immer wenn ein Land verunsichert ist, kehrt es zu seiner DNA zurück. Deshalb war der Wodka-Konsum in Russland nie so gross wie nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, deshalb ist der Braunkohleverbrauch in Deutschland nie so gross seit der Wiedervereinigung wie jetzt.
    Es gibt einen Unterschied zwischen dem Bild, das man nach aussen entwirft und der Wirklichkeit, der Wahrheit. Die Wahrheit misst sich oft in blanken Zahlen, das Bild in schönen Worten aus denen man die Wahrheit nur herauslesen kann, wenn man genau hinhört. Als jahrzehntelanger Spiegel-Leser fällt mir besipielsweise auf, dass in Spiegel und SPON die Atomkraft immer wieder als Teufelszeug dargestellt wird, die Erneuerbaren einmal gelobt dann wieder beschimpft werden und die Braunkohle ihr stilles Dasein führt mit früher häufig geschalteter Reklame für Braunkohlekraftwerke und vereinzelt positiven Artikeln zur Rolle von Kohle in Deutschland.
    Von aussen gesehen ist es oft einfacher die Wahrheit zu sehen als von innen. Solch eine Blick von aussen wirft der Journalist Fred Pierce auf Deutschland in seinem Artikel On the Road to Green Energy, Germany Detours on Dirty Coal wo man liest:

    German environmental concerns about energy are not just about CO2 emissions. Opposition to nuclear energy in much of Germany runs deep. If anything, Germans are more fearful of nuclear power than climate change. And when the government in 2011 decided to shut eight nuclear power plants and announced that the rest, which still provide 15 percent of the country’s electricity, would be closed by 2022, there was relief that a long and divisive debate was finally over. Lignite generates 26 percent of Germany’s electricity, more than solar and wind combined.

    Welches Signal sendet Deutschland also an die Welt? Wohl dieses: Macht euch schön und kehrt zu eurem Energieherzen zurück. Dieses Energieherz ist in Deutschland Kohle – und es hat noch für viele Jahrzehnte wenn nicht für Jahrhunderte davon!

  12. Wir sollten viel mehr Geld und Bemühungen in Gender oder ähnliche Forschungsgebiete stecken. Das sind die wahren Probleme und nicht Technik/Energie …

    Wir werden von unserem hohem Level des Energieverbrauches wohl nur bescheiden herunterkommen. Einziger Ausweg meines Erachtens ist die Forschung in Technik und Energie.

  13. Himmel, ist das ein interessanter Blogpost!

    Als Religionswissenschatler fühle ich mich hier gleich zuständig: Es geht um eine Wahrheit, an die man glauben kann oder nicht (Klimawandel). Bejaht man sie, so folgen daraus Verhaltensgebote, die hier sogar quantifizierbar sind (nicht mehr als 2.5 Tonnen CO2 pro Person), aber dennoch kaum erreicht werden können. Das erzeugt Schuldgefühle, die hier sehr sympathisch offen und ehrlich vorgestellt werden.

    Die säkulare Lehre ist tendenziell antinatal – schließlich laden Eltern mit jedem Kind weitere CO2-Schuld auf sich. Dennoch geben einige Anhänger Kinder- und sogar Enkelwünsche zu.

    In der Religionsgeschichte haben sich in solchen Situationen Ablasssysteme bewährt: Für die nicht einholbare Schuld konnte man Kunstwerke wie den Petersdom oder heute eben Umweltschutz- bzw. Renaturierungsrojekte fördern. (Da haben es Anhänger z.B. von Diät- oder Selbstoptimierungsprogrammen schwerer – an wen sollen sie hilfreich spenden?)

    Das Ganze hier meine ich übrigens überhaupt nicht sarkastisch: Ich gehe selbst von einem menschlichen Beitrag zum Klimawandel aus und habe schon vor Jahren auf ein eigenes Auto verzichtet. Dass sich Menschen überhaupt Gedanken machen und im Rahmen ihrer jeweiligen Möglichkeiten nach Lösungen suchen macht mich durchaus optimistisch, dass wir Menschen nach vielen Fehlern schon auch wieder Auswege finden werden. Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei…

  14. Der Rechern leidet natürlich etwas unter seiner Schattenrisshaftigkeit, es gibt einige Optionen, die dort nicht reflektiert werden. Bei der Ernährung lässt sich sicher noch ein bisschen hinter dem Komma schrauben, wenn man einen Teil selbst anbaut (und seien es nur die Champignons im Keller oder der Rosmarin auf dem Fensterbrett). Ein auf dem Land lebender Vegetarier oder Veganer dürfte die Möglichkeit haben, seine Bilanz im Bereich Ernährung auf nahezu 0 zu senken, wobei der wiederum in vielen Gegenden wieder auf ein Auto angewiesen sein wird. Siedlungsstrukturen, in denen autofreie Selbstversorgung möglich ist, sind denkbar, aber kaum vorhanden. Für das Ziel von 2,5 t/cap brauchen wir solche. Wir sollten übrigens besser gleich von 2 t/cap ausgehen, denn die Weltbevölkerung wächst ja mit nicht unerheblicher Geschwindigkeit.

    • “Siedlungsstrukturen, in denen autofreie Selbstversorgung möglich ist, sind denkbar, aber kaum vorhanden.”
      Leider habe ich auf die Schnelle keinen Link gefunden. Aber vor Jahrzehnten las ich eine überzeugende Studie, dass die Verkehrsinfrastruktur von Singapur sich Deutschland technisch gut umsetzen ließe. Mit sowohl großem Gewinn an Lebensqualität als auch an Wohlstand. Den wenigsten ist wirklich klar, welche Kosten mit dem der heiligen Kuh Individualverkehr verbunden sind.

  15. Glaube an die menschen-gemachte Klimazerstörung (kann man Klima zerstören ???); Schuld und Sühne ? Scham, Selbstkasteiung und Ablasshandel ? So was kennt man eigentlich nur von Religionen. Ich bin vermutlich nur im falschen Film, aber bestimmt nicht in einem Wissenschaftsblog ! Wenigstens Martin Holzherr hat versucht, hier ein wenig Rationalität einzubringen.
    „schließlich laden Eltern mit jedem Kind weitere CO2-Schuld auf sich“ – geht`s noch ?!

      • Borniert ist der falsche Ausdruck, ich bin lediglich erschrocken, solche auch noch inbrünstig angepriesenen Wesenseigenschaften von Religionen hier in einem naturwissenschaftlich ausgerichteten Wissenschaftsblog zu finden. Oder handelt es sich bei der jetzigen Diskussion um Klimawandel und den propagierten Mitteln zu seiner Verhinderung, wie die 2,5 t des UBA, gar um eine neue Religion ? Wer Verzicht in diesem Umfang predigt, begibt sich in Konflikt mit demokratischen Prinzipien, weil so etwas nicht durchsetzbar ist. Und weil das auch den Verfechtern solcher Ideen klar ist, versucht man Überzeugungsarbeit mit altbewährten pseudoreligiösen Werkzeugen zu leisten. Nicht umsonst hat man auch schon der Begriff der großen Transformation geprägt. Als Mensch, der Erfahrungen in einem nicht-demokratisch legitimierten System sammeln durfte, halte ich solche Überlegungen für kreuzgefährlich.

        • @torben hoffmeister

          Nun ja, die letzten beiden “nicht-demokratisch legitimierten Systeme” in Deutschland haben sich vor allem durch die Diskriminierung und Verfolgung einiger bzw. aller Religionsgemeinschaften “ausgezeichnet”.

          In einem freien Land müssen Sie weder politisch noch religiös, weder umweltbezogen noch sonst zivilgesellschaftlich aktiv sein. Aber Sie dürfen. Wie wäre es, wenn Sie diese Freiheiten auch anderen zugestehen? Eine Gefahr für irgendjemanden sind Anstrengungen zur CO2-Reduktion ganz sicher nicht!

        • “Wer Verzicht in diesem Umfang predigt, begibt sich in Konflikt mit demokratischen Prinzipien, weil so etwas nicht durchsetzbar ist….”

          Ich hab zwar nicht wahrgenommen wer das in diesem Blog wirklich tut, aber um zum Thema zurückzukommen: Ein Umdenken in vielen Bereichen würde schon ausreichen.
          Beispiel: Anfang der 80ger Jahren wurden in Deutschland sogenannte Umweltaudits für produzierende Unternehmen vorgeschrieben. Nach großer Skepsis auch meinerseits) von wegen Wettbewerbsnachteilen) stellte sich heraus, dass durch schonenden Umgang mit Ressourcen nicht nur der Umweltbelastung verringert werden konnte sondern sogar Kosten eingespart werden konnten. Ich sehe in jedem kritischen energieintensiven Bereich (Produktion, Logistik, Haushalt, Landwirtschaft) riesige Einspaarpotentiale durch sinnvolle Umstrukturierungen und Paradigmenwechsel auf vielen Ebenen.
          Darum geht es in Erster Linie. Umdenken tut not.

          • Hallo Ralph,

            nennen Sie mir mal bitte die Einspar-Potentiale, die Sie in der Landwirtschaft sehen. Das interessiert mich.

          • @Mona 12. Juni 2014 16:42
            Zitat: “Einspar-Potentiale in der Landwirtschaft gibt es beispielsweise beim Kraftstoffverbrauch”
            Die zukünftigen Traktoren dürfen überhaupt kein CO2 mehr ausstossen. Benzin muss also durch synthetischen Treibstoff ersetzt werden oder durch eine Batterie.
            Synthetischer Treibstoff entsteht aus CO2 + Wasser + nichtfossiler Energie, z.B. als Electrofuel.

            Ein bisschen Einsparen reicht nicht. Keiner der gängigen industriellen oder landwirtschaftlichen Prozesse darf in Zukunft CO2 emittieren. Wir sind noch weit weg davon, doch unmöglich ist es nicht. Ich denke der Aufwand um “ein bisschen” einzusparen lohnt sich gar nicht. Es braucht eine radikale Umstellung, die jetzt noch nicht möglich ist.

    • Ich brauche keiner Religion anzugehören, um mich zu schämen. Schuld gibts ja auch völlig ohne den Glauben an höhere Wesen.
      Wer glaubt, dass das Individuum eh nix machen kann, setzt sich lieber wieder vor den Fernseher und klappt die Füsse hoch.

      • So ist es. Ohne (dem Rationalen vorgelagerte) Gefühle – wie Liebe, Mitgefühl, auch Schuld etc. – gibt es kaum menschliche Gemeinschaft, keine Kollektivität, sondern nur (weitgehend machtlosen) Individualismus. Zukunft hat so etwas nicht…

  16. Kann “Kollektives Versagen” durch inviduell richtiges Handeln korrigiert werden?
    Heute ist dieser Glaube weit verbreitet. Der Glaube an die Macht des Konsumenten: Keine Orangen aus besetzten Gebieten, keine Waren aus dem Appartheits-Regime Südafrîka, etc.
    Und jetzt lösen wir mit dieser Haltung das Klimaproblem: Kein CO2 einkaufen.

    Doch das geht nicht. Weil das CO2 so tief in unserer Industriegesellschaft drin steckt, das wir es nicht heraussortieren können, dass wir es nicht einfach ein paar (bösen) Öl- und anderen Umweltfrevlerfirmen zuordnen können.

    Viele haben das noch nicht wirklich verstanden. Diese Leute tilgen ihre Klimaschuld dann mit CO2-kompensierten Ferien in den Malediven.

    Nicht alle Probleme können mit konsumdemokratisch gelöst werden. So ist das.

    • Hallo Herr Holzherr,

      es spricht sich allerdings auch zunehmend rum, dass die macht des Konsumenten nur dann wirklich funktionieren kann, wenn die dahinter stehenden Prozesse “sauber” sind. Genau das ging bspw. laut einer kürzlich veröffentlichen Studie zu Fair Trade mächtig schief. Den Arbeitern ging es keineswegs besser, teils sogar schlechter als auf konventionellen Farmen.

      Im Bereich der Tierhaltung – das wissen Sie – kann man durchaus einiges über die Kühltheke regeln, wenn man denn möchte.

      Überhaupt hätte man aus diesem Thema so viel mehr rausholen können als ein Programm mit einigen Parametern und ein bisschen Pseudo-Scham. Allein die Tierhaltung bietet Stoff für Monate, wenn nicht Jahre. Wie sieht eine umwelt- und tiergerechte Haltung aus? Die Biodiversität in Weidelandschaften, die erst durch Wiederkäuer entstanden sind und erhalten bleiben, wo sonst nur Wüste wäre, ist hoch-spannend. Fütterungs-Management geht ebenfalls damit einher…ich könnte noch ewig weitermachen, vielleicht kommt ja noch etwas Inhalt demnächst.

      Ich würde mich freuen 😉

        • Viermal “ich schäme mich” zu proklamieren ist ungefähr so, als würde man sich öffentlich bepinkeln und dann noch “Leute, seht mal her, ich habe mich bepinkelt” rufen.

        • Es wirkt aber so auf mich. Mag sein, dass Du Dich wirklich schämst, aber das ist unterm Strich eigentlich egal. Schau Dir das Thema mit Deinen Kollegen ruhig mal im großen Stil global an. Ist sehr spannend – und ich kümmere mich gewissermaßen nur um Lebensmittel.

          • Du meinst damit, dass Umweltwissenschaftler – global gesehen – doch wissen, wie man diese 2.5 Tonnen erreicht, dies an sich selbst praktizieren, aber niemandem erzählen wie’s geht? Oder meinst du damit, dass das Individuum machtlos ist obwohl die Menschheit aus Individuen besteht die (teilweise) fossile Brennstoffe konsumieren, in welcher Form auch immer? Oder was meinst du mit “Schau Dir das Thema mit Deinen Kollegen ruhig mal im großen Stil global an.”

  17. Ihr Umweltwissenschaftler seid ja nicht die einzigen, die sich diesem Thema widmen. Agrarwissenschaftler, in den USA auch Tierwissenschaftler, sind hier genauso aktiv – und betroffen – und suchen nach Lösungsansätzen. In welche Richtung das geht, schrieb ich oben. Grünland, Ranch Management (das Erschaffen schon grünen Wiesen und Weiden, wo sonst nur Wüste wäre), aber auch die Fütterung der Tiere, vornehmlich natürlich Wiederkäuer, um den Methan-Ausstoß zu reduzieren. Ach das sind Bestandteile im CO2-Haushalt, die man bedenken sollte.

    • Das ist schon richtig, aber in dem Artikel ging es ja eben nicht um neue Technologien (das Manipulieren der methanogenen Pansenflora über Veränderung des Futters, z.B.), sondern um das nicht-Berücksichtigen der uns lange bekannten Fakten (das Klimawandel real ist und wir dazu erheblich beitragen) in unserem Privatleben. Wir sind, trotz des Wissens um den Klimawandel, normale Konsumenten geblieben. Gleichzeitig reden wir über die Ernsthaftigkeit des Problems. Beim Bananen-aus-Afrika-kaufen, sozusagen.

      • Das alles fundiert zu analysieren ist eine Mammut-Aufgabe. Eine tolle Sache für Wissenschaftler, für Privat-Leute kaum zu stemmen. Nur mal ein Beispiel: Du schreibst oben, dass wir lieber konventionelles Fleisch essen, weil Bio teuer ist. Stimmt in meinem Fall nicht. Warum sollte ich Bio kaufen? Die Krankheiten und Probleme sind bei Biotieren identisch mit jenen der konventionellen, sogar vielfältiger, weil wir durch die Freiland-Haltung noch Parasiten dabei haben. Der Gesundheitsstatus der Biotieren war in vielen Erhebungen bisher schlechter. Da gibt es noch viel zu tun. Auch Pestizide sind kein Bestandteil konv. LaWi, sondern werden ebenso im Ökolandbau eingesetzt.
        Über die Bananen können wir reden, aber auch die kommen ja nicht exklusiv hier an, sondern auf Frachtschiffen.

        Ich selbst versuche nicht immer auf jeden Technik-Trend aufzuspringen, aber auch das wird langsam schwierig ohne Smartphone 😉

        • Ich werde aus Ihren Darlegungen nicht ganz schlau. Der CO2-Ausstoß steigt weiter, trotz aller tollen Ansätze, die es irgendwo irgendwie geben kann. Nur bei Wirtschaftskrisen nimmt die Zunahme etwas ab. Ich denke, die meisten haben die Dimension des Problems, das auf uns zukommt, noch nicht erkannt. Jaja, es spannend, beim Untergang der Titanic mit auf Deck zu sein …

      • “Wir sind, trotz des Wissens um den Klimawandel, normale Konsumenten geblieben”
        Das werden wir auch bleiben. Und Milliarden von Menschen wollen zuerst einmal soweit kommen wollen wie wir heute in Europa sind. Mit Klagen und Heulen und sich an die Brust Schlagen löst man das Problem nicht, da muss ich Sören Schewe und andern Kommentatoren recht geben.
        Es gibt nur eine Lösung für das Klimaproblem und die ist sein 20 oder mehr Jahren bekannt: Energiequellen einsetzen, die nicht mit CO2-Erzeugung verbunden sind. Verzicht auf Energie im nötigen Mass geht nicht, sonst müssten sie die Bevölkerung auf 3 oder weniger Milliarden reduzieren. Ich kenne einen Physiker der genau das für das Richtige hält. Er hat allerdings die, die überzählig sind nicht nach ihrer Meinung gefragt.

        • “Es gibt nur eine Lösung für das Klimaproblem und die ist sein 20 oder mehr Jahren bekannt: Energiequellen einsetzen, die nicht mit CO2-Erzeugung verbunden sind.”

          Energie wird von Konsumenten konsumiert. Wenn Konsumenten nur noch Wind/Wasser/Sonnenenergie konsumieren, haben sie ihr Konsumverhalten verändert und sind keine normalen Konsumenten mehr. Bei uns gibts im Baumarkt Braunkohlebriketts und die werden gern gekauft weil so viel praktischer als Holzhacken – normales Konsumentenverhalten, weil mit wenig Nachdenken zu den Folgen verbunden.

          Nein, mit “Klagen und Heulen und sich an die Brust Schlagen” löst man kein Problem, man zeigt es aber auf.

    • Die konventionelle nukleare Fusion wurde von 50 Jahren für heute versprochen und wird jetzt wieder in 50 Jahren versprochen.
      Mit Low Energy Nuclear Reactions (LENR) wird es ähnlich sein. Nur weil es von der Nasa oder Darpa erwähnt wird heisst das nicht, dass LENR bald schon Energie lieferen wird. Die Nasa fördert beispielsweise über ihr NIAC-Programm vieles was einen sehr ungewissen Ausgang hat Heute bedeutete LENR gerade einmal, dass es Phänomene gibt, die man momentan nicht erklären kann und die man den Low Energy Nuclear Reactions zuordnet.

  18. Frau Wendeberg, Sie “glauben” an die “menschengemachte Klimazerstörung”. Ich glaube, äh vermute, dass es seit der Existenz der Atmosphäre einen Klimawandel gibt. Weiterhin vermute ich, dass, seit dem unsere Spezies auf der Erde wandelt, der Mensch einen Einfluss auf das Klima nimmt und dass sich seit der verstärkten Nutzung fossiler Energie dieser Einfluss verstärkt hat. Wie stark dieser Einfluss im Vergleich zu anderen ist. kann nur vermutet werden. Die Prognosen zum Klimawandel beruhen auf Modellrechnungen, die sich immer wieder als fehler- und lückenhaft -und überzogen- herausgestellt haben. Ich bin kein “Klimawandelleugner”, habe aber eine gewisse Skepsis gegenüber den wöchentlichen Katastrophenverlautbarungen.
    Persönlich lasse ich das Auto für Kurzstrecken stehen und fahre Rad. Im Winter lieber eine Pulli überziehen, statt die Raumtemperatur zu erhöhen. Aber ich bin nicht bereit, ab Februar nur noch verschrumpeltes Biolandgemüse aus zu essen, weil ich im nördlichsten Bundesland lebe und frierend um 19:00 Uhr ins Bett zu gehen.

    Sie stellen sich als Expertin dar, sind sich aber nicht zu schade, die “Hilfe,-wir-werden-alle-vergiftet”-Propaganda der Spendensammelkonzerne aka Umweltverbände unkritisch wiederzugeben.

    Woher hat das UBA den Wert von 2,5 t CO2/Person? Eine Quelle ist auf der Seite nicht zu finden, in der Kaffeepause gewürfelt?
    Wer die 2,5 t erreichen möchte, muss wie in der Steinzeit leben.
    Jetzt habe ich mein Verhalten virtuell geändert: Heizenergie -20 %, Strom -33%, kein Auto, kein öffentl. Verkehrsmittel, kein Flugzeug, kein Hotel, vegane Ernährung nur regional und saisonal. Toll, ich blase immer noch 7,56 t CO2 in die Atmosphäre. Wenn ich nichts mehr esse und kaufe, schaffe ich die 2,5 t CO2.

    Und Sie fragen mich, wie man es besser als die “Experten” machen kann, wenn die Experten vom UBA einen Wert in die Landschaft stellen, der nicht zu erreichen ist.
    Wenn Sie 25 kg Übergewicht hätten und mich fragen, mit welcher Diät Sie es in 14Tagen schaffen, diese los zu werden, würden Sie eine ernsthafte Antwort erwarten?

    • Meines Wissens ist 2,5 t CO2 die Menge, die jeder Mensch auf der Erde noch in die Luft pusten kann, um das 2°-Ziel zu erreichen. Ja, der CO2-Rechner vom UBA ist ein Schock.

      “Ich glaube, äh vermute, dass es seit der Existenz der Atmosphäre einen Klimawandel gibt.”

      Das ist ein typischer Spruch von “Klimaskeptikern”. Als ob ein Klimatologe jemals behauptet hätte, der anthropogene Klimawandel der Gegenwart sei der einzige in der Erdgeschichte.

      Hier mal ein kleiner Selbsttest:
      “Wie erkenne ich, dass ich ein “Klimaskeptiker/-leugner” bin?”

      Ich beginne jede Diskussion mit der Feststellung, dass es schon immer Klimawandel gegeben habe.
      Ich beginne jede Diskussion mit einer philologischen Kritik von Begriffen wie “Klimaskeptiker”, oder ähnlichem “(kann man Klima zerstören ???)” (torben hoffmeister).
      Ich betone, ich sei “kein Klimawandelleugner”.

      • Aha, man lernt nie aus: Klimaskeptiker oder noch besser -leugner erkennt man also daran, dass sie sich an unsinnig dramatisierenden Überhöhungen wie „Klimazerstörung“ stören.

    • XKCD EXPLAINED
      In einem Punkt sind sie Mr. “Axel” der gleichen Ansicht wie Frau Wendeberg, was ich so zusammenfassen möchte:
      Es ist heute schwierig bis beinahe unmöglich die persönlichen CO2-Emissionen auf 2.5 Tonnen oder weniger zu senken.
      Also auf Werte wie sie in Bangladesch oder in Indien selbst heute noch im Durchschnitt üblich sind.

      Äusserst praktisch ist es, wenn man gar nicht an die zwangsläufige Erwärmung des Erdsystems durch steigende Treibhausgase glaubt – was auf sie scheinbar zutrifft. Dann kann man wie sie zum Schluss kommen, man könne sich den Aufwand von Anbeginn sparen und hat dann noch genügend Energie um sich ein bisschen lustig zu machen über die verbiesterten “Klimaretter”.

      Auch im folgenden Abschnitt zeigen sie erstaunlich viel Übereinstimmung mit der Autorin dieses Beitrags (Zitat)

      Persönlich lasse ich das Auto für Kurzstrecken stehen und fahre Rad. Im Winter lieber eine Pulli überziehen, statt die Raumtemperatur zu erhöhen. Aber ich bin nicht bereit, ab Februar nur noch verschrumpeltes Biolandgemüse aus zu essen, weil ich im nördlichsten Bundesland lebe und frierend um 19:00 Uhr ins Bett zu gehen.

      Und hier wiederum liegen sowohl sie als auch Frau Wendeberg – wie viele andere, die glauben mit ihrem persönlichen Einsatz könnten sie das Klima retten – falsch.
      Richtig dagegen wäre:
      Wenn sie das Klima retten wollen, müssen sie sich politisch für den Ersatz von Kohle, Öl und Erdgas durch andere Energieträger einsetzen.

      Hier nun eine Feststellung und ein Appel an Frau Wendeberg und Herrn Axel: Durch Essen von verschrumpeltem Biolandgemüse – und durch ähnliche Aktionen – ändern sie das Klima in keiner Weise und sie verschieben das Klima-Armageddon nicht einmal um einen Tag

      Erwartet uns denn ein Klima-Armageddon? Das wissen wir nicht. Die Klimawissenschaft ist sich aber recht sicher, dass sich Klimata bei stark erhöhten Werten von Treibhausgasen fast überall auf dieser Erde radikal ändern werden. Früher wäre das ein Armageddon gewesen, denn in fruchtbaren Gegenden (Indien, Bangladesh, Deutschland) wohnen jetzt noch viele Menschen, in wenig fruchtbaren (Tundra, Nordkanada, Sahara) aber sehr wenig. Zum Glück sind heute Nahrungsmitteltransporte um den ganzen Globus möglich, so dass sich Klimaverschiebungen nicht sofort zu Katastrophen auswachsen müssen. Dennoch müssen wir mit Verschiebungen rechnen wie sie im xkcd-Comic 4.5 Degrees – How Big a Change Is That an die Wand geworfen werden.

  19. Oft denke ich, es wäre völlig egal, ob wir an den Klimawandel glauben oder nicht.

    Die gute Nachricht ist, dass nur ganz Hartgesottene nicht ‘an den Klimawandel glauben’ und meist der Anthropozän konzeptionell doch angenommen wird, aber die konkrete Klimamodellierung, die das CO2 vielleicht überbetont, inklusive Prognosis “ein wenig” in Frage gestellt wird.
    Wobei gerade auch derartige Vorschläge, mögliche Maßnahmen betreffend, von Kritikerseite nicht freudestrahlend und direkt “1:1” übernommen werden:
    -> http://www.wbgu.de/fileadmin/templates/dateien/veroeffentlichungen/hauptgutachten/jg2011/wbgu_jg2011.pdf
    MFG
    Dr. W

  20. Für die Endzeit Gläubigen sollte es doch nahe liegen das Problem per Beten zu lösen, das wäre auf jeden Fall sinnvoller und preiswerter als das EEG.

  21. @Paul Stefan: Vielen Dank für die Einsortierung in die Schublade “Klimaleugner bzw. Klimaskeptiker”. Wie viele Menschen gibt es Ihrer Einschätzung nach, die leugnen bzw. skeptisch sind, dass es ein Klima gibt?

    @Martin Holzherr: Sie sollten den CO2-Rechner benutzen und solange ihre Emissionen rechnerisch verändern, bis Sie die 2,5 t CO2 erreicht haben. Dann setzen Sie es auch um. Wundern Sie sich aber nicht, wenn Sie ein einsamer Mensch werden oder Sie ziehen nach Bangladesch.
    Ich weiß, dass ich durch mein Verhalten nicht den Klimawandel aufhalten und die Welt retten werde. Aber ich spare Geld mit nur ein wenig Komfortverzicht, sparsam sein ist geil! Das unterscheidet mich von der Autorin.
    Was verstehen Sie unter “andere Energieträger”, warum benennen Sie keine Alternativen zu den fossilen Energieträgern?
    Atomenergie ist megaout, die “erneuerbaren” haben sich als teurer Irrweg erwiesen, da sie nur zufällig Strom liefern (http://www.transparency.eex.com/de/). Für die Speicherung, die notwendig wäre, gibt es praktikable Ideen, sind aber politisch nicht durchsetzbar (not in my backyard).

    Statt in Schubladen zu denken und im wagen zu bleiben, kommen Sie der Aufforderung der Autorin nach: „Sagt wie es geht, denn wie es nicht geht wissen wir ja schon. Teilt eure Erfahrungen – was ihr selbst tut, um eure CO2 Emissionen zu senken, wie eurer CO2 Fußabdruck aussieht (bitte nur den vom UBA nehmen damit alle vergleichbar sind) und was ihr in Zukunft ändern wollt.“ Ich bin gespannt.

    • “Wie viele Menschen gibt es Ihrer Einschätzung nach, die leugnen bzw. skeptisch sind, dass es ein Klima gibt?”

      Selbstverständlich keinen, aber Klimaskeptiker interpretieren oft den Ausdruck “Klimaskeptiker” so, als ob man ihnen vorwerfen würde, sie würden die Existenz eines Klimas leugnen, was natürlich absurd ist. Es passiert selten hier auf scilog, aber oft in den Zeitungsforen.

    • Alle Energieträger, die ohne CO2-Emissionen auskommen, muss man in Erwägung ziehen.

      Sie schreiben: “Atomenergie ist megaout” Doch Atomenergie kann sehr sicher sein. Sie wurde nur kaum weiterentwickelt und befindet sich deshalb noch auf dem Stand der 1960er Jahre

      Sie schreiben: “die “erneuerbaren” haben sich als teurer Irrweg erwiesen, da sie nur zufällig Strom liefern” Das ist kein Problem, wenn sie ganz Europa oder noch besser die ganze Welt mit einem Supergrid überziehen. Ein Netz ist zudem die kostengünstigste Lösung.

      Das eigentliche Problem sehe ich in den vielen Vorbehalten, die Leute gegen neuen Lösungen haben. Auch da werden sie Herr Axel wohl vieles mit Annelie Wendeberg gemeinsam haben. Es gibt immer einen Grund warum etwas nicht geht: Keine hässlichen Überlandleitungen, keine Nuklearenergie egal wie sicher sie ist. Die Liste der Einwände ist meist fast endlos. Mit einer Verweigerungshaltung erreicht man aber nichts. Am Schluss bleibt einem dann nur die Scham über die die Autorin hier schreibt.

      Deutsche sind im allgemeinen Bedenkenträger. Deshalb werden sie auch die grossen Probleme dieser Welt nicht lösen.

  22. Die Klimatologie, globale Erwärmung und der Klimawandel sind keine Frage der Religion oder des Glaubens. Die Problematik wurde jedoch von Klimaskeptikerkreisen in diese Ecke gedrängt, als Teil einer Taktik der Diskreditierung der Klimatologie. Wenn es sich um “Glaubensfragen” handelt, spielen Argumente nämlich keine Rolle mehr.
    In der deutschen Sprache sollte man auch darauf achten und sich bewusst sein, dass “glauben” auch “der Meinung/der Überzeugung sein, dass …” bedeuten kann.

    • Wenn zigfach Skeptiker in Anführungszeichen geschrieben werden:
      -> http://www.pik-potsdam.de/~stefan/alvensleben_kommentar.html

      … deutet dies womöglich schon auf eine gewissen Post-Religiösität hin, schwierig, der Schreiber dieser Zeilen hat hier nie so recht auseinander halten können, findet aber der Duktus vglw. eindeutig.

      MFG
      Dr. W (der abär die Unterscheidung von Wissen und Erkenntnis und Glauben wie Feststellung (“Fakten”) ganz toll findet, wie auch, dass dies hier im Referenzierten gelungen scheint)

  23. Hallo Mona,

    das klingt tatsächlich recht interessant. Bei Traktoren anzusetzen ist ja auch irgendwie naheliegend 😉

  24. Es gibt bestimmt keine einzelne technologische Lösung für dieses
    Problem. Und damit wird es dem Einzelnen (oder einer vierköpfigen
    Familie), mit Umweltexperten an Bord oder nicht, nicht möglich sein,
    den eigenen CO2-Ausstoss merklich zu reduzieren.

    Denn die Quellen von CO2 (für andere problematische Schadstoffen wie
    Pestiziden und Antibiotika gilt das Gleiche) lassen sich nicht einfach
    drastisch reduzieren oder abschaffen.

    Wir leben in einer logistischen, wirtschaftlichen und politischen,
    gesellschaftlichen Infrastruktur, die historisch gewachsen ist. Sie
    ist um Technologien gewachsen, die sich jetzt als problematisch
    herausstellen. Diese Technologien können wir nicht einfach abschaffen,
    ändern oder ersetzen. Neue Technologien brauchen eine andere
    Infrastruktur, die noch nicht oder nur vereinzelt existiert.

    Hier brauchen sich die Öko-Freaks keinesfalls zu schämen, denn die
    Umweltexperten haben schon auf viele zukünftige Probleme hingewiesen,
    und für viele dieser Probleme haben sie Lösungsvorschläge
    gemacht. Aber umgesetzt wird in unserer (wirtschafts-)Gesellschaft nur
    eine Lösung für ein Problem, das aktuell und gegenwärtig ist. Die
    langsame, schleichende Vergiftung und Zerstörung ist – außer für
    Umweltexperten – eben nicht greifbar. Und deshalb wird niemand die
    angebotenen Lösungen umsetzen, und Forscher und Industrie werden keine
    neuen Lösungen entwickeln.

    Was nicht geht, ist, einzelne Lösungen vor der eigenen Haustür
    umzusetzen. Denn das eigene Haus hängt auch nur an der alten
    Infrastruktur, und man fährt wieder mit dem PKW zum Bio-Laden.

    Was auch nicht geht, ist auf den rettenden Donnerschlag zu warten; der
    wird nicht aus der Politik kommen, und auch nicht von Forschern. Denn
    unsere Welt ist kein SimCity, in dem man mal eben alle
    Benzintankstellen wegklickt, und durch E-Tankstellen ersetzt.

    Was nicht von alleine gehen wird, ist, unsere Infrastruktur
    umzuklick, äh, -bauen. Das werden die Teilnehmer
    unserer Wirtschaftsgesellschaft — von Umweltexperten mal
    abgesehen — nicht freiwillig leisten, und das kann die
    Gesellschaft nicht kurzfristig leisten. Und wohin der Umbau
    gehen soll, das kann uns niemand erklären, auch nicht die
    Umweltexperten.

    Die Zerstörung des Klimas ist für die Gesellschaft nur eine
    Externalität. Deshalb ist — auch wenn ich mir jetzt auf die
    Zunge beisse — ein externer Eingriff gerechtfertigt und nötig.
    Weitergehend als das EEG (dem in diesem
    Artikel
    ein sehr positives Zeugnis ausgestellt wird) müssen
    klimaschädliche Handlungen sanktioniert und klimaneutrale Handlungen
    attraktiv gemacht werden.

    Ob man – analog zum 100.000-Dächer-Programm – den Neubau
    vielversprechender Techniken fördert, oder ob man – ähnlich wie bei
    der Umweltprämie, aber bitte dann weniger tollpatschig – den Austausch
    klimaschädlicher Techniken gegen klimaneutrale Techniken fördert, ob
    man mit Pilotprojekten frische Techniken aus dem Labor in eine
    (kleine) Realität holt, ob man – wie mit der Umweltzone, aber diesmal
    bitte weniger überhastet – mit Verboten oder Einschränkungen künstlich
    klimaneutralen Techniken den Vorrang vor klimaschädlichen Techniken
    einräumt, ob man den Betrieb von klimaschädlichen Techniken oder deren
    Treibstoffe künstlich verteuert, oder, oder, oder.

    Wie dies geschehen soll, kann ich aus Mangel an Fachkenntnis nicht
    beurteilen, und auch Umweltexperten alleine können das auch
    nicht. Nur Umweltexperten zusammen mit Vertretern vieler anderen
    Disziplinen – der Wirtschafts- Sozial- und Politikwissenschaften, der
    Verhaltenspsychologie, der Spieltheorie, der Entscheidungstheorie –
    wird es möglich sein, Eingriffe und Massnahmen zu erarbeiten, die
    dafür sorgen, daß — über einen angemessenen Zeitraum hinweg
    — einzelne klimaschädliche Techniken und Handlungen durch
    klimaneutrale Alternativen abgelöst werden. Massnahmen, die politisch
    und rechtlich einwandfrei sind, die von den Betroffenen – und das
    werden über die Zeit hinweg sehr viele Menschen sein – akzeptiert
    werden, und an denen viele Menschen partizipieren. Und schließlich
    müssen auch die langfristigen wirtschaftlichen Folgen akzeptabel sein;
    zum Beispiel dürfen sich in Folge keine Quasi-Monopole bilden.

    Und solche Massnahmen aus der Taufe zu heben, zu detaillieren und
    spezifizieren, zu kommunizieren und zu erklären, sie umzusetzen und zu
    verfolgen, und sie zu bewerten und über Weiterführung, Abbruch oder
    Beendigung zu entscheiden, das ist die eigentliche
    Herausforderung. Um die einzelnen Techniken mache ich mir gar
    nicht so die grossen Sorgen; da vertraue ich durchaus den Forschern
    und Entwicklern aus Forschung und Industrie, die dann – endlich,
    möchte ich fast sagen – ihre Ideen und Entwicklungen vom schönen,
    sauberen Labor in die grosse, hässliche, schmutzige Welt bringen
    dürfen, wo sie sich beweisen müssen.

    Nur von der Vorstellung, wir könnten mit der einen Erfindung,
    mit der einen Verhaltensänderung etwas erreichen, von dieser
    Vorstellung sollten wir uns verabschieden.

  25. “Und damit wird es dem Einzelnen (oder einer vierköpfigen Familie), mit Umweltexperten an Bord oder nicht, nicht möglich sein, den eigenen CO2-Ausstoss merklich zu reduzieren.”

    Ich bin völlig baff, dass es (nach 60 Kommentaren!) niemandem aufgefallen ist, dass wir unseren CO2 Ausstoss um 35% senken konnten gegenüber dem deutschen Durchschnitt. Und das Erstaunlichste – das Hauptargument der Kommentatoren ist, dass das Individuum nichts machen kann, dass das Ändern des Konsumverhaltens kaum Einfluss hat und dass wir neue Technologien brauchen, bzw. vorhandene erweitern müssen, um irgendwas zu erreichen.
    Hat sich irgendwer eigentlich diese eine Abbildung angesehen? Unsere CO2 Emissionen im Bereich Strom & Heizung sind 1,5% vom deutschen Durchschnitt. Wundert euch das nicht? Hat sich jemand mal gefragt, wie wir das machen? Könnte es sein, dass wir schlicht und ergreifend unser Konsumverhalten geändert haben?

    • Das ist richtig (und beeindruckend). Aber trotzdem weiß ich nicht, wie ich meine jährliche CO2-Emission auf die geforderten 2.5 Tonnen reduzieren kann., und allein für den Konsum zeigt der UBA-Rechner schon 2.4 Tonnen CO2, und gerade bei diesem Thema kommen wir aus dem Bereich heraus, in dem der Einzelne immer bestimmen kann.

      • Verflixt nochmal. Der zweite Satz “Aber trotzdem …” ist natürlich ein Zitat aus dem Artikel oben. Entschuldigung.

    • “Ich bin völlig baff, dass es (nach 60 Kommentaren!) niemandem aufgefallen ist, dass wir unseren CO2 Ausstoss um 35% senken konnten gegenüber dem deutschen Durchschnitt.”

      Keine Sorge, das wurde schon zur Kenntnis genommen. Und auch, dass in unseren Breitengraden der größte Teil des Energieverbrauchs in Privathaushalten für die Heizwärme verwendet wird. In der Stadt hat man jedoch kaum eine Möglichkeit die Heizkosten auf so einen Wert wie den Ihren zu reduzieren, da die meisten Leute mit Öl oder Gas heizen müssen. Einsparungen kann aber trotzdem jeder vornehmen, dazu gibt es seit Jahren immer wieder Tipps:
      http://www.swm.de/privatkunden/kundenservice/energieberatung/energiespar-tipps.html

      Und speziell für @Sören Schewe: “Energieeffizienzverbesserung in der Landwirtschaft”:
      http://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/technik/pdf/energieeffizienzverbesserung.pdf

      • Gute Bemerkung: Dieser Blogbeitrag richtet sich sowieso an Einfamilienhausbesitzer oder sogar an Besitzer eines kleinen Landgutes.
        Ich kenne übrigens auch solche Leute. Ein Bekannter von mir wohnt auf dem Land und heizt mit Holz. Dieser Bekannter ist sich aber sehr bewusst, dass er kein Vorbild für die Menschheit ist. Die Holzbeigen vor seinem Haus sind so gross, wenn man das auf eine Stadt heraufskalieren würde, müsste man endlose Kolonnen von Holztransportern mit ihren Ladungen in die Stadt hineinfahren lassen. Und die Luft wäre dann an einem kalten Wintertag rauchgeschwängert.

        • Dass das Heizen mit Holz allein schon wegen der Schadstoffproduktion problematisch ist, lässt sich wohl nicht ignorieren.

          Viele verwenden Pelletheizungen, gerade aus Gründen des Umweltschutzes. Aber ob sie damit wirklich ihre guten Intentionen umsetzen können, ist gar nicht klar. Es ist alles nicht so einfach, wie es den Anschein haben mag.

  26. “Dieser Blogbeitrag richtet sich sowieso an Einfamilienhausbesitzer oder sogar an Besitzer eines kleinen Landgutes.”

    Was? Warum? Die Stadtmenschen machen wohl kein CO2 oder sind unfähig ihre Emissionen zu verändern? Jeder Stadtmensch kann seinen Stromanbieter aussuchen (=Konsumverhalten) und sogar die Bereitstellung von Windgas fördern (http://de.wikipedia.org/wiki/Power-to-Gas).
    Ausserdem sind die Landleute erhebliche CO2 Produzenten, wenn sie mit dem Auto in die Stadt fahren (zur Arbeit, Schule, Einkaufen). Da könnte ich mich auch zurück lehnen und sagen “Sorry. Ick muss ja zur Arbeit. Ick kann nix ändern.”

    Wenn bei einem modernen Holzofen fett Rauch aus dem Schornstein kommt, dann funktioniert das Teil nicht und muss ersetzt werden. Oder der Bekannte verbrennt was ganz lustiges (gestrichene Spanplatte?)

  27. Wenn bei einem modernen Holzofen fett Rauch aus dem Schornstein kommt, dann funktioniert das Teil nicht und muss ersetzt werden.

    Dann muss wahracheinlich nur der Abug oder die Luftzufuhr gereinigt werden, und nicht gleich etwas ersetzt.

    Allerdings ist aber die Annahme nicht richtig, eine moderne Holzheizung sei unbedingt besonders umweltfreundlich. Holz ist enthält Schwefel und andere Stoffe in kleinen Mengen. Manche der in modernen Holzbrennern verwendeten Pellets enthalten wegen der in den Pellets verwendeten Bindemittel sogar in nicht geringen Mengen (Siehe hier.

    Natürlich nicht in denselben Konzentrationen wie Stein- oder gar Braunkohle, die aber glücklicherweise heute nicht mehr verbreitet im Privatbereich eingesetzt wird. Kraftwerke verfügen über Entschwefelungsanlagen, und das ist auch gut so. Den olfaktorischen Berleg für das Vorhandensein von Schwefeloxiden im Brenngas liefert schon ein Spaziergang durch meine Wohngegend, in der zahlreiche Einfamilienhäuser mit modernen Pelletheizungen ausgestattet sind.

  28. Eine Holzheizung muss nicht qualmen. Eines ist aber sicher: es sind volumenmässig grosse Mengen an Holz, die man in einem Winter verheizt – ausser man lebt in einem Passivhaus.
    Man kann weder Deutschland noch die Schweiz allein mit Holz beheizen. Heute (2012) ist der energetische Anteil von Holzenergie 4.2% am schweizerischen Endenergieverbrauch (in D ähnlich), was ungefähr 4 Millionen Kubikmeter Holz entspricht, die 10.7 Terawattstunden Energie liefern. Das Holzpotenzial in der Schweiz – also die maximale Energie die man dauerhaft mit Holz gewinnen kann – ist 16.1 Terawattstunden, was 6 Millionen Kubikmeter Holz entspricht. Bei voller Ausschöpfung des Potenzials der Holzenergie käme also nicht einmal 10% der Endenergie in der Schweiz aus Holz. Die nötigen 6 Millionen Kubikmeter Holz die dazu gehören, entsprechen einem Würfel der Seitenlänge 181 Meter, was gerade in 200’000 Standardcontainern Platz hätte. Meine Abschätzung ergibt, dass jeder Haushalt, der nur mit Holz feuert im Durchschnitt gerade einen Standardcontainer pro Winter verfeuert, also ein Volumen von 6 Meter x 2.3 Meter X 3.3 Meter für die Holzlagerung vorhalten muss – na ja, vielleicht etwas weniger (aber nicht viel).

Schreibe einen Kommentar