Keine Angst vor Twitter, Blogs und großen Bühnen: Unser Sciencestarter-Prototyp nach neun Monaten Crowdfunding für die Wissenschaft

BLOG: Sciencestarter

Crowdfunding für die Wissenschaft
Sciencestarter

Wahnsinn, Sciencestarter ist schon neun Monate alt! 19 Projekte aus Wissenschaft, Forschung und Wissenschaftskommunikation haben wir seit Ende November 2012 für die Finanzierungsphase freigeschaltet, davon waren bis jetzt 9 Projekte erfolgreich und wurden mit insgesamt über 42.300 Euro von der Sciencestarter-Community, also von euch, unterstützt. Dankeschön!!!

Die Bandbreite der Forschungsdisziplinen der einzelnen Projekte bleibt groß, sowohl Geistes-, als auch Natur- und Ingenieurswissenschaften sind vertreten. Zu den aktuellen Sciencestartern gehören ein Arabistikstudent, zwei Sprachwissenschaftlerinnen und ein Umweltökonom. Und: Erste Trends zeichnen sich ab. Angesagt ist die Finanzierung von Forschungsreisen, Social Media-Know How und vor allem auch Slammerqualitäten: Von den erfolgreichen Projektstartern standen schon überraschend viele auf einer Science Slam-Bühne.

Mit Sciencestarter forschend um die Welt

Christian Stern ist mit „One World One Lab“ seit Anfang des Jahres in der Welt unterwegs: in Asien, dem Mittleren Osten und Südamerika, um dort Videos über den Forscheralltag im Labor zu drehen. Die Videos sind, in Christians Worten, wie „Fenster in eine andere Welt: Sie zeigen Menschen und eine Kultur, die jedes Mal anders ist, überraschend und vielfältig.“ Claudia und ihr Team hatten Tabasco, ein Bundesstaat im Süden Mexikos, als Forschungsreiseziel für „Facebook für Fische“ im Visier. Dort wollten sie untersuchen, wie die Mexikanischen Höhlenmollies ihr Ansehen in der sozialen Gruppe regeln: Durch Kämpfe? Durch Sex? Doch sie schafften es nicht, ihr anberaumtes Fundingziel über Sciencestarter zu erreichen und mussten ihre Pläne erst einmal auf Eis legen. Anne Schelhorn ist bereits zurück von ihrem Forschungsaufenthalt im Senegal „There is Literature in Africa?!“. Im Gepäck hat sie eine Menge Dokumente, Audio- und Video-Aufnahmen und Interview-Aufzeichnungen – viel Material für ihre Promotion zu westafrikanischer mündlicher Literatur.

Senkrechtstarter durch Social Media

Bis zuletzt blieb es spannend: Am vorletzten Tag des Finanzierungszeitraums steuerte die Astronomischen Gesellschaft e.V. einen großzügigen Beitrag zum Projekt „Skyglow Berlin“ bei und ermöglichte so seine Finanzierung. Wenige Wochen zuvor sah die Situation noch ganz anders aus: Die bis dahin erreichte Summe lag weit entfernt von den angestrebten 5000 Euro. Dass die Finanzierungskurve kurz vor Schluss dann doch noch fast senkrecht in die Höhe schoss, war nicht zuletzt dem Engagement des Projektstarters Chris Kyba selbst zu verdanken: Er postete unermüdlich Neuigkeiten, Anekdoten und Details zum Projekt auf dem Sciencestarter-Blog und über seinen Twitter-Account. Wer so engen Kontakt zu seinen Fans pflegt, dem ist Feedback garantiert, in Form von Interesse, finanzieller Unterstützung und echter Begeisterung, wie bei diesem Blog-Kommentar zur erfolgreichen Finanzierung: „Cool, congratulations! Now it gets exciting…“

Von der Bühne auf die Plattform: Science Slammer werden Sciencestarter

Als „zweidimensionalen Pappaufsteller“ und „nicht die hellste Kerze auf der Torte“ bezeichnete Lydia Möcklinghoff ihr Forschungsobjekt auf der Science Slam-Bühne. Mit ihrem unterhaltsamen Plädoyer für den Großen Ameisenbären überzeugte sie bei einigen Slams das Publikum und weckte große Sympathie für die vom Aussterben bedrohte Spezies. Lydia nutzte diese Erfahrung für Sciencestarter, kommunizierte auch dort ihr Forschungsthema als unterhaltsame Geschichte mit allerlei Anekdoten und hatte durchschlagenden Erfolg: Seit Anfang Juli studiert sie das Verhalten der Ameisenbären im brasilianischen Pantanal.

Neben Lydia profitierten auch Christian Stern, Christopher Kyba und Saskia Oldenberg für „PfEn – Energetische Nutzung von Pferdemist“ von ihren Qualitäten als Science-Slammer: Sie alle konnten ihre Projekte erfolgreich über Sciencestarter finanzieren.

Unser Fazit: Den prototypischen Sciencestarter reizt die große weite Welt. Dabei nutzt er gekonnt Social Media-Instrumente, um mit seinen Fans und Unterstützern in Kontakt zu bleiben. Und wann immer sich die Möglichkeit eröffnet springen er – oder sie – auch auf die große öffentliche Bühne, um auf diesem Wege ganz persönlich Menschen für die Forschung zu begeistern.

Veröffentlicht von

Katja Machill

Schreibe einen Kommentar