Ausflug in die Ozeane (Buchrezension)

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… aber nicht einfacher
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Urlaubszeit, Lesezeit – letzteres dieses Jahr dank der Inselbücherei in Wyk auf Föhr. Einige der Bücher, die lange auf meiner Liste standen und die ich jetzt endlich gelesen habe, hatte ich in vorigen Blogbeiträgen bereits vorgestellt (Bojowald “Zurück vor den Urknall” und Fischer “Die andere Bildung”). Ein weiteres ist mir hier eher zufällig in die Hände gefallen.

Die Bücherei in Wyk ist so, wie man das von öffentlichen Bücherhallen kennt: Auf Regalen warten, fein nach Sachgebiet geordnet, Bücher en masse auf interessierte Leser. Bücherei-Hardcover-Bindung, jeweils mit Signatur. Kinderbuchabteilung, viel Belletristik gerade auch der leichteren Varianten. Etwas Esoterik und sonstiges Geschwurbel. Heutzutage als moderne Bücherei natürlich auch elektronisch angeschlossen; für mich daher auch als Internet-Hotspot interessant, denn so ganz kann ich mich (ich weiß, ich weiß, ich bin auch nicht stolz darauf) im Urlaub dann doch nicht ausklinken. Bei der Hotspot-Nutzung, an einem der wenigen dort vorhandenen Tische, rechts von mir nicht eben aufmunternd diverse Bücher zu Tod, Sterben und wie man damit umgeht, fiel mir das gegenüberliegende Regal geradezu ins Auge. Naturwissenschaften! Schön viel Astronomie, wie es sich gehört. Etwas Physik – Hawking und Konsorten. Chemie und Biologie, klar, das auch; die praktischeren Gebiete der Biologie links daneben, von “Ich pflege meinen Garten” bis zu diversen Tierbüchern, zogen sich links dann noch einige weitere Regale hin. Die meisten Bücher stehen hier brav in Reih und Glied, Buchrücken zum Betrachter. Nur einige besonders attraktive Bücher waren daneben frontal angeordnet. Ich schaute die Bücher an. Eines davon schaute zurück. Keine Ahnung, warum ein Buch über die Ozeane als Titelbild eine blaue Iris mit Pupille hat.

Hatte dieses jedenfalls: Frank Schätzings “Nachrichten aus einem unbekannten Universum. Eine Zeitreise durch die Meere”, erschienen 2006 bei Kiepenheuer & Witsch. “Bestseller” hatten die Bibliothekare nachträglich vorne draufgeklebt; direkt auf den unteren Irisrand, wo es bei einem richtigen Auge verteufelt jucken würde.

Naja, warum nicht, habe ich mir gedacht. Urlaubslektüre. Soll ja ganz unterhaltsam sein, was der Schätzing da schreibt. Schauen wir mal, was der so drauf hat. Zunächst mal einen recht kumpelhaften Stil, mit durchaus ironischen Elementen. Beispiel gefällig? Hier aus dem Kapitel Regenzeit, S. 21:

Warum bloß hat sich die Evolution so lange Zeit gelassen, bevor sie daranging, das Experiment Leben fortzusetzen – um dann immer komplexere Organismen zu entwerfen, als sei ihr plötzlich eingefallen, dass die Fertigstellungstermine überschritten sind: Hier bitte, der Auftragszettel, ich hatte für Anfang Kambrium einen Tyrannosaurus Rex bestellt. Was, Sie sind erst bei Muscheln und Schnecken? Jetzt aber dalli!

Ziemlich repräsentativ, das. Muss man nicht mögen, kann man aber. Tun wahrscheinlich auch eine ganze Menge Leser, denen viele andere populärwissenschaftliche Bücher zu dröge sind. Hier gibt’s dafür Action. Zeitreisen, bei denen man die unterschiedlichen Epochen hautnah erlebt. Drama, mit Haien und so. Sex, wie sich das für die Evolution gehört. Ein bisschen dezenter Sexismus (z.B. der Handtaschendiskurs auf S. 48), der gehört ja irgendwie auch zu dieser kumpelhaften Art; allerdings hat Anatol uns ja gerade wieder dafür sensibilisiert, dass auch solche Kleinteile ihren negativen Beitrag zum Gesamtklima leisten und daher nicht einfach so abgetan werden sollten. Insgesamt? Durchaus kurzweilig zu lesen, viele interessante Informationen.

Und, ja, an einigen Stellen auch Bauchgrimmen. Typischerweise dann, wenn es um diejenigen Gebiete geht, wo ich mich besser auskenne, also Physik und Astronomie und sowas. Weil die Fluchtgeschwindigkeit natürlich irgendwie schon etwas ist, wo “die Anziehungskraft eines schweren Körpers ausgeglichen” wird, aber nicht das, was einen Planeten auf seiner Kreisbahn hält und davon abhält, in die Sonne zu stürzen (S. 194). Weil es selbstverständlich so etwas gibt wie die kosmische Expansion, aber nicht auf so kleinen Skalen, dass dieser Effekt zwischen uns und einem bloße 150 Lichtjahre entfernten Stern einen “Sicherheitsabstand” schaffen könnte (S. 103). Weil es zwar lustig ist, Franziska van Almsick (Spitzenleistung beim Schwimmen 1,5 kW) mit einem Solarkraftwerk (Leistung 500 kW) mit den Worten zu vergleichen (S. 426): “333 Mal hin- und hergeschwommen, und Franzi könnte ans Netz gehen”. Aber leider ist diese Vorstellung nicht nur eine Überzeichnung, das wäre ja vollkommen OK, sondern baut auf einem grundlegenden Missverständnis auf. Leistung ist ja gerade keine Energiemenge, die Franzi durch mehrmaliges Schwimmen zusammentragen könnte – Leistung ist Energie pro Zeit, und selbst wenn Franzi noch so oft hin- und herschwimmt, bleibt ihre Leistung nach wie vor bei (höchstens) den gleichen 1,5 kW.  Und so weiter.

Ist das pingelig? Sollte man sich als Wissenschaftskommunikator nicht trotzdem freuen, dass Schätzing soviel Wissenschaft so breit unters Volk bringt – gerade mit seiner saloppen Art? Ja. Aber. Hm. Erstens: Wer sagt denn, dass saloppe Art und sachliche Fehler zusammengehen müssen? Schätzing bestimmt nicht. Das ganze Sachbuch ist ja im wesentlichen entstanden, weil er von den umfangreichen Recherchen für seinen höchst erfolgreichen Science Fiction-Roman “Der Schwarm” nur etwa zehn bis zwanzig Prozent hatte verwerten können, so erfahren wir im Vorwort. Der Anspruch ist also durchaus vorhanden. Ich vermute sogar (vermute, da ich für 99% dessen, worum es in dem Buch geht, kein Experte bin): weitgehend eingelöst. Und ich stoße mich ja umgekehrt nicht an der Unschärfe, wie sie allein durch die saloppen Formulierungen ins Spiel kommt – die bekommt man als Leser ja durchaus automatisch mit. Aber bei den paar astronomisch-physikalischen Schnitzern, Mensch Schätzing, da hättest du bestimmt noch einen Physiker oder Astronomen auftun können, der sich das mal anschaut, und das Ergebnis hätte das Buch bestimmt nicht weniger lesbar gemacht.

Andererseits, schadet’s denn überhaupt was? So ein paar Schnitzer? Bei den allermeisten Lesern des Buches wahrscheinlich nicht – da dürften solche Details nicht hängenbleiben. Wie denn auch bei solcher Informationsfülle! Aber bei einer Subspezies von Lesern schon: denjenigen, die versuchen, die dort gebotenen Informationen systematisch in ihr Weltverständnis einzubauen. Weil es eben nicht um Fantasiewelten geht, sondern um Wissenschaft, sollte das ja gehen.

Ich finde: Einem Autor, der über Wissenschaft schreibt, sollten solche Leser besonders am Herzen liegen. Zum einen, weil sie die Wissenschaft wirklich ernstnehmen. Zum anderen, weil einige der jüngeren solchen Leser auf dem Weg sein dürften, selbst zu Wissenschaftlern zu werden, und das ist ja auch löblich und förderungswürdig. Aber gerade solchen Lesern legt jeder Schnitzer Steine in den Weg. (Zumindest bis sie gesunde Skepsis und Selbstbewusstsein entwickelt haben, das, was ein populärwissenschaftlicher Autor schreibt, auch mal als Unsinn zu identifizieren – zugegeben, auch ein Lernziel.) Unter solchen Lesern kann es zu einigem Frust führen, wenn man gerade aus einem anderen Buch begriffen hat, warum Linearität so eine wichtige Eigenschaft von Quantentheorie im allgemeinen und Schrödingergleichung im besonderen ist – und hier (S. 219) die Quantenmechanik geradezu als “Aushängeschild der Nichtlinearität” präsentiert bekommt. Und das ist schade.

Zweite Gelegenheit zum Bauchgrimmen: das Wissenschaftsbild, das in Schätzings Buch transportiert wird. Gut, zum Teil Stilsache. Jeder Autor wählt seine eigenen Schwerpunkte. Hier ist der Stil weitgehend erzählte Geschichte, “Über viereinhalb Milliarden Jahre geheimer Geschichten, wuchtiger Dramen, verblüffender Wendungen und seltsamer Erfindungen” wie der Klappentext sagt. Kaum Platz dafür, wie die Wissenschaftler eigentlich auf die ganzen Erkenntnisse kommen, von denen in diesem Buch eine die andere jagt. Weitgehend kein Problem, und es gibt ja andere Bücher, in denen das wie und woher zu seinem Recht kommt.

Aber dann kommen Passagen, aus denen deutlich wird, was auch für dieses Buch verlorengeht, wenn der Leser im Unklaren bleibt, wie Wissenschaftler eigentlich arbeiten und welche Gründe sie für ihre jeweiligen Aussagen haben.

Wenn die gegensätzlichen Meinungen verschiedener Wissenschaftler allzu genüsslich direkt nebeneinander gestellt werden, beispielsweise: “Das heißt, viele vermuten, dass es so war. Ebenso viele sind völlig entgegengesetzter Meinung. Wer hätte das gedacht” (S. 82, zur kambrischen Explosion). Oder bei einer Schilderung wie “In der Schule haben wir gelernt, dass Lehrerwissen absolutes Wissen ist. Doch Wissenschaft kann niemals absolut sein. Sie ist die Kunst der Annäherung. Sie definiert nicht, sondern kreist ein, zieht keine Trennlinien, sondern schafft Übergänge, kennt keine Dogmen, sondern Entwicklungen” (S. 14).

Abgesehen davon, dass ich in der Schule glücklicherweise nichts dergleichen gelernt habe: Darauf hinzuweisen, dass wissenschaftliche Ergebnisse vorläufig sind, messfehlerbehaftet, dass sie von vereinfachten Modellen abhängen, dass einige mehr und andere weniger sicher sind und dass Modelle immer einmal wieder von anderen Modellen abgelöst werden, ist prinzipiell durchaus ein Verdienst. Besser jedenfalls als das Bild, das populärwissenschaftliche Bücher zeichnen, in denen jede Tatsachenbehauptung als der Weisheit letzter Schluss daherkommt; genau so sei es und nicht anders. “Experten haben gezeigt, dass…”

Aber man kann dabei leicht ins andere Extrem abgleiten. Wenn außen vor bleibt, worum es bei wissenschaftlichen Meinungsverschiedenheiten eigentlich geht, sondern nur in rascher Folge präsentiert wird: Gestern hat Experte XY dies hier behauptet. Heute behauptet Experte YX das Gegenteil. Da sind wir schnell bei: Ach, das ist ja alles ganz beliebig da in der Wissenschaft. Die wissen auch nicht, was da los ist. Jeder sagt etwas anderes. Alles Meinungssache.

Diese Gefahr sehe ich auch bei einer Reihe von Schätzings Darstellungen, etwa im Kapitel “Das Fiasko mit dem Fiasko”, wo er geradezu genüsslich sechs Jahre sich widersprechender Expertenmeinungen zu Verlauf, Ausmaß und Auswirkungen des Chicxulub-Einschlags im Hinblick auf das Massensterben an der Grenze von Kreidezeit und Tertiär (tschüß, Dinos!) präsentiert. Der Einschlag genügt nicht; es müssen auch klimatische Veränderungen und heftiger Vulkanismus lange davor gewesen sein! Doch, der Meteorit setzte Gifte frei. Nein, der Meteorit war deutlich größer als zuvor angenommen! Nein, Klimawandel größeren Ausmaß hatte es schon vorher gegeben. Alles Quatsch, es wurde doch schon vorher viel kälter!

Allein durch die Verkürzung wirken die wissenschaftlichen Aussagen schon deutlich plakativer, als sie in Wirklichkeit waren. Schätzing hilft mit seinen saloppen Formulierungen noch einmal direkt in diese Richtungh nach. Die ein, zwei der Artikel, bei denen ich nachgeschaut habe, was die Autoren da tatsächlich schreiben passten jedenfalls nicht so gut in das Bild schnell aufeinander folgender gegensätzlicher Aussagen, das Schätzing da zeichnet.

Dadurch, dass wir bei Schätzing nie so genau erfahren, warum der jeweils genannte Wissenschaftler zu neuen Schlüssen kommt und wie die alten Daten dann vielleicht doch in das neue Bild passen, drängt sich das Bild der Beliebigkeit geradezu auf.

Dass Schätzing dann noch Popper ins Feld führt – wir können nie etwas verifizieren, haben nie Gewissheit, alles ist im Fluss – führt direkt an dieser Stelle auch eher in die Irre. Wir reden an dieser Stelle über ein konkretes historisches Ereignis, nicht über allgemein gültige Naturgesetze. Warum soll sich im Laufe der Jahrzehnte nicht ein bestimmtes Modell dieses Ereignisses verfestigen, gestützt auf immer bessere Daten und Modelle? Ab einem bestimmten Punkt haben wir in solchen Fällen, wenn alles gut läuft, eben doch Gewissheit im Alltagssinne des Wortes – nicht im philosophischen Sinne, aber doch soweit, dass bestimmte Aussagen gesicherter sind als 90% dessen, was wir im Alltag gewiss nennen, so dass es irreführend wäre, das Wort nicht zu gebrauchen.

Um jetzt nicht den falschen Eindruck zu erzeugen: Außer diesen und vielleicht ein, zwei anderen Wermutstropfen war es das dann auch schon mit meiner Kritik. Generell fand ich Schätzings Buch kurzweilig, angenehm zu lesen, interessant. Und wenn man die flapsige Schreibe über hat, kann man danach ja auch wieder ein anderes Buch zur Hand nehmen. Insgesamt all das auf die linke Wagschale gelegt, das etwas problematische Wissenschaftsbild und die Schnitzer auf die rechte – ich denke, die Waage neigt sich immer noch nach links, und Schätzing hat insgesamt einen für die Wissenschaft positiven Einfluss auf die beachtliche Zahl von Lesern, die er erreicht. Am Anfang einer tieferen Beschäftigung steht die Begeisterung für ein Thema, und die, denke ich, dürfte aus Schätzings Buch in vielen Fällen auf den Leser überspringen.

Markus Pössel hatte bereits während des Physikstudiums an der Universität Hamburg gemerkt: Die Herausforderung, physikalische Themen so aufzuarbeiten und darzustellen, dass sie auch für Nichtphysiker verständlich werden, war für ihn mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Forschungsarbeit. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam blieb er dem Institut als "Outreach scientist" erhalten, war während des Einsteinjahres 2005 an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt und schuf das Webportal Einstein Online. Ende 2007 wechselte er für ein Jahr zum World Science Festival in New York. Seit Anfang 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie leitet, ein Zentrum für astronomische Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Pössel bloggt, ist Autor/Koautor mehrerer Bücher, und schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.

4 Kommentare

  1. Mangelnde Sorgfalt ist unentschuldbar

    “…Mensch Schätzing, da hättest du bestimmt noch einen Physiker oder Astronomen auftun können, der sich das mal anschaut…” Ich denke ein Lektor mit Sinn und Verstand hätte gereicht. Ich fürchte, dass ein Verlag sich schlichtweg nicht getraut einen Bestsellerautor zu lektorieren und/oder das für unnötig hält: Die Leute kaufen das Buch sowieso. Daher sollte man vorsichtig sein bei Büchern von Bestsellerautoren. Mein Tipp: Wenn auf dem Cover der Autorenname größer gedruckt wird als der Buchtitel droht Gefahr.

    Ich habe übrigens auch versucht das Buch zu lesen und aufgegeben. Da ist zum einen der flappsig-schlampige Sprachstil, aber noch schlimmer der Vertrauensverlust: Wenn ich einen Autor dabei ertappe, wie er auf einem mir vertrauten Gebiet Blödsinn schreibt, kann ich nicht mehr darauf vertrauen, dass er dort richtig liegt, wo ich es nicht beurteilen kann.

  2. Flapsiger Stil: Zitate sagen alles?

    Der kumpelhafte Stil scheint einigen Rezensenten aufgefallen zu sein. Sogar der Wikipedia-Artikel über dieses Buch hat ein Kapitel Zitate und wer die drei dort versammelten Zitate liest, z.B. das folgende
    „Gruppen junger, erfolgreicher Cyanobakterien, trendy und angesagt, zogen durch die Flachgewässer, feierten Vermehrungsparties im Sonnenlicht und schmissen mit Sauerstoff nur so um sich.“

    ahnt wohl was auf ihn zukommt, wenn er das Buch liest.

    Das Buchkonzept und die breite Sicht auf das Thema Ozeane scheint mir aber interessant und das Kapitel “Morgen” würde mich rein thematisch interessieren. In der Wikipedia liest man darüber:
    “Themen [von Morgen] sind unter Anderem die Bedeutung der Ozeane als Handelswege, der Aspekt der Energiegewinnung aus dem Meer, die „Technolution“ und die Möglichkeiten einer Besiedlung des Meeres durch den Menschen. Abschließend legt er einige Betrachtungen über ozeanische Welten auf fremden Planeten dar.”

    Abschliessend eine Empfehlung:
    Wer sich sogar für mehr als die Ozeane und alles was damit zusammenhängt interessiert, dem sei Bill Bryson’s „A Short History of Nearly Everything” empfohlen. In diesem Buch geht es nicht nur um das Wissen über unsere Welt sondern viel stärker noch um das Wissen über die Wissenschaftler die dieses Wissen zusammengetragen haben. Mich hat daran besonders beeindruckt unter welchen Verhältnissen frühere Wissenschaftlergenerationen gearbeitet haben. Es gab beispielsweise eine Zeit, wo Wissenschaft zu nicht unbedeutenden Teilen von Amateueren betrieben wurde, von Bessergestellten im England des 18. und 19. Jahrhunderts, die ihren Lebenssinn in der wissenschaftlichen Erkenntnis sahen. Darwin gehörte zu dieser Gruppe von Privatgelehrten. Wissenschaft war dazumal also mindestens für eine kleine Schicht von Begüterten eine gehobene Art des Zeitvertreibs.

  3. @Martin Holzherr

    Brysons kurzer Geschichte von Allem hätte es aber ebenfalls gut getan, wenn mal jemand mit naturwissenschaftlicher Allgemeinbildung drübergelesen hätte.

  4. Schätzing

    @Stefan: Meiner Erfahrung nach ist da außer dem Lektor (der ja vornehmlich anders gelagerte Qualifikationen haben sollte) immer auch ein Fachredakteur nötig. Ich habe das mehrmals gemacht und fand das sehr sinnvoll.

    @Martin Holzherr: Der flapsig-lockere Stil duerfte das Buch aber gerade auch fuer bestimmte Sorten von Leser ansprechend machen, die sonst eben keine Wissenschaftsbücher lesen. Und wenn ein paar davon dann tieferes Interesse zeigen und entsprechend bei den ernsteren Sachbüchern landen, ist das nicht zu verachten.

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