Wissenschafts-Spielzeug. Zielgruppe: Jungen

Lego Technic. Geschlecht: Jungen

Screenshot des Lego Technik-Baukastens 8043 von der Amazon.de-Webseite vom 5. Mai 2017. Prominent gleich als erster Hinweis: “Geschlecht: Jungen”

Lego Technik auf Amazon. Ganz oben, noch vor dem Warnhinweis: “Geschlecht: Jungen”. Oder das Beispiel, auf das sich Blogger-Kollegin Ute Gerhardt gerade vorhin auf Twitter bezog:

“LEGO® Education Naturwissenschaft und Technik” heißt der Kasten. In den Artikelinformationen dann wieder “Zielgruppe: Jungen”.

Zielgruppe: Jungen

Ich verstehe es nicht.

Ich versuche gerade, mir jemanden vorzustellen, dem diese Information wirklich hilft. Also jemanden, der das Kind, das er beschenken möchte, so wenig kennt, dass die Entscheidung alleine nach dem Kriterium “Junge oder Mädchen” fallen muss. Derjenige oder diejenige bekommt mit dem Hinweis auf Geschlecht oder Zielgruppe doch nun wirklich nur minimale Informationen – wenn überhaupt, denn mit einiger Wahrscheinlichkeit wird die betreffende Person bei Bagger ja leider in vielen Fällen vermutlich ganz von alleine, ohne Amazon-Hilfestellung, Bagger eher mit Jungen als mit Mädchen assoziiert haben. Und wer aus “Zielgruppe: Jungen” freudig Kauf-Konsequenzen zieht, kann trotzdem noch auf die Nase fallen, weil der betreffende Junge beispielsweise zwar absolut fasziniert von Booten ist, aber Bagger doof findet.

Im wesentlichen nutzt diese Angabe, soweit ich sehen kann, niemandem. Grob geschätzt ist sie jedenfalls einige Tausend Mal weniger nützlich als ein markant angebrachtes: “Pro-Tip: Wenn Sie das Kind nicht kennen, einfach mal die Elten anrufen!” Solche Panik-Anrufe aus weitgehender Kindes-Unkenntnis gehören bei uns zum Standardrepertoire, sobald eine Einladung zum Kindergeburtstag eintrudelt.

Hat die Angabe irgendeine Werbewirkung? Das kommt ja zum Teil als Argument, wenn man sich über rosa Verpackungen aufregt, oder über “Lego Friends” oder Playmobil für Mädchen: Die entsprechenden Firmen wollen, sollen ja verkaufen, was sie herstellen, und dabei hilft nun einmal stereotyp mädchengerichtetes Design. Ich will auf das Argument jetzt gar nicht näher eingehen, sehe aber nicht, wie es auf die Beispiele zutrifft, um die es mir hier geht. Geschlechts- oder Zielgruppenhinweise sind ja etwas recht nüchternes – steckt da wirklich das Kalkül einer Marketingabteilung dahinter, die herausgefunden hat: wenn wir diese Hinweise geben, verkaufen wir mehr? Ich glaube es nicht, weiß zugegebenermaßen aber nichts genaueres.

Und, ach ja: Den Jungen, der sich das Bild mit dem Bagger ansieht und seufzt “Sieht ja toll aus, würde ich mir auch zum Geburtstag wünschen, aber da steht nicht ‘Zielgruppe: Jungen’ also leider nein…” kann ich mir auch nicht vorstellen.

Zielgruppe: nicht Mädchen

Die einzigen Folgen dieser Angabe in der Praxis, die ich mir plausibel vorstellen kann, sind negativ. Die Angabe “Zielgruppe: Jungen” dürfte ja von vielen Menschen nicht aufgefasst werden als “Statistischer Hinweis: In unserer heutigen Gesellschaft würden sich 60% der Jungen, aber nur 15% der Mädchen über dieses Spielzeug freuen” oder als “Historische Randbemerkung: Der Designer, der dieses Spielzeug entworfen hat, hat dabei vor allem an Jungen gedacht.”

Aber wenn ich zum Teil die negativen Erfahrungen von Frauen höre, die heute erfolgreich in Wissenschaft und/oder Technik aktiv sind, dann berichten zumindest einige davon von Elternaussagen wie: “Nein, das kaufe ich nicht für dich, das ist nichts für Mädchen!”

Sicher ist das in den konkreten Fällen einige Jahrzehnte her; das sind ja, wie gesagt, Kolleginnen, und damit aus dem Kindesalter entwachsen. Aber wenn es solche Elternaussagen heute noch gibt, und ich befürchte die gibt es, dann werden sie durch diese Art von Angabe verstärkt: “Nein, das kaufe ich nicht für dich, das ist nichts für Mädchen, steht ja auch drauf!”

Und dann sind da noch die Kinder selbst, die bis zu einem gewissen Alter ja auch erstmal das Selbstbewusstsein entwickeln müssen. Und vorher anfällig gebenüber Hinweisen sind, die ihnen sagen: nee, das hier ist nichts für dich.

Anders gesagt: Mein Eindruck ist, das solche Hinweise nicht anders funktionieren denn als Vorurteilsverstärker. Und damit schneiden sich die Firmen ins eigene Fleisch. In deren Interesse müsste es doch eigentlich liegen, diejenigen Mädchen für sich und ihre Produkte zu gewinnen, die sich für Technik begeistern und sich, einmal bei der Anschaffung erfolgreich, dann auch für zukünftige Geburtstage und Weihnachtsfeste entsprechendes Spielzeug wünschen.

Mein Verdacht

Ich glaube, dass da gar keine böse Absicht dahintersteckt, sondern dass diese Angelegenheit irgendwie durchgerutscht ist. Dass Amazon irgendwann beschlossen hat, einen Zielgruppenhinweis aufzunehmen. Dass irgendjemand auf der Suche nach Dingen, die man da hineinschreiben kann, auf die Kategorien Jungen und Mädchen kam. Dass es weniger um Beratung ging sondern eher um Amazons Hunger nach Daten und das Bedürfnis, die eigenen Transaktionen auszuwerten: Wieviele Produkte der Kategorie X werden bei uns gekauft? Wieviele mit “Zielgruppe: Jungen”, wieviele mit “Zielgruppe: Mädchen”? So viele Produkte wie bei Amazon verfügbar sind muss man ja irgendwie ordnen – da dürfte alles, was man sich auch nur halbwegs sinnvoll an Metadaten ausdenken kann, willkommen gewesen sein. Ohne vielfältige Metadaten kein “Big data”, wo am Anfang ja oft das Anlegen und Auswerten jeglicher verfügbarer Information steht, um am Ende geeignete Trends herauszulesen.

Umgekehrt dürfte es viele Menschen geben, die diese Zielgruppen-Junge-Mädchen-Geschichte zwar ärgert, aber nicht so stark ärgert, dass sie viel Energie investieren würden, um dagegen etwas zu tun. Das kann ich voll und ganz verstehen. Um Energie und Zeit zu investieren gibt es sicher viele lohnendere Angelegenheiten. Bei mir reichte es zwar zum Verfassen eines Blogbeitrags, aber ich werde jetzt nicht mit einem Schild vor der Amazon-Zentrale demonstrieren gehen. (Ginge das überhaupt? Amazon scheint ja eher ein “Suchen Sie uns nicht auf, wir suchen Sie auf”-Unternehmen zu sein.)

Aber vielleicht erreichen wir ja durch Zufall mit Tweets oder Blogbeiträgen jemanden bei Amazon, der oder die sich dann auch über diesen sinnlosen Aspekt der Amazon-Werbung ärgert – und in einer Position ist, wo es nicht viel mehr als einer E-Mail bedarf, um dem Spuk ein Ende zu bereiten. Das wäre doch mal etwas. Insofern: Bitte beim nächsten Zielgruppen-Ärgern einfach mal tweeten oder bloggen oder ähnliches. Zielgruppe: Vernünftige Amazon-Angestellte in gehobener Position. Ob männlich oder weiblich ist mir dabei egal.


Hinweis

Obligatorisch-präventiver (I wish!) Kolophon: Nein, ich glaube natürlich nicht dass das hier der vordringlichste Teilaspekt des Themas Gleichberechtigung in Wissenschaft und Technik ist. Ja, “Zielgruppe: Mädchen”-Angaben finde ich genau so doof, habe ich speziell bei dem Thema, das mich in diesem Blog vor allem interessiert (allgemein Wissenschaft und Technik) aber bislang noch nicht gesehen. Nein, geschlechtergerechte Sprache ist noch einmal ein anderes Thema (zu dem ich übrigens keine abschließende Meinung habe). Das gleiche gilt für viele andere Themen die, ähm, eben andere Themen sind. Soweit klar? Und ja, ich finde die betreffenden Spielzeuge auch sehr teuer, und finde es ungerecht, dass es viele Kinder gibt, die dazu rein aufgrund der Einkommensverhältnisse ihrer Eltern keinen Zugang haben, während es andererseits Kinder gibt, deren Zimmer von Spielzeug so überquellen, dass es schon in Stress ausarten würde, würden sie jedem dieser Spielzeuge genügend Spielzeit widmen. Insofern bin ich auch gerade im Bereich Technik sehr dafür, Kinder früh an so schöne und vergleichswerte preiswerte Dinge wie Arduinos heranzuführen.

Markus Pössel hatte bereits während des Physikstudiums an der Universität Hamburg gemerkt: Die Herausforderung, physikalische Themen so aufzuarbeiten und darzustellen, dass sie auch für Nichtphysiker verständlich werden, war für ihn mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Forschungsarbeit. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam blieb er dem Institut als "Outreach scientist" erhalten, war während des Einsteinjahres 2005 an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt und schuf das Webportal Einstein Online. Ende 2007 wechselte er für ein Jahr zum World Science Festival in New York. Seit Anfang 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie leitet, ein Zentrum für astronomische Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Pössel bloggt, ist Autor/Koautor mehrerer Bücher, und schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.

27 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Eine kleine Ergänzung vielleicht, denn die Frage wird sicher kommen: Es ist nicht der Verkäufer auf Amazon, der die Beschreibungen erstellt. Das hat eben dieser mir auf Anfrage versichert. Sondern es ist Amazon, welches allerdings anscheinend seinerseits schon diesbezügliche Angaben vom Hersteller erhält. Es wäre interessant zu wissen, ob Amazon diese einfach nach Gutdünken ändern dürfte.

    So oder so leuchtet mir aber auch grundsätzlich nicht ein, warum man die Zielgruppe gerade bei Spielzeug nicht einfach offen lassen kann.

    • Ich hatte mich auch gefragt, was es bei Amazon ganz allgemein mit den Zielgruppen auf sich hat und wie nützlich das ist. Altersangaben gerade bei Kindern kann ich da noch einigermaßen verstehen, aber die sind ja noch gesondert von der Zielgruppe angegeben. Oder geht es um Tags – zeige mir alle Produkte für die Zielgruppe X? Oder helfen die Tags dem Algorithmus, der (mit zum Teil abenteuerlichen Ergebnissen) behauptet “Dies hier könnte sie auch interessieren”?

      • Viele Hersteller haben schon way before Amazon Even existed Altersangaben & Geschlechtsorientierung auf Spiele geschrieben. Und die scheinen das erstaunlich hirnlos zu übernehmen. (Man könnte ja ohne Junge / Mädchen viel mehr Vorschläge machen, aber weiß, was die sich schon von Leuten anhören mussten, weil ihrem Enkel rosa-glitzernde Pferdchen angeboten wurden. 🤔)

        • Geschlechtsorientierung wirklich geschrieben, oder nur die lachenden Jungen bzw. Mädchen auf das Verpackungsbild gedruckt? Explizite Geschlechtsempfehlungen erinnere ich da irgendwie nicht.

          • Mit der Bebilderung legt man ja viel mehr fest, als wenn man es einfach draufgeschrieben hätte. Was sich verändert, wenn aus den Bildern ohne großes Nachdenken eine Datensatz-Indizierung wird, das ist eine interessante Frage. Mal sehen, wie lange Amazon das noch durchzieht.

      • @ Herr Dr. Markus Pössel :

        Ich hatte mich auch gefragt, was es bei Amazon ganz allgemein mit den Zielgruppen auf sich hat und wie nützlich das ist.

        Es geht bei der Produktwerbung genau darum Zielgruppen, mögliche Käufergruppen möglichst punktgenau zu adressieren.
        Der Grund hierfür besteht darin, dass das Aufnahmevermögen der potentiellen Kunden für Werbung begrenzt ist.

        Google wie Amazon u.a. versuchen insofern bestmöglich Teilnehmer im Web zu erkennen, bilden für diese Zwecke auch pers. Profile, haben am liebsten Klarnamen, sog. Real Life Names, gerne auch mit pers. Angaben, Geschlecht und Alter meinend, aber auch alles mögliches andere, um hier reinzustoßen.
        Sogar die womöglich angestrebte Abschaffung von Bargeld spielt hier hinein.

        Google bietet bspw. bestimmte Dienste, wie E-Mail-Dienste an, ausschließlich darum, um Sie auszuforschen und um Identitäten zu bilden, die wirtschaftlich genutzt werden können.
        Facebook und alle sog. Sozialen Netzwerke leben wirtschaftlich schlicht von dieser Idee.

        Wenn Sie meinen, dass die ausschließliche Kennzeichnung “Geschlecht : Jungen” nicht geht, wird dies wirtschaftlich berücksichtigt werden, womöglich erhalten einige dann den Stempel “politisch korrekt” und werden anders beworben, jeweils aber “nachschnüffelnd”, dann spezielle (und vielleicht auch : neu entwickelte) Z-Gruppen meinend.

        MFG
        Dr. Webbaer

        • OK, da hätte ich genauer schreiben sollen: Ich frage mich, was es bei Amazon mit der expliziten Angabe der Zielgruppeninformation im öffentlichen Bereich auf sich hat. Dass die intern mit Zielgruppen rechnen und alles auswerten ist klar. Nur hier scheint es kontraproduktiv. Da muss man auch gar nicht den Kampfbegriff “politically correct” daraufkleben, sondern ich habe ja direkt im Text geschrieben, was die möglichen negativen Folgen sind.

        • Als erfahrene Marketingtante kann ich Ihnen versichern, dass es aus werberischer Sicht sehr Dumm ist, mit dieser irrelevanten Information einen nicht unbeträchtlichen Teil der potenziellen Käuferschaft (nämlich alle Mädchen, die Bagger mögen) auszuschliessen.
          Ich wiederhole: Es ist dumm und aus wirtschaftlicher Sicht sogar saublöd, einen Teil der potenziellen Kundschaft über die Werbung explizit auszuschliessen.
          (Hint: Baggerinteressierte Jungen wissen auch so, dass sie sich für Bagger interessieren, wenn man nicht darauf schreibt: das ist für Jungen)

          • Als erfahrene Marketingtante kann ich Ihnen versichern, dass es aus werberischer Sicht sehr Dumm ist, mit dieser irrelevanten Information einen nicht unbeträchtlichen Teil der potenziellen Käuferschaft (nämlich alle Mädchen, die Bagger mögen) auszuschliessen.

            Mag so bei bestimmter Mitarbeitersicht, den Vertrieb und weitergehend das Marketing meinend, so ausschauen, bleibt aber unklar.

            Kategorisierungen, das Fachwort, auch Z-Gruppen meinend, sind das (interne) Maß des Vertriebs.
            Selbstverständlich sollte so niemandem vor den Kopf gestoßen werden, ansonsten muss es aber schon, bspw. bei Amazon, Dr. W hat dort “welche sitzen”, möglich sein gezielt zu bewerben.

            An der nach außen kommunizierten Form mangelte es, fürwahr.
            Wird hier nachgebessert, wird alles, auch in puncto Z-Gruppen-Bildung seinen Lauf nehmen, wie wirtschaftlich sozusagen vorgesehen, auch Jungs und Mädels (und insbes. die Eltern) meinend, dann anders formuliert.

            MFG + schönes Wochenende noch,
            Dr. Webbaer

  2. Spielzeug & spielen ist das klassische Feld, in denen Kinder Geschlecht lernen und wie sie das selbst gesellschaftskonform zu performen haben. Seit ewig und drei Tagen. Die kurze Zeit in den 70ern und 80ern, in der versucht wurde, davon abzurücken, waren eher eine Ausnahme. Ich bin immer wieder erstaunt, wie sklavisch sich Erwachsene heute wieder an diese Zuordnungen halten, die man so von Amazon bis in das Spielwarengeschäft vor Ort findet und die auch ne Menge Hersteller so durchexerzieren. Leider auch Lego, deren Kataloge und Lego Club Heftchen eher trübsinnige Vorstellungen von dem vorführen, was Mädchen- und Jungstypisch sei. Und das es überhaupt sowas gibt. Als fielen Jungs, denn vor allem die sind es ja, die vor der Gefahr geschützt werden müssen, sich – umgeleitet – mit “Mädchensachen” zu beschäftigen, die primären Geschlechtsorgane ab, wenn sie sich ein Krankenhaus-Set von Lego wünschen. Oder gar die Feenwelt. Aber zum Glück gibt es auch immer mehr Leute, die diese Genderisierungsspielchen dick haben und auf die Pauke schlagen. Da hilft ja jedes bisschen Krawall.

  3. Ich glaube schon, dass es hier um einen ganz wesentlichen Aspekt des Themas Gleichberechtigung geht. Die Wirkung derartiger Etikettierungen lässt sich nämlich in der IT gut belegen: Bis in die 70er Jahre war das eine Frauendomäne. Dann kam der Homecomputer und wurde als Spielzeug für Jungen vermarktet. Heute fährt man MINT-Förderprogramme, in denen Mädchen erzählt wird, dass IT auch was für sie ist. Den gleichen Effekt sehe ich bei derartigen Bauspielzeugen: So lange man suggeriert, Metall wäre nur für Jungs und flauschige Ponpons nur für Mädchen, ist die zu erwartende Folge, dass bei gleicher Begabung junge Männer eher zu den technischen Berufen und junge Frauen eher in Richtung Mode- und Wohndesign tendieren.

  4. Das allererste Lego Technik wurde schon zu meiner Kinderzeit (Jhg 1969, weiblich) geschlechterspezifisch für Jungs beworben – was micht aber nicht gestört hat, es mir zum Geburtstag zu wünschen (und es auch zu bekommen!).
    Ich habe mit meiner Legoeisenbahn genauso gespielt wie mit meinem Puppenhaus, meine Tochter (8) besitzt sowohl Lego Friends als auch “normales” Lego – beides wird zu den abenteuerlichsten Gebilden kombiniert. Die Legoeisenbahn hat sie geerbt, interessiert sich aber nicht dafür, ebenso wenig wie für das Puppenhaus. Alles was rosa glitzert, wird empört abgelehnt.

    Beim Geschenke kaufen orientiere ich mich an dem, was dem Kind gefällt, und eher weniger, was auf der Packung steht. Aber ich denke auch, es darf auch mal rosa und glitzernd sein, wenn es das beschenkte Kind möchte – ob sich ein Mädchen für eine MINT Karriere entscheidet, liegt an mehr als nur an Spielzeug.

    • Bis zur Einschulung läuft das noch so (vor allem bei Kindern von akademisch geschulten, auf dieses Problem sensiblisierten Eltern).
      Leider ändert sich das dann mit der Einschulung und dem Gruppendruck. Mädchen in “Jungenbereichen” sind das eine. Aber wehe, wenn ein Junge sich in die “pinke Zone” begeben möchte!

  5. Es ist eben wegen der erwähnten besseren Einsortierbarkeit wahrscheinlich doch wirtschaftlich sinnvoll, wenn man vom Ansehensverlust absieht. Da das Spielzeug wohl tatsächlich für mehr Jungen als Mädchen gekauft wird, kann man die Verkaufszahlen erhöhen, indem man es bei Suchen für Jungenspielzeuge bevorzugt behandelt.

    • Aber in dem Falle müsste man beides haben können, oder? Interne Indizierung für die Suche, klar, da gebe ich dir recht, aber die muss man ja nicht öffentlich auf die Produktseite schreiben.

    • Wirtschaftlich sinnvoll wenn man geschätzte 20% der potenziellen Käuferschaft von vorneherein ausschliesst? Wenn man es sich leisten kann…
      (Hint: wenn man “Kinder von 8-12” als Zielgruppe angäbe, hätte man fast 100% der potenziellen Käuferschaft “erwischt”. Wäre das wirtschaftlich nicht noch sehr viel sinnvoller als nur 80%?)

  6. Sog. Zielgruppen sind Marketing-Vokabular, Marketing meint die Wirtschaft und deren Erfolg. – Insofern werden Marketing-Abteilungen unterhalten, den Vertrieb meinend, teilweise auch oft mit einem gewissen Schmunzeln, denn diese Kollegen entwickeln, verwalten und kommunizieren Sichten, die in Wirtschaftsunternehmen etwa wie folgt eingeordnet werden :
    A) Die Öffentlichkeitskommunikation adressiert soz. gnadenlos die Kommunikation mit dem Kunden, dem Endkunden sozusagen, insbes. wenn er privater Art ist.
    B) Andere Sichten meinen den eigenen Personalbestand, auch der wird im wirtschaftlichen Sinne auf eine bestimmte Art und Weise adressiert, die ihm Zufriedenheit generieren soll.
    C) Wiederum andere Sichten meinen die Führungsebenen des Personals, das auf andere Art und Weise betreut werden muss, auf Manager-Ebene, als die sozusagen gewöhnliche Mitarbeiterschaft.
    D) Noch andere Sichten meinen die Vorstandsebene und die Stakeholder, die Anteilseigner, die besondere Betreuung erfahren.
    E) Die letzte Sicht sozusagen ist die des CEO, der, falls nicht bestimmender Anteilseigner, der aber auch recht locker ist, manchmal nicht wirklich auf den Datenlagen sitzt, die beschreiben, wie der Markt wirklich ist, sondern sein eigenes Süppchen kocht.

    Insofern ist es faszinierend, dass die hier gemeinte amoralische (vs. unmoralische) Wirtschaft funktioniert und zweifelsfrei Mehrwert schafft.


    Bei besonderem Bedarf wird die oben beschriebene Schicht A sicherlich der sog. Politische Richtigkeit folgend demnächst anders formulieren, bewerben und einlullen.

    Nach außen hin, nicht aber intern, denn es ist klar, dass bestimmte Produkte von bestimmten Zielgruppen (auch Z-Gruppen genannt, noch liebloser womöglich) angefordert werden.
    Sicherlich bleibt Lego-Technic eher etwas für die Jungs.
    (Und, dies nur zum Vergleich angemerkt, Alte werden eher nicht zu bestimmten Produkten greifen, die gutes jugendliches Aussehen betonen sollen.)

    MFG
    Dr. Webbaer

    • Haben Sie den Blogbeitrag gelesen? Ihr Kommentar liest sich irgendwie für mich, als hätten Sie den Titel gelesen und dann gleich selbst zu schreiben begonnen. Denn wie ich da schreibe: diese Sicht sehe ich ja durchaus, und habe auch nichts dagegen. Ich sehe nur nicht, welchen Vorteil diese Kennzeichnung hier marketingtechnisch überhaupt bringt. Aber ich will das hier nicht wiederholen, wie gesagt: steht alles schon im Text.

      • @ Herr Dr. Markus Pössel :

        Wurde alles gelesen.

        Hier :

        Und wer aus „Zielgruppe: Jungen“ freudig Kauf-Konsequenzen zieht, kann trotzdem noch auf die Nase fallen, weil der betreffende Junge beispielsweise zwar absolut fasziniert von Booten ist, aber Bagger doof findet.

        Im wesentlichen nutzt diese Angabe, soweit ich sehen kann, niemandem.
        […]
        Geschlechts- oder Zielgruppenhinweise sind ja etwas recht nüchternes – steckt da wirklich das Kalkül einer Marketingabteilung dahinter, die herausgefunden hat: wenn wir diese Hinweise geben, verkaufen wir mehr? Ich glaube es nicht, weiß zugegebenermaßen aber nichts genaueres.
        […]
        Die einzigen Folgen dieser Angabe in der Praxis, die ich mir plausibel vorstellen kann, sind negativ.
        […]
        Anders gesagt: Mein Eindruck ist, das solche Hinweise nicht anders funktionieren denn als Vorurteilsverstärker. Und damit schneiden sich die Firmen ins eigene Fleisch.
        […]
        Mein Verdacht

        Ich glaube, dass da gar keine böse Absicht dahintersteckt, sondern dass diese Angelegenheit irgendwie durchgerutscht ist.

        Sicherlich blieb das obige Feedback ein wenig im “Meta” gehalten und vor allem auch freundlich, den bedauernswerten WebLog-Eintrag berücksichtigend, der nicht gerade von Phantasie und Verständigkeit strotzt, wie zumindest : einige meinen.

        Hierzu :

        (…) welchen Vorteil diese Kennzeichnung hier marketingtechnisch überhaupt bringt (…)

        …ist versucht worden zu erklären.

        Genau hierzu.
        Das Web mit seinen Möglichkeiten der Entitätenbildung, Individuen meinend, ist genau so mittlerweile angelegt, wie weiter oben beschrieben.

        Sie kommen da nicht raus, auch nicht oder gerade auch nicht, wenn Sie sich in bestimmter Hinsicht empören, das Web sozusagen wird Sie dann nur anders zu bewerben suchen, gar als “politisch korrekt”. – Inhaltseinheiten des Webs, die auf derartige Werbung verzichten ausgenommen, nicht aber sog. Suchmaschinen.


        Opi W setzt hier noch einen drauf : Selbst wenn versucht werden sollte den Möglichkeiten des Webs durch Verschleierung, auch das Kryptologische meinend, bspw. sog. End-To-End-Encryption meinend, weil die Überwachung ganz vermutlich bereits im Gerät sitzt, in der Hardware. – Immerhin kann so die direkte (legale und wirtschaftliche) Bewerbung umgangen werden.

        MFG
        Dr. Webbaer

  7. Ich denke, Bagger für Jungs anzubieten war beabsichtigt und folgendes trifft nicht zu (Zitat):Ich glaube, dass da gar keine böse Absicht dahintersteckt, sondern dass diese Angelegenheit irgendwie durchgerutscht ist.
    Die Überlegung dahinter könnte folgende sein: Es gibt so viele Spielzeuge und so viele Erwachsene, die ratlos sind angesichts dieser Vielzahl, dass man Kaufwillige, die beispielsweise vom zu beschenkenden Kind nur wissen, dass es ein ungestümer Junge ist, die Entscheidung erleichtern will
    Im Beitrag wird dagegen umgekehrt argumentiert:Warum soll man die Zielgruppe unnötig verkleinern, einengen.?
    Diese Überlegung spielt vor allem eine Rolle, wenn etwas bereits eine Fangruppe hat und diese ausweitet werden soll. Beispiel für eine ausweitende Strategieüberlegung: Legospielzeug ist didaktisch so wertvoll, dass Mädchen genauso häufig damit spielen sollten wie Jungen.
    Wenn Bagger als Spielzeug dagegen wenig oder gar weniger als früher Absatz finden (weil etwa Games immer besser laufen) dann muss man die Käufer daran erinnern, warum Bagger überhaupt als Spielzeug firmieren: weil sie den männlichen Gestaltungswillen mit der männlichen Aggression vereinen. Deswegen Jungen als Zielgruppe. Ich behaupte, dass selbst viele Frauen und Feministinnen durchaus mit dieser Sicht des Baggers als Symbol einer Kombination von Gestaltungswillen und Aggression vertraut sind und ihr eigenes Geschlecht eher nicht in diesem Bereich sehen.
    Dazu kommt noch dass der oben abgebildete Bagger mit seinen Raupen an militärisches Gerät erinnert -wiederum etwas was selbst viele Frauen eher dem männlichen Geschlecht zuordnen.

    • Der Bagger als Phallus-Symbol sozusagen.

      Eine derartige Überinterpretation von Kategorisierung, die ein Über-Händler wie Amazon vornimmt, könnte letztlich gemeint und derart angemängelt worden sein, womöglich im “politisch korrekten” Sinne – wobei der hiesige werte Inhaltegeber einzustreuen weiß, dass es so eben nicht gemeint war, er findet etwas eben ‘doof’, will nicht in ‘geschlechtergerechte Sprache’ machen und sieht irgendwie ‘Ungerechtigkeit’, sieht das ‘Thema Gleichberechtigung’ eher nicht berührt.


      Kurzum : ein gänzlich vermurkster Text.

      Es wäre Dr. Webbaer lieber gewesen, wenn erklärtermaßen eine Position im Sinne der feministischen Anthropologie [1] bezogen worden wäre, auf der dann zumindest direkt herumgehackt werden könnte, aus Sicht der Feedback-Geber.

      So kann nur unklar herumgehackt werden, was selbst dem Feedback schadet.

      MFG
      Dr. Webbaer

      [1]
      Die gibt es tatsächlich mittlerweile :
      -> https://en.wikipedia.org/wiki/Feminist_anthropology (ein d-sprachiger Inhalt der bekannten Online-Enzyklopädie steht undankenswerterweise noch nicht bereit)

      • Äh – was? Wo sehe ich das Thema Gleichberechtigung da nicht berührt? Ich habe mich lediglich in diesem Zusammenhang gegen den Kampfbegriff “politisch korrekt” gewehrt, den ich komplett daneben finde – zu den Hintergründen siehe z.B. die Analyse hier in der ZEIT vergangenen Februar.

        Dass Sie anscheinend so sehr auf diesen Begriff fixiert sind, dass Ihnen ohne ohne ihn ein eigentlich doch recht direkt formulierter Text zu Stereotypen und deren negativen Auswirkungen als “unklar” erscheint, lässt allerdings nicht gerade auf eine konstruktive Diskussion solcher Themen hoffen…

        • @ Herr Dr. Pössel :

          Na gut, dann sehen Sie das Thema Gleichberechtigung berührt, Ihren ‘Hinweis’ hat Ihr Kommentatorenfreund so verstanden, dass Sie darauf eher nicht abgehoben haben…

          Hierzu noch :

          Im wesentlichen nutzt diese Angabe, soweit ich sehen kann, niemandem.
          […]
          Geschlechts- oder Zielgruppenhinweise sind ja etwas recht nüchternes – steckt da wirklich das Kalkül einer Marketingabteilung dahinter, die herausgefunden hat: wenn wir diese Hinweise geben, verkaufen wir mehr? Ich glaube es nicht, weiß zugegebenermaßen aber nichts genaueres.
          […]
          Die einzigen Folgen dieser Angabe in der Praxis, die ich mir plausibel vorstellen kann, sind negativ.
          […]
          Anders gesagt: Mein Eindruck ist, das solche Hinweise nicht anders funktionieren denn als Vorurteilsverstärker. Und damit schneiden sich die Firmen ins eigene Fleisch.
          […]
          Ich glaube, dass da gar keine böse Absicht dahintersteckt, sondern dass diese Angelegenheit irgendwie durchgerutscht ist.

          Angaben der Art “für Jungen”, hier von Amazon vorgenommen, sind üblich.
          Derartige Angaben ergeben Nutzen, da hat auch die Marketing-Abteilung ein Auge drauf gehabt, die Praxis dürfte positiv ausfallen, aus Sicht von Amazon und des Partners von Amazon, Vorurteile liegen nicht vor, auch keine dbzgl. Verstärker und dahinter steckt weder böse Absicht, noch ist da etwas durchgerutscht.

          Ihnen schmeckt diese Kategorisierung nur nicht, mehr ist nicht passiert.

          Ansonsten ist es schon so, dass die Angabe “für Jungen” die Eltern von Mädchen, die technikinteressiert sind, und auch derartig interessierte Mädchen nicht vom Produkt abhalten müssen, vielleicht wird es für die heranwachsenden derart interessierten jungen Damen so nur interessanter?

          Wenn Sie noch so freundlich sein könnten zu ideologisieren, warum genau Ihnen diese Angabe nicht geschmeckt hat, also was genau politisch da I.E. nicht OK war?!

          Sie meinen ganz schlicht, dass so den an Technik interessierten Mädchen geschadet wird?
          Ohne besonderen ideologischen Überbau?
          Auch ohne persönlich aufgeregt zu sein?
          Sollten keine geschlechtsspezifischen Empfehlungen ausgesprochen werden?

          MFG
          Dr. Webbaer

    • Und Sie glauben ernsthaft, es gibt Menschen, die (a) solche Stereotype zwar verinnerlicht haben und also dafür empfänglich sind aber (b) in Bezug auf Bagger etc. eine Erinnerung daran benötigen? Wie oben beschrieben: Kann ich mir schwer vorstellen.

      • Menschen unterliegen vielen Einflüssen, nicht nur Stereotypen. Starke Einflüsse sind Trends und Moden – gerade auch bei Spielzeugen. Jemand, der durch das gerade gestern aber vielleicht heute nicht mehr aktuelle verwirrt ist, hält sich dann vielleicht an das vermeintlich Sichere, das Stereotype.

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