Wissenschaftskommunikation kam immer schon (auch) direkt aus der Wissenschaft!

Wissenschaftskommunikation: Das sind Wissenschaftsjournalismus, PR und noch mehr. Letzteres ist mir als Wissenschaftler, der seit Jahrzehnten aktiv über Wissenschaft kommuniziert und sich fast ebenso lange ärgert, wenn Wissenschaftskommunikation auf Journalismus und PR reduziert wird, sehr wichtig. Diese falsche Reduzierung findet man leider immer noch recht häufig (siehe auf diesem Blog u.a. Wissenschaftskommunikation jenseits von PR und Journalismus). Umso mehr freut mich dieser Beitrag von Mike Schäfer auf wissenschaftskommunikation.de, der den Begriff gewollt inklusiv definiert und alle Arten von Wissenschaftskommunikation unter dem Dachbegriff vereinigt. Gut so!

Weiter zum nächsten Vorurteil?

Leider scheint in dem betreffenden Beitrag aber das nächste Vorurteil durch. Dass nämlich Wissenschaftler, die sich direkt an die Öffentlichkeit wenden, etwas ganz Neues wären. Dass dieser direkte Kommunikationsmodus ein Aspekt der Digitalisierung seien, verwandt mit dem Aufstieg von Blogs, sozialen Medien & Co. Jedenfalls sehe ich nicht, wie ich die Aussage Schäfers “angesichts der aktuellen Expansion und des Wandels von Wissenschaftskommunikation und der Inflation einschlägiger Begrifflichkeiten schein[e ihm] die Diskussion eines solchen Vorschlags”, nämlich des erweiterten Wissenschaftskommunikationsbegriffs, vonnöten, anders deuten sollte.

So als ob vor der digitalen Direktkommunikation Wissenschaftskommunikation in der Tat im wesentlichen Journalismus oder PR gewesen sein.

Wie ich zur Wissenschaft kam

Wissenschaftskommunikation aus erster Hand: Sachbuch "Eine kurze Geschichte der Zeit"

Eines der einflussreichsten Sachbücher zur Physik

Klar habe ich als Jugendlicher auch Wissenschaftsbeiträge in Zeitungen oder Zeitschriften gelesen, die von Journalisten geschrieben wurden. Aber viele der für mich spannendsten Beiträge gab es in Spektrum der Wissenschaft, und dort war damals (und heute zumindest zum Teil noch) das Grundprinzip, dass dort Wissenschaftler über ihre eigenen Forschungsthemen schrieben. Forschung aus erster Hand.

Weiterer wesentlicher Weg, wie ich mir Informationen aneignete, waren Sachbücher. George Greensteins “Der gefrorene Stern” brachte mir Neutronensterne und Schwarze Löcher näher. “Die Welt der kleinsten Teilchen” von Oskar Höfling und Pedro Waloschek war mein erster tieferer Kontakt mit der Elementarteilchenphysik. Und ein Buch, das mich irritierte, weil es sich eben (ich muss in der 8. oder 9. Klasse gewesen sein) nicht so einfach weglesen ließ. Letztlich habe ich für dieses Buch erstmals exzerpiert und für mich selbst zusammengeschrieben, was ich wichtig fand – anders konnte ich es nicht zu meiner Zufriedenheit verstehen. Joseph Johann von Littrows “Die Wunder des Himmels” in der völligen Neuausgabe von Karl Stumpff war mein Astronomie-Hintergrundbuch.

Und, klar, Stephen Hawkings “Eine kurze Geschichte der Zeit” habe ich natürlich auch verschlungen. In vielen Fällen kamen die Bücher übrigens aus der öffentlichen Bücherhalle. (Später kam dann der Übergang zu den Fachbüchern, u.a. Feynmans Vorlesungen über Physik – hach ja!)

Dann war da noch der aufregende direkte Kontakt mit Wissenschaftlern (damals soweit ich erinnere in der Tat nur männlichen Vertretern der Zunft). Insbesondere im Planetarium Hamburg, das regelmäßig (war es jeweils freitags?) Abendvorträge von Wissenschaftlern anbot, organisiert vom Leiter, Dr. Erich Übelacker, der einige der Vorträge auch selbst hielt. Später auch beim Teilchenforschungszentrum DESY das, damals ein Geheimtipp, eine vor allem für die eigenen wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen Mitarbeiter gedachte allgemeinverständliche deutschsprachige Vortragsserie hatte.

Wissenschaftskommunikation kam immer schon auch aus der Wissenschaft

Ich war und bin kein Einzelfall. Das höre ich von Kollegen, das liest man ja auch in einer Reihe von Wissenschaftlerbiographien (z.B. Albert Einstein, inspiriert unter anderem von Bernsteins “Naturwissenschaftlichen Volksbüchern”). Faszination für Wissenschaft entsteht oft in dieser Form von Kontakt – sei es bei Vorträgen oder über von Wissenschaftlern verfasste Texte.

Das ist schon sehr lange so – von den öffentlichen Vorträgen der Royal Institution seit dem späten 18. Jahrhundert, in der Urania in Berlin seit 1888, in Wien seit 1897, in Planetarien seit der Eröffnung in Jena 1926 zieht sich die Tradition bis in die Gegenwart. Die Tradition allgemeinverständlicher Wissenschaftsbücher geht mindestens bis zu Fontenelles “Entretiens sur la pluralité des mondes” von 1686 zurück. Weiter, wenn man diejenigen Bücher hinzunimmt, die zwar auch, aber nicht nur für die akademische Welt gedacht und durch Abfassung in einer Landessprache (insbesondere: nicht auf Latein) allgemeiner zugänglich waren. Das gilt z.B. für Giordano Brunos “De l’infinito, universo e mondi” aus dem Jahre 1584.

Aber auch später haben es immer wieder Wissenschaftler als Teil ihrer Arbeit gesehen, allgemeiner als für die eigenen Fachkollegen zu schreiben: Einsteins “Über die spezielle und allgemeine Relativitätstheorie (gemeinverständlich)”, Heisenbergs “Der Teil und das Ganze”, Watson und Crick mit “Die Doppelhelix”, der schon erwähnte Stephen Hawking, mein ehemaliger Chef Brian Greene über die Stringtheorie, Oliver Sacks über Neurologie, Kip Thorne über Schwarze Löcher, Stephen J. Gould zu Paläontologie und Evolutionsbiologie – viele direkte Einblicke in die Wissenschaft.

Einflussreich? Einflussreich.

Die erfolgreichsten dieser Sachbücher haben sich millionenfach verkauft. Hawkings kurze Geschichte der Zeit mehr als 10 Millionen Exemplare (hier) mit Übersetzungen in mehr als 35 Sprachen (hier) ist da natürlich nicht zu toppen. Aber selbst bei den ungleich mehr Büchern, die sich weniger gut verkaufen, darf man nicht nur die Reichweite im Blick haben – es kommt auch auf die Tiefe an. Ein Buch zum Thema erfordert vertiefte Auseinandersetzung und dürfte damit bei den Lesern einflussreicher sein als ein Zeitungsartikel – selbst wenn letzterer insgesamt mehr Menschen erreicht.

Und ja, gerade bei denjenigen, die später selbst in der Wissenschaft landen, hat der direkte Kontakt mit Wissenschaftlern – etwa die Möglichkeit, nach einem Vortrag selbst Fragen zu stellen – nicht selten tiefgreifende Folgen. Auch das ist eine Form von Einfluss, auch wenn man mit einem Vortrag natürlich noch einmal sehr viel weniger Menschen direkt erreicht.

Letztlich ergibt sich eine Pyramide aus Tiefe und Reichweite: Artikel in Massenmedien mit großer Reichweite, die aber eher an der Oberfläche bleiben, weiter oben Artikel in Spektrum der Wissenschaft, Sachbücher, Vorträge mit geringerer Reichweite aber deutlich vertiefter Wirkung. Wichtig für die Wissenschaftskommunikation sind alle Bestandteile der Pyramide.

Wissenschaftskommunikation als Dachbegriff

Insofern: Ja, es ist wichtig, Wissenschaftskommunikation als Dachbegriff zu sehen. Artikel in Zeitungen gehören ebenso dazu wie Sachbücher, Wissenschaftssendungen ebenso wie öffentliche Vortragsreihe oder die Arbeit der Planetarien ebenso wie die Pressemitteilungen der PR-Mitarbeiter in Universitäten oder außeruniversitären Instituten.

Das war aber schon immer so – zumindest solange, wie man überhaupt von Wissenschaftskommunikation reden kann. Dass Wissenschaftler selbst kommunizieren, in Büchern und Vorträgen, ist so alt wie die Wissenschaft selbst, und hat für die Wissenschaftskommunikation immer schon eine wichtige Rolle gespielt. Das digitale Zeitalter hat sicherlich neue Möglichkeiten dieser direkten Kommunikation geschaffen. Aber die direkte Kommunikation ist alles andere neues Phänomen. Das ist wichtig zu wissen, wenn man verstehen will, wie Wissenschaftskommunikation funktioniert und wie sie zu dem geworden ist, was sie heute ist.

 

Markus Pössel hatte bereits während des Physikstudiums an der Universität Hamburg gemerkt: Die Herausforderung, physikalische Themen so aufzuarbeiten und darzustellen, dass sie auch für Nichtphysiker verständlich werden, war für ihn mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Forschungsarbeit. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam blieb er dem Institut als "Outreach scientist" erhalten, war während des Einsteinjahres 2005 an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt und schuf das Webportal Einstein Online. Ende 2007 wechselte er für ein Jahr zum World Science Festival in New York. Seit Anfang 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie leitet, ein Zentrum für astronomische Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Pössel bloggt, ist Autor/Koautor mehrerer Bücher, und schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.

22 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Niemand kann besser Wissenschaft kommunizieren als der Wissenschaftler, in heutiger Zeit, auch sog. soziale Medien meinend, gelingt dies oft auch, die Abnehmerschaft betreffend, ‘direkt’ (das Fachwort).
    Hier – ‘seit Jahrzehnten’ – musste Dr. W ein wenig schmunzeln.
    Denn es wird zwar gut, aber nicht so-o alt ausgesehen.
    MFG
    Dr. Webbaer

    • Das würde ich nicht so pauschal sagen. Die Außenperspektive, die Wissenschaftsjournalisten zu ihren Themen bringen, hat einen beträchlichen Wert. Und dass “direkt” eben nicht nur ein Phänomen “heutiger Zeit” ist, sondern eine lange Vorgeschichte hat, war die Kernaussage meines Beitrags.

      Das für den Plural erforderliche Minimum von zwei Jahrzehnten lässt sich sogar (wenngleich offenbar bei der Digitalisierung verstümmelt) verlinken: klein-Markus erklärt im August 1996 im Hamburger Abendblatt die Gezeiten. Das Abendblatt hatte jeden Samstag (?) eine Reihe “Wo kommen die Löcher im Käse her?”, in der Leserfragen beantwortet wurden.

      • Howdy, Herr Dr. Pössel,

        ‘klein-Markus’ bedeutet Groß-Markus, vielen Dank für Ihre Arbeit, letztlich ist es schon so, dass diejenigen, die “Hardcore” arbeiten, am besten kommunizieren könnten.

        Wobei die Kommunikation eben nicht die Aufgabe der Forschenden ist.

        MFG
        Dr. Webbaer

    • Aber warum hält sich dann die Legende? Zitat aus dem ersten WÖM-Bericht: “[Die Wissenschaftskommunikation] hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. […] Des Weiteren hat sich auch die Wissenschaft selbst der Gesellschaft gegenüber geöffnet und den Wert einer verständlichen Kommunikation ihrer Ergebnisse entdeckt. Mit zum Teil großem Enthusiasmus und ebensolchem Engagement wenden sich heute einzelne Forscher oder ganze Institutionen gezielt auch an Laien – in ‘Science Slams’, bei Wissenschaftsfestivals, Kinderunivorlesungen oder zahlreichen Kooperationsprojekten mit Schulen.” Und das Wort “Sachbuch” kommt im ganzen Bericht nicht vor. Woher kommen solche Scheuklappen?

        • Es liegt möglicherweise nur daran, dass jede Generation glaubt, sie trete als erste in die Weltgeschichte ein und aus den Dark Ages heraus.
          Früher sagte man, wir sind Zwerge auf den Schultern von Riesen, heute wird jede Minientdeckung als wissenschaftliche Top-Sensation verkauft.
          Es fehlt vielleicht an historischem Bewusstsein.

  2. Es gibt heute sehr viel mehr wissenschaftlich ausgebildete Menschen und wissenschaftlich tätige Menschen als vor einigen Jahrzehnten. Es gibt heute sehr viel mehr technische und andere, alltäglich benutzte Produkte, die von Wissenschaftlern ausgedacht und konstruiert wurden. Früher hat man in der Zeitung selber ausgewählt und gelesen, wofür man sich interessiert hat, heute wird man in den Medien mit Wissenschaft überschwemmt, sei es in Nachrichten oder Dokumentarberichten. Wissenschaft ist häufig Gegenstand in Krimis und Spielfilmen, Wissenschaftler werden ermordet, sind Ziel von Spionage und werden Täter.

    Des weiteren steht Wissenschaft in Konkurrenz zu Religion und Esoterik und ist Gegenstand politischer Weltanschauungen, z.B. Energieversorgung, Umweltschutz, Klimawandel, Medizin mit Genetik, Transplantationen und künstliche Befruchtung. Immer wieder werden Wissenschafler dazu befragt, müssen Stellung nehmen in Interviews oder Magazinen, liefern Beiträge in Publikationen.

    Infolge dessen ist Wissenschaft heute ständiges Thema in der Öffentlichkeit, als Wissenschaftskommunikation also in verschiedensten Formen. Manche Menschen sind damit überfordert und entwickeln daraus Vorbehalte oder gar eine Abneigung gegen “die Wissenschaft”.

  3. Anton Reutlinger,
    der Umgang mit wissenschaftlichen Entdeckungen grenzt schon an Unredlichkeit.
    Wie soll eine Laie unterscheiden können, was gesicherte Messergebnisse sind, was Bestandteil einer bestehenden Theorie ist, oder was nur spekultive Sensationsmache ist.
    Ich erinnere an die “Entdeckung” des Higgs-Teilchens. Das ging als gesicherte Erkenntnis durch die Presse. Jeder schrieb von jedem ab.
    Dann kam eine Radiosendung des SWR, wo ein beteiligter Wissenschaftler dazu Stellung nahm. Der relativierte diese Entdeckung als indirekten Beweis, dass das Higgs-Teilchen existieren könnte, auf Grund eines Messergebnisses.
    Andere Wissenschaftler konstruierten geich ein Modell, wie das Higgsfeld mit den Elementarteilchen wechselwirken könnten.
    So einen hype kann man natürlich auch positiv werten. Langfristig schadet diese Art der berichterstattung der Glaubwürdigkeit der Wissenschaft.
    Wenn mal wirklich etwas Bedeutendes entdeckt werden sollte, das nicht so werbewirksam vermarktet werden kann, dann werden dazu keine Forschungsmittel mehr zur verfügung gestellt, weil mittlerweile alle so abgehärtet sind.
    Siehe Stephen Hawking Effekt. Gibt es Schwarze Löcher, gibt es sie nicht?
    Solche Art von Physik rückt die exacte Wissenschaft in die Nähe der Spekulation.

  4. Bote17,
    auch wenn ich Ihrer Grundthese, dass Wissenschaft nicht ganz selten verzerrt kommuniziert wird zustimme (was ist gesichert? was derzeit nur schwach untermauerte Außenseiterthese?), erscheinen mir die von Ihnen gewählten Beispiele nicht gut gewählt. Die Existenz Schwarzer Löcher ist – im Gegensatz zur Hawking-Strahlung – sehr gut gesichert. Das Higgs-Feld wurde bereits in den 1960er Jahren als Modell formuliert, es war aber bis vor kurzem außerhalb experimentellen Zugangs. Ich stimme insofern zu, dass das 2012 entdeckte Teilchen noch nicht mit letzter Sicherheit als Higgs identifiziert werden konnte, die Existenz eines (von seiner Masse und seinen Zerfallsmechanismen her zum Higgs passenden) neuen Bosons an sich ist jedoch sicher mit Konfidenz 5,9 Sigma. Es wurde ja sogar daraufhin ein Nobelpreis für die Higgs-Theorie verliehen (50 Jahre lang wurde die Existenz des Higgs vorhergesagt und auch als notwendig angesehen und jetzt wurde tatsächlich ein prinzipiell passendes neues Teilchen gefunden) was eine recht sichere Erkenntnislage impliziert.
    “Der relativierte diese Entdeckung als indirekten Beweis, dass das Higgs-Teilchen existieren könnte, auf Grund eines Messergebnisses.” – Es stimmt, dass das neue Teilchen noch nicht sicher als Higgs-Teilchen identifiziert werden kann, wobei vieles dafür spricht. Allerdings ist jegliche (!) naturwissenschaftliche Erkenntnis Resultat “eines Messergebnisses [oder mehrerer]”, daher finde ich die spezielle Kritik wie im zitierten Satz geäußert wirklich nicht überzeugend.

  5. Wizzy,
    ich lasse mich gern belehren. Und die Wissenschaft lebt ja schließlich vom Fortschritt, muss also optimistisch sein.
    Schwarze Löcher sind das Ergebnis einer zu Ende gedachten Theorie.
    Ich halte eine physikalische Singulartät für unmöglich.
    Das Schwarze Loch als Arbeitsbegriff ist nützlich. Wie es tatsächlich strukturiert ist, darüber wissen wir nichts.
    Ich finde es nur lustig, dass über Dinge, die im praktischen Leben keine Rolle spielen, diskutiert wird, z.B. auch die Schwarze Materie, über Forschungsergebnisse, die die Menschen betreffen könnten, jedoch nicht viel.
    Die Frauenhofergesellschaft könnte doch auch mal in die Offensive gehen und zeigen, woran gerade geforscht wird.

  6. Bote17,
    meine Hochachtung – ich lasse mich zugegeben nicht immer gerne belehren (manchmal gern, aber nicht immer), jedenfalls bewundere ich die Fähigkeit zur konstruktiven Annahme von ja insgesamt oft sehr partieller Kritik!

    Ja gut, wahrscheinlich sind wir nahe beieinander. Die Singularität hatte ich nicht gemeint, die existiert vielleicht tatsächlich, oder auch nicht. Aber ein Schwarzes Loch als Begriff macht auch schon Sinn für allein die Eigenschaften, die wir von diesen Objekten wissen: Extrem hohe Dichte, Masse 3,8 bis hin zu ~3*10^10 Sonnenmassen, keine detektierbare Eigenstrahlung – ein Hinweis auf den Ereignishorizont, aber Synchotron-Strahlung bzw. sehr hohe Geschwindigkeiten bei Doppler-Vermessung umgebender Materie. Ihr Satz “Gibt es Schwarze Löcher, gibt es sie nicht?” sollte meines Erachtens lauten “Gibt es Singularitäten?”, damit würde man ihn völlig anders lesen.
    Zum Fokus der Berichterstattung: Dieser hängt auch von den Konsumenten ab, Journalisten setzen sich vor allem dann durch wenn sie ein Publikum bedienen. Praktisches hat da nicht immer den gleichen Sensationswert. Ich persönlich halte Astrophysik & Kosmologie für etwas das die Menschheit unbedingt und gerne noch viel eingehender erforschen sollte – meine rein subjektive Meinung.

  7. Wizzy,
    meine subjektive Meinung, Astrophysik und Kosmologie sind etwas für Männer.
    Frauen denken etwas praktischer.
    Auf jeden Fall erweitert die Kosmologie unseren Gesichtskreis.
    Nochmal zurück zum Thema. Naturwissenschaft für alle, diese Forderung ist existenziell für eine technikbasierte Kultur.
    Ich beobachte da schlimme Fehlentwicklungen. Bei der Lehrerausbildung z.B. haben sich an einer Hochschule, deren Name ich jetzt nicht nenne, 800 Studenten für Deutsch, 600 für Mathematik, 6 für Physik und 4 für Chemie eingeschrieben. Ohne Kommentar.
    Der Lehrplan für die Naturwissenschaften wurde dergestalt abgeändert, dass aus dem Fach Phach Physik Naturbeobachtung wurde. Ein Rückschritt um 200 Jahre.
    Physik wird an der Primarstufe gar nicht mehr unterrichtet, weil die Lehrkräfte fehlen. Stattdessen gibt es einen Fächerverbund PH/CH/Bio. Raten Sie mal worauf das hinausläuft. Bio mit Schwerpunkt Ökologie.
    Was hat das mit unserem Thema zu tun? Nun ein kritischer Journalismus sollte hier Alarm schlagen.

    • “Astrophysik und Kosmologie sind etwas für Männer”? In welchem Jahrhundert leben wir denn da? Das ist eine in doppelter Hinsicht unqualifizierte Meinung. Die Astronominnen und Astrophysikerinnen in meinem Bekanntenkreis stehen ihren männlichen Kollegen jedenfalls in nichts nach. Die mit so einer Bemerkung vom Tisch wischen zu wollen finde ich unsäglich.

  8. Markus Pössel,
    wie gesagt, ich lasse mich gerne belehren. Und die Frauen in ihrem Bekanntenkreis wollte ich schon gar nicht vom Tisch wischen. In meinem Weltbild ist halt noch strikte Geschlechtertrennung. Wie der Dr. Webbaer bin ich auch schon Opa, der aber gern dazulernt.

    • Bote17, danke für Ihre Beiträge! Den Zahlenunterschied bei den Lehramtsstudenten und Ihre Kritik bezüglich mancher Änderungen des Physikunterrichts kann ich gut nachvollziehen, in der Tendenz gibt es da auch aus meiner Sicht Mängel. Auch wenn wir inhaltlich an nicht wenigen Stellen auseinanderliegen (ich stimme Herrn Pössels Kritik ebenfalls zu), so finde ich es bereichernd Ihre Sichtweisen zum Thema hier zu lesen. Grüße, Wizzy

  9. Markus Pössel,
    ….in welchem Jahrhundert leben wir denn,…
    Ich meine da einen Stolz auf das bisher Erreichte herauszuhören.
    Dafür besteht aber kein Anlass. Wenn Sie Ihre weiblichen Mitarbeiterinnen in Schutz nehmen, ist das lobenswert. Aber was haben wir denn erreicht. Die Frauen haben Ihre Gleichberechtigung schwarz auf weiß im Grundgesetz. Das ist schon alles. Im Alltag werden sie ausgenützt, schlecht bezahlt, und wenn der Mann sie verläßt und keinen Unterhalt bezahlt müssen sie sich selbst kümmern. Mütter mit Kinder können keine Rentenbeiträge entrichten, haben kaum Aufstiegschancen. Mütter mit vielen Kindern finden keine bezahlbare Wohnung, weil viele Kinder bereits als assozial angesehen wird. Ist das das Neue Jahrhundert, das Sie hier propagieren?
    Früher war die Sozialfürsorge für Familien besser. Es gab bezahlbaren Wohnraum, Mutter und Hausfrau sein, war gesellschaftlich angesehen.
    Die demoskopische Entwicklung mit einer Geburtenrate von 1,2 wird Ihren Fortschrittsglauben beenden.
    Also nicht so herablassend auf die früheren Generationen herabblicken.

    • Dass Sie mir zum einen fantasiereich Dinge unterstellen, die ich nie gesagt habe, und auf dieser luftigen Grundlage dann noch einen mahnenden Zeigefinger erheben, finde ich ziemlich dreist!

      Mir ging es schlicht darum: Die Realität in meinem Arbeitsumfeld und in anderen Bereichen der Wissenschaft, die ich (auf Tagungen, im Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen) kennengelernt habe ist so, dass die Aussage “Astrophysik und Kosmologie sind etwas für Männer” schlicht falsch ist. Und wenn man sich Menschen wie Henrietta Leavitt, Vera Rubin, Wendy Freedman, Sandra Faber, Andrea Ghez und ihre vielen Kollegen betrachtet, ist sie seit Jahrzehnten falsch und in dieser Pauschalität aller Wahrscheinlichkeit nie richtig.

      Insofern: Lenken Sie jetzt bitte nicht ab, indem sie das Thema erweitern. Mir ging es um diese spezifische Aussage von Ihnen. Die ist falsch, und ich denke, dass so ziemlich jeder diese Aussage direkt als falsch erkennt, der konkrete Erfahrungen in den genannten Fachgebieten hat.

  10. Markus Pössel,
    da bin ich rhetorisch über das Ziel hinausgeschossen. Sie liegen in ihrer Beurteilung richtig.
    Was ich trotzdem bemängele, dass Frauen in der Wissenschaft nicht die Resonanz finden, die sie verdienen.
    Z.B. Emmy Noether, Lise Meitner.
    Auch bei den blogautoren sind die Frauen in der Minderzahl. Dabei ist es viel reizvoller mit Frauen zu diskutieren.
    Tipp: ermuntern Sie einmal eine Ihrer Kolleginnen .

  11. Hi Markus,
    nochmal zu Deiner Frage “Aber warum hält sich dann die Legende? ” vom 4. März. Es kommt auf den beobachteten Zeitabschnitt an. Wenn man sich nur die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts und das frühe 21. Jahrhundert anschaut, dann erscheint es vielleicht halbwegs “neu”, dass sich auch Forschende zunehmend selbst in direkter externer Wissenschaftskommunikation üben. Aber wenn man die Entwicklung der modernen Wissenschaft insgesamt betrachtet und auch in frühere Jahrhunderte blickt – bevor sich die Massenmedien “Presse, Funk und Fernsehen” herausbildeten – dann stimmt das eben nicht.

    • Hm. Ist das denn so? Erste Frage wäre, wie die damaligen Karrieren zu bewerten sind, die aus der Forschung in die Medien führen. Haber und von Ditfurth kommen ja recht direkt aus der Wissenschaft, ohne journalistische Ausbildung, und sehen/präsentieren sich auch weiter als Wissenschaftler (“Professor Haber”). Andere öffentlich prägende Gestalten sind weiterhin wissenschaftlich aktiv: Grzimek bleibt Zoodirektor, während er das Gesicht der Tier-Fernsehsendungen in Deutschland wird. Carl Sagen mit Cosmos ist 1980. Bei den Sachbüchern (mit thematischem Bias): Jim Watson 1968, Stephen J. Gould mit Essays 1974-2001 und den entsprechenden Sammelbänden, E.O. Wilsons Pulitzer 1979 und 1991, Stephen Hawking 1988, Kip Thorne 1993, Brian Greene 2003, Lisa Randall 2005. Sprich: Wer systematisch populärwissenschaftlich liest, kam auch in der von dir genannten Zeit nicht an der externen Wissenschaftskommunikation direkt aus der Forschung vorbei. Und dass Spektrum der Wissenschaft in der entsprechenden Periode auch aktiv war und Wissenschaftler direkt zu Wort kommen ließ, muss ich dir nicht erzählen…

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