Frank W. Cousins – Amateurastronom, Ingenieur, Buchbesitzer. Eine Online-Spurensuche

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… aber nicht einfacher
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Ich weiß gar nicht mehr, wo ich Michael Rowan-Robinsons Buch “The cosmological distance ladder”, erschienen 1985, eigentlich gekauft habe. Sicher nicht über das Internet, denn soweit ich erinnere, besitze ich das Buch schon seit den frühen 1990er Jahren, lange bevor ich von Amazon oder antiquarischen Online-Händlern gehört hatte. Vorne im Buch hat sich handschriftlich und mit Stempel der Vorbesitzer Frank W. Cousins verewigt (siehe Abbildung). Stempel und Unterschrift von Frank W. Cousins in meinem Exemplar von "The Cosmological Distance Ladder"

Was macht man also, wenn es Wochenende ist, man eigentlich mithilfe eben jenes Buches einen Text schreiben müsste, aber keine rechte Lust darauf hat?

Richtig. Man fragt sich, wer denn nun Frank W. Cousins aus London ist oder war, und ob sich das in Zeiten von Internet und Google nicht vom heimischen Schreibtisch aus herausfinden lässt.

Hier die Ergebnisse dieser spontanen Suche. Meine Online-Quellen sind jeweils an geeigneter Stelle verlinkt als [x].

Frank W. Cousins: Biografische Spuren eines Buch-Vorbesitzers

Frank William Cousins war von Beruf Ingenieur und lebte zunächst in Saltdean an der Südküste Englands, in der Nähe von Brighton. Den Daten nach, die ich von ihm habe, schätze ich, dass er in den 1920er Jahren geboren wurde. Im Jahre 1951 ist er jedenfalls bereits Associate Member of the Institution of Electrical Engineers (und lebt in der kleinen Stadt Greenford nordwestlich von London) und ein Associate of the Chartered Institute of Patent Attorneys [x].

Die Engländer geben ihren Häusern ja mitunter Namen; seines in der Westmeston Avenue 60  hieß “Urameton” – hat jemand eine Idee, warum? Es hat Anklänge von Urania, der Muse der Astronomie, aber Google hilft hier leider nicht weiter.

Gearbeitet hat Cousins in London; Anfang der 1962 in Thames House, seit 1994 Sitz des britischen Inlandsgeheimdienstes MI5, damals Sitz unter anderem von Cousins Arbeitgeber, der kanadischen Firma International Nickel Company (inzwischen Vale Canada Limited als Unterfirma der brasilianischen Firma Vale). Astronomischer Querbezug: Das Sudbury Neutrino Observatory befand sich in einer der Minen eben der International Nickel Company.

Ist Cousins täglich, oder in anderem Rhythmus, von Brighton nach London gependelt und zurück? Mit einer bis anderthalb Stunden Fahrzeit laut British Rail wäre das denkbar. Und würde erklären, warum Cousins Bücher nach eigener Aussage während Bahnfahrten zwischen London und Brighton entstanden [x].

Nach dem Tod seiner Ehefrau Isabelle ca. 1973 zog Cousins nach London [x], und wohnte anschließend offenbar ziemlich zentral im Borough of Westminster, London SW1 [x]. Oder ist die an einer Stelle angegebene Adresse, Appartment 43 im Emanuel House,18 Rochester Row, nur 200 Meter Luftlinie von Westminster Abbey entfernt, ein Büro? Sie taucht jedenfalls in Cousins umfangreicher Sammlung zur “Anatomie des Kreisels” auf, ohne Firmenname. War er zu jener Zeit selbstständig? Oder schon pensioniert? Vermutlich letzteres.

Die Anatomie des Kreisels, “Anatomy of the Gyroscope”: Drei Bände, 14 Jahre Recherchearbeit, knapp 1000 Seiten mit dem Ziel, einen Überblick über hunderte Fachartikel und Patente zur Anwendung von Kreiseln zur Stabilisierung und als Richtungsreferenz zu geben um Duplikationen in der Forschung zu vermeiden; veröffentlicht von der Beratergruppe Luftfahrtforschung der NATO im Februar 1988 [x]. Im Vorwort zur Kreisel-Schrift ist übrigens unter den Freunden, denen Cousins für langjährige Unterstützung und Ermutigung dankt, auch der Magnetschwebebahn-Pionier Eric Laithwaite, der seinerseits auch ein Geleitwort zu Band 1 des Werkes beitrug.

Astronomie und Sonnenuhren

Die Astronomie hat Cousins besonders interessiert. Er hatte ein eigenes kleines Observatorium und hielt Vorträge am Londoner Planetarium [x]. Im Jahre 1951 wurde er Fellow der Royal Astronomical Society.  Für diese Mitgliedschaft hatte ihn William Steavenson vorgeschlagen, ebenfalls Amateurastronom, und zwar ein sehr beeindruckender: einer der wenigen Amateurastronomen, die seit dem 20. Jahrhundert Präsident der Royal Astronomical Society waren (1957–1959), zuvor bereits Präsident der britischen Amateurvereinigung, der British Astronomical Society (1926–1928). Über den Wikipedia-Artikel über Steavenson bin ich auf die interessante Position des Astronomieprofessors am Gresham College gestoßen; auch dieses Amt hatte Steavenson nämlich zwischenzeitlich inne. Gresham College ist eine abenteuerliche Mischung aus 1597 gegründeter Edel-Volkshochschule und Vorläufer der Royal Society, und vermutlich einen eigenen Blogbeitrag wert.

Aber zurück zu Cousins. Besonders hatten es dem offenbar die Sonnenuhren angetan. Im Jahre 1969 veröffentlichte er “Sundials. A simplified approach by means of the Equatorial Dial”, 247 Seiten [x], ein Jahr später als US-Ausgabe unter dem Titel “Sundials: The art and science of gnomonics” [x]. Die Besprechung im britischen Amateur-Astronomen-Journal The Astronomer liest sich eher wie ein Klappen- oder Werbetext, und endet denn auch mit dem Hinweis, das Buch sei beim Autor der Besprechung (?) zu erwerben, bei “Britain’s only specialists in publications for the amateur astronomer”. Gelobt werden die 150 Illustrationen des Buchs, skizziert vom Autor und ausgeführt von Malcolm Chandler, vermutlich jenem Malcolm Chandler, der hier beschrieben wird, und der zwischen der Restauration alter Gemälde, Werbegrafik und abstrakter Malerei einiges an Stilen abgedeckt zu haben scheint. In Sachen Mathematik hatte Cousins mit einem Dr J. G. Porter, ehemals wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Nautical Almanac, zusammengearbeitet, der auch ein Vorwort zu dem Buch schrieb.

Mindestens eine Quelle, nämlich das Dictionary of Scientific Biography, zitiert Cousins als Autorität, und zwar in einem Beitrag über Dionysodorus zu dessen Sonnenuhr [x]. Eine neuere Webseite mit einem “Educational Universal Multi-Dial” zitiert ihn noch 2014 als Inspiration [x]. Die North American Sundial Society gibt ein Exemplar des Buches im gleichen Jahr als “Door prize”, bei der Tombola ihres Jahrestreffens aus [x].

Und dann gibt es da noch die Verrisse.

Verrisse

Verrisse! Den einen hätte man schöner nicht schreiben können, hätte man die entsprechenden Rollen in einem Theaterstück besetzt. Hier Frank Cousins, auf der anderen Seite Professor Gerard L’Estrange Turner [obit1, obit2], in jener Zeit Kurator am wissenschaftsgeschichtlichen Museum in Oxford, zu bestimmter Zeit Präsident der Royal Microscopical Society. Hier der enthusiastische Amateur, auf der anderen Seite der – nein, das passt dann doch nicht ganz, denn eigentlich müsste hier ein Fachwissenschaftler mit klassischer Karriere stehen, während Turner von der Ausbildung her eigentlich Physiker und Kristallograf war, seinen Ruf als Spezialist für alte wissenschaftliche Instrumente ganz ohne Promotion erarbeitete und erst im Alter von 56 einen Doktortitel verliehen bekam.

Ganz kommt es also von den Schubladen her nicht hin, zumindest nicht beim Vergleich der Biographien; im Verriss dann allerdings schon. Also: Gerard L’E. Turner, selbst Autor von mehr als einem Dutzend Fachbücher, Nemesis selbsternannter Experten und sentimentaler Instrumenten-Liebhaberei. Die Buchbesprechung erschien 1970 im ersten Band des Journals for the History of Astronomy, online ist sie hier einsehbar. Sie beginnt

“Mr Cousins became interested in constructing sundials in 1967, and with the aid of his mathematical friend, Dr Porter, he was able to prepare a text for publication, and so do homage to his hobby. The eight-page introduction is scarcely an improvement on the article “Dial” in the 11th edition of the Encyclopedia Britannica (1910). […]”

Dann geht es in ausgesucht höflichem, aber unerbittlichem Ton weiter: hier offenbar aus der Britannica abgeschrieben, dort eine Anzeige als rätselhaft bezeichnet, die doch aber in den Werken XY aus dem Jahre 1809 und YZ aus dem Jahre 1816, und überhaupt, wenn Cousins der zufriedenstellenderen Praxis gefrönt hätte, Buchtitel komplett zu zitieren, dann hätte er doch bereits in dem in seinem Literaturverzeichnis aufgeführten Werk aus dem Jahre 1664 mit dem Titel (!) “Dialling Universal, Shewing By an easie and speedy way, how to describe the Houre-lines upon all sorts of Plains in any Latitude whatsoever: Performed by certain SCALES set upon a small portable RVLER” die nötigen Informationen finden können. (Eventuell, ist man versucht anzunehmen, finden sich sogar bereits alle nötigen Informationen allein im Titel.)

Die Zusammenfassung kann sich einen Seitenhieb auf den hohen Preis nicht verkneifen:

“Since it is quite possible to design a sundial from first principles without turning to any printed source other than a set of trigonometric tables, the price of six guineas for this book, albeit well produced, will serve to keep it out of the hands of any innumerate would-be diallist.”

Die negative Einschätzung des Buches scheint allerdings keine persönliche Meinung von Turner gewesen zu sein; eine deutlich kürzere Besprechung in Isis 1971 von Harry Woolf kommt zu einem ähnlichen Schluss, und endet mit

“The reader who loves a romantic ramble through the ‘mystery of time and its measurement’ will enjoy the book, but for a briefer and considerably less expensive excursion into the art of dialling, the Encyclopaedia Britannica will certainly do.”

Mini-Theaterstück

Nachdem ich meine Zeilen über die Ähnlichkeit mit einem Theaterstück bereits geschrieben hatte, ist mir dann noch die (positive!) Buchbesprechung in Physics Today in die Hände gefallen. Die ist nämlich tatsächlich als Theaterstück geschrieben [x]:

“Managing Editor: What have you got there?

Book-Review Editor: It’s a gorgeous book all about sundials.

ME: Sundials? Good grief, who needs ’em? They don’t even keep good time, do they?

[…]

ME: Yes, that’s rather impressive. Is there nothing wrong with the book, then?

BRE: Well, Frank Cousin’s writing style is rather rococo. It’s fine for the description of early instruments; many of them are rather rococo too. […] But the style is not too clear for the geometrical and theoretical descriptive parts. Could you tell from this description, for example, how a polar dial works?

ME: (Takes book) Hmm. Well, I can see easily enough from the drawing, anyway. (Browses) These drawings are all good, aren’t they? And I see there are tables of trigonometric data you would need if you were designing a dial. And what’s this fold-out chart… (reads) ‘Analemma for a horizontal dial…’ I see, it’s a detailed drawing of the layout of a dial that incorporates corrections for the time of year. You know, I could put a sundial like that in my backyard… (exits, still reading).”

Sonnensystem

Im Jahre 1972 folgte Cousins “The Solar System”, 300 Seiten und reichhaltig illustriert [x]. Wiederum ist das Buch nicht nur in einem englischen Verlag, sondern parallel dazu auch in den US erschienen, jeweils im gleichen Verlag wie bei den Sonnenuhren [x]. Die Zeichnungen des Buches stammen wiederum von Malcolm Chandler.

…und Kreationismus

Ein Jahr vorher hatte Cousins allerdings noch ein weiteres Buch veröffentlicht: Fossil Man: A Reappraisal of the Evidence, with a Note on Tertiary Man (Emsworth: A. E. Norris & Sons Ltd., 1971) [x], in dem er sich kritisch mit den Vormenschen-Fossilien beschäftigt. Denn auch das war Cousins: ein aktiver Kreationist, also einer derjenigen, die die Darwin’sche Evolutionstheorie und ihre Erklärungen für die Entstehung der verschiedenen Arten einschließlich des Menschen ablehnen, insbesondere aufgrund der Widersprüche zu einer wörtlichen Auslegung der Bibel.

Dementsprechend findet man ihn hie und da in der kreationistischen Literatur zitiert, etwa in dem Buch mit dem charmanten Titel “The Death of Evolution” eines Wallace Johnson [x]. Zur Serie “Symposiums of Creationism” hat er einen Artikel zur Evolution der Vögel und zu Archaeopterix beigetragen [x].

Auch einige seiner Briefwechsel zu diesem Thema haben ihre Spuren hinterlassen: Das Archiv des Naturkundemuseums London enthält unter anderem seinen Briefwechsel mit Kenneth Oakley, bekannt unter anderem für seine Rolle bei der Aufklärung der Piltdown Man-Fälschung [x], während die National Institutes of Health, welche die Korrespondenz des Genetikers und Nobelpreisträgers Joshua Lederberg offenbar in toto digitalisiert haben, einen Brief von Cousins an Lederberg vom 9. Juli 1965 sogar online bereitstellt [x]. Der Brief enthält allerdings keine ausgefeilte Argumentation, sondern stellt Lederberg lediglich die vernichtende Beurteilung der Nachweise dafür, dass Evolution stattgefunden hat, des schwedischen Botanikers Nils Heribert-Nillson vor.

Wäre Cousins 50 Jahre (oder mehr) später geboren, würde man seine entsprechenden Spuren vermutlich in Online-Foren und -Kommentarspalten finden. So aber findet man seine Briefe, unter anderem im New Scientist [x], und einige in Nature [x] [x] – in letzterer Fachzeitschrift allerdings die allermeisten Zuschriften ohne kreationistischen Einschlag: Cousins scheint einfach ca. 1981–1994 ein aufmerksamer, regelmäßiger Leser von Nature gewesen zu sein, der sich mit Briefen zu Wort meldete, sobald er etwas anzumerken hatte, von der Patentlage bei AZT [x] oder fehlenden Patentnummern in Nature-Artikeln [x] [x] über die Zirbeldrüse [x], wissenschaftliche und technische Entdeckungen [x], die Entdeckung der Falkland-Inseln [x], Bücherverbrennung und Rupert Sheldrake [x] und das heliozentrische Weltbild von Nicole Oresme [x] bis zu Richard Dawkins Definition eines “Mems” (ein Begriff, der sich in Zeiten des Internets ja nun einigermaßen verselbstständigt hat) [x].

Spuren in Büchern

Gestorben ist Cousins anscheinend ungefähr im Jahre 2008, nachdem er die vorangehenden 15 Jahre bereits an einer Demenzerkrankung gelitten hatte [x]. Ich kann daraus und aus dem Umstand, wie lange ich die “Cosmological Distance Ladder” besitze, nur schließen, dass der Verkauf seiner Bibliothek  bereits deutlich vor dem Tod Cousins begann.

Die Bibliothek muss zu jenem Zeitpunkt einige durchaus wertvolle Bücher beinhaltet haben. Bei dem Buchhändler Rulon-Miller in St. Paul, Minnesota, in den USA sind beispielsweise nach wie vor (oder aufs Neue?) Cousins 102 (von ursprünglich 112) Bänden des New English Dictionary on Historical Principles, erschienen 1884 bis 1920 in Oxford, käuflich zu erwerben [x].

fIMG_5097Interessanter finde ich die Spuren, die Cousins in und durch seine Bücher hinterlassen hat – nicht in Form störender Randnotizen, sondern auf den hinteren Vorsatzseiten. In meinem Exemplar der “Cosmological Distance Ladder” hat Cousins eine Rechnung zur Maßeinheit Bogensekunde hinterlassen (siehe Bild).

Eine Liste eines Antiquariats schreibt zu dem angebotenen Exemplar von De Carle, “British Time”: “This copy was previously in the library of Frank W. Cousins who has written in the endpaper This is a terrible book full of errors and non sequiturs. Kept for photographs only FWC[x].

Was schließen wir daraus? Man kann in verschiedene Richtungen gehen. Zuviel private Daten im Netz? In diesem Falle eigentlich nur der Foren-Eintrag, der auf Cousins lange Demenz hinweist. Alles andere sind Spuren im Netz, mit denen Cousins vermutlich einverstanden gewesen wäre. Sie sind ihrer Natur nach nur schemenhaft. Man kann verschiedene Frank W. Cousins in die Leerräume einpassen: Einen dilettantischen Besserwisser, der sich immer wieder zu Wort melden musste, auf einem Kreuzzug gegen Darwin. Einen Amateur im besten Sinne, der sich intensiv für wissenschaftliche Themen interessiert hat. Einen Menschen, mit dem man sich gut und gerne hätte unterhalten mögen und einen, den man bei einem Gespräch nach kürzester Zeit zu fliehen in Versuchung gewesen wäre.

Ich klappe den vorderen Vorsatz des Buches jetzt wieder zu und müsste nach meinem Ausflug zu den Online-Spuren von Frank W. Cousins eigentlich meinen Kosmologie-Text weiterschreiben. Dazu ist es freilich zu spät. Morgen.

Markus Pössel hatte bereits während des Physikstudiums an der Universität Hamburg gemerkt: Die Herausforderung, physikalische Themen so aufzuarbeiten und darzustellen, dass sie auch für Nichtphysiker verständlich werden, war für ihn mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Forschungsarbeit. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam blieb er dem Institut als "Outreach scientist" erhalten, war während des Einsteinjahres 2005 an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt und schuf das Webportal Einstein Online. Ende 2007 wechselte er für ein Jahr zum World Science Festival in New York. Seit Anfang 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie leitet, ein Zentrum für astronomische Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Pössel bloggt, ist Autor/Koautor mehrerer Bücher, und schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.

5 Kommentare

  1. Auf seine Weise hat Frank W. Cousins ein gutes Leben in England geführt – genau wie sein Namensvetter Frank W.Cousins (1851-1925),

    photographer, author and entrepreneur, has contributed more to the evolving image of Salem than anyone else.

    oder sein Namensvetter Frank W. Cousins in den USA, der es in die Online Ancestry-Datenbank geschafft hat und über den berichtet wird_:

    When Frank W Cousins was born about 1910, his father, William, was 33 and his mother, Ethel, was 28. On April 1, 1940, he was 30 years old and lived in Buxton, Maine with his father, mother, brother, and sister.

    Also schon 3 Frank W.Cousins, die ein glückliches (?) ziviles Leben geführt haben – und das in Ländern wie Grossbritannien und den USA, wo es möglich war relativ ungestört ein Leben zu führen, in dem man seinen eigenen Interessen nachgehen konnte. Doch davon – von der Möglichkeit ein solches Leben überhaupt zu führen – sind viele Millionen oder gar Milliarden Menschen noch weit entfernt.

  2. Nichts hat sich in den letzten 50 Jahren stärker geändert als die Kulturtechniken des Lesens, Schreibens, Publizierens und Recherchierens. Deshalb sind die von Frank W.Cousins erhaltenen diesbezüglichen Artefakte, also das, was er an Geschriebenem, Publiziertem und an Recherchemitteln hinterlassen hat, so instruktiv und erhellend. Wenn die Rezensenten seines „Sundials..”-Buches auf die Encyclopaedia Britannica als bessere und billigere Quelle für den Bau von Sonnenuhren verweisen oder man erfährt, dass sich in Cousins-Bibliothek das mehr als 100-bändige “New English Dictionary on Historical Principle” befand, so wird im Vergleich zu heute sofort klar, dass sich trotz der alten Tradition des englischen Hobby- oder Bürgerwissenschaftlers (Citizen Scientist) wohl auch 1960 nur wenige Prozent der britischen Bürger zur Gemeinschaft der Menschen zählen konnten, die wissenschaftlich/technisch informiert waren – denn nur wenige Prozent der Briten besassen 1960 die Encyclopaedia Britannica -, während heute (fast) jeder Brite über den Zugang zu Internetenzyklopädien verfügt. Zudem kann sich heute der Sonnenuhrinteressierte seine Sonnenuhr selber ausdrucken, wenn er einen 3D-Drucker besitzt (Frank W.Cousins wäre heute ein möglicher Besitzer eines solchen 3D-Druckers).

    Aber auch die Debattenkultur hat sich geändert – und ins Internet verlagert. Frank W. Cousins Kreationismus ist ja heute in den USA und Teilen Grossbritanniens immer noch aktuell. Heute würde Frank W. Cousins als Kreationist wohl einer der Kreationisten-Vereinigungen angehören, die es in Grossbritannien gibt. Vielleicht der Organisation Truth in Science oder dem “Creation Science Movement”. Diese Organisationen gibt es zwar (teilweise) schon lange, aber heute sind sie über ihre Internetauftritte für jeden jederzeit erreichbar und ihre Videos über You Tube abrufbar. Was also früher ein überschaubarer Zirkel von Andersdenkenden war, die sich untereinander ausgetauscht haben, ist heute ein multimedial in alle Ecken der Gesellschaft wirkender Kreis von Aktivisten.

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