Sonnenfinsternis am 20. März 2015

Auch am Haus der Astronomie haben wir natürlich vorgestern fleißig die Sonnenfinsternis beobachtet – zusammen mit rund 200 Gästen, inklusive vieler Mitarbeiter/innen des Max-Planck-Instituts für Astronomie. Hier das kurze Video, das wir dazu gemacht haben:

Wie man sieht, waren wir recht vielfältig zugange: Mit herkömmlichen Teleskopen (natürlich geschützt durch Sonnenfilter oder Herschel-Keil, oder aber als Projektion) ebenso wie mit H-alpha-Teleskopen (die nur ganz bestimmtes, für Wasserstoff charakteristisches Licht durchlassen und daher die Flares und Protuberanzen am Sonnenrand zeigen) – und mit einigen deutlich einfacheren Mitteln.

Im direkten Vorlauf hatten wir auf unseren Webseiten noch eine Bauanleitung für eine Lochkamera eingestellt (die dann auch von Spiegel Online und anderen aufgegriffen wurde); die kam natürlich auch zum Einsatz, und liefert ganz schöne scharfe Bilder (Mist, das hatte ich auch noch in den Film packen wollen):

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Bild: Kai Noeske / HdA & MPIA

Der witzigste Effekt bei so einer Sonnenbedeckung ist, dass man auch mit noch einfacheren Mitteln schöne Bilder der bedeckten Sonne erzeugen kann – mit einem altmodischen Sieb etwa, oder in diesem Falle mithilfe eines sieb-artigen Bauteils, das MPIA-Astronom Thomas Robitaille (@astrofrog, von dem auch diese schöne Pac-Man-Sonnenbedeckungs-Montage stammt) aus seiner Kaffeemaschine ausgebaut hatte:

Bild: Dominik Elsässer

Bild: Dominik Elsässer

Schon der mit Daumen und Zeigefinger gebildete Ring reicht aus, um ein schönes Abbild der angeknabberten Sonne zu projizieren.

[Absatz & Bild Nachtrag 8:35 Uhr:] Aber auch die aufwändigeren Beobachtungen haben ihren eigenen Reiz. Hier ein Bild, das durch ein H-alpha-Teleskop aufgenommen wurde und damit nur das charakteristische rote Licht von Wasserstoffatomen zeigt; dabei sieht man von der Sonne vor allem die sogenannte Chromosphäre, also die Schicht direkt oberhalb derjenigen Schicht, aus der wir das allermeiste Sonnenlicht empfangen (Photosphäre). Das zeigt nicht nur die Sonnenflecken sehr schön, sondern insbesondere auch die Plasmaauswürfe (Protuberanzen, Fackeln, Flares), die vom Sonnenrand nach außen ragen. Und vor dieses Ensemble schiebt sich dann eben der Mond, wie die folgende quick-and-dirty nachbearbeitete Aufnahme zeigt. Links Mitte ist ein Sonnenfleck zu sehen; die verwischten grauen Flecken haben allerdings nichts mit der Sonne zu tun, sondern sind Staubkörner auf dem Chip:

Bild: Carolin Liefke / HdA

Bild: Carolin Liefke / HdA

 

Organisiert hatte unsere Beobachtungsveranstaltung von HdA-Seite aus Carolin Liefke – tatkräftige Unterstützung kam u.a. durch einige Schülerpraktikanten, die in jener Woche am Haus der Astronomie ihr BOGY-Praktikum (Berufsorientierung für Gymnasien) orientiert und dabei bereits in den Tagen zuvor eifrig die Sonne beobachtet hatten.

Als persönliche Erfahrung nehme ich mit, dass der Blick durch die Sonnensichtbrille mich viel stärker berührt hat als der durch die Teleskope. Dass da auf einmal ein großer Teil der Sonne weg war, war eine regelrecht emotionale Erfahrung (was ich vorher nie und nimmer vermutet hätte – eigentlich ist es doch nur normale Himmelsmechanik). Dass so ein simpler Akt wie Brille aufsetzen oder Folie vor’s Auge halten einem eine ganz neue Perspektive auf ein aus dem Alltag gewohntes Phänomen bietet (die Sonne, diffus-undefinierbarer Lichtfleck am Himmel, entpuppt sich als scharf begrenzter Kreis!) entfaltet gerade, weil es so unmittelbar ist, eben nicht nur mit dem Blick durch ein Gerät wie ein Teleskop oder auf den Computerbildschirm erfahrbar, seine Wirkung. Und das dann noch mit einem seltenen und fast unheimlichen Ereignis gepaart, schwarze Mondscheibe schiebt sich vor Sonnenscheibe – das ist einfach etwas besonderes.

Außer der direkten, foliengeschützten Beobachtung hat mich beeindruckt, wie deutlich der Lichtpegel zwischenzeitlich fiel – ein ganz merkwürdiges Licht, so, als betrachte man die Szene durch eine Sonnenbrille, und eine fühlbar kühlere Temperatur.

Ich habe die 1999-er Eklipse leider außerhalb der Totalitätszone zugebracht; was sich da abspielt, muss den Schilderungen nach dann noch um einiges beeindruckender sein.  Wir machen uns jedenfalls schon Gedanken über USA-Urlaub in den Sommerferien 2017 – am 21. August liegt die Totalitätszone quer über den USA:

Kernschattenzone für die Sonnenfinsternis am 21.8.2017. Bild: Nutzer Cactus26 unter Lizenz CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Kernschattenzone für die Sonnenfinsternis am 21.8.2017. Bild: Nutzer Cactus26 unter Lizenz CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

 

Weitere Sonnenfinsternis-2015-Beiträge auf den SciLogs:

 

 

Markus Pössel hatte bereits während des Physikstudiums an der Universität Hamburg gemerkt: Die Herausforderung, physikalische Themen so aufzuarbeiten und darzustellen, dass sie auch für Nichtphysiker verständlich werden, war für ihn mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Forschungsarbeit. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam blieb er dem Institut als "Outreach scientist" erhalten, war während des Einsteinjahres 2005 an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt und schuf das Webportal Einstein Online. Ende 2007 wechselte er für ein Jahr zum World Science Festival in New York. Seit Anfang 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie leitet, ein Zentrum für astronomische Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Pössel bloggt, ist Autor/Koautor mehrerer Bücher, und schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.