Frauen in der Wissenschaft – jenseits von Tim Hunt

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… aber nicht einfacher
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Was da jetzt noch über Tim Hunt und seine Bemerkungen über Frauen in der Wissenschaft (sinngemäß: man verliebt sich in sie, sie sich in einen, und wenn man sie kritisiert, heulen sie) berichtet wird, ist zu einem erschreckenden Teil schlicht Legendenbildung. Die Legende, dass Tim Hunt “seinen Job” verloren habe, zieht weiter ihre Kreise – dass es um Ehrenämter und Kommissionsmitgliedschaften ging, nicht um Tim Hunts Lebensunterhalt, scheint viele Leute schlicht nicht zu interessieren.

Hier in den SciLogs verbreitet Harald Martenstein unterdessen die Legende, Tim Hunt sei “sonst fast immer [beim Nobelpreisträger in Lindau dabei] gewesen”, aber fehle jetzt – auweia, denkt man, jetzt hat selbst Lindau den armen Tim Hunt vergrault. Dass Hunt laut den Webseiten des Lindauer Treffens, die über Nobelpreisträger-Anwesenheiten durchaus Buch führen, seit seinem Nobelpreis 2001 gerade drei Mal in Lindau war, und damit gerade einmal bei der Hälfte der direkt für sein Fachgebiet bzw. interdisziplinär ausgerichteten Lindauer Treffen? Klar, strengenommen, ist Recherche ja auch ein Fremdwort.

Und auch die Verteidigung, das sei alles doch nur ein Witz gewesen, hat als große Enthüllung die Runden gemacht, geht sie doch auf ein internes Protokoll eines nicht namentlich genannten Vertreters des European Research Council zurück. “Sexismusvorwürfe: Protokoll soll Nobelpreisträger Hunt entlasten” titelt SPON, und berichtet, Hunt habe “immer wieder betont, die Äußerung sei ein Scherz gewesen” – ich will ja gar nicht so komplexe Überlegungen einfordern wie jene, dass selbst ironisch gemeinte sexistische Witze möglicherweise frauenfeindlich sein und ein problematisches Klima für Frauen in der Wissenschaft erzeugen könnten, aber, lieber SPON: Woher kommt die Legende, Hunt habe immer wieder betont, das sei nur ein Witz gewesen? Erinnern wir uns: Hunts erste Aussagen im BBC-Interview gingen in komplett die gegengesetzte Richtung: Ja, dass mit dem “Problem mit den Mädchen” habe er so gemeint, aber, hej, er sei doch “nur ehrlich gewesen”.

Und wie ich in meinem Blogbeitrag Tim Hunt und der Twitter-Mob schon befürchtet hatte: Auch der “weibliche Sturm der Entrüstung und Beschimpfung” bzw. der “mediale ‘Lynchmob'” sind fester Teil der Legende. Dieses Abstempeln erspart ja auch die Auseinandersetzung mit der Frage, warum Hunts Bemerkungen denn eine so breite negative Reaktion ausgelöst haben, denn wie wir wissen: Mobs sind irrational und all die Leute wurden irgendwie nur mitgerissen. Da muss man nicht nach weiteren Gründen fragen. Und außerdem weiß ja jeder, dass diese Emanzen komplett humorlos sind; dass die Reaktionen auf Hunt zu einem beträchtlichen Teil unter #distractinglysexy durchaus amüsant waren, fiel in den letzten pro-Hunt-Artikeln, die ich da gelesen habe, komplett unter den Tisch.

Ist das Schlampigkeit? Parteilichkeit? Hat, wer diese Artikel schrieb, es wirklich nicht besser gewusst, hatte keine Zeit oder keine Lust auf so minimale Recherche wie schlichtes Googeln? Ich stelle hier in diesem Blog ja durchaus regelmäßig medienkritische Beiträge ein, aber zumindest subjektiv ist das, was hier passiert, für mich noch einmal deutlich verstörender und, ja: hat meine Meinung zur Glaubwürdigkeit der Medien (auch das ja eine aktuelle Debatte) noch einmal etwas zum negativen hin verändert.

Insofern Hut ab vor der ZEIT und ihrer Online-Redakteurin im Ressort Wissen Anna Behrend, die gegen einiges an Legendenbildung angeht und vor allem von Tim Hunt zu der Frage überleitet, die ein Schlüssel zu dem ist, was in der Affäre Hunt passiert ist, aber bei den Diskussionen um die persönlichen Details irgendwie ins Hintertreffen geriet: Wie ist es denn nun, ganz allgemein und jenseits mit Tim Hunt, mit dem Sexismus in der Wissenschaft?

Da wäre zum einen die Frage von Mikroagressionen und Alltagssexismus –  also jenen vielen kleinen Signalen, die Frauen zu verstehen geben können, dass sie eigentlich doch nicht in die Wissenschaft gehören und Mädchen, dass sie sich besser anderswo nach einer Karriere umsehen sollten. Ich war am Anfang von Mädchen mit Spielzeugen und ablenkend attraktive Wissenschaftlerinnen ja schon kurz darauf eingegangen. Die Details und auch die Effekte, die solche kumulativen Nadelstiche haben variieren – einige Kolleginnen lassen sich kaum beeinflussen, eine Reihe anderer nennt solche Mikroagressionen durchaus als Problemfaktor für ihren Arbeitsalltag. Solche Effekte sind natürlich nicht auf die Wissenschaft beschränkt – etwa wenn zwar Frauen, aber nicht Männern, bei Gehaltsverhandlungen vorgehalten wird, ihr Partner verdiene doch eigentlich schon sehr gut, warum sie denn auch…?

Der Blogbeitrag der Physikprofessorin Athene Donald geht mir zwar an einigen Stellen (wieder der Lynchmob!) gegen den Strich, aber sie hat den guten Vorschlag gemacht, die eigentliche Reaktion auf die Sache mit Tim Hunt sollte jetzt darin bestehen, dass möglichst viele sich Gedanken machen, wie sie selbst Frauen in der Wissenschaft fördern können – eine (unvollständige) Liste von “Just one action for Women in Science!” (Twitter-Hashtag #just1action4WIS) liefert sie gleich mit.

Dann wäre da z.B. die Frage danach, ob und wie objektiv derzeit ausgewählt wird, wer auf der wissenschaftlichen Karriereleiter vorankommt. Einige Erfahrungsberichte  – z.B. in den Kommentaren hier, aber sicher auch die Basis der entsprechenden Satire – können einen da durchaus nachdenklich werden lassen. Dazu passt auch der Beitrag Can an algorithm hire better than a human? auf nytimes.com von vor einer Woche: Tendieren Menschen dazu, eher solche Bewerber anzustellen, die generell zu ihnen selbst passen – ungeachtet der fachlichen Qualifikationen?

Außerdem kommt derzeit gerade Bewegung in ein Themengebiet, das bei weitem nicht nur Frauen betrifft, aber ein wichtiger Faktor für die Frauenfreundlichkeit bzw. -unfreundlichkeit des Wissenschaftssystems sein dürfte: Union und SPD diskutieren über die Befristung von Wissenschaftsverträgen und die mögliche Einführung eines Tenure Track-Systems (das bei positiver Evaluation eine unbefristete Anstellung in Aussicht stellt).

Über all das sollten wir reden – was ja durchaus nicht heißen muss: unkritisch akzeptieren. Wie immer, wenn es um gesellschaftliche Prioritäten geht, kann man je nach den eigenen Voraussetzungen zu unterschiedlichen Schlüssen kommen. Der Fall Tim Hunt wäre ein guter Anlass für solche Diskussionen. Wir dürfen eben nur nicht bei dem Anlass stehen- bzw. steckenbleiben.

 


Schnell noch nachgetragen: Guter Artikel von Phil Plait zu Tim Hunt – incl. am Ende dem Hinweis, worüber wir stattdessen diskutieren sollten.

 

Markus Pössel

Markus Pössel hatte bereits während des Physikstudiums an der Universität Hamburg gemerkt: Die Herausforderung, physikalische Themen so aufzuarbeiten und darzustellen, dass sie auch für Nichtphysiker verständlich werden, war für ihn mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Forschungsarbeit. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam blieb er dem Institut als "Outreach scientist" erhalten, war während des Einsteinjahres 2005 an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt und schuf das Webportal Einstein Online. Ende 2007 wechselte er für ein Jahr zum World Science Festival in New York. Seit Anfang 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie leitet, ein Zentrum für astronomische Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Pössel bloggt, ist Autor/Koautor mehrerer Bücher, und schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.

44 Kommentare

  1. Dass aus linker Sicht X-Ismus sozusagen die DNA aufklärerischer Gesellschaften ausmacht, der Kollektivist hat es bekanntlich nicht so mit den Systemen, die den Ideen und Werten der Aufklärung folgend implementieren konnten, geschenkt. [1]
    Diesbezügliche Nachricht kennt wohl nicht nur der Schreiber dieser Zeilen, sie soll als eine Art Folklore gerne losgelöst von der aktuellen Tim-Hunt-Problematik bearbeitet werden.

    Ansonsten gilt es sich u.a. zu fragen:
    1.) Wie schlecht ist der Vorschlag in Laboratorien geschlechtsspezifisch zu trennen? (Der Schreiber dieser Zeilen findet: ziemlich schlecht)
    2.) Wie schlecht ist es Tim Hunt auf Grund seines Vorschlags abzumeiern? (Der Schreiber dieser Zeilen findet: ziemlich schlecht)
    3.) Wie schlecht ist es, dass mit Herr Martenstein ein Journalist hier in diesem wissenschaftsnahen WebLog-Verbund vorstellig geworden ist, zudem: im Grundtenor nickelig? (Womöglich: nicht schlecht)

    MFG
    Dr. W

    [1]
    Kollektivisten, zumindest zeitgenössische, haben es heute nicht mehr so mit der Revolution, sondern bemühen, manche meinen: auch in zersetzender Absicht, nicht immer gutartig mit der Kritik.

    • Die allgemeinen Aussagen zu Kollektivismus, Aufklärung etc. kann ich nicht recht einordnen. Geht’s nicht um ganz praktische Dinge wie Gerechtigkeit, Ausgleich von Benachteiligungen und dergleichen?

      • Darum geht’s anscheinend denjenigen nicht, die anklägerisch X-Ismen feststellen.

        Ansonsten klar, es könnte Frauen, auch denjenigen, die Kinder bekommen wollen, entgegengekommen werden, was die wissenschaftliche Karriere betrifft; vom vergleichweisen Besserstellen, Quoten und so, von positiver Diskriminierung würde Ihr Kommentatorenfreund aber ebenso abraten wie vom Anklägerischen.

        Es gab nie Gesellschaften, die weniger x-istisch waren als die heutige, die den Ideen und Werten der Aufklärung verpflichtet ist.
        Unterschreiben Sie diese Aussage gerne einmal.

        Und ‘Benachteiligungen’ liegen im gemeinten Zusammenhang idealerweise nur in der Natur der Frau, Ihr Kommentatorenfreund zweifelt generellen Frauenhass in der Wissenschaft bekanntlich an.
        Insofern gerne punktuell und unaufgeregt etwas machen…

        • -ismen sind nur eine Kurzformel; denen, die auf konkrete Probleme und Misstände hinweisen, geht es meiner Einschätzung nach um das Abstellen genau dieser Misstände. Das so pauschal anzuschreiben ist ziemlich zynisch, aher natürlich auch beqeuem.

          Auch mit dem Wort “Frauenhass” machen Sie es sich, finde ich, viel zu einfach. Wenn’s direkter Hass wäre, könnte man dem direkt begegnen. Aber stattdessen geht es eher um Gedankenlosigkeit, um Vorurteile, bewusste und unbewusste, und um das, was sich daraus ergibt. Und wenn Sie sich die verlinkten Beispiele durchlesen, sollte hoffentlich klar werden, dass man das nicht einfach auf “die Natur der Frauen” schieben kann. Es ist eine Wechselwirkung, und muss als solche behandelt werden, wenn man weiterkommen will.

          • Es ist natürlich korrekt vermutet, dass Ihr Kommentatorenfreund den Webverweisen nur unzureichend gefolgt ist, dem Vorurteil [1] folgend, dass er dann bekommen würde, was er erwartet.
            Bei sog. ‘Microaggressions’ wird bspw. hier sehr schnell abgesteift.

            Also, die im Artikel gemeinte und verbreitete (anzunehmernderweise: neomarxistische) Theorie ist hier klar, sie wird abgelehnt.
            Gleichheit von Gruppen i.p. Erfolg auf unterschiedlichen Gebieten ist nicht anzustreben, ganz genau in etwa so, wie dbzgl. Ungleichheit nicht vorausgesetzt werden soll.
            Weil beides sozial schädlich ist, auf Vermutungen beruht, Gendatenhaltung wie Primaten-CPU können für die gemeinten Zwecke nie hinreichend verstanden werden, und bei wissenschaftlichem Anspruch nicht sinnhaft gepflegt werden kann.

            Punktuelle Maßnahme wäre OK und gerne zu erörtern.

            Wobei sich Dr. P und Dr. W hier im Kreis zu drehen beginnen, insofern wird der Schreiber dieser Zeilen zu diesen Themata hier sparsamer werden,
            MFG
            Dr. W

            [1]
            ‘Vorurteil’, ‘Zwischenurteil’ – für einige ganz schlimm, aber die Erkenntnis (vs. Wissen) beruht genau auf diesen Provisorien und bewusst Zwischenurteile zu pflegen, bei vorliegender Bereitschaft diese anzupassen, macht die moderne aufklärerische Wissenschaftlichkeit aus.
            Das Soziologengequatsche nimmt mittlerweile unangenehme Ausmaße an.

  2. Vielleicht sollte sich die “Wissenschaft” Gedanken machen, weshalb ausgerechnet sie eine Sexismus-Debatte führt?
    Dem Konkurrenzverhalten des Zeitgeistes geschuldet?
    Profilneurosen?
    Was soll diese Mal tabuisiert werden?
    Es gibt weder die Frau, noch den Mann oder auch nur einen Menschen an sich.
    Abstraktes oder reduziertes Denken?
    Weshalb sollen hier Geschlechter gegeneinander ausgespielt werden?
    Wer benötigt diese Feindbilder? Wer profitiert?
    Wer einen Menschen auf sein Geschlecht reduziert ist sowohl Sexist, Rassist und auch ein Kreationist. Genau auf diesem Niveau ist die statistische Wissenschaft inzwischen angelangt..Theologie…spalte und herrsche, Dividende Et Impera…

    Gruß

      • Sorry, typische Simplifizierung:

        Hmmm,

        ich denke nicht, daß das Ziel ist, hier Menschen mit weiblichen Geschlechtsteilen zu fördern, wegen den Geschlechtsteilen, nein, es ist das alte Spiel der Konkurrenz, der Neoliberalismus* benötigt(e) dringend Nachschub, um die Lohnstückkosten weiter zu senken.
        Es geht nicht um den Menschen an sich, egal welchen Geschlechtes, es hat lediglich mit spalte und herrsche zu tun. Einfache Spielthorie. Dividende Et Impera.

        Ein Mann kann nun einmal keine Kinder bekommen, evolutionär ohne Muttermilch auch keine Kinder versorgen. Ist ein Mensch mit männlichen Geschlechtsteilen daher benachteiligt oder ist das einfach der aktuelle Stand der Evolution?
        Es ist daher aus biologischer Sicht eben gerade kein Rollenspiel zwischen den Geschlechtern, sondern das logische ergänzende Zusammenspiel zwischen Mann und Frau. Es ist kein soziologisches Geblubbere. Trotzdem ist jeder Mensch einzigartig. Das ist nach Aussage von Darwin, allen Naturforschern und Evolutionsbiologen die Vorraussetzung für die Evolution. Das ist der aktuelle Stand der Erkenntnis.

        Insofern kann ich die Empfehlung aussprechen, nicht den Menschen auszugrenzen, sondern NUR die Ideologie, das gilt auch für die eigene.

        Ein Glaube kann nicht mit Glaube bekämpft werden, das ist sinnfreie Beschäftigungstherapie.

        Glaube, die einzig wahre Wahrheit, grenzt aus, es kann nur eine geben, immer.

        Gruß

        *Neoliberalismus steht für die Ideologie des aktuellen Zeitgeistes

        • Nein, bei der Gleichstellung der Frau denkt kaum jemand an die Senkung der Lohnstückkosten, sondern die meisten gehen davon aus, dass die gängie Rollenverteilung zwischen Mann und Frau den Mann über die Frau stellt und das Potenzial der Frau untergräbt. Das sehen sowohl Frauen – die schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts für Gleichberechtigung gekämpft haben – als auch Männer so.
          Gleichstellung und Gleichberechtigung heisst aber nicht völlig Gleichheit in jeder Hinsicht.Frauen und Männer sind verschieden, möglicherweise bevorzugen sie auch verschiedene Berufe, wobei man die Gründe dafür nicht bis ins Letzte kennt sondern nur vermuten kann.

  3. Danke,

    genau der Befund, der zu erwarten war. Es geht nur um Deutungshoheit. Argumente null, es bleibt bei blosen Behauptungen.

    Aber ich will hier niemanden mit Denken überfordern

    Hmmm,

    ich denke nicht, daß das Ziel ist, hier Menschen mit weiblichen Geschlechtsteilen zu fördern, wegen den Geschlechtsteilen, nein, es ist das alte Spiel der Konkurrenz, der Neoliberalismus* benötigt(e) dringend Nachschub, um die Lohnstückkosten weiter zu senken.
    Es geht nicht um den Menschen an sich, egal welchen Geschlechtes, es hat lediglich mit spalte und herrsche zu tun. Einfache Spielthorie. Dividende Et Impera.

    Ein Mann kann nun einmal keine Kinder bekommen, evolutionär ohne Muttermilch auch keine Kinder versorgen. Ist ein Mensch mit männlichen Geschlechtsteilen daher benachteiligt oder ist das einfach der aktuelle Stand der Evolution?
    Es ist daher aus biologischer Sicht eben gerade kein Rollenspiel zwischen den Geschlechtern, sondern das logische ergänzende Zusammenspiel zwischen Mann und Frau. Es ist kein soziologisches Geblubbere. Trotzdem ist jeder Mensch einzigartig. Das ist nach Aussage von Darwin, allen Naturforschern und Evolutionsbiologen die Vorraussetzung für die Evolution. Das ist der aktuelle Stand der Erkenntnis.

    Insofern kann ich die Empfehlung aussprechen, nicht den Menschen auszugrenzen, sondern NUR die Ideologie, das gilt auch für die eigene.

    Ein Glaube kann nicht mit Glaube bekämpft werden, das ist sinnfreie Beschäftigungstherapie.

    Glaube, die einzig wahre Wahrheit, grenzt aus, es kann nur eine geben, immer.

    Gruß

    *steht für Ideologie des Zeitgeistes

    • Hoppla, sorry, hatte ich da die vielen Argumente, Verlinkungen etc. im Originalkommentar schlicht übersehen? Für mich sah das schlicht nach (spontan aus meiner Sicht recht abwegigen) Behauptungen aus. Daher die kurze Antwort; ich springe ja über viele Stöckchen, die man mir hinhält, aber eben nicht über alle.

      Die Probleme, die hier angesprochen werden, sind übrigens durchaus praktischer Art – siehe oben im Hauptartikel in den letzten Absätzen. Warum die sich durch eine evolutionäre Sicht auflösen, erschließt sich mir nicht.

  4. Hmm, sollten Wissenschaftler nicht recherchieren, bevior sie auch nur ein vorläufiges Urteil fällen? Etwa nach dem Inhalt der gesamten Rede fragen (was ich mehrmals auf Twitter tat und dafür regelmäßig beschimpft wurde) – oder nach anderen Quellen für Hunts Gesinnung? Letztere gibt es inzwischen immerhin zuhauf, und sie belegen eindeutig, dass die dämliche Handvoll(!) Worte in Korea (und die Soundbites eines übernächtigten Asien-Heimkehrers bei der BBC) nicht ernst gemeint gewesen sein können. Und dass der Rest der Rede in der Tat das Gegenteil ausdrückte, hatte man bereits in der allerersten Reaktion des ERC lesen können, die ob der inszenierten Entrüstung freilich kaum wahrgenommen wurde. Die – der psychologischen Definition von Mob (ohne Lynch-) bestens entsprechend – genau nach dem leider inzwischen allzu bekannten Fahrplan begann, dann aber ins Schlingern geriet: Denn diesmal gab es erheblich mehr Widerstand als in früheren ‘Fällen’, und der Wind dreht sich nunmehr gar gegen jene AktivistInnnen, die die ‘Affäre’ gezielt losgetreten hatten. Und ohne die die Welt – außer den pikierten Anwesenden – nie von o.g. Worten erfahren hätte: Man darf auch mal fragen, wer wohl mehr Schaden angerichtet und womöglich junge Wissenschaftlerinnen in spe von einer Karriere in der Forschung abgeschreckt hat. Hmm, das wäre auch mal ein Forschungsgegenstand …

    • Gerne mal auf den Gesamtvortrag Hunt’s webverweisen, insbesondere bliebe zu erörtern, ob der Vorschlag in Laboratorien geschlechtsspezifisch zu trennen vorgelegen hat.
      MFG
      Dr. W (der hier auch ein wenig recherchiert hat, abär ein wenig müde geworden ist, helfen Sie gerne bei! [1])

      [1]
      Wäre an sich auch eher die vornehme Aufgabe anderer gewesen, die von (primären) Inhaltegebern, korrekt.

    • Ich halte es für ein grundlegendes Missverständnis, dass die ganze Angelegenheit mit dem Sexismus so ein Spiel mit Plus- und Minuspunkten sein soll – dass wer genügend Pluspunkte sammelt, sich auch mal einen sexistischen Witz oder ähnliches erlauben darf. Dass das nicht so funktioniert sieht man wie so häufig am besten, wenn man sich die entsprechende Situation mal bei Rassismus bzw. Antisemitismus anschaut.

      Zum ernst gemeint oder nicht: Das BBC-Interview einfach so als Jet Lag-Nebenfolge abtun zu wollen, finde ich eine ziemlich gewagte Deutung. Davon abgesehen sehe ich es als Fehlschluss, dass mit “nicht ernstgemeint” alles in Ordnung wäre. Sieht man wiederum, wenn man sich eine entsprechende Situation mit Rassismus/Antisemitismus vorstellt.

      Von dem Wind, der sich dreht: Dass er sich leider in vielen Fällen in Richtung Legendenbildung gedreht hat, habe ich ja oben mit den entsprechenden Links belegt. Und die selbstverständliche Annahme, dass diejenigen, die sich da per Twitter beschwert haben, nicht einfach alle aus ähnlichen Gründen zu derselben Haltung gekommen sind, sondern nein, es muss ein Mob sein mit der Implikation von einfach-nur-mitlaufen, oder aber gezielt inszeniert, finde ich nach wie vor unglaublich abschätzig (aber, klar, bequem).

    • Es überrascht wenig, dass hier wieder einmal exkulpiert wird und kein Gedanke darauf verschwendet wird, wie Hunts Rede bei seinen Adressatinnen in Korea ankam und stattdessen Äußerungen eines Vertreters des ERC zitiert werden, der in Sachen Hunt schließlich pro Domo sprach. Warum hat eigentlich niemand Hunts Gastgeberinnen gefragt und sich für deren Sicht interessiert? Daniel Fischer muss sich hinsichtlich seines Vorwurfs mangelnder Recherche an die eigene Nase fassen.

      Die Korea Federation of Women’s Science & Technology Associations, deren Gast Tim Hunt bei seiner Ansprache am 8. Juni 2015 beim WCSJ Lunch war, hat sich diesbezüglich eindeutig geäußert. Sie haben es als Affront empfunden und sie weisen jede Verniedlichung als eine private Geschichte, die als bloßer Scherz geäußert wurde, zurück. Auch Markus Pössel hat diese lesenswerte Stellungnahme seider nie erwähnt und verlinkt, obwohl Anna Behrendt als eine der Wenigen darauf eingegangen ist, daraus zitiert und den Volltext verlinkt hat.

      16.06.2015
      http://www.kofwst.org/english/files/KOFWST_0617_E.pdf

      “Dear Sir Tim Hunt,

      We, the members of the Korea Federation of Women’s Science & Technology Associations (KOFWST), the sponsoring organisation of the WCSJ Luncheon on June 8, 2015, have decided to request your official acknowledgement and apology for the remarks made at the luncheon. Attached, please find our call for apology. We hope to get your responde within 24 hours. Your prompt and sincere apology is the least we can ask for any future collaboration with Korean scientists.

      Yours sincerely,
      Hee Young Paik, President

      KOFWST call for apology over inappropriate comments made by Sir Tim Hunt

      At a lunjcheon hosted by the Korea Federation of Women’s Science & Technology Associations (KOFWST) during the World Conference of Science Journalists in Seoul on June 8, 2015, Nobel Laureate Sir Tim Hunt made some inappropriate remarks over which KOFWST would like to express its very strong regrets.

      Sir Tim Hunt said that if men and women work in the same lab: “You fall in love with them, they fall in love with you and when you criticize them, they cry.” As women scientists, we are deeply shocked and saddened by these remarks, but we are comforted by the widespread angered response from international social and news media: we are not alone in seeing these comments as sexist and damaging to science.

      In a subsequent BBC Interview, Sir Tim Hunt elaborated on his statement, saying that “I did mean [it]” and “I meant to be honest.” His “honest” beliefs reveal deep gender prejudices and bias on how women’s role in science is perceived. The international science community, including Korea, has been making great efforts to overcome persistent gender inequalities in science that prevent women from advancing on equal terms with men. During the last several decades, efforts made by Korean society, government and individuals have helped make great strides toward a more gender equal society. We cannot allow sexism to undermine this progress.

      Although Dr. Hunt is a senior and highly accomplished scientist in his field who has closely collaborated with Korean scientists in the past, his comments have caused great concern and regret in Korea. They show that old prejudices are still well embedded in science cultures. On behalf of Korean female scientists, and all Koreans, we wish to express our great disappointment that these remarks were made at the event hosted by KOFWST. This unfortunate incident must not be portrayed as a private story told as a joke.

      On behalf of all women scientists in Korea and of the world, we at KOFWST ask Dr. Hunt to acknowledge the seriousness of his remarks and extend a sincere and prompt apology in order to foster gender equality in science. Such an apology is the least he can do in order to facilitate his future fruitful collaboration with Korean scientists.

      KOFWST will continue to make every effort to foster a society, in which men an women can collaborate harmoniously and without gender bias or discrimination, to succeed.

      2015. 6. 16

      Korea Federation of Women’s Science & Technology Associations (KOFWST)”

      Die Antwort von Tim Hunt:

      “Dear Hee Young Paik,

      I am extremely grateful to you for giving me the opportunity of apologising for my stupid and ill-judged remarks.

      I am extremely sorry for the remarks made during the recent “Women in science” lunch at the WCSJ in Seoul, Korea. I accept that my attempts at a self-deprecating joke were ill-judged and not in the least bit funny. I am mortified to have upset my hosts, which was the very last thing I intended. I also fully accept that the sentiments as interpreted have no place in modern science and deeply apologize for all those good friends who fear I have undermined their efforts to put these stereotypes behind us. In my own career I have always tried to treat my colleagues with respect and kindness whoever they are and am proud to have developed and mentored the careers of many young scientists who will be tackling tomorrow’s biological problems long after I have left the scene. I would like to ask that people accept my apology as heartfelt and judge me on my record.

      I have tremendous respect for Korean science and scientists, and would point out that my very happy association with Korea came about through a female scientist.

      Best wishes,
      Tim”

      • Ich hatte überlegt, das auch direkt zu verlinken, es dann aber aus mir nicht mehr hundertprozentig nachvollziehbaren Gründen nicht getan. Danke jedenfalls für die Ergänzung!

  5. Wenn Mikroaggressionen eine so große Wirkung entfalten sollen, dann kann man sich auch fragen, ob nicht bei einer anscheinend kaum noch nachweisbaren Benachteiligung von jungen Frauen bei der Wahl des Studienfaches und beim Studium nicht eben doch geschlechtsspezifische Präferenzen deutlicher zum Tragen kommen. Ich kann dieser These vom unterschwelligen Einfluss nicht mehr richtig glauben, die Erfahrungen sprechen m.E. dagegen.

    • Die Mikroaggressionen werden zum Teil von den Frauen, die die Wissenschaft vor erreichen einer festen Stelle verlassen, als einer der Gründe angegeben, warum sie sich da einfach nicht mehr wohlfühlen (und deswegen lieber ein anderes Umfeld suchen). Und auch von einer Reihe derer, die in der Wissenschaft bleiben, werden sie als nervige Belastung beschrieben. (Andere wiederum haben keine Probleme.) Aus diesen Gründen nehme ich die Mikroaggressionen durchaus ernst.

      Und die Frage, inwieweit “geschlechtsspezifische Präferenzen” quasi naturgegeben sind (was ja durchaus eine Rolle spielen kann!) oder eben durch solche kumulativen Signale beeinflusst werden, finde ich auch durchaus diskutierens-/klärenswert.

  6. Wenn “viele kleine Signalen, die Frauen zu verstehen geben können, dass sie eigentlich doch nicht in die Wissenschaft gehören” Mikroag(g)ressionen sind, ist dann eine feministische Empörung und ein Shitstorm mit dem Ziel, einen Nobelpreisträger zu eliminieren, eine Makroaggression?

      • Ach, das habe ich doch gar nicht probiert. Warum diese Unterstellung? Aber mal die Dinge in Perspektive zu setzen, ist etwas, das nicht schadet. Das ich dazu noch einen griffigen Begriff gewählt habe, dient Ihnen als Anlass, sich darüber lustig zu machen. “Dieses Abstempeln erspart ja auch die Auseinandersetzung”, kann ich hier entgegnen.

        Das mit dem “weiblichen Sturm der Entrüstung und Beschimpfung” bzw. dem “medialen ‘Lynchmob'” bezeichnen Sie als Schlampigkeit oder Parteilichkeit, ohne es zu widerlegen. Athene Donald schreibt dazu: “An extraordinary number of column inches (virtual and real) have been devoted to demonising the man. … I think it is worth asking what damage they have caused and whether the response actually helps the situation.” Ist sie auch schlampig oder parteilich?

        Anna Behrend(t) hat nicht viel mehr als ihre Meinung zu bieten, so sehr beeindruckt mich der Artikel nicht. Auch scheint sie Connie St Louis, die es offenbar nicht immer so genau mit der Wahrheit nimmt, blind zu vertrauen. Hat sie zuwenig recherchiert?

        Zur Frauenförderung, die Athene Donald propagiert, was Ihnen offenbar gefällt: Frauenförderung ist ja aktuell hoch im Kurs. Mir gefällt das wenig, ich halte das für einen schädlichen Gynozentrismus, ein Mittel, um die Frauen im ewigen Opferstatus festzunageln. Während es ungezählte Förder- und Hilfsprogramme nur für Frauen gibt, gibt es kaum irgendwo was nur für Männer. Haben wir es übertrieben?

        • Sorry, aber ihren ersten Kommentar, der über das Spiel mit griffigen Begriffen ja wirklich nicht hinausging und zudem meine Texte zum Thema komplett zu ignorieren schien, konnte ich wirklich nicht ernstnehmen. Warum nicht gleich so wie in diesem Ihrem zweiten?

          Zum weiblichen Sturm der Entrüstung, der sich im FAZ-Artikel explizit auf #distractinglysexy bezog, und zum Lynchmob-Begriff hatte ich zwei separate Blogbeiträge geschrieben – die sind beide von dem entsprechenden Artikel aus verlinkt. Da sind meine Argumente.

          Schlampig und parteilich bezog sich auf alle bis zu jenem Absatz genannten Legenden gleichermaßen, und anders kann ich mir wirklich nicht erklären, wie diese Legenden zustandekommen. Denn Lesen können die betreffenden Autoren ja wohl.

          Mit dem entsprechenden Absatz von Athene Donald und generell ihrer Verwendung des Lynchmob-Begriffs bin ich nicht einverstanden, aber die Legendenbildung, die ich hier kritisiere, kann man ihr nicht vorwerfen: Sie tut z.B. nicht so, als habe Tim Hunt seinen Lebensunterhalt verloren, und sie ordnet #distractinglysexy richtig ein.

          Anna Behrend (hoppla, den Schreibfehler korrigiere ich jetzt gleich mal) hätte in der Tat an der Stelle noch weiter in die Tiefe gehen können. Der von mir oben unter dem Haupttext verlinkte Artikel von Phil Plait verlinkt ja sowohl drei weitere Anwesende, die Connie St. Louis’ Hauptaussagen bestätigen, und Infos zu der Kritik des Boulevardblatts Daily Mail an St. Louis.

          Ob es wirklich um Frauenförderung geht oder nur um das Abschaffen von Frauenbenachteiligung ist ja schon die erste Frage. Meine derzeitige Antwort in Kurzfassung (in Langfassung wäre das vermutlich der nächste Blogbeitrag): Nach dem, was ich sowohl von Kolleginnen und Kollegen als auch über das mitbekommen habe, was andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schreiben, besteht da durchaus noch Handlungsbedarf. Nicht durch Förder- und Hilfsprogramme sondern durch Hinterfragen der eigenen Vorurteile, des Vorgehens z.B. bei Bewerbungsverhandlungen und der Abfassung von Empfehlungsbriefen und andere Umgangsformen im wissenschaftlichen Alltag. Mit die wichtigsten direkten Förderprogramme zur Frage Frauen in der Wissenschaft dürften summa summarum nach wie vor diejenigen sein, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie/Privatleben fördern – und zwar für Männer ebenso wie für Frauen. Und in dem Bereich ist meiner Einschätzung nach tatsächlich noch viel zu tun.

          • “Sorry, aber ihren ersten Kommentar, der über das Spiel mit griffigen Begriffen ja wirklich nicht hinausging und zudem meine Texte zum Thema komplett zu ignorieren schien, konnte ich wirklich nicht ernstnehmen.” Hm, das spricht jetzt aber nicht für Sie, finde ich… Ich habe etwas in kurzer Form griffig auf den Punkt gebracht, nicht nur mit Begriffen gespielt.

            Was ja bei Hunt Anstoss erregt hat, war nicht das mit dem Verlieben, sondern das mit dem Heulen. Professorin Quaiser-Pohl beschreibt das so: “Emotional zu reagieren hat bei Frauen auch oft eine Funktion. Sie haben nämlich gelernt, dass sie mit Heulen etwas erreichen: Die Männer werden dann weich.” ( http://www.fluter.de/de/gleichheit/heft/5668/ ). Also das berechnende Heulen. Dass Frauen schneller heulen als Männer wenn sie kritisiert werden, war wohl Hunts Erfahrung über die letzten 50 Jahre. Ich denke, das hat er so erlebt, wobei es in den 50 Jahren vielleicht auch einen Trend gab. Insofern hat er also durchaus eine korrekte Aussage gemacht, die aber zutiefst politisch unkorrekt war, insbesondere vor einer Frauenvereinigung.

            Ob das auch in Südkorea so ist, weiß ich nicht; inwieweit das schnellere Heulen genetisch oder kulturell bedingt ist: Quaiser-Pohl meint, kulturell.

          • Noch etwas dazu: “Ob es wirklich um Frauenförderung geht oder nur um das Abschaffen von Frauenbenachteiligung ist ja schon die erste Frage.”

            Das mit der Frauenbenachteiligung ist auch nur so eine Legende. Das war mal früher so, heute hat es sich ins Gegenteil verkehrt: “Results revealed a 2:1 preference for women by faculty of both genders across both math-intensive and non–math-intensive fields, with the single exception of male economists, who showed no gender preference.” ( http://www.pnas.org/content/112/17/5360.abstract )

            Darum bin ich auch gegen unreflektierte Frauenförderung. Die ewige Annahme, Frauen seien immer und überall benachteiligt, stimmt heute nicht mehr.

          • Anstoß hat durchaus beides erregt – siehe #distractinglysexy.

            Und wenn Ihnen nicht klar ist, warum z.B. die Bemerkung mit dem Heulen auch dann angebracht wäre, wenn sie in dem genannten Kontext (Frauen in der Wissenschaft) stimmen würde (sprich: wenn Hunt sie nicht aus dem hohlen Bauch heraus aus eigenen Vorurteilen gemacht hat): Was hat denn so eine Bemerkung, die nur deswegen wirkt, weil sie Vorurteils-Assoziationen weckt, auf einer Konferenz weiblicher Wissenschaftler verloren? *Das* ist das wichtige, in einer Rede hervorzuhebende an der Rolle von Frauen in der Wissenschaft? Wirklich?

            Das ist doch ungefähr so, als würde ein weißer Archäologieprofessor die Rolle schwarzer Forscher in seinem Wissensgebiet würdigen, indem er lobend hervorhebt, die würden ob ihrer schwarzen Hautfarbe bei Ausgrabungen viel länger in der Sonne draußen arbeiten können.

            Zu der PNAS-Studie gibt es durchaus kritische Stimmen – diese hier fand ich ganz nachvollziehbar. Spätestens wenn man dann noch ähnlich gelagerte Studien hinzunimmt, bei denen die Vorurteile wieder anders herum verliefen (z.B. Moss-Racusin 2012) dann ist eben doch nicht alles so einfach, wie Sie es sich mit einer einzigen, mal kurz so hingeworfenen Studie machen.

            Dann wären da noch die Aussagen der Betroffenen selbst dazu, was verschiedenen Wissenschaftlerinnen den Wissenschaftsalltag mehr oder weniger vermiest. Die wischen Sie einfach so vom Tisch. (Stichwort Mikroagressionen – selbst wenn Sie sich sonst nicht mit dem Thema beschäftigt haben: aus den konkreten Vorschlägen von Athene Donald, die Sie ja selbst zitieren, können Sie im Umkehrschluss ziemlich zielsicher ablesen, worum es da geht.) Das ist nicht gerade eine angemessene Auseinandersetzung mit dem Thema…

          • “Anstoß hat durchaus beides erregt – siehe #distractinglysexy.” Nein, glaube ich nicht. Man hat sich dort nach Lust und Laune beömmelt, aber das ist etwas völlig anderes als “Anstoß nehmen”. Zudem war das mit dem Verlieben gegenseitig.

            “Und wenn Ihnen nicht klar ist, …” — warum so herablassend?
            “… warum z.B. die Bemerkung mit dem Heulen auch dann angebracht wäre, wenn sie in dem genannten Kontext (Frauen in der Wissenschaft) stimmen würde” — warum der Konjunktiv?

            Ich habe übrigens nie behauptet, Hunts Bemerkungen seien angebracht gewesen. Ein Diplomat ist er wirklich nicht.

            Ja, im mal-kurz-so-hinwerfen-von-Studien sind wir beide ziemlich gut. Ich werfe zu, und sie werfen Moss-Racusin zurück. Da können wir uns gegenseitig auf die Schulter klopfen.

            “(Stichwort Mikroag(g)ressionen – selbst wenn Sie sich sonst nicht mit dem Thema beschäftigt haben” — warum wieder so herablassend? Da haben Sie doch wirklich keinen Grund für…

            “Dann wären da noch die Aussagen der Betroffenen selbst dazu, was verschiedenen Wissenschaftlerinnen den Wissenschaftsalltag mehr oder weniger vermiest. Die wischen Sie einfach so vom Tisch.” Wo habe ich denn gewischt??

            Sie wollen offenbar Anectotal Evidence anführen, die gemäss Wikipedia “über eine schwache argumentative Aussagekraft” verfügen. Dazu noch wollen Sie nur die Aussagen von “verschiedenen Wissenschaftlerinnen” berücksichtigen und die der männlichen Kollegen völlig unberücksichtigt lassen. “Das ist nicht gerade eine angemessene Auseinandersetzung mit dem Thema”, muss ich Ihnen sagen (Stichwort Gynozentrismus).

          • Anstoß: Aber natürlich beides! Ich habe eigentlich keinen Artikel gesehen, in dem nur das “heulen” bemängelt würde – als sexistische Kommentar kommt immer das volle Zitat. Zu recht.

            Konjunktiv: Weil Wissenschaftlerinnen im Labor nicht generell heulen? Und die generelle Bemerkung: Weil es, selbst wenn das ein häufiges Problem wäre, nicht angemessen wäre, die Wissenschaftlerinnen darauf zu reduzieren?

            Zum kurz hinwerfen: Sie behaupten mit einer hingeworfenen Studie, die Bevorzugungssache habe sich “ins Gegenteil verkehrt”, ich behaupte mit einmal Zurückwerfen einer Gegenstudie plus Verweis auf einen kritischen Link (mit vielen weiteren Infos darin), dass es schwieriger ist, als Sie es da darstellen. Sehen Sie den Unterschied wirklich nicht? Die “Selber, selber!”-Entgegnung klappt leider nur bei symmetrischen Situationen…

            Zum angeblich Herablassenden: Sorry, mangelnde Beschäftigung mit dem Thema anzunehmen war aus meiner Sicht immer noch die positivste Deutung dessen, wie Sie da argumentieren.

            Wegwischen: Machen Sie, sobald Sie das, was ich geschrieben habe auf die Entscheidung bei der Vergabe von Jobs reduzieren.

            Zur anekdotischen Evidenz: Wenn jemand direkt auf Sie zukommt und hnen sagt “Das, was Sie da gerade getan haben, hat mich in folgender Weise verletzt […]” dann werden Sie hoffentlich nicht entgegnen “Sorry, aber ohne Doppelblindstudie glaube ich da gar nichts”, oder? Dass ich von einer Reihe von Kolleginnen ähnliche Berichte über Mikroaggressionen höre und andere Kolleginnen online ganz ähnliches schreiben, nehme ich ernst.

            Und klar speche ich auch mit männlichen Kollegen – unter anderem auch über Dinge wie Quoten, die ich (und ja bei weitem nicht nur ich) durchaus problematischer finde als z.B. die Dinge, die Athene Donald anspricht und wo es vor allem einer Änderung der gegenseitigen Umgangsgewohnheiten bedarf. Das scheint mir in der Tat insgesamt eine ungleich angemessenere Beschäftigung mit dem Thema, als das, was Sie da an doch arg selektiven, weitreichend formulierten Behauptungen demonstrieren.

          • Meine Güte, diese Überheblichkeit, diese herablassende Haltung… Wo haben Sie das bloß her?

            Anstoß: Sie haben recht, es wird immer beides zitiert, aber das ist noch nicht Anstoß nehmen. Wirklich nicht.

            Sie haben auch recht, dass kritisierte Wissenschaftlerinnen nicht immer heulen, sie tun es nur eher.

            Ja, Sie haben auch einen Verweis auf einen kritischen Link zurückgeworfen. Von den Feminist Philosophers zu einer Studie, die die feministische Seite nicht gerade unterstützt. Sehen Sie wirklich nicht, warum das problematisch sein kann? Unten auf der Seite hat es übrigens einen sehr ausführlichen und, wie mir scheint, sehr kompetenten Kommentar eines David Miller.

            Wegwischen: nur weil ich auf etwas nicht eingehe, heißt das noch nicht, dass ich es wegwische.

            Zur anekdotischen Evidenz: Natürlich nehmen Sie solche Sachen zu Recht ernst. Aber Sie wissen ja selber, wie gefährlich solche Anekdoten sind: Man neigt zur Generalisierung. Seriöserweise muss man in Studien untersuchen, ob Frauen davon tatsächlich stärker betroffen sind als Männer. Es kann durchaus sein, dass Männer nur weniger darüber reden, um nicht als Weichei dazustehen. Sehen Sie das wirklich nicht? (Sorry, Ihr Kommunikationsstil hat schon auf mich abgefärbt. Mikroaggression?)

          • Die Überheblichkeit scheint mir weitgehend aktiv in Ihrer Wahrnehmung konstruiert. Aber irgendwie sind wir, zumindest in diesem Medium, wohl in der Tat eine ungünstige Kombination. Bei mir jedenfalls kam Ihr Stil von Anfang an als sehr aggressiv an und ich habe mich meinerseits sehr bemüht, mich möglichst wenig davon anstecken zu lassen. Sie sehen es offenbar gerade umgekehrt.

            Ich versuche im folgenden mal ganz ohne persönlichen Bezug auf Sie weiter zu argumentieren.

            Anstoß nehmen: Wie gesagt, das, was ich an Kritik gelesen habe, bezog sich immer auf beides. Was sind Ihre Argumente dafür, dass nur das Heulen Anstoß erregt hätte? Nicht zuletzt heißt der bekannteste Hashtag ja #distractinglysexy.

            Wie schon gesagt: Wichtig ist beim Heulen aus meiner Sicht, warum man so etwas überhaupt thematisiert; von der Sache her hat sich der Forscher, den Boris Johnson in punkto “Frauen heulen mehr!” zitiert hatte, übrigens inzwischen selbst zu Wort gemeldet, Kurzfassung: die einzige Studie zum Verhalten am Arbeitsplatz (zugegebenermaßen Psychotherapeuten/innen und daher wahrscheinlich nicht repräsentativ) findet, dass Männer mehr weinen.

            Zum Studien zitieren: Problematisch fand ich es insbesondere, aufgrund einer einzigen Studie definitive Aussagen zu treffen wie ihr “heute hat es sich ins Gegenteil verkehrt”. Hätten Sie stattdessen so etwas geschrieben wie “es gibt allerdings auch Studien, die zum gegenteiligen Ergebnis kommen” wäre das etwas ganz anderes und ungleich unproblematischer gewesen.

            Wegwischen: Wie gesagt, Ihre Aussage war, das mit der Benachteiligung habe sich “ins Gegenteil verkehrt”. Selbst wenn das für die Vergabe von Positionen stimmen würde, solange es bei der allgemeinen Atmosphäre (eben wieder die Mikroaggressionen bis hin zur sexuellen Belästigung) noch Situationen gibt, die Frauen das Umfeld wissenschaftlicher Tätigkeit moderat bis massiv vermiesen, ist die Verkehrung ins Gegenteil eine unwahre (und ob dem, was sie ignoriert, durchaus schädliche) Aussage. Insofern: Ja, wenn Sie allein aus einer Studie zur Stellenvergabe auf eine Verkehrung der Benachteiligung ins Gegenteil schließen, dann lassen Sie einige wichtige Dinge unter den Tisch fallen – nicht allgemein, weil da etwas weggelassen wird, sondern weil etwas weggelassen ist, von dem abhängt, ob ihre Aussage zutrifft oder nicht.

            Das Problem ist in diesem Falle übrigens einmal mehr, dass die betreffende Aussage nicht differenziert war – schon mit dem Zusatz von “zumindest bei der Stellenvergabe hat es sich ins Gegenteil verkehrt” wäre das eine gänzlich andere Aussage gewesen.

  7. Jetzt sind wir schon bei Mikroaggressionen als Hauptursache dafür, dass sich Frauen in der Wissenschaft unwohl fühlen? Also die Idee finde ich einfach grossartig! Jedes Mal, wenn mir die Summe von Umgansformen, etablierten Reaktionsmustern und vorausgesetzten Einstellungen in einer Gruppe nicht gefällt, nenne ich sie “Mikroaggression”. Behaupte dann, es sei mir deshalb unbehaglich, im Feld “X” zu arbeiten und gründe Bewegungen gegen Diskriminierung, die ich mit der Geschlechtsverteilung belege, solange die nicht exakt bei 50% liegt.

    Und wenn es Mikroaggressionen gibt, dann gibt es zwangsläufig auch andere “Mikro”signale? Wunderbar, das nächste Mal antworte ich einer Anklägerin von Catcall-Sexismus, der angeklagte Mann hätte das Mikrosignal empfangen, er sei sexuell eben doch willkommen. Je länger ich darüber nachdenke, umso besser gefällt mir das Konzept. Es beruht ja auf den subjektiven Einschätzungen der “Signalempfänger”, so ich Herrn Dr. Pössel richtig verstanden habe?

    Ich bin dann mal weg, Lehrmaterialien über den richtigen Umgang mit Mikrosignalen erarbeitend. Für Männer, versteht sich. Für den Zeitpunkt, an dem sich die Mikroaggressionen eventuell gesellschaftlich als ernstzunehmendes Problem materialisiert haben sollten.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Mannomann. An dem Spruch, dass sich unter Artikeln zu feministischen Themen immer einige Kommentare finden, die die besten Argumente für den Feminismus sind, ist was dran.

      Aber mal im Ernst: Wenn Ihnen in einer Gruppe ganz bestimmte Verhaltensweisen zusetzen, sollten Sie das mal bei den anderen Gruppenmitgliedern ansprechen. Und wenn diese anderen Menschen nicht so arrogant sind, zu meinen, Ihre negativen Erfahrungen einfach so als unwichtig oder übertrieben wegwischen zu können (Hohn und Spott inklusive, wenn Sie an hinreichend asoziale Vertreter der Spezies geraten), stehen die Chancen vielleicht gar nicht so schlecht, dass sich Ihre Situation verbessert. Wobei, zugegeben: Die Bereitschaft der anderen, sich auf Ihre Bedürfnisse einzulassen, dürfte auch davon abhängen, wie mehr oder weniger arrogant Sie sich selbst verhalten.

      • Und im Ernst zurück:

        Im Ernst zurück: Das mag ja meiner Erziehung geschuldet sein, aber ich habe noch gelernt, dass ich mich an eine Gruppe anpasse (Kleidung, Umgangsformen etc.) und nicht verlange, dass diese sich an mich anpasst. Genau darauf läuft aber die Forderung von einigen Frauen (meine hat auch nur geprustet) hinaus.

        Ich habe nichts dagegen, diese Forderung umzudrehen und tatsächlich einen Kulturwandel dahingehend zu verlangen, dass Gruppen auf die Empfindlichkeiten von wenigen ihrer Mitglieder Rücksicht nehmen. Ich habe allerdings auch eine Vermutung, wie das ausgehen wird, es sei denn, der Druck auf die Gruppe wird unerträglich stark.

        Muss aber um Entschuldigung bitte, dafür, mich an diesen Diskussionen überhaupt zu beteiligen. Ich ziehe mich höflich zurück und wende mich wieder einer meiner Lieblingsbeschäftigungen zu – auf die Seitenlinie setzen, beide Seiten anfeuern und bei Chips und Bier dem Spiel zuzusehen. Wenn Sie daraus schliessen, dass ich das alles nicht allzu ernst nehme, liegen Sie sicherlich nicht falsch. Nachdem sich der erfolgreich abgeschlossene Kampf um Gleichberechtigung in einen um Gruppenkultur und Deutungshoheit auf der Basis von Identity Policies verwandelt hat, zieht man sich besser auf eine Zuschauerposition zurück. Das wird nämlich erfahrungsgemäss weitaus hässlicher als die Auseinandersetzung zu der Zeit, in der es wirklich noch um etwas ging :-).

        Gruss,
        Thorsten Haupts

    • ja, das Leben im Allgemeinen und die Psyche im Besonderen sind sehr schwierige Sachen. Man(n) versteht die Welt immer so, wie man sich selber versteht. Man schließt gerne von sich auf Andere und versteht die Welt nicht mehr, wenn sie unerwartet oder anders reagiert. Dann kommen Aggressionen auf. Der Stalker glaubt, sein Opfer müsse doch genauso denken wie er. Andernfalls wird es als Verrat an der guten Sache gedeutet – und als Konsequenz muss es bestraft werden, natürlich nur zu seinem Besten! Genau so funktioniert auch Religion.

      Arroganz und Überheblichkeit sind psychische Mechanismen der Abwehr, wenn rationale Argumente nicht verfügbar sind, oder wenn man nicht gewillt ist, andere Einstellungen zu akzeptieren oder überhaupt darüber nachzudenken! Manche Menschen verraten dadurch ihre eigene Unsicherheit und Instabilität, entlarven ungewollt ihre geheimen Komplexe. Der größte Teil menschlichen Verhaltens spielt sich im Unbewussten ab, wovon die meisten Menschen nichts wissen. Die Missdeutung von Reaktionen, Gesten, Aussagen, Verhalten ist immer wieder Anlass für Konflikte bis zur Gewalt, häufiger unbewusst und unabsichtlich als bewusst absichtlich. Es wäre wert, ernsthaft darüber nachzudenken, denn “wie ich dir, so du mir”.

  8. Das eigentliche Problem ist nicht die selbstgerechte Empörung und die dumme Twitterei von “Aktivisten”, die nicht einmal einen dummen Witz verstehen.
    (Was wäre übrigens, wenn Hunt so gewitzelt hätte: “…und wenn Du einen dummen Witz machst,werden sie zu Twitter-Furien ..” ?)

    Die richtige Antwort an die Denunziantinnen wäre meiner Ansicht nach:
    “If you cannot stand weird people with strange opinions, why do you meddle with Science?”

    Das eigentliche Problem sind Feigheit und maßloser Opportunismus in unseren akademischen Institutionen (von den Politikern und Journalisten erwartet man ja schon fast nichts anderes). Menschen, die eigentlich geistige und gesellschaftliche Standards aufrechterhalten sollten, verhalten sich wie Waschweiber beim Dorfklatsch (sorry für den Sexismus). Universitätschefs sind nicht imstande, einen kreischenden Mob aus einer Veranstaltung werfen zu lassen, die einen eingeladenen Gast zu sprechen hindern wollen. Eine Universität lädt einen israelischen Professor kurzfristig wieder aus, weil einige seiner Aussagen dem Gender/LGBTI-Mob unter den Studenten (traditionelles Deutsch(TM), weibliche dürfen sich gemeint fühlen) nicht passen. … usw …

    Die erbärmliche Feigheit vor inszenierter “Empörung” ist es, die uns längerfristig ruinieren wird.
    In unserer Geschichte finden sich leider zu viele traurige Beispiele für akademische Feiigheit. – unsere Devise sollte “Nie wieder!” sein.

  9. Nur im Post-Mortem ergänzend:
    -> http://www.theguardian.com/uk-news/2015/jun/23/stop-defending-tim-hunt-brian-cox-richard-dawkins (‘During Hunt’s outburst, the female Korean scientists and engineers were stunned and confused. However, they have now spoken. They were deeply offended and didn’t get Hunt’s “jokes”.’)
    -> https://www.youtube.com/watch?v=IwPKfACoQoY (693 Aufrufe im Moment, Fr. Demina war Aufzeichner – ganz bemerkenswert, gell?!)
    -> https://www.youtube.com/watch?v=YQHx3clb0zo (dies zur Quelle webverwiesen, 10 Aufrufe atm)
    -> http://www.thetimes.co.uk/tto/opinion/columnists/article4501473.ece (Paywall, lol)

    Wer die diskriminierte Hunt-Rede, die anscheinend partiell im Web vorliegt, und über die die Unwahrheit gesagt, geschrieben bis gelogen worden ist, auch von dieser Person – der werte hiesige Inhaltegeber hat zudem auch nicht, auch auf Zuruf nicht recherchiert, sondern blieb nachplappernd -, äh, also wer diese Rede von Fr. Demina hier direkt (ohne PW und so) webverweisen könnte, also der wäre nett.

    MFG
    Dr. W

  10. Naja, als erstes sollten Sie mal vorsichtig sein, dass Sie die Missverständnisse um Hunts Rede nicht noch vergrößern. Sonst könnte noch jemand, der Ihren Kommentar liest, auf den Gedanken kommen, dass das YouTube-Video, das Sie da verlinken, die bewusste problematische Rede wiedergeben und direkt widerlegen sollte, was Sie davor verlinken (und partiell mit “stunned and confused” und “didn’t get Hunt’s ‘jokes'” exzerpieren).

    Tatsächlich zeigt das erste verlinkte YouTube-Video einen Ausschnitt aus Hunts Vortrag am Montag morgen (das ganze Programm ist hier zu sehen), nicht einen Ausschnitt aus der umstrittenen, seiner Aussage nach auch eher improvisierten Rede beim späteren Luncheon. Für die Diskussion hier ist das Video damit ähnlich wenig hilfreich wie die “Let it be”-spielenden koreanischen Musiker im zweiten verlinkten Video.

    Der Knackpunkt bleibt das dritte Link und, wie Sie selbst bemerken: Das steckt hinter einer Paywall. Als ein Kommentator das vor einer Woche hier auf dem Blog erstmals gepostet hatte, hatte ich mal kritisch nachgefragt, was da nun eigentlich der Inhalt sei, aber da kam nichts. Insofern warte ich auch darauf, dass jemand da mal das Material auf den Tisch legt. Dann können wir uns auch sinnvoll über die angeblichen Lügen unterhalten.

    Was ich damals schon geantwortet habe, was aber sicher wiederholt werden kann: Natürlich ist es gut, Originalmaterial zu haben. Aber die Diskussion, wer jetzt an welcher Stelle der Rede wie laut gelacht hat oder eben nicht sollte nicht über den Umstand hinwegtäuschen, dass wir bei den Hauptaussagen, welche zu der aufgebrachten Reaktion geführt haben, ja gar nicht auf mühsame Rekonstruktionen aufgrund widersprüchlicher Zeugenaussagen angewiesen sind, sondern Tim Hunt hat die Hauptaussagen in einer Telefonnachricht an die BBC (damals mit der Verteidigung, er habe es ja “nur ehrlich” gemeint) und in späteren Artikeln bestätigt und sich dann ja auch dafür entschuldigt. Dass eine vollständige Aufzeichnung der Luncheon-Rede der ganzen Sache den Boden unter den Füßen wegzieht ist allein deswegen schon sehr unwahrscheinlich.

    Was den Vorwurf angeht, ich hätte nicht recherchiert, sondern nur nachgeplappert: Herrjemine, was ist es an solch einem Thema, das die Kommentatoren hier so aggressiv und unhöflich macht? Soweit ich sehen kann, habe ich versucht, alles, was ich an sachdienlichen Informationen gefunden habe, zusammenzustellen, dabei die Spreu vom Weizen zu trennen und insbesondere solche miesen Verzerrungen wie die des Twitter-Mobs, der Tim Hunt angeblich von seiner Arbeitsstelle vertrieben haben soll, zu korrigieren. Tut mir ja auch leid, wenn ich dabei so entscheidende Beweisstücke wie die von Ihnen verlinkten “Korean Beatles” vernachlässigt habe – ich hoffe, Ihr Leben damit nicht völlig aus der Bahn geworfen zu haben!

    • @ Herr Dr. Pössel :

      Der Knackpunkt bleibt das dritte Link und, wie Sie selbst bemerken: Das steckt hinter einer Paywall.

      Diese noch einstmals versteckte Rede muss bestmöglich, was die Quellen nur hergeben, beigebracht werden.

      Fr. Demina, die nur deshalb erklärtermaßen mit Beatles-Permutationen zitiert worden ist, um klarzustellen oder weitergehend zu belegen, dass die genannte Dame vor Ort war wie aufzuzeichnen wusste,

      Es geht um diese Aufzeichnung, die anscheinend hinter einer Paywall verborgen bereit zu stehen zu haben bleibt, nach erfolgter Tim Hunt-Schlachtung, die ganz anscheinend auf Grund herbei gelogener Berichterstattung erfolgt ist.

      Schließen Sie gerne Ihre berichterstatterisch-kommentatorisch erfolgte Nachricht dahingehend ab, indem Sie entscheidende Dokumente als im Web verfügbar verweisen,
      MFG
      Dr. W

  11. Seufz. Jetzt ist es schon eine “Schlachtung”. Wieso nur bewirkt diese Angelegenheit nur in so vielen Kommentatoren einen offenbar unwiderstehlichen Drang zu übertriebener Ausdrucksweise?

    Und zur angeblich “herbei gelogene[n] Berichterstattung”: Wie gesagt, die Hauptaussagen stehen so schon in der BBC-Telefonnachricht und späteren Tim Hunt-Interviews. Für die hat er sich, wie oben auch schon gesagt, auch schon entschuldigt. Also bitte keine Legendenbildung hier!

    • Machen Sie gerne einfach die Arbeit, die einem WebLogger gemeinhin so zusteht.
      Klicken Sie gerne im hier vorrätigen WebLog-Verbund derart, dass eine Diskurs-Abfolge entsteht.

      Erheben Sie sich nicht sozusagen von der Seite
      .
      Seien Sie gerne Teil der von Ihnen im Web intonierten Veranstaltung,
      MFG + G2CU für heute,
      Dr. W

      • Klingt vage herablassend, aber Sinn kann ich dem ganzen keinen abgewinnen. Naja, ich lasse den Kommentar hier trotzdem mal stehen, obwohl er aus meiner Sicht keinen Mehrwert bringt.

        • Naja, ich lasse den Kommentar hier trotzdem mal stehen, obwohl er aus meiner Sicht keinen Mehrwert bringt.

          TU vely much, lol, walum so verklemmt, warum so diktatorisch & warum so gönnerhaft?!

          MFG
          Dr. W

          PS:
          Klar, insgesamt hat “Old Webbaer” Sie, Honk Haasis und so schon als OK gebucht, no prob. (Old W. schom alter Hase und so…)

          • Hui, wie man’s macht, ist’s verkehrt – die negativen Adjektive fliegen nur so!

            Gegenfrage: Warum so vage in dem vorigen Kommentar? Was war der Sinn? Was sollte das den Lesern hier bringen?

          • Dr W bringt den Lese[r]n, zumindest im Feedback-Bereich immer etwas!
            MFG
            PS:
            Korrekt beleibt, dass Dr. W der beste sekundäre Inhalltegeber aller Zeiten ist!