Mittelmaß tötet!

Ein Gastbeitrag von Jana Manina Nix:

Entweder mich persönlich verfolgt das Thema Nerd in den letzten Tagen besonders oder aber es erlebt wirklich im Moment in der Medienwelt einen Hype. Noch vor ein paar Tagen veröffentlichte ich einen Artikel über Nerds, eher witzig und humorvoll gestimmt, ernst nehmend, ja, aber trotzdem prägt mich heute das schlechte Gewissen. Deshalb möchte ich mich bei all denen entschuldigen, die sich vielleicht nicht ernst genommen fühlten. Nun heute die andere Sicht. Die ernsthafte, die, die keinen Spaß mehr macht, die, die mich wütend macht, aber auch die, die in meinen Augen so dringend notwendig ist.

Da schreibt Christian Fahrenbach für das Jugendmagazin "yaez" einen Artikel über Nerds und richtet sich in seinen letzten Worten an die Gruppe selbst: "Allmählich begreifen die anderen, wie liebenswert eure Technik-Leidenschaft und kleinen Schrullen sind!" Und in diesem Moment weiß ich, dass er nichts, rein gar nichts, begriffen hat.

Im Netz, in der Printwelt, im TV, sogar im Kino, gewinnt das Thema Nerd im Moment einen unheimlichen Grad an Popularität. Die komischen Leute sind anders, sie sind intelligent und sie retten die Welt. Und eigentlich bleibt ihnen ja nichts anderes übrig, als selbiges zu tun, da die Nicht-Versteher, die Nicht-Nerds, Sex in the City gucken und in der Kneipe sitzen.

Heute morgen im Auto fragte mich meine nachweislich hochbegabte Tochter: "Mama, was kann ich tun, damit ich nicht anders bin, als die anderen?" Ich sagte: "Nichts. Du kannst nur lernen, damit umzugehen und das Beste daraus zu machen." Ob diese Antwort richtig oder falsch war, weiß ich nicht. Aber mit einem Schlag wurde mir die ganze Problematik bewusst. Meiner Meinung nach beginnt hier, heute und jetzt, eine Diskriminierungswelle der Nerds. Früher war es das nicht. Sie waren Außenseiter, sie wurden gehänselt und seelisch gequält. Aber sie wurden nicht auf die Art diskriminiert, wie es heute durch all die lustigen und oberflächlichen Artikel und Berichte im TV passiert.

In meinen Augen, ohne diese ganzen soziologischen Hintergründe zu haben, die man eigentlich für so eine Einschätzung bräuchte, ist das so: Früher wurden sie verprügelt, heute stehen die Nerds auf, weil niemand es schaffte, sie zu brechen. Aber sie werden in Filmen usw. als die Helden verwurstet, was ihnen Selbstbewusstsein gibt, aber sie werden auch mit Vorurteilen belegt und es wird noch viele Jahre dauern, bis sich daran etwas ändert. Es ist irgendwie in meinen Augen vergleichbar mit den Schwarzen. Ich achte jetzt nicht auf die Betitelungen. Ich weiß, dass es da ethische Vorschriften gibt, aber ich weiß auch, dass ich die Letzte bin, die da Vorurteile hat. Also: Als die Schwarzen von der "neuen Welt" als Sklaven missbraucht wurden, waren sie auf der untersten sozialen Stufe. Und dann….viele Jahre später…sind sie in Filmen die Helden. Da ist in den 60′ Jahren Sidney Poitier in "Rat mal, wer zum Essen kommt" der, trotz seiner Hautfarbe, optimale Schwiegersohn und da wird ein Außerirdischer von Will Smith in Independence Day verprügelt (nebenbei, die letztendliche Rettung verdanken wir einem Nerd). Und dann, ein halbes Jahrhundert später? Haben wir, wie in Filmen prophezeit, einen schwarzen Präsidenten. Wenn man jetzt also ins Fernsehen guckt, könnte man auf die Idee kommen, dass es noch mal 50 Jahre dauert, bis auch Nerds es geschafft haben, nicht mehr verunglimpft zu werden. Allerdings gibt es ein Problem, für das ich keine Lösung sehe: In meinen Augen gibt es nur ganz wenige Nicht-Nerds, die rein emotional tatsächlich in der Lage sind, sich in Nerds reinzufühlen, aber genau diese Menschen müssen in der Lage sein, die "Aufklärungsarbeit" zu leisten, die es braucht. Auch hier könnte ich wieder einen Vergleich zu den Schwarzen ziehen. Es waren nicht die Schwarzen selbst, die die Hürde im ersten Moment überwinden konnten. Es waren Weiße, die ihresgleichen belehrt haben und so die ersten Schranken hoben. Und es hat hunderte Jahre gedauert, bis ein Mädchen erzählte, dass es verprügelt wurde, alles in Einzelheiten schilderte und die Mutter dann erst beim Elterngespräch erstaunt feststellte, dass die Prüglerin eine Schwarze war und irgendwie stolz ist, dass dieser Fakt bei der detailgetreuen Ereignisdarstellung der Tochter keinerlei Erwähnung fand. Aber was war vorausgegangen? Viele Generationen, bei denen die ersten noch sagten, dass Schwarze genauso Menschen sind usw. und irgendwann wurde der Unterschied der Hautfarbe es nicht mal mehr erwähnt. Es war normal geworden. Aber was ist eine andere Hautfarbe, die man sehen kann und die das Leben in keiner Weise verändert, gegen eine andere Art zu Denken, die alles ändert.

Das ist genau der Punkt, der Wichtigste: Man kann nicht sehen, was anders ist, die Nerds selbst können es nicht erklären, weil sie sie sich gar nicht bewusst darüber sind, das was anders ist, und die Nicht-Nerds sind meist einfach zu dumm, um hinterleuchten zu können, was anders ist. Eltern forcieren die Problematik, weil sie ihren Kindern nicht beibringen, dass es eben auch Kinder gibt, die anders sind. Neid ist ein großes Problem in der ganzen Geschichte, selbst der Neid von Psychologen und anderen Gelehrten, da das Thema Hochbegabung genau das auslöst. Man wird schon als Eltern ausgegrenzt, auch von den Ärzten, da die Ärzte schlicht auch so ein Kind haben möchten. Ist das Kind also nicht ein offensichtlicher Überflieger, wo keiner abstreiten kann, dass eine Hochbegabung vorliegt, wird es mit Ritalin still gelegt und gestritten bis aufs Blut, es sei denn die Eltern wehren sich und argumentieren intelligenter als die Ärzte. Die Kinder spüren, dass die Eltern Probleme dadurch haben und kriegen zu den eigenen Problemen auch noch die der Eltern mit und laden sie sich auf ihre Schultern. Und später? Da können sie froh sein, wenn sie keinen psychischen Schaden haben und einfach nur Nerd sein dürfen. Einfach nur sein dürfen, wie sie sind. Als Mann z.B. aus der Uni kommen dürfen, wann sie wollen, ohne von ihrer Frau dafür abgestraft zu werden und trotzdem ein auffangendes Zuhause vorzufinden, wo sie ihrer überausgeprägten Sensibilität freien Lauf lassen können. Und als Frau? Einen Mann zu finden, der auch auf das Kind aufpasst und die Frau nicht als unmütterlich verurteilt, wenn ihr die Bibliothek mal wichtiger ist, als das Kind. Ein Paar, was sich in der Gesellschaft da draußen unterstützt und sich verteidigt gegen all die Vorurteile und Verurteilungen.

Eine Welt, in der verstanden wird, dass es Menschen gibt, die krank würden, wenn sie sich an die gesellschaftlichen Konventionen hielten, da sie sich selbst so sehr verleugnen müssten, dass es nicht ohne Folgen bliebe. Eine Welt, die sich nicht mit Mittelmaß zufrieden gibt. Eine Welt, in der nicht nur Benachteiligte durch Behinderungen gefördert werden, weil das Mittelmaß hier ja die Helfenden sein können, sondern eine Welt, in der das Mittelmaß begreift, dass es auf die Nerds angewiesen sein wird, weil es selbst zu dumm ist, um die Welt mit seinem Fortschritt länger im Griff halten zu können. All die Probleme, die wir durch den Fortschritt haben, zum Beispiel mit der Umweltverschmutzung, kann das Mittelmaß nicht lösen. Aber das weiß es noch nicht oder will es auch nicht wissen. Das Wissen, dass durch die Wissenschaft erarbeitet wird, wird in großen Teilen verleugnet. Weil es gegen die, meist monetären Werte des Mittelmaßes arbeiten. Wie lange wird es also dauern, bis hier Einsicht kommt?

Nerds haben nie einen IQ unter 100. Sind also immer mehr als Mittelmaß. Vielmehr. Schon Archimedes soll erschlagen worden sein, weil er seine Gedankenwelt nicht gestört haben wollte und missverstanden wurde. Andere Denkende, dieses Wort finde ich sehr viel besser als das Wort Nerd, vergessen sich zu waschen, weil ihr Gehirn einfach keine Kapazität dafür frei gibt. Michelangelo wird das nachgesagt. Wieder andere Denkenden verbarrikadieren sich hinter dem Computer. Sie sind der Prototyp des 22. Jahrhunderts. Das, was dann verlangt werden wird, nämlich der Umgang mit Technik, können sie. Es lag in ihrer Wiege. Aber warum tun sie das? Warum fühlen sie sich so hingezogen? In meinen Augen ganz einfach: Weil der Computer sie nicht nicht versteht. Er erwartet keine Erklärungen für Ideen, er führt sie einfach aus. Oder eben nicht, dann wird das Problem aber einfach gelöst. Manchmal dauert das Wochen oder Monate. Aber dann funktioniert es. Und die Lösung wurde mittels Hirn geschaffen. Und es gab keinen Moment, wo sich der user verletzt fühlte. Wo er misshandelt wurde. Wenn der Denkende einen PC einschaltet, ist er für ihn da, wenn er ihn ausschaltet, ist er weg. Und er meckert nicht. Er klagt nicht über eine Vernachlässigung oder bringt andere abseitige Beschwerden vor. Er klagt nicht an, weil Konventionen nicht eingehalten werden. Er schreibt nichts vor. Er verlangt kein Danke und kein Bitte. Manche haben das Glück, dass sie andere ihresgleichen finden und leben dürfen, beispielweise in der Wissenschaft. Andere aber ziehen sich einfach zurück. Sie kommen durch widrige Umstände nicht in die Universitäten, werden nicht gefördert. Im Bereich der Hochbegabten gibt es den Begriff Underachiever. Sie sind in meinen Augen am schlimmsten dran. Sie wissen in sich, dass da was ist, was nicht raus kann. Sie bleiben ungebildet. Sie finden keine Möglichkeit, sich selbst zu leben und ich möchte nicht wissen, wie viele dieser sich irgendwann einfach vom Leben trennen.

Wenn ich mitbekomme, dass gerade die Denkenden überlaute, harte Musik hören, dann wundert es mich eigentlich nicht mehr. Vielleicht ist es die Wut, die ihren Weg nach draußen sucht. Die Wut, die im innersten entsteht, der sie sich vielleicht nicht einmal bewusst sind. Die Wut, die entstehen muss, wenn zwei Frauen, zickig lachend und sich küssend umarmend den Weg zum Spint inder Uni-Bibliothek versperren, den Spint, den man erreichen muss, um seine Sachen zu verstauen, damit man endlich in die Welt des Wissens kann. Die Wut, die entsteht, wenn man am Rechner sitzt und man merkt, dass man auf die Toilette muss. Die Wut, die entsteht, wenn man den „Körper“ des Professors aus Captain Future als Reinheit empfindet und selbst aber nicht annehmen kann.

Aber all das wäre aber gar nicht so schlimm, wenn die Gesellschaft verstehen würde.

Wenn sie endlich verstehen würde, dass es Menschen gibt, für die ein 9-5-Job/Abendessen/Couch/Fernseher-Leben das Todesurteil ist!

 

die Autorin:

Jana Manina Nix ist Texterin und Expertin im Bereich Marketing und Usability. In diesem Zusammenhang arbeitet sie als Dozentin und Coach. In den vergangenen Jahren ist sie auch als Co-Autorin verschiedener Bücher aus den Bereichen Content Management und Webprogrammierung aufgefallen.

 

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das blog: Es gibt Ideen und Konzepte philosophischer Provenienz, die unser Verständnis von der Welt, auf die wir beschränkt sind, konstituieren: Aristoteles z.B. war der erste, der auf die Idee kam, Fragen nach der Identität von Gegenständen systematisch dadurch zu beantworten, daß er die Mengen der Eigenschaften dieser Gegenstände abglich. Heute scheint uns seine Idee so selbstverständlich zu sein, daß uns das Theoretische an ihr kaum einleuchten will. Doch wie würde unsere Physik, die Wechsel- wirkungen zwischen verschiedenen Teilchen in Termen von Eigenschaften dieser Teilchen analysiert, ohne Aristoteles Idee wohl heute aussehen? Ganz analog gibt es viele Fragen nach den Folgen neu aufkommender naturwissenschaftlicher Erkenntnisse für unser Selbstverständnis als Personen z.B.: 1) ''Haben wir wirklich einen freien Willen oder müssen wir uns angesichts der Tatsache, daß mentale Aktivität einen physiologischen Träger zu haben scheint, damit begnügen, im übertragenen Sinne nur Gast im eigenen Haus zu sein?'' 2) ''Wenn Bewußtsein durch neuronale Aktivität zustande kommt, warum beziehen sich unsere Gedanken und Gefühle nicht z.B. auf Axone, Dendriten oder C-Fasern, sondern z.B. auf bürgerliche Gegenstände wir Tische, Reißverschlüsse oder Goldhamsterlaufräder?'' 3) "Reicht die Prinzipien der Evolution bis in unsere Psyche hinein oder ist das Reich des Geistes von ihnen unabhängig?" Die Ansichten darüber, was von Philosophen unter diesen Umständen erwartet werden sollte, divergieren. Nach meiner Meinung sollten sie diejenigen begrifflichen Rätsel lösen, die die betreffende Kultur gerade interessieren. Entsprechend verfolgt dieser weblog "On Mirrors, Myths and Mutinies" die philosophischen Zutaten, auf die unsere alltägliche, kognitive und mentale Aktivität zurückgreift, unter zwei Aspekten: a) Neurophilosophie - dieser blog will dazu beitragen, Reichweite und Bedeutung neurowissenschaftlicher Forschungsergebnisse für alte und neue philosophische Rätsel korrekt einzuschätzen. b) Philosophie der Psychologie - es geht hier auch darum, Mythen über die immaterielle und scheinbar historisch invariante, psychische Natur der menschlichen Spezies zurückzudrängen. Insbesondere interessiert mich die Analyse der Alltagspsychologie. Und last not least will dieses blog seine Leser dazu zu ermutigen, selbst den philosophischen Untiefen unseres Geistes nachzugehen. Daher sind Gastbeiträge in diesem blog jederzeit willkommen. Schreiben Sie einfach eine email an: mindatwork.blog at googlemail dot com. Autoren von Gastbeiträgen werden immer namentlich am Ende des jeweiligen posts vorgestellt. Kommentarregeln: Beleidigungen von Kommentatoren werden ohne Ankündigung von mir gelöscht. Das Gleiche gilt für Kommentare mit religiösem Inhalt und sonstigen spam. der Autor: Elmar Diederichs studierte Physik, Philosophie und Jura an der Georg-August-Universität Göttingen und promovierte in Mathematik an der Freien Universität Berlin. Im Moment forscht er am Weierstraß-Institut in Berlin und am Department of Statistics der UC Berkeley (CA). copyright: Alle posts dieses blogs stehen unter der Creative Commons Lizenz CC BY-NC-SA 3.0, http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ .

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  1. Oh…

    Oh. Was soll ich, der ich Mittelmass bin, tun? In Ehrfurcht ersterben? Vor Mitleid zerfliessen?

    “Die Wut, die entsteht, wenn man am Rechner sitzt und man merkt, dass man auf die Toilette muss.”

    Darf ich für Sie auf’s Klo gehen?

    Ich mag das Geräusch der Spülung….

  2. @Wicht: Wie üblich …

    … und dabei hatte ich schon gehofft, du würdest einfach gar nichts sagen – was völlig ok gewesen wäre.

    “Oh. Was soll ich, der ich Mittelmass bin, tun? In Ehrfurcht ersterben? Vor Mitleid zerfliessen?”

    So wie ich den Artikel verstehe, genügt es, wenn die Mittelmäßigen die Nerds nicht stören, nicht beleidigen, nicht mit mobbing verfolgen, sondern einfach mit dem Respekt behandeln, den die Mittelmäßigen jeder anderen Kultur auch entgegenbringen.

    Fällt es dir so schwer, alle Menschen gleich zu behandeln?

  3. @Jana Manina Nix / Diederichs

    “Heute morgen im Auto fragte mich meine nachweislich hochbegabte Tochter”

    Ich bin zwar debil -mein IQ liegt unter 70, aber dennoch möchte ich einen Kommentar hier absetzen. IQ-Test kannten wir nicht -damals. Eine Mutter eines zukünftigen Klavierschülers fragte mich mal, ob ich überhaupt die Qualifikation besitze, ihren “nachweislich hochbegabten” Sohn zu unterrichten. Mir kam dabei das kalte Kotzen! Mein Gott: wenn man anders ist, dann kann man doch dafür dankbar sein.

  4. Dietmar Hilsebein: Nachfrage

    Ich bin nicht sicher, ob ich Sie richtig verstanden habe:

    “Eine Mutter eines zukünftigen Klavierschülers fragte mich mal, ob ich überhaupt die Qualifikation besitze, ihren “nachweislich hochbegabten” Sohn zu unterrichten. Mir kam dabei das kalte Kotzen!”

    Es scheint, als deute dieser Absatz darauf hin, daß die Mutter etwas besonders Niveauvolles für ihr Kind verlangt hat. Wenn Sie das meinten, dann könnte es sein, daß Sie entrüstet sind, weil Hochbegabung oft auf einen bestimmten Bereich beschränkt ist. Offenbar hatte das Kind nicht auf dem Gebiet der Musik seine Hochbegabung, richtig? In diesem Fall scheint mir die Anspruchshaltung der Mutter tatsächlich unangenehm hochnäsig zu sein.

    Allerdings will diese Interpretation nicht so recht zusammen passen mit:

    “Mein Gott: wenn man anders ist, dann kann man doch dafür dankbar sein.”

    Denn wenn ich den Artikel richtig verstanden habe, dann ist eine besondere Begabung in vielen Fällen eine echte Belastung. Im Nachbarblog “Hochbegabung” wird ja auch oft genug darüber berichtet.

    Was war denn nun genau ihr Punkt?

  5. @ Diederichs

    Ich bin sehr erfreut über Ihren Kommentar, da Sie sehr genau verstanden haben. Ja, Hochbegabung drückt sich nicht in allen Bereichen gleichmäßig aus. Daher empfand ich die Äußerung der besagten Mutter als hochnäsig. Unter uns gesprochen: ich habe jetzt einen anderen Schüler, der mich in erfreulicher Weise das Fürchten lehrt, da er, obschon sehr jung, wie ein Erwachsener spricht und doch begleitet werden muß, da er einen inneren Kampf auszufechten hat. Bei ihm kam kein hochnäsiges Wort seitens der Mutter. Ich achte ihn in seinem Sosein und werde versuchen, ihm ein guter Klavierlehrer zu sein.

  6. @Dietmar Hilsebein: falscher Stolz

    “Bei ihm kam kein hochnäsiges Wort seitens der Mutter.”

    Ich verstehe Sie sehr gut. Leider machen es manche Eltern ihren hochbegabten Kindern aus falsch verstandenem Stolz noch schwerer. Und offenbar nicht nur ihnen.

    “Ich achte ihn in seinem Sosein und werde versuchen, ihm ein guter Klavierlehrer zu sein.”

    Hört sich nach einer tollen Einstellung an. 🙂

    Viel Erfolg!

  7. @ Diederichs

    “Viel Erfolg!”

    Danke, das kann ich brauchen. Als kurze Erinnerung: Der Name Neefe ist heute kaum noch ein Begriff. Aber ich bin mir sicher: Beethoven wäre nicht ohne ihn geworden. Die Namenlosen wirken im Stillen. Oder um es mit Nietzsche zu sagen: “die stillsten Worte bringen den Sturm… Gedanken, die mit Taubenfüßen kommen, lenken die Welt.”

  8. @ Herrn PD Dr.rer.nat.Dipl.Biol. Wicht

    Sehr geehrter Herr Wicht,

    erst einmal vielen Dank für Ihren Kommentar, wenn auch der Dank vorerst eher dem Lesen meines Artikels gilt, da ich Ihren Kommentar (noch) nicht verstehe.

    1. Ich habe weder das Recht noch die Fähigkeit, darüber zu urteilen, ob Sie zum Mittelmaß gehören oder nicht. Ich denke jedoch, dass der Erhalt des Universitätspreises der Uni Frankfurt durchaus ein Indiz für das Gegenteil sein kann.

    2. Was Sie tun können, wenn Sie doch zur Gruppe des Mittelmaßes gehören sollten? Auch darüber darf und möchte ich nicht urteilen. Mein Anliegen liegt darin, zwischen Nerds und den Anderen zu vermitteln, da ich viele Missverständnisse erlebt habe, die beispielsweise von anderen Kommunikationsmustern oder anderen Wertigkeiten herrührten. Und frei nach Hesse, den ich sehr schätze, wird vieles anders, wenn man drüber redet.

    3. Das Beispiel der Wut, die durch menschliche Bedürfnisse entsteht, ist kein eigenes. Es stammt von einem Nerd, der es tatsächlich in manchen Momenten als Störung beim Denken empfindet, genauso wie das Hungergefühl oder Müdigkeit.

    4. Möchte ich betonen, dass ich mich selbst nicht als Nerd bezeichne, geschweige denn als ein solcher empfinde und durchaus die Hoffnung hatte, dass es durch meine Artikel auch so verstanden werden kann. Es scheint mir leider nicht gelungen zu sein. Daher werde ich in Zukunft versuchen, genauer zu formulieren, bin aber für jeden Rat diesbezüglich dankbar.

    In diesem Sinne also einen schönen Start in die Woche für Sie.

    Herzliche Grüße
    Jana M. Nix

    P.S. Gerade las ich noch diesen Satz, der laut http://www.wehklagen.de/html/helmut_wicht.html wohl von Ihnen stammt und muss feststellen, dass ein solches Zitat definitiv nicht Mittelmaß ist: “Darin unterscheiden sich die Akademiker von den echten Ratten: die tragen ihre Schwänze hinten.”

  9. @ Dietmar Hilsebein

    Sehr geehrter Herr Hilsebein,

    ich hatte lange überlegt, ob ich das “nachweislich hochbegabte” Tochter erwähne, hielt es aber zur Erklärung des dann Folgenden für notwendig. Witzigerweise ist Ihre Reaktion in etwa vergleichbar mit fast allen Reaktionen, die einem so entgegen gebracht werden, wenn man gezwungen wird, Gutachten vorzulegen. Ich möchte an dieser Stelle ungern den Weg mit meiner Tochter darstellen, vielleicht weil es Montag ist und draußen die Sonne scheint, aber ich kann Ihnen folgendes in aller Kürze sagen: Sie hat in 5 von 9 Teilbereichen einen PR zwischen 98 und 99, die T-Werte (T-Skala 50/10) liegen zwischen 75 und 79. Die anderen 4 Bereiche sind mit T-Werten zwischen 55 und 60 komplett im Durchschnitt, was sich für sie selbst aber als defizitär anfühlt. Und eins können Sie mir glauben: Hier ist das Schöne am Anderssein grenzwertig. Folge von allem war zum Beispiel eine Nichtbeschulbarkeit über viele Monate, ein ständiger Kampf mit Kliniken, Behörden, vermeintlichen Fachleuten und letztlich auch Lehrern. Alles in allem: So viel Spaß mir meine Tochter seit ihrer Geburt jeden Tag bereitet, mittlerweile ist sie 14 Jahre, es war auch anstrengend und hat mich zu oft einfach nur an meine eigene Leistungsgrenze geführt. Und wären da nicht auch Menschen, die Halt und Unterstützung geben und nicht mit Vorurteilen aburteilen, hätte ich es sicher nicht zu einem guten Ende bringen können.

    Zum Punkt: Wenn man als Eltern erwähnt, dass das Kind hochbegabt ist, muss das nicht Arroganz sein. Es kann auch heißen: Hilf mir, ich kann nicht mehr, ich bin am Ende. Leider wissen das aber meist nur Eltern von hochbegabten Kindern.

    Mit freundlichen Grüßen
    Jana M. Nix

  10. @Jana Manina Nix

    “Sie hat in 5 von 9 Teilbereichen einen PR zwischen 98 und 99, die T-Werte (T-Skala 50/10) liegen zwischen 75 und 79. Die anderen 4 Bereiche sind mit T-Werten zwischen 55 und 60 komplett im Durchschnitt, was sich für sie selbst aber als defizitär anfühlt.”

    Ich gebe offen zu: wenn ich so etwas lese, wird mir schlecht. Ist der Mensch ein Wesen, das in eine Werteschablone paßt? Und gesetzt, wir würden dieser These folgen, so wäre doch eher anzunehmen, daß etwas mit der Schablone nicht stimmt. Wenn Kinder aus welchen Gründen auch immer, Schwierigkeiten mit dem System haben, so ist eher das System zu hinterfragen. Das kann auch gar nicht anders sein, da wir nicht jenseits der Evolution stehen. Eine neue Generation bringt neue Bedürfnisse. Systeme müssen also für die Menschen sein und nicht umgekehrt.

  11. @ Dietmar Hilsebein

    Sie haben so recht, Herr Hilsebein! Mehr kann ich dazu gar nicht sagen. Nur eins noch: In Deutschland haben Sie keinerlei Möglichkeit, dem System zu entfliehen, es sei denn, Sie verfügen über eine Menge Geld. Letzteres bräuchte man auch, um schnell genug etwas am System zu ändern. Aber allein, dass Bildung Ländersache ist, macht die Sache nicht einfacher. Und es gäbe noch so viel zu sagen. Aber ich denke, es ist hier definitiv der falsche Thread. Aber würden mehr Leute wissen, dass nicht die Kinder schuld tragen, sondern das System, würde es vielleicht anders werden können. Aber so, so bleibt mir nur die Möglichkeit, Ihnen für Ihren Kommentar zu danken.

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