Buchbesprechung “Ich war noch niemals auf Saturn” (Michael Büker)

RELATIV EINFACH

Gelegentlich schaue ich in meiner öffentlichen Bücherhalle, was da gerade an Astronomiebüchern zum Ausleihen zur Verfügung steht. Bei meinem letzten Besuch stieß ich dabei auf “Ich war noch niemals auf Saturn – Eine Reise durchs Universum” von Michael Büker.

Büker hat 2012 mit einer Arbeit über den Detektor HiSCORE für kosmische Strahlung am DESY in Hamburg sein Physik-Diplom gemacht, ist aber, wie er in diesem Interview beschreibt, schon früh über DESY-Institutsführungen, Science Slams und das Artikelschreiben für “Welt der Physik” in Richtung Wissenschaftskommunikation gerutscht. Jetzt arbeitet er als Wissenschaftskommunikator, Wissenschaftsjournalist, Vortragender und Buchautor.

Locker, aber sorgfältig vereinfacht

“Ich war noch niemals auf Saturn” ist sein erstes Buch, und es ist so locker geschrieben, wie man es von einem Science Slammer erwarten würde. Trotzdem ist die Wissenschaft darin richtig dargestellt. Es gibt ja durchaus ein paar Standard-Schlampigkeiten, die man in weniger gut geschriebenen Büchern finden kann – die denglischen “supermassiven Schwarzen Löcher”, die im deutschen besser “supermassereich” heißen sind ein Beispiel dafür. Bei Büker heißen sie, wie es sich gehört, “supermassereich”. Und bei einer Anekdote mit schlechter Quellenlage wie derjenigen, Einstein habe die kosmologische Konstante seine “größte Eselei” genannt, kurz dazuzuschreiben, diese Aussage lasse sich aber nicht wirklich belegen, wie Büker es tut, ist einfach guter populärwissenschaftlicher Stil. Bedenken hatte ich nur bei der Beschreibung der kosmischen Expansion, denn dass man an dieser Stelle davon sprechen könne, dass sich im Gegensatz zur Bewegung der Galaxien durch den Raum “der Raum selbst verändert” findet sich zwar häufig gerade in populären Darstellung, entspricht aber nicht dem heutigen Wissensstand.

Gutes Buch für Einsteiger

Gerade für Einsteiger ist das Buch hervorragend geeignet – es setzt keine astronomischen Vorkenntnisse voraus, bringt den Leser*innen aber nach und nach alle Teilgebiete der Astronomie nahe – vom ausführlich behandelten Sonnensystem über Schwarze Löcher bis hin zu den kosmologischen Modellen. Der Schreibstil ist kurzweilig und regt zum Mitdenken an. Zwei bis drei CDs aufeinanderzulegen, drei Zentimeter vom Rand unsere “wir sind hier”-Position aufzuzeichnen und als Bulge eine zwei-Zentimeter-Murmel in die Mitte zu setzen vermittelt unmittelbar ein anschauliches Bild von unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße.

Für neuere Entwicklungen der beschriebenen Forschungsgebiete gibt es auf der Webseite zum Buch einen eigenen Abschnitt

Fazit: Lese- und Verschenkempfehlung für all jene Fälle, in denen in einfacher Einstieg in die Grundlagen und Erkenntnisse der modernen Astronomie gesucht wird!


Markus Pössel

Markus Pössel hatte bereits während des Physikstudiums an der Universität Hamburg gemerkt: Die Herausforderung, physikalische Themen so aufzuarbeiten und darzustellen, dass sie auch für Nichtphysiker verständlich werden, war für ihn mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Forschungsarbeit. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam blieb er dem Institut als "Outreach scientist" erhalten, war während des Einsteinjahres 2005 an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt und schuf das Webportal Einstein Online. Ende 2007 wechselte er für ein Jahr zum World Science Festival in New York. Seit Anfang 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie leitet, ein Zentrum für astronomische Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Pössel bloggt, ist Autor/Koautor mehrerer Bücher, und schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.

Schreibe einen Kommentar