Pulsare, Singularitäten, Urknall-Echo im Video bei #FasziAstroOnline

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… aber nicht einfacher
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Was sind Pulsare, und warum kann man sie nutzen, um Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie zu testen? Wo liegen die Grenzen jener Theorie, anders gefragt: Was hat es mit sogenannten Raumzeitsingularitäten auf sich? Und wie konnte der Planck-Satellit das “Nachglühen des Urknalls” vermessen? Um all diese Frage ging es jüngst in der Online-Vortragsreihe “Faszination Astronomie Online”, die meine Kollegin Carolin Liefke und ich organisieren, mit halbstündigen Vorträgen zu diversen astronomischen Themen jeweils am Dienstag und Donnerstag um 19 Uhr.

Einstein im Pulsar-Laboratorium

Die Forschung von Michael Kramer verfolge ich jetzt bereits seit sicher 20 Jahren mit großer Spannung. Michael und seine Kolleg*innen erforschen Doppelsterne, bei denen mindestens einer der Partner ein Pulsar ist, also ein rasch rotierender Neutronenstern, von dem wir eine regelmäßige Reihe von Radiopulsen empfangen. Der andere Partner ist in den Fällen, die besonders interessant sind, entweder ein weiterer Neutronenstern oder ein Weißer Zwerg. In einem besonderen Fall handelt es sich sogar um zwei Pulsare!

Einerseits sehr kompakte Massen, nämlich Neutronensterne, andererseits höchst regelmäßige Radiosignale (Lichtsignale, im erweiterten Sprachgebrauch der Astronom*innen): Das sind ideale Voraussetzungen, um die Voraussagen von Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie genau zu testen. Darüber hat uns Michael letzte Woche etwas erzählt:

Wo Raum und Zeit zuende sind: Singularitäten

Ebenfalls in der letzten Woche hat die Mathematikerin Melanie Graf uns etwas über Singularitäten erzählt, also über Raumzeitregionen, wo die reguläre Beschreibung von Raum und Zeit auf einmal unrettbar abbricht. Unter anderem kann man in dem Vortrag erfahren, wofür Roger Penrose eigentlich in diesem Jahr seinen Nobelpreis bekommen hat:

Planck-Mission und kosmische Hintergrundstrahlung

Ein weiterer Vortrag beschäftigte sich mit der kosmischen Hintergrundstrahlung, also jenem Licht der frühen, heißen Urknall-Phase, das so lange unterwegs war, dass es uns erst jetzt erreicht. Dazu hatte uns mit astrophysikalischer Perspektive vor einiger Zeit schon Matthias Bartemann in einem exzellenten Vortrag etwas erzählt; diesmal hatten wir den Ingenieur Stefan Thürey als Vortragenden, der an maßgeblicher Stelle bei der Planck-Mission der europäischen Weltraumbehörde ESA mitgearbeitet hat – demjenigen Satelliten, der uns die bislang genauesten Messungen zur Struktur der kosmischen Hintergrundstrahlung gemessen hat:

Allgemein wird das übrigens nicht das letzte Mal sein, dass wir ein Thema in verschiedenen Vorträgen von verschiedenen Seiten aus beleuchten. So entsteht nach und nach nicht nur eine Sammlung kurzer Einführungsvorträge zu diversen astronomischen Themen, sondern wir berücksichtigen auch, dass es immer Perspektiven gibt, die einigen Zuhörer*innen mehr liegen als anderen – und dass Vielfalt dafür sorgt, dass für jede*n etwas dabei ist.

Alle Vorträge aus unserer Reihe (wir sind jetzt bei knapp 70 Vorträgen) findet ihr hier auf dieser YouTube-Playlist. Bei Interesse dann gerne den YouTube-Kanal des Hauses der Astronomie abonnieren und die Erinnerungs-Glocke einschalten – dann verpasst ihr keine Live-Vorträge mehr bei uns. In der kommenden Woche sind jedenfalls wieder eine Reihe spannender Themen dabei: Gesa Bertrang erzählt uns, wie aus Staubkörnern Planeten werden; Sabine Reffert etwas über die Radialgeschwindigkeitsmethode zum Exoplaneten-Nachweis, und am Dienstag darauf erzählt uns Heino Falcke, wie er und sein Team letztes Jahr das erste Bild vom Schatten eines Schwarzen Lochs aufgenommen haben.

 

Markus Pössel hatte bereits während des Physikstudiums an der Universität Hamburg gemerkt: Die Herausforderung, physikalische Themen so aufzuarbeiten und darzustellen, dass sie auch für Nichtphysiker verständlich werden, war für ihn mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Forschungsarbeit. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam blieb er dem Institut als "Outreach scientist" erhalten, war während des Einsteinjahres 2005 an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt und schuf das Webportal Einstein Online. Ende 2007 wechselte er für ein Jahr zum World Science Festival in New York. Seit Anfang 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie leitet, ein Zentrum für astronomische Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Pössel bloggt, ist Autor/Koautor mehrerer Bücher, und schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.

2 Kommentare

  1. Zur Raum/Zeit
    Für mich als interessierter Amateur steht die Frage wie man diese Begriffe definiert . Raum und Zeit entstehen meiner Ansicht doch eigentlich nur aus Energieentstehung bzw. Energieverfall bzw. was dazwischen abläuft. Oder: Massereiche Elementarteilchen produzieren Naturgesetze wie Gravitation ,Schwerkraft etc…. Der “Zeit – Raum” dieses Entstehens und Vergehens ist unsere menschliche Vorstellung von ZEIT, also von einer Endlichkeit so wie wir es als Erdenbewohner kennen. Wenn also keine Naturgesetze ablaufen können, da zum Beispiel keine Masse produziert wird, könnte also auch keine RaumZeit existieren, es also weder Vergangenheit/Gegenwart oder Zukunft gibt.

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