Erst wird gezankt und dann geknutscht

Also sowas, kaum lässt man mal einen winzigen Kommentar zu den Beiträgen der Blog-Kollegen fallen, schon wird man des Streitens bezichtigt! Ts-ts… Doch selbst wenn es so wäre, ich könnte ja gar nichts für meine Streitlust: Daran sind nämlich die Gene schuld, wie Indrani Halder von der Universität Pittsburgh im Frühjahr beim Jahrestreffen der amerikanischen Gesellschaft für Psychosomatik in Budapest berichtete.

Halders Team untersuchte bei 550 gesunden Frauen Gene, die im Serotonin-Stoffwechsel eine Rolle spielen. Das „Glückshormon“ stand schon länger unter Verdacht, an der Ausprägung der individuellen Zanklust beteiligt zu sein (wie übrigens auch an Sex und Migräne). Den Wissenschaftlern stachen Veränderungen in einem Gen namens HTR2C ins Auge. In diesem liegen die Informationen für eine Andockstelle des Serotonin verschlüsselt. Probandinnen, die eine bestimmte Variante in ihrem Erbgut trugen, waren besonders auf Harmonie bedacht, während solche, deren Gentext eine andere Abweichung zeigte, sich als zänkisch entpuppten. Aber warum untersuchten die Forscher eigentlich nur Frauen? Streiten die Herren der Schöpfung etwa nicht?

Viel wichtiger ist jedoch, dass es ein Wundermittel gegen den Knatsch gibt: Knutschen nämlich! Das funktioniert bei Krähen wie bei Primaten. Mit dem großen Unterschied, dass die schwarzen Vögel, nachdem sie sich etwa mit einem Artgenossen um einen Futterbrocken gezofft haben, mit Schnabelküssen Trost beim Partner suchen, niemals aber den Gegner zur Versöhnung busserln (Nathan Emery et al.: Current Biology, 2007, 17, 152). Schimpansen oder Paviane dagegen drücken nach einem Streit schon mal dem Unterlegenen einen Schmatz auf – quasi als versöhnliche Geste.

Die Biologen um Emery sind davon überzeugt, dass das Knutschen bei den Krähen den Stress nach einem Streit abbaut und die Aufmerksamkeit wieder auf Lebensnotwendiges lenkt. Was lernen wir daraus? Wir sollten viel mehr küssen! Das hilft gegen Stress, und ich wette, das Serotonin kommt dabei auch mal wieder zum Einsatz.
 

  • Veröffentlicht in: Soul

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Die besten Geschichten schreibt bekanntlich das Leben, aber was sagt eigentlich die Wissenschaft dazu? Einst Biologin, heute freie Journalistin, gehe ich hier dieser Frage nach – in Deutschland und dem Rest der Welt. Denn wenn ich nicht gerade arbeite, bin ich am liebsten in meinem blauen Mercedes 508D unterwegs... wer mehr darüber wissen will: Unter www.team-ferdinand.de blogge ich Geschichten von unterwegs. Stefanie Reinberger

Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Erst wird gezankt und dann geknutscht

    Wußten wir das nicht immer schon, aber es soll Exemplar beiderlei Geschlechts geben deren Adrenalin-Ausschüttung nach intensiven Schnäbeln zu noch größerer Wut und Streitlust führt.
    Am Selbstversuch habe ich festgestellt, daß ich zu den bedauernswerten, harmoniesüchtigen
    Gentypen gehöre.

  2. und das höchste Einkommen haben Menschen mit großen Schuhgrößen

    oder anders gesagt: Forschung ist nur so gut wie ihre Forscher. Wer multifaktoriell verursachte Eigenschaften (= Zanklust)gerne auf einzelne Faktoren (= hier neurochemische Kreisläufe) untersucht und reduziert, bekommt natürlich auch “eindimensionale” Ergebnisse. Daher haben Menschen mit großen Schuhgrößen auch das höchste Einkommen. Erklärt ist damit alles und nichts..

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