Raumfahrt mit Schwung: Raumfahrtshow des DLR in Berlin

Wissenschafts-Shows sind ein besonderes Format der Wissenschaftskommunikation: Eine Mischung aus Wow-Effekten, Unterhaltung, Mitmacheinlagen, Experimenten und mitten drin spannenden wissenschaftlichen Inhalten. Heute war ich in Berlin bei der Raumfahrtshow des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt DLR – im Auditorium der TU Berlin, zusammen mit rund 1000 Berliner Schülerinnen und Schülern. Anlass für die Show, mit der DLR_next derzeit durch Deutschland tourt, ist die aktuelle Mission des deutschen ESA-Astronauten Alexander Gerst zur Internationalen Raumstation ISS.

Die Show ist ein sehr schönes Beispiel dafür, was das Format leisten kann. Ein Saal voller Kinder (wenn ich richtig mitbekommen habe: Grundschule, in Berlin bis 6. Klasse) möchte erst einmal gebändigt werden; das gelang den beiden Moderatoren aber problemlos.

Raumfahrtshow im Audimax der TU Berlin

Sonnensystem, nicht ganz maßstabsgerecht: bei der DLR_next-Raumfahrtshow im Auditorium der TU Berlin

Zu so einer Show gehört natürlich auch Theater; hier bestand es unter anderem darin, dass einer der Moderatoren die Antworten auf die “Testfragen” des zweiten Moderators als running gag jeweils heimlich “vorsagte”.

Die Show bestand aus einer schwungvollen Kombination von Filmmaterial (da hat die Internationale Raumstation ja einiges zu bieten), Mitmach-Aktionen wie dem gemeinsamen Countdown oder dem gemeinsamen Loslassen aufgeblasener Ballons zur Demonstration des Rückstoßprinzips und Schauexperimenten auf der Bühne – besonders schön die Testkammer-samt-Kamera im freien Fall zur Demonstration der Schwerelosigkeit. Ach ja: eine Führung durch ein beeindruckend detailliertes Modell der Internationalen Raumstation war auch dabei. (Letzere beide Attraktionen gibt es auch in den School Labs des DLR).

Die heutige Berliner Sonderausgabe der Raumfahrtshow hatte dann natürlich noch einige besondere Elemente.loc Highlight war sicher die 20-minütige Liveschaltung zur ISS, bei der Alexander Gerst Fragen der auf der Bühne versammelten Kinder und Jugendlichen beantwortete. Aber auch bei den musikalischen Einlagen, insbesondere bei Peter Schilling mit “Major Tom (Völlig schwerelos)”, tobte der Saal. Und einen echten Astronauten (wenn auch derzeit noch im Training) wie Matthias Maurer hat man natürlich auch nicht immer vor Ort. (Ob der Besonderheiten wurde die Show denn auch an 16 Veranstaltungsorte in Deutschland und Österreich übertragen, und natürlich live auf YouTube gestreamt.)

Hinter der Raumfahrtshow steht auf DLR-Seite Dr. Volker Kratzenberg-Annies, Vorstandsbeauftragter des DLR für die Nachwuchsfördering, der in punkto Outreach zur Raumfahrt und den anderen DLR-Themen ja auch an anderer Stelle überaus umtriebig ist und z.B. auch die DLR-Schülerlabors ins Leben gerufen hat. Wer auf Twitter ist und an, wie sage ich’s am besten: locker-flockiger? leichtherziger? gelegentlich etwas [flüstert]alberner oder leicht überkandidelter[/flüstert] Raumfahrt-Wissenschaftskommunikation interessiert ist, sollte ihm unbedingt auf @dlr_next folgen. (Knapp 35.000 Tweeps machen’s schon.)

Wissenschaftskommunikation hat viele Facetten und viele Niveaus. Wissenschaftsshows können für Wissenschaft begeistern, Faszination wecken, dabei Grundwissen vermitteln – und können so dafür sorgen, dass sich eine Reihe von Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen solchermaßen angeregt dann auch vertieft mit dem betreffenden Thema beschäftigen. Auf jenen weitergehenden Ebenen ist dann auch Zeit für differenzierende und gegebenenfalls kritische Betrachtungsweisen, die Wissenschaftskommunikation auf höherem Niveau schließlich ermöglichen soll. Bei Wissenschaftsshows selbst steht aber erst einmal die Begeisterung im Vordergrund, und die stand ja auch für viele derjenigen von uns, die dann tatsächlich Wissenschaftler oder Wissenschaftlerinnen geworden sind, am Anfang. Begeisterung hat die Raumfahrtshow bei den jungen Teilnehmer/innen ganz eindeutig erzeugt – und es wäre sicher sehr spannend, in 20 Jahren einmal nachzuforschen, wieviele der Teilnehmer/innen dann auch in der Raumfahrt oder verwandten Bereichen gelandet sind!

[Offenlegung: Das Haus der Astronomie führt in Kooperation mit dem DLR und Herrn Kratzenberg-Annies gerade ein gemeinsames Projekt zur Entwicklung von Unterrichtsmaterialien zur Gerst-Mission durch – in diesem Zusammenhang war ich heute auch vor Ort, um den ankommenden Lehrer/innen Infomaterial in die Hand zu drücken.]

Markus Pössel hatte bereits während des Physikstudiums an der Universität Hamburg gemerkt: Die Herausforderung, physikalische Themen so aufzuarbeiten und darzustellen, dass sie auch für Nichtphysiker verständlich werden, war für ihn mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Forschungsarbeit. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam blieb er dem Institut als "Outreach scientist" erhalten, war während des Einsteinjahres 2005 an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt und schuf das Webportal Einstein Online. Ende 2007 wechselte er für ein Jahr zum World Science Festival in New York. Seit Anfang 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie leitet, ein Zentrum für astronomische Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Pössel bloggt, ist Autor/Koautor mehrerer Bücher, und schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

    • @Jürgen Altenbrunner: Vom Mitmach-Format her war es schon sehr auf (jüngere) Schüler zugeschnitten. Wissenschaftsshows generell kann man natürlich auch für Erwachsene machen. Die “Highlights der Physik” beginnen ja typischerrweise jedes Jahr mit einer solchen erwachsenentauglichen Wissenschaftsshow.

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