Exoplaneten und Minimal-Recherche

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… aber nicht einfacher
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In meinem letzten Beitrag “Neuer Exoplanet – wer ist der Entdecker?” hatte ich ein Beispiel dafür beschrieben, wie man wichtige Teile der Story verpassen kann, wenn man sich zu sehr auf wissenschaftliche Pressemitteilungen verlässt. Es war dort um einen möglicherweise lebensfreundlichen Exoplaneten gegangen, der in einer ganzen Reihe von Medien als Neuentdeckung gemeldet wurde – ein Artikel einer anderen Forschergruppe vom Ende letzten Jahres geriet dabei irgendwie unter die Räder.

Mein Aufhänger war eine Meldung in der Süddeutschen gewesen (online hier, gedruckte Version in der SZ vom 3.2.); einen Tag danach hatte ich noch einmal gegoogelt, wie weit die Geschichte der Neuentdeckung sich denn nun verbreitet hatte, und war dabei doch etwas erschrocken: Focus, Spiegel OnlineFrankfurter Rundschau, ARD-Nachtmagazin, Zeit Online, RTL, 20 Minuten Online, Augsburger Allgemeine, Thüringer Allgemeine, Hamburger Abendblatt, Berliner Morgenpost, und mit weiterem Googeln findet man sicher nochtag weitere Beispiele für Medien, die die Meldung weitgehend ungeprüft – und damit eben deutlich unvollständig – übernommen haben. Einziges Positivbeispiel war Sterne und Weltraum, wo die vorangehenden Arbeiten der Forschergruppe um Bonfils Erwähnung fanden [Offenlegung].

Was ist da schiefgegangen? Oder, anders gefragt: Wieviel “Minimal-Recherche” wäre nötig gewesen, um das Problem zu erkennen?

Als jemand, der regelmäßig selbst Pressemitteilungen schreibt (und Übersetzungen von Pressemitteilungen redigiert) und Kollegen ermutigt, ihre Forschungsergebnisse auf diesem Wege publik zu machen, bin ich natürlich schon aus ganz eigennützigen Gründen sehr dafür, dass Wissenschafts-Pressemitteilungen auch aufgegriffen werden. In der Astronomie dürfte es auch, logo, deutlich weniger problematisch sein, sich an Pressemitteilungen zu orientieren, als bei kontroverseren Themen (Gentechnik, Atomkraft, …).

Aber so unproblematisch sie als Ausgangspunkt für einen Bericht sein mögen, sollte doch klar sein, dass man Pressemitteilungen nicht einfach eins zu eins übernehmen kann. Angesagt sollte dieselbe wohlwollende Skepsis sein, die Wissenschaftler auch untereinander üben sollten. Mit “wohlwollender Skepsis” meine ich dabei: Selbstverständlich unterstelle ich dem Kollegen keine bösen Absichten, keine Nachlässigkeit oder gar unethisches Verhalten. Aber selbstverständlich prüfe ich trotzdem nach, was er oder sie da behauptet, lese mir ein paar Quellen durch, stelle selbst zumindest Plausibilitätsüberlegungen an. (Im Alltag gehen diese beiden Verhaltensweisen in der Regel nicht zusammen; vertraue ich jemandem, prüfe ich auch nicht nach; kritisch nachzufragen wird dementsprechend oft automatisch als Affront gesehen; das ist aus meiner Sicht ein ganz allgemeines und nicht zu unterschätzendes Problem.)

Der erste Schritt beim Nachprüfen dessen, was in der Pressemitteilung steht, sollte der Griff zum Fachartikel sein. Für jede gute wissenschaftliche Pressemitteilung sollte gelten, dass sie bibliografische Angaben zum Fachartikel enthält und am besten auch eine elektronische Version verlinkt. 

Fachartikel sind natürlich keine einfache Lektüre. Selbst Astronomen werden beim Lesen von Fachartikeln außerhalb ihres eigenen astronomischen Spezialgebiets nur einen Teil dessen verstehen, was da geschrieben wird. Aber auch ohne Astronomiestudium kann man Fachartikeln Informationen entlocken. Zumindest die Zusammenfassung am Anfang (“Abstract”) und die zusammenfassenden Abschnitte am Ende (“Results”, “Discussion”) sollte man genauer lesen, den Rest zumindest überfliegen. Und besonders sollte man dabei nach Aussagen Ausschau halten, die den Aufhänger – oder was sonst noch in der Berichterstattung eine Rolle spielen soll – betreffen.

Im Falle des Exoplaneten-Artikels findet sich der Satz, der Journalisten aufhorchen lassen sollte, in Teil 2 (Observations): “Also recently, Bonfils et al. (2011) reported the detection of a plausible signal with P [approximately] 28 days similar to one of the candidates we report here. However, no detailed analysis nor any data were provided therein.” Das ist zumindest der erste Teil des Puzzles; die Querverbindung, dass “one of the candidates” gerade der Planetenkandidat GJ 667Cc ist, der bei der Berichterstattung im Rampenlicht steht, muss der Leser, und da wird es dann doch etwas anspruchsvoller, beim Weiterlesen selbst dort ziehen, wo die Periode von GJ 667Cc (28,15 Tage) erwähnt wird.

Kann man im vorliegenden Falle von einem Journalisten verlangen, bei der Fachartikel-Lektüre auf das Prioritätenproblem zu stoßen? Ich vermute: nein. Ich habe den unangenehmen Verdacht, dass ich selbst beim Überfliegen des Fachartikels möglicherweise auch nicht von selbst auf den entscheidenden Umstand gestoßen wäre, dass es zur Entdeckung der Supererde einen früheren Artikel gibt.

Bei mir war es der Hinweis eines mit dem Thema vertrauten Astronomie-Kollegen aus dem MPIA, durch den ich erstmals von dem früheren Fachartikel und damit von der Prioritäts-Problematik erfuhr. Bei Journalisten wäre das Analogon dazu das Gespräch mit den beteiligten und, eigentlich noch wichtiger, mit unbeteiligten Wissenschaftlern.

Zumindest das Gespräch mit beteiligten Wissenschaftlern hat von den oben angeführten Medien z.B. 20 Minuten Online gesucht; der hier verlinkte Artikel ist ein Interview mit Guillem Anglada-Escudé. Die problematische Frage, wer denn nun wann was zuerst gemacht hat, kommt darin allerdings nicht vor. Auch Spiegel Online hat mit Anglada-Escudé gesprochen, ohne, dass die Prioritätsfrage aufkam.

Nur aus Interviews mit den Beteiligten solche kitzligen Informationen herauszuziehen, dürfte andererseits nicht ganz trivial sein. Wer zu sehr auf Konfrontation setzt (“Stimmt überhaupt, was sie da sagen? Na? Na?”) dürfte schwerlich genügend Material für ein Interview zusammenbekommen. Und bekommt beim nächsten Mal vielleicht gar kein Interview mehr.

Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass es für solch eine Situation keine diplomatische Lösung gibt. “Lassen Sie mich kurz Schritt für Schritt die Fakten durchgehen, damit ich sicher bin, alles verstanden zu haben: […]” – oder so ähnlich.

Bliebe noch die Befragung von Wissenschaftlern, die nicht direkt an der jetzt veröffentlichten Forschung beteiligt waren. Ich kenne das z.B. als immer wiederkehrende Formulierung in der von mir sehr geschätzten Wissenschaftsberichterstattung von BBC News Online:  “Prof. XYZ, who was not involved in this study, said: […]”. Wer nach site:bbc.co.uk scientist “not involved in” googelt, findet zahlreiche Beispiele. Bei der New York Times sieht es ähnlich aus.

Im vorliegenden Falle finde ich nur bei dem Nachtmagazin-Beitrag einen nicht direkt in die Forschung involvierten Kollegen, nämlich Prof. Ansgar Reiners, der, ebenso wie Anglada-Escudé, an der Universität Göttingen forscht. Der sagt in dem ausgestrahlten Teil des Interviews aber ebenfalls nichts über ein mögliches Prioritätsproblem, sondern gibt Basisinformationen dazu, was eine Supererde ist, was es mit der habitablen Zone auf sich hat und was das für die Existenz von Leben bedeutet; außerdem dazu, was der Nachweis des Planeten für Konsequenzen für Exoplaneten-Häufigkeitsschätzungen hat.

Was immer da in diesem konkreten Fall gelaufen ist; der Vergleich mit BBC und New York Times zeigt, wie es laufen sollte: Der betreffende Wissenschaftler wird ausdrücklich um eine Einschätzung der Arbeiten der Kollegen gebeten. Und sollte unbedingt auch die Möglichkeit bekommen, sich inoffiziell zu äußern: Dass ein Wissenschaftler zurückhaltend ist, öffentlich Kritik, ist, wenn es um aktuelle oder zukünftige Ko-Autoren oder gar Arbeitgeber geht, einigermaßen verständlich; wichtiger als zitierfähige Äußerungen sollte dem Journalisten in diesem Stadium sein, überhaupt zu verstehen und einschätzen zu können, was es mit dem Forschungsthema für eine Bewandtnis hat. Und dafür reicht aus, dass der Wissenschaftler bereit ist, Hintergrundinformationen zu geben; im hier vorliegenden Exoplaneten-Fall also z.B auf die Existenz der früheren Veröffentlichung der Konkurrenzgruppe hinzuweisen.

Das wäre für mich so etwas wie ein Minimalstandard für die Recherche von Wissenschaftsartikeln: Entweder, der Journalist hat sich tiefer gehende Kenntnisse und einen so guten Überblick erarbeitet, so dass er direkt aus Pressemitteilung und Originalveröffentlichungen erschließen kann. Oder aber er sucht sich einen für das betreffende Thema qualifizierten Wissenschaftler, der ihm die nötigen Hintergrundinformationen liefert.

Am besten ist in solchen Fällen natürlich immer der Einsatz eines Wissenschaftsjournalisten, der sich auf dem betreffenden Fachgebiet auskennt. Aber um meinen Minimalstandard einzuhalten, muss man gar nicht Wissenschaftsjournalist sein. Möglich, dass ein nicht auf Wissenschaft spezialisierter Journalist ein, zwei Telefonanrufe mehr durchführen müsste, bis er bei genau dem richtigen Gesprächspartner landet (falls ihn Google nicht schon richtig geleitet hat: der erste Anruf könnte wahrscheinlich einem beliebigen Astronomen eines beliebigen astronomischen Instituts gelten). Und dass er dann die Zeit seines Gesprächspartners deutlich länger in Anspruch nehmen müsste und wahrscheinlich gut daran täte, seinen Text, oder Teile daraus, noch einmal gegenlesen zu lassen (dazu hatte ich ja schon separat gebloggt).

Ist mein Anspruch realistisch? Bei einem größeren Zeitungsbericht oder einem längeren Artikel fände ich es ziemlich empörend, wenn die Recherche seichter ausfallen würde als so. Beim Nachtmagazin-Beitrag bin ich mir nicht ganz sicher; in der eigentlichen Tagesschau würde ich diesen Grad an Sorgfalt auf jeden Fall erwarten, und auch beim Nachtmagazin sagt mir mein Bauchgefühl: Das hätte eigentlich anders laufen sollen.

Wie sieht es bei kleineren Zeitungen oder, wie bei den oben verlinkten Meldungen ja in der Regel der Fall, bei der Online-Berichterstattung aus? Ich weiss es nicht aus eigener Erfahrung, aber die Bedingungen für sorgfältige Wissenschaftsberichterstattung dürften dort eher ungünstig sind: Geringe Bezahlung, die selbst völlig ohne zusätzliche Rechercheleistungen zu niedrigem Stundenlohn führt; kein für Wissenschaft zuständiger Redakteur, und wenn man Pech hat, schreibt den Text auch kein Wissenschaftsjournalist — liege ich da ungefähr richtig? Bin ich da zu pessimistisch, oder umgekehrt noch zu optimistisch?

Und da ich in dieser Angelegenheit mindestens zwei Hüte aufhabe – einmal als Konsument von Wissenschaftsmeldungen, einmal als wissenschaftlicher Öffentlichkeitsarbeiter – bin ich, was Meldungen angeht, in denen die Pressemitteilung im wesentlichen so wiedergegeben wird, wie sie vom Institut veröffentlicht wurde, geteilter Meinung. Ich freue mich, wenn astronomische Pressemitteilungen weite Verbreitung finden. In den weitaus meisten Fällen dürfte die direkte Übernahme der in der Pressemitteilung enthaltenen Informationen auch ohne Zusatzrecherche zu einem zutreffenden Kurzartikel führen. Dort wäre es schade, wenn jetzt ein Redakteur sagen würde: “Nee, wir haben die Ressourcen nicht, da nochmal nachzurecherchieren, deswegen lassen wir das mit dieser Pressemitteilung jetzt ganz sein.” Andererseits frage ich mich nach diesem Exoplanetenbeispiel natürlich schon: Wie hoch mag der Anteil von problematischen Meldungen sein, die eins-zu-eins ungeprüft durchrutschen? Und dann wünsche ich mir doch größere Selektivität und eine Grundhaltung “Wenn wir’s machen, machen wir’s richtig.”

Wie könnte ein Kompromiss aussehen? Dass sich eine hinreichend große Zahl von freien Wissenschaftsjournalisten, die sich in hinreichend vielen Wissenschaftsgebieten besonders gut auskennen, zu einem Netzwerk organisiert, dass den Printmedien garantiert kritisch nachrecherchierte Wissenschaftsmeldungen anbietet? Eine Wissenschafts-Version des Bildblog (das ja seit einiger Zeit nicht nur Bild im Auge behält, sondern allgemein die deutschen Medien); so etwas wie die deutsche Version des Knight Science Journalism Tracker, damit sich der weitergehend interessierte Leser rückversichern kann? Oder beim näheren Hinschauen vielleicht besser doch nicht. Der Knight Science Journalism Tracker hat das Problem mit der Berichterstattung über die Exoplaneten-Entdeckung nämlich auch völlig übersehen.

 

Offenlegung: Die Redaktion von Sterne und Weltraum sitzt im gleichen Gebäude wie wir, nämlich im Haus der Astronomie, und wir pflegen gute Beziehungen. Ich schreibe regelmäßig Artikel für SuW. Ich kenne und schätze den Autor der verlinkten Meldung, Tilmann Althaus. Dass SuW hier sorgfältiger war als die anderen Medien entspricht durchaus meinen Vorurteilen.

 

Markus Pössel hatte bereits während des Physikstudiums an der Universität Hamburg gemerkt: Die Herausforderung, physikalische Themen so aufzuarbeiten und darzustellen, dass sie auch für Nichtphysiker verständlich werden, war für ihn mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Forschungsarbeit. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam blieb er dem Institut als "Outreach scientist" erhalten, war während des Einsteinjahres 2005 an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt und schuf das Webportal Einstein Online. Ende 2007 wechselte er für ein Jahr zum World Science Festival in New York. Seit Anfang 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie leitet, ein Zentrum für astronomische Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Pössel bloggt, ist Autor/Koautor mehrerer Bücher, und schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.

9 Kommentare

  1. Puh…

    Ich bin ehrlich gesagt nicht sicher ob ich die Signifikanz des Satzes im Paper begriffen hätte, wenn es meine Meldung gewesen wäre. “Andere Wissenschaftler haben da auch mal was gesehen” ist jedenfalls keine Info, die ich für die Meldung essenziell fände. Die ähnliche Periode macht das natürlich relevant, aber das muss einem beim Lesen auch erstmal auffallen.

  2. Also ich hab das Paper gelesen, mir ist auch der Satz aufgefallen. Aber ich hätte und habe daran nichts verfolgens- oder recherchierenswertes gefunden. Da stand, das andere ein ähnliches Signal gefunden haben, aber dieses Signal dann nicht weiter analysiert haben. Sowas liest man öfter mal. Eine Gruppe stößt auf irgendwas, hat aber andere Prioritäten und verfolgt das nicht weiter. Eine andere Gruppe konzentriert sich dann genau darauf und erwähnt, dass andere das schonmal gesehen haben, aber nicht weiter geforscht haben.

    Ich kann jetzt die genaue Prioritätsdiskussion nicht überblicken. Ich halte es aber für zweifelhaft, das ein unbeteiligter Astronom hier sofort aufgehorcht und “Skandal!” gerufen hätte.

    Ich seh die Sache jetzt auch nicht so wirklich dramatisch. Da gäbe es viel relevantere Dinge, um die sich ein “Wissenschafts-BILDblog” kümmern könnte.

  3. Der Elefant im Wohnzimmer …

    … (sorry, da fällt mir gerade nur der amerikanische Ausdruck ein 🙂 ist in keinem der beiden langen Postings angesprochen worden: Wenn Bonfils et al. ihre Priorität angetastet sehen sollten, warum haben sie bisher nichts gesagt? Die HARPS-Astronomen waren in der Vergangenheit nicht gerade zurückhaltend mit eigenen Pressemitteilungen, auch in – sagen wir mal – verrauschten Entdeckungen. Dass hier nun weder damals noch jetzt auf die Pauke gehauen wird, halte ich für ein Indiz, dass sie ihren Daten zumindest damals nicht wirklich glaubten.

  4. @Florian

    Naja, was heisst “verfolgt das nicht weiter”? Die hatten das Signal von GJ 667Cc (und das ja im wesentlichen in den gleichen Daten), hatten die Periode, eine ähnliche Massenabschätzung, und hatten ihre Vermutung festgehalten, dass der Planet potenziell habitabel ist (90% der Strahlung, die auf der Erde ankommt). Sollte das nicht reichen, damit anschließend niemand kommt und sagt, er habe da etwas neu entdeckt?

    Ich finde jedenfalls sehr merkwürdig, wie das gelaufen ist. Gerade im Hinblick auf die Frage von (Wissenschafts-)Journalismus als kritischer Kontrollinstanz.

  5. @Markus

    Das “verfolgt nicht weiter” war das, was im Artikel von Anglada-Escudé steht. Ob das nun auch wirklich so war, ist eine andere Frage. Ich wollte nur klarstellen, dass die Formulierung und der Hinweis auf den Bonfils-Artikel jetzt nicht weiter außergewöhnlich war und nichts, wo man sich denkt “Aha! Das muss ich jetzt nachrecherchieren, da steckt was im Busch!” Das wäre vermutlich den meisten anderen Astronomen auch nicht aufgefallen. Ok, man hätte jetzt solange Astronomen interviewen können, bis sich irgendwann mal einer findet, der jemanden vom Bonfils-Paper persönlich kennt und dann auf diesen Zusammenhang hinweist. Aber das ist jetzt nicht wirklich realistisch…

  6. @Daniel Fischer

    Ich denke, der Elefant ist, wenn man sich die Berichterstattung insgesamt anschaut, nach wie vor die Existenz des Bonfils et al. papers insgesamt.

    Zu ggf. verrauschten Daten: Sollte mich wundern, wenn Bonfils et al. da insgesamt schlechtere Daten gehabt hätten. Auch der andere Artikel basiert ja im wesentlichen auf HARPS. Und wenn die sich nicht einigermaßen sicher gewesen wären, hätten sie den Planeten wahrscheinlich nicht ohne irgendwelche Qualifikationen in ihren Übersichtsartikel aufgenommen.

    Zu der Frage, warum die selbst noch keine Pressemitteilung dazu gemacht hatten: Ich würde denken, die haben auf den (vertrödelten?) “in preparation”-Artikel gewartet. Und eine Pressemitteilung erst dann zu machen, wenn ein Artikel zumindest zur Veröffentlichung akzeptiert ist, ist ja auch guter Stil.

    Warum die sich jetzt nicht öffentlich beschweren? Ich vermute, das hat nichts damit zu tun, dass die ihren Daten nicht trauen/trauten, sondern eher damit, dass sie es für unter ihrer Würde halten, da jetzt öffentlich Wirbel zu veranstalten. Was ich auch verstehen kann.

  7. @Florian

    Zu “man hätte jetzt solange Astronomen interviewen können, bis sich irgendwann mal einer findet” – meinst du wirklich?

    Ich würde hoffen: Ein Wissenschaftsjournalist, der in den letzten Jahren die Exoplaneten-Geschichten verfolgt hat, kennt die “major players”, insbesondere “Butler plus Dunstkreis” und “Mayor plus Dunstkreis”. Und wenn dann aus dem Butler-Umfeld eine Meldung kommt, zumal unter Verwendung von HARPS-Daten, fragt er/sie für eine unabhängige Stellungnahme direkt bei der Konkurrenz nach.

    Wie schnell jemand, der nicht-spezialisierter Journalist ist und sich herumtelefonieren muss, an den richtigen Gesprächspartner geraten würde, ist natürlich eine andere Frage. Ich würde aber denken: Durchschnittlich beim dritten Anruf. Ein Anruf zu einer beliebigen Sternwarte, von dort Verweis auf einen beliebigen Exoplanetenforscher, und von dort Verweis (HARPS) nach Genf. Zumindest solange der Journalist ‘rüberbringt, dass er oder sie an den Hintergrundinformationen interessiert ist und nicht nur jemanden sucht, der sagen kann, was eine Supererde ist.

  8. HARPS “verliert” einen der beiden?

    Auf der Suche nach dem (weiterhin inexistenten) HARPS-eigenen Cc-Entdeckungspaper bin ich gerade auf http://arxiv.org/abs/1202.1564 gestossen – und da ist jetzt nur noch von *einem* Planeten des Sterns C die Rede, wobei nicht mal 100%ig klar ist, ob b oder c gemeint ist. Weil die Referenz mal wieder ein Paper “in preparation” ist …

  9. @Daniel Fischer

    Da behandeln sie GJ 667Cc dann wahrscheinlich in der Tat wohl als unbestätigten Kandidaten. Wobei sie jetzt ja umgekehrt eigentlich Anglada-Escudé zitieren und einbeziehen (oder zumindest darauf eingehen) müssten.

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