Wer redet wie über Wissenschaftskommunikation?

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Markus Pössel

Markus Pössel hatte bereits während des Physikstudiums an der Universität Hamburg gemerkt: Die Herausforderung, physikalische Themen so aufzuarbeiten und darzustellen, dass sie auch für Nichtphysiker verständlich werden, war für ihn mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Forschungsarbeit. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam blieb er dem Institut als "Outreach scientist" erhalten, war während des Einsteinjahres 2005 an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt und schuf das Webportal Einstein Online. Ende 2007 wechselte er für ein Jahr zum World Science Festival in New York. Seit Anfang 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie leitet, ein Zentrum für astronomische Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Pössel bloggt, ist Autor/Koautor mehrerer Bücher, und schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.

21 Kommentare

  1. Wenn man sich über Begriffe und deren Definition unterhalten will – wäre es nützlich zumindest den Begriff ´Kommunikation´ zu betrachten.

    Unter ´Kommunikation´ versteht man eine aktive sprachliche bzw. nichtsprachliche Interaktion zwischen zwei oder mehreren Partnern.

    Werden Informationen ohne die Möglichkeit zum Dialog verbreitet – dann wäre dies der Aufgabenbereich von Pressesprechern oder Predigern.

    • Da die Kommunikationsforschung so ziemlich seit ihrer Entstehung auch Massenmedien erforscht und insofern auch die weitgehend nicht-interaktiven Übermittlungen von Informationen einschließt, sollten wir hier jetzt keine künstlichen Engfassungen diskutieren; das bringt weniger als nichts.

  2. Wie einseitig manche Interpretation von Dir hier ist zeigt sich gut am Beispiel der Leitlinien guter Wiss-PR. Sie als „unklar“ einzuordnen, tut ihnen Gewalt an. Schau mal in den Leitlinien auf den Asterisk! Er sagt eindeutig, dass die Leitlinien sich auf instututionelle Wissenschaftskommunikation beziehen.

    Natürlich ändert sich der Sprachgebrauch. Als PUSH 1999 veröffentlicht wurde, gab es noc nicht im deutschsprachigen Gebrauch dax Wort Wissenschaftskommunikation. Daher kann PUSH es gar nicht „vermeiden“ – es war noch gar nicht vorhanden als Begriff!

    Ich könnte weitere Beispiele hier in der Aufstellung aufführen, die m.E. sehr einseitig interpretiert werden, sei es aus Unkenntnis oder welchen sonstigen Gründen. Aber die wenigen sollten reichen.

    Jedenfalls zeigt mir diese Zusammenstellung, dass sie mit heißer Nadel und nicht letzter tatsächlicher Kompetenz gestrickt worden ist.

    Langfristig wird sich, so meine Vermutung, die allgemeine Definition durchsetzen, aber auch weil manche einflussreichen Akteure politisch daran stricken und sich davon manches versprechen.

    • Aus meiner Sicht keine überzeugenden Beispiele angeblicher Einseitigkeit. Wer “institutionelle Wissenschaftskommunikation” sagt, mit qualifizierendem Adjektiv, schränkt den Begriff explizit ein. Den Begriff mit einem Adjektiv einzuschränken, ist nur dann sinnvoll, wenn es eben auch andere, nicht an die wissenschaftlichen Institutionen gebundene Wissenschaftskommunikation gibt. Genau so macht das, den allgemeineren Begriff zugrundelegend, ja auch das Übersichtsdiagramm von Carsten Könneker. Was die Autoren jenseits der institutionellen Wissenschaftskommunikation an weiteren Akteuren sehen, sagen sie nicht – insbesondere nicht, ob Wissenschaftsjournalismus für sie dazugehört. Insofern ist meine vorsichtige Aussage aus meiner Sicht nach wie vor richtig. Deine Interpretation, man könne aus der Passage eindeutig auf die verengte Definition schließen, halte ich aus den genannten Gründen für nicht haltbar.

      Zu PUSH 1999: Wie gut, dass wir Google haben, und das wissenschaftliche Institutionen bereits in den 1990ern das Web benutzt haben! Dann können wir nämlich schon von einer Konferenz 1998 in Berlin zum Thema Wissenschaftskommunikation lesen, bei der es, nebenbei bemerkt, auch um Wissenschaftsjournalismus ging (evt. sogar hauptsächlich, das geht aus dem Text nicht hervor). Deine Aussage, der Begriff sei zu jener Zeit “noch gar nicht vorhanden” gewesen ist damit nachweislich falsch. Nun könnte es natürlich sein, dass die PUSH-Initiatoren sich beim Verfassen nicht vorher schlau gemacht haben, was in diese Richtung an Aktivitäten oder gar Konferenzen läuft. Aber du hast recht, evt. waren sie da einfach unwissend und haben den Begriff nicht vermieden, sondern schlicht nicht gekannt. Insofern habe ich meine Formulierung geändert.

      Nachdem deine beiden Beispiele jetzt doch bei genauerem Hinsehen nicht sooooo überzeugend waren, wäre vielleicht fair, wenn du noch ein paar mehr von den deiner Aussage nach vorhandenen weiteren Beispielen ansprichst.

      • Nachtrag: In den Präsentationsfolien zu den “Leitlinien” hier kommen übrigens auf der 4. Folie unter “Die Wissenschaftskommunikation” sowohl Aussagen über Wissenschafts-PR als auch über Wissenschaftsjournalismus. Das scheint mir ein direktes Indiz dafür, dass dort die allgemeinere Definition genutzt wurde.

  3. Vielleicht solltest Du die Leitlinien lesen und Dich über den Hintergrund schlau machen, bevor Du mit solchem sprachliche Schiefheiten zu argumentieren versucht. Den Prozess der Entstehung der Leitlinien habe ich eng verfilgt und war über einem Mitarbeiter als Geschäftsführer des idw beteiligt.

    Zu PUSH nur soviel: Der Begriff war nicht gebrächslich, daher taucht er nicht suf. Dadurch dass irgendeine Konferenz in Berlin stattgefunden hat, sagt nichts darüber aus, solane Du nicht die Papiere der Konferenz auswertest.

    Und wenn Lehstühle zu Wissenschaftskommunikation auch über den Wissenschaftsjornalusmus arbeiten, dann über einen selbstverständlichen Zusammenhang. Solange Du nicht deren Arbeit inhaltlich untersuchst, ist die Aufzählung unbrauchbar.

    Außerdem wäre zur Ergänzung eine Umfrage Unter Wissenschaftsjournalisten interessant, um ihr Selbstverständnis in der Frage zu sehen.

    Was Du hier m.E. treibst ist Geschichtsklitterung. Wenn Du Deine Physik do betriebest, hättest Du längst bewiesen, dass die Amerikaner mit Wharpantrieb zum Mond geflogen sind, es nur etwas gedauert hat, weil sie einen Umweg über die große Magellansche Wolke gemacht haben … 😉

    • Das sind harte Worte, die aus meiner Sicht durch deine Argumente und durch das, was du an sachlichen Einwänden vorbringst, nicht im geringsten gedeckt sind. Gar kein guter Stil.

      Ich habe im Blogbeitrag klar dargelegt, aus welchen Quellen ich welche Schlüsse ziehe.

      Zu den Leitlinien: Selbstverständlich habe ich die gelesen. Da steht ganz am Anfang, und auch im Titel, dass sie sich ausdrücklich auf “Wissenschafts-PR” beziehen. Da wird Wissenschafts-PR ausdrücklich als nur ein Teil der institutionellen Wissenschaftskommunikation definiert, nicht (wie in den schärferen Fassungen der verengten Definition) gleichgesetzt. In der verlinkten Präsentation tauchen Aussagen zum Wissenschaftsjournalismus unter dem Header “Wissenschaftskommunikation” auf. Du kannst ja gerne deine Erfahrungen mitteilen, dass das unter den Beteiligten intern deinem persönlichen Eindruck nach anders verstanden wurde. Aber Fakt ist doch: Wenn das so war, hat es in den Texten keinen Niederschlag gefunden. Und die engste Version “Wissenschaftskommunikation ist dasselbe wie Wissenschafts-PR” kann man anhand der Texte, siehe oben, ausschließen.

      Zu PUSH: “gebräuchlich” ist ein weiches und dehnbares Wort. Ich glaube dir ja gerne, dass es in den Konversationen, die du mitbekommen hast, nicht gebräuchlich war, und dass du bei einer Reihe wichtiger Konversationen dabei warst. Aber Fakt ist eben auch, dass es zeitgleich in Berlin nicht “irgendeine Konferenz”, wie du es jetzt kleinredest, sondern eine Konferenz mit dem Selbstverständnis “Konferenz zur Wissenschaftskommunikation” gab. Dein apodiktisches “gar nicht” ist damit falsch. (Das “gebräuchlich” ist zu unscharf, um auf so einfachem Wege widerlegbar zu sein, klar.)

      Zu den Lehrstühlen: Auch da habe ich ja wieder transparent gemacht, worauf ich meine Schlüsse stütze. Und zu den Daten, die du jetzt mit einer Handbewegung als “unbrauchbar” wegwischt, gehört nicht zuletzt, dass eine Reihe der Lehrstuhlinhaber ganz explizit gesagt haben, dass sie die allgemeinere Definition vertreten. Zum “selbstverständlichen Zusammenhang”: Nein, in den Publikationslisten findet man eben nicht, dass der Wissenschaftsjournalismus z.B. nur als Kontrast herangezogen würde. Sondern zumindest in der Praxis scheint es so zu sein, dass es einfach selbstverständlich ist, dass unter dem Oberbegriff der Wissenschaftskommunikation eben auch Wissenschaftsjournalismus erforscht wird.

      Ich erspare mir mal eine polemische Antwort auf deinen letzten Absatz; solche billigen persönlichen Angriffe sollte man in einer Sachdiskussion wirklich vermeiden. Versuche doch stattdessen mal einen Schritt zurück zu treten, und deine persönlichen Erfahrungen und Überzeugungen etwas beiseite zu setzen. Du hast bei Twitter gesagt, gefühlt 75% der Akteure würden den Begriff der Wissenschaftskommunikation in der verengten Definition nutzen. Wundert es dich gar nicht, dass davon zumindest im öffentlich dokumentierten Raum so wenig zu sehen ist? Solltest du nicht zumindest in Erwägung ziehen, dass du da gerade deine persönlichen Eindrücke unzulässig verallgemeinerst – in einer Weise, die durch die öffentlich zugänglichen Quellen ganz und gar nicht gedeckt ist?

  4. Es wäre nett, wenn Du mir dn Link zu Berlin 1998 schickst. Ich finde nur auf Scholar Hinweise zur Interkulturalität. Damit wäre der Begriff alles andere als im sprachlichem Bewusstsein eingegangen!

    • Das Dokument ist von meinem entsprechenden Kommentar aus direkt verlinkt. Dann musst du im Text nur noch nach “Wissenschaftskommunikation” suchen und bekommst “Die Journalistin Barbara Ritzert bemerkte hierzu auf einer internationalen Konferenz zum Thema Wissenschaftskommunikation, die wir im Herbst 1998 in Berlin veranstaltet haben […]”. Wie gesagt: gebräuchlich oder verbreitet sind als Kriterien natürlich so schwammig, dass da ein Gegenbeispiel nicht reicht. Aber dass es den Begriff damals schon gab und dass er von einigen benutzt wurde, zeigt die Quelle. Übrigens zumindest soweit genutzt, oder als selbsterklärend verstanden, dass er bei solcher Erwähnung nicht extra definiert werden musste.

      Witzigerweise stammen die anderen Google-Fundstellen aus der Zeit vor allem aus dem Kontext Informationsverbreitung, und es geht um das, was dem allgemeinen Begriff nach interne Wissenschaftskommunikation ist, zwischen den Wissenschaftlern.

  5. Barbara Ritzert, die da zitiert wird, ist seit mehr als 30 Jahren vornehmlich im Medizinjournalismus und der Medizin-PR tätig. Ich kenne sie seit fast 25 Jahren. Das Zitat aus dem (zeitlich nicht genannten) Beitag von Göpfert, früher Professor für Wissenschaftsjournalismus ( FU Berlin, damals einziger Lehrstuhl in D dazu und nach seiner Emeritierung abgeschafft), sagt gar nichts darüber, wie Barbara Ritzert den Begriff verwendet hat! Die Tatsache, dass sie womöglich ein Lehnwort aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt, sagt noch nichts über den Sprachgebrauch noch darüber, was darunter subsumiert ist. So ist zum Beispiel PUSH aus Public Understanding of Science 1999 enstanden durch Hinzufügen von Humanities, weil die Geisteswissenschaften in D dazugehören. Und weil heute alles auf Englisch ausgedrückt werden muss (wir sind ja ach sowas von International), hat man es nicht „Offentliche Verständigung von Natur- und Geisteswissenschaften“ (ÖVNG liest sich nicht gut 😉 ) genannt.

    Aufschlussreicher finde ich diese Untersuchung aus dem Jahre 2005 http://webdoc.sub.gwdg.de/ebook/serien/lm/arbeitsberichte_wi2/2005_23.pdf – vielleicht erkennst Du daraus, wie das Wort im Deutschen damals verwendet wurde, bevor es vor gerade mal ca. 5-6 Jahren diesen Bedeutungszuwachs erfahren hat, der meines Erachtens mit politischen Intentionen von Akteuren aus Siggen u.a. verbunden ist.

    Ich weiß nicht, ob Du meinen Beitrag in Wissenschaftskommunikation.de gelesen hast? https://www.wissenschaftskommunikation.de/wissenschaft-ist-fuer-jeden-zugaenglich-19985/ Siehe darin auch noch den Leserbrief von Korbmann, der in bis in die Anfänge der 2000er Chefredakteur von Bild der Wissenschaft war.

    Du bringst zwar eine Fülle von Nachweisen, aber z.B. sind fast alle unter „Tante Google“ jüngster Natur (keine 10 Jahre alt), ebenso die unter Unsystematische Sammlung. Das Nawik, gegründet mit der Intention, junge Wissenschaftlern öffentliches Kommunizieren beizubringen (nicht Wii-Journalismus!!) ist gerade etwas mehr als sechs Jahre alt, Annette Leßmöllmann ist vor weniger Jahren von Darmstadt ans IKT, Merkus Lehmkuhl gerade erst vor zwei Jahren dahin berufen. WiD ist erst nach PUSH entstanden und das Forum gerade 11 Jahre alt. Das BMBF hat auch noch nicht so lange eine Abteilung Wi-Komm, Carsten Könnecker hat gerade seine sechsjährig Zeit als beurlaubter Prof am KIT beendet und ist wieder nur noch Chefredakteur von Spektrum …

    Ich leugne gar nicht, dass der Begriff zuletzt einen Bedeutungswandel erlebt. Und so zeigen fast alle Deine Beispiele, dass er erst jüngst erfolgt. Noch WÖM1 (2014), immerhin eine Denkschrift der Union aller Akademien der Wissenschaft in Deutschland, trennt äußerst scharf zwischen Wissenschaftskommunikation und Wissenschaftsjournalisten, selbst noch in WÖM2.

    Daher kommt u.a. meine Kritik, dass hier und auf Wikipedia entweder bewusste Geschichtsklitterung mit politischer Absicht betrieben wird oder es ist nur Schlichtheit und reine Naivität im Spiel.

    • Zu Barbara Ritzert: Die wird in meinem Kommentar nicht zitiert, sondern es wird der Text von Herrn Göpfert zitiert. Aber sei’s drum.

      Die Untersuchung von 2005, die du erwähnst: Sonderbar, dass du gerade den Artikel zitierst. Denn der beruft sich bei seiner Definition ja ausdrücklich auf Burns 2003. Und in der Burns-Definition sind Wissenschaftsjournalisten eindeutig Teil der Wissenschaftskommunikation. Schreibt er in seinem Artikel auch explizit. Die von dir zitierten Autoren geben das zwar verkürzt wieder und widersprechen sich damit selbst; Probleme haben sie damit nicht, weil es in ihrer Arbeit ja eigentlich um die interne Wissenschaftskommunikation geht. (Wobei die Einteilung in externe und interne Wissenschaftskommunikation auch zeigt, dass diese Autoren ausdrücklich nicht die verengte Definition nutzen – nicht Wissenschaftskommunikation und Wissenschafts-PR gleichsetzen!)

      Reiner Korbmann hat auch unter meinem wissenschaftskommunikation.de-Beitrag kommentiert; dessen Definition ist aber, wie er selbst schreibt, ausdrücklich weiter als “Wissenschaftskommunikation ist identisch mit Wissenschafts-PR”. (Wissenschaftsjournalismus ist bei ihm extra, das stimmt.)

      Warum du mir Geschichtsklitterung vorwirfst, was aus meiner Sicht ein sehr harter Vorwurf ist, verstehe ich immer noch nicht. Ich behaupte im wesentlich das, was du hier auch sagst (und habe ja die Jahreszahlen jeweils auch angegeben): Die allgemeinere Definition von Wissenschaftskommunikation ist nicht neu, sondern begleitet uns bereits ein gutes Jahrzehnt. Im englischen Sprachraum ist sie mindestens so alt wie die verengte deutsche Definition (“Wisskomm = Wiss-PR”). Im deutschen Sprachraum gibt es zahlreiche Beispiele aus den letzten zehn Jahren (wie du selbst sagst).

      Wenn Frau Blattmann also in ihrem Text auf wissenschaftskommunikation.de schreibt, die allgemeinere Definition sei “neu”, erst mit dem letzten Siggener Aufruf und der geänderten Wikipedia-Seite aufgetreten, während es “früher” (ihr Beispiel für “früher” meint das Jahr 2017!) anders gewesen sei, dann ist das schlicht falsch. Denn, wie du und ich uns hier offenbar einig sind, die allgemeinere Definition wird schon deutlich länger benutzt.

      Ach ja, noch zu WÖM: Dass WÖM1 (2014) scharf trennt, schreibe ich oben in meinem Text genau so. Keine Ahnung, warum du meinst, das hier als Entgegnung bringen zu müssen. Das steht in meinem Blogtext. Dass WÖM2 scharf trennt, ist falsch. Ist oben auch so verlinkt; deren Definition steht in der Box auf S. 20, und das ist die allgemeine Definition von Wissenschaftskommunikation.

  6. – Göpfert zitiert Ritzert
    – 2005 – siehe S. 3 am Mitte und Schema S. 4 oben; Wiss-J ist nicht im Spiel;
    – Wikipedia ist nicht unpolitisch. Wenn Wiss-J integriert wird in Wiss-KOmm, kommen solche Forderungen auf wie von Hüttl/Stollorz, den Wiss-J vom System Wissenschaft zu finanzieren, aber dadurch verliert er seine kritische Unabhängigkeit;
    – so gut wie fast alle Definitionen auf Deiner Liste stammen von Personen, die eher zur Wiss-Komm als zum Wiss-Journalist zu zählen ist;
    – auf den Vorschlag, eine Schar Wiss-J zu befragen, bist Du leider nicht eingegangen…

    • – Göpfert hat seine eigene Konferenz unter Wissenschaftskommunikation verbucht, obwohl es (auch) um Journalismus ging, wie das Ritzert-Zitat zeigt
      – 2005 – wie ich sagte, widersprüchlich. Berufen sich auf Burns 2003, behaupten seiner Definition zu folgen, und machen es dann falsch.
      – Wikipedia gibt nur wieder, was in Sekundärquellen steht. Was unter denselben Oberbegriff fällt muss nicht organisatorisch voneinander abhängig sein.
      – bei Workshops, WÖM und Siggener Kreis sind/waren Wissenschaftsjournalist*innen dabei
      – mir fällt kein schneller Weg ein, repräsentativ Wissenschaftsjournalist*innen zu befragen; sowas wäre natürlich für das Verständnis dieser Gruppe interessant

      …und zu guter letzt noch: Mein Ziel war, wie gesagt, bescheidener. Es ging mir nicht darum, die Dominanz der allgemeinen Definition zu belegen, sondern diejenigen zu widerlegen, die (wie Frau Blattmann) behaupten, die allgemeine Definition sei “ganz neu” und überraschend dazugekommen.

  7. – wir wissen nicht, wie G den Begriff gefüllt hat, solange wir nicht ins Programm von ihm reinschauen und ob er nur ein Lehnwort benutzt hat …
    – sich auf jemanden „berufen“, heißt nicht, ihm in jeder Hinsicht zustimmen/folgen, man kann eine Definition nennen und abwandeln; das machen die Autoren ausdrücklich mit Blick auf Unterschiede im angelsächsischen und deutschen Räumen …
    – j‘accord, sonst müsste ich mich wiederholen (s.o.) …
    – bei WÖM1 nicht, bei WÖM2 nur Elisabeth Hoffmann, ich bin z.B. regelmäßig auf der Wissenswerte (bin kein Wiss-J), dabeisein muss nicht heißen, dazugehörig …

    • – habe den jetzigen Arbeitsgruppenleiter in Berlin mal angemailt und gefragt
      – abwandeln müsste man bei sowas aber dazusagen. Die zitieren wörtlich die Definition, bei der Wissenschaftsjournalismus mit drin ist, und in dem, was ihre Zusammenfassung sein soll, lassen sie es weg.
      – WÖM: OK!

  8. Will zwar nicht, muss aber dennoch das Fass wieder aufmachen, weil ich ganz deutlich erkenne, dass Du zum Teil die Quellen nach Deinem Gusto missinterpretiert. Ich habe nun insbesondere bei den deutschsprachigen Lehrstühlen nachgepruft, die Du hier aufzählst.

    – Pssau beschaftiigt sich gar nicht mit Journalismus und ist ein Sozialwissenschaftlich ausgerichteter Lehrstuhl, der Politische Kommunikation und Wissenschaftskommunikation untersucht. Journalismus kommt nicht vor. Wie Du ihm eine allgem Defin zuspricht, ist nicht klar.
    – Hamburg drückt sich in seinem Forschungsselbstverständnis so aus, dass er Wissenschaftskommunikation und Journalismus nebeneinander ausdrücklich mehrmals nennt. Da er stets beide nebeneinander nennt, trennt er klar zwischen beiden.
    – in Klagefurt kommt Wissenschaftsjournalismus nicht als Thema vor und ist nicht Gegenstand der Arbeit des Lehrstuhls
    – auch die Berliner Arbeitsstelle trennt säuberlich die beiden Begriff und der Prof arbeitet hauptsächlich zu Phänomen der Massenmedien.

    Genau wue Deine Tante Google Liste wie die Unsystematische Liste sehe ich auch hier einen freundlich formuliert laschen Umgang und tendenziöse Interpretation der Quellen. Man merkt, dass Du kein Philologe oder Historiker bist. Wenn ich so in meiner Arbeit mit Quellen umgegangen wäre, hatte ich meine Sachen bei den Profs nicht durchbekommen. Das zeigt ubd bestätigt erneut, dass ich mit meiner Kritik oben nicht falsch lag …

    • Vorsichtig mit Behauptungen wie “nach meinem Gusto”. Schauen wir doch mal nach, wieweit jeder von uns die Sachlage richtig wiedergibt oder eben nicht:

      Passau: Deine Behauptung ist “Passau beschäftigt sich gar nicht mit Journalismus”. Du musst dir nur die Veröffentlichungsliste der Lehrstuhlinhaberin anschauen um zu sehen, dass das nicht stimmt. Die steht hier. Guck dir z.B. mal 2017 an: ein Artikel zu climate change coverage in deutschen, schweizerischen und britischen Zeitungen. Oder 2016: Vergleich zwischen newspaper journalists und civil society actors in einem Fachartikel, eine Studie zu deutschen und britischen Medien im anderen. Insofern: Wer auch nur ein bisschen nachschaut, kann direkt an den Veröffentlichungen sehen, dass die Passauer Lehrstuhlinhaberin sehr wohl auch zu Wissenschaftsjournalismus forscht. Inzwischen hat Frau Prof. Schmid-Petri auch auf meine E-Mail-Anfrage geantwortet und mir ausdrücklich geantwortet, dass sie unter Wissenschaftskommunikation das versteht, was die allgemeine Definition aussagt. Case closed.

      Hamburg: Nein, da arbeitest du sprachlich unsauber. In der Tat wird dort mehrmals Wissenschaftskommunikation und Journalismus nebeneinander genannt. Aber ausdrücklich nicht Wissenschaftskommunikation und Wissenschaftsjournalismus nebeneinander. Letzteres wäre ein Indiz für eine Trennung, ersteres ist es nicht. Denn dass Wissenschaftskommunikation und Journalismus (allgemein) dasselbe sei, behauptet ja auch die allgemeine Definition nicht. Übrigens müssen wir auch da nicht mehr interpretieren, denn auch Herr Prof. Brüggemann war so nett, mir auf eine entsprechende E-Mail zu antworten. Und, siehe da: Auch Herr Brüggemann vertritt und lehrt die allgemeinere Definition. Oben im Blogtext mit dem Literaturverweis, den er in der E-Mail anführte, belegt. Case closed. Und schon wieder lagst du daneben.

      Klagenfurt: Du schreibst das, was ich oben auch schreibe. Auf die verwendete Definition lässt das keine Rückschlüsse zu

      Berlin: Woran machst du fest, dass der Prof säuberlich die Begriffe trennt? “Wissenschaftskommunikation / Wissenschaftsjournalismus” kann ja auch bedeuten: Obergebiet Wissenschaftskommunikation, Unterthema Wissenschaftsjournalismus. Ich habe oben entsprechend vorsichtig formuliert; du legst dich wieder auf eine Deutung fest.

      Insgesamt bietet deine Argumentation ein ziemlich trauriges Bild. Du wirfst mir laschen Umgang vor und wertest die Quellen dann selbst lasch aus – siehe deine falsche Behauptung dazu, Passau beschäftige sich “gar nicht mit Journalismus”, die jede*r Leser*in leicht durch einen Blick in die verlinkte Liste als falsch erkennen kann. Siehe die fehlende Unterscheidung zwischen “Wissenschaftsjournalismus” und “Journalismus” in deiner Hamburger Interpretation. Bei den Beispielen von Passau und Hamburg müssen wir aber gar nicht über Interpretationen streiten, sondern haben per E-Mail eine eindeutige Antwort. In beiden Fällen lagst du grandios daneben. Sollte dir das nicht zu denken geben?

      Vielleicht kommt aus Klagenfurt und Berlin ja auch noch eine E-Mail-Antwort; angefragt habe ich. Warum ich da lieber vorsichtig interpretiere, habe ich oben dargelegt.

  9. Oh, hier geht’s ja hoch her! Lasst mich ein paar simple Anmerkungen aus der Praxis hinzufügen.

    Wenn man sich von der linguistischen Auffassung leiten lässt, das die Bedeutung eines Begriffs durch seine Verwendung gegeben ist, dann ist der Ansatz, Google zu bemühen, zwar grundsätzlich richtig. Aber es kommt die Analyse zu kurz, wer den Begriff mit dem jeweiligen Umfang benutzt.

    Ich sehe, dass zwei Berufsgruppen von “Kommunikation” sprechen, fast alle deine Zitate stammen aus diesen beiden Gruppen. Erstens die Werber und PR-Leute (“Wie kommunizieren wir das am besten?”), die meinen aber meist keinen Dialog zwischen verschiedenen Gruppen, sondern das Herausblasen ihrer “Message” an ihre Zielgruppen. In diesem Sinne ist Wissenschaftskommunikation tatsächlich PR.

    Zweitens die Akademiker, die untersuchen, wie Nachrichten und Meinungen zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Akteuren hin und her fließen. In diesem Sinne ist Wissenschaftskommunikation jegliches Reden über Wissenschaft, und dazu gehören unter anderem die Puzzlestückchen Wissenschafts-PR, das unhabhängige Bloggen von Wissenschaftlern und auch der Wissenschaftsjournalismus.

    Schaut man speziell auf die Gruppe der Journalisten, dann kenne ich keinen Kollegen und keine Kollegin, die ihre eigene Arbeit als Wissenschaftskommunikation bezeichnen würden (es mag aber sein, dass es einige gibt), insbesondere nicht unter denen, die sich im weitesten Sinne als “kritisch” verstehen. (Ob wirklich kritischer Wissenschaftsjournalismus im großen Maßstab existiert, können wir ein anderes Mal klären). In ihrem Selbstverständnis betreiben sie so wenig Wissenschaftskommunikation, wie Politikjournalisten “Politikkommunikation” betreiben.

    Der Sprachgebrauch stellt sich also für uns so dar, dass Außenstehende unsere Arbeit unter den Begriff subsumieren, wir selber aber nicht. Allenfalls sehen wir uns als Element eines Kommunikationsfeldes. Deshalb wird sich die Begriffsverwirrung so schnell nicht aufklären.

    • @Christoph Drösser: Ja, dass es da eine Trennung gibt, entspricht auch den Rückmeldungen z.B. auf Twitter. Ich würde allerdings noch die Wissenschaftler*innen als Gruppe nennen, insbesondere diejenigen, die sich bei der Vermittlung von Wissenschaft an die Öffentlichkeit engagieren, aber individuell, nicht als Instituts-PR. Von der Gruppe her kenne ich den allgemeineren Begriff der Wissenschaftskommunikation auch.

  10. @Christoph Drösser, danke für diesen Kommentar. Dem kann ich vollkommen zustimmen!

    @Markus Possel, ich habe von Barbara Ritzert das Manuskript aus 1998 und darin geht ausschließlich um Wissenschafts-PR und wie diese gegenüber dem Wissenschaftsjournalusmus die Oberhand gewiint. Im Manuskript spricht sie aus frischem Besuch der AAAS und wünscht sich diesen Ausbau der Pressestellen in Deutschland, aber in ihrer Brust schlagen zwei Herzen, das für die Wissenschafts-PR und das für den Wissenschaftsjournalismus, den sie im Niedergang begriffen sieht. Zu ihrer Einstellung anbei ein Ausschnitt unseres Gesprächs über den Messenger (per Mail, da ich das hier nicht hochladen kann). Ihre Haltung ist eindeutig für die Trennung!

    • @Josef König: Lies ruhig hier noch einmal nach, weswegen ich die Konferenz ins Spiel gebracht hatte: als Gegenbeispiel zu deiner Behauptung damals (1999 und davor) wäre der Begriff der Wissenschaftskommunikation “noch gar nicht vorhanden” gewesen. Dazu, welcher Definition von Wissenschaftskommunikation Barbara Ritzert anhing oder anhängt, hatte ich keine Aussage getroffen. Kann ich als Datenpunkt gerne notieren; es widerspricht aber nicht dem, was ich gesagt hatte. Hast du auf dem Manuskript zufällig auch den genauen Titel der Konferenz? Der würde mich interessieren.

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