• Von Markus Pössel
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Merkurtransit am 9. Mai 2016: Vorsicht bei der Beobachtung!

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Zumindest in einigen Teilen Deutschlands sieht das Wetter vielversprechend aus, und in den Medien findet man auch zahlreiche Meldungen dazu: Morgen, am 9. Mai 2016 zieht der innerste Planet Merkur von der Erde aus gesehen als winziges Scheibchen vor der Sonne vorbei.

Das ist zwar nicht so selten wie der Venus-Transit, den wir vor knapp vier Jahren hatten und der erst 2117 wieder beobachtet werden kann. Wer den Merkurtransit verpasst, hat bereits Ende 2019 wieder Gelegenheit zur Beobachtung. Aber das allgemeine Interesse dürfte vermutlich trotzdem recht groß sein.

Gute Informationen finden sich auf den Seiten der Vereinigung der Sternfreunde e.V., von denen auch die folgende Verlaufsgrafik stammt:

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Wie in der Grafik gut zu sehen: Merkur ist vergleichsweise klein. Wer nur mit einer Sonnenfinsternisbrille auf die Sonne guckt, würde schon Adleraugen brauchen, um den Transit erkennen zu können.

Das Mittel der Wahl sind daher Kleinteleskope mit entsprechendem Sonnenfilter aus Folie, die man im astronomischen Fachhandel erwerben kann. (Und nein, Rettungsfolie, Schweissbrillen etc. vor das Teleskop improvisiert reichen nicht aus – Finger weg davon!)

Wer nicht genau weiß, was er/sie mit seinem Kleinteleskop tut, sollte vorsichtigerweise davon absehen, morgen die Sonne auf’s Korn zu nehmen. Dazu sind die Augenschäden bei unsachgemäßer Sonnenbeobachtung doch zu schwer.

Umso schlimmer, dass in den Medien zum Teil durchaus missverständliche Beschreibungen im Umlauf sind, wie man gefahrlos beobachten kann. Wenn ich in der FAZ lese, der Transit sei “nur mit einem Teleskop und einer Spezialbrille zu sehen” dann finde ich das durchaus bedenklich. Wer das liest könnte schließlich auf den Gedanken kommen, mit einer Sonnenfinsternisbrille durch ein Teleskop zu schauen. Und da wird’s dann gefährlich, denn die Sonnenfinsternisbrille filtert zwar beim direkten Blick in die Sonne genügend Licht heraus, um gefahrlose Beobachtungen zu ermöglichen. Für die deutlich größere Intensität, wenn das Sonnenlicht erst durch ein Teleskop gebündelt wird und dann auf die Brille trifft, ist die Sofi-Brille aber nicht ausgelegt. Das kann im Wortsinne in’s Auge gehen. Eine Sonnenfilterfolie wird daher tunlichst am Objektiv des Teleskops angebracht, also dort, wo das Licht der Sonne überhaupt erst in das Teleskop eintritt. Warum der Artikel überhaupt Spezialbrillen erwähnt, ist mir schleierhaft – das ist missverständlich und kann zu gefährlichen Situationen führen.

Am besten ist es, man schließt sich denjenigen Mitmenschen an, die wissen, was sie tun und wie man die Sonne fachgerecht beobachtet. Vor den Planetarien dürften vielfach entsprechende Teleskope aufgebaut sein, und wer kein Planetarium in der Nähe hat, sollte im German Astronomical Directory nach der nächstgelegenen Volkssternwarte Ausschau halten. Auch einige der Hochschul- und extrauniversitären Astronomie-Institute bieten morgen Beobachtungsmöglichkeiten. Wir beispielsweise werden, allerdings abhängig vom Wetter, mit einigen Mitarbeitern des Hauses der Astronomie und des Max-Planck-Instituts für Astronomie morgen an der Theodor-Heuss-Brücke in Heidelberg stehen.

 

Markus Pössel

Markus Pössel hatte bereits während des Physikstudiums an der Universität Hamburg gemerkt: Die Herausforderung, physikalische Themen so aufzuarbeiten und darzustellen, dass sie auch für Nichtphysiker verständlich werden, war für ihn mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Forschungsarbeit. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam blieb er dem Institut als "Outreach scientist" erhalten, war während des Einsteinjahres 2005 an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt und schuf das Webportal Einstein Online. Ende 2007 wechselte er für ein Jahr zum World Science Festival in New York. Seit Anfang 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie leitet, ein Zentrum für astronomische Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Pössel bloggt, ist Autor/Koautor mehrerer Bücher, und schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.