Earth Day aus astronomischer Perspektive

Heute, am 22. April, war wieder einmal Earth Day, “Tag der Erde” – und damit ein Anlass, sich mit Themen wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu befassen. In der Astronomie tut sich in dieser Hinsicht gerade eine ganze Menge: Die Astronom*innen, die sich für Klimaschutz einsetzen, haben sich vor einiger Zeit unter Astronomers for Planet Earth vernetzt. Wie mein Kollege Knud Jahnke es im September 2019 bei der großen Fridays-for-Future-Demonstraton auf seinem Schild formulierte: dafür, dass es tatsächlich keinen realistisch erreichbaren Planeten B gibt, sind Astronom*innen nun einmal zuständig:Damals nicht Earth Day, aber dasselbe Thema: Es gibt keinen Planeten B

Auch in unserer Vortragsreihe Faszination Astronomie Online haben wir uns des Themas aus astronomischer Perspektive bereits mehrmals angenommen. Vor knapp einem Jahr hat Leonard Burtscher (einigen hier vermutlich noch durch sein Scilogs-Blog “Promotion mit Interferenzen” bekannt), der sich ebenfalls bei Astronomers for Planet Earth engagiert, bei uns etwas zur Klimakrise aus astronomischer Sicht erzählt: Zur Sonnenaktivität und ihrem vergleichsweise geringen Einfluss auf das Klima, zur Rekonstruktion des Erdklima und zum Treibhauseffekt, und zu der erwähnten Frage nach einem Planet B – und warum das keine realistische Option für uns ist:

An meinem eigenen Institut, dem Max-Planck-Institut für Astronomie, haben sich Astronom*innen jüngst angeschaut, wie denn die CO2-Bilanz der Wissenschaft selbst aussieht: Wieviel CO2 wird beispielsweise durch die Reise zu wissenschaftlichen Konferenzen oder zu Teleskopen freigesetzt? Und wie beeinflusst andererseits der Klimawandel astronomische Beobachtungen? Zur CO2-Bilanz hat uns dann im Januar mein Kollege Jan Rybizki etwas erzählt:

Als letztes hat sich Tobias Beuchert von Astronomers for Planet Earth bei uns Gedanken über Vergänglichkeit im Weltall und Nachhaltigkeit auf der Erde gemacht, die man hier nachhören kann:

Wer selbst Astronom*in ist, oder dieses Fach studiert, oder aber es unterrichtet, kann übrigens gerne den offenen Brief unterzeichnen, den Astronomers for Planet Earth zum heutigen Earth Day publik gemacht hat; alle Informationen dazu findet ihr hier.

 

Markus Pössel hatte bereits während des Physikstudiums an der Universität Hamburg gemerkt: Die Herausforderung, physikalische Themen so aufzuarbeiten und darzustellen, dass sie auch für Nichtphysiker verständlich werden, war für ihn mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Forschungsarbeit. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam blieb er dem Institut als "Outreach scientist" erhalten, war während des Einsteinjahres 2005 an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt und schuf das Webportal Einstein Online. Ende 2007 wechselte er für ein Jahr zum World Science Festival in New York. Seit Anfang 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie leitet, ein Zentrum für astronomische Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Pössel bloggt, ist Autor/Koautor mehrerer Bücher, und schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.

6 Kommentare

  1. Wie würde es aussehen, wenn ihr Astronomen mit Euren Rechnern nach erneuerbarem Energiedargebot arbeitet? Wenn wenig kommt, wird eben nur der 0,8 kWh pro Arbeistag verbrauchende Biocomputer benutzt. Die Dunkelflaute wird kulturell als kreative Besinnung organisiert. Bei hohem Angebot an erneuerbaren Energien kann man dann ja kraeftig simulieren.

  2. Hier kommt die die Frage der Konkurrenz ins Spiel: Andere könnten ja schneller die bahnbrechende Entdeckung machen! Der Fokus auf Konkurrenz macht uns den Planeten kaputt!

    • Die Zeitskala für die aufwändigeren Simulationen sollte so lang sein, dass Konkurrenz an der Stelle kein Argument dagegen ist, erneuerbare Energien zu nutzen. Schwerer dürfte von Seiten der Rechenzentrumsbetreiber wiegen, dass die vorhandenen Rechner nicht ungenutzt herumstehen sollen – nicht zuletzt weil dann kritische Nachfragen kommen würden, ob es denn wirklich soviel an Kapazität sein musste.

      • Wie soll das denn dann mit den Elektrolyseuren für den Ueberschussstrom gehen, wenn man nicht mal die Forschungsrechner modulieren will. Die kommen dann ggf. auch nur auf 1000 Volllaststunden im Jahr, was sich nach bisherigem Vorgehen eben nicht “rechnet”. Muss die informierte Forschungslandschaft warten, bis der CO2-Fussabdruck des Stromes zeitnah eingepreist wird und es einfach irre teuer wird, die Simulationen mit voller Rechenpower fortzusetzen, auch wenn das eben noch fossile Backup voll gefordert wird. Ist es nicht möglich, da schon mal von sich aus reif und informiert zu reagieren?

  3. Wie soll das denn dann mit den Elektrolyseuren für den Ueberschussstrom gehen, wenn man nicht mal die Forschungsrechner modulieren will. Die kommen dann ggf. auch nur auf 1000 Volllaststunden im Jahr, was sich nach bisherigem Vorgehen eben nicht “rechnet”. Muss die informierte Forschungslandschaft warten, bis der CO2-Fussabdruck des Stromes zeitnah eingepreist wird und es einfach irre teuer wird, die Simulationen mit voller Rechenpower fortzusetzen, auch wenn das eben noch fossile Backup voll gefordert wird. Ist es nicht möglich, da schon mal von sich aus reif und informiert zu reagieren?

  4. Übrigens fahren hier im Leipziger Raum die Braunkohletagebaue unter der Flagge “abschaltbare Last” und lassen es sich extra vergüten, vorrangig bei hohem Dargebot an Sonnen- und/oder Windstrom zu baggern.

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