Wissenschaftsblogs als Mehrwert für die Mainstream-Medien?

BLOG: RELATIV EINFACH

… aber nicht einfacher
RELATIV EINFACH

Vor ein paar Tagen hat sich Sabine Hossenfelder auf Backreaction in “The eternal tug of war between science journalists and scientists. A graphical story” mit der Abhängigkeit des Gesamt-Informationsflusses eines Zeitungs- oder anderen an das allgemeine Publikum gerichteten Artikeln vom Niveau beschäftigt. Aufhänger war, dass die Einschätzung von Journalisten und Wissenschaftlern an dieser Stelle nicht selten auseinandergeht (im Stereotyp-konformen Fall: Wissenschaftler will weniger Vereinfachung bzw. aus seiner Sicht Verfälschung; Journalist will es für die Leser einfacher haben).

Die von Hossenfelder vorgeschlagene Lösung, jeden Artikel gleich in drei verschiedenen Versionen zugänglich zu machen (leicht, mittel, fortgeschritten) dürfte sich in den Mainstream-Medien wahrscheinlich vom Aufwand her nicht durchsetzen. Und ihr Vorschlag, für die fortgeschrittene Version könne dann ja einfach der Wissenschaftler selbst die Zusatzinformationen liefern, die der Journalist nicht in seinen Text aufnehmen wollte/konnte, dürfte den Wissenschaftsjournalisten die Haare zu Berge stehen lassen, die sich ja in vielen Fällen gerade nicht primär als Vereinfacher-und-Erklärer sehen, sondern in einer wichtigen (auswählenden, bewertenden) Zwischenrolle. (Siehe hier auf diesem Blog z.B. Journalisten, Wissenschaftler und das leidige Gegenlesen samt Kommentaren.)

Aber es liegt nahe, dass Blogs genau diesen Mehrwert liefern können. Wenn ich in der Online-Version einer Zeitung einen Wissenschaftsbeitrag interessant finde, dann komme ich nicht selten (aber bei weitem nicht immer) direkt über kurzes Googlen zu einem Blogbeitrag, der näher darauf eingeht. Andererseits hat Hossenfelder recht, wenn sie in einem Kommentar zu ihrem Beitrag anmerkt, dass der größte Teil der Leserschaft des Zeitungs-/Zeitschriftenartikels gar nicht auf den Blogbeitrag stoßen werden, und dass nicht jeder, dessen Forschung in die Medien kommt, auch ein Blog schreibt.

Nun würden die Blogs als weiterführendes, vertiefendes Medium natürlich auch funktionieren, wenn da nicht der betroffene Forscher selbst schreibt, sondern ein Kollege, ein Wissenschaftler aus verwandtem Gebiet, ein spezialisierter Wissenschaftsjournalist oder irgendein anderer qualifizierter Kommentator. Und für die Vielzahl Leser des Zeitschriftenartikels wäre die Vertiefung wahrscheinlich sowieso zuviel des Guten – viele werden sich bereits mit dem ursprünglichen Artikel ausreichend informiert fühlen.

Richtig ist aber zweifellos, dass es selbst denjenigen Lesern eines Online-Wissenschaftsartikels, die ein weiterführender Blogbeitrag interessieren würde, nicht leicht gemacht wird, einen passenden, guten Blogeintrag zu finden. (Dass diese Findbarkeit ebenso im Interesse des Bloggers ist wie des Lesers, ist klar; insofern schreibe ich die nachfolgenden Zeilen durchaus auch im Eigeninteresse als Blogger.) Aber warum eigentlich? Zumindest aus Sicht dieser Leser wäre es schließlich ein beachtlicher Mehrwert, direkt vom Artikel aus Links auf potenziell interessante Blogbeiträge präsentiert zu bekommen.

Eine Schlüsselfrage dürfte sein, wieweit solche Links auf Blogs von den Zeitungen/Zeitschriften als geschäftsfördernd oder -schädigend gesehen werden. Finanziert sich eine Webseite zumindest zum Teil durch Anzeigeneinnahmen, dann besteht gehöriges geschäftliche Interesse daran, Leser möglichst lange auf den eigenen Webseiten zu halten. Das Ergebnis kennen wahrscheinlich alle Leser der Online-Mainstreammedienportale: Viele Links auf eigene weitere Artikel, aber auffallend wenige Links nach außen. Selbst Links auf Fachartikel, über die berichtet wird, waren bis vor kurzem eher selten, so mein Eindruck – wenigstens das scheint sich gebessert zu haben.

Andererseits stellen solche Links auf vertiefende Inhalte, insbesondere, wenn sie sorgfältig ausgewählt sind, eben den erwähnten Mehrwert für Leser dar. Nach meinen eigenen Lesegewohnheiten kann ich sagen: Wenn ich merken würde, dass sich unter zeit.de, faz.net, spiegel.de, nzz.ch & Co. eine der Webseiten besonders dadurch auszeichnet, dass sie mir interessante und gut ausgewählte weiterführende Links liefert, dann würde das mein Besuchsverhalten durchaus beeinflussen.

Dass diese Sorte von Mehrwert zieht, zeigen Webseiten, die sich genau auf solch eine Vermittlerfunktion spezialisieren – vom Perlentaucher für den Kulturbereich bis hinunter zu Klatsch und Tratsch bei BuzzFeed. Für die Wissenschaftsnachrichten wird diese Nische derzeit vor allem durch eifrige Twitterer besetzt – oder übersehe ich da etwas? (Wenn ja -> bitte Kommentar!)

Die Frage für die Online-Geschäftsplaner ist damit, was schwerer wiegt: Dass die Leser von meinen Seiten per Link auf andere Seiten abwandern (und damit evt. weniger meiner Anzeigen sehen)? Oder dass der Mehrwert mehr Leser motiviert, meine Webseiten zu nutzen (und dann, klar, darauf meine Anzeigen zu sehen)? Mein Eindruck ist, dass derzeit noch die digitale Wagenburgmentalität überwiegt. Ich hoffe, dass sich das ändert.

Für die Blogs würde das natürlich auch eine Verschiebung bedeuten. Die Auffassung von Blogs als “individuelle, interaktive und zielgerichtete Online-Zeitschriften für jedermann” richtet das Augenmerk auf das Blog als kleinste relevante Einheit, nicht auf den einzelnen Blogartikel. In dieser Perspektive ist das Branding des Blogs, das Heranziehen eines eigenen regelmäßigen Leserpublikums das Wichtigste, und damit bekommt auch eine hinreichend hohe Frequenz der Beiträge (nur nicht bei den Lesern in Vergessenheit geraten!) ein höheres Gewicht.

In einer Welt, in der Online-Medien routinemäßig ihre eigenen Wissenschafts-Perlentaucher haben, die nach besonders guten Inhalten zum Verlinken suchen, würde sich das Gewicht hin zu einzelnen Blogartikeln verschieben. Und dass ein guter Blogbeitrag, von den Mainstream-Medien aus verlinkt, in solch einer Welt mehr Leser generieren kann als die Kurzbeiträge im Mehrmals-am-Tag-Macrotwitter-Typ von Blog, dürfte auf die Blogszene insgesamt auch eine positive Wirkung haben.

Insofern bin ich gespannt, wie sich das Wechselspiel zwischen Mainstreammedien und Blogs in den kommenden Jahren verändern wird. Eigene Blogs auf den eigenen Webseiten, z.B. bei der FAZ, gibt es ja nun schon eine Weile. Die Süddeutsche verlinkt im Rahmen einer Medienpartnerschaft, deren Einzelheiten ich allerdings nicht kenne, in der rechten Spalte des Online-Wissensteils unter anderem auf die neuesten SciLogs-Beiträge. Aber das ist halt wieder der Fokus auf dem (gebrandeten – eigenen oder fremden) Blog, nicht auf der Ressource “Gesamtheit der Blogartikel”.

Dass sowohl bei den Online-Sparten der Verlage als auch bei den Blogbetreibern die Köpfe rauchen, wie man mit Online-Inhalten Geld verdienen kann (Rainer Korbmann spricht das hier auf “Die Karten werden neu gemischt” nebenbei an), ist der Bereitschaft, neuartige, mehrwertsteigernde Angebote auszuprobieren, ja vielleicht durchaus zuträglich. Ich hoffe jedenfalls einigermaßen optimistisch auf die Blogbeitrag-Wissenschafts-Perlentaucher im Online-Wissenschaftsteil der Mainstream-Medien.

 

Markus Pössel hatte bereits während des Physikstudiums an der Universität Hamburg gemerkt: Die Herausforderung, physikalische Themen so aufzuarbeiten und darzustellen, dass sie auch für Nichtphysiker verständlich werden, war für ihn mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Forschungsarbeit. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam blieb er dem Institut als "Outreach scientist" erhalten, war während des Einsteinjahres 2005 an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt und schuf das Webportal Einstein Online. Ende 2007 wechselte er für ein Jahr zum World Science Festival in New York. Seit Anfang 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie leitet, ein Zentrum für astronomische Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Pössel bloggt, ist Autor/Koautor mehrerer Bücher, und schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.

9 Kommentare

  1. Aus Lesersicht wären Artikel mit Links, die zu weiterführenden Beiträgen führen, sehr wertvoll, leserfreundlich also. Wenn heute ein Artikel über ein Thema mein Interesse weckt, dann durchsuche ich das Internet nach weiterführenden Informationen. Doch derjenige der den Artikel schreibt, weiss oft sehr genau um die wirklich interessanten wieterführenden Beiträge. Doch verlinkt werden die bis jetzt nur selten. Vielleicht weil der Autor um seinen Wissensvorsprung fürchtet (o Schreck, der Leser weiss am Schluss mehr als ich) oder weil er gar weiss, dass einer der Links zu einem viel besser geschriebenen Artikel führt, als den, den er gerade online gesetzt hat.

    • Ich denke, die meisten Wissenschaftsjournalisten hätten da keine Scheu, und würde vermuten, die Linkarmut ist in den Medien, wo sie besonders deutlich ist, schlicht offizielle Vorgabe. Aber ich lasse mich, was letzteres angeht, gerne eines besseren belehren.

  2. Eine komplementäre Koexistenz von Blogs and Mainstream-Medien? Ja sicher, wenn sich die Blogger einhegen lassen.

    Die FAZ gilt derzeit als erfolgreichstes Maintstream-Medium im Internet – habe ich vor ein paar Tagen gelesen. Bei ihr kann man sehen wie es geht. Blogs werden in Eigenregie geführt, Links sind in Kommentaren generell nicht zugelassen, und auch auf der sogenannten Profilseite gibt es keine Möglichkeit einen Link auf die eigene Homepage/Blog zu platzieren. Dabei gehört so etwas heute durchaus zum Profil einer Person.

    Ich vermute dass die Leser hier in erster Linie ihr Abonnement verwalten sollen. Wenn sie schon ‘mal da sind, dürfen sie noch den Online-Content so bereichern, dass möglichst niemand auf Abwege kommt.

    Die Diskussion um den “Geist des Internet” überlasse ich den anerkannten und selbsternannten Experten. Aber das wesentlichste Element des WWW, das schon in seinem Namen “Web” (dt. Netz) enthalten ist, derartig zu unterdrücken ist meiner Meinung nach eine Zumutung und schränkt die freie Meinungsäußerung ein.

    • Das kann ich bestätigen. Der Trend geht eindeutig in die Richtung, die Kommentarfunktion einzuschränken und Kommentare weniger sichtbar zu machen, indem beispielsweise zuerst ein Feld angeklickt werden muss um die Kommentare sichtbar zu machen (sogar in der New York Times). Das gilt leider sogar für universitäre Blogs. Der ETH-Klimablog erlaubte anfänglich Links in den Kommentaren und weitere HTML-Gestaltungselemente. Also alles was hier auf scilogs möglich ist. Dann wurde eine Zeichenbegrenzung auf 2000 Zeichen eingeführt. Schliesslich wurde der Blog durch den Future-Blog ersetzt, der nur noch 1500 Zeichen und keine Links mehr erlaubt. Es ist also nicht nur so, dass Online-Rubriken anderes, fremdes Material begrenzen und ausschliessen wollen, sondern auch die Kommentatoren sollen einen weniger guten Auftritt bekommen.
      Persönlich erlebe ich das als eine Art kleine Rückkehr zur Zeit des Leserbriefschreibens. Es würde mich gar nicht wundern wenn bald einmal auf den meisten Blogs und Online-Artikeln nur noch moderierte und als genehm empfundene Kommentare veröffentlicht werden.

    • Das ist bei der FAZ jetzt so, aber ich traue denen ja durchaus Lernfähigkeit zu. Qualitätskontrolle kann man ja nicht nur erreichen, wenn man ein Blog selbst betreibt (und, vermute ich, in den Redaktionsbetrieb mit einbindet), sondern auch, wenn man eine qualitativ gute Auswahl an Blogbeiträgen trifft, auf die man verlinkt.

  3. Manchmal überlege ich, was Wissenschaftler sagen würden, wenn Journalisten und Verlagsmanager darüber diskutieren, dass Physiker doch endlich einmal lernen sollten, Energie zu produzieren, oder die Schwerkraft abzuschaffen, oder aber die antiquierten Keplerschen Gesetze zu reformieren. So ähnlich kommt es mir vor, wenn Physiker versuchen, komplexe und sensible Probleme der Publizistik, wie Zielgruppenansprache, Marketing oder Profilierung, mit Integralgleichungen zu lösen, wie es Sabine Hossenfelder tut.
    Natürlich wäre es schön, wenn ich als Blogger mich darauf beschränken könnte, möglichst intelligente Posts zu schreiben und die anderen, vor allem die eingeführten Medien sorgen dann mit ihren Links dafür, dass die auch gelesen werden. Aber so funktionieren die Medien nicht. Man kann einen Blog als persönliches Tagebuch schreiben, dann ist man hoch zufrieden, wenn nur die engsten Freunde Gedanken und Erlebnisse zur Kenntnis nehmen. Oder man begreift Blogs als Medium, will Menschen erreichen, die man nicht persönlich kennt. Dann muss man dafür sorgen, dass diese Menschen diesen Blog kennenlernen, also Marketing betreiben, sei es durch Plattformen wie „Perlentaucher“ oder etablierte Medien. Das muss man aber selbst tun. Abwarten, dass andere die eigenen tollen Gedanken in der Flut der Blogposts und Meinungen im Internet finden und weiterempfehlen – möglichst noch durch Recherchen mit hohem Aufwand – bringt nichts.
    Ähnlich ist es mit moderierten Kommentaren in Blogs. Denn im Grunde will ein Kommentator doch nichts anderes, als seine Meinung den Lesern eines bestimmten Blogs mitzuteilen. Diese Leser aber hat der Blogbetreiber durch das von ihm geschaffene Niveau, durch Zielgruppenansprache, Marketing und Profilierung oft im Laufe von Jahren für sich gewonnen. Die wird er nicht vergrätzen durch Beiträge, die nach seiner Ansicht zu diesen Lesern nicht passen. Das ist allein seine Verantwortung.
    Wem das nicht passt, der hat im Internet die Freiheit, selbst einen Blog aufzumachen, der die gleichen Leser erreicht (wenn er das schafft). Das ist übrigens das Neue im Internet: Früher erforderte das eigene Medium große finanzielle Investitionen und Risiken – heute hat jeder diese Freiheit zum Nulltarif.

    • Gut, von der Bloggerseite aus ist Abwarten natürlich nicht sehr nützlich.

      Aber das die klassischen Medien so nicht funktionieren, kann ich nicht nachvollziehen. Verweise auf andere Inhalte, etwa Rezensionen oder einfach Listen (“Die Redaktion empfiehlt”) von Büchern, Schallplatten/CDs sind ja nun schon lange eine Möglichkeit (unter anderen), Mehrwert für die Leser zu erzeugen. Um so eine Mittlerfunktion, bei der das Wissen der Redakteure einfließt (=großer Vorteil im Vergleich zu automatisierter Suche wie bei Google!), geht es doch auch hier.

      Und die “Recherchen mit hohem Aufwand” sind in dem Szenario, das ich beschreibe, auch nicht gegeben. Es sei denn, ich irre mich, und die heutigen Journalisten meiden Google, wenn sie für einen Artikel recherchieren. Wenn nicht, dann dürften sie ganz automatisch im Zuge der Recherche auf interessante (und sicher auch weniger interessante) Blogbeiträge stoßen. Verlinkung wäre da eine Zweitverwendung ohne großen Zusatzaufwand.

      Wie oben geschrieben: Wenn die Zeitungen entscheiden, dass das (aus welchen Gründen) nicht in ihr Geschäftsmodell passt, dann wird es sicher nicht umgesetzt. Aber eigentlich bin ich ganz optimistisch.

    • Reiner Korbmann schrieb (24. Februar 2014 11:15):
      > […] komplexe und sensible Probleme der Publizistik […]
      > Denn im Grunde will ein Kommentator doch nichts anderes, als seine Meinung den Lesern eines bestimmten Blogs mitzuteilen.

      Die betreffende “Meinung” (oder, eventuell weniger abwertend: die betreffende “Argumentation”) bezieht sich aber in der Regel auf bestimmte, idealer Weise sogar zitierte Äußerungen im Blog-Beitrag und/oder in dazu schon eingegangenen und veröffentlichten Kommentaren.

      D.h. die betreffende “Meinung/Argumentation” ist in der Regel als “on topic” und erkennbar gemeint. Und sie bezieht sich damit oft auf Äußerungen eines bestimmten Autors, ist also insbesondere zu dessen Kenntnisnahme gedacht; allerdings durchaus als (ebenfalls) öffentliche Reaktion im Sinne eines offenen Briefes.

      > Diese Leser aber hat der Blogbetreiber durch das von ihm geschaffene Niveau, durch Zielgruppenansprache, Marketing und Profilierung oft im Laufe von Jahren für sich gewonnen.

      Richtig; wobei aber zu bedenken ist, dass man unter Umständen gerade auch das lesen mag, was (aus verschieden Gründen) zum Kommentieren einlädt, u.a. weil es Widerspruch herausfordert und (zumindest für’s Erste) Gegenargumentation besonders leicht macht.

      > Die wird er nicht vergrätzen durch Beiträge, die nach seiner Ansicht zu diesen Lesern nicht passen.

      Ab hier wird’s eben problematisch, wenn man sich als (sich jedenfalls zivil verhaltender) Kommentator einen gewissen Anspruch darauf einbildet, zu einer gegebenen öffentlichen Äußerung, die einen vergrätzt hat (eventuell sogar schon mehrfach), eine einigermaßen effektive öffentliche Gegendarstellung setzen zu dürfen (eventuell sogar mehrfach).

      > Wem das nicht passt, der hat im Internet die Freiheit, selbst einen Blog aufzumachen […]

      Im Prinzip ja; aber:
      wo sind denn Blogs wie z.B. “http://relativ-einfach.wordpress.com”, oder (meiner bescheidenen Meinung nach eher noch dringlicher) z.B. der Blog “http://quantenwelt.wordpress.com”,
      denen man einigermaßen öffentlich erkennbar, zeitnah und direkt z.B. “http://farewell-to-g_mu_nu-x~mu~nu.wordpress.com” entgegensetzen könnte, ohne irgendwelche (diverse, eventuell gar nicht nachvollziehbare) “Ansichten” bauchmiezeln zu müssen?

  4. Ohne dieser Diskussion ihre Aktualität absprechen zu wollen, kommt sie mir doch sehr bekannt vor. Schon als ich um die Jahrtausendwende meine eigene Homepage aufbaute und mich ein bisschen über deren Vermarktung schlau machte, gab es die Diskussion über Verlinkungen: Soll man auf fremde, themenrelevante Seiten überhaupt verlinken oder liebe nur auf die eigenen? Soll man tiefe Verlinkungen vornehmen (also auf die einzelne Seite, auf den einzelnen Blogbeitrag) oder lieber nur auf Hauptseiten? Soll man wertvolle Verlinkungen überhaupt verschenken oder nur in einer Partnerschaft oder gegen Geld verlinken?
    Und auch damals gab es schon die Stimmen, die rieten aus Sicht der Konsumenten zu denken. Zu fragen, was den Lesenden einen Mehrwert gibt. Nicht mit dem Hintergedanken, sie mit allen Tricks möglichst lange auf den eigenen Seiten zu halten. Denn langfristig, sie die Ansicht dieser Stimmen, ist eine Seite um so erfolgreicher je zufrieden ihre Besucher/innen sind.
    Aber ich weiß, es ist ja hier ganz anders, weil die Online-Auftritte von etablierten Zeitungen ja gar keine Websites sind und wir sie nicht nach denselben Standards messen dürfen, wie ordinäre Blogseiten.

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