Weibchen oder toughe Tussi?

Wie lautet eigentlich die weibliche Form von Macho? Macha vielleicht? Falls Sie’s wissen, verraten Sie’s mir bitte. Ich bin mit meinem Latein – perdón, Spanisch natürlich! – am Ende, und auch Wikipedia verrät nur, dass der weibliche Gegensatz zum „Machismo“ der „Marianismo“ sei. Um diese keuschen Damen soll es hier aber nicht gehen, denn der weibliche Macho ist Realität! Man(n) schaue sich nur mal um…

Dass das so ist, hat übrigens nichts mit falsch verstandener Gleichberechtigung oder einer über das Ziel hinausgeschossenen Emanzipationsbewegung zu tun, sondern ist völlig natürlich, wie uns ein Blick in die Tierwelt verrät. Über fette Krötenweibchen, die genau wissen, was sie wollen (Ihre Art erhalten, was sonst?) und sich dies sogar über Speziesgrenzen hinweg nehmen, haben uns die Wissensticker im Netz erst Anfang November ausführlich informiert.

Aber auch grazile Vogeldamen sind nicht zu unterschätzen. Die weiblichen Vertreter des afrikanischen Grillkuckucks zum Beispiel sind echte Machos mit allem Drum und Dran: prachtvolles Brutgefieder und große Territorien, deren Besitz sie – so gar nicht bescheiden – durch ausdauerndes Trällern kundtun. Selbstverständlich werden lästige Konkurrentinnen aus dem Revier verjagt, während Männchen natürlich herzlich willkommen sind. Bis zu drei Kerle pro Brutzeit dürfen’s durchaus sein. Und es kommt noch besser: Kaum war die Paarung erfolgreich und die Eier sind gelegt, macht sich Frau Kuckuck aus dem Staub. Um den Nachwuchs darf sich der Vater kümmern. Sie legt derweil weitere Eier – in andere Nester versteht sich – und schaut sich nach neuen Partnern um.

Was hinter dem Machogehabe der Vogeldamen steckt? Aber klar doch, Testosteron! Dabei sind die Konzentrationen des Sexualhormons beim afrikanischen Grillkuckuck völlig unauffällig: hoch beim Männchen und niedrig beim Weibchen, also ganz wie es sich gehört. Das Geheimnis steckt vielmehr in den Androgenrezeptoren, an die das Testosteron andockt und damit eine Reaktionskaskade auslöst, die unter anderem das Verhalten beeinflusst. Genau diese Rezeptoren machen das Weibchen zur toughen Tussi. Wie Wolfgang Goyermann und Cornelia Voigt vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Andechs/Seewiesen festgestellt haben (Developmental Neurobiology), exprimieren Grillkuckuck-Weibchen im Nucleus taeniae – einem Gehirnbereich, der für territoriales und Aggressionsverhalten verantwortlich zeichnet – nämlich mehr Androgenrezeptoren als ihre männlichen Artgenossen. So schaffen Sie es, sich wie echte Vogelkerle zu verhalten, ohne dabei ihre weibliche Fortpflanzungsphysiologie durch zu hohe Testosteronlevels zu gefährden.

Stellt sich nun die Frage, was umgekehrt die Kuckucksmänner derart handzahm werden lässt. Ob die weiblichen Vogel-Machos dafür auch ein Geheimrezept besitzen? Aber andererseits: Wollen wir solch brav-keusche Pantoffelhelden überhaupt haben?

  • Veröffentlicht in: Sex

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Die besten Geschichten schreibt bekanntlich das Leben, aber was sagt eigentlich die Wissenschaft dazu? Einst Biologin, heute freie Journalistin, gehe ich hier dieser Frage nach – in Deutschland und dem Rest der Welt. Denn wenn ich nicht gerade arbeite, bin ich am liebsten in meinem blauen Mercedes 508D unterwegs... wer mehr darüber wissen will: Unter www.team-ferdinand.de blogge ich Geschichten von unterwegs. Stefanie Reinberger

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Vollweib-Amazone

    Macho im deutschen Sinn ist die ins Lächerliche gehende Übersteigerung des seriösen Sippenführers und Alpha-Männchens. Dieser zeigt oft auch noch narzistische Züge. Das hauptbestreben ist Imponieren und Gentransport.
    Deshalb mein Vorschlag als Benennung des weiblichen Gegenstückes:
    “Vollweib-Amazone”
    Ich hoffe, ich werde dafür nicht gelüncht ;-), aber dieses schöne Thema verdient einfach einen Kommentar.
    Dieter Past

  2. Machos und andere Weibchen

    Mein Vorschlag im Lateinischen suchen: “Vir” bedeutet Mann (und ist zudem die ISO-Abkürzung für die Amerikanischen Jungferninseln 😉 )- daraus könnte man eine weibliche Form erschaffen: Vira – sprich der weibliche Mann, oder mehr biologisch: Phänotypisch weiblich, habitus männlich…

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