Lob der Stundenkilometer

In der Sitzung “Die größten Leserbriefe aller Zeiten” auf der Wissenswerte 2016 (nachzuhören hier, wie auch andere Veranstaltungen der Wissenswerte) kamen sie vor (bei Zeitmarke 8:50): die Stundenkilometer. Die Verwendung dieses Begriffs in einem Artikel hatte Daniel Lingenhöhl, damals Praktikant bei Spektrum der Wissenschaft (und heute Redaktionsleiter von Spektrum.de) seinen ersten und “persönlich schlimmsten” Leserbrief eingebracht: das Wort “Vollidiot” kam darin vor, außerdem die Empfehlung, Lingenhöhl sollte doch noch einmal in die Grundschule gehen und sich richtiges Deutsch aneignen. Und auch wenn Lingenhöhl zu recht den derben Ton des Anwurfs moniert – dass ihm da ein Fehler nachgewiesen wurde, akzeptiert er offenbar.

Ich halte es stattdessen für durchaus problematisch, den Begriff “Stundenkilometer” pauschal als Fehler einzustufen.

MINOLTA DIGITAL CAMERA

Wer km/h schreibt, umgeht das Problem sowieso: Tachometer und Drehzahlmesser von einem Golf. Bild: Stefan Kühn aus der deutschsprachigen Wikipedia unter Lizenz CC BY-SA 3.0

Einheitenprodukte und Wortketten

Das Argument, warum der Stundenkilometer falsch ist, vermischt Alltagssprache und physikalische Fachsprache bzw. Notation. Was daran fachsprachlich falsch ist, kann jeder nachvollziehen, der weiß, wie Physiker zusammengesetzte Einheiten bilden und das Ergebnis aussprechen: Aneinandergehängt werden die Wörter dann, wenn es um ein Produkt von Einheiten geht, beispielsweise bei \(\mbox{N}\cdot \mbox{m}\), also dem Produkt aus der Krafteinheit Newton \(\mbox{N}\) und der Längeneinheit Meter \(\mbox{m}\), gesprochen: Newtonmeter.

In dieser Konvention wäre Stundenkilometer die Zeiteinheit Stunde mal die Längeneinheit Kilometer, also \(\mbox{h}\cdot\mbox{km}\). Aber das ist natürlich nicht gemeint. Gemeint ist Kilometer pro Stunde, Kilometer geteilt durch Stunde, also \(\mbox{km}/\mbox{h}\). Daher kommt die Behauptung “Stundenkilometer ist physikalisch falsch”.

Genitiv-Verbindungen

Sprache ist oft eine Sache der Konventionen und Ausnahmen. In diesem Falle aber nicht. Alltagssprachlich folgen die Stundenkilometer einem logischen Muster, dem der Genitivkomposita. Anders gesagt: der Art und Weise, Wörter in Genitiv-Abhängigkeit zu Ketten aneinander zu fügen, über die sich andere Sprachler gelegentlich lustig machen, wenn sie uns nicht gerade darum beneiden. Aus dem Klavier des Schiffers wird das Schifferklavier, aus dem Hut der Dame der Damenhut, aus der Einheit der Kraft die Krafteinheit und so weiter.

Was der Genitiv dabei im einzelnen bedeutet, hängt vom Kontext ab. Allgemein bedeutet er ja “gehörig zu”, und das kann durchaus auch heißen: “pro”, in dem oben verwendeten Sinne. Der Stundenlohn ist der Lohn der Stunde, der Lohn pro Stunde. Der Minutenpreis ist der Preis pro Minute, der pro Minute zu zahlende Geldbetrag. Der Stückpreis ist der Preis pro Stück, der Literpreis der Preis pro Liter.

Und der Stundenkilometer ist nach diesem Muster eben der Kilometer der Stunde, der Kilometer pro Stunde. Wie es sich gehört. Ganz ohne Rückgriff auf spezielle physikalische Konventionen. Was es besonders lächerlich macht, dass der eingangs erwähnte Leserbriefschreiber zu elementarem Deutschunterricht riet.

Physik und Alltag

Zu dem, was man über Physik wissen – und in der Schule lernen – sollte, gehört, dass physikalische Fachsprache und Alltagssprache sich unterscheiden. Das gilt für Grundbegriffe wie Kraft, Arbeit, Energie, die in der Alltagssprache allgemeinere Bedeutung haben, in der Physik eine ganz spezifische, meist etwas oder deutlich andere.

Und es ist ja in der Regel nicht so, dass die Physik diese Begriffe neu geschöpft hätte. Die Kraft gab es als chraft schon im Althochdeutschen, verrät mir das Deutsche Wörterbuch; Arbeit wird dort als “ein uraltes, viel merkwürdige seiten darbietendes wort” präsentiert. Energie, ursprünglich en-ergos, hatte für Aristoteles noch eine ganz andere Bedeutung; erst im 19. Jahrhundert entlehnte es Thomas Young für die Physik (S. 52 des ersten Teils).

Gerade bei solchen Worten, für die sich die Physik nachträglich eine eigene Bedeutung ausgedacht hat, wäre es vermessen, im Alltag darauf zu bestehen, alle möchten sich doch bitte an den physikalischen Sprachgebrauch halten. Zur Physik-Allgemeinbildung gehört, beim Lesen solcher Begriffe darauf zu achten, ob sie im Fach-Zusammenhang oder im Alltagszusammenhang auftauchen, und diese Begriffe entsprechend zu verstehen.

Stundenkilometer, Alltags- und Fachsprache

Der Fall Stundenkilometer ist aus meiner Sicht analog gelagert. Dass zusammengesetzte Begriffe als Produkt gelesen werden, ist eine Konvention der physikalischen Fachsprache. Genitiv-Komposita, mit “X pro Y” als eine der möglichen Bedeutungen, sind ein übliches Konstrukt der deutschen Sprache. Zur Physik-Allgemeinbildung gehört auch, beim Lesen solcher zusammengesetzten Worte zu erkennen, ob sie nach den Konventionen der Fachsprache oder allgemeineren Sprachregeln konstruiert sind.

Anders gesagt: Liest jemand Stundenkilometer trotz des Zusammenhangs als “Kilometer mal Stunde”, dann sollte die Forderung nicht lauten, dass gefälligst niemand mehr dieses böse Wort verwenden sollte, sondern dass dem oder der Betroffenen bitte die wichtige Unterscheidung zwischen physikalischem und Alltagssprachgebrauch, in diesem Falle bei der Lesung von Komposita, beigebracht werden sollte.

Ein Fehler ist es desungeachtet selbstverständlich, \(\mbox{km}\cdot\mbox{h}\) zu schreiben. Das gehört eindeutig in die physikalische Formelwelt; es gibt keinen “Alltagsweg”, Symbole zu Formeln zu verbinden, der hier eine alternative Konvention anböte.

Bitte keinen Absolutheitsanspruch!

Die physikalische Fachsprache erhebt keinen Allein-Sprachregelungsanspruch. Es gibt keine Vorschriften dafür, wie man in der Alltagssprache mit dem Umstand umgehen soll, dass die physikalische Fachsprache ihre eigenen Konventionen hat. Wer auch im Alltag “Kilometer pro Stunde” sagen möchte, kann das gerne tun – das ist korrekt, und allgemein verständlich. Wer “Stundenkilometer” sagt, darf das auch tun, und wird in aller Regel auch verstanden.

Wie steht es mit populärwissenschaftlichem Sprachgebrauch? Auch da sehe ich keine klaren Regeln. Populärwissenschaft steht per Definition zwischen Alltags- und Fachkontext. Ich halte es für legitim, in diesem Zusammenhang “Stundenkilometer” zu schreiben, verstehe aber auch, wenn jemand oder wenn eine Redaktion sich als Regel auferlegt, konsequent nahe am fachsprachlichen Gebrauch “Kilometer pro Stunde” zu schreiben.

[Für ganz und gar nicht legitim halte ich es, wenn](*) jemand in solch einer Situation einen Absolutheitsanspruch anmelde[t] und zu den Stundenkilometern sag[t]: Falsch, ganz falsch! Das scheint mir ein Symptom dafür, dass der- oder diejenige etwas viel Wichtigeres als Fachkonventionen nicht verstanden hat, nämlich dass die Begriffsverwendung vom Kontext abhängt. Diesen wichtigen Umstand zu lehren, dafür sind die Stundenkilometer eine schöne Gelegenheit (um das im Titel erwähnte Lob anzubringen). Wer sie pauschal als falsch abtut, verpasst diese Gelegenheit. Und setzt sich wenn schon nicht mit seiner Vorliebe zum Sprachgebrauch, dann doch mit seinem Absolutheitsanspruch ins Unrecht.


(*) Text geändert als Reaktion auf diesen Kommentar

Markus Pössel hatte bereits während des Physikstudiums an der Universität Hamburg gemerkt: Die Herausforderung, physikalische Themen so aufzuarbeiten und darzustellen, dass sie auch für Nichtphysiker verständlich werden, war für ihn mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Forschungsarbeit. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam blieb er dem Institut als "Outreach scientist" erhalten, war während des Einsteinjahres 2005 an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt und schuf das Webportal Einstein Online. Ende 2007 wechselte er für ein Jahr zum World Science Festival in New York. Seit Anfang 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie leitet, ein Zentrum für astronomische Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Pössel bloggt, ist Autor/Koautor mehrerer Bücher, und schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.

33 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wer Fragen zu Begriffen hat, sollte eine Google-Anfrage absetzen. Es braucht keine ausführlichen Erklärungen für das, was dort bereits in der Übersicht treffend erklärt wird.
    Eine Google-Anfrage für Stundenkilometer ergibt bei mir die folgenden 3 Toptreffer:
    Wikipedia:

    Kilometer pro Stunde — Wikipedia https://de.wikipedia.org > wiki > Kilomet… Kilometer pro Stunde, umgangssprachlich Stundenkilometer, seltener Kilometer durch Stunde, Kilometer je Stunde oder Kilometer in der Stunde (Einheitenzeichen: km/h), ist eine Maßeinheit der Geschwindigkeit.

    Duden:

    Die in der Allgemeinsprache gängige Bezeichnung »Stundenkilometer« wird in der Fachsprache der Physik und Technik abgelehnt, da die sprachliche Aneinanderreihung von Einheiten dort deren Multiplikation bedeutet (vgl. Kilowattstunde), mit »Stundenkilometer« aber eine Division (Kilometer pro Stunde) gemeint ist. Fachsprachlich ist daher »Kilometer pro Stunde« oder »km/h« korrekt.

    Zwiebelfisch-Abc:

    Mathematik- und Physiklehrer weisen gerne darauf hin, dass es “Stundenkilometer” nicht gibt. Tatsächlich handelt es sich um eine umgangssprachliche Maßeinheit, die in Fachbüchern nur selten vorkommt.

    Weiter unten findet man auch noch detailliertere Abhandlungen unter anderem über die Gesetzmässigkeiten bei Genetivbildungen, wo auch zu “Stundenkilometer” analoge Bildungen wie “Stundenlohn” abgehandelt werden.

    Fazit: Letzlich benötigt jede Diskussion als Verständnisgrundlage identische Begriffsdefinitionen. Bei Internetdiskussionen bietet sich Wikipedia oder/und der Duden an.

    • Googlen ist kein Allheilmittel. Und die falsche Zwiebelfisch-ABC-Aussage, dass es Stundenkilometer pauschal “nicht gibt” ist doch eine schöne Bestärkung für diesen Blogbeitrag.

      (Ganz abgesehen davon, dass es ja leider nicht reicht, wenn die korrekten Aussagen irgendwo passiv stehen, aber nur wenige nachschauen – sie müssen auch aktiv bekannt gemacht werden!)

      Dass man “identische Begriffsdefinitionen” bräuchte, ist schon wieder eine von diesen naiven Übertreibungen, die Diskussionen so schwierig machen. Wir brauchen eher kompetente Flexibilität, sowohl Kontexten gegenüber (siehe Haupttext oben) als auch aufgrund des Umstandes, dass es für viele wichtige Begriffe im öffentlichen Diskurs eben keine “identische[n] Begriffsdefinitionen” aller Beteiligten gibt und man trotzdem miteinander reden sollte.

      • Zustimmung: Identische Begriffsbestimmungen gibt es nicht per se. Sie sind vielmehr das Resultat eines Aushandlungsprozesses oder der Bezugnahme auf eine Referenz. Selbst dann können Mehrdeutigkeiten übrigbleiben. Seit es die Wikipedia gibt sind jedoch Diskussionen einfacher geworden, denn die Teilnehmer können jetzt davon ausgehen, dass die andern dort nachgeschaut haben. Bei Begriffen wie “Stundenkilometer” hilft aber auch die Sprachkompetenz: wer damit nicht vertraut ist, liest wenig. Dann gibt es noch die, die “Stundenkilometer” aus angeblich logischen Gründen ablehnen: Das sind Rechthaber. Mit denen ist ohnehin nicht gut Kirschenessen.

  2. Halb Scherz, halb Ernst:
    Die Zeiteinheiten haben die Dimension von imaginären Längeneinheiten (Minkowski).
    Wenn man die Zeiteinheiten quadriert dann erhält man die Dimension von realen negativen Flächeneinheiten.
    Das Quadrieren von Zeiteinheiten kommt bei den Beschleunigungseinheiten vor.

  3. Sprache und Physik, immer spannend.

    Voltmeter scheint mir ein ähnlicher Fall aus dem Umfeld der Physik zu sein. Es bedeutet allerdings wohl weder Volt mal Meter noch Volt pro Meter.

    • Ein schönes Beispiel dafür, dass man selbst innerhalb der physikalischen Fachsprache die Sprachkonstruktionen unterscheiden muss und sich nicht blind an eine absolute Gültigkeit von “Worzusammensetzungen bedeuten immer Multiplikation!” klammern darf!

    • Voltmeter ist aber auch doppelt umgangssprache, oder?

      Es heisst ja auch “Spannungsmessgerät” und nicht Voltmeter. Oder auch mal Multifunktionsmessgerät, wenn es das leisten kann.

    • Das “Meter” in Voltmeter ist umgangssprachlich auch mehr von “Matrix”´, also einer Art Einteilung abgeleitet – bezüglich einer Skala, als von einem Meter als Strecke.

  4. Was ich nicht verstehe ist, wie jemand in solch einer Situation einen Absolutheitsanspruch anmelden und zu den Stundenkilometern sagen kann: Falsch, ganz falsch!

    Das kannst Du auch nicht verstehen, indem Du nur die Sachebene betrachtest und das Problem physikalisch-linguistisch betrachtest. Im Gegenteil, Du spielst damit vorhersehbar genau die Dir zugedachte Rolle. Um den Vorgang zu verstehen, musst Du Dich gleichermaßen intensiv mit den anderen drei Seiten der Kommunikation (https://de.wikipedia.org/wiki/Vier-Seiten-Modell) beschäftigen. Welche Selbstoffenbarung des Absenders steckt darin und welcher Appell den Empfänger? Wie sieht es umgekehrt bei der Antwort aus? Welche Art von Beziehung ist Grundlage der Kommunikation und welche Beziehung streben die Akteure an? Wer sind überhaupt die Akteure, wenn wir hier vor Publikum miteinander reden, an wen richtet sich welcher Teil der Kommunikation?

    • Da hatte ich in der Tat unsauber/flapsig formuliert; die jetzige geänderte Version gibt besser wieder, was gemeint war.

      Das Vier-Seiten-Modell finde ich ungemein hilfreich, und es hat mir in vielen Situationen gute Dienste geleistet, seit ich vor mittlerweile auch schon knapp 20 Jahren das erste Mal Schulz von Thuns “Miteinander reden” las!

      • Theoretisierung (“Sichtenbildung”) und deren Verlautbarung, Kommunikation meinend, ist bestmöglich von der Püschologisierung zu trennen.
        Es soll weder zu Selbstverlautbarung über pers. Befindlichkeit kommen, i.p. Sacharbeit, noch zu Antizipation derselben auf Senderseite.

        Sofern Sacharbeit gemeint bleibt, “Shannon-Weaver” [1] insofern cool, anderes: verschwitzt.

        Sven Türpe hier wohl eher spaßeshalber unterwegs gewesen sein.

        MFG
        Dr. Webbaer

        [1]
        Nachricht oder Inhalt so zu kodieren, dass sie näherungsweise auf Empfängerseite “as is” verstanden werden kann, dort so dekodiert oder zu Inhalt abstrahiert werden kann, wie vom Sender vorgesehen, ist ja schon eine Kunst an sich.
        Hier bedarf es keinerlei püschologischen Vorbaus, unter Verständigen zumindest nicht, die wissen wie fragil Kommunikation an sich ist.

        Dr. W bleibt hier insofern streng etymologisch bemüht, auch die Altvorderen achtend und deren Sprachlichkeit, um sprachlich teilen zu können.

  5. Vielen Dank für diesen Beitrag! Seltsamerweise habe ich den Eindruck, dass dieses Beharren auf der Fachsprache eher bei Lehrern zu finden ist als bei Wissenschaftlern.
    Interessant wäre auch, wie es in anderen Wissenschaftsbereichen ist, also zB Kulturwissenschaften. Aber das geht natürlich über diesen Beitrag deutlich hinaus.

    • Den Eindruck habe ich auch – eher Lehrer als Wissenschaftler. Nun sind Lehrer natürlich auch diejenigen, die ihren Schülern beibringen müssen, wie Einheitenprodukte gebildet und ausgesprochen werden, während Wissenschaftler die betreffende Erkenntnis bei ihren Kollegen und Studierenden schlicht voraussetzen können.

  6. Markus Pössel schrieb (10. Dezember 2016):
    > Lob der Stundenkilometer
    > […] Alltagssprachlich folgen die Stundenkilometer einem logischen Muster, dem der Genitivkomposita.
    > […] dass die Begriffsverwendung vom Kontext abhängt. Diesen wichtigen Umstand zu lehren, dafür sind die Stundenkilometer eine schöne Gelegenheit

    Kann man gelten lassen.
    Etwa so wie die Minutencents.

    Die Singularform allerdings, wie in dieser Formulierung: …

    > Und der Stundenkilometer ist nach diesem Muster eben der Kilometer der Stunde, der Kilometer pro Stunde.

    … assoziiert doch auffallend ungünstig dahingehend,
    dass ein Stundenkilometer und noch ein Stundenkilometer und noch sieben Stundenkilometer zusammen drei Stundenkilometer ergeben (können).

    p.s. – Copy-n-paste-ready LaTeX rendering test suite:

    “$\LaTeX $” is rendered as: $\LaTeX$.
    “$$ \LaTeX $$” is rendered as: $$\LaTeX$$.
    “$latex \LaTeX $” is rendered as: $latex \LaTeX$.
    “[latex \LaTeX ]” is rendered as: [latex] \LaTeX [/latex].

    • Aber ist die Assoziation schlimmer als beim “Kilometer pro Stunde”? Da bezieht sich die Addition doch auch auf die Gesamtstrecke: zwei Kilometer in der ersten Stunde, drei in der zweiten Stunde, zwei in der dritten Stunde sind dann sieben Kilometer in drei Stunden. So würde ich das addieren auch bei “Kilometer der Stunde” assoziieren.

      Beziehungsweise alternativ: wenn ein zurückgelegter Kilometer und zwei weitere zurückgelegte Kilometer und drei weitere zurückgelegte Kilometer alle zu derselben Stunde gehören, dann sind das ja in der Tat sechs Stundenkilometer, also sechs Kilometer pro Stunde.

      Den LaTeX-Test finde ich übrigens überraschend. Im Haupttext schreibe ich [latex]\LaTeX[/latex], aber das scheint hier in den Kommentaren offenbar gerade nicht zu funktionieren.

      • Markus Pössel schrieb (10. Dezember 2016 @ 21:10):
        > [Frank Wappler schrieb (10. Dezember 2016 @ 20:23):
        > > Die Singularform der Stundenkilometer, also „der Stundenkilometer“, assoziiert doch auffallend ungünstig …]

        > Aber ist die Assoziation schlimmer beim „Kilometer pro Stunde“?

        Kommt sicher auch darauf an, ob und wie sehr sich gegenüber “dem Pistenkilometer” oder “dem Höhenmeter” abgebubbelt würde.

        Schlimmer als “(das) Elektronenvolt” kann’s doch nicht kommen.

        p.s. – Copy-n-paste-ready LaTeX rendering test suite:

        “$\LaTeX $” is rendered as: $\LaTeX$.
        “$$ \LaTeX $$” is rendered as: $$\LaTeX$$.
        “$latex \LaTeX $” is rendered as: $latex \LaTeX$.
        “[latex \LaTeX ]” is rendered as: [latex] \LaTeX [/latex].

      • @Markus Pössel / ad LaTeX

        »Im Haupttext schreibe ich [latex]\LaTeX[/latex], aber das scheint hier in den Kommentaren offenbar gerade nicht zu funktionieren.«

        Ein Blick in die Page Source offenbart, dass Ihr [latex]…[/latex] Input vom System interpretiert und durch \(…\) ersetzt wurde. Dies lässt sich auch direkt verwenden und funktionert dann prinzipiell in Kommentaren zur Eingabe von \(\mbox{\LaTeX}\)-Ausdrücken im Text, wie dieses Beispiel hier jetzt hoffentlich demonstriert.

  7. Markus Pössel schrieb (10. Dezember 2016 @ 21:10):
    > [Frank Wappler schrieb (10. Dezember 2016 @ 20:23):
    > > Die Singularform der Stundenkilometer, also „der Stundenkilometer“, assoziiert doch auffallend ungünstig …]

    > Aber ist die Assoziation schlimmer beim „Kilometer pro Stunde“?

    Kommt sicher auch darauf an, ob und wie sehr sich gegenüber “dem Pistenkilometer” oder “dem Höhenmeter” abgebubbelt würde.

    Schlimmer als “(das) Elektronenvolt” kann’s doch nicht kommen.

    p.s. – Copy-n-paste-ready LaTeX rendering test suite:

    “$\LaTeX $” is rendered as: $\LaTeX$.
    “$$ \LaTeX $$” is rendered as: $$\LaTeX$$.
    “$latex \LaTeX $” is rendered as: $latex \LaTeX$.
    “[latex \LaTeX ]” is rendered as: [latex] \LaTeX [/latex].

  8. Wenn ich nochmal kurz ergänzen (bzw. widersprechen) darf: Genitivkomposita i.e.S. gibt es nicht, gemeint sind Fugenlaute.
    Bei Stundenkilometer handelt es sich um ein Determinativkompositum, bei dem es eine Über- und eine Unterordnung gibt. In diesem Fall wird die Stunde durch das zweite Glied Kilometer präzisiert.
    Da Sprache und Bedeutung eines Wortes sich im Gebrauch zeigt, ist es klar, dass im Gebrauch gemeint/gesagt ist ‘Kilometer pro Stunde’, und wer dem widerspricht ist wohl ein Pedant (ich vermeide hier Ignorant).
    Komposita sind wohl (vor allem im Deutschen) das am häufigsten genutzte Mittel, um die Sprache zu erweitern, und häufig kommen dabei die seltsamsten Konstrukte zustande. In einem “Kindergarten” werden keine Kinder gepflanzt, in der “Baumschule” lernt der Baum nicht für die Schule (Non vitae, sed scholae discimus – so das Original von Seneca), in Marl gibt es gar einen “Chemiepark”, aber ich bezweifle, dass dass er aus Chemiepflanzen besteht.

    • Gibt es dazu eine schöne Quelle? Ich sah jetzt eigentlich keinen Hinderungsgrund, Stundenkilometer entweder als “Kilometer der Stunde”, “Stunde-Kilometer” mit Fugen-n zu lesen, oder aber als “Stunden-Kilometer”, “der Kilometer (von jeder der) Stunden”. Wie gesagt analog zu Stundenlohn, der ja trotz eindeutiger Bedeutung auch nicht Stundelohn heißt.

  9. ‘Stundenkilometer’ als Dativ-Konstrukt oder Dativ-Kompositum ginge womöglich.
    Stukis sozusagen, wie sie unter Quartett-Spielern vor langer Zeit auf Kartenbasis ausgetauscht worden sind, auch oft unter Kindern, eben Karten und letztlich (Fahr-)Geräte meinend.
    Der höher Nennende hatte den Satz und die gegnerische Karte gewonnen.

    Kilometer für Stunde sozusagen, der (das ginge auch) Genetiv drängt sich hier womöglich nicht auf, die Fortbewegung meinend.
    Denn diese Fortbewegung muss nicht generisch / ‘genetiv’ sein.


    Hmmm [1], ansonsten natürlich sehr nett diese Rückführung ins Deutschsprachige, no prob here.
    Etymologie schon wichtich.

    Ansonsten gibt es in der deutschen Sprache genug Blödsinn, der zurückgewiesen werden darf, bspw. ist ‘anscheinend’ und ‘scheinbar’ etymologisch bedeutungsgleich, andere Beispiele könnten genannt werden.
    Moden dürfen nicht die Sprache bestimmen.

    MFG
    Dr. Webbaer

  10. Sorry, verstehe nicht, was das mit Dativ zu tun haben soll? Und zwischen scheinbar und anscheinend gibt es sehr wohl feine Unterschiede, auch wenn heutzutage viele sie nicht mehr kennen und die Tendenz dahin geht, solche feinen Unterschiede einzuebnen.

    • War eher spaßeshalber angemerkt, weil da “weiter oben” einer meinte den Genetiv hervorholen zu müssen, nichts natürlich gegen diese Benennung:
      Determinativkompositum
      .

      Das mit dem anscheinenden oder scheinbaren Unterschied zwischen ‘anscheinend’ und ‘scheinbar’ ist hervorgeholt worden, um die metaphorische Überlagerung des einen oder anderen Adjektivs hervorzustellen.
      Die Adjektiva meinen das Selbe.
      Werden nur Moden unterworfen, um ihnen unterschiedlichen Sinn nachzutragen.
      Bei ‘anscheinend’ und ‘scheinbar’ wird dies, einigen natürlich nur, besonders deutlich.

      MFG
      Dr. Webbaer

      • Dass die beiden Begriffe die gleichen Wurzeln haben und erst im 18. Jahrhundert die Differenzierung erfolgte, hängt auch wohl damit zusammen, dass vorher Deutsch in der großen intellektuellen Welt noch keine Rolle spielte. Da war Französisch und zum Teil Latein noch dominant.

        Dennoch gibt es durch diese Differenzierung einen Unterschied zwischen scheinbar als etwas, das nur einen äußeren Eindruck einer Sache gibt, ohne wahr sein zu müssen, und anscheinend als etwas, das die Vermutung äußerst, dass etwas so ist, wie es sich darstellt. Ich würde es nicht unter die “Mode” packen wollen, aber vielleicht liegt das an meinem Alter 😉

        • @ Herr König :

          Opi W auch schon ein wenig älter, vielen Dank für Ihre Nachricht, hmmm [1], ansonsten ist der feine Unterschied zwischen ‘anscheinend’ und ‘scheinbar’ eine modische Errungenschaft sozusagen.
          Ihn gab es vor einigen Jahrzehnten nicht in der deutschen Sprache.

          Vgl. bspw. auch mit der modischen Unterscheidung zwischen der Diskriminierung (“Unterscheidung”), die modisch negativ konnotiert werden konnte, und, nun, eben der Unterscheidung oder Differenzierung, die im Diskurs modisch als positiv konnotiert gilt.

          MFG
          Dr. Webbaer (der insofern im Abgang noch kurz auf die Duden-Bedeutung (2) verweist – insgesamt will Ihr Kommentatorenfreund natürlich darauf hinaus, dass die Bedeutung der Sprache, auch der deutschen, nicht Moden unterworfen werden kann, sondern stattdessen eigenverantwortlich und jeden Einzelnen meinend, in der Etymologie zu suchen ist, nicht etwa durch Beratung durch modische Linguisten ersetzt werden kann – Opi W beömmelt sich insofern auch über die im hiesigen dankenswerterweise bereit gestellten WebLog-Eintrag thematisierten “StuKis” ein wenig, zum Wiehern reicht es aber noch nicht)

          [1]
          Rein spaßeshalber darf sich an dieser Stelle der immer leicht näselnde bundesdeutsche Harald Schmidt vorgestellt werden.

  11. frohe weihnachten polnisch
    insgesamt will Ihr Kommentatorenfreund natürlich darauf hinaus, dass die Bedeutung der Sprache, auch der deutschen, nicht Moden unterworfen werden kann, sondern stattdessen eigenverantwortlich und jeden Einzelnen meinend, in der Etymologie zu suchen ist, nicht etwa durch Beratung durch modische Linguisten ersetzt werden kann – Opi W beömmelt sich insofern auch über die im hiesigen dankenswerterweise bereit gestellten

  12. DieKommentare zu mathJax und den Möglichkeiten (oder Unmöglichkeiten), bestimmte LaTeX-Ausdrücke in den Blogkommentaren einzugeben, habe ich auf diese Spielwiese hier verschoben.

    Kommentare zu mathJax & Co. bitte nicht mehr unter diesen Stundenkilometer-Blogbeitrag setzen, sondern auf der angegebenen LaTeX-Spielwiesen-Seite. Dort können auch nach Herzenslust weitere Tests durchgeführt werden.

  13. @ Chris

    “Es heisst ja auch „Spannungsmessgerät“ und nicht Voltmeter”

    Im Englischen heißte es nach wie vor Voltmeter

    “mehr von „Matrix“”

    Ich schätze also, das kommt eher aus dem Englischen, in dem meter u.a. auch einfach Instrument, Zähler oder Messgerät bedeutet. Es würde sich demnach also um eine Mehrdeutigkeit handeln oder gar um einen falschen Freund.

    Zur Vertiefung oder auch zur Verwirrung, nicht unbedingt zur vollkommenen Aufklärung, kurz, für Leute, die Zeit haben, ein kleines Video-Tutorial über Zusammensetzungen im Deutschen. Stundenkilometer wird darin auch erwähnt (wobei dabei den Physikern fälschlicherweise vorgeworfen wird, sie würden hinter jeder Zusammensetzung eine Multiplikation vermuten).

    “Speisekarte oder Speisenkarte? Wortzusammensetzungen im Deutschen.
    Über normale und motivierte Zusammensetzungen im Deutschen und die Rolle von Fugenelementen.
    Dauer: 28 Minuten.”: http://www.belleslettres.eu/content/deklination/speisekarte-speisenkarte.php

    Für Eilige steht das Wichtigste komprimiert darunter.

Schreibe einen Kommentar