10 Prozent für die Wissenschaftskommunikation!

Je mehr ich über den Vorschlag von Johannes Vogel nachdenke, die Politik solle doch bitte durchsetzen, dass 10 Prozent der für die Wissenschaft vorgesehenen Mittel in Wissenschaftskommunikation investiert werden müssen, umso besser gefällt er mir. Vogel, Generaldirektor des Berliner Museums für Naturkunde, hatte das in diesem lesenswerten Interview (im Blog von Jan-Martin Wiarda) vorgeschlagen.

Ein neuer Stellenwert für die Wissenschaftskommunikation

Erstens würde eine solche Maßgabe eine enorme Dynamik in der Wissenschaft entfalten. Bislang ist Wissenschaftskommunikation in den meisten Instituten ein “nice to have”, aber keine wirkliche Priorität. Wissenschaftler, die sich freiwillig in diesem Bereich engagieren, werden von immer noch von zu vielen ihrer Kollegen  belächelt oder sogar, wie jüngst auf dem Portal wissenschaftskommunikation.de, von ihren Kollegen als Idioten abqualifiziert. Dahinter steht, dass Engagement in der Wissenschaftskommunikation eben leider heutzutage nicht karriererelevant ist. Was zählt, ist nach wie vor die Forschung. Und auch wenn es durchaus das eigene Verständnis fördern kann, sich zu überlegen, wie man bestimmte Forschungsergebnisse einfach erklären kann – Zeit ist nun einmal eine begrenzte Ressource, und wer zu zeitintensive Wissenschaftskommunikation betreibt, schmälert dadurch im ungünstigsten Falle die eigene Forschungsleistung und damit die eigenen Karrierechancen.

Gäbe es durch die 10-Prozent-Regel einen Pool an Stellen in der Wissenschaftskommunikation, wäre der Stellenwert auf einmal ein ganz anderer. Dann wäre mit dem entsprechenden Engagement auch eine entsprechende Karriereperspektive verbunden. Solche Stellen gibt es zum Teil natürlich jetzt schon – Max-Planck-Institute beispielsweise haben oft institutseigene Öffentlichkeitsarbeiter, darunter einige, die aus der Wissenschaft kommen. Aber gerade an den Universitäten ist solche institutionalisierte Wissenschaftskommunikation auf Institutsebene meiner Erfahrung nach eher selten. Das könnte sich durch die 10-Prozent-Regel ändern.

Freiheiten, Chancen und Wettbewerbe der Ideen

Der zweite sympathische Aspekt des 10-Prozent-Vorschlags ist, dass er nicht vorgibt, zu wissen, was für die Wissenschaftskommunikation am besten ist. Fakt ist ja leider, dass es derzeit zwar in der Forschung selbst komplett offene Förderprogramme gibt – bei der DFG beispielsweise kann sich jede/r mit einer guten Forschungsidee bewerben. In der Wissenschaftskommunikation sind die meisten Förderprogramme sehr spezifisch. Beim Wissenschaftsjahr ist ein konkretes Thema vorgebeben, und auch bei den EU-Geldern für Science and Society gibt es meist recht spezifische “Calls”, was da jetzt gerade zu welchem Thema gefördert wird. Das kann zu der doofen Situation führen, dass man zwar eine richtig gute Idee zur Wissenschaftskommunikation hat, aber gerade in keine der aktuellen Ausschreibungen passt und es daher schwer hat, Finanzierung zu finden.

Das wäre mit der 10-Prozent-Regel anders. Durch eine solche Regel wäre auf vielen verschiedenen Größenskalen und an vielen verschiedenen Orten Geld vorhanden. Mal überschlagen nach DFG in Zahlen: Es gab im Jahre 2016 ganze 269 DFG-Sonderforschungsbereiche mit im Schnitt 2,5 Millionen Euro Jahresbudget. 10% davon wären pro SFB im Schnitt also 250,000 Euro im Jahr, entsprechend mindestens zwei Stellen und großzügigen Sachmitteln. Ähnlich sieht es mit den 110 Schwerpunktprogrammen aus. Bei den 215 Graduiertenschulen wäre jeweils von der Größenordnung her eine Stelle mit drin, bei den Großgeräte-Zuschuss-Projekten im Schnitt eine halbe.

Sprich: Da entstünde eine durchaus große Nachfrage. Und das eröffnet auf ganz unterschiedlichen Ebenen Chancen: denjenigen Personen, die sich jahrzehntelang in der Wissenschaftskommunikation engagiert haben und die ideale Besetzung für derartige Stellen wären. Chancen für Ausgründungen, die Wissenschaftskommunikation als Service anbieten – interessant nicht zuletzt dort, wo die 10 Prozent nicht für eine ganze Stelle reichen. Chancen für die Fachbereiche, die 10-Prozent-Anteile der verschiedenen Projekte sinnvoll zusammenzufassen.

Und es gäbe die Freiheit, das Geld wirklich angepasst an die Erfordernisse und Möglichkeiten des eigenen Forschungsgebiets auszugeben. Wo die eigene Forschung Citizen Science zulässt, könnte man das umsetzen. Wer einen Wissenschaftler oder eine Wissenschaftlerin als Kommunikator/in einstellen möchte, um die eigenen komplexen Ergebnisse erst einmal didaktisch aufzubereiten, kann das tun. Wer stattdessen auf PR setzen möchte, auf einen Öffentlichkeitsarbeiter oder eine Öffentlichkeitsarbeiterin, hat die Möglichkeiten dazu. Wer die Kompetenzen der  eigenen Wissenschaftler z.B. durch Fortbildungen wie beim Nawik verstärken möchte, kann das machen. Und wer die entsprechende Arbeit, sei es das Erstellen von Videos oder das Betreuen der eigenen Social-Media-Präsenz an eine externe Agentur vergeben möchte, hätte dazu die Mittel.

Wir können heute gar nicht richtig abschätzen, was für kreative Ideen eine solche Finanzierung freisetzen würde. Und das ist genau der springende Punkt. Was gut funktioniert, zeigt sich dann im Wettbewerb der Ideen. Und solange die Beteiligten jeweils mit einem Auge interessiert auf ihre Nachbarinstitute schauen, wie die ihre 10 Prozent denn nutzen und wie erfolgreich deren Ansatz ist (oder eben nicht), setzen sich gute Ideen durch.

Politisch machbar

Man kann natürlich lange und ausgiebig davon träumen, wie die ideale Wissenschafts-Kommunikations-Landschaft aussehen müsste. Aber was zählt ist natürlich, was davon auch umgesetzt werden kann.

Da hätte die 10-Prozent-Regel den Vorteil, dass alleine das Bundesministerium für Bildung und Forschung über die von ihm allein oder anteilig finanzierten Gelder bereits viel bewirken könnte – ein nicht zu unterschätzender Vorteil beispielsweise gegenüber Vorschlägen, die nur dann klappen würden, wenn auf einen Schlag alle Uni-Präsidenten ihre Haltung gegenüber der Wissenschaftskommunikation drastisch ändern würden.

Die 10-Prozent-Regel wäre außerdem eine genuin politische Lösung – sie würde Rahmenbedingungen definieren, Anreize setzen, Ressourcen zur Verfügung stellen, aber sich nicht ins Klein-Klein der Umsetzung vor Ort verstricken, sondern eben im Gegenteil Raum für viele verschiedene Arten von Lösungen lassen: Wissenschaftsfreiheit auch in der Wissenschaftskommunikation.

Hoffnung macht, dass die neue Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, der Bringschuld der Wissenschaft, ihre Ergebnisse und die damit zusammenhängenden Risiken an die Öffentlichkeit zu vermitteln, durchaus Gewicht beimisst. In einem jüngst erschienenen Interview in DIE ZEIT sagte sie dazu

Ich erwarte, dass die Wissenschaft sich besser erklärt. Sie muss raus aus ihrem Kämmerchen und sagen: Warum machen wir diese Art von Forschung? Wozu nützt sie? Was sind die Risiken? Dadurch kann es gelingen, Vertrauen in die Wissenschaft zurückzugewinnen, das in den vergangenen Jahren geringer geworden ist. Ich könnte mir vorstellen, dass wir die Vermittlung und den Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen stärker fördern, aber auch fordern werden.

– dafür wäre die 10-Prozent-Regel doch ideal [wie Wiarda hier auch vorschlägt]: Sie würde der Wissenschaft die nötigen Ressourcen und Anreize geben, ihre Forschung zu kommunizieren. Und anders als jetzt, wo jede Forderung danach, jeder Forscher und jede Forscherin müsse doch gefälligst in der heutigen politischen Situation mit der Öffentlichkeit kommunizieren, dadurch konterkariert wird, dass es eben an den Ressourcen und damit an der institutionellen Wertschätzung für solche Art von Kommunikation fehlt, würde sich dieses Missverhältnis mit der 10-Prozent-Regel gründlich ändern. Wer die nötigen Ressourcen dafür bereitstellt, der darf die Bringschuld Wissenschaftskommunikation guten Gewissens und konsequent einfordern.


Nachträglich eingefügt 29.3.2018: Link zu weiterem Wiarda-Blogbeitrag

Markus Pössel hatte bereits während des Physikstudiums an der Universität Hamburg gemerkt: Die Herausforderung, physikalische Themen so aufzuarbeiten und darzustellen, dass sie auch für Nichtphysiker verständlich werden, war für ihn mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Forschungsarbeit. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam blieb er dem Institut als "Outreach scientist" erhalten, war während des Einsteinjahres 2005 an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt und schuf das Webportal Einstein Online. Ende 2007 wechselte er für ein Jahr zum World Science Festival in New York. Seit Anfang 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie leitet, ein Zentrum für astronomische Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Pössel bloggt, ist Autor/Koautor mehrerer Bücher, und schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.

32 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Fände ich eine großartige Idee! Ich finde “die Wissenschaft” hat den sonstigen Welterklärern (und anderen Meinungsmachern wie NGOs) viel zu lange das Feld überlassen. Es gehört wieder mehr Aufklärung ins Land.

  2. Markus Pössel schrieb (28. März 2018):
    > […] Ressourcen und Anreize geben, […] Forschung zu kommunizieren
    > […] dass es eben an den Ressourcen und damit an der institutionellen Wertschätzung für solche Art von Kommunikation fehlt

    Solches Fehlen betrifft wohl vor allem jene “Art von Kommunikation“, die neben dem (an sich offenbar recht angesehenen) Geben (von sogenannten “Veröffentlichungen”) auch mehr als nur eine ganz bestimmte Art ihres Nehmens vorsieht;

    und zwar nicht nur im Sinne von (an sich offenbar recht gern gezeigten) “Zitaten”,

    sondern auch im Sinne sowohl der Unterstützung der didaktisch-wissenschaftlichen Erschließung (zunächst und vor allem durch Ver[[wiki]]linkung der an die Öffentlichkeit gerichteten Äußerung),

    als auch des Auffindbar- bzw. Barrierefrei-Machens eventueller darauf bezogener Nachfragen/Hinweise/Gegendarstellungen/[[Veröffentlichung:Diskussion]]en.

    (Wobei der rein monitäre Preis für die beiden letztgenannten Kommunikationsweisen bekanntlich überschlagsweise [[tuppence#Neudeutsch:Peanuts]] ist …)

    Kommunikation verunsichert stets diejenigen,
    die sich davon immerhin als “nicht gefragt” verstehen.

    • Irgendwie schaffen Sie es immer, Ihre Botschaft hinter einer Wolke von Andeutungen, geschraubten und komplizierten Formulierungen soweit zu verstecken, dass ich nie sicher bin, was Sie genau meinen.

      Falls es darum geht, gezielt auch auf tiefergehende Fragen einzugehen und einen intensiveren Dialog zu bieten: Ja, dazu böte die 10-Prozent-Regel entsprechende Ressourcen. Auch wenn selbst mit diesen weitergehenden Ressourcen sicher nicht möglich ist, es allen recht zu machen.

      Und nein, sobald Wissenschaftler in die Kommunikation persönlich Zeit investieren, liegen die Kosten mitnichten bei Peanuts. Zeit ist eine wertvolle Ressource; würde man entsprechend investierte Zeit auch nur einigermaßen fair in Rechnung stellen, etwa orientiert was Fachleute in beratender Funktion etwa in der Wirtschaft bekommen, kämen dabei beachtliche Summen zusammen. Summen, die derzeit effektiv die Wissenschaftler freiwillig aufbringen, oder an anderer Stelle einsparen. Mit der 10-Prozent-Regelung wäre gerechter geregelt, dass die Gesellschaft für solche Kommunikationsleistung auch entsprechende Ressourcen zur Verfügung stellt.

  3. Zehn Prozent ist reichlich viel.
    In der Technik aber auch bei anderen Produkten werden zwar für Werbung große Summen ausgegeben. Aber da geht es ja auch darum ein Produkt zu verkaufen. Um die Produkte zu erklären (Funktion etc.) wird nicht viel Geld ausgegeben. Würde auch nicht viel bringen weil es den meisten ohnehin nicht interessiert.
    Warum sollte das in der Wissenschaft anders sein. Den Großteil der Menschen interssieren die Dinge ohnehin nicht.
    Und jene die es interessiert die finden die Informationen so auch, sei es in Magazinen, Online oder wo auch immer.
    Zehn Prozent erscheint maßlos übertrieben.

    • Das “maßlos übertrieben” ist reines Bauchgefühl, oder? Ob es nun 10 Prozent sind oder etwas weniger – das richtige Maß dürfte darin liegen, dass ein typisches größeres Institut oder ein Fachbereich von seinem typischen DFG-Drittmittelanteil eine halbe oder ganze Stelle für Outreach finanzieren kann. Das eröffnet nun einmal tolle Möglichkeiten.

      Dazu, warum das in der Wissenschaft anders sein sollte: Weil Wissenschaft in der heutigen politischen Diskussion an vielen Stellen wichtig oder sogar entscheidend ist. Weil Wissenschaft deswegen von vielen Seiten aufgefordert wird, besser zu erklären, was sie tut. Der Vorschlag mit den 10 Prozent gibt ihr (endlich!) die Ressourcen, diesen berechtigten Aufforderungen nachzukommen. Eine komplett andere Situation als bei einer Firma, die ein Produkt verkauft.

      Und nein, diejenigen, die es tiefergehend interessiert finden ihre Informationen typischerweise nicht in den Massenmedien, oder sogar in den Special-Interest-Magazinen. Gerade bei Themen, in denen kritischer Diskussionsbedarf besteht – etwa Klimawandel – gibt es Bedarf für tiefergehendere Beschäftigung. Das machen die betreffenden Wissenschaftler, zum Beispiel nebenan in der KlimaLounge, derzeit nebenbei und freiwillig. Der 10-Prozent-Vorschlag würde für diese Art von Austausch gezielt Ressourcen zur Verfügung stellen.

    • Um die Produkte zu erklären (Funktion etc.) wird nicht viel Geld ausgegeben.

      In dieser apodiktischen Form ist die Behauptung schlicht falsch. Das mag vielleicht für Konsumgüter gelten, bei erklärungsbedürftigen Investitionsgütern sieht das ganz anders aus. Nach meiner Erfahrung in diesem Sektor werden für die Erklärung der Produkte Summen ausgegeben, die leicht 30% und mehr der Entwicklungskosten betragen. Insofern scheinen mir die 10% nicht übertrieben hoch. Noch ein anderes Argument für den 10%-Vorschlag: wenn wir uns die Klimadiskussion anschauen, finden wir dort allerlei dubiose Institute (EIKE nur als Beispiel), die 100% ihres Budgets in die Kommunikation stecken. Aufwand für Forschung: 0%. Die haben auch gar kein Interesse an Wissenserzeugung und -vermittlung, das einzige Ziel solcher und ähnlicher Vereinigungen ist die Verunsicherung von Bevölkerung und Entscheidern in der Politik. Hier Waffengleichheit herzustellen ist vielleicht wichtiger als das Füllen noch der letzten Wissenslücken durch aufwändige Experimente (wobei ich damit natürlich nicht sagen will, dass die Klimaforschung eingestellt werden sollte).

      • Nach meiner Erfahrung in diesem Sektor werden für die Erklärung der Produkte Summen ausgegeben, die leicht 30% und mehr der Entwicklungskosten betragen.

        Sind damit Schulungen gemeint? Für PR ist das doch nach meiner Meinung recht viel.

        Noch ein anderes Argument für den 10%-Vorschlag: wenn wir uns die Klimadiskussion anschauen, finden wir dort allerlei dubiose Institute (EIKE nur als Beispiel), die 100% ihres Budgets in die Kommunikation stecken. Aufwand für Forschung: 0%. Die haben auch gar kein Interesse an Wissenserzeugung und -vermittlung, das einzige Ziel solcher und ähnlicher Vereinigungen ist die Verunsicherung von Bevölkerung und Entscheidern in der Politik. Hier Waffengleichheit herzustellen ist vielleicht wichtiger als das Füllen noch der letzten Wissenslücken durch aufwändige Experimente (wobei ich damit natürlich nicht sagen will, dass die Klimaforschung eingestellt werden sollte).

        Nun EIKE ist wohl nicht mit einer echten Forschungseinrichtung zu vergleichen. Auch wenn diese Leute sich Institut nennen, sind diese keine Forscher im eigentlichen Sinne. Eher wie das “Magarineinstitut”, das damals nur PR machte. Nun zum Punkt Waffengleichheit: Diese Leute sind im Fernsehen weniger präsent als Rahmsdorf Schellnhuber etc.

        • Nein, Schulungen haben wir uns bezahlen lassen. Ich bin im Bereich chemische Analytik tätig (Massenspektrometrie, Elementanalytik, etc.), und da investieren wir schon einiges in Applikationsberatung (welche Fragestellung kann mit welchem Gerät wie beantwortet werden), Gerätevorführungen (z.T. vor Ort), Seminarteilnahmen, etc. Das summiert sich ganz schön, und ich bin bei meiner Einschätzung einfach von der Grösse der entsprechenden Abteilungen ausgegangen -sicher nicht ganz falsch, wenn man bedenkt, dass der Löwenanteil der Kosten Personalkosten sind.
          Wenn Sie bemerken, dass die EIKE-Schwindler weniger präsent sind als etwa das PIK, muss man dabei berücksichtigen, dass diese Leute eine verschwindende Minderheit repräsentieren. Man schätzt, dass ca. 93% aller Wissenschaftler, die sich mit der Klimaproblematik befassen, von einem anthropogenen Klimawandel ausgehen. Die verbleibenden 7% sind in der öffentlichen Diskussion deutlich überrepräsentiert.

          • Wenn Sie bemerken, dass die EIKE-Schwindler weniger präsent sind als etwa das PIK, muss man dabei berücksichtigen, dass diese Leute eine verschwindende Minderheit repräsentieren. Man schätzt, dass ca. 93% aller Wissenschaftler, die sich mit der Klimaproblematik befassen, von einem anthropogenen Klimawandel ausgehen. Die verbleibenden 7% sind in der öffentlichen Diskussion deutlich überrepräsentiert.

            Nun zu der Zahl 97% der Wissenschaftler. Das ist die Zahl der Studien, die pro AGW sind. Dies ist ein kleiner Unterschied. Was die mediale Präsens betrifft, kann ich Ihren Eindruck nicht teilen. Allerdings ist mein Eindruck durch das Fernsehen als (noch) Massenmedium bestimmt. In den Jahren waren nur PIK, Schellnhuber, Latif zu sehen. Bis auf die Ausnahme des Beitrages von Kontraste, der sich aber kritisch mit EIKE befasste. Also von überrepräsentiert kann nach meiner Meinung nicht die Rede sein.

            Zum Thema Aufwand ist noch folgendes zu sagen. Im verlinkten Test stand ein Betrag von 1 Million Euro pro Seite der Publikation. Dann wäre der Aufwand für die Kommunikation mehrere 100000 Euro. Dies wäre bei einem Stundensatz von 100 Euro dann mehrere tausend Stunden für die Kommunikation dieser einen Publikation. Das kommt mir viel vor.

          • Nun zu der Zahl 97% der Wissenschaftler. Das ist die Zahl der Studien, die pro AGW sind. Dies ist ein kleiner Unterschied.

            Es wäre nett, wenn Sie Ihre Behauptungen auch entsprechend unterfüttern würden. Mit meiner Behauptung bezog ich mich auf eine konkrete Umfrage unter Wissenschaftlern, nicht auf die Anzahl der Studien. Wenn man schon Diskssionsteilnehmer korrigiert, sollte die Korrektur auch Hand und Fuss haben.
            Die mediale Präsenz an der Anzahl der Fernsehauftritte festzumachen ist statistisch offensichtlich fragwürdig. Ich gebe allerdings zu, dass ich hier auch nicht mit Daten dienen kann, mein Eindruck speiste sich eher aus der überproportionalen Wirkung, die die Klimaskeptiker erzielen. Aus der oben zitierten Studie geht auch hervor, dass Nicht-Experten vom AGW in deutlich geringerem Ausmass überzeugt sind als die Wissenschaftler, die sich professionell damit beschäftigen und daher über alle relevanten Informationen verfügen. Auch die Tatsache, dass in den USA eine der zwei grossen politischen Parteien die Theorie vom AGW gegen alle wissenschaftliche Evidenz ablehnt (hier in Deutschland immerhin die grösste Oppositionspartei) zeigt, dass die Wissenschaftskommunikation mindestens ausbaufähig ist.

          • Es wäre nett, wenn Sie Ihre Behauptungen auch entsprechend unterfüttern würden. Mit meiner Behauptung bezog ich mich auf eine konkrete Umfrage unter Wissenschaftlern, nicht auf die Anzahl der Studien. Wenn man schon Diskssionsteilnehmer korrigiert, sollte die Korrektur auch Hand und Fuss haben.

            Nun bitte sehr: Artikel aus ZETT

            Oder ist dies auch Fake New? Und übrigens Harald Lesch argumentiert auch mit der Zahl der Studien pro und contra.

            Auch die Tatsache, dass in den USA eine der zwei grossen politischen Parteien die Theorie vom AGW gegen alle wissenschaftliche Evidenz ablehnt (hier in Deutschland immerhin die grösste Oppositionspartei) zeigt, dass die Wissenschaftskommunikation mindestens ausbaufähig ist.

            Und diese Partei hat gerade mal 13% der Stimmen. Und ob die Wähler dieser Partei diese wegen dem Zweifel an AGW gewählt haben, ist auch fraglich.

            Was zu Mindestens das Fernsehen angeht, habe ich nicht den Eindruck, daß EIKE und Co eine überproportionale Präsens haben. Und was den Bericht von Kontraste angeht kamen auch gleich Rahmsdorf und Lesch in diesem Beitrag zu Worte. Also was das Medium Fernsehen angeht, behaupte ich mal, dass hier kein Missverhältnis zugunsten der “Klimaleugner” vorliegt. Ich würde auch eher nicht die Menge Geld sondern die Qualität der Kommunikation als Ursache für eine geringe Akzeptanz von AGW in der Bevölkerung sehen. Wenn etwa behauptet wird, dass schmelzendes Meereis oder schmelzende Eisberge die Ursache für einen starken Anstieg des Meeresspiegels verantwortlich ist, dann ist das Unsinn. Jeder mit minimalen Kenntnissen von Physik bekommt dann Zweifel an der Glaubwürdigkeit.

          • Sie haben behauptet, dass ich die Zahl der Wissenschaftler mit der Zahl der Studien verwechselt hätte. Ich habe Ihnen nachgewiesen, dass dem nicht so ist, und Sie kommen wieder mit der Zahl der Studien. Da mir Ihr rowdyhafter Diskussionsstil missfällt, breche ich die Debatte hier ab.

  4. @aristius fucus

    Was heisst hier denn rowdyhaft? Habe ich Sie beleidigt? Dies mit der Umfrage stimmt wohl schon. Aber daß in den Medien und auch von Lesch die Zahl der Studien genannt wird, ist wohl auch richtig.

  5. Nun noch was zum eigentlichen Thema. Da die Kosten für Forschungsprojekte je nach Fixkosten (Strom, Miete etc) und Ausstattungskosten (Geräte für die Experimente) stark schwanken, schlage ich vor, den Etat für die Kommunikation an den Personalkosten festzumachen. Also im Sinne von einer Kommunikationsstelle für 10 Forschungsstellen.

    • So etwas kann man machen. Soweit es die Drittmittel betrifft (sprich: zentrale Steuerung über DFG) ist das ja einigermaßen automatisch. Auch wenn bei Großgeräten gerne auch so verfahren werden könnten.

  6. Sollen die 10 Prozent oben drauf kommen, oder werden sie der Forschung abgezwackt? Das wird m. E. nicht so ganz klar im Beitrag. Es scheint, als würde vorgeschlagen, die Mittel für die Kommunikation abzuzweigen, auf Kosten der Forschung.

    Hoffentlich bleibt dann noch etwas, worüber berichtet werden kann… 😉

    • Soweit ich dies verstanden habe, sollen von den Gesamtkosten 10% für die Kommunikation zur Verfügung stehen. Nur ist dann die Frage, ob bei DESY oder CERN dann mehr Geld als bei einem Institut der theoretischen Physik für die Kommunikation zur Verfügung stehen.

      • Gesamtkosten wären ideal, praktisch durchführbar wäre das aber z.B. bei entsprechender Entscheidung des BMBF nur bei den Fördergeldern, die tatsächlich über den Bund laufen. Und, bei entsprechender Verhandlung, bei der DFG – die wäre für die Breitenwirkung auf die Unis ganz entscheidend. Und ja, größere Organisationen mit mehr entsprechender Förderung hätten dann auch mehr Ressourcen. Wobei an entsprechenden Resultaten von DESY oder CERN ja immer Dutzende von Uni-Instituten mit dranhängen, deren Forschung dann mitkommuniziert wird.

    • Am besten wäre natürlich “oben drauf”. Anderswo etwas abzwacken wäre ja auch ein zu großer Eingriff in die Autonomie der Geförderten. Langsam über den Pakt für Forschung und Innovation wachsen lassen, beispielsweise. Und wie gesagt, wir reden über 10% – sprich: 90% werden ausgegeben wie bisher. Da zu unken, es könne ja eventuell alles Berichtenswerte wegbrechen, ist doch arg übertrieben.

  7. 10 Prozent für die Wissenschaftskommunikation!

    Aus diesseitiger Sicht keine schlechte Idee! – Gerade auch dann, wenn Qualitätsjournalismus vorliegt, wie bspw. beim hiesigen werten Inhaltegeber.
    (Die Gegenargumente dürften bekannt sein, einige sollen ganz kurz aufgezählt werden : Wissenschaftskommunikation kann als Journalismus (das Zauberwort, das im dankenswerterweise bereit gestellten WebLog-Artikel fehlte) verstanden werden, Journalismus direkt zu fördern ist aus Sicht vieler keine staatliche Aufgabe, zudem bestünde die Gefahr, dass -Wes Brot ich ess, des Lied ich sing!- eine Art Journalismus anfällt, wie er bspw. von den bundesdeutschen Öffentlich-Rechtlichen bekannt ist, von dem einige meinen, dass er mit politischen Parteien, insbesondere mit denen, die die Regierung stellen, weitgehend konform geht. Außerdem wird der Verteilungsapparat selbst Ressourcen benötigen, auch die dort dann zu erwartenden Kämpfe betreffend, diese kleinen politischen Rangeleien. Kann Journalismus überhaupt sinnhafterweise staatlicherseits, also mit Steuergeld, gefördert werden? (Und falls ja, würden dann nicht auch politische Journalisten kommen und die Hand aufhalten?) – Bonusfrage : Reine PR soll wohl nicht herauskommen, gell?)

    MFG + schöne Ostern bzw. ein fröhliches Hasenfest noch!
    Dr. Webbaer

    • Wie im Haupttext eigentlich ja ausgeführt: es geht nicht um Wissenschaftsjournalismus (ein Begriff der, regelmäßige Leser werden es wissen, in diesem Blog ja ganz generell nicht synonym zu Wissenschaftskommunikation verwendet wird – letztere ist ungleich mehr), sondern darum, den wissenschaftlichen Einrichtungen selbst eine entsprechende Nutzung eines kleinen Teiles ihrer Fördergelder (die erwähnten 10%) aufzuerlegen.

      • Es gibt halt nur die Berichterstattung außerhalb des wissenschaftlichen Betriebs angeleiert, dann (Wissenschafts-)Journalismus genannt, und die innerhalb des wissenschaftlichen Betriebs angeleierte, dann PR genannt.

        Mischformen mag es geben, aber kein originäres Drittes.

        Es ist Ihrem Langzeit-Kommentatorenkollegen insofern unklar, wie Sie die Bereitstellung von öffentlichen Geldern, von Steuergeldern, hier genau zu “verargumentieren” wissen.
        Außer eben staatliches Sponsorentum (Mäzenatentum liegt hoffentlich nicht vor), an die Kommunikation der wissenschaftlichen Arbeit gebunden sehen zu wollen, also dann, genau dann, wäre Dr. Webbaer ganz bei Ihnen!
        Im Kleinen, also wenn “mal eben so” ein paar zigtausend Euro vergeben werden, geht dies wohl nicht, im Großen hier eine Rechtfertigungspflicht (durch “10 %” finanziert) zu sehen, eine ‘Bringschuld’ (Artikeltext) zu sehen, müsste OK sein, gute Idee!

        Allerdings gibt es dann auch politische Implikationen, eben die oben geschilderten, die an sich problematisch sind und auf die viele Forscher wohl “kein Bock” haben (können).
        Es geht also in concreto um die Umsetzung, die ist einigen noch unklar.

        MFG
        Dr. Webbaer

        • Nein, diese Zweiteilung ist eben so nicht richtig und blendet wichtige Bereiche aus. Das hatte ich ja in dem gerade verlinkten Beitrag herausgearbeitet, und bin mit der Einschätzung ja auch nicht alleine. Wenn man das, was aus der Wissenschaft an Wissenschaftskommunikation kommt und eben nicht klassische PR ist, sondern viel näher an der Lehre liegt (sprich: vor allem die wissenschaftlichen Inhalte allgemein betrifft und weniger Institution/Person des Wissenschaftlers oder die Institution Wissenschaft) mit Gewalt in den Begriff PR mit hineinstopft, gehen entscheidende Unterschiede verloren. Diese Art von Wissenschaftskommunikation ist genau so wenig Wissenschafts-PR wie Journalismus Zeitungsverlags-PR ist.

          • Hmja, wenn Sie’s so sehen wollen, Herr Pössel, vgl. mit Ihrer diesigen Aussage – ‘Diese Art von Wissenschaftskommunikation ist genau so wenig Wissenschafts-PR wie Journalismus Zeitungsverlags-PR ist.’ -, werden Dr. W und Ihrerseits wohl nicht zusammenfinden, hauptsächlich deshalb nicht, weil Dr. W gerne Möglichkeit als gegeben betrachtet, während Sie die Unabhängigkeit wie gemeint Eingebundener als wichtig bis ausschlaggebend betrachten, von diesem Song weggehend.

            Macht aber nichts, dies hier -‘Im Kleinen, also wenn “mal eben so” ein paar zigtausend Euro vergeben werden, geht dies wohl nicht, im Großen hier eine Rechtfertigungspflicht (durch “10 %” finanziert) zu sehen, eine ‘Bringschuld’ (Artikeltext) zu sehen, müsste OK sein, gute Idee!’- ist bemerkt worden wie auch die Frage, wie im vorgeschlagenen Sinne implementiert werden könnte?

            MFG
            Dr. Webbaer (der sich nun einstweilen auszuklinken hat, bald aber womöglich wieder da ist)

          • Die Unabhängigkeit der in der Wissenschaftskommunikation aktiven Wissenschaftler von ihrer Institution erlebe ich eben in der Praxis. Die ist typischer Teil des Selbstverständnisses. Ebenso wie der Modus, Kommunikation mit der Öffentlichkeit als eine Art Lehrtätigkeit zu sehen. Daran kommt halt keine adäquate Beschreibung von Wissenschaftskommunikation vorbei.

          • Also, bei einigen Wissenschaftskommunikatoren hat Dr. Webbaer ja auch den allerbesten Eindruck, es wäre dann ja nicht so, dass diese ihre Unabhängigkeit verlieren, wenn die “10 %-Regel” implementiert wird, abär einige Wissenschaftskommunikatoren sind schon bspw. politisch, gar parteipolitisch, befangen oder haben auch ansonsten ihre Steckenpferde, die sind dann nicht so-o gut, wie Dr. Webbaer findet.
            Insofern stellt sich die Frage, welche Wissenschaftskommunikatoren ein Verteilungs-Apparat, der parteipolitisch gebunden ist, der “10 %-Regel” folgend, in praxi bevorzugt fördern wird, direkt oder indirekt, und hier hat Dr. Webbaer ein schlechtes Gefühl.

            Ansonsten, greift Ihre Argumentation mit der Wissenschaftskommunikation und den “10 %” nicht auch auf anderem Gebiet, bei der Kommunikation von Sport, Wirtschaft und Politik, wenn staatliche Gelder (nicht zu vergessen : es sind Steuergelder) fließen?
            Die bundesdeutschen “Öffies” könnten als abschreckendes Beispiel verstanden werden.

            MFG
            Dr. Webbaer (der hier wohl, bei diesem schwierigen Thema, die Positionen ausgetauscht sieht, Ihnen, lieber Herr Dr. Pössel, weiterhin viel Erfolg wünscht)

  8. … sondern darum, den wissenschaftlichen Einrichtungen selbst eine entsprechende Nutzung eines kleinen Teiles ihrer Fördergelder (die erwähnten 10%) aufzuerlegen.

    Ist dies etwa im Sinne einer Pressestelle zu verstehen?

    • Wie im Haupttext ja auch steht: Die Umsetzung ist den Institutionen selbst überlassen. Wer davon eine Art Instituts- oder Fachbereichs-Pressestelle finanzieren möchte, kann das, einen entsprechenden Betrag vorausgesetzt, tun. Wer lieber einen wissenschaftlichen Mitarbeiter finanziert, der daran arbeitet, Daten, Methoden oder auch Software öffentlich zugänglich aufzubereiten, kann das tun. Wer mit einer externen Agentur eine Wanderausstellung zum eigenen Forschungsthema machen möchte: Nur zu. Materialien für den Gebrauch in Schulen aufbereiten? Die eigenen Wissenschaftler beim Bloggen und bei entsprechenden Diskussionen mit der Öffentlichkeit unterstützen? Ein Citizen-Science-Projekt umsetzen? Auch: nur zu. Ich würde, wie im Haupttext geschrieben, damit rechnen, dass sich, wenn die betreffenden Ressourcen da sind, entsprechend gute Ideen und Menschen finden, die jene gut umsetzen können.

  9. Wenn es gelänge, die Ausgaben für das Publizieren in und den Kauf von Fachjournalen um die Hälfte zu reduzieren (bei gleichbleibender Nutzung natürlich), wäre sicherlich schon einiges gewonnen für die Finanzierung der Wissenschaftskommunikation.

    • Möglich. Aber mein Vorschlag war insofern durchaus praktischer, als dass er durchaus zentral umsetzbar wäre. An jeder Universität Teile der Bibliotheksetats in die Institute umzuschichten lässt sich nicht zentral entscheiden – das wäre dann eine Vielzahl von lokalen Debatten, ob das Geld gerade so und nicht anders umverteilt wird.

  10. Vorschlag :
    Das für die Wissenschaftsförderung zuständige Ministerium bindet die Förderung größerer Einzelprojekte testweise an die “10 %-Regel” und dann werden Erfahrungen gesammelt.

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