Bildung und ansteckender Enthusiasmus

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… aber nicht einfacher
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Deutsche Übersetzung

Ich habe mich mit dieser Übersetzung vergleichsweise schwer getan; aber hier ist mein “best shot” (etwas freiere Übersetzungsbestandteile sind in eckigen Klammern abgesetzt):

“Es scheint mir, dass die Fähigkeit, Wissen zu vermitteln, sehr wenig mit [bestimmten Lehr]methoden zu tun hat. Sie kann auch ohne jegliche [Lehr]methode voll und ganz funktionieren, und umgekehrt kann die ausgeklügeltste [Lehr]methode, ob sie nun aus der Schweiz, Italien oder Gary, Indiana stammt, [der Wissensvermittlung nicht zum Erfolg verhelfen], wenn die Fähigkeit fehlt. Und worin besteht [diese Fähigkeit]? Sie besteht erstens aus einer Begabung, mit Kindern umzugehen, [sich in sie hinein zu versetzen] und Dinge so auszudrücken, dass sie sie verstehen können. Und sie besteht zweitens aus einer tiefen Überzeugung, dass das, was da gelehrt wird, interessant und wichtig ist, einer Überzeugung, die bereits einer Art Leidenschaft gleichkommt. Wer sein Fach gründlich beherrscht, wen sein Fach so [durchdringt], dass er es isst, schläft und träumt – so jemand kann immer erfolgreich lehren, egal wie wenig er von den Methoden der Pädagogik versteht. Und zwar weil in ihm Enthusiasmus ist, und Enthusiasmus ist fast so ansteckend wie die Angst vor dem Barber’s Itch. Ein Enthusiast wird keinerlei Mühen scheuen, die frohe Botschaft, die in ihm brodelt, mitzuteilen. Er hält sie für sich selbst für wichtig und wertvoll zu wissen; zeigt ein Schüler auch nur den kleinsten Funken an Interesse, wird er diesen Funkel zu einer Flamme anfachen. Kein hohler Formalismus verkrüppelt ihn und [hält ihn zurück]. Er zieht seine besten Schüler mit, so schnell sie [ihm folgen] können, und ist so erfüllt von seiner Sache, dass er nie müde wird, deren Elemente auch den Stumpfsinnigsten zu erklären.

Diese Leidenschaft, so ungeordnet und gleichzeitig so wirkmächtig, erklärt das Lehrvermögen das man oft bei Wissenschaftlern beobachtet, die es in ihren Spezialgebieten [weit gebracht] haben – z.B. Huxley, Ostwald, Karl Ludwig, Virchow, Billroth, Jowett, William G. Sumner, Halsted and Osler – Männer, die nichts von der sogenannten Wissenschaft der Pädagogik wusste und die ihre angeblichen Grundprinzipien verlacht hätten, hätte sie ihnen jemand erzählt.”

“Gary, Indiana” ist offenbar ein Seitenhieb auf “The Gary System“.

Den auf Wikipedia nicht eindeutig definierten “Barber’s Itch” habe ich unübersetzt gelassen – das ist offenbar keine Anspielung für uns heutige.

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Markus Pössel

Markus Pössel hatte bereits während des Physikstudiums an der Universität Hamburg gemerkt: Die Herausforderung, physikalische Themen so aufzuarbeiten und darzustellen, dass sie auch für Nichtphysiker verständlich werden, war für ihn mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Forschungsarbeit. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam blieb er dem Institut als "Outreach scientist" erhalten, war während des Einsteinjahres 2005 an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt und schuf das Webportal Einstein Online. Ende 2007 wechselte er für ein Jahr zum World Science Festival in New York. Seit Anfang 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie leitet, ein Zentrum für astronomische Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Pössel bloggt, ist Autor/Koautor mehrerer Bücher, und schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.

2 Kommentare

  1. Es muss nicht die Persönlichkeit des Lehrers oder der Lehrerin sein, die den Enthusiasmus erzeugt.

    Ich las damals (1957) Science-Fiction-Romane (Schundhefte), und interessierte mich daher stark für die Naturwissenschaften, Physik, Chemie, Technik, Astronomie, und Biologie.

    Alle anderen Fachgebiete erzeugten bei mir keinen Enthusiasmus.

  2. Karl Bednarik schrieb (31.01.2011, 05:54 Uhr):
    > Ideal starre Körper mit unendlich hoher Schallgeschwindigkeit gibt es nicht.

    Offenbar lassen sich bestimmte Mengen von Beteiligte denken, und ggf. sogar auffinden, die in dem Sinne gegenüber einander starr waren und blieben, dass ihre jeweiligen gegenseitigen Ping-Dauern konstant waren und blieben;
    und zwar insbesondere auch während sie dabei nicht gegenüber einander ruhten, also nicht alle gemeinsam Mitglieder des selben Inertialsystems waren.

    Dazu gehören beispielsweise “gleichmäßig rotierende (und dabei hinreichend kleine) Scheiben”,
    und “Einstein-Aufzüge” d.h. deren Decken- und Boden-Bestandteile durchwegs gegenüber einander (chronometrisch) starr blieben.

    Dabei sind diese Bestandteile aber voneinander getrennt, d.h. die jeweiligen Ping-Dauern des einen bzgl. des anderen sind nicht Null.

    > […] Wenn man aber die Triebwerke gleichmässig […] verteilt […] simuliert das […] Raumschiff einen ideal starren Körper

    Ja: jeweils konstante gegenseitige Ping-Dauern (die allerdings nicht außerdem gegenseitig gleich sind) stellen sich genau dann ein, falls die jeweiligen konstanten/hyperbolischen Beschleunigungen (Beträge) ebenfalls entsprechend ungleich sind; für zwei “Enden” A und B, mit den jeweiligen Beschleunigungsbeträgen “a” bzw. “b”:

    a / b =
    Exp[ -a/c τA_(BA) ] =
    Exp[ -b/c τB_(AB) ] =
    (τB_(AB) / τA_(BA)) = konstant.

    Da die gegenseitigen Pingdauern ungleich sind, lässt sich den beiden Enden auf dieser Grundlage aber nicht ein bestimmter “gemeinsamer/gegenseitger Abstand voneinander” zuschreiben,
    und erst recht nicht eine bestimmte Länge.

    > mit unendlich hoher Schallgeschwindigkeit.

    Nein: Jeglicher Signalaustausch zwischen derartig gleichmäßig und gegenüber einander starr beschleunigten Enden erfolgt trotzdem mit von Null verschliedenen “Rundlauf”-Dauern;
    und insbesondere hinsichtlich der jeweiligen Signal-Front mit von Null verschiedenen Ping-Dauern.

    > Da überall die Beschleunigung und die Geschwindigkeit gleich groß sind, […]

    Im betrachteten Fall der gegenseitig starren konstanten/hyperbolischen Beschleunigung(en) sind die Beschleunigungsbeträge der einzelen Bestandteile aber ausdrücklich ungleich, wie gezeigt.
    Von “Geschwindigkeit(en)” (etwa bzgl. bestimmten Inertialsystemen) ist dabei allerdings nicht ausdrücklich Rede …

    Schließlich lässt sich ganz allgemein und direkt beweisen, dass konstante/gleichmäßige Beschleunigung auch “hyperbolisch” ist;
    nämlich (z.B. hinsichtlich des Beteiligten A) dass,
    falls für alle je drei Ereignisse, ε_AF, ε_AJ, ε_AP, an denen A teilgenommen hatte, gilt

    (1/4) (1/ℓ[ ε_AF, ε_AP ])
    (
    (ℓ[ ε_AF, ε_AJ ] / ℓ[ ε_AJ, ε_AP ])^2 +
    (ℓ[ ε_AJ, ε_AP ] / ℓ[ ε_AF, ε_AJ ])^2 +
    (ℓ[ ε_AF, ε_AP ] / ℓ[ ε_AF, ε_AJ ])^2 (ℓ[ ε_AF, ε_AP ] / ℓ[ ε_AJ, ε_AP ])^2 –
    2 – 2 (ℓ[ ε_AF, ε_AP ] / ℓ[ ε_AF, ε_AJ ])^2 – 2 (ℓ[ ε_AF, ε_AP ] / ℓ[ ε_AJ, ε_AP ])^2
    )
    = konstant := a,

    dann ergibt sich die Dauer As von dessen Anzeige der Beteiligung am Ereignis ε_AF, bis zu dessen Anzeige der Beteiligung am Ereignis ε_AP als

    τA[ _F, _P ] :=
    Integral_(ε_AF)^(ε_AP)[ dℓ[ ε_AΦ, ε_AΨ ] =
    1/a ArcSinh[ a ℓ[ ε_AF, ε_AP ] ].

    Aber immerhin: bei gegenseitig starren konstanten/hyperbolischen Beschleunigung(en) im Flachen lassen sich jeweils [[momentan mitbewegte Inertialsysteme]] finden.
    Deshalb bezeichnet man solche Beschleunigung(en) auch als “Born-starr”.

    Die Bestandteile eines derartig gegenseitig starren konstant/hyperbolisch beschleunigten Raumschiffs bilden (natürlich) trotzdem ein Bezugssystem, und nach Vorgabe sogar ein starres,
    weil und sofern sich keine zwei dieser Bestandteile jemals trafen; solche Systeme werden allgemein auch als “[[(zeitartige) Kongruenzen]]” bezeichnet.

    (Die Vorgabe von genau gleichen Beschleunigungsbeträgen wäre offensichtlich ein wesentlich anderer, nämlich nicht-starrer Fall.
    Insbesondere bleiben die Ping-Dauern zwischen den beiden Raumschiffen in der bekannten Versuchsanordnung nach J. S. Bell nicht jeweils konstant, sondern nehmen immer weiter zu.)