Ausgewogene Wissenschaftssendungen oder “von Männern für Männer”?

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… aber nicht einfacher
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In diesem Artikel im Telegraph lässt Sue Nelson die wichtigsten britischen Wissenschaftssendungen Revue passieren, und kommt zu dem Schluss, dass sie (ungewollt) das Bild “von Männern, für Männer” transportieren, nicht zuletzt, weil dort immer die gleichen (männlichen) Moderatoren auftauchen. Das fand ich interessant, weil ich beim Nachdenken über die Gleichbehandlung und Chancengleichheit in der Wissenschaft zwar durchaus die Frage nach weiblichen Vorbildern in der Wissenschaft auf dem Schirm hatte; dass die Präsentation von populärer Wissenschaft da ähnlich wirkungsvolle Signale aussendet – aber derzeit eben in die falsche Richtung – hatte ich mir noch nicht richtig überlegt.

Mein Manko dabei ist freilich, dass ich selbst keinen Fernseher habe. Was ich aus früheren Zeiten, aus dem gelegentlichen Zappen in fernsehbestückten Hotelzimmern und aus dem ins Internet herüberschwappenden Fernsehen wahrnehme, zeigt allerdings bei uns keine sonderlich bessere Situation als in Großbritannien. Damals waren es Joachim Bublath mit Abenteuer Forschung und anderen Sendungen, speziell für Weltraumthemen Heinz Haber, für Tiere und Natur Bernhard Grzimek und Heinz Sielmann; zwischen Hobbythek und Umweltsendungen noch Jean Pütz. Die “Stillen Stars”, die in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannten Nobelpreisträger, interviewte Frank Elstner.

Wen haben wir heute von diesem Kaliber? Abenteuer Forschung macht jetzt Harald Lesch. Die exzellenten “Quarks und Co”, die es ja inzwischen auch seit 20 Jahren gibt, macht Ranga Yogeshwar, der ja so etwas zu einer Universal-Anlaufstelle für Wissenschaft im Fernsehen geworden ist und für seinen Teil der Berichterstattung über das Fukushima-Unglück ja sogar den Deutschen Fernsehpreis 2011 erhielt. Dem Wikipedia-Artikel über Ranga entnehme ich, dass zu den weiteren “derzeit bekannteste[n] Wissensvermittlern” noch Ingolf Baur, Dennis Wilms und Karsten Schwanke gehören; dass ich die nicht kenne, dürfte, siehe oben, daran liegen, dass ich keinen Fernseher habe.

Bei der “Sendung mit der Maus” ist die Lage nicht sehr viel besser. Über der Sachgeschichten-Webseite auf wdrmaus.de schwebt das Dreigestirn Armin (Maiwald), Christoph (Biemann) und Ralph (Caspers). Ein, zwei Sachgeschichten erinnere ich (nein, nicht aus meiner eigenen Kindheit, sondern vom Online-Gucken mit eigenen Kindern) mit weiblicher Moderatorin – aber als Ausnahme. Das dürfte Malin Büttner gewesen sein.

Als Ausnahmen bin ich beim Stöbern bislang “Wissen macht Ah” begegnet – Ralph Caspers und Shary Reeves – und dem Umstand, dass bei ProSieben Galileo neben dem “Anchorman” Aiman Abdallah und einem weiteren männlichen Moderator (Stefan Gödde) auch eine regelmäßige Moderatorin am Werk ist, nämlich Funda Vanroy. Außerdem gibt es noch Barbara Eligmann und Wigald Boning bei “clever! – Die Show, die Wissen schafft”.

Das bringt uns zur nächsten Frage, denn die Moderatoren können in einer Wissenssendung natürlich unterschiedliche Rollen spielen. Das Spektrum reicht vom Experten, der den Zuschauer zu einem bestimmten Thema mitnimmt (Lesch, Yogeshwar) bis zu Rollen, die die Unwissenheit des Moderators betonen – Moderator und Zuschauer gehen miteinander an ein Thema heran und lernen gemeinsam. Außerdem gibt es da noch die Themenverteilung – wo immer der Moderator Astronomie, Physik, Computer etc. machen darf und die Moderatorin erklären darf, welche Zusatzstoffe ein Lippenstift enthält (das unsägliche Science! It’s a Girl Thing! lässt grüßen) gäbe es natürlich auch keine Ausgewogenheit.

Dass z.B. bei “clever!” ein Geschlechterverhältnis 1:1 besteht, relativiert sich sofort, wenn “Barbara Eligmann und ihr „wissenschaftlicher Experte“ Wigald Boning”, so die Aussage der Webseite, wissenschaftlichen Fragen nachgehen. Mann darf die Experimente machen, Frau darüber staunen?

“Wissen macht Ah” ist, dem Datenpunkt Sandwich-Club (In der Küche mit Shary und Ralph) nach geschlossen, weitaus ausgewogener. Shary und Ralph haben keine fundamental unterschiedlichen Rollen – sie geben beide Erklärungen und sagen, was Sache ist. Der Umstand, dass in der erwähnten Folge, bei der Erklärung von “Symbiose” am Beispiel eines Pärchens, die Rollenverteilung “jede(r), was er/sie am besten kann” darauf hinausläuft, dass die Frau das Fahrrad repariert und der Mann Pizza zubereitet, deutet darauf hin, dass der Effekt wahrscheinlich gewollt ist.

Barbara Eligmann, Funda Vanroy und Shary Reeves sind selbst keine Wissenschaftlerinnen. Wo sind die Pendants zu Lesch (Astrophysiker), Yogeshwar (ursprünglich Teilchenphysiker), Bublath (ursprünglich Festkörperphysiker)? (Oho, alles Physiker? Wieso eigentlich?)

Das wäre wahrscheinlich das effektivste, was man in Richtung positive Wissenschaftlerinnen-Vorbilder schaffen könnte: Eine Wissenschaftlerin mit Fernsehreichweite. Und dass da draußen nicht irgendwo eine Wissenschaftlerin ist, die da brillieren könnte, halte ich für so gut wie unmöglich. Wenn ich die Vorträge und Physik-Shows Revue passieren lasse, die ich von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen gehört habe, dann sind Lesch, Yogeshwar & Co. zwar Spitze, aber nicht einsame Spitze, sprich: soweit ich sehen kann, gibt es einen hinreichend großen Pool von Leuten, denen, entsprechende Erfahrung und Training vorausgesetzt, durchaus zuzutrauen wäre, mitreißende Wissenschaftssendungen zu moderieren.

Falls sich jemand systematisch auf die Suche machen möchte, dann wären ja insbesondere die Science Slams (Hallo, Kollegen von Science@Stage!) Gelegenheit, bühnen- bzw. wahrscheinlich eben auch fernsehtaugliche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu finden.

Für die Suche nach der nächsten Wissenschaftsmoderatorin hieße das: Niemand muss mühsam durch die Labore und Institute ziehen. Kandidatinnen werden auf dem Präsentierteller geliefert. Also, liebe öffentlich-rechtlichen, wie wär’s? Gezielt eine Wissenschaftlerin für die Moderation einer Wissenschaftssendung gewinnen? Ein paar Redakteure die diversen Science Slams abgrasen lassen; mit den besten fünf oder sechs Nachwuchshoffnungen je eine Sendung produzieren – Wissenschaftlerin und erfahrener Redakteur/Redakteurin in Zusammenarbeit, über ein von der Wissenschaftlerin gewähltes Thema? Mit großer Wahrscheinlichkeit hätten wir dann am Ende eine oder sogar mehrere Möglichkeiten, unsere Wissenschaftssendungslandschaft zu bereichern.

Oder wie sieht es mit geeigneten Videobloggerinnen aus? Ich muss gestehen: Mir fallen da beim Thema Wissenschaft spontan nur Männer ein. Florian Freistetter mit seinen Sternengeschichten, Lars Fischer mit Wir werden alle sterben, Klaus Jäger mit den Astroviews. Aber auch da sitze ich natürlich in meiner persönlichen Filterblase. Können die Leser dieses Blogs helfen? Fällt euch eine deutschsprachige Wissenschaftlerin ein, die euch – auf YouTube & Co., bei einem Science Slam oder sonstwie – aufgefallen und die eure Wunschkandidatin als neue Wissenschaftssendungsmoderatorin ist? Oder übersehe ich gar jemanden, der schon in der deutschen Fernsehlandschaft aktiv ist? Und wie bekommen wir die Leute, die beim Fernsehen etwas zu sagen haben, dazu, sich überhaupt erst einmal auf die Suche zu machen?

 

Markus Pössel

Markus Pössel hatte bereits während des Physikstudiums an der Universität Hamburg gemerkt: Die Herausforderung, physikalische Themen so aufzuarbeiten und darzustellen, dass sie auch für Nichtphysiker verständlich werden, war für ihn mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Forschungsarbeit. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam blieb er dem Institut als "Outreach scientist" erhalten, war während des Einsteinjahres 2005 an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt und schuf das Webportal Einstein Online. Ende 2007 wechselte er für ein Jahr zum World Science Festival in New York. Seit Anfang 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie leitet, ein Zentrum für astronomische Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Pössel bloggt, ist Autor/Koautor mehrerer Bücher, und schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.

59 Kommentare

  1. Uuh

    Bei der “Sendung mit der Maus” ist die Lage nicht sehr viel besser.

    Lars Fischer ist ganz OK, im Zweifel müssten Leute wie Sie oder Joachim Schulz raus, Ludwig Trepl nicht zu vergessen oder Herr Honerkamp.

    Man kann im TV auch mal die Besseren oder die Besten rausschicken, korrekt!

    MFG
    Dr. W

  2. Ach so

    , es geht wohl um die Geschlechtlichkeit, aber auch hier gilt bspw.:
    Frau Hoffmann, Frau Bambach sowieso und Frau Seng dürfen raus (sofern man den Schreiber dieser Zeilen gefragt hätte).

    MFG
    Dr. W

  3. Schon

    , ja das ist schon klar, Grzimek und Heinz Haber hier als Messlatte angelegt und die beiden oder drei aktuellen Kräfte (Lesch, aber auch dies kam vor, die “Astro-Night” gingen, Yogeshwar & neuerdings Precht) nicht so-o gut findend.

    MFG
    Dr. W (der’s aber auch nicht vertiefen muss, war ja nur Feedback)

  4. @Dr. Webbaer

    Feedback sehr gerne, aber wenn ich nicht verstehe, was Sie sagen – von der Sendung mit der Maus zu Lars Fischer? Und geht es dann bei den drei weiblichen Namen noch um Blogs, oder schon um diejenigen, die Sie gerne als Wissenschaftssendungsmoderatorinnen sähen? – ist das für uns beide ziemlich sinnlos.

  5. Die kommentarisch versuchte Aussage

    war, dass die in D TV-persistenten Wissenschafsmoderatoren nicht nur verlustfrei, sondern sogar gewinnbringend, für D ersetzt werden könnten, und zwar durch Sie oder durch etliche der hier, auf den Sb.de beitragenden Kräfte.

    MFG
    Dr. W (der sich nun ausklinkt)

    PS: Oder ging es primär um Geschlechterquoten?, falls ja, hat Ihr Kommentatorenfreund etwas verpasst.

  6. Frauen als Wissenschaftsvermittlerinnen

    verstossen gegen die Erwartungen. Und das nicht erst am TV, sondern bereits als Bloggerinnen wie der Guardian-Artikel Popular science blog is run by a woman – to the surprise of some on Facebook zeigt. Die betreffende Bloggerin schreibt dazu auf Twitter:
    “EVERY COMMENT on that thread is about how shocking it is that I’m a woman! Is this really 2013?”

    Deshalb würde eine Frau als Wissenschaftsvermittlerin (Moderatorin oder Wissenschaflterin und Moderatorin) in einer Fersehsendung wohl mit starken Reaktionen rechnen müssen. Sie wäre exponiert und würde sich exponiert fühlen. Doch die Wirkung könnte eine ähnliche sein wie die, die scheinbar von Angela Merkel ausgeht und über die eine Journalistin so berichtet «Der Berufswunsch meines Kindes war nicht “Journalistin”, sondern “Bundeskanzlerin”.»

    Forscherin als neuer Wunschberuf, das wär doch was.

  7. @Dr. Webbaer

    Ah, OK. Das hatte ich dann ganz falsch verstanden. Der erste Kommentar klang mir eher so, als sollten Joachim Schulz und ich mit bloggen aufhören…

    Es ging mir aber tatsächlich darum, wie man mal eine Frau als Moderatorin gewinnt. Nicht als Quote, aber weil es ein starkes Zeichen wäre – und weil ich überzeugt bin, dass da draussen mindestens eine Wissenschaftlerin ist, die das exzellent könnte.

  8. Männliche Ehrenretter

    Seltsamerweise sind es regelmäßig Männer, die sich verpflichtet oder bemüßigt fühlen, die wie auch immer geartete Ehre des weiblichen Geschlechts zu rehabilitieren oder hoch zu halten.

    Vielleicht haben Frauen einfach andere Prioritäten. Vielleicht finden sie z. B. schlicht wenig oder weniger Gefallen daran, sich in Wissenschaftssendungen zu vermarkten oder zu prostituieren.

  9. @Geoman

    Der Anstoß für meinen Beitrag – der zitierte Guardian-Artikel – stammt von Sue Nelson.

    Und Begriffe wie Ehrenrettung, Prostitution dergleichen – warum kann man Themen wie die, um die es hier geht, nicht einfach diskutieren, ohne Pathos (und Doppelbedeutungen) hochzuregeln?

    Es geht doch nur darum, welche Nachricht man Mädchen (implizit) sendet, wenn die Wissenschaftssendungen vorwiegend männlich besetzt sind. Und wie man, relativ einfach sogar, anfangen könnte, das zu ändern. All das kann man sich unabhängig vom eigenen Geschlecht fragen.

  10. Pathetisch-selbstverliebte Wissensver…

    @ Markus Pössel

    Mein letzter Kommentar war u. a. aktuell motiviert und ‘hochgeregelt’ von Harald Lesch’s jüngster “Terra X – Faszination Universum”-Sendung “Das Rätsel der Harmonie. Alles hat seine Ordnung – auch die Unordnung”.

    Die Sendung war einerseits durchaus informativ, kurzweilig und metaphorisch ansprechend, aber andererseits so geschmeidig, selbstgefällig und pathetisch, dass selbst ein kurzes Reinzappen in die DSDS-Sendung von Dieter Bohlen und seinen kalkuliert-provokanten Sprüchen einem mehr und vor allen Dingen anregend-irritierendere Einblicke in die menschliche Natur und auch die menschliche Interpretation und Konstruktion des Universums erfahren lässt.

    Auch populistische Wissen- oder Wissenschaftsvermittler sollten ein gebrocheneres, also die engen Grenzen von wissenschaftlicher Erkenntnisfindung aufzeigen und sich dabei möglichst dezent im Hintergrund halten, statt sich wie in einem Big Brother-Container zu ‘prostituieren’.

    Kurz: Trotz meines Interesse am Them hab’ ich die Kiste nach 20 Minuten ausgeschaltet, weil ich Lesch’s aufdringlich-belehrenden Scham fast so schwer erträglich wie den von Ranga Yogeshwar fand.

    Vielleicht könnten Frauen als Moderatorinnen, die schon früh darin geübt sind, auf andere Weise zu gefallen, da wirklich eine erträglichere, d. h. dezentere, weniger pathetische, also sachlichere und etwas skeptischere Note in die Sendungen bringen?!

  11. @Geoman

    Ah, OK.

    Von dem konkreten Beispiel einmal abgesehen: Dass Wissenschaftler auch Menschen sind, ist ja durchaus schon eine wichtige Erkenntnis jenseits der einfachsten in Fernsehsendungen vermittelten Wissenschaftsbilder. Dass sich Wissen(schaft)svermittler(innen) selbst auch einbringen finde ich deswegen nicht prinzipiell schlecht. Dass Selbstverliebtheit dabei nicht angebracht ist, darauf können wir uns zweifellos einigen.

  12. Wissenschaftsmoderatorin

    Aus dem lokalen Fernsehen bekannt:

    Dr. Angela Halfar
    http://www.rnf.de/…n/angela-halfar/#.Uk_D3t0qJ6k

    mit ihrer fachlichen und fernseh Erfahrung und ihrer Nähe zu den Unis HD,MA und SRH wäre sie unbedingt für ein größeres Format geeignet.

  13. @Markus: ups

    Ich bin echt erstaunt, daß ein so kluger blogger wie du auf dieses konstruktivistische Gender-Zeugs reinfällt – hätte ich echt nie gedacht.

    Aber auch Joachims Metamorphose hat mich ja bereits kalt erwischt.

    Ich hoffe, das hier ist nur ein unvermeidlicher koh-tau aufgrund irgendwelcher Kompromisse. Brauchst nicht zu antworten, wenn das der Fall sein sollte.

  14. Es wäre schon

    besser gewesen die bekannten TV-Wissenschaftler wegen bekannter Minderleistung oder konkret wegen politisch nicht erforderlicher Stellungnahme anzumängeln – am besten aus einer selbst politisch distanzierten Perspektive heraus, korrekt.

    Das Herumgeigen auf bestimmten Eigenschaften von TV-Wissenschaftlern betrachtet der Schreiber dieser Zeilen zudem auch als x-istisch.
    Wenn auch als benevolent x-istisch, weniger als Kotau (das Fachwort in der üblichen Schreibweise).

    MFG
    Dr. W

  15. @Elmar

    Was ich hier schreibe, ist doch nun ziemlich unabhängig davon, ob es in punkto Wissenschaftsinteresse genetische Unterschiede gibt oder nicht. Lass es (grob vereinfacht) bei den Jungens 90% sein, denen das Wissenschaftsinteresse angeboren ist, bei den Mädchen nur 10%, und es wäre trotzdem ungerecht, wenn diesen 10% dann in den Fernsehsendungen suggeriert würde, dass Wissenschaft (weitgehend) reine Männersache ist.

  16. @Markus: Ich möchte keine …

    …. Diskussion off topics hier zu deinem post veranstalten, aber zwei Hinweise gehen vielleicht doch:

    “ob es in punkto Wissenschaftsinteresse genetische Unterschiede gibt oder nicht.”

    Gender/Feminismus und Konsorten haben wenig bis gar nichts mit biologischen Unterschieden zu tun. Obwohl beide Seiten immer wieder mit biologistischen Argumenten nach einander werfen, sollte man sich nicht einreden lassen, die die moralischen und politischen Implikation von Gender und Gedöns irgendwie davon abhingen. Letztlich ist das eine Scheindebatte, die den eigentlich ablaufenden Verteilungskampf verschleiert. Daß zu wissen, ist quasi ein Test für Kompetenz in Sachen gender.

    “bei den Mädchen nur 10%, und es wäre trotzdem ungerecht, wenn diesen 10% dann in den Fernsehsendungen suggeriert würde, dass Wissenschaft (weitgehend) reine Männersache ist.”

    Die Frage, was man aus solchen Ungleichgewichten folgern kann, hängt primär davon ab, welche Symmetrieannahmen man für die Verteilungen der unabhängigen Variablen in Gesellschaftprozessen macht. Das wird häufig übersehen und führt zu sog. feministischen Fehlschlüssen, die auch hier wieder am Werk zu sein scheinen.

    Diese ganze Sache mit den Geschlechtern ist viel komplizierter als man am Anfang denkt und es ist auch – steigt man in das Thema ein – sehr ineffizient und belstend, sich mit dem Zeug auseinander zu setzen, daß man via Google auf websites und blogs so findet. Bis man Texte findet, die es einem erlauben, wirklich was zu verstehen, dauert es eine Weile.

    Lass uns die Diskussion an dieser Stelle nicht weiter forcieren, denn mein Eindruck ist, daß du im Moment nicht sehr gut informiert bist – und was das bedeutet, weißt du ja.

    Wenn dich Geschlechtergleichheit als soziologisches Problem soweit interessiert, daß du da Zeit reinstecken willst, dann kannst du mir gerne eine email schreiben, so daß ich dir privat erzählen kann, was ich an informativem Zeug so aufgetrieben habe.

    Aber blogs mit Halbwahrheiten zu füllen, bringt niemanden weiter.

  17. @Elmar

    Ich bin jetzt meinerseits vom Ton deines Kommentars etwas überrascht. Aber lassen wir die allgemeineren Fragen ruhig wieder beiseite – dass ich da unzulässig verkürze war mir klar – dann bleibt immer noch der für diesen Blogbeitrag relevante Umstand: Solange es an Naturwissenschaften interessierte Mädchen gibt, empfinde ich es als ungerecht, denen durch Wissenschaftssendungen implizit das Signal zu geben, dass Wissenschaft Männersache ist (wiederum unzulässig verkürzt, aber zumindest dazu steht ja im Blogbeitrag, was ich meine).

  18. @Markus

    “Ich bin jetzt meinerseits vom Ton deines Kommentars etwas überrascht.”

    Warum? Ich versuche doch nur, zu helfen.

    Versteh ich nicht…..

    Egal – ich folge mal deinem Punkt.

    “Solange es an Naturwissenschaften interessierte Mädchen gibt, empfinde ich es als ungerecht, denen durch Wissenschaftssendungen implizit das Signal zu geben, dass Wissenschaft Männersache ist”

    Na ja, die Frage ist doch, ob auf diese Weise Signale geben werden.

    Meiner Meinung nach hat die Tatsache, daß Leute aus Tatsachen, Schlüsse ziehen, nichts mit Kommunikation zu tun. Daß jemand intentiert, daß ein Adressat aufgrund des eigenen Verhaltens ein ganz bestimmtes update seiner Meinungen durchführt, hat hingegen viel mit Kommunikation zu tun. Signale zu verwenden, hat aber ebenfalls nichts mit Kommunikation zu tun.

    Was wäre an deinem Punkt noch dran, wenn meine Behauptungen richtig wären? Nicht allzu viel, oder? Aber wann haben sich Gender-Missionare je um die richtige Theorie darüber gekümmert, was Kommunikation ist? Ich kenn da nichts und mein reader ist voll von gender-Texten.

    Der zweite Punkt: Ohne es zu sagen, scheinst du davon auszugehen, daß Beziehungen zwischen Menschen oder Gruppen von Menschen durch einen Machtbegriff analysiert werden können. Denn höchstens dann, wenn das richtig wäre, wäre die Frage der Geschlechterrepräsentation eine Sache der Gerechtigkeit.

    Aber ist das so?

    Meiner Meinung nach ist das falsch, da Gesellschaft vor allem durch Kooperation funktioniert und Macht – richtig analysiert – tritt nur auf, denn diese Kooperation gestört ist. Und? Hast du schon mal einen Gender-Begeisterten über Spieltheorie mit Zufallsvariablen nachdenken sehen? Nein? Ich auch nicht.

    Und last not least scheint dein Kommentar an eine Art realitätskonstruierender Wirkung von Texten, Handlungen oder Behauptungen zu appellieren – soziale Konstruktion ist hier das Zauberwort.

    Aber ist so ein Konstruktivismus wahr? Philophisch ist er völlig unhaltbar, aber welchen Gender-Begeisterten hast du das Problem schon mal diskutieren hören? Keinen?

    So so … 😉

    Siehst du, das meinte ich. Wenn wir nur Standpunkte austauschen, ändert sich gar nichts. Wenn wir aber wirklich aufklären wollen, dann müssen wir das anders machen: Das Niveau von Joachim oder Anatol bei diesem Themsen macht alles nur schlimmer.

    Ich bin jetzt IRL verabredet, ich denke auch, daß diese Diskussion so nicht weiterführt. Aber falls du das vernünftig einsteigen solltest, bin ich sicher zur Stelle.

  19. @Elmar

    Ich finde ziemlich besorgniserregend, wie du mir in deinem Text lauter Ansichten unterstellst, die ich, soweit es mir bewusst ist, gar nicht vertrete.

    Wieder aufgrund des Kommentarformats verkürzt: Dass man sich für sein Selbstbild Anregungen und Grenzen aus seinem Umfeld holt, hätte ich jetzt auch nicht für allzu kontrovers gehalten. Dass z.B. im Kindergarten solche Weisheiten wie “rosa ist eine Mädchenfarbe” oder, wenn man Pech hat, “Mädchen spielen nicht mit Autos” spontan generiert und nicht von dem Kommen, was den Mädchen und Jungen in der Werbung, von den Eltern, von den älteren Geschwistern, von den Menschen und Figuren, die sie im Fernsehen sehen, vorgemacht werden, halte ich jedenfalls für sehr unwahrscheinlich.

    Und dass dieser Zusammenhang nur für die Farbe rosa, nicht aber für andere Teile des Selbstbildes gelten soll, auch. Aber wenn’s dazu systematisch-kritisches gibt, poste hier gerne ein Link oder einen Hinweis – manchmal ist es ja in der Wissenschaft so, dass sich plausible Zusammenhänge bei näherer Untersuchung in Luft auflösen oder zumindest relativieren.

  20. @Elmar

    Das was Sie in Ihrem verlinkten WordPress-Blog schreiben ist hochinteressant – leider aber nicht sehr allgemeinverständlich. Ich denke, es wäre eine Bereicherung der Gender-Diskussionen in der Blogosphäre, wenn Sie Ihre Argumente einfacher darstellen und mit anschaulicheren Beispielen untermauern könnten. Nicht jeder hat Physik, Philosophie, Jura und Mathematik studiert… (was aber bereits wegen der verwendeten Fachwörter zum Verständnis Ihrer Texte fast unerlässlich ist)

  21. @Elmar

    “Solange es an Naturwissenschaften interessierte Mädchen gibt, empfinde ich es als ungerecht, denen durch Wissenschaftssendungen implizit das Signal zu geben, dass Wissenschaft Männersache ist”

    I. Na ja, die Frage ist doch, ob auf diese Weise Signale geben werden.

    Die Frage ist, ob – unterstellt die Signalisierung erfolgt – das Signalisierte, also die Aussage “Wissenschaft ist Männersache.” zutrifft.

    Wenn die Aussage “Wissenschaft ist Männersache.” zutrifft, dann würde signalisiert, was der Fall ist. Anderenfalls würde Unwahres signalisiert. Das Signal wäre dann keins.

    II. Es kann natürlich auch angenommen werden, “Wissenschaft ist Männersache.” nicht als Aussage, sondern normativ verstanden werden soll. Liegt dann nicht ein Verstoß gegen Humes Gesetz vor?

  22. @Markus

    Vorweg – für meine Augen lesen sich meine Kommentare vermittelnd, erklärend, aber nicht aggressiv. Irgendwie scheinst zu das anders zu lesen, kann das sein?

    Das tut mir leid.

    “Ich finde ziemlich besorgniserregend, wie du mir in deinem Text lauter Ansichten unterstellst, die ich, soweit es mir bewusst ist, gar nicht vertrete.”

    Ich weiß genau, was du gesagt hast. Es geht mir gar nicht um Unterstellung. Ich hatte vielmehr gehofft, daß meine Vermutungen irgendwie die ganze Sache beleuchten würden oder von dir aufgegriffen oder als hilfreiche Vehikel angesehen würden.

    Scheint gründlich daneben gegangen zu sein. :-/

    “Wieder aufgrund des Kommentarformats verkürzt: Dass man sich für sein Selbstbild Anregungen und Grenzen aus seinem Umfeld holt, hätte ich jetzt auch nicht für allzu kontrovers gehalten.”

    Möglicherweise. Nur daß Männer in Wissenschaftssendungen Mädchen dazu ermuntert nicht in die Wissenschaft zu gehen, halte ich bei Studentinnen eher für eine eher gewagte These.

    Na gut, ich will das nicht forcieren.

    “Aber wenn’s dazu systematisch-kritisches gibt, poste hier gerne ein Link oder einen Hinweis – manchmal ist es ja in der Wissenschaft so, dass sich plausible Zusammenhänge bei näherer Untersuchung in Luft auflösen oder zumindest relativieren.”

    Hm – kein privater Dialog, aber ich darf was für alle tun? Na gut, ich stell mal was zusammen. 😉 Wird aber sicher erst morgen passieren.

  23. @Elmar

    Zumindest dein letzter Kommentar hört sich in der Tat nicht aggressiv an.

    Nur zu einer Sache darin: “Möglicherweise. Nur daß Männer in Wissenschaftssendungen Mädchen dazu ermuntert nicht in die Wissenschaft zu gehen, halte ich bei Studentinnen eher für eine eher gewagte These.”

    Bei Studentinnen würde ich das auch für vernachlässigbar halten. In dem Falle geht’s mir eher um Schülerinnen, bei “Sendung mit der Maus” u.a. um noch jüngere Kinder.

  24. Wissenschaftlerinnen im Spielfilm

    Die paar Wissenschaftlerinnen, die als Moderatorinnen im Fernsehen auftauchen, wurden ja schon aufgezählt. Meines Erachtens sollte man jedoch auch die Rolle von Wissenschaftlerinnen in Spielfilmen näher betrachten, da sich junge Mädchen bei der Berufswahl sicher Gedanken darüber machen, wie sie gesellschaftlich wahrgenommen werden und inwieweit sich die gezeigten Lebensentwürfe realisieren lassen. Da gab es im Laufe der Zeit zwar immer wieder einen Wandel, aber die im Spielfilm gezeigten Wissenschaftlerinnen wirken größtenteils eher abschreckend. Ein Vorbild für junge Mädchen sind sie wohl kaum.

    http://www.univie.ac.at/…VisSozPosterFlicker.pdf

  25. @Interessierter: blog

    “Das was Sie in Ihrem verlinkten WordPress-Blog schreiben ist hochinteressant – leider aber nicht sehr allgemeinverständlich.”

    Ich verstehe das Problem gut. Der wordpress-blog ist – wie auch mein ehemaliger blog “Mind at Work” hier – als Nischenblog konzipiert. Die Frage war, was eigentlich fehlt, um Gender-Diskussionen voranzubringen. Meine Diagnose ist, daß es genug Leute gibt, die auf Mißstände hinweisen und sich an aktuellen Themen oder Ereignissen abarbeiten, aber es fehlt einfach jemandem, der die Rolle des Analytikers einnimmt und Beiträge zu einer dem Feminismus analogen Hintergrundtheorie für Männer liefert.

    Diese Rolle versuche ich auszufüllen, was ein Grund dafür ist, warum ich so lange für wenige posts brauche. Es ist auch schwierig, feministische Argumente als falsch oder irreführend zu entlarven, ohne entsprechende begriffliche Hilfsmittel. Halbheiten und Andeutungen richtiger Ideen aber gibt es seit langer Zeit und sie haben bisher nicht geholfen. Daher denke ich, daß man um etwas Arbeit im gegenwärtigen Stadium nicht herumkommt.

    “Ich denke, es wäre eine Bereicherung der Gender-Diskussionen in der Blogosphäre, wenn Sie Ihre Argumente einfacher darstellen und mit anschaulicheren Beispielen untermauern könnten.”

    Ich sehe es wie Sie und nehme diese Kritik auch ernst, weil ich erkenne, daß Ihr Punkt richtig ist. Aber leider bin ich selbst noch in dem Stadium, die Zusammenhänge zu verstehen und das hat – im Moment – Vorrang vor posts mit Breitenwirkung.

    Aber ich denke, daß sich diese Strategie schon in wenigen Wochen ändern wird, wenn ich besser durchblicke.

  26. @Ano Nym: Humes Gesetz

    “Die Frage ist, ob – unterstellt die Signalisierung erfolgt – das Signalisierte, also die Aussage “Wissenschaft ist Männersache.” zutrifft.”

    Guter Punkt und ein Beispiel für meine obige Erklärung an Markus in Sachen Kommunikation:

    Wenn jemand in seinen Schlüssen aus Gesagtem oder Vorgemachtem Humes Gesetz durchbricht, dann kann man in unserem Beispiel dafür schlecht die Sender verantwortlich machen, die diese Sendungen machen: Das wäre so, als würde ich für meine Fehler jemand anderen zur Rechenschaft ziehen. Kommunikation ist eine Sache intendierter updates der Menge von Meinungen beim Adressaten und was und wer es sagt, spielt dabei eine Entscheidende Rolle.

    Ich würde daher die Frage verneinen, daß durch die Tatsache von fehlenden Wissenschaftsmoderatorinnen kommuniziert wird, daß Wissenschaft Männersache ist.

    Man könnte aber unabhängig davon geltend machen, daß es eine jeden betreffenden Verantwortung bei der Entstehung von Leitbildern gibt, die junge Menschen benutzen, um sich in ihrem Leben zu orientieren.

    Leider weiß ich aber über solche sozialen und psychologischen Gewohnheiten noch zu wenig, um hier eine eindeutige Position zu haben, so daß ich trotz Humescher Fehler Markus Idee im Moment nicht völlig verwerfen würde. Allerdings ist sie mir nicht sehr sympathisch.

    Ich hoffe, ich kann das bald verbessern.

  27. @Elmar

    Ich finde, dass die Reduktion auf “Humes Gesetz” zu kurz greift. Ich sehe nicht, dass hier irgendjemand von “es ist so” auf “es soll (normativ, moralisch)” so sein schlösse.

    Dass “es ist so” z.B. dazu führen kann, dass man alternative Möglichkeiten gar nicht mehr in die eigenen Überlegungen einbezieht, ist etwas ganz anderes als das, wovon Hume spricht.

  28. Herr Pässel

    Ich sehe nicht, dass hier irgendjemand von “es ist so” auf “es soll (normativ, moralisch)” so sein schlösse.

    , … der Artikel liest sich jedenfalls so [1] als ob von einem “Es ist nicht so.” auf ein “Es soll so sein.” zurückgeführt wird.

    Ihr Kommentatorenfreund, der Webbaer, erkennt hier egalitaristischen X-Ismus.
    Bei der Betrachtung des relativ kleinen Haufens der bekannten Wissenschaftsmoderatoren drängt es sich eben nicht auf bestimmte Eigenschaften zu suchen, die vorhanden oder nicht vorhanden oder aus Sicht einiger nicht in angemessenem Umfang vorhanden sind.

    Dass Sie nicht explizit das feministische Fass aufgemacht haben, nicht von grundsätzlich gleicher Talentverteilung geschrieben haben & nicht eine wie auch immer in der Gesellschaft angelegte Unterdrückung erkannten, ehrt Sie natürlich.

    MFG
    Dr. W (der noch einen schönen Sonntag wünscht)

    [1] von diesem Klops mal abgesehen: ‘Ich muss gestehen: Mir fallen da beim Thema Wissenschaft spontan nur Männer ein.’

  29. “Dass “es ist so” z.B. dazu führen kann, dass man alternative Möglichkeiten gar nicht mehr in die eigenen Überlegungen einbezieht, ist etwas ganz anderes als das, wovon Hume spricht.”

    Völlig richtig, daher schriebich ja auch:

    “Man könnte aber unabhängig davon geltend machen, daß es eine jeden betreffenden Verantwortung bei der Entstehung von Leitbildern gibt, die junge Menschen benutzen, um sich in ihrem Leben zu orientieren.”

    Leider sagt dein Artikel nichts zu den Bedingungen unter denen es genau so kommt. Stattdessen “weiß er”, daß eine Ungerechtigkeit vorliegt.

    So richtig verstehen kann ich noch nicht, warum eine vorliegt.

  30. @Markus Pössel

    Ich sehe nicht, dass hier irgendjemand von “es ist so” auf “es soll (normativ, moralisch)” so sein schlösse.

    Ich würde in diesem Fall nicht schreiben, dass die Reduktion auf Humes Gesetz zu kurz greife, sondern, dass Humes Gesetz nicht anwendbar sei, weil die Aussage keine des Sollens sei.

    Aber ist sie wirklich keine normative, moralische?

    Es liegt doch zumindest eine Wirkungsbehauptung vor: Die zu geringe Zahl (unausgesprochen gemessen am biologischen Geschlechterverhältnis) von Frauen, die Wissenschaft im Fernsehen repräsentieren, bewirke, dass angehenden Wissenschaftlerinnen keine würden. Damit wird für die Existenz des Phänomens seine Darstellug verantwortlich gemacht. Diese Figur ist altbekannt.

    Warum – diese Umkehrung ist nun nicht auf meinem Mist gewachsen, aber sie passt halt: – erregt es eigentlich stets nur Ungerechtigkeitsgefühle, wenn Frauen in Vorständen oder Wissenschaftssendungen unterrepräsentiert sind? Beispielsweise müsste doch auch der Anblick von Fahrzeugen und Personal der Müllabfuhr signalisieren, dass Müllabfuhr Männersache ist?

  31. @Ano Nym

    “Es liegt doch zumindest eine Wirkungsbehauptung vor: Die zu geringe Zahl (unausgesprochen gemessen am biologischen Geschlechterverhältnis) von Frauen, die Wissenschaft im Fernsehen repräsentieren, bewirke, dass angehenden Wissenschaftlerinnen keine würden. Damit wird für die Existenz des Phänomens seine Darstellug verantwortlich gemacht. Diese Figur ist altbekannt.”

    Die im Fernsehen gezeigten Rollenbilder beeinflussen junge Menschen bei ihrer Berufswahl sehr wohl – mehr als der Schulunterricht, so lautet zumindest ein zentrales Ergebnis des Forschungsprojekts “Berufsorientierung im Unterhaltungsformat”, das vom Bundesforschungsministerium und dem Europäischen Sozialfonds gefördert wurde. In der Broschüre “MINT und Chancengleichheit in fiktionalen Fernsehformaten” gehen Wissenschaftler der Frage nach, wie sich fiktionale Fernsehformate nutzen lassen, um auch bei Mädchen das Interesse für MINT-Berufe zu wecken.

    http://www.bmbf.de/…tionalen_fernsehformaten.pdf

    “Beispielsweise müsste doch auch der Anblick von Fahrzeugen und Personal der Müllabfuhr signalisieren, dass Müllabfuhr Männersache ist?”

    Waren Sie schon mal in Rom?

    http://romeandhome.wordpress.com/…ndere-gattung/

  32. @Ano Nym

    Anderer Leute Aussagen zu vereinfachen ist immer gefährlich. Ich bin mit meiner Behauptung zur Wirkung jedenfalls vorsichtiger als Ihre Kurzfassung suggeriert.

    Zur Müllabfuhr: Ich gehe da einfach von meiner persönlichen Erfahrung aus. Ich interessiere mich für Wissenschaft und dafür, Wissenschaft anderen zu vermitteln. Dass mich in diesem Zusammenhang dann eben auch eine Frage wie die in diesem Blogartikel angesprochene interessiert, liegt auf der Hand. Für andere kann ich nicht sprechen.

  33. Will man das?

    Die im Fernsehen gezeigten Rollenbilder beeinflussen junge Menschen bei ihrer Berufswahl sehr wohl – mehr als der Schulunterricht, so lautet zumindest ein zentrales Ergebnis des Forschungsprojekts “Berufsorientierung im Unterhaltungsformat”, das vom Bundesforschungsministerium und dem Europäischen Sozialfonds gefördert wurde.

    Dass staatlich geförderte bestimmte Sichten anleitend werden jungen Menschen bestimmte Ziele vorzugeben?

    Manche wollen dies nicht, auch diejenigen betreffend, die noch Fernsehen schauen [1]; insgesamt würde man doch unter selbstbestimmten Individuen davon ausgehen wollen, dass der Medienkonsum persönlicher Ausrichtung folgt, oder?

    Insgesamt kann die TV-Veranstaltung also diskontiert werden und bestenfalls als auf die Unterschicht [2] zielend verstanden wie analysiert werden.

    Man wird hier bei sich anbahnender neuer Medienlage allgemein lockerer werden.
    Der hiesige Artikel ist noch alte Denke. [3]

    MFG
    Dr. W

    [1] selbstverständlich schaut der Webbaer, wie auch der für den Artikel Verantwortliche, nicht mehr TV; einerseits wegen dem Sequenziellen, anderseits wegen der Maßgaben, denen heutzutage von TV-Betreibenden gefolgt wird – und die unklaren wirtschaftlichen wie politischen Ursprungs sind
    [2] sofern dieser Begriff “noch geht”
    [3] (hier bitte selbst eine Fußnote sich denkend)

  34. @Mona: Rom

    Waren Sie schon mal in Rom?

    Sie meinen “wir” sollten Frauen, die in Vorstände wollen, zur Müllabfuhr nach Rom schicken?

  35. @Markus Pössel: Sprache

    Anderer Leute Aussagen zu vereinfachen ist immer gefährlich.

    Aber manchmal erforderlich, um herauszufinden, was der Inhalt des Gesagten ist.

    Ich bin mit meiner Behauptung zur Wirkung jedenfalls vorsichtiger als Ihre Kurzfassung suggeriert.

    Sie teilen aber hinsichtlich der Frauenrepräsentation eine Missstandsempfindung (“ungerecht”):

    Was ich hier schreibe, ist doch nun ziemlich unabhängig davon, ob es in punkto Wissenschaftsinteresse genetische Unterschiede gibt oder nicht. Lass es (grob vereinfacht) bei den Jungens 90% sein, denen das Wissenschaftsinteresse angeboren ist, bei den Mädchen nur 10%, und es wäre trotzdem ungerecht, wenn diesen 10% dann in den Fernsehsendungen suggeriert würde, dass Wissenschaft (weitgehend) reine Männersache ist.

    Ich habe ein Probleme mit Ihrem Gebrauch des Verbs “suggerieren” und des Adjektivs “ungerecht”. Denn das suggerieren ist wohl eine Autosuggestion auf der Empfängerseite und kein intentionaler Kommunikationsakt der Programmredaktion oder des Senderchefs. Und was daran ungerecht sein soll, ist mir schleierhaft. Eine Ungerechtigkeitempfindung setzt normalerweise eine Abweichung eines Soll- von einem Istzustand voraus. Wenn aber die Suggestion der Fernsehsendung genau den Inhalt hat, den Ist-Zustand zu suggerieren, wo ist dann das Moment der Differenz zwischen Soll und Ist?

  36. @Ano Nym

    Ungerecht finde ich, wenn (anfangs oder noch immer) naturwissenschaftlich interessierte Jungen und Mädchen unterschiedlich ermutigt bzw. entmutigt werden. Wieweit das tatsächlich der Fall ist, darüber kann man sicher diskutieren. Und Absicht dürfte es in den meisten Fällen nicht sein – wenn, dann eher Gedankenlosigkeit.

    Und der Soll- und Ist-Zustand, wenn Sie es denn so aufschlüsseln wollen, bezieht sich exakt auf dieses Ent- bzw. Ermutigen. Mein Eindruck ist, Jungen werden in der jetzigen Situation mehr ermutigt, Mädchen mehr entmutigt. Wenn dem so ist, fände ich das in der Tat ungerecht.

    Wobei man, wie gesagt, über Umfang, tatsächliches Vorliegen etc. ja noch im Einzelnen reden kann.

    • Verschlimmbesserung I

      Hier hat sich aber etwas verändert
      – Die Kommentare sind defekt. (z.B. meiner vom 6. Oktober 2013 20:01)
      – nahezu unlesbare Capchas
      – unnötige Datenübermittlung an google in den captchas.

  37. @Markus: Frage

    “Mein Eindruck ist, Jungen werden in der jetzigen Situation mehr ermutigt, Mädchen mehr entmutigt. Wenn dem so ist, fände ich das in der Tat ungerecht.”

    Würdest du sagen, daß die Sache mit den fehlenden Moderatorinnen ein Beispiel für den irgendwo anders herrührenden Eindruck ist oder stützt sich dein Eindruck auf die Tatsache der fehlenden Moderatorinnen?

  38. Hilft nur mehr zu glotzen. Es gibt zahlreiche Wissenschaftlerinnen in fiktiven Serien. Allen voran wohl die Kriminaltechnikerinnen bei CSI, die wohl starke Rollenvorbilder für Frauen auch was den Berufswunsch betrifft sind.

    Da ist offensichtlich die Phantasie weiter als die “Realität”.

  39. Den Ausgangsartikel im Telegraph ist leider schon etwas tendenziös. Es stimmt zwar, dass vor allem Brian Cox im Moment im britischen Fernsehen omnipresent ist, aber besonders die BBC ist da schon einen Schritt weiter. Zu den populärsten Moderatoren gehören gestandene Wissenschafterlinnen, wie z.B. die Anatomin Professor Alice Roberts (“Origins of Us”, “The Incredible Human Journey”), Meeresbiologin Tooni Mahto (“Oceans”) oder die Physikerin Helen Czerski (“Orbit: Earth’s Extraodinary Journey”, “Horizon”). Zudem sind in der, in Sue Nelson’s Artikel genannten, Sendung “The Infinite Monkey Cage” die Gäste des Panel eigentlich immer zur mindestens zur Hälfte Frauen.

    Die zugrunde liegende Aussage wird damit nicht falsch, denn auch die BBC ist weit davon entfernt Wissenschaft nicht als vorwiegende Männerdomäne darzustellen. Da geht mehr.
    Es finde es aber etwas unlauter, und vor allem den genannten Wissenschaftlerinnen gegenüber unfair, deren Leistungen einfach mal so zu übergehen, um den Eindruck zu erwecken, im Fernsehen gäbe es keine Wissenschaftlerinnen. Damit tut Sue Nelson nämlich genau das, was sie dem Fernsehen vorwirft: Sie macht die wissenschaftliche Arbeit von Frauen unsichtbar.

    In der deutschen Fernsehlandschaft ist das Bild in der Tat deutlich düsterer. Das liegt allerdings auch daran, dass Wissenschaftssendungen im deutschen Fernsehen rar gesät sind, und meistens noch nicht einmal gut. Die wenigen guten Formate, wie die von Harald Lesch oder Ranga Yogeshwar lässt man lieber unverändert, den Veränderung fürchtet vor allem das öffentlich-rechtliche Fernsehen wie der Teufel das Weihwasser.

  40. Verschlimmbesserung II

    – Ich bekomme keine Rückmeldung, ob mein Kommentar angenommen oder verworfen wurde.
    – Mein Kommentar ist auch nicht sofort sichtbar

  41. Um nochmal zur Ausgangsfrage zu kommen:
    Es gibt noch die Sendung “Nano”. Dort moderieren abwechselnd Kristina zur Mühlen, Ingolf Baur, Stefan Schulze-Hausmann und Yve Fehring.Kristina zur Mühlen ist Diplom Physikerin. Es gibt also mindestens eine weitere Wissenschaftssendung mit weiblicher Moderation. Allerdings auch wieder in Form einer Physikerin.

    Weiterhin gibt es da noch Terra-X in dutzend verschiedenen Formaten. Das wird dann normalerweise von Dirk Steffens moderiert. Er kommt von der Tierfilmerei und ist kein Physiker.

    Ansonsten fallen mir aber auch keine weiteren Beispiele für Frauen oder Nichtphysikern in naturwissenschaftlichen Sendungen ein.

  42. Ja, auf “nano” wolle ich auch hinweisen, aber der Herr Preuß war schneller.

    Schade nur, dass der Hinweis wegen der vielen anderen Kommentaren untergehen wird.

  43. Meine Vermutung ist, dass es angesichts der Fernsehgewohnheiten der 10- bis 20-Jährigen für die zukünftige Berufswahl überhaupt keine Rolle spielt, wer Wissenschaftssendungen moderiert.

    Ich finde, wie wohl auch @K. Ommentar, dass allenfalls Fernsehserien und auch Filme einen gewissen Einfluss auf die Berufswahl haben könnten.

  44. Außerdem gibt es auf arte m.W. 5x die Woche “Xenius” und “360° Die Geo-Reportage”. Dazu kommt mit “Yourope” ein eher politologisch/soziologisches Magazin, wenn ich das richtig aus den EPG-Informationen schließe. Bei der heutigen Xenius-Sendung sind als Moderatoren für heute Dörthe Eickelberg und Pierre Girard angekündigt.

    Zwar habe ich da schon häufiger reingeschaut – einen Überblick habe ich dennoch nicht. Z.B. schaue ich oft nano und hätte jetzt aus dem Kopf nicht sagen können, ob da auch eine Frau moderiert – an einen Mann konnte ich mich erinnern.

    Eine Frage ist dann noch, was man eigentlich unter Wissenschaftssendungen versteht. Zählen Politologie und Soziologie dazu, Philosophie und Theologie, Literatur- und Kulturwissenschaften dazu?

    Übrigens ist mir aufgefallen, dass 9 von 10 Kochsendungen männliche Köche zeigen. Das erklärt wahrscheinlich, wieso so viele Jungs Hausfrau werden wollen, und wieso so wenig Mädchen.

  45. Eben noch auf SWR entdeckt: “Planet Wissen” – womöglich wird das von einem Dritten zum Nächsten durchgereicht. Moderation Birgit Klaus und Dennis Wilms.

    (Leider kann ich die Satzbaukatastrophen des vorigen Beitrags nicht korrigieren).

    • “Planet Wissen” (werktäglich eine ganze Stunde) hat zwei Moderatorenteams, jeweils aus einem Mann und einer Frau. Soweit mir bekannt, alles Journalisten und keine Wissenschaftler.
      Bei Medizinsendungen, die man mit etwas gutem Willen auch noch unter Wissenschaft einsortieren kann, sind Frauen übrigens gut vertreten, gefühlsmäßig stellen sie dort die Mehrheit.

  46. Mal etwas klarer formuliert:
    Die Staats- und sogenannten Qualitätsmedien sind heutzutage nicht mehr dafür verantwortlich bestimmte Meta-Nachrichten, und die Zusammenstellung der hier gemeinten Moderatoren ist (bestenfalls) eine Meta-Nachricht, auszusenden, wenn der verantwortliche Konsument doch heutzutage im Web ganz bevorzugt eigenverantwortlich filtert oder selektiert.

    Insofern scheint das Bild, das eine womöglich ungünstige Meta-Nachricht anmängelt, tradiert.

    Aber auch sonst scheint das Bild, das anscheinend eine bestimmte Repräsentation der Bevölkerung in der Wissenschaftsmoderatorenschaft wünscht, ein wenig zweifelhaft. Oder benötigt es wirklich derartig sublimer Nachricht?, um eine geschlechtliche oder anders gelagerte Gleichverteilung am Wissenschaftsinteresse herbeizuführen?

    MFG
    Dr. W

    • * nicht mehr dafür da

      MFG
      Dr. W (der die Umstellung, trotz teilweise unglaublich schwer zu lösender CAPTCHAs goutiert)

  47. “Es geht doch nur darum, welche Nachricht man Mädchen (implizit) sendet, wenn die Wissenschaftssendungen vorwiegend männlich besetzt sind.”
    Das Wissenschaft interessant ist?
    Welche Nachricht senden wir aus, wenn wir im Fernsehen zeigen, dass X ist?

    Irgendwie wäre es schön, wenn über Wissenschaft und Wissenschaftssendungen rational diskutiert würde. Oder wäre das die falsche Botschaft an “die Mädchen”?

  48. Als ich mich damals für die nachbesetzung von Peter Lustig’s Löwenzahn interessierte (ich bin immerhin promovierte Biologin) wurde ich direkt bei der Bewerbung schon abgewiesen. In der Stellenausschreibung stand ganz eindeutig: männlich, mindestens 30 …. etc. Damit war das dann auch erledigt. Ich habe schon mit Mark Benecke und Martin Ruetter (der Hundefluesterer) vor der Kamera gestanden, aber nur als Kurze Nebenrolle und das war es dann auch schon. Leider werden Frauen als Wissenschaftsmoderatorinnen noch nicht von Chefredakteuren Ernstgenommen. (Ich bekam aber ein Angebot bei Stefan Raab im Dirndl Bier zu zapfen). Statt dessen habe ich mich weiter der Krebsforschung gewidmet und forsche an einem renommierten Forschungsinstitut in den USA. An qualifizierten Frauen, die nicht Kamerascheu sind, fehlt es nicht. Es sind die Alten Strukturen des Systems die ausradiert werden müssen.

  49. interessant! Stimme ich zu. Auch meiner Erfahrung nach gibt es wenig Frauen mit wissenschtlichem Hintergrund die auch in der Kommunikation tätig sind…
    Können uns gerne mal austauschen!
    LG Uli

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